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Ilr. 21 VeNage zur Fuldaer Zeitung 27. Januar
Berufssländiger Aufbau!
Zur Tagung des deutschen Zenkraloerbandes des Gesellenvereins in Fulda.
„Täten es alle Stände in richtiger Weise, verkorpe- rierte sich das öffentliche Leben zu gesundem, kräftigem, sittlichem Volksleben, es ginge mit unserem Volke rascher aufwärts" — fo sprach Adolf St o I p in g vor zwei Menschenaltern zum deutschen Katholizismus. — Und heute verkündet Pius XI. die ständische Gliederung der Gesellschaft. Des weiteren lockert die Wirtschaftsnot den Boden für eine wirtschaftspolitische und gesellschaftliche Neugliederung. Insbesondere muß der „Totalstaat", also jener Staat, der das ganze Gemeinschaftsleben, hauptfästlich aus dem Gebiet der Kultur und Sozialpolitik zu erfüllen und zu beherrschen sucht, zwangsmäßig infolge der Finanznot zurücktreten. Damit aber weicht eine jener großen Schranken, die stch seit der Herrschaft des Liberalismus im Staatswesen vor eine Wiederaufrichtung berufsständischer Gliederung in den Weg gelegt hatte. Die En- cyklika „Quadragesimo anno" erscheint also in einem Augenblicke, wo das Feld gewissermaßen frei wird, es sei denn, daß die neuen Systeme innerstaatlicher Machtpolitik, wie sie durch den Namen F a s c i s m u s gekennzeichnet sind, eine neue Aera totaler Staatsallmacht her- pufführen.
Aber gesetzt auch den Fall, daß die politische Entwicklung eine der christlichen Gesellschastsauffasiung günstige Richtung einnimmt, so bleibt doch noch ein großes doppeltes Hindernis für eine neue Verwirklichung ständischer Wirtschaftsordnung. Die e r st e Schwierigkeit besteht darin, daß mir außer den Grundlinien des gesellschaftspolitischen Aufbaus, wie sie durch Pius XL, Leo XIII. und die katholischen sozialen Traditionen gegeben sind, und außer mannigfachen Ansatzpunkten im heutigen, weithin kartellierten Wirtschaftsleben kein hinreichend konkretes Formenbild einer besseren Wirtschaftsordnung besitzen. Als zweite Schwierigkeit ergibt sich sodann die Tatsache, daß die Teilnahme des Arbeitnehmers an der Betriebs- gestaltung und Wirtschaftsführung — ein Gedanke, der dem berufsständischen Aufbau wesentlich ist — nicht hinreichend vorbereitet ist durch Erziehungs-undBil- dungsarbeit im berufsständischen Sinn.
Ausruf an die ji
Der junge Windthorstbündler, der bei dem „Versuch einer Aussprache mit Nationalsozialisten" niedergebrüllt und dann in der nationalsozialistischen „Hessischen Volksmacht" in so unglaublich roher und niederträchtiger Weise verleumdet wurde, schreibt uns:
Es gibt auch in Fulda junge Menschen, die spüren, wie unser deutsches Volk immer stärker auseinandertreibt, wie es sich in feindliche Lager spaltet, wie es sich nicht mehr als Volk, sondern nur noch als eine Häufung von gegnerischen Parteien fühlt, von denen eine die andere zu vernichten strebt. Wir sehen dabei, wie Männer sich in rastlosem Streben um Deutschlands Rettung mühen, Tag für Tag, wie andere dagegen draußen im Land umherziehen und über Deutschlands Rettukig reden und dabei denen, die handeln, stets neue Schwierigkeiten bereiten. Wir junge Menschen sehen weiter, daß Deutsche sich immer mehr voneinander abschließen und einander schon nicht mehr verstehen können, während
deutsches Volk doch wie ein Mann stehen müßte im Kamps gegen all die Not. die lauernd uns zu verschlingen droht.
Dieses schlimmste liebet spürten wir als unsere eigene Not. Der klaffende Zwiespalt in unserem Volk brannte in unserem Herzen rote eine schwere Wunde. Daß auch deutsche Jugend hineingerissen wurde in diese Verständnislosigkeit, konnten mir nicht ertragen. Drum wollten wir einmal etwas tun, was in deutschen Landen heute wohl selten geschieht: Eine offene, ehrliche A us- spräche wollten wir herbeiführen über das, was jeden jungen Deutschen angeht über den Kampf um Deutschlands Freiheit.
Als junge Menschen, die des Volkes Not als ihre eigene spüren, hatten wir es niemals fertig gebracht, uns dem ganz großen Geschehen zu verschließen, das jede Zeit in sich trägt. Wir hatten mit wachem Sinn hingehört auch auf das, was sich in unserer Zeit vollzieht. Wir dachten, wenn deutsche Jugend in der Not unserer Tage auch in politisch tzntgegengesetzte Lager auseinandergetrieben sei, könne sie sich doch ehrlich und anständig über das aussprechen, was
Darum konnte ja wohl auch das Betriebsratswesen nicht in seinem vollen berussständischen Umfang zur Verwirklichung gelangen, weil große Teile des werktätigen deutschen Volkes für eine Eingliederung in die Mitverantwortung an der Wirtschastsführung nicht genügend vorbereitet waren und nach Lage der Dinge im Vorkriegsstaat auch nicht sein konnten.
Ein Doppeltes ist darum notwendig. E r st e n s die praktische Durchdenkung und Aufbauung der berufsständischen Idee. Zweitens eine planmäßige berufsständische Erziehung. Für beide Aufgaben besitzt der deutsche Katholizismus Kräfte und Organisationen. Neben dem Katholisch Kaufmännischen Verein und neben den Arbeitervereinen ist der Gesellenverein der größte Verein, der sich in dieser Stunde zur Mitarbeit an der Verwirklichung dieser beiden Aufgaben berufen fühlt.
Der Katholische Gesellenoerein hält zu diesem Zweck in diesen Tagen in der Bischofsstadt Fulda eine Reichstagung ab, auf der u. a. Professor Dr. Pater Gundlach S. I. über den Aufbau berufsständischer Ordnung spricht und Professor Dr. Brauer über berufsständische Verwirklichung und Erziehung.
Die Tagung hat noch eine andere Bedeutung. Manches Vermächtnis wird mitunter in der katholischen deutschen Welt vergessen, und es zeigt sich zuweilen, daß das, was auf katholischem Boden gewachsen und aufgebaut ist, vor anderem zurücktreten muß. So verhält es sich etwa auch mit dem berufsständischen Gedanken, der dem Katholischen Gesellenverein als bevorzugtes soziales Erziehungsbild seit Jahren vor Augen geschwebt. So steht es auch um andere Erbgüter Adolf Kolpings. Die Fuldaer Tagung wird sich deshalb u. a. mit der Geltung Kolpings und seines Werkes im deutschen Katholizismus und mit der nationalen Bedeutung dieses Mannes und seiner Schöpfungen befassen. Daneben werden dringende Gegenwartsaufgaben rote das Arbeitslosenhilfsroer k, die Arbeitsvermittlung, das Siedln n g s w e s e n, die berufliche Fortbildung, die Wander- fürsorge, die Häuser und Heime und schließlich volks- und innenpolitische Fragen die Tagung beschäftigen.
Eine Huldigung der deutschen Führerschaft des Katholischen Gesellenvereins am Grabe des deutschen Apostels Bonifatius wird den inneren Höhepunkt der Tagung bilden. R.
»gen Katholiken.
sie im Tiefsten bewegt. Denn, worum wir ringen, ist doch nichts anderes, als daß wir darauf sinnen, wie wir unserem deutschen Volke helfen können, wie wir von allen unseren deutschen Brüdern, gleich, ob sie Nazi, Kommunisten, Sozialisten oder Zentrumsleute sind, die entsetzliche Not nehmen können. Wir dachten, das sei doch des deutschen Volkes gemeinsamer Kampf. Wir dachten, deutsche Jugend sei sich dieses gemeinsamen Ausgangs Punktes bewußt, müsse also ehrlich einander gegenüber treten können, wenn sie auch getrennte Wege geht. 31 dieser Einstellung hatte der WinbthorsS buni> junge Nationalsozialisten zu einer öffentlichen Aussprache ausgefordert. Was mir aber von ihnen erlebten, war nichts anderes denn ein großes Trauerspiel. Freimütige Auseinandersetzung mit einem Menschen, der anderer Meinung ist, kennen sie nicht; er wird niedergebrüllt. Soviel Verstocktheit hatten wir als junge Menschen nicht zu finden erwartet. Was wir bei den Nationalsozialisten fanden, waren die
üblen Methoden mancher politischen Massenversammlungen.
Statt geistiger Auseinandersetzung Gebrüll und Schlagworte. Gerade davon wollten wir uns aber einmal frei machen und als unabhängige junge Deutsche zueinander sprechen. Gefunden haben mir bei denen, die wir als Gäste geladen, genau das Gegenteil. (Es waren ja auch in der Hauptsache Angehörige der älteren Generation.) Auf- geschlosien sollen junge Menschen sein gegenüber all den Dingen, die ihnen im Leben gegenübertreten, dann das, was sie sehen, in sich verarbeiten und als freie Menschen in sich zu einer Entscheidung kommen. Ader statt auf jugendliche Offenherzigkeit stießen wir auf eine innere Verhärtung, die uns adstieß.
Jeder von uns wird innerlich trauernd und sogleich gepackt von einer großen Entrüstung nach der „Aussprache" nach Hause gegangen sein. Kann denn nicht einmal mehr die deutsche Jugend offen und frei zueinander reden? Glauben die Nationalsozialisten nicht mehr daran, daß junge Menschen, auch wenn sie nationalsozialistische Anschauungen bekämpfen, sich nur deshalb in die politische Auseinandersetzung hineinstellen, weil ihnen deutschen Volkes Rot auf dem Herzen brennt,
weil sie kämpfen um Deutschlands Freiheit! Nein, sie beleidigen jeden, der nicht im Lager der Nazis steht, mit dem Vorwurf, er kämpfe nur für feinen eigenen schäbigen Vorteil. Daß man im politischen Gegner zunächst den Mitmenschen und den Volksgenossen sieht, und nicht den Feind, scheint ihnen etwas ganz unfaßbares zu fein, sonst könnte es nicht zu so unglaublichen Verdrehungen kommen, wie sie der Bericht der „Hessischen Volksmacht" enthält. (Ich habe niemals gesagt, das Zentrum mache aus ganz berechtigten Gründen mit dem Judentum gemeinsame Sache und hätte keinen Grund, energisch gegen den Kommunismus einzuschreiten. Bei der Einstellung der Nationalsozialisten hat es aber keinen Sinn, ihnen unsere christliche Auffassung klar machen zu wollen.)
Nach der Meinung der nationalsozialistischen Zeitung hat sich „das wahre Gesicht der Zentrumspartei" an diesem Abend gezeigt. „Verrat am eigenen Volke zeigt es, niedrigste An- schauung und Gemeinheit". Dazu ist zunächst mal zu sagen, daß die Zentrumspartei als solche mit der Versammlung überhaupt nichts zu tun hatte. Das junge Zentrum, der „Windthorstbund", hatte dazu aufgerufen; und dieser ist in seinen Entschließungen so frei, wie keine nationalsozialistische Organisation von ihrer Partei. Und dann: wer sich im politischen Kampf so weit vergißt, daß er uns „Verrat am eigenen Volke" vorwirft, der steht so tief unter uns, daß unfere Ehre es uns verbietet, mit ihm sich weiter zu unterhalten. So viel sei nur noch gesagt, daß ein viel weniger angenehmes Gesicht als das junge Zentrum in der „Aussprache" ober doch wohl die die andere Richtung auf olle die gemacht hat, die mit ganz ehrlichem Wollen zu jener Versammlung kamen. Und men damals noch kein Schauder überlief, der muß sich jetzt entsetzen ob der Geistesverfassung, die aus den gegnerischen Berichten spricht. Von der Richtigkeit und Güte einer Idee können uns solche Methoden nicht überzeugen.
Und zum Schluß sei noch eine
Aufforderung an alle jungen Fuldaer
gerichtet: Schließt Euch zusammen! Laßt alle kleinlichen Bedenken und Vereins st reitigkei- t e n beiseite und bildet eine geschlossene Front gegen den liebermut und die Dreistigkeit der Hetzer, eine Front, die fest steht und sich durch die „Philosophie der Faust" nicht verblüffen läßt. Mag man uns auch schmähen und höhnen, wir werden siegreich [ein, wenn mir uns bemühen, die Pflichten zu erfüllen, die uns unser Symbol, das Kreuz Christi, auferlegt.
Wir kämpfen für Christi Reich und ein neues Deutschland! Wer 2Tluf hat, ziehe mit uns!
Josef Schmitt- Fulda, (nicht Neuenberg).
Streiflichter.
Daß die Nationalsozialisten ausgesprochene Verwandlungskünstler sind, wurde kürzlich ziemlich drastisch in einem Rundschreiben eines ihrer Bundesgenossen, des mittelschlestschen Landesverbandes der D e u t s ch n a t i o- nalen Volkspartei festgestellt. „Je nach der Zusammensetzung der Zuhörerschaft spricht der Na t i o n a ls o z ia l i st anders." Wenn er schreibt, macht er es genau so. Man vergleiche nur die Berichte über die Windthorstbund-Dersammlung in der Kasseler und der hiesigen nationalsozialistischen Zeitung. In Kassel arbeitet man mit den gemeinsten Schmähungen und niederträchtigsten Verdrehungen. Nach dem Kasseler Bericht arbeitet der Windthorstbund „zum Besten seiner schwarzen Clique". Da zeigt sein Gesicht „Verrat am eigenen Volk, niedrigste Anschauung und Gemeinheit". Und in Fulda sucht man jetzt, nachdem man in achttägiger Bedenkzeit erkannt hat, wie wenig anziehend das Gesicht der Nationalsozialisten während der Aussprache war, mit honigsüße» Worten der katholischen Jugend klar zu machen, daß ja alles nicht so ernst gemeint war. So sehen diese Helden aus! Erst rücken sie mit allen Größen der Partei und mit Verstärkung von auswärts an und wollen eine Bresche in die „schwarze Hochburg" geschlagen haben, dann soll es nur ein „Kapn-nab-no" g sein. In der Versammlung brüllen sie mit vor Wut entstellten Gesichtern, später behaupten sie, sie seien aus Liebe durch die Mitte des Saales ausgezogen. Man könnte die Aufzeichnung der Widerspräche an einem Beispiel beliebig lange fortsetzen. Für heute wollen wir nur noch einen ganz drastischen Fall herausgreifen:
Nach der Behauptung der Nationalsozialisten sprach Herr Etzel in Fulda „als Katholik her Tat, nicht als der des Lippenbekenntnisses". Nehmen wir an, Herr Etzel hätte tatsächlich als „Katholik" gesprochen, d. h. in seinen Ausführungen hätte sich katholische Wesensart widergespiegelt, spricht Herr Etzel an anderen Orten auch als „Katholik der Tat"? Nein! Der
junge Agitator sp richt so, wie es die na. tionalsozialistische Partei gerade braucht. In Fulda angeblich als „Katholik", in protestantischen Orten aber ganz anders. So gab die Ortsgruppe Corbach in Nr. 12 der waldeckischen Londes- zeitung bekannt, sie habe für eine am 19. Januar 1932 ftattfinbenbe Versammlung als zweiten Redner einen Herrn Ehel-Fulda gewonnen, der sechs Jahre im Kloster verbracht habe und Missionar habe werden wollen. In seiner bekannten packenden Art werde dieser Herr schildern, warum er aus dem Kloster geflohen sei.
Vielleicht leugnet Herr Etzel, daß die Nationalsozialisten in anderen Gegenden mit ihm als einem „entflohenen ehemaligen Klosterangehörigen" Propaganda machen. Wir glauben ihm nicht mehr, zumal sich jetzt auch herausgestellt hat, daß seine Behauptung, das Zentrum habe in Volkmarsen die Mo skausöld- l i n g e auf ihn gehetzt, damit sie ihm die Knochen zerschlügen, ein „Meisterstück infamster Verdrehungs- und Entstellungskünstelei" barstellt. Wir werden eine Zuschrift aus Volkmarsen, in der die Verhältnisse eingehend klar gelegt werden, im nächsten „Blatt der Jugend" veröffentlichen.
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Nach dem Gesagten werden es alle verstehen, daß der Fuldaer Windthorstbund es unter seiner Würde hält, mit Herrn Etzel eine weitere „Aussprache" zu versuchen, zumal Herr Etzel die katholische Jungmannschaft bei feinem ersten Gastspiel in Fulda in unverschämter Weise beleidigt hat.
Das Lildungsideal der kalh. Zagend.
Ehe und Familie.
Schlimmer als alle wirtschaftliche und soziale Not ist die stark um sich greifende Zerrüttung der deutschen Ehe. Hier nagt der Wurm am Mark der Kraft unseres Volkes. Alle großen Völker, die vom Schauplatz der Weltgeschichte abtreten mußten, find an dieser Krankheit zu Grunde gegangen. Auch das deutsche Volk wird daran sterben, wenn es nicht zur Besinnung kommt. Das Juniheft des „Volksvereins" ist dieser Frage gewidmet. Es orientiert über die heutige traurige Lage, über die ehezerrüttenden Kräfte und dann über die Wege zur Besserung. Besondere Berücksichtigung findet die Eheenzyklika des hl. Vaters.
Ganz naturgemäß wird auch die kaih. Jugend van dem allgemeinen sittlichen Niedergang berührt. Wie sie sich aber dagegen wehrt und ihre Reihen gegen die sie andrängenden Schmutzfluten abzudämmen sucht, kommt in dem sog. Eheheft der „Stimmen der Jugend" (August 1929) zum Ausdruck. Hierin macht sie Front gegen die bürgerliche Eheausfasiung der „guten alten Zeit", in der die Geschlechtsmoral vielfach auf bloß äußeren Momenten beruhte und ringt um eine edlere, oertieftere Auffassung vom Wesen und Sinn der Geschlechter, der Ehe und Familie. Man sucht, wie vor allem die Jugend der Großstadt aus ihrer sexuellen Not wieder in eine reinere Sphäre, zum Ideal der Reinheit kommen kann. Auch die mit der Familiengründung zusammenhängende Wirtschafts- und Siedlungsfrage wird besprochen. Dies alles geschieht natürlich mehr andeutungsweise, rote es im Rahmen eines Heftes nicht besser möglich ist.
Für die biologische Seite der Ehesragen bieten wohl die beiden Bücher von Herrn. M u ck e r m a n n : „K i nd und Volk", 1. und 2. Teil, die besten Anleitungen. Seine Vorträge und Bücher gelten dem einen Ziel: die Wege zu weisen zur gesunden und glücklichen Familie und durch sie zu einem starken Volk. Er geht darin gründlich ein auf die Fragen der Vererbung und auf die daraus fließenden Forderungen für d i e G a 11 e n ro a h l. Im 2. Teil spricht er von den günstigen und ungünstigen Bedingungen für das werdende
Der WlnMhotßbond pulfca
gibt bekannt:
Im Februar findet eine große
Kundgebung
-es TOittMhoefibiitttes im Stabff aal
statt, auf der jedenfalls der Landtagsabgeordneter Dr. Groß sprechen wird.
Eine „Aussprache" mit den Fuldaer Nationalsozialisten und ihrem neuesten Wortführer müssen wir aus den bekannten Gründen nach wie vor ablehnen.
Sie werden deshalb am hemmenden Freitag unter ffrh sein.
Jahrgang 1902 macht Bilanz.
2] Das Recht der Jugend auf Lebensraum.
Wir hatten keine Scheu mehr vor Titeln und hohen Stellungen, wir hatten die Dinge vom Volkskrieg aus, der uns zum mindesten das eine gelehrt hatte: daß Gemeinnutz vor Eigenutz gehen müsse. Und von diesem Standpunkt aus konnten mir nicht verstehen, daß man bei Volksfürsorge und Siedlung und anderen gemeinnützigen Ausgaben Geld verdienen und dabei noch Abgeordneter sein konnte. Wir verstanden nicht, wie man „so" über Frauen reden konnte, denn wir dachten an die schweren Aufgaben, die unsere Mütter im Kriege hatten erfüllen müssen, lieber- all sahen wir Hohlheit, Eitelkeit und Unfähigkeit, wenn man auch nicht immer merkte, daß wir das durchschauten. So ging allmählich auch unsere Achtung vor den „ehrenwerten" Führern unseres Volkes verloren, und wir wurden scharf auch gegen ältere fieute. Das aber ging nun wieder gegen die Autorität, es „gehörte sich nicht" und war anmaßend . . . Aber waren jene Männer Vorbilder, nach denen sich zu leben lohnte?
Viele junge Menschen kapitulierten und heulten im Lause der Jahre mit den Wölfen, weil sie fo leichter und besser etwas wurden, wenn sie sich dem anpaßten. Uns widerte das an. Es ging gegen unsere ehrliche Ueberzeuzung, gegen unser.Verantwortungsbewußtsein So wurden wir „resignierte Jugend".
Unsere Ehrlichkeit nannte man „blutleeren ober weltfremden Idealismus", unsere Wege „verirrt". — Und
wir merkten: unsere Offenheit sperrte uns ab. Man konnte nur gelehrige Schüler gebrauchen. Der Professor in der Hochschule, der Chef im Büro, der Meister in der Werkstatt verlangten, daß wir hinnähmen, was sie für richtig hielten, daß wir kritiklos glaubten. Wenn wir uns dagegen wehrten, dann „putschten" wir auf, auch wenn wir recht hatten, dann waren wir „Kommunisten" und „flogen". Und mußten anderen Leuten, die sich besser ducken konnten, die harmloser waren, überlagert, unsere Zukunft zu bauen. Gerechtigkeit?
„Hineingehen" in die Parteien, in die maßgebenden Stellungen, hineingehen in diese Gesellschaftsordnung und von innen heraus zu ändern, hieß einmal eine Parole in der Jugendbewegung Also solange heucheln — zum mindesten solange schweigen — bis man es „geschafft" hatte? Viele haben es geschafft, und . . . .? Konnten sie Grundlegendes ändern, als sie drinnen saßen — gefangen faßen? Sie durften ja nicht mehr aus der Reihe tanzen. Denn konnten sie mit Kind und Familie noch viel aufs Spiel setzen? Die besten und aktivsten Strafte wurden damals untreu, mutzten es ja werden. Die anderen — brachen wieder aus, um nichts reicher als um eine enttäuschte Hoffnung mehr.
Zweimal setzt die junge Generation im Großen Vertrauen gegen kalten Geschäftssinn, gegen Dogma und Ueberheblichkeit.
Die Beteiligung des Iungdeutsche» Ordens und politisch aktiver Kräfte der hündischen Jugend an der Gründung der Deutschen Staatspartei hatte eine merkwürdige Parallele in dem Zusammenschluß zwischen der Deutschen Freischar und dem Großdeutschen Iugend- bund, der ebenfalls von Menschen der alten Generation geführt wurde. Beide Male endete der hoffnungsvolle Versuch mit einer Trennung, nein, nicht tragisch, sondern glücklich. Wir jungen Menschen können eben nicht mit Leuten paktieren, d i e im Entgegenbringen von Vertrauen nur eine Schwäche des and e r e n sehen. Sollen mir aber immer nur tatenlos beiseitestehen, während der gewaltige Umbruch in unserem Volke, in der Welt sich vollzieht, durch den unsere Zukunft bestimmt wird?
Mit wenigen Ausnahmen wächst jetzt durch das gemeinsame Schicksal der Zukunftslosigkeit eine Einigkeit bei der jungen Generation aller Richtungen. Ueberall empfinden wir die gleiche trostlose Sage, b i e Aussperrung. Ob mir als arbeitslose Arbeiter, Hanbroerker, Kaufleute ober Techniker der Not am nächsten sind, ob wir mitten im aussichtslosen Studium stehen ober mit fertigen Examen in der Tasche uns vom Vater unterhalten lassen müssen oder mit Zettelverteilen ober Nachhilfestunben unser täglich Brot verdienen, uns scheint nicht eher geholfen zu werden, bis uns eines Tages die Verzweiflung dazu treibt, den unhaltbar geworbenen Zustand gewaltsam zu ändern.
Wir wollen gern mit wenig zufrieden fein und Opfer bringen, aber wir wollen wissen, wofür wir hun
gern und gehungert Haden. Ganz unromantisch nüchtern. Niemals für einen volksfeindlichen Kapitalismus oder einen halben Sozialismus und niemals für die flinsforberungen eines anberen Staates. .Nicht das Geld ober ein System, fonbern b e r Mensch steht uns immer wieder im Vordergrund; weniger der Einzelne, das Individuum, sondern das Volk! Wir wollen um des Volkes willen soziale Gerechtigkeit, darum lassen mir nicht feilschen.
Wir verlangen Vorbilder, weil mir wissen, daß nur der foröern kann, ehrlich z u fein, der selber eine reine Weste hat. Wer den Sozialismus will, soll ihn uns praktisch Vorleben. Wer die Senkung der Lebenshaltungskosten predigt, soll erst zeigen, daß die beffergeftellten Volksteile keinen aufreizenden Aufwand mehr treiben. Wer Primitivsiedlungen empfiehlt, soll herunterkommen von seinem Regierungsposten und als erster hmausgehen. Wir keimen viele, die das Christentum im Munde führen, und nur wenige, die es leben, und die haben zumeist das Heft nicht in der Hand.
Wir — junge Generation — wollen nicht unnütz Werte zerstören. Wir wollen endlich Aufgaben und Ziele auf weite Sicht, für die wir uns ehrlich und freudig einsetzen können. Wir haben nicht darum zu bitten, daß mir mithelfen dürfen; wir haben das Recht, zu fordern, daß wir an der Gestaltung unserer Zukunft mit der Idee und der Tat beteiligt sind Jetzt endlich wollen wir unseren Lebensraum!
Hans Umbreit.