um
NILS
Nr. 31
Beilage zur Fuldaer Zeitung
7. Februar
Faschingsball.
lieber allen Gipfeln ist Ruh".
als
und
Zufriedenheit zerstört und — Liebe zertritt! fiter
10]
Roman von
alles im Speisesaal jtov
verlangen . .
der Fisch fer-
war keine
die beiden Offiziere jetzt ohne sich um die Passa-
o, wenn daß Sie
sie will, sehr un-
Die und
Ms beim Lunch am anderen Mittag viert wird, fällt es Oelsmann auf, daß
in gehetztem Laufschritt rasen durch den Saal, verlassen ihn, giere zu kümmern.
Zwei Sekunden drängt sich
Ohr flüstert — hier fällt schon auf, daß das schwammige Gesicht dieses Mannes blaß und verstört ist. Dann regiftiert man ein heftiges Zusammenfahren Oelsmanns, eine Sekunde zu spät von ihm gemeistert — der Tisch verfolgt jetzt gespannt, daß der Offizier den Saal durchquert und auf den Kapitän zueilt.
Unmittelbar darauf schnellt auch Lebram empor —
In Kleid und fiaar noch Kälte der Nacht, — Das Kind im Bettchen erwacht — und lacht! — „Er" atemlos noch aus befreiter Brust, „Unnötige Sorge — ich Habs ja gewußt!" „Sie" überdenkend der Stunden Rest, „Dies war das Schönste vom ganzen Fest!"
fi. Kaminski
Die Jungfernfahrt der „Christabelle."
Alfred Karl.
von der Estrade über dem Eingang eine Jazzkapelle anfeuernde Rhythmen in den Saal wirft. Er tanzt erst mit Dorrit b’fieribert und dann mit Daisy — seine Leistung auf dem Parkett ist allerdings nicht erschütternd, er bevorzugt eine gemäßigte, solide Art, sich zu bewegen.
Er ist also keine Akquisition für die tanzwütigen Flapper, die im übrigen längst vergeben sind. Trotzdem lassen sich die Mädels den Triumph natürlich nicht entgehen. Sie schreiben ihren pikanten, brünetten Gesichtern und ihren feuerroten Kleidern — eine andere Farbe tragen sie abends nie — die überraschende Wirkung zu, fierrn Jack Walker aus seiner amerikanischen Wurstigkeit aufgescheucht zu haben.
Eine bittere Begleiterscheinung der meisten Triumphe »st ihre kurze Dauer: Walker hat zu einem dritten Tanz — Reta Gareen, niemand anders als Reta Gareen, mit der ihn seit dem SOS-Krach doch alles andere als herzliche Beziehungen verbinden.
Die maßlose Verblüffung läßt sie mechanisch emporschnellen — was bleibt ihr auch übrig? — Und automa- tiidj folgt sie, von Walker geführt, dem Rhythmus des Tanzes.
Mitteilsam ist der Amerikaner auch jetzt keineswegs — nur gegen Ende des Tanzes erkundigt er sich: „Kann ich etwas tun, verehrtes gnädiges Fräulein, um das Kriegsbeil zwischen uns zu begraben?"
Die Frage klingt sehr kühl, sehr neutral. Schr sachlich, amerikanisch — nee, mein Bester, so kannst du bestimmt nicht mit etwa Gareen umspringen! „Kriegsbeil? Wieso, fierr Walker?" antwortete sie in jenem unnachahmlichen, Abstand haltenden Ton, der den Männern nicht gegeben ist. Und ob Kriegszustand zwischen uns besteht, soll das heißen — aber du ahnst offenbar nicht, wie egal mir das ist . . .
Natürlich merkt er es, verzichtet auf jeden weiteren Versuch, führt sie nach dem Tanz zurück und beschränkt sich von jetzt aber wieder auf Beobachtung auf seinem kleinen Tisch. Kurz vor zwölf verläßt er dann den
bunten Kappen zurückgeschoben heim durch das wirbelnde Flockentoben.
von rund 150 verschiedenen Tonsetzern komponiert. Es folgen „Ich ging im Walde so für mich hin" mit 84 Vertonungen, „Ich denke dein, wenn mir der Sonne
alles so freudig und unbekümmert, als ob es gar Welt mit ernstem Gesicht gäbe!
scheu den Blumen-Parterres durcheinander. Der SOS- Krach liegt ihnen allen noch böse in den Knochen — was hat dies auffallende geheimnisvolle Alarmzeichen zu bedeuten . . ."
Jannulatos stürzt mit vorgestreckter Zigarettenschachtel auf den Butler zu. Der Mann hebt abwehrend die Hände, aber der Grieche läßt nicht locker und dringt heftiger in ihn. Endlich hat er ihn so weit: der Butler neigt sich zu ihm und zischt ihm etwas ins Ohr.
In wilder Erregung springt Jannulatos auf den nächsten Stuhl. Es ist ihm nicht um Effekthascherei zu tun — das erkennt man auf seinem zerrissenen Gesicht — als er jetzt laut durch den prunkvollen Speisesaal schreit:
„fierr Walker ist heute nacht ermordet worden — man hat ihn aus dem Fenster seiner Kabine gestürzt!"
Eisige Stille steht einige Augenblicke nach diesem Alarmruf drückend und schwer in dem großen Raum — bann setzt ber wilde Sturm ein: wie bei einer Panik werfen sich hundert Passagiere dem Ausgang zu, wälzen sich über die Freitreppe ins Vestibül des Salondecks hinunter und schließen einen pressenden Kreis um die Gruppe, die dort vor Walkers geöffneter Kabinentür steht. Diese Kabine liegt unmittelbar am Vestibül, den Luxuszimmern, die Al Fellnor bewohnt, benachbart. Man sieht vor der Tür den Kapitän und Oelsmann im hastig hin- und herfliegendem Gespräch mit den Stewards des Salondecks.
Die aufgepeitschte Masse der Passagiere wirft sich so wuchtig gegen diese paar Leute, daß sie fast überrannt
Saal. Sonst hat er sich meist schon früher zurückgezogen, und so wäre es auch an diesem Abend kaum auf- gefallen, wenn er sich nicht am Tage vorher bei dem SOS-Krieg selbst so energisch herausgestellt hätte.
Man beschäftigt sich heute zum ersten Male eingehender mit ihm — Jannulatos, der ja auch bei dem Krach seine Partei nahm, verteidigt ihn, Grenzdörsfer, sonst ein fierz und eine Seele mit dem Griechen, greift ihn nach wie vor scharf an. Der Schrammel-Imitator hat natürlich die weit stärkere Resonnanz — verspielt hat Walker auf der „Christabelle" im großen und ganzen doch endgültig, die Stimmen der Flapper fallen für ihn
Der Esel in der Löwenhaut sieht sich plötzlich wie- I der als Esel und sagt nachdenklich: I , . . a (Tja ge- I sprachen. Mit einem Seufzer.) Wenn Sie das weiten I betrachten wollen, müssen Sie damit beginnen, daß wir täglich Karneval feiern, Abschied vom Fleisch - (ob I i*05 nun tarne vale heiße ober nicht), weil wir an unseren Muskeln spüren, daß wir sie einmal ausziehen werden, Hoffntlich kommt dann ber Kater nicht, samt I dem Katzenjammer, wenn ber Name ausgelost wird und I die schöne Menschenhülle in das Ausleihamt zurückgeht I Und was heißt nun eigentlich Kater?
Hören Sie, Aristoteles, so ein oller Grieche und I Heide, der den Fasching noch nicht gekannt hat, hat doch das Maskenfest gekannt, das sich Komödie-Tragödie nannte. Da sprachen die Menschen auch durch die Maske; als „Personen", als die Lautsprecher der Autors.
Wenn es nun mit dem bunten Treiben fo allrnäh- I üch ZU Ende ging, stellte sich etwas Seltsames ein. eine Nachwirkung, die anhielt, etwas, das er „Katharsis" nennt. „Katharsis" hat mit Katarrh nichts zu tun (etwa mit Karnevalsschnupfen). „Karthasis" ist grie- I <stisch und heißt auf deutsch etwa soviel wie Klarwer- ! düng, Kehraus, Auslüftung, Besinnung, wie Moral von der Geschicht', kurz und gut, soviel wie Kater. Kater und Katharsis — bitte, wer hat das so schön erklärt!? — sind im Wesen ganz dasselbe.
Die „Katharsis" wird erzeugt durch Erichütterung, durch Krach, durch Musik (zum Beispiel Jazz), durch Hochstimmung, Jubel, Trubel, Ueberfpannung, Ausgelassenheit, Ueberschwang und Uebertreibung. Kater, Katharsis: das ist der Rückschlag, die Besinnung nach be» I I sinnungslosem Taumel. Das gesteigerte Bewußtsein nach einer Art Bewußtlosigkeit. Kater, Katharsis, das ist das Zusammenfegen, das Bedürfnis, „groß reine zu machen" reinen Tisch und reine Rechnung aufzuräumen so oder so. Buße zu tun, sagen die Sünder.
Aber wir sind ja keine Sünder. Höchstens sind wir I ein bißchen Lügner; das Interessanteste nämlich ist, daß wir noch in der Vermummung, die uns unverantwortlich I lügt, uns zu Charakteren lügen. Daß mir noch als I Anonyme uns ein Pseudonym oorbinben, ein Lug- I und Trugwort, weil uns das Namenlose schreckt Daß wir den Narren, den wir spielen, auf den Maskencharakter schieben, auf das spanische Mäntelchen, hinter das wir uns verstecken. (Adam hat das vorgemacht) Daß wir die Charge, die Tracht, die fiülse für den I Kern verantwortlich machen, nicht nur am Fastnachtsabend, sondern alltäglich, alle Tage. Daß wir mit dem Aeußerlichen unser schlechtes Gewissen „decken", um nicht verantwortlich zu scheinen. Daß das Amt, in dem I wir amtieren, daß die „Verhältnisse", die uns umgeben I daß die „Haut", in der wir stecken, uns die Verantwortung ab nehmen soll. So daß jeder anonym scheint und ! doch den Charakter lügt. So daß keiner für sich ein» I steht, sondern jeden sein Strohmann deckt, sein Obmann und Hintermann, hinter den er sich zurückzieht. Und der dritte macht den vierten und der vierte macht die „Zeit" oder gewisse „Götter" verantwortlich nach dem Motto: „Das wiffen die Götter". Geld, das ist bas Pfeu- donym, bas uns alle anonym lügt. Und wir bleiben I doch verantwortlich.
Ah, es wäre so gedeihlich, dies mal redlich zu be- trachten. Und fo wünsch ich, schöne Larven, schöne Mas- I len, allerseits recht vergnügten Kater!
eJnslUul- HÜJP kosmel-isehe FußpPlege , P.Breidbaeh
__ Fernruf2911. fulda.KurPfirskenslr.32,. jjpreetaeik 6-12,2-6 Uhr. außer Monkg vorm.u.Sa*g noch.
| ihn auf den Maskenball haben wollte. Vielleicht er- I wartete ihn dort eine neue Liebe? Oder auch nur Genesung von feinem Kummer? O, dummes, du einfältiges Herz. Aber er ging hin.
_ Fünf Minuten später hielt ein Auto vor der „Freundschaft", in deren Sälen die Thalia ihre Vergnügungen abhielt. Fritz fiohmeier blickte sich scheu um. als er die Treppe zum Garderoberaum emporsprang Nur erst oben sein und die Maske norm Gesicht haben! Dann war er ein Unbekannter, wie alle anderen auch.
Im Saale selbst herrschte bereits eine jubelnde und mitreißende Stimmung. Bald war Fritz fiohmeier mitten drin im Auf und Nieder maskierter Menjchen, . Frauen und Männer, die für Stunden alles sonstige Leben vergessen wollten. Ci, wie bas feinem fierzen einmal Wohltat, aus bem alten Rhythmus herausgerissen zu werden, in das Tempo des Karnevals, in die übermütigen Launenspiele freier von allen Wirklichkeiten losgelösten Menschen hineingezogen zu werden! Die Luft im Saale wäre bei anderen Gelegenheiten kaum erträglich gewesen, aber jetzt merkten die Festteilnehmer es nicht! Es mochte sogar fein, daß gerade diese dicke, fast treibhausähnliche, mit Tabakrauch und Alkoholwolken geschwängerte Atmosphäre wesentlich dazu beitrug die Menschen in ihrem dünnen, durchsichtigen, verschlossenen, verführerischen, abstoßenden, anheimelnden, kühl abwehrenden, in der Gesamtheit aber außerordentlich bunt wirkenden Kostümen närrischer zu machen, als sie es selbst gewollt. Es war ein Treiben, wie es Worte niemals fo veranschaulichen können, wie es dem Erlebenden in feiner bunten Gegensätzlichkeit zu Gesicht und Gehör kommt! Und viel Lärm, hervorgedracht durch das einfache. vollkommen unkomplizierte Wollen, sich auf jeden Fall zu amüsieren sorgte noch dafür, daß mancher kleine, rednerische Seitensprung im milden Urteil ber halben Unverständlichkeit als harmloser und gutgelungener Scherz aufgefaßt wurde. Fritz fiohmeier war jedenfalls drauf und dran, seinen heimlichen Kummer zu vergessen, sei es auch für Stunden nur. Ja, fo konnten einem die Menschen gefallen! Unverständlich überhaupt, daß es doch im Leben so ganz anders ist, daß es da Leid und Sorge gibt, Neid und fiaß und alles das, was Glück
Alltagsmenschen wieder samt feiner bürgerlichen Kleidung, wird Privatmann und kann gehen.
Den Namen hergeben für eine Sache, heißt, ihn aufs Leihhaus tragen. Je nachdem er etwas wert ist, kriegt man allerhand dafür, mindestens ein Maskenkostüm. Bringt man das Maskenkostüm zurück, kriegt man feinen Namen wieder. Der Name wird also verpfändet, wenn der Mensch sich anonym macht. Scheint ein Widerspruch zu sein, aber es ist kein Widerspruch. Um die Ablegung des Namens dreht sich's bei der Demaskierung: beim Karnevalskater.
Also: der Mensch wird zweimal verwandelt, einmal, wenn er sich maskiert, einmal, wenn er sich demaskiert. Er wird freilich nur „gewandelt". Bitte, denken Sie an „Gewand"!
So was kommt alle Tage vor, wenn man dann auch nid>t gerade maskiert geht; es genügt: incognito, „in Zivil" und „pfeudonym". Solange fühlt man sich nicht verantwortlich. Man amüsiert sich, greift zu, fühlt sich als Pascha, kennt keine Skrupel, kennt keine Zweifel, nimmt keine Rücksicht, zieht keine Folgerungen aus eventuellen Folgen.
Wirklich, man fühlt sich wie verwandelt, man taucht unter, man taucht auf, man „ist" endlich ein anderer Mensch, nein, man ist schon Gott in Frankreich. Selbst di- „Götter" wählten die Maske (Zeus den Bullen), um unverantwortlich zu scheinen. Menschen wählen das Narrenkleid. (Narren bleiben unverantwortlich) Nar- ren und Kinder.
21bnt ihr nun, meine schönen Kinder, warum ihr als Babys geht? Puppen küssen Hampelmänner, und fein Mensch ist ich und du. Ich und du, das kommt erst wieder, wenn der Katzenjammer kommt. Wenn du das Lärvchen herunternimmst, da beginnt die Rückver- Wandlung: die in das lästige Ich zurück.
Und der überfreffene Magen muß gehörig fasten. Fasten — sehen Sie — war von Anfang an der Zweck und der Sinn der Vorfastfeier. Und die moralische
Die am meisten vertönten Lieder
Goethe und Lenau an der Spitze.
Statistische Betrachtungen von Dr. Fritz Stege.
Die Frage nach der Bevorzugung komponierbarer Liedertexte beantwortet ein kleiner, wenig beachteter Raum der Preußischen Staatsbibliothek. Eine ganze Wandlänge beanspruchen die Karchocheken, in denen jedes bisher vertonte Gedicht mit Angabe der Komponisten alphabetisch nach dem Verfasser geordnet verzeichnet ist. Wir fragen nach Goethe, und die freundliche Biblio- thekarin stellt uns vier Kästen mit etwa 3700 Karten hin Fast viertausend Mal hat ein Goethescher Text einen Komponisten zur Vertonung angeregt! Zahlreiche Gedichte wurden natürlich vielfach in Musik gesetzt. Am begehrtesten sind „Der du von dem Himmel bist" sowie
Seien Sie nicht überrascht, wenn ich Ihnen jetzt be- oeise, daß der Karneval, den Sie als die Hauptsache der Sache dachten, nur die Vorbereitung ist auf den Sinn und Zweck des Feierns: einen schönen Karnevalskater.
Paffen Sie auf! Dieser Kater, dieser Karneoals- katzenjammer ist deshalb so interessant, weil er mit Katzen nichts zu tun hat. Wir wollen uns das mal in Ruhe betrachten. Das Betrachten — nicht wahr, — liegt im Wesen des Karnevalskaters wie im Wesen jedes Katers. Kater, das ist nach so viel „Stimmung" die Betrachtungsstimmung. Sie äußert sich nicht fo fast in fiaarweh, nicht fo fast in gehörigem Schnupfen, als in etner gewissen Leere. Allenfalls des Portemonaies. -Iber sehen Sie, meine Herren: auch das Portemonnaie ist nur ein Gleichnis.
Nicht das Portemonnaie ist wichtig. Wichtig ist allein sie Leere. Wichtig fft nicht dieser „Oelfopp", den Sie dann schön ausrauchen lassen, sondern die Verflüchtung (allenfalls der Spirituosen). Die Verflüchtigung der Dämpfe. Dieses Auslüften und Klarwerden, das der Katerbummel bringt. Der „Moralische" hinterher; so nennt man ihn ja auch, den Kater. Nun verstehen wir uns schon besser. Der „Moralische" hinterher bringt die Moral von der Geschicht'. Sie beginnt mit der Semas- kerung.
Wir beginnen hier erst noch einmal mit der Maskie- :ung. So ein Domino — hab ich recht? — macht den Menschen anonym. Er erspart ihm feinen Namen. Der 'Jtame, das ist der ganze Kerl, alles das, wofür er haftet, ■ffler feinen Namen druntersetzt, haftet (nicht nur für ein Schriftstück). Im „Faust" ist das handgreiflich gefor- melt: wenn er feinen Namen hergibt, kann er verjüngt verwandelt werden. (Das beforgt dann der Teufel gerne.)
3n der Waschkaue der Bergleute geht das Gegenteil vor sich: wer von den namenlosen Leuten, die aus dunk- (er Grube tauchen, seinen Namen angibt, kriegt seinen
Das Kind im Bettchen schlief lange ein, es merkt ja garnicht, daß es allein! —
Unö leis, in stürmischem Freudoerlangen finb die Eltern glücklich zum Fest gegangen. — Durch Jubel und Rauschen der Faschingsnacht klingt es — als ob ein Kindermund lacht —
Dann aber will es den Beiden scheinen, klingt durch den Jubel — ein Kinderweinen!
Schimmer" mit 80, „Kennst du das Land" mit etwa 79 musikalischen Fassungen. Weitere bekannte Goethe- Gedichte wie „Sah ein Knab ein Röslein steh'n ober „Nur wer die Sehnsucht kennt" haben „nur" 58, bezw 51 Liebhaber gefunden. „Freudvoll und leidoott" ist etwa dreißigmal komponiert.
Unter allen Klassikern steht Goethe an der Spitze der Liedvertonungen. Aber im Vergleich zur Gesamtzahl der von einem Dichter geschaffenen Poesien erfreut sich Lenau eines nicht minder regen Interesses in der Mustkerwelt. Er ist gegen fünfhundertmal in Musik gesetzt, und sein begehrtestes Gedicht „Weil auf mir, du dunkles Auge" hat fast hundert Komponisten gefunden, unter denen R. Franz, Fr. Gernsheim, H. Goetz, K Kreutzer, K. Loewe, Meyer-Helmund, Rubinstein, E. E Zaubert. H. Suter, F. Weingartner und F. von Woyrfch die bekanntesten fein mögen.
Bon den neueren Lyrikern steht Cäsar Fl a i sch le n im Vordergrund mit fast dreihundert Liedkompositionen, darunter „Hab Sonne im Herzen" mit rund 80 verschiedenen Fassungen. Zu den namhaftesten Flaischlen-Kompositionen z ählen Joseph Haas. Hans Gal, Hugo Kann, Knappertbusch. Unter den Dichtungen Rainer Maria Rilkes befinden sich keine be- sonders bevorzugte Texte. Die 240 nachweisbaren Vertonungen verteilen sich ziemlich gleichmäßig über seine Schöpfungen, unter denen einige sechs- bis achtmal komponiert wurden. Anton Webern, Jos-Marx, Ernst Toch, fi Gal, A. Schonberg, Paul Hindemith, H. Wunsch u. a. haben ihnen ein musikalisches Gewand verliehen. Und als letzte Stichprobe sei der Dichter Max Dauthendey ausgewähtt, dessen Name in der Karthothek über hundertmal vertreten ist. Seine bekanntesten musikalischen Ausbeuter sind P. Graener, Scheinpflug, fi. Tiessen, M. Gurlitt, fi. Schallt, fi. Zilcher, F. E. Koch, L. Winds- perger und viele andere mehr.
Newyork — der Offizier zählt ihn seit jenem Skandal auf dem Bootsdeck und unwillkürlich noch mehr wegen der myeriösen Steckbrief-Affäre mit wenig Begeisterung zu feinen Tischgenossen.
Aber Höflichkeit ist für die Offiziere ber „Christa- belle" oberstes Gebot: Oelsmann erkundigte sich also bei Kommerzienrat ©Ibers und andern Mitgliedern des Tisches, ob Herr Walker sich etwa nicht wohl fühle. Niemand weiß etwas — man hat ja kaum Kontakt mit ihm.
Also winkt Oelsmann den Butler, einen feisten, schwären Mann, heran — er, Oelsmann lasse sich erkundigen, ob fierr Walker krank sei, und ob er etwas für ihn tun könne ...
„Komischer Kerl," brummt er vor sich hin, als sich ber Mirnn in Bewegung setzt. „Muß doch was los fein mit ihm — sonst käme er doch Krank wahrscheinlich — aber kann er nicht von selbst den Schiffsarzt rufen?"
Fünf Minuten verstreichen, bis der Butler wieder im Saal erscheint. Er tritt nicht unmittelbar an Oelsmann heran, sondern umkreist den Tisch wie ein Jagd- Hund, bis er den Offizier alarmiert hat.
„Einen Moment bitte, meine fierrschaften!" Oelsmann schnellt empor.
Man bemerkt, daß ihm der Buller hastig etwas ins
Beide Texte wurden | Schlußbetrachtung war der Zweck der Maskerade, und der Mensch, der aus der fiaut fuhr, schlüpft in feine fiaut zurück, nicht nur moralisch, sondern wörtlich: er geht in sich.
„ ein Passagier an seinem Tisch fehlt, und zwar fierr Jack Walker aus
nicht ins Gewicht. Man tanzt und flirtet gern mit ihnen — mehr dürfen sie natürlich nicht
Aber Reta verjagt auch die letzte Süße und läßt — den Traum im Wind oerflattern — kann sie auch anders! „Wissen Sie, höflich sind, lieber Freund?" „Nein . . ."
Maskierte Liebe.
Von Erich Degenkolb.
Herr fiohmeier war ein stiller und ernster Mensch. Kein Kollege, kein Bekannter hatte ihn so recht herzhaft lachen gesehen feit dem Tage, da fein kurzes Verhältnis mit Lora Zinfing zu Ende war. Er wußte wohl, daß es besser sei, das Leben io hinzunehmen, wie es sich nun einmal bietet, aber — wer kann für sein dummes fierz, das dieser Wahrheit kein Verständnis enfq——brinat?!! 5a, was kann man dafür! Also war er schon wieder beim Grübeln, jetzt, in bem Augenblicke, da er sich an» schickte, einen Maskenball zu besuchen. Gerade, als ob er dort Lora wiedersehen wollte. Obschon er gut wußte, daß sie in einer anderen Stadt wohnte und verheiratet war. War es nicht klüger, zu fiaufe zu bleiben? Das sagte er sick> selber. Was war da eben, das
„Glauben Sie nicht, daß es Eis in Athen gibt — wie heiß es hier auf bem fiügel ist, merken Sie boch fidjer auch! Eine Stunde haben wir wohl noch — kommen Sic, wir gehen in eins von den Cafes an dem gro» fjen Platz, wo die Bahn abgeht."
„Doch, das können wir noch, gnädiges Fräulein __
bitte nehmen Sie meinen Arm. die Stufen sind hier sehr stell . . ." Fünf Minuten vor sechs — die Sirene ber „Christabelle" ruft schon über bie Stabt: die Fahrt geht wetter — jagen sie vom Bahnhof bes Piräus zum Kai.
„Unseren nächsten ßanbausflug machen wir dann in Cospoli, nicht wahr?" fragt Al und hält sie vor ber Brücke einen kurzen Augenblick zurück. .Heiter und überlegen ist sein Blick — lächelnb in erwartungsvoller Sicherheit ...
„Doch . . . ben machen wir m Cospoli . .
Cospoli, bas bedeutet morgen — nein übermorgen erst bann, bann wirb sie es ihm vielleicht sagen können . . . aber fft es nicht Unsinn, ein Preisausschreiben- Mädel und er, der in der Luxuskabine zu fiaufe ist...?
„Unsinn, Reta, einmal mußt du's riskieren!" — die Stunde, die sie nicht zu meistern wagte, ist gewesen nb Tapferkeit ist jetzt wieder billig.
Kapttel 5.
. 'benb bringt bem Bordklatsch nach bem Diner eine Senfaion. fatcn Walker schien seine scharfe Oppo- sttwnsstellung doch an bie Nieren zu gehen — offenbar mtu er eine Ar. indirekten Waffenstillstand zwischen sich und den Passagie^n anbahnen.
Zwar hält er siy. nach wie vor isoliert an seinem fletnen Tisch; aber er nutz plötzlich entdeckt haben, daß
„Nicht wahr, so ist es, schone Maske?" Fritz fiohmeier war ordentlich vom Faschingstreiben angesteckt worden. Und er schüttelte jeden Zwang ab, redete dummes Zeug, scherzte mit Worten, die ihm im Leben außerordentlich dumm und geistlos oorgekommen wären, als müßte es nur so fein. Zudem hielt er eine Maske im Arm, deren Gestalt sich in seinen Blick hineinschmeichelte, deren Gesicht ihm soweit er das trotz vorgelegter Maske erkennen konnte, schon und edel erschien. Sie mochte feine Worte im karnevalistischen Tumult nicht so leicht verstehen; darum wiederholte er sie. Sie nickte nur Sie sprach überhaupt nichts, nickte nickte ober kopfschüttelte nur zur Bejahung ober Verneinung. Zu allen anderen Zeiten wäre das Fritz fiohmeier ausgefallen, jetzt, im Augenblick nicht! Es sollte ihn auch wenig kümmern, ob sie etwas sagte oder nicht! Die Hauptsache war, sie tanzte mit, ließ sich von ihm führen, lachte über feine Scherze, tollte mit ihm über bas Parkett, daß einem Hören und Sehen verging, kurz, daß sie mit ihm närrisch und ausgelassen mar wie er selbst! Das gibt allein schon so einen herrlichen, fragelosen Zustand, in dem man keine Unlust, keine Widerrede, keine gegenteilige Ansicht, rein nichts weiter als ein widerspruchsloses Einverständnis zwischen sich und mit all ben umgebenden Dingen sieht. . . .
„Herrlich — einfach großartig!" flüsterte Hohmeier. Er hätte auch etwas anderes sagen können, aber das
Schöne Larven! Schöne Masken!
Von Richard Euringer.