NILS
Ar. 29
5. Februar
Beilage zur Fuldaer Zeitung
MU l
Drücken.....
Don A ka.
Von Ufer zu Ufer führen Drücken, Ueberroöiben in kühnem Dogen Der Flüsse mächtige Breite:
Sinnbild versöhnend sich reichender Hände, Edler Ausdruck im Menschen Den Bruder zu künden.
Lebensstil und Notzeit.
Ich will von der Lebensführung eines verarmten Haushaltes sprechen. Zu einer Zeit, als ich Not nur theoretisch kannte, sagte einmal ein Fabrikbesitzer zu mir: „Ob mein Betrieb gut oder schlecht geht, das steht in meinen Büchern: eine gewisse Lebenslinie läuft bei uns unabhängig vom Geschäftsgang." Damals verstand ich das nicht.
Heute, leider, nur zu sehr. Die Geldfrage ist eine große Frage in unferm europäisch zivilisierten Leben. Wir dürfen nicht Obst pflücken, nicht im Brückenbogen schlafen, nicht Wild erlegen und Felle als Bekleidung nehmen. Menschen, bei denen das Essen immer auf dem Tisch steht, die dauernd in ihren Betten schlafen, können sich Not gar nicht vorstellen.
Not ist, wenn die einfachen Dinge des Lebens fehlen. Als die große Frage des Doppelverdienens in jeher Form bekämpft und verteidigt wurde, ließ man den Begriff „Not" auch eine gewisse Rolle spielen. Niemals ist dieses Wort relativer ausgewertet worden. Bei der efhen Frau ist Not, wenn der Mann das Geld zum Wendkleid nicht mehr verdient, bei der anderen, wenn dem Kind der Wintermantel fehlt. Wo wirklich Not ist, liegt wohl hier klar zutage.
Es gibt eine Gruppe von Menschen, die immer aus einer gewissen Höhe des Lebensstiles bleiben möchten. Ein gewisser Geltungsbetrieb spricht da mit. Nun ist'» aber so, daß heute nicht nur der sogenannte kleine Mann arm geworden ist. Diel guter Mittelstand, viel Reichtum iss verarmt, Menschen, denen ein Stück Seife mehr fehlt als ein Stück Brot. Ganz gewiß war eine Höhe der Lebensführung erreicht, die den Absturz zur Armut •
katastrophaler macht, als wenn immer in sehr engen, kleinen Verhältnissen gelebt wurde.
Hier kommen zu der Not an sich viele Nebenumstände, die den Zustand erschweren. Allein die Wäschefrage, der Zeitraum des Wechselns, die weiße Bettwäsche, die Tischwäsche sind gesteigerte Schwierigkeiten. Die Frauen dieser Kreise haben den besten Willen, alles selbst zu tun: der Körper aber ist es nicht gewöhnt, die Ernährung ist schlecht, die Kraft versagt. Und ein Verzicht aus das Tischtuch ist rein symbolisch ein Schritt abwärts. Darum hält manche Hausfrau das Tischtuch länger als die Butter aufs Brot. Ich kann es verstehen.
Oder — es kommt Besuch. Allzuviel Besuch kommt nicht zu Verarmten. Armut schaltet aus. Cs ist auch peinlich für beide Teile. Wenn aber jemand kommt, freut man sich. Dann möchte man gern ein wenig wie früher mitlebendes Individuum sein. Eine Tasse Tee wird gekocht. Nichts Fürchterlicheres gibt es nun als eine gewundene Ziererei, uns nichts wegtrinken zu wollen usw.! Du lieber Gott, ja: wir sind arm, wir sind arm, wir trinken vielleicht abends den nochmals aufgekochten Malzkaffeesatz! Aber wen geht es was an? Laßt uns doch die Illusion, einmal wieder — gastfreundlich zu fein!
Das Allerschlimmste aber ist die Gefahr, aus Not der Heuchelei zu verfallen. Cs ist doch so: wer arbeitslos ist, wird unterstützt. Mancher, der in besseren Zeiten viermal in der Woche Fleisch im Topfe hatte, begnügt sich heute mit einem Eintopfgericht, um leben zu können. Das wird mit dem Löffel gegessen. Da kommt mit einemmal der Drang, einmal wieder Messer und Gabel gebrauchen, einmal wieder etwas besseres kochen zu dürfen. Man tut es. Eine Ausgabe wird gemacht, die eigentlich untragbar ist, die schwer an Notwendigem zurückgespart werden muß. Aber man braucht eine Unterbrechung um rein gefühlsmäßig einen Aufschwung zu bekommen. Soll nun dies Essen, bescheiden in seiner Art, ein Angstessen fein: es könnte einer sehen!? Dann ist der Zweck verfehlt, eine Note ins Geben zu bringen, die über den grauen Alltag hinaus« hebt. Wir müssen den Mut zur Ehrlichkeit haben, unsere Lebenslime wieder und wieder nach oben drängen zu wollen, auch wenn Not im Haus ist. Wir dürfen nicht größere Armut vortäuschen, als da ist, um eines Vorteils willen. Unsere Kinder dürfen die Eltern nie kleiner sehen, als sie es sind.
Die Not meistern, heißt nicht nur, nicht verhungern, sondern auch seinen Lebenszuschnitt in Formen zu erhalten, die Auftrieb und Aufstiegswillen und Ehrlichkeit nicht unterbinden. F. B.
Der Schritt ins Leben.
von der Schulbank zur Werkstatt. — Die verufsberakungsstesten. — Modeberuf und Berufsmode«. — Dem Tüchtigen gehört auch noch heute die welk.
Die Krise auf dem Arbeitsmarkt und die traurige Fülle von Arbeitslosen hat zu einer straffen Organisierung ber Arbeitsbeschaffung geführt. Behörden und Arbeits- oerbände suchen sich gegenseitig zu unterstützen, damit das tragische Los, das so viele Menschen unverdient getroffen hat, mit allen Mitteln soweit irgend möglich geändert wird.
Der Antrieb all ihrer Mühen und ihres Fleißes in jungen Jahren ist ja die Aussicht, damit einmal etwas Nützliches anfangen zu können für sich und für die menschliche Gemeinschaft. Wenn aber, wie man das so oft hört und wie es auch ganz den Anschein hat, alle Bemühung umsonst ist, wenn es für alles Können und Wissen keinen Ansatzpunkt mehr gibt?
In den Berufsberatungsstellen, di« den Arbeitsämtern angegliedert sind und die heute von 95 Proz. aller Schlllentlassenen um Auskunft an gegangen werden, sucht man zunächst die besondere Eignung des zu Beratenden festzustellen in Zusammenarbeit mit den Eltern und mit der Schule. Man fragt, zu welchem Beruf besondere Neigung besteht, welche Lieblingsbeschäftigungen vorherrschen, welche Schulfächer besonders ausgebildet sind und welche Neigungen im häuslichen Leben besonders her- norgetreten sind. Alles das wird auf besonderen Karten genau festgelegt und steht lehrlingsuchenden Betrie- trieben, die ihrerseits ständige Fühlung halten mit den Beratungsstellen, zur Verfügung. Man hat auch ein ganzes System von Eignungsapparaturen erfunden, die genau Rückschlüsse auf die körperliche Konstitution der Prüflinge zulassen. Man kennt dadurch die Reaktion bestimmter Neroenkomplexe und Sinnesorgane, — sicher ein wichtiges Hilfsmittel in der Eignungsprüfung, um über gefühlsmäßige Neigungen hinaus exakte Eignungen festzustellen. Aber besteht nicht bei all dem die Gefahr einer Mechanisierung? Die Wunder wirklicher Leistungen im menschlichen Geben sind noch immer am stärksten durch die seelischen Werte des Menschen, durch Energie und Willenskraft, durch anbauemben Fleiß und zähes Durchhalten erreicht worden. Man soll dabei die naturgegebenen Voraussetzungen des Körperlichen unbedingt in Rechnung stellen; aber man soll sie nicht allein maßgebend sein lassen. Das Wichtigste — das betonen auch alle Berufsämter — ist der Entschluß, überhaupt einen Beruf zu erlernen, — ein Entschluß der Eltern sowohl wie der Schüler selbst. Der Bildungsprozeß, den die Schule im allgemeinen angebahnt hat und den der „gelernte Berus" im besonderen fortsetzen und vollenden soll, darf nicht unterbrochen werden. Ganz falsch ist die Erwägung: „Wer weiß, ob in vier, fünf Jahren für diesen Beruf Aussichten bestehen!" Keine Form des Gemens kann umsonst sein.
Wenn es auch kein Rezept gibt, nach welchem nun Eltern und Lehrer die Schulentlassenen in bestimmte Berufszweige überleiten sollen, so wird doch von den Berussberatungsstellen immer gewarnt vor den sogen. Modeberufen. Das sind Berufe, die in der öffentlichen Meinung, meistens, durch einen aktuellen Zufall in den Blickpunkt des Interesses gerückt sind. Wie alle Modedinge sind die Ansichten darüber, wie eine Krankheit durch Ansteckung, verbreitet. So weist ein Arbeitsamt darauf hin, daß der größte Teil der schulentlassenen Jugendlichen zurzeit Maurer, Auto- und Motorschlosser, Elektriker, Friseure, Buchdrucker, Schriftsetzer, Feinmechaniker, Köche und Konditoren wecken wolle, während andererseits eine Menge von Berufen, z. B. Dreher, Fräser, Schleifer, Former, Kernmacher, Kesselschmiede usw. ständig von der Jugend abgelehnt würden. Bei allen diesen Fragen kommt es auf die persönliche Eignung des Einzelnen und auf die besonderen lokalen Verhältnisse entscheidend an und zwar nicht auf die gerade im Augenblick porherrschenden Meinungen und Neigungen, sondern auf
di« gründliche Ueberlegung: wird unser Junge oder unser Mädchen in diesem Beruf wirklich etwas leisten können, — wird dieser Beruf auch noch Sinn und Aussicht haben nach der Lehrzeft für das ganze spätere Geben?
Betrachtet man die öffentlichen Berufsberatungsstellen als Hilfsmittel in diesen Entscheidungen, die dem Schüler selbst, seinen Eltern und seinen Lehrern mit Rat und Tat zur Seite stehen, so kann mit gutem Gewissen daraus der Nutzen gezogen werden. Die Statistik besagt, daß vom 1. Juli 1928 bis 30. Juni 1929 die öffentliche Berufsberatung im Deutschen Reiche von insgesamt 223 180 männlichen und 166 692 weiblichen Ratsuchenden in Anspruch genommen wurde. 64 000 davon waren Schüler und Schülerinnen höherer Lehranstalten. Lehr- und Anlehrstellen wurden dabei an 147 380Schulentlassene vermittelt, davon allein 51 604 an Mädchen. Diese Zahlen, die sich in den letzten Jahren sicher bedeutend vermehrt haben, sprechen von einer fruchtbringenden Zusammenarbeit dieser Stellen mit Elternschaft und Schule einerseits und mit den Arbeitnehmer- und Arbeitgeberverbänden andererseits. Ihr Nutzen wächst dadurch, daß sie auch weiterhin beratend und helfend ihren Schützlingen zur Seite stehen. Von den Berufsberatungszentralen aus wird in ständiger Aufklärungsarbeit das Publikum hingewiesen auf die Vorteile dieser wichtigen Zusammenarbeit. Erfahrung und bessere Einsicht, ständige Veckin- dung mit allen maßgebenden Stellen, geben diesen 2tem* tern ohne weiteres den Vorzug vor der Entscheidung des Einzelnen. Man hat auch das Mittel des Films in diese Aufklärungsarbeit eingestellt. „Von der Schulbank bis zur Werkstatt" führt ein in die Methode der öffentlichen Berufsberatung.
Es gibt keine allgemeingültige Lösung der Frage der Berufsberatung. Eure Kinder sind lebendige Wesen, die ihre Eigenart haben und die nach ihrer Eignung ange- setzt fein wollen in dem großen Gebensprozeß. Laßt sie das, was sie lernen, gründlich lernen. Für jeden muß es ein Arbeitsfeld geben. Denkt vor allem über die Gehr- jahre hinaus an die Zukunft. Es kommt nicht so sehr darauf an, daß eure Kinder möglichst schnell und möglichst leicht etwas verdienen, sondern daß sie geschlossene Persönlichkeiten werden, die unserem im Aufbau befindlichen Staat brauchbare Männer und Frauen stellen. Dem Tüchtigen gehört auch heute und auch in Zukunft die Welt. Herbert G i e f e.
Hygiene im Kleinkind es aller.
Die Hygiene des Kleinkindesalters ist im Gegensatz zu der des Säuglings- und Schulkindesalters bisher ziemlich stiefmütterlich behandelt wocken, obwohl gewisse Eigenheiten des Kleinkindesalters mancherlei ernste Gefahren für die Gesundheit mit sich bringen. Zu diesen Eigenheiten gehört vor allem das Bestreben des Kleinkindes, am Boden umherzukriechen, alles zu betasten und dann die schmutzigen Finger in den Mund zu stecken. Von besonderen Krankheiten des Kleinkindesalters ist an elfter Aelle die Rachitis oder englische Krankheit zu nennen, die in der Regel eine Folge der unhygienischen Haltung des Kindes ist, und bei der es wegen abnormer Weichheit der Knochen zu Veränderungen am Kno- chensystem kommt. Infektionskrankheiten, die unter den Kleinkindern viele Opfer fordern, sind Dipthterie, Keuchhusten, Masern und Scharlach; besonders verhängnisvoll ist die Tuberkulose für das Kleinkind. Ausschlaggebend für eine gute Aufzucht des Kleinkindes ist die Ernährung. Zu vermeiden ist Ueberernährung und einseitige Ernährung. Milch ist dem Kinde im zweiten Gebensjahre in der Höchst menge von X. Giter, im dritten in der Höchstmenge von Liter zu geben. (Eier sind
nur dann zu oerab folgen, wenn das Kind sie verträgt, was nicht immer der Fall ist. Die Mahlzeiten — nicht mehr als fünf am Tage — sind genau einzuhalten, Tee, Kaffee gebe man nur in schwachen Aufgüssen und in geringer Menge, Alkohol überhaupt nicht. Wenn irgend möglich, ist das Kleinkind täglich zu baden und mit reiner Wäsche zu versehen. Die Temperatur des Bades, das fünf Minuten dauert, soll 35 Grad nicht übersteigen. Die Haare sind gut zu bürsten und zu kämen, auf Ungeziefer ist zu achten; die Nägel sind kurz zu halten und häufig zu säubern. Gegen das Nägelkauen und Daumen- lutschen ist mit aller Strenge vorzugehen. Großer Sorgfalt bedarf die Zahnpflege. Frühzeitig erlerne das Kind das Mundspülen und Gurgeln. Zur Bekleidung des Kindes eignen sich besonders poröse und leicht abwaschbare Stosse. An den Schuhen sollen Absätze nicht fehlen, damit neben anderem Gang und Körperhaltung des Stirn des nicht beinträchtigt werden. Der Platz, an dem das
Kind spielt, ist stets sauber zu halten. Das Spielzeug sei einfach, unzerbrechlich, abwaschbar und mit einwandfreien, nicht leicht löslichen Farben bemalt. Das Bett fei einfach. Als Unterlage diene eine Matratze, nicht ein dickes Federbett. Zugedeckt wird das Kind mit einer überzogenen Woll- oder Steppdecke, auf die — je nach der Jahreszeit — noch ein Federkissen gelegt werden kann. Zwischen 19 und 20 Uhr soll das Kleinkind zu Bett gehen und etwa um 7 Uhr aufstehen. Jede vorzeitige geistige Anspannung beeinflußt Gemüt und Geist des Kindes in ungünstigem Sinne. Mit einer vernünftigen Betätigung auf körperlichem Gebiet kann früh begonnen werden. Zu Abhärtungszwecken bediene man sich im Kleinkindesalter nicht des kalten Wassers, sondern des Luftbades. Zur Verhütung von Krankheiten sind Erwachsene und Kinder, deren Gesundheitszustand zu den leichtesten Bedenken Anlaß gibt, vom Kinderzimmer fernzuhalten.
Ernährung und kochen.
Charlotte Z s ch o ck e.
Von Dr. med.
Die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse haben in der Wertung der Nahrungsmittel eine große Veränderung bewirkt. Wir stellen heute unsere Mahlzeiten nicht mehr nur dem Kalorienwert entsprechend zusammen, sondern beachten auch ihren Wert an Mineralsalzen und Vitaminen. Es kommt im wesentlichen auf eine Einschränkung des Fleischgenufses und reichlichere Beigabe von Salaten und Obst (Rohkost) zu der Gemüse-Hauptmahlzeit hinaus.
Unter .Jochen" verstehen wir nicht nur die Veränderung der Nahrungsmittel durch den Koch-, Brat- oder Backprozeß, sondern die gesamte zur Bereitung der Mahlzeiten gehörige Tätigkeit, also auch bas sehr wichtige Vorbereiten und Anrichten der Speisen.
Durch das Putzen von Fleisch und Gemüse, Salat und Obst werden die für den menschlichen Organismus nicht zu verwertenden Teile, wie Knochen, Knorpel, Sehnen, holzige Stellen entfernt. Sehr wichtig ist die Reinigung unter fliehendem Wasser. Für Kartoffeln, Möhren, Sellerie, rote Rüben usw. halte man sich eine besondere Bürste, die nur zur Reinigung dieser Knollengewächse verwandt wird. Andere Gemüse, wie Blumenkohl, Kraut, auch Kopfsalat, sind vor dem Waschen zu zerteilen. Zur Zerstörung der mit bloßem Auge nicht sichtbaren Wurmeier sind die Blumenkohlröschen und Salatblätter nach dem Waschen etwa 15 Minuten in leicht gesalzenes Wasser zu legen.
Die bann beim Kochen erzeugte Hitze zerstört die Zellhäutchen der pflanzlichen Nahrungsmittel, wodurch ihre Ausnutzbarkeit gesteigert wird. Der menschliche Darm ist kürzer als der der Pflanzenfresser und daher nicht so gut imstande, die Zellulosebestandteile der Pflanzen in ausreichendem Maße zu verarbeiten, was zwar gegen reine Rohkost, aber nicht gegen vegetarische Ernährungsweise spricht, die zweifellos zu Zeiten angebracht und in manchen Krankheitsfällen von großem Wert fft.
Das Wesentliche für die Zubereitung der Gemüse ist die Erhaltung der Mineralsalze und der Vitamine, daher soll man sie nur solange kochen, wie zum Weichwerden absolut nötig ist. Sonst laugt man das Gemüse aus und hat die wichtigsten Bestandteile zerstört, oder sie sind bestenfalls im Gemüsewasser enthalten. Gemüsewasser darf nie weggegossen werden. Man nimmt es an Stelle der früher weit überschätzten Fleischbrühe zu Suppen und Tunken. Besser ist es, Gemüse in Dampf oder Fett zuzubereiten, wozu es sehr praktische Töpfe gibt. Tierisch« Fette sind wegen Ihres hohen Gehaltes an Fettsäuren verpönt. Butter schmeckt am besten, aber ein guter Ersatz sind Pflanzenfette oder Olivenöl.
Für das in mäßiger Menge, aber nicht täglich zu empfehlende Fleisch bedeutet das Kochen oder Braten Aenderung der Muskel- und Bindegewebsfasern, wodurch si« der Einwirkung der Zähne und der Derdau- ungssäfte zugänglicher gemacht werden.
Unser täglicher Bedarf an Kochsalz ist viel geringer, als die Übliche Ernährung uns darbietet. In vielen Nahrungsmitteln ist ja schon genügend Salz enthalten, z. B. im Brot. Das Auslaugen des Gemüses wird durch Beigabe von Kochsalz zu Beginn des Kochprozesses gefördert. Man füge also erst eine Prise Salz hinzu, wenn das Gemüse abgekocht ist, falls es bann noch nötig erscheint. Für Gäste, die an stärker gewürzte Speisen ge. wöhnt sind, stelle man Salz auf den Tisch. Nachsalzen läßt sich immer.
Von Gewürzen sind in mäßiger Menge erlaubt: Muskat, Zimt, Nelken. Sehr sparsam zu verwenden fft Senf, durchaus entbehrlich ist Pfeffer. Grüne Kräuter sollen täglich verwendet werden; zumal Schnittlauch und Petersilie sind für Salate und Gemüse unentbehrlich. Essig ist in jedem Falle durch Zitrone zu ersetzen.
Die Anregung des Appetites, die Lust auf das Essen erreicht man durch hübsches Anrichten der Speisen, die auf einem sauber und sorgfältig gedeckten, mit ein paar Blumen geschmückten Tisch ganz anders munden, als wenn sie lieblos, womöglich aus dem Kochtopf aufgefüllt werden. Das Wasser läuft einem nur beim Anblick eines schön angerichteten Gerichtes im Munde zusammen, d. h. die Verdauungssäfte ergießen sich reichlicher, ehe nod) die Speise den Verdauungskanal erreicht hat, womit eine gute Verdauung garantiert ist.
Die große Mühe, die die Hausfrau tagaus, tagein nicht nur auf di« schmackhafte Bereitung der Mahlzeit, sondern auch auf deren sinngemäße Zusammenstellung und Einkäufe der Gebensmittel verwendet, ist nicht verschwendet, und die Meinung, eine Mahlzeit sei mit ober ohne Liebe bereitet, ist zweifellos ein ganz richtiger Ausdruck des Volksempfindens.
Sicherlich hat auch das Sprichwort „Die Liebe des Mannes geht durch den Magen", nicht unrecht. Sachgemäße Ernährung ist die Grundlage für körperliches und seelisches Wohlbefinden. Und man muß nicht einmal sehr materialistisch sein, um sich durch verdorbene Mahlzeiten ganz allgemein verstimmt zu fühlen, weil eben Magenleere oder Magen-Darmerkrankungen nieder- drückend wirken.
Umgekehrt wird aber auch jeder Mensch und zumal der Ehegatte es zu schätzen wißen, wenn abwechslungsreiche, gut zubereitete und lecker angerichtete Mahlzeiten auf dem Tische stehen. Cs ist töricht, von dem „bißchen Kochen" zu reden, wie diese wichtige Hausfrauenarbeit zuweilen geringschätzig abgetan wird. Kochen fft eine Kunst, eine von Generation auf Generation überkommene Erfahrung, die durch stete Verbesserung und immer erneute Nutzbarmachung vieler Zweige der wissenschaft- lichen Forschung mit zum wichtigsten in der weiblichen Erziehung gehört. Denn dieses Können der Frau stellt den wesentlichen Faktor fürbie Gesunderhaltung der Familie und eine rationelle Haushaltführung dar.
Aus Küche und Haus.
Erprobte Rezepte.
Rollmöpse von Salzhering. (Für 4 Personen). Zutaten: 4 gute Salzheringe, 1 große, seingehackte Zwiebel, 1 Eßlöffel Senfkörner, 1 kleine Salzgurke, Pfeffer unb Gewürzkörner, X Tasse milder Essig, Vi Tasse saure Sahne, 1 Teelöffel Zucker unb 15 Tropfen Maggis Würze. Zubereitung: Die gut gewässerten Salzheringe werden abgezogen und von den Gräten befreit. Die innere Seite jedes Filets wird mit gehackter Zwiebel bestrichen, mit Senfkörnern bestreut, über einem Stückchen Gurke aufgerollt und der Rollmops durch einen Holzspeil gesichert. Die übrigen Zutaten mischt man zu einer Soße, die man über die Rollmöpse, zwischen die noch die restlichen Gurkenscheiben gelegt werden, gießt. Einige Tage gut durchziehen lassen und mit Pellkartoffeln zu Tisch bringen. M. A.
fiarfoffelbälkfjcn mit würziger Beigabe. (Für 4 Personen). Zutaten: 1% Kg. gleichmäßig große Kartoffeln, 2 Eier, 1 Eßlöffel Salz, 3 Eßlöffel geriebene Semmel, 100 Gramm Backfett, 1 Kg. Aepfel, 3 Eßlöffel Zucker, 2 Eßlöffel geriebener Meerettich, 10 Tropfen Maggis Würze. Zubereitung: Die Kartoffeln werden in der Schale knapp gargekocht und sofort abgezogen. Dann wendet man sie in dem mit Salz geschlagenem Ei, darauf in geriebener Semmel unb bäckt sie schnell im heißen Fett schwimmend braun. Von den Aepseln kocht man in wenig Wasser Apfelmus, das man
. vf. I wirkt wie
/ jf gurgeln
ntl-- es beugt o o *****
9U Erkältungen vor!
mit dem Zucker, dem Meerettich und der Maggi-Würze abschmeckt unb heiß zu den Kartoffelbällchen reicht, die als sättigendes Mittagessen gedacht sind. M. A.
Teltower Rübchen. Zutaten: 1—1X Pfund Rübchen, 40 Gramm Butter, 40 Gramm Mehl, 2 Stückchen Würfelzucker, Salz und einige Tropfen Maggis Würze. Zubereitung: Die Rübchen werden geschabt, in lauem Wasser gewaschen unb in kochendem Salzwasser abgewällt. Man röstet den Zucker in der heißen Butter
hellgelb, gibt das Mehl dazu, läßt dieses gut durchdünsten, gießt mit Knochen- ober Gemüsebrühe auf, verkocht die Einbrenne, gibt die Rübchen hinein unb läßt sie darin weichkochen. Kurz vor dem Anrichten schmeckt man das Gemüse noch mit Maggi-Würze ab. I. M.
Orangentörtdjen.
200 Gramm Zucker werben mit einem Liter Wasser unb der Schale einer Drange solange gekocht, bis der Zucker sich perlt. Dann wird ein kleines Gläschen Rum zugefügt. Diese Mischung wirb über Drangen gegossen, die man in Viertel geschnitten hat. Von einem Teig von 200 Gramm Mehl, einem halben Glas Wasser und 100 Gramm guter Butter, 30 Gramm Zucker werden kleine Törtchen gebacken, die man mit den Drangenvierteln garniert. Der Saft wird eingedickt und zum Schluß über di» Törtchen gegeben. t
Die praktische Hausfrau.
Feuersicherheit der Gardinen.
Völlig feuersichere Gackinen gibt es im Haushalt noch nicht. Man kann jedoch die Entflammbarkeit der Gardinen wesentlich herabmindern, wenn man beim Waschen der Vorhänge dem Spinwasser einen ober zwei Lössel Alaun zusetzt.
Das Anbrennen der Milch
läßt sich sicher verhüten, wenn man den Milchtopf vor dem Kochen mit einer Speckschwarte einreibt. Der Speck- geschmack macht sich in der Milch in keiner Weise bemerkbar.
Der Heizwert unserer Brennstoffe.
Die gebräuchlichsten Brennstoffe im Haushalt haben einen recht verschiedenartigen Heizwert, den man kennen muß, um praktisch und vorteilhaft kaufen zu können. Den geringsten Heizwert hat Holz mit etwa 4000—4300 Wärme-Einheiten für ein Kilo, bann folgt Torf mit 3800 bis 5400, weiter Braunkohle mit 4600—7000. Steinkohle hat 6000—8600 Wärmeeinheiten pro Kilo, Holzkohle 6200 bis 7000, Koks 6000—7000 unb Anthrazitkohle 7900 bi» 8650.