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Beilage zur Fuldaer Zeitung

NILS

24. Januar

WK k x> '

Sonntag Septnagesima.

Eingangslied: Pf. 17, 5, 6 und 7.

Mich umringten Seufzer des Todes; Dualen der Holle umringten mich. In meiner Not rief ich zum Herrn, und er hörte auf mein Rufen von fei­nem heiligen Tempel aus. (Pf. ebb. 23.) Ich liebe dich, Herr, meine Kraft. Der Herr ist mein Fels, mein Hsrt, mein Heil.

Epistel: 1 Kor. 9, 2427 und 10, 15.

Brüder! Wißt ihr nicht, daß in der Rennbahn Zwar alle laufen, aber nur einer den Preis er­langt? Laufet so, daß ihr ihn erlanget. Jeder, der sich am Wettkampf beteiligt, übt in allem Enthalt­samkeit, und das, um einen vergänglichen Kranz zu empfangen, wir aber einen unvergänglichen. Ich laufe nun, aber nicht blindlings; ich kämpfe, aber nicht wie einer, der Lufthiebe ausführt, son­dern ich züchtige meinen Leib und bringe ihn in Dienstbarkeit, damit ich nicht selbst verworfen werde, nachdem ich andern gepredigt habe. Ich will euch nicht in Unkenntnis darüber lassen, Brü­der, daß unsre Väter alle im Schutze der Wolke waren, und alle durch das Meer getauft wurden, und daß alle dieselbe geistige Speise aßen und denselben geistigen Trank schlürften (sie tranken nämlich aus dem geistigen Felsen, der ihnen folgte, der Fels aber war Christus); und doch hatte Gott an den meisten von ihnen kein Wohl­gefallen.

Evangelium: Makih. 20, 116.

Gleichnis vom Weinberge des Herrn.

Märtyrer in unserer Zeit.

Bei Küsel u. Pustet, München, erschien ein Büchlein:Mexikanische Märtyrer" (kart. 2.50 Mark). Es wäre eine fatale Einstellung zu jenen Taten, nicht mehr davon sprechen zu wollen, weil sie schon geschehen sind. Wenn sich auch die politischen Umstände inzwischen geändert haben, die christliche Größe der Märtyrer von Mexiko wird immer gleich bleiben. Im Folgenden brin­gen wir einen kurzen Abschnitt daraus zum Ab­druck:

Pater Elia Nieves war das erste Blutopfer, das die Augustinerkongregation in Mexiko Christus dem König darbrachte. Er war 1888 in der Pfar­rei Iuriria geboren und hatte dort im Augustiner- tollegg feine Ausbildung empfangen. 1916 wurde er Priester und gab sich in der Stadt Canada de Cafachas reichen priesterlichem Wirken hin. Er war voll Liebe, Güte, Aufopferungsfähigkeit und verstand es, allen alles zu werden. Die religiöse Verfolgung hinderte ihn nicht in feinem Wirken. Der Stadtpräsident seines Ortes versuchte vergeb­lich, ihn für die Sache der Regierung zu gewin­nen. Ebensowenig folgte er dem Befehl der Re­gierung Calles' vom Februar 1927, der alle Prie­ster zwingen wollte, sofort in die Stadt Mexiko zu kommen. Der Pater blieb in Canada de Casa- chas und hielt sich zwar verborgen, fuhr aber fort, sein Priesteramt auszuüben und seine Gläubigen durch sein Wort und mehr noch durch sein Vorbild zu stärken.

Am 8. März 1928 kamen ballistische Soldaten nach Canada de Casachas. Sie suchten sogleich nach dem Pfarrer. Die Kirche war geschlossen. Die Soldaten schlugen mit den Gewehrkolben gegen das Hauptportal, um es zu zertrümmern. Die Kunde verbreitete sich schnell in der Stadt, und eine großen Menschenmenge lief vor der Kirche Mammen und versuchte, die Soldaten an ihrem Zerstörungswerk zu hindern.

Inzwischen war der Pfarrer eilends in ein be­nachbartes Dorf geflohen. Aber die Soldaten er­fuhren davon und folgten nach. Sie ergriffen dort eine Frau und bedrohten sie mit dem Tode, wenn sie den Zufluchtsort des Patres nicht angäbe. Sie verriet ihn Die Soldaten drangen in das Haus ein, nahmen den Pater fest und schleppten ihy zu­rück nach Canada de Casachas. Es wurde Abend, und sie brachten ihn in das Haus eines Ka­tholiken, wo er unter Bewachung die Nacht zu­brachte. Am anderen Morgen bot fein Gastfreund 10 000 Pesos für feine Befreiung, aber vergebens. Der Befehl der Erschießung war schon gekommen und mußte noch am gleichen Tage ausgeführt wer­den.

Zwei Bauern aus dem Dorfe, wo der Pater gefangen genommen wurde, hatten den Soldaten Widerstand geleistet und waren mit gefangen ge­nommen worden. Nun wollte ihnen der Haupt­mann die Freiheit wiedergeben. Aber sie wollten ihrem guten Pater in den Tod folgen. Auch die

MhoWsnms und moderne Kultur.

Eine bedeutsame englische Buchreihe.

Von Charlotte D em m i g.

Auch in England ist eine Bewegung im Gange, deren Ziel die Verbreitung und Förderung katholischen Schrift­tums ist. In vorbildlicher Weise arbeitet hier der ka­tholische Verlag Shed u. Ward, London. Mit seinem Book-a-Month"-System hat er eine Art katholischer Buchgemeinde geschaffen. Dieses Unternehmen, bas sich bestens bewährt, wird gelegentlich noch erweitert durch die Herausgabe bester und gangbarster Werke der ka­tholischen Gegenwartsliteratur zu volkstümlichen Prei­sen.

Neuerdings hat der Verlag in Gemeinschaft mit Christopher Dawson, dem hervorragenden, auch in Deutschland bekannten Vertreter moderner Apologetik, eine Sammlung Essays in volkstümlicher Ausgabe (Preis 2 f. 6 d.) ins Leben gerufen. Es soll hiermit der Ver­such gemacht werden, alle irgendwie beachtenswerten Probleme und Gebiete der modernen Kulturwelt (Kunst, Wissenschaft, Politik, Philosophie, Wirtschaft usw.) in ihren Beziehungen zum Katholizismus zu untersuchen und die Möglichkeit einer Zusammenarbeit Zwischen ihnen in Betracht zu ziehen. Drei Bände liegen bisher vor, von einem Franzosen, einem Deutschen und einem Englän­der: 1. Religion and Culture von Jacques Ma- ritain, seit langem in Deutschland bekannt als der Ver­treter des Neo-Thomismus und einer der Haupt­

Vorstellungen des Patres und der Gedanke an ihre Familien vermochten nicht, sie zurückzühallen.

Um 9 Uhr morgens sollte das Opfer vollzogen werden. Die drei Männer wurden in ein Dorf in der Nähe von Canada de Casachas gebracht. Dort hörte der Priester der Sauern Beichte, und von der Gnade ergriffen, riefen die beiden den Sol­daten zu:Wir find bereit!" In einem Augen­blick war alles vollbracht. Die Körper der beiden Bauern fielen blutüberströmt zu Boden. Der Pa­ter war bei dem Opfer zugegen und sagte ihnen, sie sollten nicht zweifeln, daß sie Christus dem Kö­nig ihr Leben Hingaben, der ewige Kronen für sie bereitet habe.

Die Reihe kam an den Pater. Der Hauptmann mühte sich, ihn durch Drohungen zu schrecken und aus seiner Ruhe zu bringen, aber es gelang ihm nicht. Der Pater bat nur um ein wenig Zeit, um sich auf das große Opfer vorzubereiten. Er kniete auf der nackten Erde nieder und betete lange und voll Glut. Als er aufftanb, leuchtete fein Antlitz wie das eines Engels. Er sprach voll Freude: ,Hch bin bereit." Der Hauptmann befahl den Sol­daten, die Gewehre anzulegen. Da wandte der Pater sich noch einmal ihnen zu und sagte:Kniet nieder, damit ich euch den heiligen ©egen des Prie­sters und mit ihm meine Verzeihung gebe!" Und

die Soldaten, überwunden von so viel Güte und Hoheit, fielen auf die Knie und bezeichneten sich mit dem Zeichen des hl. Kreuzes und empfingen den Segen des Märtyrers. Nur der Hauptmann stand daneben, lachend, voll Verachtung. Der Pa­ter sah mit Schmerz die Herzenshärte und sagte: Auch für Sie ist mein Segen und meine Verzei­hung." Aber der Hauptmann antwortete:Ich brauche keinen Segen von einem Priester. Mir ist mein Gewehr genug." Und im gleichen Augenblick gab er zwei Schüsse auf den Pater ab, der in sei­nem Blut gebadet zur Erde fiel. Den Blick hielt er immer noch zum Himmel erhoben. Noch einmal schoß der Hauptmann und traf ihn in den Kopf. Das Opfer war vollbracht.

Die Kunde von dem Martyrium verbreitete sich schnell in der ganzen Pfarrei. Viele Katholiken tarnen hinaus, um die Leiber der drei Märtyrer heimzuholen und sie im Triumphzug nach Canada de Casachas zu bringen. Und die Scharen der Gläubigen zogen den ganzen Tag vorüber, um sie noch einmal zu sehen und ihnen Hände und Füße zu küssen. Am andern Morgen begrub man die beiden Bauern, der Pater blieb noch bis zum Abend zur Verehrung ausgestellt. Als man ihn am anderen Tage begraben wollte, war der Leib noch biegsam. Das Antlitz leuchtete in einem über­irdischen Glück.

Worauf warten wir noch?

Man stellt wohl unsere heutige Lage tn Ver­gleich mit den Notzeitläufen früherer Jahrhun­derte, wo Hunger, Pest, Krieg und un­menschliche Wildheit viel grausamer roüteten als heute, die aus der Arbeitslosig­keit entspringende leibliche Not und seelische Oual. Dieser Hinweis auf frühere Zeiten soll einen Trost enthalten. Er dürfte meist wenig Eindruck machen. Wenn man aber einmal Vergleiche zieht, dann soll­ten sie sich über größere Zeiträume erstrecken, und man sollte nicht vergessen, daß jene Notzeiten im­mer auch Retter aufgeweckt haben, die Mittel der Abwehr fanden. Langsam und schrittweise, aber mit Erfolg. Denn heute haben Pest und Hunger ihre Schrecken verloren. Die Quellen des Hebels wurden verstopft.

Gegen die Rot der Arbeitslosigkeit, das Ge­spenst. das sich immer grauenhafter aufreckt durch Deutschland, durch Europa, durch die Welt, dagegen ist ein Retter noch nicht er­standen.

Heilung des Hebels wird sich auch nur dann fin­den lassen, wenn seine Quellen gesunden werden.

Denn diese Not hat ihren Grund nicht in dem, was Gedeih und Verderb des Leibes angeht, die Menschen haben dafür die Wissenschaft der Na­tionalökonomie, sondern ihre Wurzeln rei­chen bis in die Seele hinab. Für dieses Gebiet gibt es noch feinen Lehrstuhl. Fragt den Praktiker der Wissenschaft um Rat, was geschehen soll, um uns aus der Wirrnis hinauszuführen. Er hält euch einen Vortrag darüber, wer und was alles schuld daran ist, weshalb die Dinge mit Not­wendigkeit so haben kommen müssen. Die Schuld haben nach ihm natürlich nur die anderen. Heber das, was kommen wird, weiß der Sachverständige wenig. Des gelehrten Hniversitätsprofessors Aus­kunft ist ähnlich, nur scheint er nicht so ratlos für die Zukunft zu sein. Denn im Dienste der Welt­anschauungsgruppen, am grünen Tisch und hinter den Büchern lassen sich Theoreme noch immer spin­nen. Aber das alles sind nur Träume, annehm­bar für den, dem sie passen. Alle sind im Grunde genommen nicht viel klüger als die Zigeunerin, die einen kranken Fingerbespricht". Was liegt der an den Krankheitsursachen?

Aber es kann doch nicht so bleiben, wie es heute ist und wie es in der Zukunft immer grauenvoller vor uns steht. So sprechen wir zu einander, so sagen wir zu uns selbst. Die Aerzte stehen alle am Krankenlager des Volkes, legen klug den Fin­ger an die Nase.Hnd es sagt ihr Angesicht: Wie es kommt, das weiß ich nicht." Wir hören es jetzt schon jahrelang: Die Höhe der Krisis ist er­reicht. Aber es wird nur immer Wimmer. Dar­um frage ich: Worauf warten wir noch? Wann und von wo soll denn eigentlich der Retter kom­men? Warum helfen wir uns denn nicht selbst?

Entweder sind Europa und die abendländische Kultur verloren und der Bolschewismus siegt oder- es ist ein Erneuerungsprozeß auf Grund des noch vorhandenen gesunden Le-

träger der katholischen Wiedergeburt im zeitgenössischen geistigen Frankreich; 2. Crisis in the West von Peter Wust, Professor für Philosophie an der Universität Münster i. W. und 3. Christianity and the New A g e von Christopher Dawson.

Alle drei nähern sich auf verschiedenen Wegen den Hauptbeziehungspunkten zwischen Katholizismus und einigen konkreten Kulturproblemen, die dann in späte­ren Essays eingehender behandelt werden sollen.

wag ist die wahre Kultur?"

Diese Grundfrage stellt Jacques Maritain. Zwar ist die Religion, so erklärt er, die wesentliche Lebens­quelle, ein unentbehrliches Lebenselement jeder wahren Kultur; doch nur unter Todesgefahr könne sie, wie die Religionen des Altertums beweisen, mit der Kultur identifiziert werden. Sie ist erhaben über jene, unab­hängig von ihr, absolut universal. Der Ehrgeiz einer Kultur sollte sich daraf beschränken, der Religion Mög­lichkeiten und Mittel zu bitten, sich zu entfalten und auszuwirken. Er fragt darum weiter, ob notwendig ein Konflikt besteht zwischen dem modernen Kultur­begriff und dem katholischen. In einer eingehenden Analyse der Beziehungen zwischen beiden wird uns die Unzulänglichkeit unseres Kulturbegriffs, der im wesentlichen ein materialistischer, teils kapitalistischer, teils m arxi st i s ch e r, ist, offen­bar, wie überhaupt die Fragwürdigkeit jedweder zeit­lichen Evolution gegenüber den unveränderlichen ewigen Gesetzen des Geistigen. Die moderne Kultur hat sich von diesem Geisttgen isoliert, um sich immer mehr dem

bensternes möglich. Dann muß cs auch möglich sein, zu helfen, wenn man nur den wirk­lichen Grund der Krankheit ehrlich erkennt und die richtigen Mittel der Heilung anwendet. Sie kön­nen aber nur beim Gegenpol des Bolschewismus

bei Christus

gefunden werden. Aber es ist, als wenn wir einen geistigen Turmbau zu Babel beinahe vollen­det hätten. Es hat in der Welt nie mehr Kran­kenhäuser, Findelhäuser, Irrenanstalten und was weiß ich sonst noch gegeben, als heute. Nie hat man so ungeheure Summen ausgegeben für Woh­nungen, für Straßen, Parks, hygienische Einrich­tungen wie heute. Nie gab es solche Vorsorge ge­gen Invalidität, Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit wie heute. All das läßt sich schwerlich noch viel weiter steigern. Solidarität ist das Zauberwort. Aber Solidarität verhält sich zur Liebe wie bas Wunder der Straßburger Münstenchr gegen den Kreislauf der Welten und Gestirne. Solidarität ist der Turmbau des Wohlfahrtsstaates, der den Menschen den Aufftieg zur seligen Gottgleichheit auf Erden ermöglichen soll. Aber ihre Sprache hat sich verwirrt, sie können einander ganz und gar nicht mehr verstehen.

Und wenn die Wohlsahrtseinrichungen des Staates so weit gesteigert würden, daß schließlich nur noch die Hälfte des Volkes arbeitete und die anderen versorgte, auch bann noch würbe diese menschliche Gesellschaft vernichtet werben, wenn ihr

das Gebot der Liebe

nicht zum Lebenselement geworben ist. Heber kurz oder lang ist sie ein Opfer dessen, was wir heute Bolschewismus nennen.

Da war einer hungrig und ihr habt ihm Brot gereicht; da war einer durstig und ihr habt ihm zu trinken gegeben; da war einer nackt und ihr gabt ihm oon.euren Kleidern. Das war gut und war notwendig. Der moderne Staat hat bann alle dahin gerichteten Bestrebungen auf den gleichen Nenner gebracht, d. h. er h a t organi­siert. Aber das ist doch nur ein Anfang und reicht nicht aus. Wenn d ie Liebe fehlt, wird das Ende der Not nie kommen.

Alle, auch wir Katholiken, stehen immer noch am Anfänge des Weges zu christlicher Brüder­lichkeit.

Hnd wenn auch viele von uns die Liebe hoben, e s fehlt ihnen doch noch der Glaube an die ro e 11 g e ft a 11 e n b e Kraft der Liebe. Es leben zwei Seelen in unserer Brust. Auch wir erhoffen viel zu viel von den kleinen menschlichen Mitteln der Or­si a n i s a t i o n a l s S e l b st z w e ck. Mir scheint, es wäre Zeit, daß wir einmal eine Synthese ver­anstalteten zwischen Erbauungsbüchern und den Lehrbüchern der christlichen Wirtschafts- und So­zialreform.

Worauf warten wir noch? Weshalb versuchen wir es nicht auch einmal mit dem Mittel der die Einheit schaffenden Liebe, das uns wirklich helfen kann? Diese Frage aufwerfen, heißt schon fast

Menschen zuzuwenden, chren Forischrttt einzig in der Wissenschaft der Kreatur zu sehen. Diese anthropozen­trische Weltanschauung muß notwendig zur Verzweiflung, zur Katastrophe, zum Tode führen. Wer Jacques Ma­ritain verzweifelt nicht an der Rettung unserer moder­nen Welt. Er beschließt seine Ausführungen mit eini­gen praktischen Betrachtungen, in denen er die Mis­sion der katholischen Jdte im allgemeinen und des ka­tholischen Individuums im besonderen inmitten einer Welt von Götzendienern darlegt.

Der ernste Mahnruf Peter Wusts ist bei uns hin­länglich bekannt. Auf anderem Wege, nämlich über die Betrachtung der verschiedenen Entwicklungsphasen des Menschen und des verheerenden Fortschritts eines rei­nen Materialismus im traditionellen Bereich des philo­sophischen Idealismus, kommt er zu der gleichen Schluß­folgerung wie der französische Philosoph: Nur eine Ordnung, die eine noch unerschütterte Le­bensphilosophie besitzt, nur eine geistige Organisation, die noch nicht vom Materia­lismus und Naturalismus angekränkelt ist, d. h. die katholische Kirche, vermag die moderne Kultur von der Entgeistigung zu heilen, die bereits zahlreiche ihrer Gebiete ergriffen hat. Die Autorität der Kirche allein kann diese Aufgabe nicht vollbringen; denn es handelt sich im wesentlichen um eine Aufgabe der Intelligenz, um eine Arbeit des geistigen Lebens. Es handelt sich darum, daß der Katholik, vor allem das ist, was er sein sollte, daß er die Dogmen und die Philosophie des Katholizismus jebt.

handgreiflich bas ungläubige Kopfschütteln all der Führer" sich vor Augen stellen. Es ist etwas peinlich zu sagen, daß uns

das Gebet in unserer Rot

helfen wird. Bei denen, die außerhalb der Kirche stehen, ist es verständlich, wenn sie von einerBe­nebelung der Masse" durch das Gebet nichts wis­sen wollen. Denn sie können ja gar nicht verste­hen, was hier gemeint ist. Sie haben eben keine Ahnung vom mystischen Leibe Christi. Aber bei denen, die da glauben, baß wir alle Christus sind, ein Leib, bie sollten doch in den Tagen, wo alle menschliche Weisheit ganz sichtbar versagt, sich zum Gebete vereinigen.

Darum wird hier folgender Vorschlag gemacht; Im vergangenen Jahre tauchte in Köln aus Laien- kreisen der Gedanke der Bußwallfahrt in der Fastenzeit auf. Die Arbeitsgemein­schaft der Männerkongregation nahm sich der Sache an und führte sie zu einem überraschend glücklichen Gelingen. Das Bewußtsein, baß heute nur noch Christus helfen kann, lebt zutiefst in ber Brust bes Volkes, und barum kamen auf einen einfachen Auf. ruf in ber Zeitung über 5000 Männer zu einer Nachtwallfahrt. Das soll in diesem Jahre in grö­ßerem Umfange wiederholt werden. Aber es ge­nügt nicht, wenn es in einer Stabt geschieht, son­dern es muß eine katholische Volksbewe­gung werben.

Wir rufen zur Tat der Liebe durch die Buße, durch öffentliche Buße!

In der Nacht vor dem Passionssonn- tag versammeln sich Männer und Jungmänner auf einem weiten Platze mitten in der Stabt. Stumm kom- men sie, still ordnen sich die Reihen ganz von selbst. Der gemeinsame, gleichgerichtete Wille ist Ordner. Man sieht dort, wo die Spitze sich bildet, ein großes Kreuz: Der Heiland mit ausgebreite­ten Armen, der die Sünden der Menschheit ge­büßt hat. Sonst kein kirchlicher Prunk, kein Zei­chen der Feier. Brüder haben sich versammelt in ihrer Not. Nicht gesondert nach Gruppen und Ständen; der Gelehrte mit dem Arbeiter in der Reihe zu vieren. Das Dunkel der Nacht scheibet nicht ben Arbeitslosen vom Reichen. Alle halten den Rosenkranz. Die rechte Seite betet vor, die linke antwortet.

So geht die Männerwelt jeder Stabt fchwei- gend durch die Straßen, womöglich zu einer Wall­fahrtskirche ober Kapelle. Um 2 Uhr nachts ist eine Sühnemesse, in ber viele, möglichst viele, mel- leickst alle zum Tisch bes Herrn hinzu treten. Die Zahl der Büßer muß mit den Jahren immer grö­ßer werben. Ueberall muß gleichzeitig ein büßen­des Flehen taut werden ohne Ende und ohne Grenzen. Dann wird die Zeit sich wandeln. In uns, wenn auch nur ganz langsam außer uns. Das Paradies auf Erden wirb gewiß nicht kommen. Aber die Christus folgen, werden die Not in sich überwinden, und die Zahl der Sieger wird größer werden, als die Zahl der in Armut Verzweifeln­den.

Noch einmal: Worauf warten wir noch? War­um beten mir nicht in unserer Not?

Jos. Kuckhofs.

Kleinigkeiten.

Erwerbslosenhilfe des kakholischen 3ungmänner- verbandes.

In seinem Führerheim Haus Altenberg führt der Katholische Jungmännerverband in diesem Winter insgesamt 21 Wochenkurse für arbeitslose Jungführer aus seinen Reihen durch, die in diesen Kursen zur Arbeit an jugendlichen Erwerbslosen aus­gebildet werden.

Freiwilliger Arbeitsdienst der Frauenjugend.

In Verbindung mit dem Zentralverband der katholi­schen Jungfrauenvereinigungen veranstaltet Haus Hohen­eck einen Freiwilligen Arbeitsdienst. Er beginnt am 15. Januar und dauert acht Wochen.

Die Arbeitsleistung erstreckt sich vor allem auf Näh­arbeiten, durch die Sachen für Hilfsbedüftige instand ge­setzt werden. Neben einer täglich sechsstündigen Arbeit wird auf eine lebendige tiefgehende und weitgespannte Bildungsarbeit Wert gelegt werden. Mittun können Teil­nehmerinnen, die arbeitslos und Empfänger von Ar­beitslosen- oder Krisenunterstützung sind. Sie bekommen für die Dauer des Arbeitsdienstes freie Unterkunft, Ver­pflegung, Unterricht und ein Taschengeld von 3 Mark wöchentlich.

Anmeldungen gehen sofort nach Haus Hoheneck, Essen- Heidhausen. Auch Anfragen werden von dort beant­wortet.

Christopher Dawson schließlich gibt einen Ueberblick über das religiöse Erlebnis des Menschen in der Ver­gangenheit und geht dann zur modernen Geschichte über, wo ber allmähliche Verfall der humanen Tradition, der Bankrott des Rationalismus und die Aussicht auf die vollständige Mechanisierung unserer Kultur die Notwendigkeit einer Rückkehr zur Re­ligion immer starker hervortreten läßt. Das religiöse Gefühl des modernen Christen aber ist vorläusig noch allzu subjektivistisch. Er anerkennt weder die Notwendig­keit eines absoluten und metaphysischen Fundamentes, noch eine zweite Grundbedinung, nämlich: das religiöse Erlebnis in fruchtbare Beziehung zu bringen zur so­zialen Ordnung. Auch dem englischen Philosophen er­scheint als einzige Möglichkeit einer Rettung unserer Kultur die Rückkehr zu einer geistigen Ordnung, zur geistigen Solidarität. Auch er prüft am Schluß die Aufgaben, die hierbei dem Individuum zufallen.

Das Endziel aller drei Philosophen also ist das Gleiche: Erneuerung des Individuums. Alle drei Bü­cher find dem katholischen Leser zu empfehlen; aber auch für Nicht-Katholiken sind sie ungemein wertvoll. Wie sie in klarer eindringlicher Weise einerseits die Unzu­länglichkeiten und Gefahren moderner Kulturbegriffe, an­dererseits die Wahrheit der katholischen Idee in ihrer ganzen Tiefe offenbar werden lassen, bieten sie nicht nur Anlaß zu tiefen und ernsten Betrachtungen, sondern können auch in der beunruhigenden Wirrnis moderner @eSanten und Probleme in hervorragender Weise als Richtweg dienen.