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NILS

24. Januar

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Aus längst verwehten...

Von Franz Cingia.

Aus längst verwehten Zeiten her Kommt immer wieder leis ein Klang So zauberhaft und jubelschwer Wie erster Liebe holder Sang.

Und dringt mir wundersam ins Herz, Daß sich die Sehnsucht neu erhebt Udn zwischen Lebenslust und Schmerz Erinnerung mich tief durchbebt.

Und wieder leuchtet hell und rein Dein mlldes Lächeln wie ein Licht. Umschwebt mich zart und silberfein Dein geisterfülltes Angesicht.

Elefanten und ihre Feinde.

Zum tragischen Unglück im Elefantenstall des Zirkus Scrofani.

Von Zirkus-Fachschriftsteller F. W. Bergen- Weimar.

Der Zirkus Sarrasani, von dessen Elefantenbestand in diesen Tagen 13 Tiere schwer verletzt wurden, war eigentlich das erste Unternehmen, das vor einem Vier­teljahrhundert Elefanten in größerer Anzahl kaufte und in einer reisenden Zeltstadt mit sich führte. Von unseren Großvätern können wir sagen, daß sie diese Dickhäuter nur vom Bilde her gekannt haben. Der Elefant nämlich gar nicht ein solch gutmütiges Tier, wie man im allgemeinen annimmt. Wer mit den Sitten und Gebräuchen des sehr gefahrenreichen Elefantenfangs in Indien oder Afrika auch nur halbwegs vertraut ist, wird dies glauben. Das dem Aussterben geweihte Großtier des Urwaldes ist vor allem, solange es sich in der Frecheit bewegt und sich in Gesellschaft seiner Art­genossen befindet, sehr angriffslustig, widerspenstig und kämpft auf jeden Fall für seine Freiheit. An die Ge­fangenschaft gewöhnt es sich nur ungern und sehr lang­sam, auf jeden Fall aber nur in seinen jungen Jahren. Wir unterscheiden indische und afrikanische Elefanten. Erstere sind großgewachsene Tiere, letztere weniger majestätisch in ihrem Körperbau und für den Gebrauch in der Gefangenschaft nicht so vorteilhaft wie die in­dischen. Die Hindus besitzen nämlich schon seit Gene­rationen besondere geheimnisvolle Kenntnisse im Ele­fantenfang und vor allem in der Gewöhnung des Ele­fanten an die Gefangenschaft. Die Inder haben es ver­standen, den Elefanten zum Haus- und Arbeitstier zu machen. Die Araber nennen den Elefanten Fihn; der afrikanische Artgenosse ist auf keinen Fall so menschen­freundlich wie der indische. In Deutschland und bei der ganzenfahrenden Welt" finden wir deshalb in der Hauptsache indische Elefanten, ähnlich ist es auch fast in allen Zoologischen Gärten. Dort allerdings begegnet man öfter auch der afrikanischen Art, weil der Dick­häuter im Zoologischen Garten weniger unter die Men­schen kommt, nichtstraßensicher" zu sein braucht, auch nicht mit der Eisenbahn befördert wird, also weniger aufregenden Einflüssen von außen her unterliegt. Der Elefant ist, das sagt schon der alte Tierforscher Brehm, mehr Nacht- als Tagtier, denn obgleich er bei Tage ab und zu weidet, bildet doch die stille, ruhige Nacht die eigentliche Zeit, in der er sich des Lebens freut. Das kann man auch in der Gefangenschaft beobachten, wie ich es selbst vier Jahre tat, als ich mit den Dickhäutern zusammenlebte.

Vier eigentliche Feinde hat in der Gefangenschaft der Elefant, und wenn es auch unwahrscheinlich klingt, so ist es doch wahr: Mäuse, Ratten, Rübenfrüchte, die ge­froren sind, und das Feuer. Vor dem Kriege verlor der Tierpark Hagenbeck in Hamburg einmal drei junge Elefanten in einer Nacht, weil Ratten den Tieren die Fußsohlen durchgefressen hatten, so daß die Tiere ver­

bluteten und starben. Wenn eine Maus in den Rüssel eines Dickhäuters gerät, so kann er daran ersticken. Das ist schon oft vorgekommen. Frißt ein Elefant ge­frorene Rüben in größeren Mengen, so kann er daran verenden. Vor dem Feuer hat der Elefant die aller­größte Angst. Ich habe es selbst erlebt, daß ein men­schenfreundlicher Dickhäuter eines Nachts auf einem Güterbahnhof wütend ausriß, als aus der Lokomotive eine Feuergarbe in die dunkle Nacht hinausschlug. Ein andermal brach ein Elefant ungestüm aus dem Stall aus, als ein unvorsichtiger Kutscher einen Zigaretten­stummel in einen kleinen Strohhaufen geworfen hatte und dieser na cheinigen Stunden lichterloh brannte. Gewiß, ist der Elefant, einmal an die Gefangenschaft ge­wöhnt, ruhig und greift niemanden an. Ein Feuer aber kann ihn völlig umgestalten. Die Eingeborenen, die auf Elefantenjagd gehen, pflegten in ftüheren Zeiten dürre Waldungen anzuzünden und die Tiere in die lodern­den Flammen hineinzutreiben. So verfuhren die schwar­zen Elefantenjäger, wie die Forscher Heugling und Schweinfurth ausführlich geschildert haben. Vielleicht rührt daher die große Angst des Elefanten vor dem Feuer. Die schwarzen Elefantenjäger zündeten auch immer ein hellbrennendes Feuer an, wenn die Elefan­ten aus der Gefangenschaft ausrücken wollten. Die In­der dagegen kennen solche Sitten nicht. Trotzdem hat auch der indische Elefant, wenn Feuer seinem Leibe zu nahe kommt, eine sehr große Furcht vor diesem Element. Das scheint diesem Tier angeboren zu sein, das doch draußen in der Wildnis außerordentlich wenig, oft vielleicht im ganzen Leben nicht mit Feuer zusammen­kommt und, wenn es schon Feuer sieht, diesem weit au/

Goldschnitt und

Eine Eigentümlchkeit hatte der Herr Pfarrer: er trug stets sein Brevierbüchlein mit sich herum. Klein und zierlich war es, in grünes Leder gebunden, mit Goldschnitt, bequem in der Tasche zu tragen. Es mochte ein Geschenk von lieber Hand sein. Auch in der Schule hatte er stets das Büchlein bei sich. Mit dem Katechismus zusammen trug er es in der Hand, und alle Kinderaugen richteten sich zuerst immer nach dem glänzenden Goldschnittstreifen, der ihnen wie ein Sinn­bild der Heiligkeit schien.

Heute aber, o Wunder, fehlte das Büchlein. Und dem Herrn Pfarrer schien auch etwas zu fehlen. Denn feine Augen, die sonst so ruhig und gütig blickten, sahen mit einer leisen Unruhe umher. Dann fragte er:

Habt ihr, liebe Kinder, vielleicht mein Brevierbüch­lein gefunden? Ich muß es verloren haben. Als ich in die Schule kam, hatte ich es noch."

Niemand meldete sich. Die Augen der Kinder wa­ren groß und unschuldsvoll auf ihn gerichtet. Nur Ma- riele, das Mädchen mit den großen, immer traurigen und immer ein wenig ängstlichen Augen, wurde plötz­lich feuerrot. Und in ihren Augen brach ein ganzer Sturm von Angst und Bangen aus. Aber der Herr Pfarrer sah es nicht.

Dann setzt euch, liebe Kinder," sagte er und stieg auf das Katheder, um mit feiner ruhigen, klaren Stimme vom lieben Heiland zu erzählen, der die Sünder so mild auf den Weg der Gnaden und des Guten führte.

Und die Kinder saßen mäuschenstill. Mitunter, wenn der Herr Pfarrer so klar, so ruhig, so gütig vor ihnen saß, dann war es ihnen, als ob der liebe Heiland selber, wie einst am Abend, als die Mütter die Kinder zu ihm brachten, da war und mit ihnen redete.

Nur das Mariele sah ihn heute mit keinem Blick an. Es heftete feine Augen auf die Bank und hob nicht ein einziges Mal die Hand, um eine Antwort zu geben. Wohl bemerkte es der Pfarrer, doch er schwieg.

Als die Stunde zu Ende war und die Mädchen brau«

dem Wege geht. Das haben Forscher auch schon viel beobachtet.

In der Gefangenschaft ist der Elefant durchweg an einem Vorder- und einem Hinterfuß mit Ketten gefesselt, aber so, daß er sich bequem hinlegen und schlafen kann. Man sorgt auch dafür, daß der Dickhäuter nicht immer an den selben Füßen gefesselt ist. Wird erst ber Elefant einmal rasend, dann kommt es auch vor, daß er gerade­wegs in das Feuer hineinläuft. Ihn bei Feuersgefahr sofort von den Fesseln zu befreien, ist ein großes Wag­nis, da der rasende Dickhäuter, der ja ein Eigengewicht von 70 bis 100 Zentnern hat, ungeheueren Schaden anrichten kann. Ist Wasser in der Nähe, etwa ein großer Fluß, bann stürzt der Elefant bei Feuersgefahr sich unweigerlich ins Wasser, in dem er Schutz zu finden glaubt. Auch hier zeigt sich, daß der Dickhäuter zu den klügsten Tieren überhaupt gehört.

Je älter ein Elefant wird, desto weniger hat er im Augenblick der Gefahrseine Nerven" zusammen. Das Alter, das er überhaupt erreichen kann, wird sehr verschieden angegeben. Der Forscher Tennent spricht von Dickhäutern, die über 100 Jahre in der Gefangen­schaft gelebt haben sollen. Im allgemeinen nimmt man an, daß diese Tiere in der Wildnis 150 bis 200 Jahre alt werden, in der Gefangenschaft dagegen 80 bis 100 Jahre. Sarrasani hat, an diesem Elefantenalter gemes­sen, meist jüngere Tiere; die ältesten zählen höchstens 40 bis 50 Jahre.

Ein dressierter Elefant, an die Gefangenschaft ge­wöhnt, wurde noch vor Jahren mit 25 000 bis 30 000 Mark und höher bezahlt. Sarrasani hat also einen rie­sigen finanziellen Verlust erlitten. Wer mit Elefanten

Heiligenschein.

ßen waren, erhob sich ein Tumult unter ihnen. Der Herr Pfarrer hatte sein schönes Gebetbüchlein verloren und in ber Schule hatte er es verloren, bas ging wie ein Lauffeuer durch die ganze Schule. Wer weiß, ob es nicht jemand gefunden und an sich genommen hatte, weil es so schön war!

Was fehlt dir denn nur, Mariele? sagte die lustige Lisei zu ihrer Freundin.Du bist ja ganz feuerrot! Du siehst ja krank aus!

Da winkten einige andere Mädchen ihr zu und taten gar versteckt und geheimnisvoll. Und als die Lisei zu ihnen trat, da hörte sie: Das Mariele hat in der vorigen Pause etwas aufgehoben. Jemand hatte es gesehen, am Eingang, dicht neben der Tür. Sie wird doch nicht etwa?

Kommt, kommt! Wir gehen ihren Ranzen nach­sehen!

Aber das Mariele hatte etwas gemerkt. Und als die Mädchen in das Schulgebäude liefen, da stürmte sie hinter ihnen her und lief voran und setzte sich auf ihren Platz. Ihr ganzer kleiner Körper war wie von einem Fieberschauer gepackt.

Zeig doch einmal deinen Ranzen her! rief eines der Mädchen und zwinkerte den andern zu.

Nein! Nein!" schrie Mariele und umklammerte ihn mit beiden Händen.

Her damit!"

Die Mädchen rissen ihn ihr aus der Hand, und c4* sie ihn öffneten, da war darin das grüne Büchlein mit dem Goldschnitt.

Pfui! Diebin! Diebin!" riefen sie. Und als ge­rade der Herr Pfarrer im Korridor erschien, um sich hineinzubegeben, da liefen sie zu ihm und reichten ihm das Büchlein und erzählten ihm, daß das Mariele die Diebin war.

Der Pfarrer trat in das Klassenzimmer. Das Ma­riele lag auf der Bank und schluchzte herzzerbrechend.

Ernst stand der Pfarrer vor ihr.

einmal zusammengelebt hat, weiß, was es bedeutet, solche lieben, treue Tiere auf eine so tragische Art z< verlieren. Es sind die treuesten, die es überhaupt gibt.

Mariele!" sagte er.

Sie rührte sich nicht.

Mariele!"

Sie rührte sich noch immer nicht.

Da beugte er sich zu ihr.

Willst du nicht einmal mit mir kommen?"

Sanft zog er sie empor. Das Kind erhob sich schluchzend, die Hand an die Augen gedrückt, und folgt« ihm.

Er ging mit ihr in einen leeren Raum.

Nun sag einmal, Mariele, warum hast du da» getan?"

Mariele blieb stumm. Ihre Tränen flössen unauf- halffam.

Sieh einmal, mein Kind, wir haben eben vorn fieben Heiland gesprochen und gehört, wie er so mild gegen Sünder ist. Aber eines verlangt der liebe Heiland: daß man bekennt!"

Mariele bewegte den Mund zum Sprechen, bracht« jedoch kein Wort heraus.

Ich werde noch einen kleinen Augenblick warten, und dann wirst du sprechen, nicht wahr?"

Der Pfarrer schwieg. Und allmählich beruhigte sich das schluchzende Kind, und deren Mund bewegte sich, und endlich kam ein Wort heraus.

Mutter sagt?"

Nun, was sagt Mutter?"

Vater hat den lieben Gott nicht lieb ..."

Der Pfarrer legt dem Kind die Hand auf den Scheitel.

Nun, und mein liebes Kind," fragte er.

Und Mutter sagt wenn man aus einem Ge­betbuch von einem der nie eine Sünde getan bat für ihn betet, dann bann wird er be­kehrt"

Mariele!" Der Pfarrer schrie förmlich auf.Wie kannst du, kannst du so etwas glauben?"

Er stockte. Das Blut schoß ihm in den Kopf. Er griff mit der Hand nach der Stirn.

Kind! Und von mir glaubst du Kindl"

Er nahm wieder ihre Hand. Er sprach ruhiger: Kind, einer ist, der ohne Sünde ist, einer. Weißt du das nicht? Komm, komm, wir wollen zu ihm an den Tabernakel gehen und uns niederwerfen zusammen und ihn bitten Komm!"

Sie gingen beide in die Kirche, der Pfarrer und das Mädchen. Und dort knieten sie und beteten. Und der gekreuzigte Heiland, der Sündenlose, schaute voll Barmherzigkeit auf sie nieder.

I. Endringer.

Tausend Kinder ein Herz.

Von Max Jungnickel.

Seit einem Jahr ist der alte Lehrer im Ruhestand. Er kann sich noch immer nicht von seiner Schule lösen. Er wird manchmal von Stunden überfallen, wo er sich so überflüssig vorkommt. Dann geht er mit stum­mem, suchenden Blick in sein Arbeitszimmer und holt aus der Schreibtifchschublade ein Buch heraus. Es ist ein starkes, schmales Notizbuch. Aber in diesem schlich­ten Notizbuch liegt die Ernte und die Mißernte seiner ganzen Jahre, die er im Schuldienst zubrachte. Da sitzt er nun, der alte Lehrer, und lieft sich ganz langsam die Namen durch. Oft kommt es vor, daß er lange, lange bei einem Namen verweilt. Er muß erst das Gesicht zu diesem Namen in sein Gedächtnis zusammen­suchen. Und dann, wenn er das Gesicht vor sich hat, dann schließt er das Buch und denkt sich hinein, denkt ein kleines Schicksal durch, sieht wieder deutlich die Sonne und das Dunkel eines jungen Lebens. Ja, die­ser alte Lehrer hat bas Wesen vieler Kinder mit feinem

Gegen Röte der Hände und des Gesichts

sowie unschöne Hautfarbe verwendet man am besten die schneeig - weiße Creme Leodor, die gleichzeitig eine vorzügliche Unterlage für Puder ist. Die kühlende und heilende Wirkung tritt besonders im Winter in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte stark gerötet sind. Auch bei spröder und aufgesprungener Haut, insbesondere bei dem so lästigen Juckreiz der Haut, leistet die Creme vorzügliche Dienste. In allen diesen Fällen trägt man sie in dünner Schicht auf und wiederholt

dies mehrmals täglich, abends in stärkerer Schicht. Der nachhaltige Duft dieser Creme gleicht einem taufrisch gepflückten Frühlingsstrauß von Maiglöckchen, Veilchen und Flieder, ohne jenen berüchtigten Moschus« geruch, den die vornehme Welt verabscheut. Leodor - Kühl - Creme, rote Packung; Leodor-Fett- Creme, blaue Packung. Wirksam unterstützt durch Leodor - Edel - Seife. Unter-Vorkriegspreise. In allen Chlorodont-Verkaufsstellen erhältlich.

Die Jungfernfahrt

8] Roman von

Noch einmal, Herr Kapitän, ich verantworte meine Ansicht, daß es sich hier um einen unverschämten Bluff handelt! Ich verlange von Ihnen die sofortige Weiter­beförderung nach Konstantinopel ich mache Sie sonst für den enormen Schaden haftbar, der mir entftefjen kann!"

Nein, es wird weitergesucht!" schreit ihm Reto un­vermindert zornig entgegen.

Es rührt ihn nicht er scheint sie gar nicht zu be­achten er steht ftar rund straff, sieht an ihr vorbei auf den Kapitän . . .

Jetzt rafft sich Ledram mit gewaltsamer Anstrengung auf. Seine Autorität verlangt auf jeden Fall, daß er diesen Angriff eines Passagiers und mag es tausend­mal der Passagier eines Luxusschiffes fein ganz ener­gisch zurückweist. Und zurückweisen muß er ihn, wenn er selbst auch als erfahrener Seemann der kleinen Op- positton recht geben muß.

Ich führe dieEhristabelle", und nicht Sie, Herr Walker," wendet er sich mit erzwungener Schärfe gegen den Amerikaner. ,Und meine Anordnungen gelten hier. Ich suche, solange ich es für richtig halte immerhin können Sie erwarten, meine Herrschaften, daß der Kurs auf Achen noch im Saufe des Tages wieder aufgenom­men wird!"

Seine Hand schnellt an die Mütze mit knapper Drehung reißt er sich herum und läßt die beiden feind­lichen Passagiertruppen in ihrer Atmosphäre wilder Erbitterung m seinem Rücken . . .

Auf der Brücke wendet er sich an den Navigations­offizier:Es ist jetzt elf. Bis ein Uhr warten wir noch und suchen, wenn wieder Ruse kommen sollten um eins dann mit voller Kraft zurück nach Athen!"

Kapitel 4.

Der Rest des Tages wird von den meisten Passa­gieren in den Kabinen oder in Rohrstühlen auf den Pro­menaden verdämmert die überreizten Nerven erzwin-

der »Ehristabelle."

Alfred Karl.

gen sich Ausgleich für die dumpfe Spannung der durch­wachten Nacht und den explosiven Ausbruch des Fiebers, das die große Schiffahrtsgesellschaft auseinanderriß.

Nach dem Diner chartert Valdez wie üblich seine Partner zum Poker: Den deutschen Kommerzienrat El- bers, der seit der Abfahrt mit ihm spielt,Lord Herings­fischer", der sich am Vortage zum erstenmal beteiligte und schließlich noch Al Fellnor.

Mit einer Bereitwilligkeit, die Reta in Erstaunen jetzt und sie fast verletzt, läßt sich Al vom Spanier zum Poker pressen und zwingt sie so, sich auf die Autorin bergrünen Hexe" zurückzuziehen.

Da sie sonst fast ununterbrochen mit Al zusammen- fccft, hat sie im Grund wenig Kontakt mit ber Schiffs­gesellschaft.

Man zieht eigentlich um die beiden mit überaus höflicher Hochachtung einen Kreis, in dem ihnen Respekt vor den Luxuskabinen und den Millionen, auf die man sie taxiert, recht wetten Spielraum läßt . . Reta schlägt einen Besuch des Bordkinos vor und dirigiert die Schrift­stellerin dorthin. Inzwischen ist im Spielzimmer die Partie in Gang gekommen.

Der Steward, der dort bedient, hat lautlos den Whisky bereitgestellt und mit Sodawasser gemacht, dann hält er sich im Hintergrund. Der kleine Raum fft leer bis auf die vier Spieler und still bis auf die notwendi­gen knappen Ansagen beim Geben und Wellen.

Valdez gewinnt, am dritten Abend jetzt schon nur beim erstenmal hat er eigentlich verloren

Elbers, der von Anfang an fein Partner war, hat diesmal vor Beginn schon halb im Ernst sogar geäußert, daß, wenn die Glückssträhne des Spieles an­hielte, es sinnlos wäre, gegen ihn zu spielen.

Natürlich springt die Chance im Verlauf der Partim auch einmal von Valduz zu einem anderen Teilnehmer über aber die große Linie des Glücks weist auf den Spanier: Nach einer Stunde liegen gut zehntausend Lire vor ihm.

Die Passagiere haben alle von Triest her größten­teils noch italienisches Geld. Dabei ist es noch nicht einmal zu einer der zugespitzten, bas Fieder aufpeit- schenben Konstellation gekommen, die ein Kennzeichen des Pokers sind.

Bis dann nach Ablauf der ersten Stunde plötzlich der Augenblick kommt, der die Erregung am Tisch in steiler Kurve hochtreibt: Valdez gibt Karten. Chipswill, der neben ihm sitzt, macht hoch auf. Al, der nächste, steigert den Einsatz. Albers erhöht ihn weiter, und am Schluß verdoppelt ihn endlich der Spanier.

Alle anderen gehen auch zu diesem Einsatz mit.

Lord Heringsfischer", der wie eine Maschine spielt, wettet seine Karte hoch.

Al steigert.

Elbers geht mit ein paar hundert Lire gleich über Al hinaus, und Valdez verdoppelt den Einsatz des Kommerzienrats.

Mtt angehaltenem Wem erwarten jetzt die übrigen drei Chipswill nächsten Schritt. Ohne eine Miene zu verziehen, verdoppelt der Engländer wieder den Wett­betrag des Spaniers.

Wieder läßt Al sich nicht hinausdrängen, auch Elbers nicht beide steigern, ohne sich zu besinnen und wieder erhöht Valdez den Einsatz des Kommerzienrats um eine hohe Summe.

Fünfzehntausend Lire bringt die eine Partie schon auf dm Tisch und noch ist keiner von dm Spielern hin- ausgegangen.

Jetzt macht als erster Chipswill schlapp.

Sehen," erklärt er kurz und legt den erforderlichen Betrag in die Mitte. Höher also geht er nicht.

Herr Fellnor . . .?" wendet Valdez sich fragend an Al der Spanier spielt mechanisch mit abgerundeten Gesten und starren, etwas verschleierten Augen.

Al Fellnor, obgleich nicht Spieler aus Passion, hat weder vor der Routine des Spaniers, noch vor der ab» geklärten Reserve der beiden älteren Teilnehmer die Segel gestrichen und mtt weltmännischem Gleichmut wie sie gespielt.

Um so explosiver zerreißt jetzt sein plötzliches Auf- spvingen die Atnwsphäre erkünstelter Beherrschung, die

als Deckmantel über der inneren Erregung der Spieler liegt . . .

Mit gewandter Turnerwendung wirft er sich um Chipswill herum auf den Spanier.

Seine zufahrende Rechte klemmt die Hand Valdez, die die fünf Karten hält, wie in eine Zange ein zugleich streut er mit der Linken sein eigenes Paket breit über den ganzen Tisch aus . . .

Es enthält vier Damen unter den fünf Karten des Spaniers, die der unter dem harten Druck von Als Faust jetzt aufs grüne Tuch hinflattern läßt, glänzen die vier Asse auf . . .

Sie haben vier Buben, Herr Chipswill Sie vier Könige, Herr Kommerzienrat," erklärt Al gemessen. Sein straffes Gesicht meistert vollendet die Erregung des Augenblicks seine Rechte klammert den matt aufbegeh- renben Spanier an den Stuhl.

Bestürzt haben die beiden andern ihre Karten offen auf den Tisch geworfen wirklich der Engländer hat vier Buben, der Deutsche vier Könige!

Wenn Sie vorsichtig mit dm Fingerspitzen die rech­ten oberen Ecken der Karten abtasten, können Sie die Zinken fühlen, meine Herren," erklärt jetzt Al, ebenso ruhig wie vorhin.

Der Steward ist alarmiert hinzugesprungm.

Ich bitte Herrn Oelsmann oder den Kapitän!" ruft ihm Al zu.

Eine Minute später stürzen die beiden herein Oelsmann zuerst, Lebram ihm auf den Fersen. Der Steward halle gleiche beide mit der Alarmnachricht auf» geschreckt. Der Kapitän schließt erst vor der Tür des Spielzimmers die letzten Knöpfe feines Jacketts und stoppt auch hier erst feine Flüche ab. Man hat ihn in feinem Salon aufgeftöbert, gerade als er nach sechsund­dreißig Stunden, die er auf den Seinen war, feinen Aerger über die unauffindbare mysteriösePafadena" durch ausgiebigen Schlaf verscheuchen wollte. . .

Al Fellnor zeigt auf die vier verstreuten Karten­pakete auf dem Tisch, bittet die beiden Offiziere, nach den Zinken zu fühlen dann weist er mit kurzer Kopf- beroegung auf Valdez, den er noch immer an den Stuhl geklammert hält. Der Spanier hat vor der Aussichts-