Einzelbild herunterladen
 

Die kalhol. Beamten stehen zu Brüning.

Tagung des Verbandsvorstandes am IS. Januar in Köln.

Allzu leicht besteht die Gefahr, daß die Beam­tenschaft beim Rückblick auf das abgelaufene Jahr in eine fatalistischen Pessimismus verfällt. Infolge der vielen Gehaltskürzungen, der unglückseligen Beamtenhetze gewisser Kreise und der schlechten wirtschaftlichen Lage haben viele den Glauben an die eigene geistig-seelische und wirtschaftliche Kraft zur Ueberwindung der Rot der Zeit verloren. Auch unter den Beamten gibt es manche, die den Wie­deraufstieg von den radikalen Gruppen rechts und links erhoffen.

Angesichts dieser Situation war die Hauptauf­gabe unserer diesjährigen Vorstandssitzung nicht so sehr beamtenpolitischer Natur, als vielmehr päda­gogischer Art. Nicht als ob wir uns um die ak­tuellen beamtenpolitischen Probleme nicht beküm­mern wollten; wir haben es gerade auf dieser Borstandssißung ausgiebig getan. Der Berbands- vorfitzende, OPI Asmuth, sprach darüber. Erstes Ziel der Borstandssitzung mußte aber diesmal jein, gegen die Mißstimmung und den Pessimismus an. zukämpfen. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir durch seelische Niedergeschlagenheit der schwierigen Lage nicht Herr werden können. Die Verhältnisse sowohl in allgemeinpolitischer als auch in beamten-politischer Hinsicht werden nur gebessert durch Vertrauen zur Regierung Brüning, durch den Glauben an die Zukunft des deutschen Volkes, durch den Willen zur positiven Mitarbeit und Msi- verantwortung am Wiederaufbau des Ganzen. So kann man die verschiedenen Aeußerungen der Aus­sprache systematisieren.

In der heutigen Zeit ist es aber vollkommen un­möglich, Vertrauen und Glauben in den Menschen zu wecken, ohne vorher allgemeinpolitische und insbesondere wirtschaftspolitische Betrachtungen an-, zustellen. Wir sind keine Materialisten und glau­ben nicht an das marxistische Dogma von der absoluten Abhängigkeit seelischer und ethicher Werte von der wirtschaftlichen Lage, in der der Mensch sich jeweils befindet. Aber heute kann man die Menschen, die in den letzten anderthalb Jahren durch Lohn- und Gehaltssenkung, durch Arbeitslo­sigkeit oder durch Kürzung des selbständigen Ein­kommens von der wirtschaftlichen Seite her geschä­digt worden sind, nicht seelisch beruhigen und neuen Mut machen, ohne sie über die Zwangsläufigkeit der staatlichen Maßnahmen infolge der wirtschaft­lichen Ereignisse auszuklären.

Wir haben darum im ersten Referat der Ta­gung über allgemeine und wirtschaftspolitische Dinge sprechen lassen. Das Thema behandelte Stadtrat Dr. Wolf, Breslau, Vorsitzender der Nie­derschlesischen Zentrumspartei. Er zeigte, daß die wahren Ursachen der heutigen wirtschaftlichen und politischen Notlage in der Hauptsache internatio­naler Art sind: Weltkrieg, Weltverschuldung und Weltwirtschaftslage. Die Ursachen liegen zum Teil aber auch im Innern: Kapitalfehlleitung, verkehrte Anleihepolitik, Überspitzung der politiichen Kämpfe. Brüning war der erste, der die Ursachen klar und sachlich herausstellte und entsprechende Maßnah­men ergriff. Die Reichsregierung mußte auch den Beamten schwere Opfer auferlegen. Sie dürfen aber nicht losgelöst betrachtet werden von der Ge­samtlage in Staat, Volk und Wirtschaft. Auch die Beamtenopser sind genau so wie die Opfer der übrigen Stände als Mittel zur Ueberwindung der Krise zu betrachten.

Die Aussprache ergab, daß die kath. Beamten­schaft das Ziel und darum die Notwendigkeit der von Brüning ergriffenen Maßnahmen verstanden hat. Wiederholt wurde Brüning das Vertrauen ausgesprochen und der Wille zu intensiver Mit­arbeit bekundet. Einige Diskussionsredner sprachen allerdings den Wunsch aus, daß die Brüning'schen Regierungsziele mehr popularisiert werden. Ange­sichts der demagogischen Methode der Radikalen wurde dies als dringend erforderlich bezeichnet. In diesem Zusammenhang wurde auch die Notwendig­keit eines energischen Eingreifens gegen den Ter­ror der radikalistischen Gruppen von Seiten des Staates verlangt. Von der Verbandsleitung wünscht man Aufklärung über die Gefahren des Nationalsozialismus insbesondere auch in Hin­sicht auf die Beamtenschaft. Besonders hervorge­hoben wurde auch, daß zu einer wirksamen Be­kämpfung des politischen Radikalismus links und rechts ein klares, gesellschaftspolitisches Ziel not­wendig ist, das wir Katholiken in der neuen En­zyklika Pius XI. Ouadragesimo anno vorfinden. Auch im KBV. müssen die Ideen dieses Rund­schreibens propagiert werden. Generalsekretär Dr. Zimmermann gab daraufhin bekannt, daß die Ver­bandsleitung sich bereits entschlossen habe, Ouadra-

Bayern Sachsen

163 000

70 000

60 500

135 954

280 000

171 900

320 000 oU

520 000 <M '

170 000 M

Bersor<nin'>Slast des Staates für die ebem. Kosbeamten

881 800 M.

gesimo anno zum Gegenstand der Beratungen des diesjährigen Verbandstages in Aachen zu machen. Besonders hervorgehoben wurde schließlich noch das Erfordernis der Einigkeit und Geschlossenheit in den kommenden politischen Kämpfen. Die Stel­lung des KBV. ist in dieser Hinsicht klar und ein­deutig: sie wird mit Brüning den Weg der poli­tischen und wirtschaftlichen Vernunft gehen.

In beamtenpolitischer Hinsicht wurde sowohl im Referat des Verbandsvorsitzenden als auch in der Aussprache auf die Notlage der unteren Be­amtenschaft, aus die Sonderbehandlung der Lehrer und di« Streichung der Kinderzulagen hingewie­sen. Als vornehmstes Mittel zur Besserung der so­zialen Lage der Beamtenschaft wurde mit Recht die Stützung der Regierung bei ihren Preissenkungs­maßnahmen genannt. Es wurde anerkannt, daß die Preise bereits gesunken sind. In beamtenrecht­licher Hinsicht wurde betont, daß man die Beam­tenrechte nicht rein und ausschließlich formal ver­stehen darf, daß aber in den letzten Monaten eine Reihe von Verletzungen beamtenrechtlicher Bestim­mungen vorgekommen sind, die nicht unbedingt nötig waren und um deren Behebung die Der- bandsleitung gebeten wurde. Es wurde hervorge­hoben. daß gerade die Verletzung von Beamtennech- ten Anlaß zu Mißstimmung in der Beamtenschaft sei. Scharf wandte man sich gegen die völlig un­begründeten, aber immer wieder neu auisteigen- den Gerüchte einer neuen Gehaltskürzung.

Während der Aussprache wurde darauf hinge­wiesen, daß wir die Not der anderen scheu und den Willen zur tatkräftigen Hilfe in unseren Rei­hen fördern müssen. „Caritas Dei urget nos", die Webe drängt uns zu helfen, müsse die Parole des katholischen Beamten fein in dieser schweren Zeit", meinte ein Diskussionsredner. Mit einem Hinweis auf die helfende Liebe in der geistigen und mate­riellen Not der Menschen schloß auch Generalpräkes Gehlen die Sitzung. In der Mittagspause hatten die Teilnehmer dem Grabe des neuen deutschen Heiligen Albertus Magnus in der Andreaskirche einen Besuch abgestattet. In einer kurzen Aus­sprache wies Generalpräses Gehlen hier auf das Gebet als dem für den Christen vornehmsten Mit­tel zur Ueberwindung der moralischen und sozia­len Krise hin. Mit einem schlichten Vaterunser als Dank zu Gott und einer Bitte zu Albertus Magnus schloß diese religiöse Feier.

Generalsekretär Dr. Zimmermann.

Aus dieser Tabelle ersieht man, daß gerade die kleinsten Staaten, wie Anhalt, Schaumburg- Lippe und Mecklenburg-Strelitz, die ständig unter größten Geldschwierigkeiten leiden, ihre ehemaligen Herrscher am großzügigsten abgefunden haben.

. 20000 . 25 526 . 26 000 . 6 215 .1963 . 27 400 . 12 920 . 8 491 . 2 850

Anhalt ...... 27 865

Schaumburg-Lippe . . 46 500

Zur Fürften-Abfindung.

Die deutschen Länder haben bei der Ausein­andersetzung mit den früheren Fürstenhäusern die Versorgung der ehemaligen Hof­beamten übernommen und damit die früheren fürstlichen Familien entlastet, gleichzeitig diesen Familien aber bei der Abfindung wertvollen Grundbesitz überlassen. Das „B. T." bringt da­für folgende Uebersicht:

c« M M, M

Württemberg . » » Baden . . . .

Hessen . . . . • Oldenburg . » .

Braunschweig . . Mecklenburg-Schwerin Mecklenburg-Strelitz

Grundbesitz des ehern. Kerrsckaftsbaufes in Kektar

Don den Hochschulen.

— 6in deutscher Student Preisträger de, Lord Lecil-Jriedenspreifes. Ein deutscher Student an der Universität von Edinburgh namens Gerhardt Krause hat den zweiten Platz in dem Wettbewerb um den Preis von 100 Pfund errungen, der alljährlich von Lord Cecil für einen Aufsatz über die Erhaltung des internationalen Friedens unter Berücksichtigung der Tä­tigkeit des Völkerbundes ausgesetzt wird. Der Preis wurde von dem Studenten in Oxford, Weare, gewonnen. Das Thema für das Jahr 1932 lautet: „Die Gefahr aus der Luft. Erörterung über mögliche Methoden, um ihr durch internationale Konvention oder auf andere

I Weise zu begegnen." ________________

Gelingt die Atom-Zertrümmerung?

Besuch aus dem Monte Generoso. — Was ist Alomzerlrümmerung? — Wird sich der Wunsch der Gold­macher erfüllen? — Spannungen von 8 Millionen Dolf, Stromstärken von 1000 Ampere! — Das erste Todesopfer, — ein deutscher Physiker.

Gegenüber dem lieblichen Kurstädtchen Lugano, am Ufer des Luganer Sees, steht zwischen Berggipfeln die 1700 Meter hohe Bergwand des Monte Generoso, des „Freigebigen Berges". Generoso, freigebig, heißt man chn, weil er von allen Bergen der Umgebung wohl die schönste und reichste Aussicht über den See und zur italienischen Seite, in die Lombardei, vermittelt. Seit einiger Zeit aber ist der Monte Generoso auch durch etwas anderes noch berühmt geworden, wenigstens in der näheren Umgebung; denn die sogenannte „Oeffent- lichkeit" weiß bisher, abgesehen von einigen engeren, interessierten Kreisen der Wissenschaft und auch der Industrie, nicht viel von dem, was auf dem Monte Generoso geschieht.

Dort oben, siebzehnhundert Meter über dem Flach­land. leben seit mehreren Jahren im Sommer einige deutsche Physiker, die ebenso neuartige wie inter- ssante Versuche anstellen. Sie wollen nämlich, kurz gesagt, die elektrischen Spannungen der Luft, die elek­trische Energie des Blitzes, für die Wifsenfchaft und die Praxis nutzbar machen. Diese Möglichkeit kann sich der Laie zunächst nicht vorstellen, obwohl es sich dabei eigentlich um eine ganz selbstverständliche Entwicklung der Stellung des Menschen zum Blitz handelt. Ur­sprünglich war der Mensch dem Wirken des Blitzes hilf­los ausgeliefert, dann schützte er sich vor ihm, indem er ihn durch Blitzableiter unschädlich machte, — jetzt geht er einen Schritt weiter und versucht, die (Energie des Blitzes nicht nur abzuleiten, sondern für sich zu benutzen. Freilich komme eine solche Nutzung nur für ganz besondere Zwecke in Frage, da die Elektrizität des Blitzes eine Elektrizität besonders hoher Spannungen sst. Man weiß nämlich schon seit längerer Zeit, daß es über der Erde ein großes elektrisches Feld gibt, das nicht immer eine Spannung von etwa 200 Volt hat. Bei Gewittern erhöht sich diese Spannung ganz be­

trächtlich, aus den 200 Volt pro Meter werden dann Spannungen bis zu 100 000 Volt, und 50 Meter über der Erde entstehen elektrische Felder von 5—15 Millio­nen Volt Spannung gegenüber der Erde. Noch größer werden diese Spannungen auf Bergspitzen, und der Monte Generoso, der als „Wetterprophet" im ganzen südlichen Teffin bekannt ist, schien besonders geeignet, um hier Experimente mit der Verwendbarkeit des Blitzes zu machen; denn gerade am Monte Generoso gibt es zahlreiche Gewitter, hier ziehen sich die meisten Wet­ter zusammen. Hier hat man darum vor mehreren Jahren mit den Versuchen zur Nutzbarmachung der Blitze begonnen. Man will versuchen, mit Hilfe der elektrischen Kraft des Blitzes das Problem der Atomzertrümmerung zu lösen.

Atomzertrümmerung? Was ist „Atomzertrümme­rung", und was ist ein „Atom"? Man erinntert sich vielleicht, in der Schule gelernt zu haben, daß der kleinste Teil eines Körpers ein „Atom" genannt werde, und bis vor nicht allzu langer Zeit glaubte man, daß Atome einfach unzerlegbar feien. Man hat dann ge­funden, daß alle Atome einheitlich aufgebaut sind, und zwar, um hier eine komplizierte Tatsache kurz auszu- drücken, aus sogenannten Wasserstoffkernen und aus Eltektronen. Die einzelnen Atome unterteilen sich lediglich durch die Anzahl der Kerneinheiten, aus denen sie zusammengesetzt sind. Um ein Beispiel herauszugrei- fen: Quecksilberatome haben 80, Goldatome 79 Kern- einheiten, io daß man also, wenn es gelingt, dem Quecksilberatom eine Kerneinheit zu entziehen, das Quecksilberatom in ein Goldton umwandeln könnte. An diesem Beispiel läßt sich die ungeheure praktische Bedeutung der Versuche zur Atomzertrümmerung, d. h. zur Atom-Umwandlung, begreifen.

Derartige Atomzertrümmerungen hat man schon versucht, und dem Physiker Ruthersford sind sie

Englische A-Vool-Kalastrophe.

Britisches Unterseeboot vermißt. — 55 Mann an

Bord.

Wie die englische Admiralität mitteflt, wird das englische Unterseeboot M. 2, das Dienstagvor- mittag um 10.30 vor Portland unter­tauchte, vermißt. Verschiedene andere Unter- seeboote und die gesamte Hochseetorpedoboots- Flottille befinden sich an der Unglücksstelle. Bis Mittwoch früh 3.30 Uhr konnte keine be­stimm t e S p u r des gesunkenen Bootes gefun­den werden, obwohl eine Anzahl Zerstörer uw» ter Benutzung von Scheinwerfern die ganze Nacht die Gegend von Portland Head absuchte.

Das vermißte U-Boot, das 1450 Tonnen groß ist, ist 1920 vom Stapel gelaufen und ein Schwesternschiff des Bootes, das im Jahre 1925 im Aermelkanal unterging, wobei 68 Mann den Tod fanden. Unterseeboote von der Klasse des M. 2 können 48 Stunden unter Was­ser bleiben. M. 2 ist mit den modernsten Rettungsverrichtungen ausgestattet, darunter einem Rettungsapparat, der es der Be­satzung ermöglicht, Mann für Mann an die Ober­fläche zu kommen.

Rattengift im Kuchen.

Vier Todesopfer. — Neun weitere Personen schwer erkrankt.

In Fresno im Staate Kalifornien haben 13 Mexikaner ohne es zu wissen, Kucken gegessen, der Rattengift enthielt Vier Kinder sind darauf­hin an Thalliumoergistung gestorben. Man be­fürchtet, daß auch die erkrankten neun Erwachse­nen nicht mit dem Leben davon kommen werden.

Der ftultutfampf in Mexiko.

Wie die „Vosfijche Zeitung berichtet, sst der Erzbischof Jiminez von Guadalajara in Mexiko, wo der Kulturkampf wieder mit aller Heftigkeit entbrannt ist, plötzlich unter geheimnisvollen Um­ständen festgenommen und in einem Militärflug­zeug mit unbekanntem Ziel entführt worden.

Eine tollkühne Fahrt.

3m Ruderboot über den Ozean. ,

Der deutsche Staatsangehörige Wilhelm Wißt startet« am Dienstagnachmittag in L i f s a- b o n mit seinem fünf Meter langen Ruderboot zu einer Ueberfahrt nach Newyork.

Handel und Wirtschaft.

Berliner Schallerverkehr.

wtb. Berlin, 27. Ian. (Gig. Meld.) Nachdem schon gestern abend in den Hauptwerken wieder mehrprozen­tige Erholungen eingetreten waren, als bekannt wurde, daß die deutschen Donds in Newyork festlagen, übertrug sich diese Festigkeit auch auf den heutigen Frei- verkehr, obwohl die politische Entwicklung keine Ver­änderung erfahren hat und die englisch-französischen Verhandlungen über das Ab halten einer Reparations­konferenz gewissermaßen auf den toten Punkt gelangt sind. Auch heute war das Kaufinteresfe zwar nicht über­mäßig groß, es fehlte jedoch, besonders in den Haupt­werken, fast völlig an Angebot, so daß 1—2prozenkige Kursbefserungen selbst gegen die gestrigen Höchstkurse keine Seltenheit waren. Die Führung hatten wieder Reichsbankanteile, die hierbei erst­malig seit langer Zeit wieder die Pari-Grenze überschrei- ten konnten. Ferner standen die in Berlin gehandelten Auslandswerte Chade, Svenska, Otavi, Arbsd-Bonds u|».) tm Vordergründe des Interesses, wobei bei Svenska neben dem Valuta-Charakter sicherlich auch die feste Hal­tung der Kreuger-Werte an der gestrigen Stockholmer Börse eine Anregung bot. Dagegen hatten die übrigen Märkte auffallend ruhiges Geschäft. Bankaktien und Montanpapiere lagen weiter ziemlich vernachlässigt. Es tonnten zwar Papiere wie Charlottenburger Wasser, Conti-Gummi, R. W. C., Salzdetfurth, Leonhard Tietz usw. ebenfalls 2—Zprozentige Kursgewinne verbuchen, die hierbei getätigten Umsätze standen aber in keinem Verhältnis zu dieser Steigerung. Bemerkenswert schwach tendierten Schultheiß-Aktien, die ca. 3 Proz. niedriger angeboten rooren, wobei man von Exeoutionen sprach. Aus Reichsbahn-Vorzugsaktien waren auf den 16prozen- tigen Einnahmerückgang der Reichsbahn und Bemberg auf den ausgewiesenen 7-Millionenverlust niedriger im Handel. Letztere lagen heute beinahe 5 Proz. unter Aku, nachdem sie gestern mittag noch fast gleich gestanden hatten. Am Anleihemarkt bestand dagegen eher Nachfrage. Im Gegensatz zu den Aktien kann man die bei der gestrigen Effektensteigerung erzielten Kurse für festverzinsliche Papiere beinahe als Tageskurse an­sprechen. Deutsche Anleihen lagen ziemlich ruhig, ebenso hatten Reichsschuldbuchforderungen kaum Veränderungen aufzuweisen.

Großhandel und Zollmaßnahmen.

Die drohende Gefahr der handelspolikifchen Isolierung Deutschlands.

CNB. Berlin, 27. Ian. (Eig. Meld.) Der Reichs­verband des deutschen Groß- und Ueberseehandels teilt mit, daß er in einem Schreiben an den Herrn Reichs­kanzler die Reichsregierung auf die außerordentlich ern­sten Nachrichten aufmerksam gemacht hat, die aus Skan­dinavien, den Randstaaten und Holland über die Rück­wirkung der deutschen Zollmaßnahmen auf den Transit- Handel und auf das deutsche Exportgeschäft überein- stimmend gemeldet werden. Di« neue deutsche Zollver­ordnung, — so heißt es weiter, — werde zwar zu der von der Landwirtschaft gewünschten und an sich zu begrüßenden Preiserhöhung für Butter führen, beibeute aber darüber hinaus eine Störung des gesam­ten Import- und Exportgeschäftes infolge der Unsicherheit, ob und welche weiteren Artikel von den Zollermächtigungen ergriffen werden. Wenngleich Deutschlands Großhandel stets dafür Verständnis ge­zeigt hat, daß auch Deutschland gegenüber den ständigen handelsvertraglichen Erschwernissen des Auslandes in der letzten Zeit sich zu Abwehrmaßnahmen entschließen mußte, so scheint es recht zweifelhaft, obgleich so weit­gehende Ermächtigungen notwendig waren, die neue un­tragbare Risiken zu den schon durch die Störung der Devisenmärkte verursachten bedeuten. Drohender u. ern­ster — so heißt es zum Schluß — wird die Gefahr einer handelspolitischen Isolierung

Deutschlands bei einer weiteren Abwendung von der bisherigen Richtung der deutschen Handelspolitik.

Konkurse und Insolvenzen.

= Schlußverteilung im Konkurs Richard Schmitt G. m. b. h., Fulda. In dem Konkurs der Firma Ri­chard Schmitt G. m. b. H. stehen zur Schlußvertei- lung 37 100.— RM. zur Verfügung. Die zu berücksich­tigenden Forderungen belaufen sich auf 463 512 RM. Die Höhe der Forderungen erklärt sich aus der finanziellen Verstechtung der Finna mit der gleichfalls in Konkurs gegangenen Mechanischen Saum- Wollweberei G. m. b. H., Fulda. Etwa 300 000 RM. der gesamten Forderungen sind durch die Ver­bindung der Firma R. Schmitt mit dem letztgenannten Unternehmen entstanden.

— Verlustabschluß bei 3. P. Bemberg A- G., Wup­pertal. Der Abschluß zum 30. September 1931_ weist nach Abschreibungen von 6 542 000 RM. gegen 7545000 RM. i. V. einen Verlust von 7.07 Mill, gegen 14 Mill. RM. im Vorjahre aus. Der GV. am 27, Fe­bruar wird vorgeschlagen, zur Verlusttilgung 4 Mill. RM. dem Reservefonds, aus dem bereits der Vorjahres- verlust vollständig gedeckt wurde, zu entnehmen, aufzu- lösen und den Rest vorzutragen.

= Bank von England zahlt amerikanische und sran- zösische Kredite zurück. Wie Havas berichtet, wird die Bank von England am 1 Februar den Rest der Kredite in Höhe von 30 Mill. Pfd. Sterling (ca. 450 Mill. Mk.) zurückerstatten, die ihr am 1. August von der Federal Reserve Bank und der Bank von Frankreich bewilligt worden waren. Cs handelt sich um zwei Kredite von je 15 Millionen Pfund Sterling. Die Bank erhält da­mit ihre volle Bewegungsfreiheit zurück und ist in Zu- fünft gegen jeden französsschen oder amerikanischen Druck, der auf das Pfund ausgeübt werden sollte, weit­gehend geschützt.

— Amerikanischer Sangummiköniq gestorben. Bar amerikanische ©augummhnittionär Wilhelm Wrigley ist in Phönix (Arizona) an einem Herzschlag im Alter von 70 Jahren gestorben.

Wissenschaft und Forschung.

--- französische Ehrung eines deutschen Gelehrten. Die Pariser ©ociete de Biologie hat den Kölner Uni- versitätsprofessor Geh. Medizinatrai Dr. Hering zum korrespondierenden Mitgliede ernannt.

Temperatur- und Barometerstand in Fulda.

Mitgeteilt von Diplom-Optiker Sauerborn.

Barometerstand

(auf ffleerwb6f>» rebmierti

Thermo- meterftanb

26. 1. 6 Uhr abends

27. 1. 8 Uhr morgens

27. 1. 12 Uhr mittags

785,0 mm

785,0 mm

785,0 mm

4- 2,5° C

- 1,5« G

0,0® C

Höchste Temperatur im Schatten am 26. L 4" 4,0l C Höchste Temperatur in der Sonne am 26. 1. + 6,Ol C Niedrigste Temperatur fett 26. 1. — 6,0 C

Niederschlag v. 26.1. morg. 81L — 27, 1. morg. 8 U. 0,0 nun Relative ^euwttokei« der >iutt am 27 1. 19 Uhr mitt. 70.0 %

auch in einigen Fällen gelungen. Er hat sich dabei ge­wisser Radium-Strahlen als eines ebenso kostbaren wie wirkungsvollen Mittels bedient. Die gleiche Wirkung wie diese bestimmte Art von Radium-Strahlen — man weiß, daß Radium ein besonders teurer Körper, und daß deshalb auch die Erzeugung dieser Strahlen be­sonders kosffpielig ist — würden die Strahlen einer Spannung von etwa 4 Millionen Volt in sogenannten Entladungsröhren (die „Kanalstrahlen") haben. Nun hat man aber bisher im Laboratorium, selbst mit den modernsten und teuersten Maschinen, nur Spannungen bis 2,5 Millionen Volt erzeugen können. Um höhere Spannungen zu erzielen, versucht man jetzt die Aus­nutzung der Spannungen in der atmosphärischen Elek­trizität, die Benutzung des Blitzstrahls. Man hat auch tatsächlich auf dem Monte Generoso durch ein sehr kompliziertes Verfahren schon Spannungen von 8 Mill. Bolt bei einer Stromstärke von 1000 Ampere er­zeugt, wobei die Physiker ihre Beobachtungen in einem gesicherten und gegen Blitz- und Elektrizitätswirkung isolierten Metallgehäuse machten. Um jedoch die eigent­lichen Experimente der Atomzertrümmerung zu begin­nen, muß man erst genügend ft arte Röhren für die sogenannten „Kanalstrahlen", die aus einer Elektrizität von derartiger Spannung enfftehen, Her­stellen. Man hat jetzt, nach den ßaboratoriumsnerfu- chen mit einer Spannung von 2,5 Mill. Volt, ein kur­zes Porzellanrohr gemacht, das eine Spannung von 2,5 Mill. Volt und eine Stromstärke von 1000 Ampere aushielt. Es kann nun fein, daß dieses Rohr auch größeren Spannungen widersteht und etwa Spannungen von mindestens 4 Mill. Volt — deren Wirkung auf das Atom der Wirkung der früher erwähnten Radium- Strahlen enffpricht — ober sogar noch größere Span­nungen aushält. Denn mit den Strahlen einer Span­nung von 4 Mill. Volt in Entladungsröhren lassen sich, wie auch mit jener besonderen Art von Radium-Strah­len, nur die sogenannten „leichteren" Atome verwan­deln. Für eine Einwirkung auf die schwersten Atome wären dagegen noch höhere Spannungen nötig, und vielleicht würde dazu auch die schon erreichte Span­nung von 8 Millionen Voll genügen, — wenn die

Röhre für die Entladungsstrahlen bei den Experimen­ten der hohen Spannung standhält. ,

Es geht naürlich bei den Experimenten auf dem Monte Generoso noch um eine ganze Anzahl wissen­schaftlicher Probleme, doch scheint die wchtigste und das praktische Leben am nächsten berührende dieser Frage die zu sein: Werden die Versuche die Umwandlung schwerer Atome ermöglichen, und wird namentlich die Umwandlung des Uuecksilbers in Gold auf dem Wege der Nutzbarmachung der Blitzkraft ge­lingen? Wird diese Umwandlung im Endergebnis die aufgewandten Kosten lohnen? .

Man sieht, daß hinter den Versuchen der deuffchen Physiker auf dem „Freigebigen Berg" entscheidend wich- tige Fragen von praktischer Bedeutung stehen. Welche Antwort wird die Zukunft auf diese Fragen er. teilen? Man weiß es nicht. Seit einiger Zeit ist es um die Tätigkeit der Deutschen auf dem Monte Gene- roso, die übrigens von der AEG. und auch von der Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft unterstützt wird, sehr Ml geworden. Die zunächst Beteiligten, nämlich die Physiker selber, haben sowieso von Anfang an nur sehr knappe Mitteilungen an die Außenwelt ge­langen lassen. Aber es ist anzunehmen, daß sie, sobald sie greifbare Ergebnisse erzielt haben, mit einem um­fangreichen Bericht an die Oeffentlichkeit treten werden.

Ein so großes Werk, wie der Versuch der Nutzbar- machung des Blitzes und der Versuch der Atomzertrüm- merung. ist natürlich nicht leicht, — es erfordert den Einsatz der ganzen Persönlichkeit. Die Menschen, welche sich zu diesen Versuchen entschlossen haben, wissen das, — und es ist eine furchtbare Bestätigung dieses Wissen, daß die Arbeiten auf dem Monte Generoso ein Men­schenopfer gefordert haben. Einer der deutschen Wissen­schaftler, der Physiker Urban, ist bei einer schwierigen Montagearbeit in eine Schlucht gestürzt und dabei ums Leben gekommen. Forscherschicksal! Uns anderen aber, die wir schließlich von den Ergebnissen dieser wie aller menschlichen Forscherarbeit den Vorteil davontragen, bleibt nur der Dank an diese kühnen Leute, und der Wunsch, daß wenigstens das Resultat dieser Arbeiten das höchste Opfer, das einer der Physiker gebracht hat, lohnen möge .«■ >