Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.

Nr. 29

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Aetiendruckerei 3151 und 3152 ::

Freitag, 5. Februar 1932»

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr <48 Pfg > ohne ZusleUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Sol) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20 RM Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt Pasticheckk Frankfurt a M 4051

latjcft. 59.

Zenkrumssührer Sr. Hetz gestorben.

wtb. Berlin, 4. Febr. (Eig. Meld.) Der Vor­sitzende der preußischen Zentrums-Fraktion, D r. Heß, ist im St. Norbert-Krankenhaus am Don­nerstag vormittag verschieden.

Dr. Heß hatte sich bekanntlich vor einiger Zeit wegen eines ernsten Leidens ein Bein amputieren lassen müssen und befand sich bereits auf dem Wege der Besserung, als ihn eine Grippe befiel, die durch eine Lungen- und Rippenfellent­zündung kompliziert wurde.

* : *

Regierungsdirektor Dr. Joseph Heß, der Vor­sitzende der preußischen Landtagsfraktion des Zen­trums, war am 13. Mai 1878 in Köln geboren, also erst 54 Jahre alt. Nach dem Studium der Philosophie wandte sich Heß dem höheren Lehr­amt zu. 1911 ging er als Schulrat nach Ahrwei­ler und 1920 als Öberregierungsrat an die Regie­rung in Koblenz, wo er bann als Regierungs­direktor die Sckul- und Kirchenabteilung leitete. Nach dem Kriege trat Heß politisch hervor. 1919 bis 1921 war er Mitglied der verfassungsgeben­den preußischen Landesversammlung und zog 1921 als Mitglied der Zentrumssraktion in den preu- ßischenLandtag ein. Er war fernerMitglied des par­lamentarischen Beitrats beim Reichskommissar für die besetzten westlichen Gebiete und seit 1920 Mit­glied des Kreistages in Ahrweiler und des rhei­nischen Provinziai'andtages. Auch in der katho­lischen Akademiker-Bewegung spielte Heß eine füh­rende Rolle. Auf schulpolitischem Gebiete ist er mit mehreren Arbeiten hervorgetreten.

Dr. Heß wird der preußischen Zentrums-Partei in einem ungemein entscbe idungsschweren Augen­blick entrissen. Die Wahlen stehen bevor, in denen die Anhänger des Zentrums in Preußen bekunden sollten, wie sie zu ihrem langjährigen erprobten Führer Heß und seiner politischen Arbeit stehen. Wir zweifeln nicht, daß sie in überwältigender Geschlossen­heit dem Führer und feinen weitsichtigen Maß­nahmen Zustimmung und Treue bekundet hätten, die sie jetzt nur als Dankesgruß in die Ewigkeit nachsenden können. Heß war ein Mann von eiser­nen Nerven und klarem Blick. Er ließ sich von dem Bluff, der heute das beliebteste politische Mittel ist, nicht beeindrucken. Gern dachte und politisierte er in scharf erfaßten Zahlen. Aus keiner rheinischen Heimat brachte er katholische Kultur als naturgewachsenen Besitz mit. Dieser religiösen Klarheit und Tiefe war er sich so bewußt, daß ihn hysterische Vorwürfe, die Koalitionspoli- tik in Preußen könne die katholischen Ziele des

I Zentrums gefährden, nicht ernstlich trafen. Er I war sich auch feines Deutschtums und feiner Ver­bundenheit mit dem deutschen Volk so sicher, daß es ihm völlig gleichgültig fein konnte, ob mehr oder weniger „legitimierte" Leute ihm das Prädikat national zuerkennen wollten oder nicht. Von einem solchen Führer ging im politischen Kampfe für feine Anhänger Beruhigung aus. Un­ter ihm kämpfte es sich so gut, weil seine sachliche, kühle Besonnenheit, seine beherrschten Nerven an ähnliche hockge'chätzte Führer in den Kämpfen des Weltkrieges erinnerten.

Am Vorabend neuer, schwerer, politischer Kämpfe, die die kampferprobte ruhmreiche preu­ßische Zentrumspartei in den nächsten Monaten zu bestehen haben wird, ist der Führer abgerufen worden in das Land des Friedens. Trauernd stehen seine Freunde an der Bahre. Doch die Er­innerung an ihn und sein Werk erfüllt uns mit Zuversicht. Hohe Ideale waren es, für die er kämpfte, opfermutig, bis schwere Krankheit den immer wieder Ärbeitsbereiten zum Erliegen brachte. Möge ein gütiges Geschick es fügen, daß der verwaiste Führerplatz von einem würdigen Nachfolger besetzt werden kann. Die Anhänger des preußischen Zentrums werden in der Erinne­rung an Dr. Heß, dessen Name der Reihe der un­vergeßlichen preußischen Zentrumsführer wie Windthorst, Herold, Porsch würdig sich anreiht, dem Fahnenträger der Partei auch weiterhin treue Gefolgschaft leisten.

Abgeordneter Heß.

Ferner Osten und Wettmemung.

WellpolMsche „Jnkereffenlenhaufen".

Aus Genf wird uns geschrieben:

Weltmeinung ist ein stolzes Wort. Sie müßte hier in der Völkerbundeshauptstadt mit dröhnen­dem Schall laut werden in einem Augenblick, da alle Völker hier zusammentreten, um sich über eine Verminderung ihrer militärischen Rüstungen zu unterhallen, und wo aus dem fernen Osten die Kriegsblitze schlagen und eine internationale Stadt wie Schanghai auch in ihren europäischen und amerikanischen Vierteln in Brand zu setzen dro­hen. Man kollte es meinen, aber in Wirklichkeit ist die Weltmeinung gerade in Genf sehr spar- s a m und zurückhaltend mit ihren Aeuße- rungen. Man fühlt ja auch an keiner Stelle des Erdballs so deutlich wie gerade hier, was es über­haupt mit der Macht der Meinung auf sich hat. Die so pathetisch angerufene „Well", um deren Meinung vielleicht, wenn sie laut und nachdrücklich ausgesprochen würde, auch Japan sich kümmerte — diese „Well" gibt es eben gar nicht. Man kann das Wort eines deutschen Ministers von den „I n - tereffentenbaufen" nicht nur auf das deutsche Volk, sondern auf alle Völker der Erde an» wenden. Ein jedes fürchtet, sich selbst zu schaden, wenn es für oder gegen Japan Partei ergreift. Angesichts des Bombardements von Schanghai hat ein englisches, sehr japanfreundliches Blatt nur den Wunsch ausgesprochen, die Japs möch­ten sich eine andere Stadt, wo nicht so viel englische Interessen vertreten sind, für das Bombardement aussuchen.

Und doch: kein Staat, weder das bedrängte China, noch das bombenwerfende Japan, auch keiner von denen, die um die beiden herumstehen und dem ungleichen Kampf ohnmächtig zuschauen, denkt daran, aus diesem Völkerbund a u s 3 u • scheiden. Einen Augenblick war die Nachricht verbreitet, Japan wolle das tun. Sie wurde so­fort widerrufen. Gewiß würde die öffentliche Meinung Japans sich einem solchen Schritt wider­setzen. Man ist doch in seinem Recht und über­zeugt davon, daß der Völkerbund zuguterletzt das Vorgehen Japans als eine zum Schutze feiner Rechte geeignete Polizeimaßnahme für gerechtfertigt erklären wird. Mit dem Austritt aus dem Völkerbund würde Japan ja zugeben, daß es nicht in diesen Friedensbund hineingehöre.

China wird selbstverständlich den Völkerbund vorderhand nicht verlassen. Es zählt ja noch im­mer darauf, daß der Bund eine von den Maß­regeln verhängen werde die ihm gegen den Frie­densbrecher zustehen. Erst wenn China einsehen - wird, daß es sich in dieser Erwartung ganz und gar getäuscht habe, wird es vielleicht den Saal in Genf demonstrativ verlassen.

Die Meinungen von Frankreich, England, ?fmerita haben sehr geschwankt, schwanken noch heute. Alle drei Mächte hoben große Interessen

in Schanghai. Solange diese nicht unmittelbar an­gegriffen wurden, hat man sich mit den Erklärun­gen der Regierung von Tokio begnügt, es handle sich mehr um ein etwas selb st ändiges Vorgehen japanischer Generäle ge­gen lokale chinesische Uebergriffe als um politische Akte. Erst seit dem Angriff auf Schanghai spricht man von dem „Krieg ohne Kriegserklärung", der übrigens in der japanischen Geschichte nichts Un­erhörtes ist: der russisch-japanische Krieg begann mit einem überraschenden japanischen Angriff, dem die Kriegserklärung erst folgte.

Wir sind überzeugt, daß man Frankreich Unrecht täte, wollte man seine reservierte Haltung gegenüber Japan aus dem Wunsche erklären, in dem kriegerischen Inselstaat einen Parteigänger auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz zu haben. Wozu? Herr Tardieu hat sich mit vermeintlich unwiderlegbarem Material über die „geheimen deutschen Rüstungen" so wohl versehen und er zweifelt sogar nicht daran, mit diesem Material auf Engländer, Amerikaner, Italiener einen so überwältigenden Eindruck zu machen, daß er wahrlich keines so gewalttätigen Bundesgenossen wie des Japaners zu bedür­fen glaubt. Eher könnte man glauben, daß Deutschland aus dem japanischen Vorgehen einigen Vorteil für die These ziehen könnte, daß es überralchende Angriffe gibt und daß es ei­nem solchen entwaffnet und waffenlos gegenüber» stehen würde.

In Englands öffentlicher Meinung regen sich zweifellos Menschlichkeitsgefühle. Diese Meinung ist erfahrungsgemäß durch „atrocities", durch Er­zählung von Greueln, immer leicht aufzuregen. Gladstone erregte England durch feine Berichte über türkische Greuel und Norel durch seine Ent­hüllungen über belgische Kolonialgreuel im Kongo. Da die Japaner nicht mehr Bündesgenos- fen sind, wird Englands öffentliche Meinung in Zeitungen und Meetings ihnen bald gründlich die Wahrheit sagen An irgendeine Einmischung der Regierung (außer zum Schutz englischen Eigen­tums) ist aber nicht zu denken. Aehnlich wird die Sache in den USA. verlaufen. Bloß wird sich dort die öffentliche Meinung einigermaßen da­durch gehemmt fühlen, daß das Volk Vorurteile sowohl gegen die Japaner wie gegen die Chinesen hegt, die „Gelben" überhaupt nicht gern sieht, Furcht vor ihrer Konkurrenz als Arbeitskräfte hat, daher ihre Einwanderung vollständig verhindert und ihre Rückwanderung nach Kräften begünstigt. Man sieht von Amerika den militärischen Erfolgen der Japaner unfreundlich zu, denn, obgleich durch den Ozean getrennt, sind sie des Pankeelandes ge­fährlichste Nachbarn. Aber auch in den USA. ist von irgendeinem Vorgehen gegen Japan keine Rede, auch nicht von einem wirtschaftlichen. Daß

Amerika seine großen Eigentumsinteressen in China schützen will, ist selbstverständlich.

So stehen, von Genf gesehen, die Dinge. Man kann etwas Tröstliches darin erblicken, daß trotz aller Mißerfolge des Völkerbundes keiner ihn verlassen will. Man lagt sich wohl: es könnte noch schlimmer kommen, wenn es gar keinen gäbe. Und denen, die behaupten, der ganze Völkerbund sei nur eitel Heuchelei, kann man mit dem bekannten Wort begegnen, daß d i e Heuchelei eine Ehrenbezeugung ift, d ie das Laster der Tugend er­weist. Also auch: wer Friedensliebe heuchelt, erkennt doch wenigstens den Wert der Frie­densliebe theorethisch an. Am besten hat es vielleicht der sehr pazifistische Delegierte einer nordischen Macht ausgedrückt: „Es gibt kei­nen Völkerbund, aber alle sind sich wenigstens darüber einig, daß es eine Schande ist, baßes keinen gibt. Und so wird es doch wohl mal ei­nen geben."

Feindseligkeiten bei Schanghai.

wtb, Schanghai. 4. Febr. (Eig. Meld.) Die Feindseligkeiten sind auf einer ausgedehnten Front, besonders längs der Wusung-Eisenbabn wieder ausgenommen worden. Der Lärm der Feldgeschütze und der Maschinengewehre ist weit­hin vernehmbar.

*

wtb. Schanghai. 4. Febr. (Eig. Meld.) Dir Gemeindepolizei wird den Dienst im nördlichen Teil der internationalen Niederlassung

allmählich wieder übernehmen. Die javaniischen Soldaten im westlichen Bezirk werden sich nach Hongkew zurückziehen.

♦

wtb. Schanghai, 4. Febr. (Eig. Meld.) Der ja­panische General Shiosawa (oll Harakiri ver­übt haben. Obwohl amtlich in Abrede gestellt, wird dieses Gerücht von vielen hier geglaubt, da Shiosawa von Nomura ersetzt worden ist.

wtb. Schanghai. 4. Febr. ((Eig. Meld) Das Flaggschiff der amerikanischen Asienfkptte landete hier heute früh eine Abteilung von 300 Soldaten.

Japan nimmt drei Forderungen an und lehnt zwei ab.

wtb. Tokio, 4. Febr. (Eig. Meld.) Reuter: Ja­pan hat den 3. und den 4. Punkt des Vorschlages der Mächte vorbehaltlos angenommen. Die Ab­nahme des ersten Punktes erfolgte unter gewissen Vorbedingungen, während der 2. und der 5. Punkt abgelehnt wurden.

* Der Herr Reichspräsident empfing Mittwoch den Besuch des in Berlin weilenden Kronprinzen Assan Wossän von Aetiotien, der sich in Begleitung seines Schwagers, des Prinzen Dedschasmatsch Della Damtu befand. An dem Empfang nahmen die Begleitung des Kronprinzen sowie die Umgebung des Reichspräsidenten teil. Der Kronprinz von Aetiotien verläßt abends Berlin, um sich nach der Sch w e i z zu begeben.

Reichskanzler Brüning fahr! nach Genf.

CNB. Berlin. 4. Febr. (Eig. Meld.) Der Reichskanzler wird voraussichtlich Samstagabend in Begleitung von Staatssekretär von Bülow nach Genf abreifen.

♦

wtb. Paris. 4. Febr. (Eig. Meld.) Laut Excelsior sollen bestimmte Völkerbundsdelegierte den Wunsch geäußert haben, daß zwischen Lava k, M a c d o n a l d und Reichskanzler Brüning in Paris eine Besprechung über das Repa­rationsproblem stattfinde.

*

wtb. Genf, 4. Febr. (Eig. Meld.) Die Ab­rüstungskonferenz hält heute nachmittag 5 Uhr eine Vollsitzung ab, in der der Bericht der drei konstituierenden Ausschüsse vorgelegt wird. Mor­gen wird die Konferenz die 14 V i z e p r ä s i d e n- ten wählen, die mit dem Präsidenten das Büro der Konferenz bilden.

*

Nach der Pause in der Eröffnungssitzung der Abrüstungskonferenz wurde der Vorschlag Hen­dersons, den Schweizer Bundespräsidenten M ot ta zum Ehrenpräsidenten zu ernennen, ein­stimmig angenommen. Nach Dankesworten Mot- tas für die feinem Lande und ihm hierdurch er­wiesene Ehre wurden drei Ausschüsse eingesetzt, und zwar ein fünfgliedriger Ausschuß aus Ver­tretern der kleinen Mächte zur Prüfung der Voll­machten, ein Ißgliebriger Ausschuß unter Vorsitz Hendersons, dem die europäischen Großmächte, die Vereinigten Staaten, die Türkei, Sowjetruß'and und Japan angehören, zur Aufstellung von Regeln

für die Entgegennahme von Vorschlägen interna­tionaler privater Organisationen.

Alle drei Ausschüsse nehmen M i t t w o ch vor­mittag ihre Arbeiten auf. Die nächste Voll­sitzung der Konferenz ist für Samstagvor­mittag festgesetzt. Dann sollen die der Konfe­renz nicht angehörenden Vertreter der großen in­ternationalen Verbände für Frieden zu Worte kommen. Die Konferenz selbst wird somit voraus­sichtlich erst anfangs nächster Woche ihre Arbeiten beginnen. *

wtb. New York, 4. Febr. (Eig. Meld.) Schatz­sekretär M e l l o n hat das Angebot, als Botschafter der Vereinigten Staaten nachLondonzn gehen, angenommen.

* Hindenburg-Spende für den Wiederaufbau des Stuttgarter Schlosses. Der Reichspräsident hat für den Wiederaufbau des Allen Schlosses in Stuttgart einmalig 100000 Mark aus seinem Verfügungsfond bewilligt. Die Spende ist erfolgt, da es sich bei dem Allen Schloß um ein historisches Baudenkmal handelt, dessen Zerstörung ein Verlust des ganzen deutschen Volkes ist. Außer­dem wird schon bei den Vorarbeiten für beit Wiederaufbau zahllosen Erwerbslosen Arbeitsmög- llchkeit geboten. Der württernbergische Staatsprä- ibent hat Hinbenburg ben Dank ber württembergi- chen Regierung und bes schwäbischen.Volkes für )te Spende ausgesprochen.

* Mills Nachfolger Mellons. Aus Washington wird gemeldet: Unterstaatssekretär Mills ist als Nachfolger Mellon z um Schatzamtsfekre- t ä r ernannt worden.

Hiller beinahe Gendarmerie-Kommissar.

Dr. Frick wollte seinerzeit als thüringischer Minister durch eine Schein-Ernennung Hitler die deutsche Staakszugehörigkeit ver­schaffen. — Adolf Hiller wurden zuletzt die geheimnisvollen Bemühungen Fricks peinlich. — Ist das ein Kampf gegen die „Parteibuch - Beamten ?“

Seit einigen Tagen geht die Meldung durch die Presse, Adolf Hitler habe in aller Stille die deutsche Staatsangehörigkeit erwor­ben. In diesem Zusammenhang wird jetzt eine Angelegenheit bekannt, über die man tiefsinnige Betrachtungen anstellen kann, aber auch in ein Helles Gelächter ausbrechen kann. Die Thüringische Staatsregierung hat der Reichsregie­rung am Mittwoch Material übergeben, das der Reichskanzler dem Reichsinnenminister zur staats- rechtlichen Prüfung zugeleitet hat und aus dem hervorgeht, daß nach Aussagen eines Oberregie- rungsrates und eines Ministerialrates gegenüber dem thüringischen Staatsminister Dr. Kästner der damalige Minister D r. Frick etwa im Juli 1930 eine Anstellungsurkunde hat ausstellen lassen, wo­nach „dem Frontkämpfer des Welt­krieges Adolf Hitler die damals freie Stelle des Oenbarmeriefom- missars in Hildburghausen über­tragen mürbe". Hitler habe dabei auf Dienstantritt und Besoldung verzichtet. Der Ober- regierungsrat und ber Ministerialrat, die diese Angaben dienstlich gemacht haben, erklärten, daß sie sich durch ein ihnen von dem damaligen Mini­ster Frick auferlegtes Schweigegebot be­drückt gefühlt hätten.

Es geht aus dem Material hervor, daß ber da­malige thüringische nationalsozialistische Innen­minister Dr. Frick die Abwesenheft des Finanz­ministers, in dessen Ressort die Wiederbesetzung ber Gendarmeriestelle in Hildburghausen gefallen wäre, benutzen wollte, um Hiller dieses Amt zu

übertragen. Frick hat getan, was er konnte. Au« der Sache ist nichts geworden und konnte auch nichts werden. Frick, der bekanntlich während des Kriegs in Pirmasens saß, stellte es so dar, als habe die Hochachtung vor dem Kriegsteil­nehmer Hitler ihn zu der Aktion veranlaßt. Es gibt zwar junge Hitler-Agitatoren, die bei Kriegs-Ausbruch 6 Jahre alt waren und sich trotzdem erlauben, von deutschen Frontsoldaten, die dem Zentrum angehören, als von nation- minderwertigen Leuten zu sprechen. Aber Frick hat Respekt vor Frontsoldaten, vor allem al­lerdings vor Hitler. Gleichwohl konnte er ihn auch auf dem Schleichweg nicht zum Staatsangehörigen machen.

Schon vor einigen Tagen ist von verfassungs­rechtlichen Sachkennern auseinandergesetzt worden, daß solche Sch ein er Nennungen keine binden de Kraft hätten.

So hat Hitler offenbar selbst nicht daran geglaubt, daß Fricks Bemühungen zum Ziel geführt haben. Zu ber Frage, ob Adolf Hitler Staatsangehöriger eines deutschen Landes ist oder nicht, kann auf Folgendes hingewiesen werden: Im Verlauf des bekannten Scheringer-Prozesses, also etwa drei Monate nach der angeblichen (Einbürgerung in Thüringen, hat Adolf Hit­ler als Zeuge unter E i d erklärt, er sei staa­tenlos. Auf die ausdrückliche Frage, unter dem Hinweis auf feinen Geburtsort, ober nichtOe - sterreicher sei, hat er nochmals erklärt: „N e i n, ich bin staatenlos."

So wird denn auch von der Pressestelle der NSDAP, und von Dr. Frick auf das 23t«