Fuld aerZ ertung
Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Nr. 19
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Luchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Sonntag, 24.3anuat 1932.
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latitg. 59.
51 Stimmen Mehrheit für Laval.
Bei der endgültigen Abstimmung über den von der französischen Regierung unterstützten Entschließungsantrag in der Pariser Kammer erzielte bk Regierung mit 312 gegen 261 Stimmen eine Mehrheit von 51 Stimmen. Der Entschließnngs- antrag hat folgenden Wortlaut:
Die Kammer bleibt der internationalen Zusammenarbeit und der Organisierung des Friedens treu, deren Grundlage die Achtung vor den Verträgen ist Sie stimmt der Regierungserklärung zu, drückt der Regierung das Vertrauen aus und geht ohne Zusatzantrag zur Tagesordnung über.
Ministerpräsident Laval gab vorher in der Kammer eine neue Erklärung zur Tribut- und Abrüstungsfrage ab. in der er mit a u ß e r g e - wohnlicher Schärfe den alten Standpunkt aufrechterhielt, daß Frankreich keine seiner Ansprüche aufgeben und niemals auf die in den Verträgen zugestandenen Rechte verzichten werde. Eine endgültige Neuregelung der Tributfrage lehnte er ab und ließ durchblicken, daß Frankreich auf der Abrüstungskonferenz neue Vorschläge machen wird.
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In Berliner politischen Kreisen hat das neue „Niemals" Lavals Aufsehen erregt. Den Rückzug auf den Poung-Plan, den Laval anaetreten hat, werden die Feststellungen des Baseler Gutachtens entgegenhalten denen gegenüber Laval sich als engstirnig und verständigungsabgeneiat gezeigt hat.
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Laval wird demnächst zu einer persönlichen Unterredung mit Ministerpräsident Macdonald nach London reisen.
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Die englische Regierung setzt ihre Versuche fort, eine Kompromißlösung in der Tributfrage zu finden und hä l t vorläufig an dem Gedanken e t - ner einjährigen Verlängerung des Moratoriums fest.
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Driänd hat sich am Freitag von den Beamten des Außenministeriums verabschiedet und damit endgültig Laval die Geschäfte übergeben.
Die Pariser Presse äußert sich.
wtb. Paris, 23. Jan. (Eig. Meld.) Die Ausführungen Lavals werden von der Presse m i t Ausnahme der sozialistischen Blätter gebilligt, wenn auch die radialen Blätter sich zurückhaltend äußern. „Petit Parisien" hebt hervor, daß Lavals Rede die Form einer bündigen Erklärung angenommen habe, die der Chef der französischen Regierung an die ehemaligen Feinde Frankreichs, an fcine Alliierten und an die öffentliche Meinung der ganzen Welt gerichtet habe. Das nationalistische „Echo de Paris" hebt die Klarheit der Laval'schen Thesen in der Repara- tions- und Abrüstungsfrage hervor, während „Journal" bedauert, daß der eindringliche Appell Lavals an die M i n d e r h e i t (Linke) der Kam- iner keinen Widerhall gefunden habe. Im sozialistischen „Populaire" schreibt der Abg. Frossard, die Regierung sei nicht in Gefahr gewesen. Die Rede Lavals rechtfertige alle Besorgnisse der S o z i a l i st e n. Laval sei der Gefangene seiner Mehrheit. Er werde die Isolierung Frankreichs in der Welt vollenden. Laval habe au f d i e Politik seines Vorgänger s Briand die letzte Hand Erd"e geworfen wie bei einem Begräbnis. Die Ereignisse der letzten Wochen hätten ihn nicht aufgeklärt. Er habe sich nicht über den Ernst der Lage in Europa Rechenschaft abgelegt und habe nicht begreifen wollen, daß die kranke Welt von Frankreich die Initiative zur Heilung erwarte.
„Peuple" erkennt an, daß Laval seiner Regierung eine Ovation auf der Rechten und in der Mitte eingebracht habe; aber sein Appell an die nationale Einigung sei auf das Stillschweigen der Radikalen gestoßen. — Nach Ansicht des „Ami du Peuple" habe Laval die Türen zur Verhandlung offen gelassen, allerdings n i ch t m i t D e u t s ch l a n d, das sich auf die Hitler-Bewegung versteife und den Weltfrieden bedrohe, auch nicht mit den Amerikanern, sondern mit England und, wie anzunehmen sei, mit Italien.
Diplomatische Quertreffer.
In der Reparationsftage sind eine Reihe Momente neu zu verzeichnen, die das Zusammentreten der Lausanner Konferenz, wie auch die ganzen Verhandlungen über die Reparationen ungemein erschweren. Was nach dem Vorgehen Frankreichs sowohl durch die offiziöse Havasmeldung, als auch durch die Kammererklärung Lavals schon sicher erschien, hat sich inzwischen bestätigt: Lausanne ist zunächst einmal auf unbestimmte Zeit vertagt. Dazu kommt die neue Erklärung des Kanzlers mit der Ablehnung jeglicher Zwischenlösung, die amerikanische Absage an Frankreich wegen der Schuldenstreichung und neuerdings auch als wichtiger Faktor die Ablehnung einer Verlängerung des Hooverjahres durch Amerika.
Die ablehnende Antwort des Kanzlers auf den englischen Vorschlag einer Verlängerung des Koo- vermoratoriums um ein Jahr, d. h. bis zum 30. Juni 1933, kann als erfreuliches Zeichen dafür gel- ten> daß die Reichsrcgierung nicht daran denkt, wie unsere äußeren Gegner das noch immer hoffen, und
worauf die inneren Gegner des Kabinetts Brüning, die Harzburger Front, mit Spannung wartet, von ihrem Standpunkt der Verneinung einer Zwischenlösung irgendwie a b z u l e i t e n. Der englischen Regierung muß diese ablehnende Haltung sehr unangenehm sein, weil dadurch eine Vermittlungsaktion gescheitert ist über eine im wesentlichen französischen These. Deutschland kann aber unmöglich einer Verlängerung des Moratoriums bis zu der im Poungplan vorgesehenen zeitlichen Grenze von 2 Jahren zustimmen, das hieße ja neue Schulden auf sich nehmen und neuen Verpflichtungen ihre Zustimmung zu geben. Bekanntlich sind die ungeschützten Reparationen auch während des Moratoriums zu zahlen und der Plan Frankreichs, den England dem Kanzler unterbreitete, ging dahin, diese Summen der Deutschen Reichsbahn und der deutschen Wirtschaft zu- rückzrlleihen, jedenfalls Deutschland erneut vertraglich auf eine weitere Zahlung festzulegen. Die Ablehnung muß aber England umso peinlicher überraschen, als dadurch die ganze Konferenz in Lausanne sehr fraglich geworden ist. Und England hat doch alles daran gesetzt, den Termin, nämlich den 25. Januar, in Uebereinstimmung mit Frankreich festzusetzen, allerdings wieder unter einem Nachgeben gegenüber Frankreichs Wünschen plötzlich Lausanne als Tagungsort zu wählen und nicht Haag, wie es dis übrigen an der Reparationsfrage interessierten Nationen am liebsten gesehen hätten. Das ganze Vorgehen Frankreichs ist zugleich eine starke Brüskierung der englischen Diplomatie und der englischen Politik. Hat doch Laval es bisher unterlassen, sich über den Konferenzbeginn endgültig zu äußern. Dagegen hat er sich seinerseits in der Erklärung vor der Kammer durch nochmalige Verbindung der Reparationsfrage mit der Schuldenfrage so festgelegt, daß noch nicht zu übersehen ist, wie die Diplomatie dieses Dilemma lölen kann. Erschwerend wirkt dabei die Absage Washingtons an Laval, die als schwere, diplomatische Schlappe der französischen starren Haltung gewertet werden muß. Wir haben absolut keinen Grund zu reiner Freude über diesen französischen Mißerfolg. Er bringt die Regierung Laval unmittelbar vor den Wahlen in eine höchst peinliche "Zwangslage, die nur wiederum tiefere Schatten auf die Lausanner Konferenz und eine möglichst baldige Lösung der Reparationsfrage zurückwerfen wird. Dazu kommen noch eine gewisse Angststimmung in der französischen Oefsentlichkeit über eine angebliche Aeußerung des Senators Reed, daß Amerika sich bei der Eintreibung der Kriegsschulden unter Umständen an die französischen Golddepots in New Jork halten könnte. Diese Angststimmung kann auch nicht durch ein energisches Dementi gebannt werden, und so ist es leicht möglich, daß es in der französischen Kammer noch schwere Auseinandersetzungen gibt, die der Regierung größte Verlegenheiten bereiten könnten.
Das hat sich aber Laval letzten Endes selbst zuzuschreiben. Als er seinerzeit aus Amerika zurückkam, hat er so große Worte gesprochen von der verantwortungsvollen Aufgabe Frankreichs und der französischen Regierung in Europa Das Vorgehen Lavals zeigt aber, daß Frankreich sich dieser seiner hohen Aufgabe nicht mehr bewußt zu fein scheint. Im Gegenteil, statt der Weltstimme zu folgen, die das „Fort mit den Reparationen" immer deutlicher verkündet, hat sich die französische Regierung und jetzt mit ihr die Kammer erneut a u s den Poungplan fest gelegt, der schon im letzten Bericht des Baseler Sonderausschusses geradeaus als überholt erklärt worden ist. Leider ist es Frankreich dazu noch gelungen, England auf feine Seite zu ziehen. Denn die'englische Regierung hatte sich bisher immer in der wahren Erkenntnis der drohenden Weltwirtschaftslage gegen jede Zwischenlösung und für eine Endlösüng in Lausanne ausgesprochen. Wenn sie jetzt plötzlich Frankreich nachgegeben hat und wiederum neue Versuche macht, mit einem Kompromißvorschlag Lausanne zu retten, so liegt auch für sie Gefahr im Verzüge, durch ein drittes abermaliges „Nein" des deutschen Kanzlers sich einen neuen diplomatischen Mißerfolg zuzuziehen. Man fragt sich immer wieder, was England veranlaßt, so den Wünschen Frankreichs nachzugeben. Die einzige Regierung, die Deutschland unvermindert Recht gibt, ist die italienische, die auch jetzt wieder alles daran setzt, Deutschland den Rücken zu stärken durch den Appell, sich nicht durch die französische Starr- halsigkeit einschüchtern zu lassen.
Nach allen Voraussagungen, die man heute machen kann, wird Lausanne, sofern hier überhaupt eine Konferenz stattfindet, keine Lösung bringen können. Die nächsten Monate werden mit diplomatischen Auseinandersetzungen zwischen den interalliierten Schuldnern und Gläubigern ausgefüllt sein, und es wird schwere Kämpfe geben in der Reparationsfrage, der Abrüstungsfrage und der Schuldenfrage. Die einzige Rettung, auf die Deutschland noch hoffen kann, ist die Einsicht in Frankreich, die vielleicht durch die neue Isolierung Frankreichs gefördert wird.
Amerika und Paris.
wtb. Washington, 23. Jan. (Eig. Meld.) Präsident Hoover hielt gestern die in jeder Woche zweimal stattsindende Pressekonferenz nicht ab. Ebenso wurde die vom Unterstaatssekretär Castle angesetzte Rede vor hem New Porter Republikanischen Club über Finanzfragen abgesagt. Man hält die Lagein Paris für so gespannt, daß man sie nicht durch offizielleamer i- konische Aeußerungen noch verschär- f e n möchte, um so weniger als Amerikas Standpunkt zur Schuldenfrage hinreichend bekannt ist.
Die Antwort der Reichsregiemng an Wer.
rotb. Berlin, 23 Jan. (Eig. Meld.) Die Reichsregierung veröffentlicht die Antwort der Reichsregierung an Hitler. In der Antwort heißt es unter anderem:
Sie begründen Ihre Haltung mit verfaf- fungs rechtlichen und mit politischen Bedenken. Ihre verfassungsrechtlichen Bedenken sind unbegründet. Sie gehen von nicht zutreffenden Voraussetzungen aus. Es hat sich niemals, wie Sie meinen, um ein „Aufheben" der die Wahl des Reichspräsidenten betreffenden Bestimmungen der Weimarer Verfassung gehandelt. Meine Absicht geht vielmehr von vornherein dahin, die Amtsdauer der geschichtlichen Gestalt des jetzigen Herrn Reichspräsidenten aus Gründen des Gesamt- wohles des deutschen Volkes im Wege der Gesetzgebung zu verlängern. Die Frage, ob eine derartige Verlängerung verfassungsrechtlichen Bedenken unterliegt, ist selbstverständlich von der Reichsregierung geprüft worden. Nach dem Ergebnis dieser Prüfung ist die Verlängerung der Amtsdauer durch ein verfassungs- änderndes Gesetz zulässig. Das ergibt sich aus Artikel 76 der Reichsverfassung, der ausdrücklich bestimmt, daß und in welchen Formen die gesetzgebenden Körperschaften die Verfassung ändern können. Um ein solches verfassungsänderndes Gesetz handelt es sich und nicht, wie Sie in Verkennung der Rechtslage anzunehmen scheinen, um eine „Wahl" des Reichspräsidenten durch den Reichstag, durch die der Reichspräsident „den wechselnden Zufällen parlamentarischen Majoritäten ausgeliesert werden würde".
Die grundsätzliche Bestimmung des Artikels 41, Alst. 1 der Reichsverfassung, wonach der Reichspräsident vom ganzen deutschen Volke gewählt wird, würde also durch ein Gesetz, wie es die Reichsregierung im Auge hatte, in keiner Weise berührt, geschweige denn aufgehoben werden. Es geht auch deshalb fehl, wenn Sie meinen, daß man einer bloßen Verlängerung der Amtsdauer im Wege der Gesetzgebung folgerichtig auch ein Recht des Reichstages, den Reichspräsidenten abzusetzen, anerkennen Müßte. ’ ■' '
Schließlich darf nicht übersehen werden, daß zum Zustandekommen eines Reichsgesetzes die Beschlußfassung des Reichstages allein nicht genügt, und daß bei einem verfassungsändernden Gesetz, wie es hier in Frage gestanden hätte, nicht nur dem Reichspräsidenten, sondern auch dem Reichsrat das Recht zugestanden haben würde, das vorn Reichstag beschlossene Gesetz zum Volksentscheid zu stellen.
Ihre politischen Argumente muß ich als unsachlich zurückweisen. Während meine Anregung in der Präsidentschaftsfrage ausschließlich von nationalen, überparteilichen Gesichtspunkten diktiert war, halten Sie mir eine ausschließlich von Ihrem parteipolitischen nationalsozialistischen Gesichtspunkt gesehene, in allgemeinen Wendungen sich ergehende Darstellung der deutschen Nachkriegsentwicklung entgegen. Diese Darstellung geht an den wichtigsten Vorgängen dieser Zeit vorbei. Ich bedauere dieses Nachspiel unserer einer großen nationalen Aufgabe gewidmeten Aussprache, muß aber zur Steuer der Wahrheit Ihren Theorien durch den Hinweis auf die Tatsachen entaegentre- ten.
Sie behaupten, meine Anregung in der Präsidentschaftsfrage habe letzten Endes die Erhaltung des „heutigen Systems" bezweckt. Dieses „System" habe in 13 jähriger planmäßiger Zerstörungsarbeit Deutschland zum Ruin geführt. Rur die Ueberwindung dieses Systems verspreche innere Gesundung unb außenpolitische Erfolge. Deshalb müßten Sie sich meiner Anregung versagen.
Ich muß e's ablehnen, mit Ihnen in eine Diskussion über Schlagwortbegriffe einzutreten. Wer den Ernst einer schweren Aufgabe völlig erkennt, wird niemals die Flucht zu einem Schlagwort nehmen. Vom vaterländischen Standpunkt aus muß ich es ausfällig finden, daß Sie.
die Hauptursache der deutschen Not
auf parteipolitische Verhältnisse zurückführen. Nach fast allgemeiner Auffassung ist ein außenpolitischer Tatbestand,
der Berfailler Dertrag
mit seiner politischen und wirtschaftlich-finanziellen Ungerechtigkeit und Unvernunft der entscheidende
Grund unserer deutschen und zum großen Teil auch der Welt-Nöte. Die Bestimmung und die Handhabung dieses Vertrages in den ersten 5 Jahren seiner Geltung haben alle deutschen Wiederausbauversuche immer wieder zerstört, die deutsche Währung erschüttert und schließlich die Einheit des Reiches selbst bedroht.
Wenn das Reich gerettet wurde, so ist das nur geschehen durch das Zusammenstehen aller Bolks» genossen ohne Unterschied der Parteien.
Sie gehen an diesem wesentlich durch außenpolitische Verhältnisse geschaffenen Sachverhalt ebenso vorbei, wie Sie die heutige deutsche Wirtschaftsnot vom Standpunkt Ihrer Parteiideologie aus kurzer Hand dem von Ihnen bekämpften „S y st e m" zur Last legen. Auch' hier verschließen Sie sich den Tatsachen. Eine ungeheure Wirtschaftskrise hat, wenn auch in verschiedenem Ausmaße, die meisten Länder der Erde erfaßt. Sachkundige Männer aller Länder haben sich über die Ursachen dieser Krise geäußert und führen sie auf gewaltige Strukturwandlungen zurück, die die Weltwirtschaft durch den Krieg selbst unb seine Folge- erfcheinungen erfahren hat. Die industriell fortgeschrittensten Länder trifft diese Krise am schärfsten durch die Geißel der Arbeitslosigkeit. Daß unter diesen Ländern Deutschland am härtesten ersaßt wurde, ist die Folge davon, daß der deutsche Wirtschaftskörper durch die Blutentziehungen des Versailler Vertrages in seiner eben gekennzeichneten langjährigen Handhabung sowie durch die Repa- rationsleistungen in seiner Widerstandskraft besonders geschwächt ist.
Ich muß Sie deshalb davor warnen, diese Dinge ausschließlich von Ihrem parteipositischen Gesichtspunkte aus darzustellen. Auch eine Reichsregierung, die eine Ihrer Auffassung entsprechende Zusammensetzung hätte, stünde vor den genannten wirtschaftlichen 'Tatsachen und müßte auf dem Wege weiterschreiten, der der von mir geleiteten Regierung durch eben diese Tatsachen aufgenötigt worden ist. Wenn Sie im übrigen meine Anregung in der Präsidentschaftsfrage als ein Produkt der Angst vor der politischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bezeichnen, so können Sie damit meine Mitarbeiter und mich nicht treffen. Durch das Vertrauen des Herrn Reichspräsidenten auf unseren Posten gestellt, tun wir nach besten Kräften unsere Pflicht. Wir kennen nur das einzige: Rettung des Vaterlandes aus seiner grw'ßen Not.
lieber unsere Erfolge steht jedem das Urteil frei. Unser gutes Gewissen lassen wir uns von niemand bestreiten. Es gibt uns die Kraft, ohne Furcht den Weg zu gehen, den es uns vorschreibt.
Wir scheuen daher auch das Urteil des deutschen Volkes über unsere Maßnahmen nicht. ,
Wenn Sie die von Ihnen gewünschte Beseitigung des „herrschenden Systems" als einen außenpolitischen Gewinn Deutschlands bewerten zu sollen glauben, so muß ich Ihnen die Verantwortung für diesen Angriff auf eine Regierung, die alle Kraft an die Besserung der Lage des deutschen Volkes in den kommenden Verhandlungen zu letzen entschlossen ist, überlassen. Es muß Ihnen bekannt fein, wie die ganze Arbeit dieser Regierung v on dem Primat der Außenpolitik beherrscht wird. Ebenso aber werden Sie nicht leugnen wollen, daß der außenpolitische Erfolg der Parteien durch die Entschlafsenheit bedingt ist, mit der die Nation hinter ihren Unterhändlern steht. Ich kann nur bedauern, daß Sie selbst in dieser kritischen Lage nicht die Folgerung aus dieser Wahrheit ziehen, die sich von selbst ergibt.
Wenn Sie zum Schluß meine Fühlungnahme mit Ihnen als dem Führer einer, wie Sie sagen, Jahre lang verfehmten Partei vom Gesichtspunkt der Moral aus beanstanden, so kann ich Ihnen nur erwidern, daß es nicht das erste Mal war, daß ich mit Ihnen politische Probleme besprach, und daß es andererseits sich für mich von selbst verstand, daß ich mich in einer die ganze Nation tief bewegenden Frage, auch mit dem Führer der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei unmittelbar in Verbindung setze.
Mit vorzüglicher Hochachtung
gez. Dr. Brüning.
* Das preußische Zentrum lehnt jede neue Steuer ab. Im Preußischen Landtag gab Abgeordneter Baumhosf im Rahmen der Aussprache über die Bamhosf im Rahmen der Aussprache über die Notverordnungen und die dazu vorliegenden Anträge die Erklärung ab, daß das Zentrum auf das bestimmteste jede neue Steuer ablehne.
Harzburger Front.
Die nationalsozialistische Führung in Magdeburg hat ein Rundschreiben herausgegeben, worin es heißt:
„Magdeburg, 29. Dezember 1931.
An alle Parteigenossen!
Die Frage der Doppelmitgliedschast zu Stahlhelm und N. S. D. A. P. ist jetzt durch unseren Führer dahin geklärt worden, daß in Zukunft die Zugehörigkeit zur N.S.D.A.P. d i e Mitgliedschaft beim Stahlhelm ausschließt. Es ist einem Mitglied beider Organisationen nicht möglich, gleichzeitig den Be- ehlen der Führer beider Organisationen zu folgen. Es entsteht der Gewissensstreit, den der Führer der N.S.D.A.P. seinen Mitgliedern ersparen will. Sämtliche Parteigenossen, die bisher
noch Mitglied des Stahlhelm waren, geben bis zum 20. Januar 1932 die schriftliche Erklärung ab, daß sie die Mitgliedschaft g e • löst haben. Wer das nicht tut, handelt den Anordnungen des Führers zuwider und schließt sich von selbst aus der Partei aus.
Ferner müssen,soweit noch nicht geschehen, alle diejenigen, welche einer Loge angehört haben, bis zum 20. Januar 1932 bei ihrer Sektion einen Revers unterschreiben, nach welchem sie sich an den der Loge geleisteten Eid nicht mehr gebundenfühlen. ff
Dann ist noch daraus hinzuweisen, daß die Anrechte an die Sterbefaffe des Deutschen Ringes, soweit solche bei Stahlhelmmitgliedern bestehen, ohne weiteres beim Uebertritt in bie N.S.D.A.P. mit übernommen wer»