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Vellage zur Fuldaer Zeitung

NILS

31. Januar

Sonntag Sexagesima.

(Eingangslieb: JJf. 43, 2326.

Wach auf, Herr, warum schlafft du? Wach auf, verstoß uns nicht auf ewig. Warum wendest du dein Antlitz ab, vergissest unserer Not? Es klebt am Boden unser Leib. Wach auf, Herr, steh uns bei, erlöse uns. (Ps. ebb. 2.) Gott, mit eigenen Ohren haben wir's gehört, unsere Väter haben es uns erzählt.

Epistel: 2. Kor. 11, 1933 und 12, 19.

Brüder! Ihr ertragt ja gern die Törichten, da ihr selbst weise seid. Denn ihr ertragt es, wenn einer euch knechtet, wenn einer euch ausbeutet, wenn einer euch beraubt, wenn einer sich erhebt, wenn einer euch ins Gesicht schlägt. Zu meiner Schande gestehe ich es: dazu war ich zu schwach. Worauf aber einer pocht (ich rede im Unverstand) darauf poche auch ich. Sie sind Hebräer, ich auch; sie sind Israeliten, ich auch; sie sind Nachkommen Abrahams, ich auch: sie sind Diener Christi (ich spreche wie ein Tor), ich noch mehr. Vielerlei Mü­hen habe ich erduldet, häufige Kerkerhaft, Miß­handlungen über die Maßen und oftmals Todes­gefahren. Von den Juden habe ich fünfmal vier­zig Streiche weniger einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruten gestrichen, einmal gesteinigt wor­den; dreimal habe ich Schiffbruch gelitten, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf hoher See um­her. Reisen in großer Zahl, Gefahren auf Flüs­sen, Gefahren von Räubern, Gefahren in Städ­ten, Gefahren in der Wüste, Gefahren auf dem Meere, Gefahren von falschen Brüdern. Mühfe'ig- keiten und Elend, häufige Nachtwachen, Hunger und Durst, häufiges Fasten. Kälte und Blöße, ganz abgesehen von dem, was noch dazukommt: der tägliche Andrang zu mir, die Sorge für alle Ge­meinden. Wer wird schwach, ohne daß ich schwach werde? Wer nimmt Aergernis und ich brenne nicht? Wenn es gerühmt sein muß, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. Gott, der Vater un­seres Herrn Jesus Christus, gepriesen in Ewigkeit, weiß, daß ich nicht lüge. Zu Damaskus ließ der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Da- maszener bewachen, um mich zu ergreifen. Aber ich wurde durch ein Fensterchen in einem Korbe an der Mauer heruntergelassen und entkam so sei­nen Händen. Wenn es gerühmt sein muß (es ist zwar nicht gut), so will ich auch auf die Erschei­nungen und Offenbarungen des Herrn zu sprechen kommen. Ich kenne einen Menschen in Christus: vor vierzehn Jahren war es; da wurde er (ob im öeibe, ich weiß es nicht, Gott weiß es), wurde er entrückt bis in den dritten Himmel. Ich weiß von diesem Menschen (ob im Leibe, ob außer dem Leibe, ich weiß es nicht, Gott weiß es), daß er ins Para­dies entrückt wurde und geheime Worte hörte, die kein Mensch aussprechen darf. Dessen will ich mich rühmen, meiner aber will ich mich nicht nähmen, es sei denn meiner Schwachheiten. Wenn ich mich dennoch rühmen wollte, so wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich unterlasse es aber, damit mich niemand höher einschätze, als er an mir wahrnimmt oder von mir hört. Damit ich mich aber der hohen Offenbarungen wegen nicht erhebe, wurde mir ein Stachel in mein Fleisch ge­geben, ein Engel Satans, der mich mit Fäusten schlagen sollte. Seinetwegen hab' ich dreimal den Herrn gebeten, daß er von mir weichen möge. Er aber sprach zu mir: Es genügt dir meine Gnade; denn die Kraft kommt in der Schwachheit zur Vol-

Der Kulturkampf in Spanien.

Ein Hirtenschreiben des spanischen Episkopats.

In seiner Weihnachtsansprache an die Kardinale sprach der Papst u. a. von derfurchtbaren Prüfung, die über das geliebte Spanien hereingebrochen ist, wel­ches hat erleben müssen, wie in dieser Zeit die glänzend­sten Seiten aus seiner Geschichte herausgerissen, alte und ruhmvolle Verdienste ausgelöscht und Familie und Schule in wahrhaft trostloser Weise entweiht wurden". Der Heilige Vater begrüßte bei dieser Gelegenheit mit besonderer Herzlichkeit den ehemaligen Primas von Spanien, Kardinal Segura, als denersten Schiffbrüchigen des Sturmes" und bezeichnet ihn als würdig der Bewunderung durch das Heilige Kollegium.

Eine Woche später trat der spanische Gesamtepiskopat mit einer feierlichen Kundgebung an die Oeffentlichkeit. In einem gemeinsamen Hirtenschreiben wandte er sich an die Katholiken, um ihnen mit eindringlicher Klarheit und Folgerichtigkeü Richtlinien für ihr Ver- halten unter den veränderten Verhält­nissen vorzuzeichnen. Das Dokument besteht aus einer Einleitung und fünf Hauptabschnitten. In der Einleitung wird zunächst auf die Beherrschung und Ge- duld hingewiesen, die der Apostolische Stuhl und der Episkopat in der ersten, der verfassunggebenden Etappe der spanischen Republik an den Tag gelegt hätten. Nach­dem aber die neue Verfassung verkündet sei, trete man in eine neue Etappe ein, und nun sei der Augenblick für den Episkopat gekommen, in feierlicher Form seinen Standpunkt festzulegen und die Gläubigen über die Haltung zu belehren, die sie künftig einzunehmen hät­ten.

Im materiellen Teil des Hirtenschreibens wird eingangs zum Ausdruck gebracht, daß die Bestim­mungen der Verfassung zur religiösen Frage nicht ein­mal die Mindestforderungen der Ach- tung der religiösen Freiheit erfüllen. Statt einer fruchtbaren und umfassenden Aussprache habe man die Kirche beiseitegeschoben und einseitig die (te berührenden prägen geregelt. Man habe den ver­hängnisvollen Fehler begangen, die Kirche unter sKwe- rer Verletzung ihrer heiligen Rechte und des ch buchen Gewissens des Landes von dem öffentlichen und tätigen Geben der Nation, den Gesetzen, der Erziehung der Ju­gend und selbst der häuslichen Gemeinschaft auszu- schließen Statt wenigstens der Kirche ihre volle Unabhängigkeit zuzugestehen und sie in Ruhe die all­gemeine Freiheit und das allgemeine Recht genießen zu lassen, deren sich jeder Bürger und jede (Bereinigung erfreuten, die rechtmäßige und ehrenhafte Ziele verfolg­ten, habe man sie und ihre Einrichtungen Ausnahme­regeln und einengenden Vorschriften unterworfen, mit denen sie zu Unrecht unter die Herrschaft der bürger­lichen Gewalt gestellt werde, und mit denen man in Gebiete eindringe, die ausschließlich zur kirchlichen Zu­ständigkeit gehörten. Allen Vereinigungen habe man

(enbung. Gerne will ich mich darum meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft Christi in mir wohne.

Evangelium: Luk. 8, 415.

Das Gleichnis vom Sämann.

Der Same Gottes.

Betrachtung zum Sonnlagsevangelium.

Noch sind die Tage fern, da der Sämann sei­nen Sarnen auf den Acker ausstreut. Aber jene Tage werden kommen, wie sie Jahr um Jahr ge­kommen sind. Und es werden Samenkörner auf den Wegen zerstreut werben, andere wer­ben auf steinigen Grund fallen, ankeimen unb vrborren; unb wiederum andere werben auf guten Grunb gestreut werben, aber in ber Dor­nenhecke daneben wird manches Korn verloren ge­hen unb von den Vögeln aufgepickt werden.

Dr Heiland hat selbst die Erklärung zu dem Gleichnis gegeben:Der Same ist das Wort Gottes" und das Menschen herz ist der Acker. Wahrlich, noch viel mannigfaltiger als die Bodenarten der Erde ist der Grund des Menschenherzens. Die braune Scholle soll zum Fruchtacker werden. Aus dem diesseits gerichteten und von den täglichen Sorgen zerwühlten Herzen soll durch göttlichen Samen ein wachsendes Ge­treidefeld werden. Aus dem zerquälten soll ein in Gott befriedeter Mensch werden. Das ist die Keimkraft des Samens. Ihn zum Wachsen zu bringen, ist unsere Aufgabe.

Die am Wege, bas sinb jene, bie bas Wort Gottes hören; bann kommt der Teufel und nimmt es aus ihren Herzen, damit sie nicht glauben unb nicht selig werden." Wir dürfen diese nicht au­ßerhalb unserer Reihe suchen, denn es sind Chri­sten, denen bas Wort Gottes verkündet wird. Wir finden sie sebst allfonntäglich dn Gotteshaus Sie gehen hinein, weil das zu den Bräuchen des Le­bens hinzugehört, wie Mittagessen und Schlafen auch hinzugehören. Sie gehen auch Ostern zu den Sakramenten, weil die anderen auch gehen. Aus­fallen wollen sie nicht. Warum sich auch Unnahm- lichkeiten machen? Vielleicht empfinden sie es gar nicht, daß sie bei der Gewohnheitsmäßigkeit ihres Lebens dem Glauben erstorben sind; vielleicht hal-

Freiheit zugestanden, dagegen habe man äußerst weit­gehende einschränkende Bestimmungen ge­gen die religiösen Kongregationen ge­schaffen, die sich der Vervollkommnung ihrer Mitglieder, der sozialen Liebestätigkeit, dem Unterricht und dem Priesteramt widmeten. Es sei das Recht auf friedliche Versammlungen und Kundgebungen proklamiert wor­den; die katholischen Prozessionen aber könnten nicht ohne behördliche Erlaubnis aus den Got­teshäusern ausziehen. Es bestehe Freizeit der Berufs­wahl; den Ordensgeistlichen, die einem Sondergesetz un­terworfen würden, habe man dieses Recht geschmälert. Man habe Freiheit der Lehre und des Unterrichts für jeden Bürger und für die Propagierung jedweden Sy­stems und jedweder Irrlehre statuiert, trotzdem aber in den öffentlichen Schulen den Laizismus obligatorisch ge­macht und den Orden die Erteilung von Unterricht ver­boten.

Der zweite Abschnitt des Hirtenschreibens ist im ein­zelnen dem Unterricht, der Ehe und den reli­giösen Orden gewidmet. Gegenüber dem Unter­richtsmonopol des Staates und der Entchristlichung der Jugend erheben die Bischöfe ihre Stimme für die Ach- hing des Erziehungsrechtes der Eltern und des Unter­richtsrechtes der Kirche, welch letzterem man fick, nicht widersetzen könne, ohne sich an der geistigen Mutter­schaft der Kirche zu vergehen. Es sei jedes Unter­richtsmonopol zu verwerfen, das direkt oder indirekt die Familien verpflichte, ihre Kinder gegen ihr Gewissen in die öffenllichen Schulen zu schicken. Ohne eine gute religiöse und moralische Erziehung werde jede Geisteskultur ungesund sein. Mit gleicher Entschieden­heit wird von den Bischöfen bezüglich der Ehegesetz­gebung der Einbruch des Staates in die kirchliche Hoheits­sphäre abgelehnt und erklärt, daßdie Kirche in einem katholischen Lande wie dem unfrigen nicht aufhören wird, die offizielle Anerkennung ihrer Zuständigkeit, die Ueber- einstimmung der bürgerlichen mit der kanonischen Gesetz­gebung und die Abschaffung der Ehescheidung zu for­dern". Selbstverständlich nehmen sich die spanischen Bi­schöfe mit dem stärksten Nachdruck der unter Ausnahme­gesetzgebung gestellten religiösen Orden und hier wieder besonders des unmittelbar bedrohten Jesuitenordens an.

Im dritten, dem kürzesten Abschnitt des Hirtenschrei­bens, wird derProtestderfpanischenBischöfe gegen die neue Verfassung noch einmal zu­sammengefaßt und in eine feierliche Form gekleidet:Es sei daher hiermit öffentlich und notorisch der entschlossene Protest und das Urteil des Episkopates gegen das juri­stische Attentat, das mit der verkündeten Verfassung ge­gen die Kirche begangen worden ist, und es sei hiermit ihr unverjährbares Recht auf eine gesetzgeberische Wie­dergutmachung proklamiert, nach der gebieterisch die ver­letzte Gerechtigkeit, die beleidigte Würde der Religion und auch das allgemeine Wohl der spanifchen Gesellschaft verlangen."

Im vierten Abschnitt werdenGeist und Cha - rakterder Haltung der Katholiken" bei)un­

ten sie sich noch für echte Christen, well sie nichts gegen bie Religion haben. Sie scheinen zu leben unb sind boch tot, weil bas Wort bes Herrn für sie keinen tieferen Sinn hat, der ihr Leben urn- wanbelt.

Sie auf steinigen Grunb, bas sind jene, bie bas Wort mit Freuden aufnehmen, sobald sie es hören; aber sie haben keine Wurzeln; sie glau­ben eine Zeit lang, aber zur Zeit ber Versuchung fallen sie ab." Wir kennen auch diese nur all­zu gut.Der Pfarrer hat heute aber sehr schön gepredigt. Ach, wir sollten doch mehr den Hei­ligen nachleben-" Und vor dem nächsten Hutla­ben ober beim nächsten Klatsch tratschen sie ebenso gerührt. Viele schlecht geschriebenen Erbauungs­bücher verleiben zu solchem Begeisterungs-Stroh­feuer, das feinen Bestand hat. Augenblicksvorsätze werden gemacht, aber bann wird die Ausführung vergessen.

Was unter bie Dornen fiel, bas finb jene, die bas Wort Gottes zwar hören, bann aber hingehen unb es in den Sorgen unb Reichtümern unb Genüssen bes Lebens ersticken unb fo keine Frucht bringen." Das sind bie, bei denen die Religion gerade beim Herausgehen aus ber Kirche noch bis an die Türschwelle reicht. Dann kommt der Alltag, der Beruf, die besondere Neigung und alles andere ist vergessen. Auf der Arbeits­stätte ist man unzufrieden wie in der Woche vor­her. Ist man wohlhabend, läßt man die Armen Arme sein wie vorher. Ist man Genußmensch, so vergißt man für einen Happen Sinnlichkeit Gott und sein Gebot.

Was aber auf gute Erbe fiel, das sind jene, bie das Wort hören, es in gutem, in sehr gu­tem Herzen bewahren und Frucht bringen in Ge­duld." Gehörst du zu diesen, mein Freund? Du mußt dir bie Antwort schon ehrlich selbst ge­ben. Ich wage sie für mich nicht fo ohne weite­res zu bejahen. Aber fruchtbares Ackerland zu werden, danach müssen wir streben. Wir wissen nun einmal, daß im Frieden Gottes un- fer wahrer Reichtum liegt. Die Sehnsucht danach muß uns Keimkraft sein. Manche Frost­nacht, mancher Rückfall hemmt dabei bas Wachs­tum. Aber das darf uns nicht hindern. Geduld muß bie Ernte langsam wachsen lassen, auf daß wir die Frostschäden der Sünde überwinden und Frucht bringen in Geduld . . ."

beit. Die Bischöfe fordern bie Katholiken zu loyaler Mitarbeit am bürgerlichen und öffentlichen Leben auf, eine Pflicht, zu deren vollständiger und gewissen­hafter Erfüllung sie in Konseguenz eben der katholischen Lehre gehalten seien. Obwohl sie das, was gegenwärtig an den poiltischen Einrichtungen zu verurteilen sei, nicht billigen könnten, dürften sie doch nicht aufhören, mitzu­helfen, daß diese Einrichtungen so weit wie möglich dem wirklichen öffentlichen Wohl dienstbar gemacht würden, wobei sie sich von dem Vorsatz leiten lassen sollten, in alle Adern des Staates als äußerst heilsamen Saft die Orientierung und bie Kraft der katholischen Religion hin- einzuleiten. Und dann kommt ein Satz, der mehr noch als so manches andere in diesem bemerkenswerten Hirten- schreiben allgemeine Gültigkeit hat:Ein guter Ka­tholik muß auf Grund gerade seiner Re­ligion der beste der Bürger sein, treu sei- n e m Vaterland, loyal untertan inner­halb ber Sphäre ihrer Jurisdiktion ber gesetzmäßig eingerichteten bürger­lichen Gewalt, welches auch immer die Re­gierungsform fein mag" Diesem Satz folgt als­dann ein eminent grundlegender Passus für bie Einstel­lung ber spanifchen Katholiken zum neuen System. Es heißt dort:

Die^irche, Hüterin des bestimmtesten und höchsten Begriffes der politischen Souveränität (soberania politica was wohl am zutreffendsten mit Staatsgewalt wieder- gegeben wird) leitet sie ihn doch von Gott, dem Ur­sprung und Fundament aller Autorität ab, prägt un­aufhörlich ein, daß der bestehenden Gewalt Achtung und Gehorsam geschuldet wird, selbst bann, wenn seine In­haber und Vertreter diese gegen sie mißbrauchen, wo­durch sie sich der mächtigsten Stütze ihrer Autorität und des wirksamsten Mittels berauben, um vom Volke Ge­horsam gegenüber ihren Gesetzen zu erlangen. In diesem loyalen Geist, der das Attribut eines Christen ist, wer­den die spanischen Katholiken die bürgerliche Gewalt in der Form, in der sie de facto besteht, respektieren unb innerhalb der geschaffenen Legalität werden sie alle Rechte und Pflichten des guten Bürgers ausüben. Indes­sen werden sie sich einen Unterschied bei ihrer Haltung vor Augen hatten müssen: den hochbedeutsamen Unter­schied, den man machen muß zwischen ,ch e st e h e n - ber Gewalt" undGesetzgebung". Dieser Un­terschied ist so offenkundig, daß niemand übersehen kann, wie unter einem Regime, dessen Form bie allerbeste sein mag, die Gesetzgebung verabscheuungswürdig sein kann, und es umgekehrt unter einem der Form nach sehr un­vollkommenen Regime eine ausgezeichnete Gesetzgebung geben kann. Die Annahme des ersteren bebeutet daher in keiner Weise bie Zustimmung unb noch weniger ben Gehorsam der letzteren gegenüber, soweit sie gegebenen« falls im Widerspruch zum Gesetz Gottes und ber Kirche steht. Mithin werden es alle Katholiken ohne Minde­rung oder Abschwächung ber Achtung, die ber bestehen­den Gewalt geschuldet wird, als eine religiöse und bürgerliche Pflicht ansehen, ständige An-

und vor allem für die außerordentlich schwer« Lage unserer Bergarbeiter hervorge­gangenen Warnrufe eines verantwortungsbewuß­ten Führers spürt man nicht so sehr bas Kämp­ferische, als den stählernen Willen, eine gerechte Sache durchzufechten. Es gibt Dinge im wirtschaftlichen Leben heute, die wahr- hastig rücksichtsloser anmuten als diese Rede, und bei deren Behandlung jenes Ethos der Volks­gemeinschaft völlig fehlt, das bet Heinrich Imbulch immer wieder aufklingt. Auseinandersetzungen dieser Art müssen sich ihrer Natur nach von un- wirklicher Harmonisierung fernhalten und können einfach die gewaltigen Interessengegensätze riebt verleugnen, die auf diesem Gebiete leidenschaftlich gegeneinanderprallen. Das Mein und Dein sind nun einmal harte Worte, wie Chrysostomus zu feiner Zeit es schon gesagt hat

In der fünften Entschließung lesen wir die For­derung:Zur dauernden Prüfung der Rentabilität und Selbstkosten im Bergbau ist eine neutrale und paritätische Instanz gesetzlich cinzurichten." An diese Worte sollen hier einige Erwägungen angeknüpft werden, die das bisher praktisch noch fast ungelöste Problem einer ver­trauensvollen Zusammenarbeit im Wirtschafts­leben überhaupt beleuchten. Sie scheinen mir not­wendig, weil niemand mehr an dem Zugeständnis vorbeikommt, daß die heutige Erscheinungsform des kapitalistischen Systems von Tag zu Tag un­erträglicher wird Es handelt sich nicht mehr bloß | um diesen ober jenen Auswuchs, es geht vielmehr um die heutige Form des Systems selber und um die gänzlich veränderte Lage der menschlichen Ge­sellschaft. Um es mit einem Worte zu sagen- D i e Zeit ist vorbei, in der irgend ein Mensch auf der Welt es noch erträgt, der willenlose Sklave eines andern zu sein. In Europa ist diese Zeit vorbei wie in allen übrigen Kontinenten. Der Neger ruft nach seinem Recht, der Kuli wird sich bedanken, noch fürderhin dem weißen Mann seine Koffer zu tragen, und der Sklavenmarkt von Liberia erweckt die Empörung der gesamten gesitteten Menschheit. Mag der Prozeß dieser allgemeinen Befreiung auch noch lange währen, seine weltgeschichtliche Stunde ist angebrochen. Entweder versteht die heute herrschende Schicht diese neue Lage und han­delt ihr entsprechend, ober aber wir werden von Revolution zu Revolution schreiten durch endlose Tragik und Not.

So lange das kapitalistische System noch Jhn frischen Auftrieb war und mehr durch die Persön­lichkeit kühner Unternehmer als durch das ano­nyme Kapital beherrscht wurde, traten mancherlei Ungereimtheiten nicht so zutage wie heute, wo es mit jenem Austrieb vorläufig vorbei ist unb bas Problem der Verteilung der erzeug, t en Güter wichtiger wird als das ihrer Erzeugung. Die bedrückendste Tat- foch» ber gegenwärtigen Erscheinungsform des Ka- pitalismus ist folgende: Irgend jemand, ber zu einer Kohlengrube nicht das geringste persön­liche Verhältnis hat unb ben gar nichts anderes auszeichnet als vielleicht eine reiche Erbschaft ober ein findiges Spekulatengenie, ist heute imstande, bei den verschiedensten Unternehmungen sich nach und nach soviel Anteile zu verschaffen, daß er da- rin maßgebend auftreten kann. Einem solchen Manne braucht man sein möglicherweise recht« mäßig erworbenes Eigentum an Kapital nicht ab­zusprechen, wohl aber darf man fragen, ob trft einem solchen Erwerb von Aktienanteilen zugleich auch Rechte erworben werden, die ein schicksalhaf-

ftreng ungen zu machen und ihren ganzen Einfluß zu gebrauchen, um dem fortschrei« tenden Mißbrauch der Gesetzgebung Ein- halt zu tun unddie bis jetzt erlassenen u n- gerechten und schädigenden Gesetze zum -Guten zu ändern, in der sicheren Heberzeugung, daß sie durch aufrechtes und kluges Handeln Beweise einer verständigen und tätigen Vaterlandsliebe geben, ohne daß sie jemand mit Recht auch nur eines Schattens von Feind­seligkeit gegenüber ben Gewalten anklagen könnte, die mit der Leitung der öffentlichen Angelegenheit betraut sind."

An diese wegen ihrer besonderen Bedeutung wörtlich zitierten Ausführungen des Hirtenschreibens schließen sich verschiedene Einzelmahnungen an die Katholiken an. Zunächst die, das religiöse Leben des Einzelnen wie der Gemeinschaft, innerhalb und außerhalb der Kirche, zu verstärken, dann an der Durchsetzung der katholischen Schulforderungen mitzuarbeiten (Wahrung des elterli­chen Erziehungsrechts und des Rechts der Kirche, ihre Gläubigen religiös zu erziehen, und zwar auch in ber öffentlichen Schule) und im Zusammenhang bamit ben laizistischen Unterricht zu bekämpfen. Ferner werden bie wichtigsten Vorschriften der Kirche über bie Ehegesetz­gebung nachdrücklich eingeschärft und betont, daß nur die kanonische unb sakramentale in facie Ecclesiae geschlossene Ehe gültig sei. Die Kompetenz der bürgerlichen Juris­diktion beschränke sich darauf, die rein bürgerlichen Wir­kungen der christlichen Ehe zu regeln.

In einem weiteren Passus dieses Abschnitts roirb bie Stellung ber Kirche zur Parteipolitik kurz behandelt. Die Kirche stehe den politischen Parteien fern. Es sei notwendig, die Politik, die trenne, zu über­winden durch die Religion, die eine. In den für das öffentliche Wohl bedeutungsvollen Zeitläuften, und be­sonders, wenn große Hebel die Kirche heimsuchten ober bedrohten, sei eine unausweichliche Pflicht aller Katholiken, bie Einheit ober wenig­stens bie gemeinsame pr,ktische Aktion anzustreben. In biefem Falle müßten sie die Privatmei­nungen unb Parteiunterschiede zurückstellen. Schließlich werden die Katholiken aufgefordert, die katholische Presse nach Kräften zu unter st ützen. Der Kern des fünften und letzten Abschnittes des Hirtenschrei­bens besteht in dem Appell an die spanischen Katholiken, fest im Glauben, beständig in ber Liede und ausdauernd im Apostolat zu sein.

Wir haben im Vorstehenden den wesentlichen Inhalt ber Kundgebung des spanischen Episkopats nur summa- risch skizzieren können. Sie nimmt in der Neujahrs­ausgabe von El Debate nahezu 10 lange Spalten ein. Aber diese Skizze bürste genügen, um eine ausreichende Vorstellung von der Bedeutung dieses für den spanischen Katholizismus wahrhaft historischen Dokumentes zu ge­ben. Möge es ihm gelingen, seinen von den Segens- 4 wünschen der ganzen katholischen Welt begleiteten Kampf zu einem glücklichen Ende zu führen!

Für Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt.

Zum Vortrag von Heinrich Imbusch vom 10. Januar 1932.

Soeben erscheint im Verlag des Gewerk- vereins chri st kicher Arbeiter Deutsch­lands (Essen, Schützenbahn 66) der Vortrag, t|n der Führer der christlichen Gewerkschaften vor eini­gen Wochen in Essen gehalten hat. Verdienten diese Ausführungen an sich schon weite Verbrei­tung, so ist man besonders befriedigt darüber, nun einen zuverlässigen Tert in den Händen zu haben, weil sich in die allenthalben entbrannte Diskus­sion bereits allerlei Mißverständnisse eingeschlichen hatten. So gibt der hochaktuelle Rednerdienst der Reichszentrale für Heimatdienst" Ausführungen derVossischen Zeitung" wieder, die den Eindruck erwecken, es habe Heinrich Imbusch einerS o - z i a l i s e r u n g des Bergbaus" das Wort ge­redet.

Verstaatlichung ist nicht gleich Sozialisierung, denn es braucht noch lange nicht jede Verstaat­

lichung von sozialistischen Grundsätzen beherrscht zu sein. Jmbusch hat jedenfalls nicht von Sozialisie­rung, sondern von Verstaatlichung gesprochen. Hat er ferner mit Verstaatlichung wirklich gedreht, so auch noch nicht deshalb, weil er in ihr die richtige Lösung sieht. Im Gegenteil vergleicht er nur em größeres Nebel mit einem kleineren, bekennt sich aber selbst unzweideutig zu gesunden wirtschaft­lichen Grundsätzen.

Manche haben sich an der Schärfe dieses oder jenes Ausdruckes gestoßen. In der Tat muß man wünschen, daß heute bei der allgemeinen Erregung der Gemüter alle Erörterungen dieser Art so ge­führt werden, daß sie nicht einem gefährlichen und unklaren Radikalismus Wasser auf die Mühle lie­fern. Beim ruhigen Lesen der aus tiefster Sorge für das Gesamtwohl des deutschen Volkes, stir die Erhaltung seiner Wirtschaft