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Nr. 30

Samstag, S. Februar 1932

Wo. 59.

Stoff für eine Komödie.

kes

Dr. Frick,

der

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" und ..Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei In Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152 ::

* Kommunistische Demonstrationen in Nürn­berg. Um einem kommunistischen Antrag im Nürn- berget Stadtrat mehr Nachdruck zu geoen, bildete sich in den Nachmittagsstunden ein Demonstra­tionszug von meist jugendlichen Angehörigen der Kommunistischen Partei. Die Demonstranten zogen durch die belebten Geschäftsstraßen, sangen die Internationale, brachten Hochrufe auf die KPD. aus und schrien die Regierung nieder. Das her­beigerufene Ueberfallkommando säuberte die Stra­ßen und machte dabei vom Gummiknüppel aus- giebig Gebrauch. Nach kurzer Zeit war die Ruhe wieder hergestellt, i . _; , >

Als listenmäßiger Mandatsnachfolger tritt für Dr. Heß der Verbandsdirektor Johann Petri aus ötgmaringen in den Landtag ein.

Die feierlichen Ereguien finden Montag am 8. Februar morgens 9 Uhr, in der Norbert-Kirche statt. Das Pontefikal-Reguiem hält Bischof Schreiber. Im Anschluß daran werden die sterblichen Ueberreste auf dem Katholischen Fried­hof in der Liesenstraße beigesetzt, wo a u ch Dr Sonnenschein seine letzte Ruhestätte gefunden den hat.

ernennen wollte, um ihm hinten herum die deutsche Staatsangehörigkeit zu verschaffen.

Zu der Angelegenheit der Ernennung Adolf Hitlers zum thüringischen Staatsbeamten' erklärt nach einer Meldung aus Weimar Staatsminister Baum, daß in der Kabinettssitzung eine Erklärung formuliert werden soll, durch die die Oeffentlichkeit über alles genauestens informiert werde.

Admiral Shiosawa berufen, dessen scharfes Vor­gehen anscheinend auch von den japanischen Regie- rungsireisen mißbilligt wird. Gerüchtweise ver­lautet, daß Shiosawa infolgedessen Selbstmord be­gangen habe.

* Redeverbot für zwei Nationalsozialisten. Das Polizeipräsidium m S t u t t g a r t hat den bei­den Nationalsozialisten Heidemann-Trier und dem aus dem Tscheka-Prozeß bekannten frü­heren Kommuni st en Felix Neumann-Wies­baden das Auftreten als Redner in einer national­sozialistischen Versammlung aufgrund der Notver­ordnung verboten.

* Strafanzeige gegen Slagges. Aus Braun­schweig wird gemeldet: Der Rechtsvertreter des Reichsbanners hat gegen den braunschweigischen Minister Klagges bei der Staatsanwaltschaft A n- zeige weaen Begünstigung und wegen Versuches einer Strafvereitelung erstattet. Die Anzeige wendet sich gegen eine amtliche Erklärung des Ministers, in der behauptet worden war, der kürzlich verstorbene Reichsbannermann Meier fei von einem Gesinnungsfreunde erschossen worden.

* Die kommunistische Parteikonferenz in Mos­kau nahm in ihrer Schlußsitzung einmütig die Thesen zum 2. F ü n f j a h r e s p l a n mit den von Molotoff beantragten Zusätzen an.

* Strafanträge im Kurfürstendamm-Prozeß. Nach 2/tägiger Verhandlung stellte der Staats­anwalt im Kurfürstendamm-Prozeß, der die Vor­gänge am jüdischen Neujahrsfest am Kurfürsten­damm verhandelt, die Strafanträge. Er beantragte gegen Graf Helldorf wegen einfachen Land- friedensbruches in Tateinheit mit Anreizung zu Gewalttätigkeiten zwei Jahre Gefängnis, gegen den Stabschef Ernst ein Jahr sechs Monate Gefängnis und gegen beide wegen öffentlicher Beleidigung je 300 Mark Geldstrafe. Gegen den Nationalsozialisten Schubert beantragte er ein Jahr fünf Monate Eesängnis, gegen den Jnge- nieur Gewehr ein Jahr Gefängnis, gegen vier Weitere Angeklagte je neun Monate Gefängnis, gegen den Jungstahlhelmführer Brand bean- Kagte der Staatsanwalt ein Jahr sechs Monate Gefängnis, gegen den Zeitungsfahrer Damerow ern ^ahr und gegen den Speditionsgehilfen Schulz ein Jahr drei Monate Gefängnis. Die Berufung der Angeklagten und der Staatsanwalt- jch^t beantragte er zu verwerfen. (

Vizeadmiral Nomura, dem der Ruf^, vorsichtigen Handelns vorausgeht, wurde, an Stelle -es bisherigen Kommandanten

Ernennung des Landwirts vachinger zum österreichischen Bundesminister. Der Bundespräsi­dent ernannte den Landwirt Franz Bachinger zum Bundesminister.

DieBäuerische Staatszeitung" schreibt zu der Einbürgerungsaktion für Hitler:

Die Angelegenheit entpuppt sich, da man nicht berechtigt ist. die eidliche Aussage Hitlers anzuzwei­feln, als ein in Thüringer Diensten gerittenes toll, dreistes Husarenstückchen des wieder nach Bayern zurückgekehrten Staatsbeamten D r. Frick, lieber feine beamtlichen Zuverlässigkeiten habe Dr. Frick damit ein deutliches Zeugnis abgelegt. Sollte es sich bewahrheiten, daß aus seiner Hand offizielle Staatsakten den Weg ins Braune Haus nach Mün­chen genommen haben, so sei kein Wort zu scharf, nm über die Auffassung Dr. Fricks von beamtlichen Pflichten das treffende Urteil zu sprechen.

Der päpstliche Nuntius Orsenigo schreibt:

Zum Hinscheiden des hochverdien- tenFührers, desaufrechtenMenschen und treuen Sohnes der Kirche spreche ich herzliches Beileid aus und bete für seine Seele.

wtb. Genf, 5. Februar. (Eig. Meld.) Die große politische Aussprache auf der Abrüstungskonferenz beginnt am Montag. Als erste Redner sind vorgemerkt der englische Außenminister Sir John Simon, der französische Kriegsminister Tardieu, der amerikanische Botschafter und Reichskanzler Dr. Brüning.

*

CNB Genf. 5. Febr. (Eig. Meldg.). Der An­kunft des Reichskanzlers sieht man hier allgemein mit großem Interesse entgegen. Die Presse legt der Anwesenheit Dr. Brünings die größte Be­deutung bei. Man weist darauf hin, daß der füh­rende deutsche Staatsmann, von dem das Aus­land nur mit allgemeiner Bedeu­tung spricht, zum ersten Male nach Genf kommt und nimmt an, daß Dr. Brüning die Gelegenheit benützen wird, um die Genfer Institutionen ken­nen zu lernen. Ob der der Reichskanzler auch an der Ratstagung teilnehmen wird, steht noch nicht fest. Im übrigen rechnet man damit, daß Dr. Brüning eine Reihe von Gesprächen mit verschie­denen Staatsmännern haben wird. Damit wird auch die allgemeine weltwirtschaft­lich e L a g e im Zusammenhang mit der Frage der internationalen B e r s ch u l d u ng und den Reparationen erörtert werden. Selbstverständlich kann es sich nur um einen un­verbindlichen Gedankenaustausch handeln, nicht um Verhandlungen, da ja der Kanzler die bestimmte Absicht hat. bereits am Dienstag wieder nach Berlin zurückzukehren.

Die englische Schutzzollmatznahme.

Bisher noch keine Stellungnahme der Reichsregie­rung. Zwei Enttäuschungen für Deutschland.

ERB. Berlin, 5. Febr. (Eig. Meldg.). Zu den gestern vom Schatzkanzler Chamberlin im Unter­haus angekündigten neuen Schutzzöllen erfahren wir von unterrichteter Seite, daß die Reichsregie­rung erst dann endgültig Stellung dazu nehmen wird, wenn die Schutzzollvorlage selbst vom 11 n- terhauz verabschiedet sein wird. Die vom Februar ab eingeführte Beschränkung der Koh len ein fuhr nach Deutschland stellt keine Gegenmaßnahme gegen die eng- ksiche Schutzzollmaßnahme dar. Die Herabsetzung der Kontingente um 30 Prozent ist ledialich ange­sichts des sehr erheblichen Rückganges im Kohlen­verbrauch erfolgt.

Die gestrige Rede Chamberlins enthielt für Deutschland insbesondere zwei Enttäuschun­gen, einmal daß bei den Ausnahmen nicht auch Stahl und Eisen sind und zum andern, daß die englischen Zollverordnungen vom Herbst' vergangenen Jahres, die 25 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhr nach England betra­fen, durch die neue Zollvorlage nicht außer Kraft gesetzt werden.

Die Japaner in Chardin.

wtb. Tokio, 5. Februar. (Eig. Meld.) Nach einer Blättermeldung ist die Vorhut der japa­nischen Streitkräfte heute früh in Chardin eingerückt.

wtb. London, 5. Februar. (Eig. Meld.) Laut Times haben die neuen japanischen Artillerie- und Bombenangriffe auf Schapei wieder zu großen I Feuerüberfällen geführt. Die chinesischen Streit­kräfte um Schanghai sollen ungefähr 25 000 Mann betragen, von denen aber nur ein kleiner Teil ge­llen die Japaner eingesetzt worden sei.

Der erste chinesisch-japanische Lustkampf.

wtb. London. 5. Febr. (Eig. Meld.) Zu dem Kampf zwischen zwei chinesischen Flugzeugen und 6 japanischen Bombenfliegern, in dessen Verlaut eine japanische Maschine abstürzte, meldet Reuter, daß die Chinesen bisher den japanischen Luft­angriffen beinahe wehrlos gegenübergestanden hatten. Dieser erste Zusammenstoß in der Luft werde sich vielleicht als Einleitung großer Luftge­fechte über der Niederlassung Herausstellen, denn es verlaute, daß heute vormittag aus Nanking 18 chinesisch- Flugzeuge eingetroffen sind, deren Besatzung äußerst kampflustig sei.

Das Reichsinnenministerium hat, wie die ,DAZ' erfährt, das Gutachten, um das Reichskanzler Dr. Brüning auf Grund der von der thüringischen Re­gierung übermittelten Schriftstücke in Sache Frick- Hisier gebeten hatte, bereits fertiggestellt. Es um­fasse nur eine einzige Schreibmaschinenseite und komme zu dem Schluß, Hoß, vorausgesetzt, die Ur­kunde wäre von Dr. Frick in der von der thüringk- schen Regierung gemutmaßten Form ausgestellt worden, die Anstellung Hitlers als Gendarmerie­kommissar in Hildburghausen nur eine Schein- anftellung unh infolgedessen unwirksam gerne» Jen wäre. Die Veröffentlichung dieses Schriftftul» kes werde voraussichtlich am Freitag erfolgen..

P r ä I a t Kaas hat "an die Zentrumsfraktion öes Landtages folgendes Telegramm gesandt:

Zu dem Hinscheiden ihres verdienstvollen und unersetzlichen Führers spreche ich der Zentrums- srgktwn des preußischen Landtages im Namen der Deutschen Zentrumspartei aufrichtigstes Beileid aus. In vorbildlicher Hinaabe und Treue hat Jo­seph Heß die glänzenden Gaben seines Geistes die Wucht seines männlichen Wollens in den Dienst von ,Staat und Volk gestellt, und seinen Namen für immer unter diejenigen gesellt, denen eine ge- redjte Beurteilung Dank und Anerkennung schulden wird. Er scheidet aus unserer Mitte in einem Au- llsnblick höchster vaterländischer Not und Bedräng­nis. An seiner Bahre soll nicht nur die Trauer uns einigen, sondern auch das Gelöbnis, die feinen Händen entsunkene Fahne aufzugreifen und in zu­versichtlicher Geschlossenheit die Arbeit fortzusetzen, die ihm Lebensaufgabe und Lebensinhalt war.

gez. Saas,

Vorsitzender der Deutschen Zentrumspartei.

*

. Reichskanzler Dr. Brüning hat an den Frak­tionsvorstand der Preußischen Zentrumsfraktion folgendes Beileidstelegramm gerichtet:

Die Nachricht von dem Hinscheiden des Führers der Preußischen Zentrumspartei, Regierungsdirektors Dr. Heß, hat mich auf das tiefste erschüttert. Schmerzer­füllt stehe ich an der Bahre dieses so außerordentlich ver­dienten Führers. In aufrichtiger Mittrauer um den Entschlafenen, dessen Verdienste ick stets dankbar geden­ken werde, spreche ich auch der Preußischen Zentrums­partei mein tiefftes Beileid aus.

Führer der nationalsozialistischen Reichstags­fraktion, der als Minister in Thüringen Hitler zum Gendarmerie-Oberwachtmeister in Hildburghausen

Die K. V. schreibt:

Die Affäre des Versuches, Herrn Hitler in Deutschland einzubürgern, ist Noch nicht abgeschlossen. Es schweben Untersuchungen über den Klüngel, den Herr Frick in Thüringen versucht hak. Uns ist es gleichgültig, was Herr Hitler dem­nächst erklärt oder schon erklärt hat. Es ist jeden­falls heute unbestreitbar, daß Versuche gemacht worden sind, Herrn Hitler die deutsche Reichsange­hörigkeit zu verschaffen: auf Umwegen, auf Schleichwegen, a u f krummen We g e n.

Man könnte einwenden, Herr Hitler habe ja de. mentiert, daß er nichts von der Sache habe wissen wollen, von ihr nichts gewußt habe und vollständig überrascht sei, und man könnte auch sagen, man könne Herrn Hitler nicht für den lächerlichen Eifer seiner lächerlichen Freunde verantwortlich machen. | Man könnte dies in der Tat. Wir gehen noch wei­ter und sagen, daß man schließlich einem Mann, der wie Hitler in den Reihen des deutschen Heeres im Kriege gestanden hat, nicht lange und nicht um­ständliche Vorschriften machen sollte, um seine Staa­tenlosigkeit loszuwerden, an der er keine Schuld trägt. Man kann sogar sagen, daß jeder Auslän­der, der während des Krieges bewußt sich zum deutschen Gedanken bekannt und in den Reihen un­seres Feldheeres gestanden hat, damit das deutsche Bürgerrecht sich für immer errungen hat. Wir kennen eine große Zahl von Schweden, Finnen und Deutschbalten, die im deutschen Heere gedient und gekämpft haben Herr Hitler ist also gar nicht der einzige Mensch, der dies getan und anderen irgend etwas voraus hat.

Gewiß darf nicht übersehen werden, daß Hitler offenbar bewußt ben [egalen und natürlichen Weg vermieden hat, um die deutsche Reichsangehö. rigkeit zu erwerben. Aber dies alles nebenbei. Bet der hinlänglich peinlichen Affäre dieses thürin- gischen Gendarmeriekommissars kommt etwas ganz anderes in Frage: d i e Partei, die da im Deutschen Reich herumläuft und vorgibt, gegen den Klüngel, für öie Reinlichkeit und Sau­berkeit zu kämpfen, diese Partei, die von sich behauptet, daß sie allein den Mut besitze, jeder politischen Entartungserscheinung offen und frei­mütig gegenübertreten, diese Partei läßt durch ein paar subalterne Naturen erken­nen, wie menschlich es bei ihr zugeht. Seit langem hat esnichtsKnabenhafteres, Lächerlicheres und Peinlicheres als diese Affäre in Deutschland gegeben. Ausgerechnet diese Partei ist dabei, in der Frage der Präsi­dentschaftswahlen sich aufzublasen! Noch ein paar thüringische Fälle und die Felle schwimmen.

Mittag sührk Deutschlands Sache.

In Erwartung der grotzen Aussprache über die Abrüstung in Gens

Zum Ableben Dr. Hetz'.

Die preußische Zenfrumspartei veröffentlicht folgendes:

Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen am Donnerstag, dem 4. Februar 1932, früh um 6 Uhr! unseren Vorsitzenden,

Mgierungsdirektor Dr. Joseph Heß,

Im 53. Jahre seines Lebens zu sich in die Ewigkeit heim- zuholsn und ihn damit von einem schweren Leiden zu erlösen.

. In tiefer Erschütterung stehen wir vor diesem Er­eignis, obwohl wir die tragische Entwicklung bereits nahen. sahen.

3n Dr. Joseph Heß geht eine der stärksten politischen Fuhrerperzonlichkeiten dahin. Wir betrauern in ihm Een edlen Menschen und stets hingebenden Freund. Die Geschichte des neuen Preußens, wie sie sich in den Jahren 1919 bis 1932 entwickelte, ist ohne ihn nicht zu denken. Iln dem Werden dieses neuen preußischen Staates hat seine starke Persönlichkeit einen außerordentlichen Anteil. Er schien berufen, auch für die kommenden schweren Zei­ten ein markanter Wegbereiter zu sein. Aber nicht nur cm großer politischer Führer, sondern auch eine im höch­sten Maße parlamentarische Persönlichkeit ist mit ihm m die Ewigkeit hinübergegangen. Als Debatter und Redner ganz großen Stlls gehörte er zu den besten Ver­tretern parlamentarischer Beredsamkeit.

. Die Zentrumsfraktion des preußischen Landtags, so­wie die preußische Zentrumspartei stehen in tiefer Er- schutterung an der Bahre dieses Mannes, dessen tiefste Tragödie vielleicht die war, daß er im Augenblick, wo er mit dem Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit zur Wir­kung berufen war, aus dieser Zeitlichkeit dahinscheiden mußte.

Sein politisches Wirken hatte seine letzten und tief­sten Wurzeln in jener klassischen Tradition, die mit den Namen Windthorst und Felix Porsch geschichtlich verbun- Den ist.

In tiefster Bewegtheit nehmen wir von ihm Abschied. So kurz auch seine Tätigkeit war, sie wird in den Anna- len unserer Partei unverlierbar eingeschrieben.

gez. Dr. Mönnich, 2. Vors. d. preuß. Zentrumspartei.

gez. Sieger, 2. Vors. der preuß. Zentrumsfraktion.

Am die Lehrerbildung.

Die pädagogischen Akademien vor dem haupkausschuß.

. An Hauptausschuß des Preußischen Landtages fand in Fortsetzung der Beratung der zu den Sparverord- nungen vorliegenden Anträge eine umfangreiche Aus­sprache über die Schließung pädagogischer Akademien statt. Ein Vertreter des Kultusministeriums wies da­bei die Behauptung eines wirjfschaftsparteil. Auslchußjmit- gliedes zurück, daß auf den pädagogischen Akademien Bilüungsfimmel herrsche. Die Akademien sollten grundsätzlich erhalten werden. Es sollen drei evange- lische, zwei katholische und eine Simultanakademie er- balten bleiben. Zunächst soll die Lücke im Nordwesten ausgefüllt werden. Ob die Regierung sich dabei für Hannover oder Kiel entscheiden werde, sei noch unge­wiß. Dortmund, Halle und Elbing sollen erhalten blei­ben. Hätte man sich für Kiel entschieden, wo der Bau fertig sei, so würde nur der Westen, Norden und Osten berücksichtigt worden fein, während Mittelpreußen ganz ausgefallen wäre. Meinungsverschiedenheiten hätten be­züglich Frankfurt a. O. und Halle bestanden. Man habe sich aber für Halle entschieden. In Halle entständen keine Mehrkosten, da die Stadt für die Räume sorgen müffe. Bei der Wahl zwischen Breslau und Beuthen falle die Entscheidung zu Gunsten Beuthens aus.

keine Verschiebung des Inkrafttretens der landwirk- schafllichen Einheilssteuer.

ERB. Berlin, 5. Febr. (Eig. Meld.) Die Behaup­tungen, die Einführung der landwirtschaftlichen Einheits­steuer solle erst später in Kraft treten, wird von zu­ständiger Stelle als völlig unzutreffend bezeichnet. Tatsächlich ist die landwirtschaftliche Einheitssteuer schon mit dem Beginn des Wirtschaftsjahres 1931 in Kraft ge­treten. Offenbar handelt es sich um Verwechslungen mit dem Inkrafttreten der Rahmenbestimmungen für die Grundsteuer und Gewerbesteuer.

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Minister-Attemat in Oslo.

2Ius Oslo wird gemeldet:

Der Leiter der Kriminalpolizei teilt mit: Als der Verteidigungsminister am Dienstagnachmittag in feine Amtsraume im Verteidigungsministerium kam, um Dokumente zu holen, wurde er im Dun­keln plötzlich von einem oder mehreren Männern überfallen, von denen einer versuchte, ihn mit ei­nem Messer in die Brust zu stechen. Es gelang dem Minister jedoch, den Messerstich abzuwehren, aber es wurde ihm gleichzeitig ein Schlag auf den Kopf versetzt, so daß er umfiel und eine zeitlang be­wußtlos blieb, während es den Tätern gelang, zu verschwinden. Der Minister hat bei dem lieber* fall keinen dauernden Schaden erlitten und konnte schon am nächsten Tage seine Amtspflichten erfül­len. Eine polizeiliche Untersuchung ist eingeleitet und eine Belohnung von 5000 Kronen für Mit­teilungen ausgesetzt, die zur Ergreifung der Täter führen.

*

wtb. Oslo, 5. Febr. (Eig. Meld.) Die Morgen­blätter erklären zu dem Mordanschlag auf den Ver­teidigungsminister, die Angreifer hatten die Ab­sicht gehabt, sich militärischer Dokuemnte zu be­mächtigen- Tidens Tegn vermutet, die Angreifer seien vonderrufsischen Geheimpolizei gesandt worden, um bestimmte Dokumente über die norwegische Nationalverteidigung zu entwenden.

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