Nr. 31
Veilage zur Auldaer Zeitung
7. Februar
Sonntag Quinquagesima.
Lingangslied: Pf. 3v, 3—1.
Sei mir ein Schirmqott und eine Freistatt, rette mich. Denn meins Feste, meine Zuflucht bist du. Um deines Namens willen wirst du mir Führer sein und mich nähren. (Ps.ebd. 2.) Auf dich, c Herr, vertraue ich; ich werde ewig nicht zu fanden. Du bist gerecht, so befreie mich und rette mich.
Epistel: 1. fior. 13,1—13.
Brüder! Wenn ich die Sprache der Menschen und der Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich wie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich die Gabe der Weissagungen hätte und alle Geheimnisse wüßte und alle Wissenschaft besäße, und wenn ich eine Glaubenskraft hätte, daß ich Berge versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung der Armen austeilte und meinen Leib zum Verbrennen hingäbe, hätte aber die Liebe nicht, so
nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe beneidet nicht, handelt nicht unbescheiden, bläht sich nicht auf; sie ist nicht ehrgeizig, nicht selbstsüchtig; sie läßt sich nicht erbittern, sie denkt nichts Arges; sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, hat vielmehr Freude an der Wahrheit; sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, duldet alles. Die Liebe vergeht nie, auch wenn die Weissagungen aufhören, die Sprachen ein Ende nehmen und die Wissenschaft vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Weissagen. Kommt aber das Vollkommene, so hört das Stückwerk auf. Als ich noch ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind, urteilte ich wie ein Kind; als ich aber ein Mann geworden, legte ich das Kindhafte ab. Jetzt sehen wir wie durch einen Spiegel, rätsükhaft, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich ganz erkennen, so wie man auch mich erkennt. Für jetzt bleiben Glaube. Hoffnung und Liebe, diese drei; am größten von ihnen aber ist die Liebe.
Spanisches sür die gebildete Welt.
Kulturkampf in Spanien. Mit maßloser Hetze und von eben zugelassenen, wenn nicht gar bestellten Klosterbränden fings an. „Sämtliche Mönche und Nonnen sind nicht das Leben eines einzigen Republikaners wert", war die Formel des Ministers auf die Forderung nach dem Einsatz der Guardia civil gegen die Klosterstürmer. Dann die Beschlüsse der gesetzgebenden Versammlung gegen die Orden, die Jesuiten wie billig an erster Stelle, der berüchtigte „Artikel 26" der neuen Verfassung, der ein Sonderversprechen des Gehorsams gegen den Papst als „auswärtigen Souverain" als Staatsverbrechen mit dem Verlust der allen, auch den staatsgefährlichsten Elementen vom linken Flügel, garantierten Rechte ahndet. — Es ist dieselbe auf vielen Seiten der Geschichte abgeleierte Melodie, die der Unduldsamkeit und Verfolgung im Namen der Freiheit. So ist auch in der iberischen Variation nicht gerade neu; schon Pombal und des „großen" Portugiesen spanische Nachtöner haben das Leitmotiv ausgenommen, und im vorigen Jahrhundert wurde sie mehrfach neuaufgeführt. Jetzt hat also auch Al- cala Zamora, der bisher dem Andrängen widerstanden hatte, die antiklerikale Kakophonie zu dirigieren, sich doch den Taktstock in die Hand tnän- gen lassen.
Das Interessanteste ist dabei eigentlich nicht der spanische Vorgang selber, sondern fein W i- d erhall in der Oefsentlichkeit. Es scheint, daß der „Weltskandal", von dem man mit Recht spricht, dieser Welt gar nicht so unlieb kommt, wenigstens wenn man sein Echo aus den Schalltrichtern der nicht betont katholischen Presse in die Ohren klingen hört. Von der erklärten Freidenkerpresse und den Unentwegten im „Evangelischen Bund" können wir dabei absehen; ihnen ist alles recht, was gegen die Katholiken und besonders gegen die ttt Jesuiten geht. Schon seltsamer ist, wenn die erflärten Hüter der Geistesfreiheit „Liberal ist en" benamst.
zur Kennzeichnung des Vorgehens der spanischen Machthaber nur zu melden wissen, daß diese eigentlich mit „verhältnismäßiger Milde" vorangegangen seien, weil sie die Mitglieder des aufgelösten und ausgeplünderten Jesuitenordens nicht gleich, wie seinerzeit unsere deutschen Kulturkämpfer, samt und sonders an die Luft setzten. Ob die „Frankfurter Zeitung", die auf ihre „verhältnismäßige Objektivität" so stolz ist, wohl auch von verhältnismäßiger Milde spräche, wenn etwa die Maranos, die spaniolischen Juden, denen gerade jetzt der spanische Kultusminister im Namen der Regierung der spanischen Republik die Wiedergur- machung des an ihnen 1492 begangenen Unrechts feierlich angekündigt und ihnen die Bruderhand reicht, die Leidtragenden der Unterdrückung und Konfiskation wären, statt katholische Ordensleute? Und noch befremdliches sind die Kommentare der andern erklärten Siegelbewahrerin des Liberalismus, der „Köln. Zeitung", die statt in echtem Liberalismus die Unterdrückung zu mißbilligen, wieder einmal das Karnickel rupft, das wie immer angefangen hat, und durch seine Rolle als Gegner der Revolution und Republik die durchaus nicht kirchenfeindliche Regierung Zamora und die gemäßigten Republikaner zu ihrem Vorgehen veranlaßte. Daß natürlich auch der „unermeßliche Reichtum der Jesuiten" herhalten muß, ist klar, wenn auch die erklärte Hüterin des Kapitalismus die Beschlagnahme der Jesuitengüter nicht gerade ausdrücklich billigt. Aber das Vorgehen der spanischen Republik ist beileibe keine Kirchenfeindschaft und kein Unrecht, nur eine Warnung an ihre Gegner, es auf weitere Störungsversuche, ja auf den Bürgerkrieg, ankommen zu lassen, nur der Ausdruck ihres Willens, sich zu wehren. Ja, das böse Karnickel!
Ein besonderes Kabinettstückchen journalistischer Fixigkeit leistet sich der römische Berichterstatter der K. Z., der aus den erschütternden Worten des Papstes an die Jesuiten „als Märtyrer des Papstes" nur herausliest, daß dieser sich nicht 1
Der hl. Bischof Blasius.
Im Herbst des Jahres 1930 kam der Weifenschatz in Deutschland zur öffentlichen Ausstellung. Mit Staunen sah man in dieser Sammlung so reiche und mannigfaltige Erinnerungen an den hl. Bischof Blasius. Sein Festtag am 3. Fe b r u a r bietet Veranlassung, den Zusammenhang dieser Gegenstände mit dem Leben und der Persönlichkeit des hl. Bischofs zu untersuchen.
Seine Lebensbeschreibung ist verhältnismäßig spät entstanden. Da die Legende schon ihr Efeu um die Gestalt unseres Heiligen gerankt halle, so gibt sie uns kein geschichtlich klares Bild. Wohl aber vermag sie uns durch ihren Inhalt über die Gebräuche, Festfeier und Darstellungen, die an unseren heiligen Bischof anknüpfen, Aufschluß zu geben. Deshalb sei zunächst die Lebens- geschichte des hl. Blasius nach einer orientalischen Mär- tyrerlegende (eMstanden nach dem 4. Jahrhundert; entnommen der Sammlung Migne: Patrologia Graeca) erzählt.
„Wegen seines reinen und untadeligen Wandels wühlten ihn die Gläubigen der Stadt Sebastea in Kappadokien (Kleinasien) zu ihrem Bischof. Der hl. Blasts aber schaute die Gottlosigkeit und Gesetzesverachtung der Mächtigen seiner Zeit, zog hinaus auf den Berg, der Argeus genannt wird, und wohnte dort in einer Höhle. Die Tiere des Feldes kamen zu ihm, und wenn eins unter ihnen kam, wenn er in Betrachtung versunken war, dann warteten sie, wie vernünftige Wesen, vor der Höhle, und sie verließen den Heiligen nicht, bis er chnen segnend die Hand aufgelegt hatte."
Die Legende erzählt dann weiter, wie der Statthalter Agrikolaus für Tierkämpfe aller Art Wild einfangen läßt. Dabei findet man den hl. Blasius. Er wird vor den Präfekten geführt. Als sie unterwegs waren, ließ Gott durch fein Gebet Heilungen geschehen. ... Es geschah nun, daß der einzige Sohn einer Frau ein Stück Fisch aß, dabei die Gräte verschluckte und stumm blieb. Als nun die Muller des Knaben von dem Heiligen hörte, brachte sie ihn herbei und legte ihn halbtot zu den Füßen des Heiligen, indem sie weinend schrie: „Erbarme dich meines Sohnes, du Diener unseres Hei- landes Jesu Christi, denn er ist mein einziger!" Der Heilige Gottes legte seine Hand an die Kehle des Knaben und betete also: „Der du denen, die dich.in Wahrheit anrufen, ein Arzt und Heiland geworden'bist, höre mein Gebet, nimm von dem Knaben mit jener Macht, die niemand üb°rschauen kann, die Gräte und heile ihn, bb, wenn in Ankunft an Menschen, Kindern und Tieren "^s derart geschieht, und dort jemand meines Na- ™en5_eingebenf spricht: Herr, durch den Beistand bei- rz’^.ers Blasius eile mit deiner Hilfe, dann mach L'5:r: n m flefunö zum Ruhme und zur Ehre deines ^ "3en N^ns!" Und sogleich gab er den Knaben jetner Mutte, gesund zurück. . Als er weiter seines -Weges 30g, beg.fj es sich daß das Schwein eines armen -wetbietns, die zweites hatte, von einem Wolf ge- raubt wurde Die xrau, die gläubig war, kam zu dem heuigen Märtyrer, um gegen den Wolf Klage zu führen. Der, heilige Märtyrer Ltasius aber lächelte und sprach: „sei nicht betrübt, Frau, weine nicht. Dein Schwein
wird dir lebendig und unverletzt wiedergegeben werden." Darauf ging er weiter, und als er fortgegangen war, brachte der Wolf, der das Schwein noch nicht verletzt hatte, das Tier der Witwe zurück. Als der heilige Blasius in die Hauptstadt eingezogen war, befahl der Statthalter, ihn ins Gefängnis zu werfen . . .
Da ihn nun der gottlose Statthalter nicht von dem Glauben abbringen konnte, befahl er, ihn wieder in den Kerker zu führen. Als nun das fromme Mütterchen, die Witwe, von der Standhaftigkeit und dem Dulden des Märtyrer Blasius hörte und von seiner Festigkeit im Glauben, da, schlachtete sie das Schwein, das ihr das Raubtier auf Befehl des Helligen zurückgegeben halle, kochte den Kopf und die Füße, tat in den Topf von dem Samen der Erde und einiges andere aus ihrem ärmlichen Vorrat, zündete Kerzen an und brachte alles dem Heilgen Märytrer ins Gefängnis." Der Statthalter ließ den Heiligen gewaltig schlagen. Da Blasius standhaft blieb, sprach Agrikolaus zu ihm: „Wenn ich dich in den See werfen lasse, was wird dir dann auf dem Wasser der, den du Christus nennst, nützen?" Der hl. Blasius sprach: „Du Blinder und Sinnloser, trügliche Steine betest du an und glaubst gerettet zu werden. Ich aber, der ich dem lebendigen Gott diene, sollte ich dir nicht die Wunder meines Gottes im Wasser zeigen?" Da befahl der Statthalter, ihn in den See zu werfen. Der Heilige kam ihm aber zuvor und segnete das Wasser. Und darauf stand das Wasser wie eine Brücke, und der heilige Blasius ging in die Mitte des Sees und sprach zu den Henkersknechten: „Wenn ihr Götter habt, dann zeigt ihre Macht unt> kommt auch ihr so zu mir." Und sogleich sprangen sie hinein und achtundsechzig Männer ertranken in der Tiefe des Wassers." Als man so ohne Erfolg den Versuch gemacht hatte, ihn zu ertränken, ließ ihn der heidnische Richter enthaupten. Wahrscheinlich im Jahre 316 unter Licinius erlitt Blasius sein Martyrium.
Durch die Kreuzfahrer wnrd» nun die Kunde vom hl. Blasius, der im Orient neben dem hl. Georg, Nikolaus und Johannes d. T. am meisten verehrt wurde, von dort nach dem Abendland gebracht. Heinrich der Löwe brachte von feiner Kreuzfahrt aus Jerusalem und Konstantinopel kostbare Reliquien, darunter auch solche des hl. Blasius, mit nach Deutschland. Eine Jnschriften- tafel in der Sakristei des Domes zu Braunschweig kündet heute noch: Anno dusent hundert LXXII hesft Hering Hinrik de Lauwe de olden Kerken up Danguarderode — in de Ere Sanct Peters und Pauls gewihet — taten afbreken — und eine eigen Dohm in de Ere Sanct Blasius und Sanct Johannes Baptista taten uprichten." Die Reliquien, die er mitgebracht hatte aus dem Morgenland, ließ er in kostbare Geräte fassen. Sein Sohn Otto bestimmte in seinem Testament vom 18. Mai 1218 darüber: „Alle Reliquien, welche unser Vater hatte und wir haben, weihen wir für immer Gott und St. Johanni dem Täufer und dem hl. Blasius in Braunschweig, mit Ausnahme eines Armes, den unsere Gemahlin erhalten soll." Dieser Arm war der des hl. Blasius. 1829 kam er in bas herzogliche Museum zu Braunschweig und befindet sich heute noch dort. Er wird in einem Reliquiengefäß in der Form eines rechten Armes, das aus Holz gefertigt und mit Goldblech reich verziert ist,
einmal zu einem formalen Einspruch in der Frage der Aufhebung des Jesuitenordens in Spanien, der Vertreibung seiner Mitglieder und der Beschlagnahme seiner Güter habe entschließen können. So kann der liberale Spießer mit Behagen folgern, daß der Papst selbst mit dem liberalkommunistischen Allianz in Spanien einverstanden sei. Höher gehts allerdings nimmer!
Daß natürlich der „Völkische B e 0 b a ch - t e r" mit dem Vorgehen gegen die bösen Jesuiten — die ja nach Professor Stark wieder einmal an allem schuld sind, von der Niederlage Deutschlands 1918 an bis zu der heutigen „antinationalen Zentrumspolitik" — nur einverstanden sein kann, werde nur der Vollständigkeit wegen erwähnt. Der Erklärung des Papstes, die Jesuiten seien wirklich Männer Christi und Märtyrer des Papstes, setzt er mit der ihm eigenen Unfehlbarkeit jene von der „unchristlichen Lebensweise der Jesuiten und ihres gewinnsüchtigen Treibens, das sich in nicht immer einwandfreien Geschäftsbeziehungen äußerte", entgegen. Dem Vatikan wird vorgehalten, um wie viel eine andere Haltung für den spanischen Katholizismus ersprießlicher sein würde, jene des erleuchteteren Klemens XIV., der ähnliche Anschuldigungen aus den Kreisen nationalgesinnter frommer Katholiken nicht mit Redensarten abtat, sondern den Orden auflöste. Daß sein Kommentar in einer Apostrophe an di« wütendsten Bekämpfer der deutschen Freiheitsbewegung ausklingt — eben die Jesuiten, die die Anmaßung haben, von Hitler die Umarbeitung des nationalsozialistischen Parteiprogramms und seines Buches „Mein Kampf" zu verlangen (wie können die bösen Jesuiten auch nur!) —, sei nur der Kuriosität halber erwähnt. Denn die NSDAP, hat es wte immer peinlich vermieden, konfessionelle Kämpfe zu unterstützen (!). Nur der eine Satz verdient noch festgehalten zu werden: Die in Spanien einmal in Bewegung gesetzten Massen folgten der revolutionären Dynamik, natürlich f 0 r t g e t r i e - den von Freimaurern und Marxisten, aber auch von Nationalspaniern, die in der Verdummung des Landes eine Schuld des hohen Klerus erblickten . . . „Es scheint also doch, daß die einzig echten Nationalisten dort wie hier das dem Zentrum und den Prälaten so oft vor gehalte ne Einiggehen mit Marxismus und Loge dann nicht verschmähen, wenn es gegen den „volksverdummenden Klerus", d. h. die katholische Kirche gerichtet ist..
Angesichts der wieder einmal sich klar abhebenden Einheitsfront der hier gekennzeichneten Kreise aber wird den Katholiken nichts anderes übrig bleiben, alssichimmerengerzurAbwehr und zum Protest gegen die Kirchenfeinde zufammenzuschließen. In Spanien sind die Jesuiten nur ihr erstes Opfer, aber bestimmt nicht das letzte, und anderswo wirds nicht anders gehen!
Ein Wofsroort über die lib-rale presse.
Der „Osservatore Romano" veröffentlicht einen Brief des Bischofs von Basel an das liberale Blatt „Luzerner Tagblatt", der in seinen grundsätzlichen Darlegungen allgemeine Beachtung verdient. Die genannte Zeitung hatte sich in einem „Offenen Briefe" an den Bischof gewandt mit einer Be-
aufbewcchrt. Von den übrigen Reliquienbehältern, die zur Zeit noch eine Einheit im Welfenschatz bilden, die eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich haben unb deren Zukunft noch im Dunkel liegt, ist hier zunächst bas Ko psreliquiar des hl. Blasts zu erwähnen. Ursprünglich romanisch wurde dieses Gerät im 14. Jahrhundert reicher geschmückt.
Die Büste des hl. Blasius, aus einem geschnitzten Eichenholzkern, ist mit getriebenen und vergoldeten Silberplatten belegt und mit Edelsteinen reich geziert. Das bärtige Haupt ist mit einer kunstvollen Mitra geschmückt. Im Inneren werden viele Reliquien aufbewahrt. Ferner befindet sich im Welfenschatz eine Monstranz aus dem 14. Jahrhundert. In einem Kristallzylinder, der von zwei Strebepfeilern eingerahmt wird, enthält sie in einer silbervergoldeten Kapsel eine Reliquie des hl. Blasius. 5 en er sind in dem Codex des Herzogs Ottos des Milden, dem sogenannten Plenar von 1339, Reliquien. Plenarium war die mittelalterliche Bezeichnung für Buchdeckel, in denen Reliquien aufbewahrt wurden. Die Buchdeckel unserer Handschrift bestehen aus dicken Eichen- holzdrellern. In Vertiefungen des Vorderdeckels, der in Felber geteilt ist, find Reliquien eingelegt. Der untere Deckel ist mit einer gravierten Platte geschmückt. Sie zeigt uns den thronenden hl. Bischof Blasius. Ihm zu Füßen knien die Stifter des Buches: Herzog Otto und seine Gemahlin Agnes. In den Zwickeln eines Kleeblattbogen ist nun links eine Witwe und rechts ein Wolf, der ein Schwein in seinem Maul trägt, dargestellt. Nach der oben erzählten Legende sind diese Darstellungen ohne weiteres verständlich.
Nun enthält der Welfenschatz noch das Horn des hl. Blasius und eine Statuette, die den Heiligen im bischöflichen Ornat mit einem vergoldeten Horn 'in fe;- ner Linken zeigt. Im Inneren b:efer nur 26 Zentimeter hohen Fiaui- n ' n Keiiouien aufbewahrt. In der 1939 nm Fgik- und anderen herausgegebenen Publi- afion über den Welfenschatz wird zur Erklärung des Hornes eine Stelle von Molanus angeführt. Dieser Molanus war ehemaliger Abt des Zisterzienserstiftes Loc- cum. Als er zum lutherischen Bekenntnis übergetreten war, bestellte ihn Herzog Ernst August 1648 zum Verweser des Welfenschatzes. Wenn auch dieses Bekennt- nis die Verehrung der Reliquien verneint, so hat sich Molanus doch ein starkes Empfinden für die christliche Kunst der Vergangenheit bewahrt und wir verdanken seiner Feder ein ausführliches Verzeichnis der seiner Obhut anoertrauten Kostbarkeiten. Zu unserem Horn schreibt er den auch von Falke übernommenen Satz: „Ein groß weißes Horn von Elfenbein, man hält davor, daß es fei: Cornu Sancti Blasii, womit er in Mangel der Glocken feine Confratres zusammen beruffen, inmaffen er auch alleweil mit einem Horn in der Hand gemahlet wird." Es ist merkwürdig, daß man in der neuen Publikation diesen Satz ausgenommen hat, wo doch schon Neumann, ein Zisterzienserpater, 1891 eine gute Erklärung für dieses Horn veröffentlicht hat. Er erinnert daran, daß im Benediktinerorden bis ins 12. Jahrhundert hinein sich der Brauch erhalten hatte, die Mönche mittels Hornschall zum Gebet zu rufen. Diese Hebung geht bis auf den hl. Pachomius zurück, also in Zeiten, die den Brauch der Glocken noch nicht kannten. Der Wochner (Hebdomadar), dem diese Aufgabe zusiel.
Wenn manchmal eine Dunkelheit Den Lebensweg dir ganz verhüllt, Und auch kein Zeichen, nah und wett Dem Auge freundlich sich enthüllt.
Laß deine starke Hoffnung niiyr Mit müdem Klang zu Ende sein. Bald macht bas helle Sonnenlicht Den Himmel wieder wolkenrein.
Franz Cingta.
fchwerde gegen einen Ordensgeistlichen, der bei einer Mission vor dem „Luzerner Tagblatt" gewarnt und dabei erklärt habe, er handle im Auftrage des Bischofs. Ferner beklagte das Blatt sich darüber, daß es jahraus, jahrein Angriffen von feiten der Geistlichkeit ausgesetzt fei.
In seiner Antwort schreibt der Bischof u. a.:
„Ich verstehe, daß ein Missionär, der die Aufgabe hat, das Wort Gottes zu verkünden, der das Glaubensleben wieder neu anfachen, die Sünde bekämpfen und das Verantwortlichkeitsgefühl neu schärfen soll, nicht mit Stillschweigen an einer Presse vorbeigehen kann, di« die die Fundamente des Glaubens zu erschüttern sucht und so alle Anstren. gungen der Seelsorge zunichte machen kann.
Aber nicht verstehen kann ich es, wenn die Redaktion dieses Blattes sich nach all dem klagend an den Bischof wendet und das im Ton der verletzten Unschuld. Nein, meine verehrte Herren Redaktoren, muten Sie dem Bischof, dem Wächter des Glaubens, nicht zu, daß er einem Verkünder des Wortes Gottes verbiete, gegen eine solche kirchenfeindlich e Presse mit allem Ernst Stellung zu nehmen! . . . Wenn der Klerus gegen Ihr Blatt Stellung nimmt, dann ist das Abwehrstellung. Die Geistlichen erfüllen nur ihr gutes Recht und ihre heilige Pflicht, wenn sie sich Ihren Angriffen und Ausfällen gegenüber zur Wehr setzen . . .
Schwer verständlich ist mir die Tatsache, daß so viele Katholiken sich die zahlreichen Angriffe gegen den ©tauben in Ihrem Blatt klaglos gefallen lassen. Ich kann es mir erklären daraus, daß es geschieht aus einer zu großen Pietät gegenüber alter Gewohnheit, wohl auch daraus, daß vielen beim flüchtigen Lesen diese Entgleisungen entgehen. Würden d-e praktizierenden Gläubigen aus Ihrer Lesergemeinde konsequent denken und nach ihrem katholischen Gewissen handeln, so müßten sie notwendig aus Ihrem Leserkreis ausscheiden und es machen, wie mein lieber Vater sei. es seinerzit gemacht hat, als er wegen solch feindlicher Ausfälle gegen unseren heiligen Glauben Ihr Blatt, dessen Abonnent er lange war, refüsierte und unter keinen Umständen es weiter im Hausen dulden wollte. Ich war damals ganz junger Student, aber ich gestehe, daß die energische Geste meines Vaters gegenüber Angriffen auf sein Heiligstes, den heiligen Glauben mir mächtig imponierte und nicht wenig dazu beitrug, das heilige Glaubensgut selbst um so höher zu schätzen."
Der „Osservatore Romano" fügt dem Bischöflichen Antwortschreiben die kurze, aber angebrachte Bemerkung an: „Mögen auch gewisse Blätter anderer Länder daraus ihre Lehre ziehen!"
Wir in Deuffchland haben allen Grund, die Bemerkung kräftig zu unterstreichen.
wurde darum auch „Buccinator-Hornist" genannt. Solche Hörner waren oft dem profanen Gebrauch entnommen. Auch unser Horn des hl. Blasius war ursprünglich ein Jagdhorn. Ein Fries mit Löwen und Hirschen schmückt es. Dem ganzen Befund nach gehört es erst ins 11. Icchrhundert. Neumann sagt nun, daß das Horn, welches der Türmer der Kirche von St. Blasius solange benutzte, in der volkstümlichen Deutung von selber zu dem Horn des hl. Blasius wurde. Wahrscheinlich wurde diese Deutung auch noch dadurch begünstigt, daß man das Wort Btasius mit „blasen" in Verbindung brachte. Diese Aehnlichkeit seines Namens mit dem Zeitwort führte dazu, daß der Heilige gegen das Wüten des Sturmwindes angerufen und zum Patron der Windmüller wurde*). Da ihn Agrikolaus beim Foltern auch mit eisernen Zacken hatte quälen lassen, erwählten ihn die Wollweber wegen der eisernen „Hecheln" zu ihrem Patron.
Ganz besonders aber wird er in Halsleiden als Fürbi11er angerufen. Die Legende gibt uns in dem Grätenwunder die Erklärung dieser Bitten. In Deutschland wird an diesem Tage der Blasiussegen erteilt. Mit Bezug auf die oben erzählte Lichtlegende hat man in der abendländischen Kirche seinen Festtag sogleich nach dem Lichtfest Mariä Reinigung gelegt, auf den 3. Februar, während die orientalische Kirche feinen Gedächtnistag am 11. Februar begeht. Daher wird der Blasiussegen mit Bezug auf die Heilung des Knaben und die von der Witwe überbrachten Lichter mit zwei kreuz- roeis gebundenen Kerzen erteilt. Dabei werden die Worte gesprochen: Durch die Fürbitte des hl. Blasius, des Bischofs und Märtyrers, möge der Herr dich befreien von Krankheit des Halses und jeglichem anderen liebet! Schon aus dem 6. Jahrhundert erwähnt ein griechischer Arzt einen ähnlichen Gebrauch. Ebenso war in früheren Zeiten auch eine Wasserweihe am Fest des hl. Blasius gebräuchlich. So kommt es, daß fein Name auch in Wetter- und Bauernregel wiederkehrt. Bei den Slaven zum Beispiel kennt man den Spruch: St. Blasius stoßt dem Winter die Hörner ab.
Sein Leib befindet sich zu Paris und R a g u f a. Es handelt sich hier jedoch weder um einen Irrtum, noch um eilte Täuschung. Denn an beiden Orten befindet sich in Wirklichkeit nur ein Teil, und zwar immer wieder ein anderer Teil des hl. Leibes, — das übrige wird kaschiert und gilt als Ausstattung der Reliquie. Wir haben es hier also mit einem Sprachgebrauch des Volke» zu tun, und wie schon Prof. Birkner bemerkt, kann von einem frommen Betrug keine Rede sein.
In einem alten Siebe wird die Bedeutung unsere« Heiligen, der wegen seiner Hilfsbereitschaft zu den vierzehn heiligen Nothelfern gezählt wird, in folgender Strophe zusammengefaßt:
„Blasius Bischof hat allzett Die Schäflein Christi wohl geweidt. In den Hälsen wollst oertreiben, Bein und Krät nicht stecken bleiben, Wenn im Schlund mir hanget was Bitt, mich nicht ersticken laß!"
*) In Wirklichkeit ist sein Name vom Griechischen abzuleiten und heißt: „Der Königliche".