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Fuld aerZ ertung

Anzeiger für die Stabt Fulda unb denLandkreis Julba. Amtliches Kreisblatt.

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Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilogen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Äctiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Äctiendruckerei 3151 und 3152. ::

Freitag, 22. Januar 1932.

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Zahrg. 59.

Brüning bleibt fest.

Deutschland gegen ein zweites tzoover-Iahr. Mrd Lausanne ausfaNen? Am 25. Januar wird man jedenfalls nicht beginnen.

Aus London liegen Nachrichten vor, wonach die englische Regierung durch ihren Berliner Bot­schafter bei der Reichsregierung hat sondieren las­sen, ob Deutschland mit einer Verlänge­rung des Hoover-Moratoriums durch ein zweites Feierjahr einverftan- d e n sein würde. Das ist, den englischen In­formationen zufolge, von Dr. Brüning ab ge­lehnt worden. Diese Darstellung dürfte den Tatsachen entsprechen.

Es ist richtig daß Sir Horace Rumbold am Dienstag eine längere Unterhaltung mit dem Kanzler gehabt hat. Eine andere Antwort, als Dr. Brüning ihm gegeben hat, konnte er schon deshalb nicht bekommen, weil die Verlängerung des Hoover-Jahres nur eine Maßnahme sein würde, die im Rahmen des Aonng-Planes bleibt und dis Lösung erneut für längere Zeit hinaus- zägert. Außerdem würde ein zweites Hoover- Jahr die Uebernahme weiterer deutscher Verpflich­tungen bedeuten. Die Sachverständigen, die ja schließlich auch von Frankreich mitberufen worden sind, haben aber ausdrücklich festgestellt, daß Deutschland nicht zahlen kann, daß die Initiative zur Beseitigung der gegenwär­tigen Schwierigkeiten über den Doung-Plan hin- aüsgehen müsse, und daß Gefahr im Verzüge ist. Sie haben die Regierungen kategorisch aufgefor­dert, so schnell wie möglich zu handeln. Dieser Bericht der Sachverständigen muß für die wei­tere Entwicklung maßgebend sein, wenn es ge­lingen soll, die Welt über die Krise Hinwegzubrin­gen. Bis zum Ablauf des Hoover-Jahres, also bis zum 1. Juli, sind es noch über fünf Monate. Das ist nach deutscher Auffassung eine ausreichende Zeit, um eine vernünftige Lösung herbeizuführen, die die Verlängerung des Feierjahres überflüssig machen würde.

Leider läßt es Frankreichs Haltung aber im- mer zweifelhafter erscheinen, ob die Konferenz von Lausanne zu dem vorgesehenen Zeitpunkt begin­nen kann. Die Wahl von Lausanne entspricht dem französischen Vorschlag, dem England und schließlich Deutschland zugestimmt haben, obgleich namentlich die Reichsregierung gern einen an­deren Konferenzort gesehen hätte. Frankreich bat ascherdem erreicht, daß der Konferenzbeginn ver­schoben wurde. Die fran.zösische Regierung hat zwar vermieden, zu dem Datum des 25. Januar ihre offizielle Zustimmung zu erklären. Bisher ist im letzten Stadium der Konferenzvorbereitung aber immer nur vom 25. Januar die Rede ge- ivefen, und Frankreich hat schon durch sein Still­schweigen sein Einverständnis kundgegeben. Nun scheint es jedoch, daß wegen des Datums neue Schwierigkeiten aufgetaucht sind! Man spricht schon davon, daß infolge des französischen Sträu- b?ns mit einer erneuten Verschiebung der Kon­ferenz zu rechnen sei. Dieser Eindruck beruht vor­läufig auf ausländischen Stimmen, die die Mög­lichkeit andeuten, daß England nichts anderes übrig bleiben werde, als die Einladung zur Lau- 'anner Konferenz zurückzuziehen. Auch wenn diese Ankündigungen sich bestätigen, kann kein Zweifel darüber sein, daß die Reichsregierung mit aller Entschiedenheit gegen eine erneute Verschiebung der Konferenz ist.

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Ein am Mittwoch abend vom Londoner Auswärtigen Amt ausgegebene Verlautbarung oesagt, daß die Besprechungen zwischen den an

Lausanne hauptsächlich interessierten Mächten noch nicht beendet seien. Es sei jedoch klar, daß die Konferenz nicht am nächsten Montag begin­nen könne, wie man es ursprünglich beabsichtigt habe. Die englische Regierung hoffe, daß es mög­lich sein werde, zu einer zufriedenstellenden Eini­gung hinsichtlich des weiteren Fortganges der Verhalchlungen während der nächsten. Tage zu kommen.

Das Echo der Verschiebung.

wtb. paris, 21. Jan. (Eig. Meld.) Die Tat­sache, daß dk» Konferenz von Lausanne am kom­menden Montag nicht beginnen kann, wird in der französischen Presse noch nicht allgemein kommen­tiert. Das nationalistische Eche de Paris schreibt, Reichskanzler Dr. Brüning bereite sich daraus vor, einen vor 2 Jahren unterzeichneten Vertrag zu zerreißen. England müsse sich entscheiden. Wenn es an seiner Ideologie festhalte, sei alles zu befürchten. Frankreich dürfe es nicht dazu kommen lassen, daß die Zeit gegen es arbeite, und daß der 1. Juli herankomme, ohne daß eine Entscheidung getroffen fei. Frankreich müsse Deutschland zu spüren geben, daß es in vielen Dingen die Hilfe Frankreichs nicht entbehren können Nach An­sicht des Mgtin sei es falsch, zu behaupten, daß die Baseler Sachverständigen festgestellt hätten, Deutsch­land könnte nicht mehr bezahlen; sie hätten nur ge­sagt, Deutschland könne gegenwärtig nicht zahlen. Auch hätten die Sachverständigen nie die Annullierung des Poung-Planes ins Auge gefaßt sondern nur eine Gesamtberichtigung der Regie­rungsschulden, also Reparation- und Kriegsschul­den zusammen. Jetzt drohe Deutschland mit Ini­tiativen, die ernste Rückwirkungen auf das Ausland haben würden, aber Frankreich laste sich keine Er­pressungen gefallen.

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wtb. London, 21. Ian. (Eig. Meld.) Sir Walter Laython betonte in einer Zuschrift an die Daily Mail erneut seine Ueherzeu» gung von der Schädlichkeit der Repa­rationszahlungen. Die endgültige Festsetzung der deutschen Verbindlichkeiten zum frühest-möglichen Zeitpunkt. sei für die Erholung der Welt dringend notwendig..

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wtb. London, 21. Jan. (Eig. Meld.) Nach Ansicht der Times komme im Augenblick eine endgültige Regelung der Repara­tionen n i ch t in Frage. Man sollte jedoch Deutsch­land Gelegenheit geben, zu erklären, was es zu sagen habe und in gemeinsamer Beratung erwä­gen, was man sofort unternehmen könne.

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wtb. Paris, 21. Jan. (Eig. Meld.) Die fran­zösischen Radikalen faßten eine außenpolitische Entschließung, die sich gegen die Uebernahme uner­träglicher Lasten durch Frankreich wendet, anderer­seits aber betonte, daß die Wahrung der Rechte Frankreichs die unerläßliche deutsch­französische Verständigung nicht ver­hindern dürfe.

Die italienische Presse kritisiert scharf die Regierungserklärung Lavals und stellt fest, daß Frankreich völlig isoliert da ft ehe.

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An der Spitze der sowjetrussischen Abordnung für die Abrüstungskonferenz wird Außenkommis­sar Litwinow stehen.

Die Reichsbahn kein Wnd-Sbjell!

wtb. Düsseldorf, 21. Ian. (Eig. Meld.) 33 maß­gebende rheinisch - westfälische Wirtschaftskörper­schaften haben unter Führung des Langnamver- eins an Reichskanzler und Reichsverkehrsrnmister ein? Eingabe gerichtet, die sich gegen Andeutungen des Baseler Sonderausschusses wendet, die die Be­fürchtung aufkommen ließen, daß innerhalb des Sonderausschusses die Ansicht vertreten worden ist, die Reichsbahn könne künftig unter günstige­ren Verhältnissen wiederum an der Auf­bringung der Tributlasten Mitwirken und bedürfe nur vorübergehender Erleich- terungen. Demgegenüber muß, heißt es in der Eingabe, mit aller Eindringlichkeit festgestellt wer­den, daß

1. der im Baseler Bericht gewählle Dergleichs- zeitraum für eine Beurteilung der zukünftigen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Reichsbahn nicht maßgebend fein kann, weil dis Jahre 1926 bis" 1929 anerkanntermaßen im Zeichen einer Kredit inflation und wirtschaftlicher Scheinblüte standen, die auch auf den Ver- kehrsumfang günstige Rückwirkungen haben müßte;

2 der durchschnittliche Betriebsüberschuß nur auf Grund stark übersetzter unerträglicher Tarife er­zielt wurde, denen sich die Wirtschaft nicht entzie­hen konnte weil die Eisenbahnen das bei weitem wichtigste Beförderungsmittel sind. Hätte die Reichsbahn unbeschwert von politischen Auflagen bei ihrer Tarifgestaltung den wirtschaftlichen Not­wendigkeiten Rechnung tragen können, io hätten sich ohne weiteres bedeutend ungünstigere Be­triebszahlen ergeben

Die Eingabe schließt:Sie, sehr geehrter Herr Reichskanzler, haben sich noch vor kurzem erneut zu dem Gedanken bekannt, daß Deutschland nicht in

der Lage sei, in Zukunft Tribute zu zahlen. Das muß selbstverständlich auch für die Tributlasten der Reichsbahn gelten. Auch hierfür darf in den Re­parationsverhandlungen keine Kompromißlösung zugelassen werden, wenn nicht die vor allem not­wendige Wiedergesundung der deutschen Wirtschaft überhaupt in Frage gestellt werden soll".

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Bon französischer Seite wird mitgeteilt, daß Senator Paul Boncour als Vertreter der franzö­sischen Regierung den Vorsitz auf der am 25. Ja­nuar beginnenden Tagung des Völker­bundsrates übernehmen wird.

Vreitscheid spricht in Braunschweig.

In einer stark besuchten Mitgliederversammlung der Sozialdemokratischen Partei sprach der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichs­tagsfraktion D r. B r e i t s ch e i d. Die heutige Stellung der Sozialdemokratie zum demokratisch­republikanischen System formulierte er dahin, daß ohne Ueberwindung des Kapitalismus und ohne Sozialismus keine wirkliche Demokra- t i e möglich sei. lieber die republikanische Eiserne Front erklärte er, daß sie den faschistischen Geg­nern der Republik mit den Waffen entgegentre­ten werde, die diese ihr in die Hand drücken.

Zu außenpolitischen Fragen übergehend führte Dr. Breitscheid ans, die Politik der Siegermächts fei nicht dazu angetan gewesen, die Arbeit der Lin­ken in Deutschland leicht zu machen. Sie sei nicht getragen vom Verständnis für die Lage der Re­publik und der Republikaner. Die Sozialisten billigten den Standpunkt des Kanters Dr. Brü­ning, daß Deutschland zukünftig nichts mehr zahlen könne. Die Reparationen und die Schuldenzahlungen der früheren Ententestaaten

Richtige Wege.

Das Sieghafte im politischen Gegenwartskampf. Von Dr. Jos. Albert, Dresden.

Cs ist im Augenblick mehr als je notwendig, aus dem Wirrsal des politischen Werdens das ein­zig Bestandhabende und Sieghafte zu erkennen. Die zwei Ereignisse, die gegenwärtig die Oeffent- lichkeit beherrschen, der Entschluß des Reichskanz­lers, jede Zahlung der Tribute einzustellen, und der Kampf um das neue, höchste Oberhaupt des Staates, um den Reichspräsidenten, rucken den deutschen Geist, insofern er die Verwirklichung eines wahrhaft lauteren Wollens ist. in eine ganz besondere Sphäre. Das Schicksal hat ihn dazu aus- ersehen, die Welt des Materialismus durch die sittliche Pflicht zu überwinden.

Wenn die Mächte des Weltkrieges in kühler Besonnenheit ihre Blicke zurückrichten bis auf das Jahr 1919, wo die Entscheidungen für Deutsch­land und seine Verbündeten fielen, so werden sie erkennen, daß der materialistische Geist damals in einem Höchstmaße die Menschen verwirrte. Der Streit um die Wiedergutmachung dessen, was der Einzelne in der Auffassung des anderen am Welt­krieg verschuldet haben sollte, wurde von Anfang an auf einer ganz falschen Basis geführt. Man glaubte, daß jemand durch auferlegte materielle Opfer eine wirkliche innere Schuld austilgen könne. Das war der erste Irrtum. Menschliche Opfer können nur Schäden in gewissem Umfang wieder­gutmachen, aber keine Schuld auslöschen, weder die kleine noch die ungeheuerlich große eines Krie­ges mit ihren Greueln, ihren körperlichen und fee- lichen Verwüstungen. Alle Wiedergutmachung hat also nur bedingten Wert und ist darum auch in ihren Ausmaßen bedingt. Das Wesentliche itt die innere Abkehr vom Kriege und seiner Greueln. Und gerade diese Abkehr würde, wenn sie sich in allen am Kriege beteiligten Mächten verwirklicht hätte, nicht für den Einzelnen endlos schwere Ver­pflichtungen erfunden haben. Doch der Rausch des Materialismus verwirrte die Geister. Norm der Beschlüsse war das Materielle. Er erhielt feinen stärksten Ausdruck in der Auferlegung der Tri­bute, die auf der einen Sette außergewöhnliche.

an Amerika hätten dazu beigetragen, die Wirt­schaft itu ruinieren. Die Sozialdemokratie habe Erfüllungspolitik" getrieben, nicht aus Ueberzeu- gung, daß sie berechtigt sei, sondern weil esda- mals keinen anderen Weg in der protti sch en Politik gegeben habe, und weil die Sozialdemokraten an die Vernünftigen ttn Auslande hätten appellieren wollen. Wir war­nen aber, so sagte Dr. Breitscheid, den Parolen der Nationalsozialisten in Deutschland zu folgen und den Noung-Plan , zu zerreißen.. Wenn wir in Deutschland nicht mehr zahlen können, so muß dies Ziel auf dem Wege der Verständigung zu errei­chen versucht werden.

Sie Sozialdemokratie treibt deshalb Tolerie­rungspolitik, weil ohne sie durch das Zur- macht kommen des Faschismus noch schwerere und blutigere Opfer dem Volke auf erlegt würden.

Zur Frage der Reichspräsidentenwahl führte der Redner aus, bie Sozialdemokratie sei zur Zeit noch nicht Wollens, dazu Stellung zu nehmen, son­dern sie lasse den Oppositionsparteien den Vortritt. Die Sozialdemokratie werde einen Kandidaten

wählen, der ihr Gewähr gebe, daß er die Verfas­sung und die Republik am besten vertrete.

Die Ausführungen Breitscheids fanden in der Versammlung reichen Beifall.

Ans dem fernen Osten.

Auflösung der japanischen Kammer.

wtb. Tokio, 21. Jan. (Eig. Meld.) Die Kam­mer ist aufgelöst worden.

Die Auflösung soll der Regierungspar­tei, die gegenwärtig von 466 Kammersihen nur 171 innehat, die Möglichkeit geben, durch Neu­wahlen eine arbeitsfähige Mehrheit in der Stim­mer zu erlangen. Die Neuwahlen dürsten am 20. Februar stattfinden. . , \ ,

japansche Truppensendung nach Schanghai.

wtb. Tokio, 21. Jan. (Eig. Meld.) Mehrere Flugzeuge, ein Kreuzer, 4 Zerstörer und eine Ab­teilung Marine-Schützen sind nach Schanghai kommandiert worden, da sich der dortigen japanischen Kolonie eine wachsende Beu ri r u» higung bemächtigt habe. -

Die Zahlungen an die ehemaligen Resten. Die Sozialdemokraten verlangen die Einstellung der Leistungen aus den Abfindungs-Verträgen und Reuregelung unter Bevüct- sichtigung der heutigen schweren Notlage. Im Zeichen der Notverordnungen, die alle Volksgenossen zu schweren Opfern im Interesse des Vaterlandes zwingen, ist eine Kürzung der Fürsten- Entschädigungen durchaus diskutierbar. Die Rechtsparteien

sind aber sür Vertagung.

B.D.Z. Berlin, 21. Jan. (Eig. Meld.) Der Rechtsausschuß des Reichstages begann am Don­nerstag die Beratung des sozialdemokratischen An- trages über die Revision der Abfindung der Für­sten. Nach dem in Gesetzesform gekleideten An­trag sollen die Länderregierungen er­mächtigt werden, alle Leistungen aus Verträ­gen oder Urteilen an ehemalige Fürsten und Mit­glieder der standesherrlichen Familien mit sofor­tiger Wirkung einzustellen und die Äus- eiriandersetzungsverfräge unter Berücksichti­gung der wirtschaftlichen Notlage neu zu regeln.

In der Ausschußsitzung entspann sich zunächst eine längere Geschäftsordnungsdebatte. Der Ver­treter der' Reichsregierung erklärte, daß die Regie­rung noch nicht im Besitze ausreichenden Materials der Länder fei und aus diesem Grunde für eine Vertagung der Angelegenheit eintrete.

Im Verlaufe der Aussprache beantragte Abg. Schmid-Düsseldorf (D.V.P.), der be­kannte Befürworter des Zusammengehens der Deutschen Volkspartei mit den Nationalsozialisten, die Beratung des Antrages zu vertagen. Der Ver­tagungsantrag wurde aber schließlich mit 14 ge­gen 8 Stimmen abgelehnt. Für die Ver­tagung stimmten nur

die Deutschnationalen, die Deutsche Polkspartei, das Landvolk, die wirtschastspartei und die Christlich-Sozialen.

And die Nationalsozialisten?

Alle übrigen Parteien stimmten gegen den Vertagungsantrag.

Abg. Emminger (Bay. V.P.) hatte in der Aus­sprache erklärt, daß er gegen die Vertagung sei, da es für die Regierung wertvoll wäre, erst ein­mal die B e gr ün düng des sozialdemokrati­schen Antrages zu hören, woraus sie vielleicht manches Material für ihre Stellungnahme entneh­men föhnte. -

Der Ausschuß begann bann die sachliche Bera­tung mst der 'Begründulig des sozialdemokratischen Antrages. . . \'

Die Grotz-pensionäre.

VDZ. Berlin, 21. Dez. (Eig. Meld.) Der Haus­haltsausschuß des Reichstages befaßte sich am Don­nerstag in 2. Lesung mit b.en Fra gen b er Pensionskürz un g. Zu Beginn der Diskus­sion erklärte zunächst Äbg. Ersing (Zentr.), daß er 22 Anträge eingebracht habe. Die Zentrums­partei wolle den ehrlichen Versuch unternehmen, die Gegensätze zu überbrücken, damit die Frage der Großpensionäre endlich e in e Lösung in positivem Sinne stin- b e. Es sei wünschenswert, daß die ganzen Pen­sionsfragen durch eine Z w e i d ri t t e l m e h.r- beit hier im Reichstage geregelt werde, damit für die Rechtsprechung eine gesetzliche Grundlage geschaffen werde-

materielle Gewinne zu bringen versprachen. ' auf der anderen die materielle Machtopposttion der Tributpflichtigen bis auf ein Minimum niederzu­drücken schienen. 1 '

Wie ober jeder Materialismus gemäß feinem Wesen innere Haltlosigkeiten schafft, die er durch eigene Kraft nicht überwinden kann, so wurde auch das überspannte Tributsystem allmählich in sich haltlos. Um den überbürdeten Schuldner zu stützen, trat das System der privaten Kreditgewährung hinzu; die öffentliche Hand spannte, wie das in solcher Lage leicht zu geschehen pflegt, automatisch unter Betonung des öffentlichen Wohles die pri­vaten Kräfte in ihre Dienste. Das geht stets eine Zeitlanggut", ja, es kann dem Schuldner selbst zum scheinbaren Glück verhelfen, weil er durch die Kredite geneigt wird, seine innere Lage weit rosi­ger zu sehen, als sie in Wirklichkeit ist. Er ver­mag sogar selbst in einen Materialismus hinein­zuverfallen, indem bestimmte Klassen in ihrem Reichtum" ein Leben führen, das den niederen Standort der Gesamtnation in ein völlig falsches Licht stellt Mag dem fein, wie immer; bie Jahre sind vergangen, und mitten im europäischen Ma­terialismus hat sich langsam die Kraft der sitt­lichen Idee eine Bahn gebrochen. Wir meinen hier nicht zuerst bie Idee der Erfüllungspolitik, sofern der Staatsmann dahinter steht, sondern in erster Linie die Kraft des Ertragens und Ent­sagens im deutschen Volke, die sich von allem rein äußeren, politischen Geschehen grundsätzlich unter­scheidet und doch jene Erfüllungspolitik' überhaupt erst möglich machte. Diese Kraft hat sich nie über­laut an bie Oeffentlichkeit gewagt, aber sie war da. In ihrem Namen allein hat heute jeder ver­trauenswürdige Staatsmann, der in der Weiter­zahlung der Tribute eine Vergrößerung deutschen Elends erblickt und diese Vergrößerung nicht mehr tragen zu können glaubt, das Recht des entschiede­nen Neins gegenüber den Tributen. Der Weg der Entsagenden in Deutschland war also der eine Weg, auf dem die sittliche Idee erfolgreich wurde. Sie lockerte, schon längst bevor die Stunde des Neins kam, nach und nach den großen Mächte­konzern der Entente auf, so daß er sich gliederte, in seine Teile zerfiel: jede Macht nahm eine im­mer deutlicher werdenden Sonderstellung ein.