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Rr. 16

VeNage zur Fuldaer Zeitung

21. Ianuae

Der Gottlose.

Sein Weg ging fern von jedem Gott, Aus seinen Lippen stand der Spott Verbissen, wenn von Glaubensdingen Die Freunde an zu reden singen.

Doch einmal war's, da ging sein Kind, Sein einziges, in's fremde Land, Da legt' er ihm aufs Haupt die Hand Und sprach liebkosend lieb und lind Aus tiefftem Herzen feierlich: „Gott schütze dich!"

Fr. Schrönghamer-Heimdal.

Einige Erziehungsfragen.

Von H. Muth er.

Frohsinn — Angehorsam — Lüge.

Woher kommt es wohl, daß die Kinder in den ersten Lebensjahren meist jo voller Freude und Frohsinn und voll hellen Vertrauens sind, während sie mit dem zu­nehmenden Alter, oft schon, ehe sie noch zur Schule ge­hen, dies alles verlieren und trübe und gedrückt ein­hergehen? Es kommt daher: in den ersten Jahren sind die Kinder noch weniger zum Bewußtsein ihrer Umwelt erwacht, sie finden in sich selbst den Quell der Freude, sie kommen vertrauensvoll und jauchzend auch zu der mürri­schen Mutter gelaufen und begreifen es nicht, wenn diese in chren Jubel nicht mit einstimmt. Sie sind selber die Schmiede ihres kleinen kindlichen Glücks. Dann aber gelangen sie zur Beobachtung. Und was nehmen sie wahr? In so mandjer Familie fast nur traurige, ver­stimmte, trübe Mienen, ewiges Regenwetter, stete Sor­gen, Klagen, Mißvergnügen und Freudlosigkeit. Da stehen wir an der Schwelle, wo auch für die Kinder schon die Verbitterung beginnt, wo sie ganz unbemerkt in das­selbe Gleise gelenkt werden, in dem die Eltern gehen, und dann werden Menschen daraus, wie sie Bischof Keppler in seinem Buch von der Familie so vortrefflich geschildert hat, die höchstens noch Genuß, aber keine Freude mehr kennen. Das Vermächtnis der Freude ist auch ein Erbteil, das die Eltern ihren Kindern mit­geben können, und wahrlich nicht das schlechteste. Denn es schließt in sich das Lebensglück.

*

Man darf sich auch bei der Erziehung nicht allein vom Aeußeren leiten lassen. Es ist nicht immer richtig, zu sagen: ein Kind, das den Befehlen der Eltern nicht uachkommt, ist ungehorsam. Was man als Unge­horsam bestraft, ist ost weiter nichts als das Unver­mögen, sich zu konzentrieren, aufzupassen: das Kind

vernimmt wohl die Worte des Befehles, aber es ist nicht imstande, deren Tragweite zu erfassen, es hört darüber hinweg, es kommt infolge mangelnden Eindrin­gens in die Worte nicht zum Willensakt, ja, in vielen Fällen wird das Kind, wenn man es plötzlich, unwillig über seinen vermeintlichen Ungehorsam, mit Schärfe an­packt, aufschrecken, und es wird sich ergeben, daß es nicht einmal den Befehl vernommen hat. Es ist eben dabei zu bedenken, daß ein Kind weit mehr als ein Erwach­sener in seiner Innenwelt befangen ist und es ihm da- her weit schwerer fällt, aus die Außenwelt zu reagieren. Von Ungehorsam sollte man nur dann sprechen, wenn man die Ueberzeugung haben kann, daß das Kind mit vollem Bewußtsein nicht gefolgt ist. In allen anderen Fällen gilt es, bei der Wurzel des Uebels einzusetzen, nämlich bei der Phantasie. Man muß das Kind au geeignete Weise gewöhnen, hinzuhören, sich zu konzen­trieren und das volle Gewicht dessen zu ermessen, was man zu ihm sagt. Tut man das nicht, dann allerdings kann es mit dem erwachenden Bewußtsein dahin kom­men, daß das Kind auch eine Art Vergnügen darin fin­det, nicht hinzuhören, und dann ist der mutwillige Un­gehorsam da. Ungehorsam bei einem Kinde ist oft ein Erziehungsfehler der Eltern.

Kinder lügen: lügen viel mehr als man gemeinhin glaubt. Und die Eltern pflegen zu erschrecken, wenn sie dies wahrnehmen. Auch dahinter kann ein Erziehungs­fehler stecken. Eigentlich ist ja jedes Spiel eine Lüge, und die Grenze zwischen Spiel und Ernst ist oft schwer zu ziehen. Und doch müssen die Eltern darauf ihre volle Aufmerksamkeit richten. Denn viele Kinder werden durch ihre Phantasietätigkeit zum Lügen verleitet. Da gilt es, die Grenze zwischen Spiel und Ernst peinlich genau zu ziehen. Das Kind muß zum Begriff des Spie­les geführt werden und es muß lernen, das Spiel vom wirklichen Dasein zu unterscheiden. Es darf nicht dahin kommen, daß der Begriff des Spieles herrschend wird und das Kind fein ganzes Tun unter diesen Begriff stellt. Genau so, wie es zum Begriff des Märchens ge­führt werden muß. Es sollte nicht gestattet werden, daß die Kinder, wie so oft beliebt ist, eigene kleine Erlebniffe, die sie vielleicht auf dem Spaziergang gehabt haben, märchenhaft ausschmücken, denn dadurch werden die Grenzen verwischt, sondern da sollte man dem Kinde beibringen, daß es sich streng an die Wahrheit zu hal­ten hat. Es fft gut, schon beim Kinde ein Gegengewicht gegen allzu träumerische und phanta­sievolle Neigungen zu schaffen. Die Phantasie ist die Quelle so manchen Unglücks wie so manchen Glücks. Es gehört viel Weisheit dazu, sie so zu leiten, daß das Schädliche fern gehalten wird, ohne deshalb das Gute und Schöne zu beeinträchtigen.

Mrlschaflssragen und ewige Gesetze.

Ts hängt ebenso mit der Notlage der einzelnen Fa- milien wie mit dem stärkeren Teilnehmen der Frau und ■Mutter an Fragen des öffentlichen Lebens überhaupt zu­sammen, daß diese an Problemen der allgemeinen Wirt- schafisgestaltung, die heute so unmittelbar brennend ge­worden sind, nicht einfach vorbeigehen kann. Am aller­wenigsten die katholische Frau, die weiß, welch positiver oder negativer Wert dem Einfluß eigen ist, den sie in der Familiengemeinschaft auszuüben berufen fft. Gerade barum muß sie die Dinge besonders ernst nehmen, darf nicht zufrieden sein, ein Schlagwortwissen zu besitzen, sondern wird vielmehr in sich die tiefe Verpflichtung füllen, selbst einmal den Zusammenhängen, die für unfer Wirtschaftsleben maßgebend sind, nachzugehen.

Dazu bvaucht's nicht nationalökonomisches Wissen, dazu braucht es in viel stärkerem Maße Herz und Ge­müt und das Verständnis dafür, daß schließlich alles, was zwischen Völkern und Staaten, in allen möglichen Gemeinschaften vor sich geht, doch letztlich zurückgeführt werden kann und muß auf sittliche Grundlagen. Ge- rade in unfern Tagen wird ja in krassester Weise klar, welche Bahnen eine Wirtschaft einschlägt, die sich auf &ie Entchristlichung der Well, auf einem reinen Zweck- und Nutzsystem aufbaut, die geringes Verständnis nur ju haben scheint für die notwendige Achtung vor dem einzelnen Menschen und seiner Persönlichkeit.

®° 3ci9t uns die Entwicklung unserer Tage, was dem ll.hr, stentum eigentlich eine ganz selbstverständliche For- cm m“^e: öuß das Gesamtwohl einer W-irt- Idjaft nur dann gesichert ist, wenn es in sich Platz bietet für die Interessen jedes einzelnen Staatsbürgers. Daß ber Weg der Wirtschaft geradewegs ins Verderben führt, wenn er nicht Stationen kennt, die den Namen führen' Bruderliebe, Achtung der berechtigten Wünsche aller Mit­menschen, Wissen um ewige Zusammenhänge noch über der Herrschaft der Maschinen und chrer Forderungen

Diese Verbindung des Sittlichen mit dem rein Wirt­schaftlich-Materiellen ist einer der Kernpunkte der En­zyklika Quaöragefimo Anno, die sich aufbaut auf dem berühmten Schreiben Kerum Nooarum von Papst Leo XIII. Es gilt, daß gerade die Frauen diesen Kernpunkt zu verstehen suchen, daß sie ihm den Weg bereiten durch das Leben. Daß sie aus dem klu­gen, gelehrten Wort unseres Heiligen Vaters das eine mit in ihr Leben nehmen: es kann nicht anders, nicht besser werden, wo nicht bei der Wirtschaftsgestattung die Liebe und Gerechtigkeit das erste Wort sprechen. Die Gerechtigkest, die alle Standesoorurtelle abzulegen sucht, die wirklich ehrlich abmißt, wo bei jedem einzelnen Menschen, bei jeder einzelnen Körperschaft die Rechte und Pflichten liegen. Die Liebe, die überall im Mit­menschen den Bruder sieht, die sÄbst da zu überbrücken sucht, wo Gegensätze scheinbar ganz unvereinbar ge­worden sind.

Wenn wir aus allen gelehrten Darlegungen nur diese zwei wichtigen SrunNagen im Gedächtnis behalten, so ist es schon viel, ja die Hauptsache von dem, was jede ka­tholische Frau leisten kann und muß. Ihr ist es an ihrem Platz in die Hand gelegt worden, den Grund zu legen für das Aufblühen von Liebe und Gerechtigkeit in der Welt und damit für den Weg in eine bessere Zu­kunft.

Ich muß immer an die schlichte Mutter Schmitt in Lisbeth Burger's „Arbeitslos" (Bergstadtverlag, Bres­lau) denken, ehe sie sich mit den einzelnen Fragen des wirtschaftlichen Lebens in ihrer schlicht gläubigen Art auseinanderfetzt, wie sie daher auch wirklich positiven Einfluß auf die arbeitslosen Söhne und deren Freunde gewinnt. Diese eine Frau kann den Verzweifelten ringsum das geben, was heute wohl am allerwichtigsten

ist: Lebensmut und Daseins-, ja Gottvertrauen. Dazu braucht es keiner Gelehrsamkeit und Wissenschaft, nur den ehrlichen Willen Mr Hilfe.

Die Mutter von heute erreicht jene, die morgen die Gestaltung unserer Wirffchaft in die Hände nehmen werden. Ihre Sorge muß es fern, daß es wahrhaft christliche Hände sind, dann werden die schweren Dinge sich unter ihnen formen. Der Rest des schrankenlosen Sichsellfftbehcmptenwollens, wie ihn Notzeiten leicht schaf­fen, darf nicht in die Kinderstube hineingelassen wer­den, sondern wächst er mit in die Weltgeschichte.

Freilich die Tatsache, vor denen wir stehen, sind so schwer, daß da solche christliche Ueberlegungen beinahe klein und ärmlich erscheinen können. Aber kommt nicht Ilmwandlung alles großen Geschehens immer nur dort, wo der Glauben und das Wollen des Einzelnen sich anders, nämlich an höchsten Gesetzen, formt und bildet? Wollen wir heute unserer Wirtschaft Helsen, so bedarf es zu dieser Hilfe erst einmal einer grundsätzlich an­deren Einstellung, die nur langsam und nicht ohne Mühe erworben werden kann. Schwer ist der Kampf sicher. Ob aussichtslos? Warum? Wissen wir nicht von den großen Wirkungen kleiner Ursachen? Wieviel mehr erst bann, wenn sie auf ewigem Boden wurzeln.

Auch den katholischen Frauen und Müllern gift das Wort unseres Heiligen Vaters: „Christenart ist es, sich dahin zu stellen, wo der Kampf am heißesten tobt."

Dr. Ilse Masbach.

Talent zum Glück.

Ein Gespräch zwischen mutter und Tochter, niedergeschrieben von Emmy Ficus. Mutter! Ich bin ja gewiß nicht unzufrieden. Aber glücklich — bin ich auch nicht! Heutzutage ist's wahrhaftig eine Kunst, glücklich zu fein." ■ "3^ein, Äinb'. die Fähigkeit zum Glück ist mehr als eine Kunst, sie ist — — ein Talent! Eine Begabung, die mit Zeit und Umständen wenig zu fchaffen hat." mich eine solche Begabung, wenn die lchlechten Zeiten ihr keine Entfaltung gestatten? Ich kann doch nicht glücklich sein, sobald mich die Umstände zum Pechvogel stempeln. Glücklich fein, heißt einfach — Glück haben!"

„Weit gefehlt, Töchterchen. Viele Menschen haben zeitlebens in allen Unternehmungen „Glück gehabt", — und sind dennoch nie glücklich geewsen; denn Unrast, Neid, Habgier oder Ehrgeiz haben sie unersättlich ge-- macht und sie zu neuen Taten und Plänen gejagt und gehetzt."

»Du meinst also, das wahre Glück sei gleichbedeu­tend mit der Zusried enheit?"

„Gewiß, die Zufriedenheit ist eine der Narbe- b i n g u n g e n zum Glücklichsein, doch niemals das voll­kommene Glück. Zufriedene Leute erstarren zuweilen in satter Selbst Zufriedenheit und werden dadurch in­dolent und träge. Zufriedenheit müßte vielmehr — Genügsamkeit heißen! Anspruchslose, genügsame Menschen sind ebenso glücklich bei Wasser und Brot wie beim Schlemmermahle. Sie nörgeln nicht an allen Kleinigkeiten herum. Sie ertragen ihre Nächsten ohne Haß, Zorn und Mißgunst--"

„Ja, das nenne ich Talent zum Glücklichsein, Mut­ter! Und was gehört weiter zu solch beneidenswerter Begabung?"

„Unendlich viel noch, liebes Kind. Zum Glück be­gabte Seelen sind zumeist heiter, offen und ehrlich, ohne

I Argwohn und Mißtrauen. Auch gehen sie mit offenen Augen durch die Welt, um allerorten Schönes und An­genehmes zu entdecken, selbst in ober Wüste. Denn bies ist ein Haupttalent ber Glückbegabten: Daß sie sich a n Allem freuen können, am kleinsten unb bescheiben- sten Ding auf Erben!"

„Auch an ihrem lieben Mitmenschen, Mutter?! . . ." „3a, selbst an diesem oft schwer ertragbaren Nächsten üben sie wenigstens das Sichfreuen! Denn Duld­samkeit und Friedfertigkeit gehören auch zur schwer erlernbaren Kunst des Glücklichseins."

„Also müßte man eigentlich ein rechter Lebenskünstler fein, um Talent zum Glück zu haben, Mutter."

„Versuche es immerhin einmal, Lebenskünstler zu sein, mein Kind! Gerade in solcher Notzeit wie bet unsrigen wirb uns ber Begriff ber Dichterworte klar: Im Glück nicht stolz sein unb im Leid nicht zagen!"

„Man soll bescheiden bleiben beim Aufstieg und — nicht verzweifeln, sobald es abwärts geht! Wenn es ober dauernd schief geht, — wenn wir immer tiefer hinabsteigen müssen —? Was dann?"

„Dann bleibt noch das Schwerste zu erfüllen, Töch­

terchen: Glauben, hoffen und leben — trotz Allem! Und dankbar fein für alles empfangene Gute, ob es der Gegenwart ober der Vergangenheit entstammt Und sich an (einen Erinnerungen freuen, um trotz aller Not ber Gegenwart sich an kurzem Vergessen zu laben. Es geht ja solch starker Zauber von Heben Erinnerungen aus!"

„Ach Mutter, bu prebigft eine schwer erfüllbare Lehre! Mir scheint, man muß ein Genie ober ein Glückspilz sein, um dein Rezept befolgen zu können!"

„Bewahre, mein Kinb. Ein Talent kann a u s g e. b i 1 b e t, eine Begabung — erlernt werden. Be­folge täglich mein Rezept, dich glücklich zu fühlen und es zu scheinen! Plötzlich wirst bu tatsächlich glück- Uch sein! Unb aus beinern starken Glücksgefühl her­aus, womit du Aerger, Not unb Gram sieghaft bezwin­gen kannst, gelingt dir auch bas Höchste: Glücklich ju machen! Dies ist doch schließlich unser Aller Wunsch und Willen--"

„Unb unser bester Lebenszweck, du glück­selige Lebenskünstlerin!" rief die Tochter völlig über­zeugt unb fiel ber Lehrmeisterin um den Hals.

Die Haussmu und das Zugabewesen.

Als Kinber stritten wir heftig darum, wer die Flei­scherrechnung bezahlen ober Brot beim Bücken holen burfte, denn da gab es ein Stück Leberwurst dritter Sorte oder ein grasgrünes Bonbon, das 'uns begeh­renswerter erschien als alles Leckere daheim. Das war eine Zugabe, ein Zeichen freundlicher Gesinnung dem Kunden gegenüber, ein Ausdruck des persönlichen Ver­hältnisses zur Familie des Kunden, dem natürlich auch ein gewisser Kaufanreiz nicht abzusprechen war. Aber die Ware wurde weder dadurch verteuert, noch die Preis­klarheit verdunkelt.

Inzwischen hat sich bas Verhältnis vom Kaufmann Mm Kunben vielerorts weitgehend verändert unb dem­entsprechend auch bas Zugabewesen. Die Zugabe wird weitgehend als Kaufanreiz ausgenutzt. Sie bietet Dinge art, die in ihrem Wert so hoch sind, daß dadurch ber Preis ber Hauptware verteuert wirb. Wenn es sich um Maffemvare hanbelt, wie Margarine, Nudeln, Malz­kaffee ufw., fft bie Verteuerung sogar beträchtlich. Am schlimmsten aber fft, baß bie Preiskalkulation dadurch vollständig undurchsichtig wird. Wenn die Zugabe als Grat iszu gäbe angetünbigt wird, kann man nur von einer bewußten Irreführung des Käufers sprechen.

Man hat sich lange den Kopf darüber zerbrochen, ab man bie Zugabe verbieten soll. Von ben Spezial­geschäften selbst würbe ein heftiger Kampf gegen bie Zugabe geführt. Die Porzellangeschäfte fühlten sich be­einträchtigt burch bie Zugabe an Geschirr in den Kaffee­geschäften. Es war trotz allen Ernstes ein etwas komi­scher Anblick, als plötzlich der „Abwehrkaffee" im Por­zellangeschäft auftauchte und bie Käufer hier einen vor­züglichen Kaffee weit unter dem ortsüblichen Preis be- c u en konnten.

Daß man bisher nicht recht an ein Verbot der Zu­gabe glauben wollte, tag in der besonderen Lage der Industrien, die bie Zugaben Herstellen Man befürch­tete, burch ein solch rigoroses Vorgehen in diesen Fa­briken eine plötzliche große Arbeitslosigkeit herbeizn- führen, ein Bedenken, bas nicht leicht zu nehmen ist

Vor einigen Wochen ist nun ein Enwurf eines Ge­setzes über die Gewährung von Zugaben zu Waren unb Leistungen erschienen, der jetzt dem Re-chsrat vorliegt. Derselbe stellt sich auf den Boden des Gutachtens, bas bas Vorläufige Reichswirtschaftsrat seinerzeit erstattet hat.

Das Ziel des Gesetzes ist kein Verbot unb bamit ein plötzliches Aufhören ber Zugabe, sondern bie Beseiti­gung von Mißbräuchen unb der allmähliche Abbau ber Zugabe.

Von bem Gesetz nicht betroffen werden werttose Re- klamegegenstände wie Luftballons ober Kleinigkeiten ohne

eigenen Verkehrswert, ferner nicht ber Geld- ober Men­genrabatt (alfo wenn M einer Anzahl von Paketen Kaffee ein weiteres dazugegeben wird), auch nicht Ver, sicherungen im Zeitungsgewerbe oder bie Erte'lung von Auskünften unb Ratschlägen.

Für bie Zugabe im engeren Sinne, wie sie landläufig nerftanben wird, also wie Kaffeelöffel, Tassen, Hand­taschen, Uhren usw., besteht die Vorschrift, daß sie nur bann erlaubt ist, „wenn ber bie Zugabe Gewährende sich erbietet, an Stelle der Zugabe einen festen, von ihm ziffernmäßig zu bezeichnenden Geldbetrag bar aus­zuzahlen". Dieser Geldbetrag muß mit ber Zugabe zu­sammen angekündigt werden. In der Prelsbemessung ist ber Hä über frei; entweder fetzt er den Geftehungs- preis ein — dieser ist relativ gering und vermindert den Wert der Zugabe — oder er setzt ben allgemeinen Ver­kaufspreis ein — bann kann ber Anreiz sehr groß (ein, aber er muß auch gegebenenfalls eine große Summe auszahlen.

Diese Bestimmung ist die praktisch wichtigste. Die Reichshausfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes hatte diese schon im vorigen Jahre ge« fordert.

Damit ist in erster Linie einmal Preisklarheft ge­schaffen. Der Käufer ist jetzt in ber Sage, ben Prei« ber Hauptware wirklich abzuschätzen. Das ist in einen Zeit, wo man wieder gewaltsam zu einer normalen Preisbildung kommen will, von großer Bedeutung. Nach dieser Richtung geht auch das Verbot der „Gratis", ankündigung. Jede verständige Hausfrau sieht ein, daß kein Kaufmann etwas zu verfchenken hat, unb daß es deshalb eine Gratiszugabe nicht gibt Aber es finden sich noch Käufer genug, bie auf diese verlockende Ankün­digung hereinfallen und sich ihren Kauf nicht über­legen.

In ben letzten Wochen hat ber Zugabeunfug einen solchen Umfang angenommen, baß ernstliche Erwägun­gen schweben, ob nicht boch ein radikales Verbot ber Zugabe am Platze ist, weil bie Zugabe auch die not­wendige Preissenkung aufhält.

Der Handel und bie sparsame Hausfrau, bie heute mit dem Pfennig rechnen unb ihr ganzes Einkommen neu einteilen muß, find gleicherweise an einer Besei­tigung ber Mißbräuche interessiert. Die beste Bekämp­fung des Mißbrauchs liegt in einer Ablehnung durch den einzelnen Käufer. Wo diese nicht genügt, dem Un­fug zu steuern, muß durch Gesetz nachgeholfen werden.

Anna Heidermanns. ,

Die Frau in der Küche.

Was koche ich morgen ?

Der Reichsausschuß für hygienische Volksbelehrung hak unter dem Titel „Was koche ich morgen?" ein Büch­lein herausgegeben, das Raffchläge für eine gesunderhal­tende, abwechslungsreiche unb sparsame Ernährung in Tabellenform enthält. Es bringt für je eine Woche in ebem Monat bes Jahres einen Speisezettel nebst Preis­berechnung. Dieser Speisezettel soll ein Muster fein auch für bie übrigen Wochen bes gleichen Monats unb ist für einen Haushalt zugeschnitten, ber aus zwei Er­wachsenen unb zwei schulpflichtigen Kindern besteht. In einem Anhang sind Kochvorschriften beigegeben. Das Büchlein ist zu beziehen (zum Preise von 0,20 Mk. für 1—9 Exemplare, 0,15 für 10—49 Exemplare zuzüglich Porto) durch ben Reichsausschuß für hygienische Volks­belehrung, Berlin NW. Luisenplatz 2/4.

Erprobte Rezepte.

_ Köstliche Rolwintersuppe. (Für 4 Personen, ca. Stunde). Zutaten: 100 Gramm feine Graupen, 5 Grün­kohlrippen, 2 Liter Fleischbrühe aus 6 Maggis Fleisch- brühwürfeln, 1 Stück Sellerie, 2 rote Wurzeln, Salz, Ißfeffer, 1 Tasse Milch ober Sahne. Zubereitung: Die Graupen unb die feingeschnittenen Grünkohlblätter wer­den ca. 1 Stunde in der Fleischbrühe gekocht, bevor man bie in Würfel geschnittenen übrigen Gemüse hineingibt. Wenn altes gar ist, wird die kräftige Suppe mit Salz und Pfeffer abgefchmeckt und zuletzt die Milch einmal damit aufgekocht. M, sjj

Tarlarensoße zu Bratwurst oder Fleischrefien. (Für 4 Personen, 25 Minuten). Zutaten: 1 Würfel Mag­gis Bratensoße, % Liter Wasser, 2 braune Kuchen, 1 Eßlöffel Korinthen, V, Salzgurke. Zubereitung: 1 Würfel Maggis Bratensoße wird nach Vorschrift in % Wasser aufgelöst, die braunen Kuchen, die Sorin« tben und die in kleine Würfel geschnittene Salzgurke 20 Minuten langsam darin gekocht. — Man kann die Soße zuletzt mit 1 Messerspitze Paprika abschmecken. M. A.

Gedämpftes Salbsherz mit brauner Sofie. (Für 4 Personen, 1 Stunde). Zutaten: 1 großes ober zwei kleine Kalbsherzen, Salz, Pfeffer, kleine Zwiebel, 40 bis 50 Gramm Butter, etwas Essig ober Zitronensaft.

Zur Soße: 30 Gramm Butter, 1 Eßlöffel Mehl, 1 Prise Zucker, 6—8 Tropfen Maggis Würze. Zubereitung: Die gewaschenen, abgetrockneten Kalbsherzen werden in große Würfel geschnitten, mit der in dünne Scheiben geschnittenen Zwiebel schön hellbraun angebraten, mit Salz und Pfeffer bestreut, mit dem nötigen Wasser auf« gefüllt und langsam weich gedämpft. Unterbeffen berei­tet man von ber übrigen Butter, Mehl, einer Prise Zuk- ker unb ber Herzbrühe eine leicht gebundene hellbraune Soße, würzt nach Geschmack mit etwas Essig ober Zi­tronensaft, läßt bie Herzstücke noch kurz barin durch­ziehen und vollendet den Geschmack der Soße noch mit Maggis Würze. A. Sp.

Holzwürmer zu vertreiben.

Ein bewährtes Mittel gegen Holzwürmerr in Möbeln usw. ist bas Terpentinöl, von bem einige Tropfen nach Entfernung bes Holzmehls in bie vom Holzwurm ge­bohrten Löcher geträufelt werben. Terpentinöl bringt bis zum Kern bes Holzes vor unb tötet durch ben Luft­abschluß die in ihm fifienben Larven.

Gedanken.

Klugheit ist Tugenb, Ihre Entartung ist Berechnung.

Arbeit ist Tugend,

Ihre Entartung fft Gewinnsucht.

Sparsamkeit ist Tugend, Ihre Entartung wird Geiz.

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Worin besteht die Klugheit ber Wett?

In ber Technik, andere zu täuschen.

Worin besteht ber Erfolg bes Weifen?

In ber Kunst, tief zu forschen und hoch zu raten.

Worin besteht bie Weisheit bes Gottsuchers?

In der Bereitschaft, sich von Gott belehren unk» führen zu lassen.

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Der Austausch ber Gefühle, Meinungen und ein Uebermaß an Kritik nimmt dem modernen Menschen immer mehr die Kunst und Hebung des Schweigen­könnens. Gertrud Thielen.