FuldaerZertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 22
Erscheint iedjsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153. Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Donnerstag, 28. Januar 1932.
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Mkg. 59.
Japanische Stoppen in Lharpin eingetütfL
Am Dienstagvormittag um elf Uhr besetzte die Kavallerie des japanischen Generals Sisja das Chinesenviertel der Stadt Charbin. Die einmarschierenden Truppen entwaffneten die chinesische Polizei und rückten auch in mehrere andere Stadtbezirke ein» Die Lage soll sehr kritisch sein.
Neue Kämpfe an der chinesischen Oskbahn.
wtb. Tokio, 27. Jan. (Eig. Meldg.). Reuter: Die japanische Nachrichtenagentur Rengo meldet aus Charbin: Nachdem die Versuche, eine friedliche Regelung herbeizuführen, fehlgeschlagen sind, sind in Charbin die Feindseligkeiten zwischen der chinesischen Ähutzwache der chine-
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General Ma,
der heldenhafte chinesische General, der mit seinen Truppen dem Einmarsch der Japaner in die Mandschurei bis zuletzt heftigen Widerstand entgegensetzte, soll jetzt zu seinen Feinden übergegangen sein. In Tsitsikar wurde der General bereits von den Japanern mit allen militärischen Ehren empfangen.
fischen Ostbahn unter General Tingtschao und den unter Führung des Gouverneurs der Provinz Kirin, General Hsihsi stehenden Truppen heute früh wieder ausgebrochen.
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wtb. London, 27. Jan. (Eig. Meldg.). Einer Times-Meldung aus Washington zufolge bemüht sich die amerikanische Regierung, mit England zu einer Verständigung über eine gemeinsame Aktion in . der Schanghaifrage zu gelangen.
Zwei chinesische Wunikionskähne explodiert. 40 Mann Besatzung getötet.
Wie aus Schanghai gemeldet wird, explodierten zwei chinesische mit Munftion beladene Lastkähne, die nach dem chinesischen Waffenarjenal unterwegs waren, aus unbekannter Ursache. Die gesamten Besatzungen von 40 Mann wurden getötet. Die Explosion hatte eine große Panik zur Folge, da die Bevölkerung glaubte, daß die Japaner die Stadt beschossen hätten.
Am Abend wurde in einem großen Schanghaier Kinotheater in der internationalen Niederlassung eine geladene Bombe entdeckt. Das Theater konnte jedoch geräumt und die Bombe entfernt werden.
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In Moskau haben die Vorgänge um Charbin starke Beunruhigung verursacht. Das Vorgehen Japans wird dort als ein wefterer Verstoß Japans gegen die russischen Interessen angesehen.
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Am Montag wurden in Schanghai wieder eine größere Anzahl von japanischen Marinetruppen in Schanghai gelandet. Ueber die Chinesenstadt wurde der Kriegszustand verhängt. Die Lage ist außerordentlich gespannt.
Das Vorgehen der Japaner in Schanghai hat in Amerika äußerste Besorgnis hervorgerufen. In hohen politischen Kreisen wird erwartet, daß die Vereinigten Staaten chren Standpunkt Japan gegenüber mit Festigkeit vertreten werden.
Zum Nachfolger des zurückgetretenen chinesischen Außenministers ist der bisherige Justizmini- ster Lowenkan ernannt worden.
Langsames Tempo.
In Uebereinstimmung mit Berichten aus Paris wird in der Presse erklärt, daß die Erörterungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und dem englischen Botschafter in Paris kein brauchbares Ergebnis gehabt haben. Die Verhandlungen über eine Zusammenkunft zwischen dem englischen und dem französischen Ministerpräsidenten gehen weiter.
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Paris, 27. Januar. (Eig. Meld.) Die Morgenblätter beschäftigen sich mit dem Stande der englisch-französischen Reparationsverhandlungen. „Journal" ist der Ansicht, daß die Aussichten für eine Zusammenkunft Macdonald-Laval immer geringer werden. „Petit Parifien" glaubt sogar, daß von einer Zusammenkunft der Regierungschefs während der nächsten Zeit überhaupt nicht die Rede sein könne. Immerhin dürfe man die Hoffnung nicht ausgeben, daß noch vor Ablauf des Hoover-Moratoriums eine Formel gefunden werden könne, die die augenblicklichen Finanzschwierigkeiten zu überbrücken geeignet ist. „Matin" schreibt, daß die englische Formel, die ein absolutes Moratorium für die Dauer eines Jahres vorsehe, von Frankreich a b g e - lehnt werden müsse, da sie die von Frankreich geforderten Garantien in Sachen der Nachzahlung der aufgeschobenen Annuitäten und der Nachprüfung der französischen Auslandsverpflichtun- gen beseitigen würde. Wie könnte Frankreich, so pragr 'das Blatt, sich für eine Formel erklären, die später unfehlbar nur denen nutzen würde, die für eine endgültige Auflösung des Young- planes eintreten?
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CNB. Berlin, 27. Jan. (Eig. Meld.) In einem Teil der französischen Morgenpresse werden in Berichten über die Verhandlungen des Finanzausschusses der Kammer und die Ausführungen des Finanzministers Flandin Zahlen über die deutschen Reparationslei st ungen und die französischen Wiederaufbau- ko st e n genannt, die nach Auffassung hiesiger politischer Kreise auf völlig unbegründeten Berechnungen beruhen. Wenn die deutschen Gesamtleistungen einschließlich der Barleistungen, Sachleistungen und Abtretungen auf etwa 21 Milliarden Gold mark berechnet werden, so decken sich diese Berechnungen mit denen der Reparationskommission. Sie sind aber niemals von Deutschland anerkannt worden. Im übrigen ist auch völlig unbekannt, wie diese Summe zu verteilen ist. Ebenso unmöglich sind die Berechnungen über die französischen Wiederaufbau kosten, bei denen durch alle möglichen Kunstkniffe, Einsetzung eines Aufwertungsfaktors und unklare Zins- und Zinseszinsberechnungen mit einem Male 250 Milliarden Franc, das wären etwa 40 Milliarden Goldmark, errechnet werden. Dementgegen stehen die Berechnungen im
französischen Haushalt, der die Wiederaufbaukosten auf. 8 0 Milliarden Franc beziffert. Frankreich wird der Welt nicht glauben machen können, daß seine Schäden tatsächlich eine so ungeheure Summe betragen könnten. Objektive französische Schätzungen beziffern sie lediglich mit 8 bis 12 Miliarden Goldmark und nach den Berechnungen des englischen Nationalökonomen Keynes auf etwa 10 Milliarden Goldmark.
Httler bei der Schwerindustrie
Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP, teilt mit:
„Anläßlich seines großen Werbefeldzuges für die nationalsozialistische Idee und Volksgemeinschaft sprach Adolf Hitler am Dienstagabend vor einem größeren Gremium westdeutscher Industrieller. Der Vortrag sand in Düsseldorf im I n - d u st r i e k l u b statt und gestaltete sich zu einem großen Erfolg für den nationalsozialistischen Gedanken. Adolf Hitler, der erst kurz vor Beginn des Vortrages in Düsseldovf eintraf, reiste nach Beendigung seiner Rede sofort wieder ab."
Danach scheinen die westdeutschen Groß-Industriellen immer noch zu glauben, daß Adolf Hitler in der Lage sein werde, ihren scharfmacherischen Absichten gegen das Volk zur Verwirklichung zu verhelfen. Im Hitlerlager aber sind Tausende, die gerade vom Nationalsozialismus ein „Drittes Reich" erwarten, in dem die Vertreter des Hochkapitalismus und Industrialismus nichts zu sagen haben. Wer wird nun der Hereingefallene sein?
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Bemerkenswerter Weise war die Presse, die ja allein für eine objektive Berichterstattung zu sorgen in der Lage ist, zu der Veranstaltung nicht z u g e l a s s e n.
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Am 19. Januar wurde, wie gemeldet, der Nationalsozialist Guse in Essen bei einem Zusammenstoß zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten getötet. Die ganze NSDAP.-Presse beschuldigte die Kommunisten und feierte Guse als Märtyrer. Bald aber ergaben die polizeilichen Feststellungen, daß Guse von eigenen Kameraden, wahrscheinlich versehentlich, erschossen wurde, und während der Trauerfeier erklärte der Gruppenführer der Essener NSDAP., Zilkens, daß es durchaus möglich sei, daß Guse von einem Kameraden erschossen wurde. Das sei auch im Kriege vorgekommen. Hitlers Befehl, daß jeder aus der Partei ausgeschlossen werde, der Waffen trage, werderespektiert; aber dieser Befehl Hitlers gäbe nicht seine wahre Meinung wieder, denn er sei aus taktischen Gründen erlassen, um dem „System" keine Handhabe gegen die Partei zu geben.
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CNB. München, 27. Jan. (Eig. Meldg.). Der „Völkische Beobachter" erklärt, daß der Monat Dezember 120 000 Neuaufnahmen der NSDAP gebracht habe. In wenigen Wochen werde die Partei 1 Million eingeschriebener Mitglieder erreichen. Wie mannigfach mögen die Bestrebungen dieser Leute sein, die sich da hinter Schlagworten zusammengefunden haben.
„töne Todsünde gegen das Vaterland." So nennt die Deutsche Volkspartei eine Veteilionng am Sturz Brünings. — Und doch kann sich die Partei nicht zu einer offenen Unterstützung des Kabinetts entschließen. — Wirklich merkwürdige Politiker.
Aus Stuttgart wird gemeldet: In der Mitgliederversammlung der Stuttgarter Ortsgruppe der Deutschen Volkspartei sprach am Montagabend Reichstagsabgeordneter Keinath über die Stellung der DVP. zum Kabinett Brüning. Er betonte, daß die Oppofftionsstellung der DVP. zurzeit gar nicht so sehr in Erscheinung trete, da die DVP. den außenpolitischen Kamps Brünings unterstütze, wie auch ihre Oppositionsstellung sachlich und nicht agitatorisch sein wolle. Die Reichstagsfraktion der DVP. fei im Herbst zur Opposition übergegangen, weil'sie zur Uebsrzeugung gekommen sei, daß die Regierung Brüning die ihr gestellte historische Aufgabe nicht erfüllt habe und auch nicht erfüllen könne. (Jawohl! Sie kann nicht die Volksgemeinschaft einem nach den Gesichtspunkten des alten K l a s s e n st a a t s eingerichteten reaktionären System opfern. D. Schriftltg.) Die Ablehnung des Zentrums, mit den Nationalsozialisten zusammenzuarbeiten, bedeute eine Stärkung der Sozialdemokratie. Jetzt, wo die Regierung Brüning außenpolitisch im Kampf stehe, werde die DVP. ihr die Unterstützung nicht versagen.
In der Aussprache wurde es von allen Rednern übereinstimmend als eine Todsünde gegen das Vaterland bezeichnet, jetzt während des Kampfes um die Tribute und die Abrüstung sich in irgendeiner Form an einem Sturz Brünings zu beteiligen.
* 3m Berfasfungsausschuß des Bayerischen Landtages wurde mit 14 gegen 13 Stimmen ein deutsch nationaler Antrag angenommen, nach dem an Stelle der bisherigen sieben Kreisregierungen im rechtsrheinischen Bayern nur zwei Kreksregierung en belassen werden sollen, je eine nördlich und südlich der Donau.
Haussuchungen im „Angriff-.
CNB. Berlin, 27. Jan. (Eig. Meldg.). In den Redaktionsräumen der nationalsozialistischen Tageszeitung „Der Angriff" wurde heute gegen mittag durch Beamte der politischen Polizei eine Haussuchung durchgeführt. Wie es heißt, sucht die Polizei nach dem verantwortlichen Redakteur Willy Krause, gegen den Haftbefehl vorliegt, und von dem man annimmt, daß er sich in der Redaktion verborgen hält. Ueber das Ergebnis der Haussuchung ist zur Zeft noch nichts bekannt.
* Politische Zusammenstöße in Flensburg. (Eig. Meld.) Zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten kam es in Flensburg Mittwoch vormittag zu Zusammenstößen. Es sollen zwei National- sozialisten schwer und mehrere Personen leicht verletzt worden sein. Gegen Mittag hatte die Polizei die Ruhe wieder hergestellt.
* Uebersiedlung der spanischen Iesuiken nach Belgien. Die Zentrale des spanischen Jesuitenordens in San Jgnacio de Loyola ist seit Sonntag geschlossen. Die Ordensmitglieder haben sich nach einer Meldung Berliner Blätter aus San Sebastian geschlossen zur Abreise nach Belgien vorbereitet.
* Die Regierung von El Salvador gegen die Landung britischer Marinefüflliere. Wie Reuter aus San S a l v a d o r meldet, hat die durch Kommunisten bedrohte Regierung ein Angebot des britischen Geschäftsträgers, Marinefüsiliere zum Schutze der englischen Gesandtschaft und der englischen Interessen landen zu lassen, mit Dam abgelehnt. Das Angebot ist infolgedessen zurückgezogen worden.
* Das Weiße Haus gegen Gerüchte über Inflationspolitik. Aus Washington wird gemeldet: Das Weiße Haus dementiert schärfstens Pressemeldungen, die int Zusammenhang mit dem Wiederaufbauprogramm der Regierung von einer Jn- flationspolitik durch die amerikanische Gesetzgebung sprachen.
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Vor dem VeMn der Abrüstungskonferenz in Genf.
Die Delegationsführer der wichtigsten Staaten:
Obere Reihe: Sir John Simon (England), Außenminister Benesch (Tschechoslowakei), Botschafter Nadolny (Deutschland), Außenminister Zaleski (Polen).
Untere Reihe: Außenminister Erandi (Italien), Außenminister Litwinow (Rußland), Kriegsminister Tardieu (Frankreich), Gibson (Amerikas Botschafter in Brüssel).
Am 2. Februar beginnt in Genf die endgültige Abrüstungskonferenz. Schon jetzt wird man mit einer monatelangen Dauer der Konferenz rechnen dürfen, da Frankreich alle Entscheidungen bis nach den Wahlen zur französischen Kammer und zum Preußischen Landtag hinausschieben will.
Zum russisch.polmschen Archk-Angriffs-Pakk.
Die militärische Wacht Rußlands und seiner Nachbarstaaten.
Nachdem der Nichtangriffs-Pakt zwischen Polen und Rußland in Moskau paraphiert wurde, erwartet man in unterrichteten Kreisen eine baldige Ausdehnung dieses Friedenssicherungsvertrages auch auf die anderen Grenznachbarn der Sowjet-Union. Polen ist, wie unsere Darstellung zeigt, durch den neuen Pakt in der Lage, einen großen Teil seiner Truppen von der Ostgrenze zurückzuziehen.
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Die Paraphierung des russisch-polnischen Nichtangriffsabkommens wird in politischen Kreisen Berlins durchaus begrüßt. Die Reichsregierung ist von Anfang an bis in die letzten Phasen hinein über den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet gewesen. In der Oeffentlichkeit zuerst aufgetauchte Befürchtungen, daß etwa diese Verhandlungen der deutschen Politik nicht zuträglich sein könnten, erwiesen sich als unbegründet, mmal Sowjetrußiand mit allen' seinen Nachbarn, so auch mit Japan, derartige Verträge anstrebt. Das Abkommen , ... ........ . . entspricht, wie man erklärt, dem unbe
streitbaren Sicherungsbedurfnis der Sowjetunion,wird aber auch ein wirksamer Beweisgrund gegen die bisherigen politischen Hinweise sein, daß Polen wegen der bis an die Zähne bewaffneten Sowjetunion nicht abrüsten könne. Litwinow wird daher in Genf einen wesenttich besseren Stand haben.
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FINNLAND
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