^NILS
Junge Arbeitslose.
Ein Brief und ein Beginn.
In lange vielfach sind die arbeitslosen jungen Men- luhJ^Q1*9" spüren sie selbst immer'deutlicher und Unzufriedenheit. Sie müssen einen neuen Lebensinhalt und Tayeschythmus haben. Sollen Ne warten, bis em äußers Geschehen ihnen das bietet? «.e sehen, daß der letzte Weg die Selbsthilfe -st, der herausfuhrt aus der Not, sie wenigstens lindert.
Im Ruhrbezirk, in einem verwahrlosten Vorort einer Großstadt, tun sich ein paar erwerbslose Jungmänner zusammen und entwerfen selbst eine Einladung, die an 100 Mitglieder des Jungmännervereins verschickt wird: .Lieber Freund! Auch Du bist mit uns in der traurigen Lage, arbeitslos zu sein, mußt Dich ost, wie wir, über- Üüssig fühlen, ausgestohen aus der Gesellschaft; weißt oft -licht den Tag zu verbringen, weil Dir keine Aufgabe mehr gestellt ist. Auch Du wirst mit uns langsam erkennen, daß wir uns selber helfen, selbst Aufgaben stellen müssen. Wir haben uns deshalb mit mehreren arbeitslosen Jungmännern entschlossen, diese Aufgabe selbst anzugreifen und jedem Tag einen neuen Inhalt zu geben. Um auch Deine Ansicht zu hören und Dein Interesse wahren zu können, bitten wir Dich, in der am Dienstag, nachmittags 5 Uhr, im Heim stattfindenden Versammlung zu erscheinen. In der bestimmten Erwartung, auch Dich begrüßen zu können, wünschen wir Dir em frohes Weihnachtsfest".
49 Jungmänner kamen zur Versammlung. Ganz deutlich, vielleicht ein wenig hart, wird ihnen die Frage beantwortet: Wo stehen wir heute? Auch dem letzten wird klar: Wir müssen selbst etwas beginnen. Was wollen die jungen Menschen? Einen Lebensinhalt, eine neue innere Form, Erhaltung der Arbeits» lereitschast durch seelische Haltung, Kenntnisse und Fertigsten. Und ste vergessen nicht den „zweiten Mann", der nicht durch den Verband Halt und Stütze hat.
In reger Aussprache bringt jeder sein« Wünsche vor: sie wollen einen greifbaren Plan für ihr Tagewerk. Sie stellen zusammen^ Abends 11 Uhr späte-
Jtr. 15
Vellage zur Fuldaer Zeitung
Truhlled.
Weißt du, warum du mit uns gehst Auf dem Weg voll Müh' und Gefahr?
Warum du mit uns am Feuer stehst Wenn Wind zerrauft unser Haar?
Fühlst du, wie in uns Sehnsucht glüht Die immer vorwärts uns treibt Siehst du, wie vor uns die Fahne zieht Unser Leben verschworen ihr bleibt?
Du weißt nicht, wohin der Weg uns fuhrt Nur, daß wir zusammen gehn, Du haft wie wir das Feuer gespürt Und der starken Winde Wehn.
Hai +
Das Mangs-Heal der kalhol. Zagend.
Krieg und Friedensbewegung.
Gewissen „nationalen" Kreisen scheint das furchtbare Kriegserlebnis schon wieder stark zu verblassen. Demgegenüber muß die kathol. Jugend ihren klaren Standpunkt haben und sich keinen blauen Dunst vormachen lassen. Greifen wir nur zu einem der vielen Kriegsbücher. Wenn es einigermaßen die Wahrheit sagt, muß sich für uns daraus die Parole ergeben: „Nie wieder Krieg!"
Magnus Wehner, der aus unserer Fuldaer Heimat kommt, hat uns in seinem Buche: „Die Sieben vor Verdun", für das er den Ehrenpreis der Stadt München erhielt, einen Einblick gegeben in jenes blutige Ringen vor der uneinnehmbaren Festung Verdun. Gewiß auch strahlendes Heldentum, wunderbare Kamerad- schoftstreue gebar dieser Kampf. Aber diese Lichtblicke werden erdrückt von der Schrecknis des Krieges, die jenes Schlachtfeld zu einer wahren Hölle umwandelte voll unsäglichen Elendes zerschossener Menschen.
„3m Westen nichts Neues" von Rernargue ist auf kath. Seite sehr umstritten. Ein Frontsoldat schreibt davon: „Es ist eine zum Himmel schreiende Beleidigung aller seelisch gesunden Frontsoldaten, der gefallenen, wie der lebenden, daß der Ullsteinoerlag es wagte, dieses Buch herauszugeben mit dem von jemand erfundenen Untertitel: Das Denkmal des unbekannten Soldaten von allen Toten geschrieben. — Lest das Buch nicht, dann ehrt ihr die Toten!" Er hält der Darstellung Re-
marques entgegen, daß jene Kriegsgeneration in überwiegender Mehrheit noch Glauben hatte und darum wohl gequält, aber nicht zerstört" wurde. Diese Ablehnung des am meiften gelesenen Kriegsbuches von Seiten dieses Frontsoldaten ist deshalb doch von unbedingtem Friedenswillen getragen. Nur will er nicht, daß mit Verleumdung, mit Entehrung der Toten der Krieg bekämpft werde, sondern mit der Wahrheit, die hier stark genug ist;
Man scheint ihm zustimmen zu müssen, wenn man die „Kriegsbriefe gefallener Studenten" zur Hand nimmt. Es sind diese eine Auswahl aus Taufenden von Briefen jener Zeit, die zeigen, wie in vielen dieser jungen Menschen, die stets den Tod vor Augen hatten, doch große und reife Gedanken lebten. So lesen wir da: „Denn trotz aller trüben Erfahrungen und Nachrichten glaube ich doch noch an eine Zukunft. Für das neue, größere, bessere Vaterland gebe ich gerne mein junges Leben." ,3ch sah, daß dieser Krieg die Friedensbewegungen nur verstärken wird durch feine Scheußlichkeiten; so dient unser Tod dem Weltstieden." „Im Angesicht des Todes muß man an die Ewigkeit glauben."
Ein solch idealer Mensch, der aus tieffter Religiösität heraus die Leiden des Krieges überwand und wohl am Kipfel der Heiligkeit angelangt, fein Leben fürs Vaterland hingab, ist Reinhard Joh. Sorge. Seine Frau Su° fanna hat uns feinen Lebensweg in einer zusammengestellten Briefsammlung „Unser Weg" mit verbindenden Erklärungen eröffnet. Hier bekommen wir einen Einblick in das reiche Leben dieses jungen Dichters, wie er sich von Nietjche bis zu Christus durchringt und dann auf der Höhe feiner Entwicklung dem Krieg zum Opfer fällt.
Wenn mir diese Kriegsbücher zufammennehmen, dann werden wir wohl die richtige Auffassung vom Äriege bekommen: „Tausende verrohen, Tausende werden feig, Tausende tapfer, Tausende blutdürstig, Tausende werden geläutert, Ungläubige werden fromm, Fromme werden heilig, Laue verlieren ihren Glauben, Gottlose werden Bestien — das ist der Krieg." (Grömbacher „Zwischen 2 Jahrhunderten" S. 205.)
Das klassische Werk zur Begründung der Friedensbewegung wurde von P. Stratmann O. Pr. geschrieben „Weltkirche und Weltfriede". Er kommt vor allem von den Gedanken des geheimnisvollen Leibes Christi zur Friedensliebe. Wegen feines wissenschaftlichen Aufbaus setzt es schon einiges voraus.
so stehl Deutschlands ..Erneuerung" aus versuch einet Aussprache mit Jtationalfaialiften.
Der Windthorstbund Fulda hatte einen junge« Mann, der es bei den Nationalsozialisten zu etwas gebracht hat, zu einer öffentlichen Aussprache über den besten Weg zur Befreiung unseres Vaterlandes aufgefordert. Das Angebot war ehrlich gemeint. Die Ful- baer W-ndthorstbllndler hatten keinen auswärtigen Red- ner geholt, sondern wollten erproben, ob es nicht möglich Jet, fid) mit den Nationalsozialisten über die deutschen Schicksalsfragen sachlich auseinanderzusetzen. Die Nationalsozialisten haben aber das Vertrauen des Jung- Zentrums in der gröblichsten Weise miß- b r a u ch t. Die offiziellen Schreiben des nationalfozia- listtfchen Reichstagsabgeordneten Weinrich m Kassel bes (Bauleiters des Gaues Nord-Hessen, und des Bezirksleiters Kircher aus Hünfeld in der Angelegenheit maren zwar fo gehalten, als ob die Nationalsozialisten gewillt seien, eine ernsthafte, sachliche Aussprache zu ver- luchen. Die (Bauleitung hatte sogar gefordert, der Windthorstbund solle sich verpflichten, auf einer von den Nationalsozialisten veranstalteten Versammlung ebenfalls zur Aussprache zu sprechen. Wir lehnten diese Bedingung ab, weil einmal Herr Etzel uns versprochen hatte, mit uns „die Klinge zu kreuzen" und es seine Sache war, mit der nationalsozialistischen Parteileitung über feine gctfteüwig für den Abend zu verhandeln. Die Auffassung des Windthorstbundes ist durch ihr Antwortschreiben an den Reichstagsabgeordneten Weinrich gekenzeichnet in dem es u. a. heißt:
„Weiterhin möchten wir bemerken, daß wir keinen Gründ haben, uns von der nationatsozialistischen Partei Bedingungen stellen zu lassen, zumal es uns nicht um das ilusfragen von parfeiftreifigfeiten mit abhängigen Parteifunktionären geht, sondern weil wir uns über den
besten Weg zur Befreiung des Vaterlandes mit jungen Menschen auseinandersehen möchten, die sich nur ihrem Gewissen und ihrem Herrgott verantwortlich wissen und mit uns einer Weltanschauung und eines Glaubens an die Zukunft unseres Volkes find."
Der nat ionalsozialistischen Parteileitung war also bekannt, was der Windthorstbund wollte.
Am Samstagabend kamen di« bekannten Persöntich- keiten der Nationalsozialisten, Bezirksleiter Kircher aus Hünfeld, Stadtverordneter E h f e r, Telegraphen- Dberinfpeftor Franke, Herr Zimmer, der neue Fuldaer Parteifunktionär, Herr R o t h e m e r, Herr von K e i tz, Herr Albert Herzig von Neuenberg u. a. mit einem starken Anhang aus Fulda und Umgebung (über 150 Mann) und nahmen die ersten Reihen em.
Nach der Eröffnung hielt zunächst Bundesbruder Joseph Schmitt ein überaus sachliches Referat über die deutsche Außenpolitik der Nachkriegszeit und kennzeichnete die sog. „Erfüllungspolttik" als eine nationale Realpolitik. Er hielt sich bewußt von jedem Angriff aus Andersdenkende fern, um die Atmosphäre für eine Aussprache zu schaffen. Das Referat dauerte etwas über eine Stunde. Dann erhielt Herr Etzel aus Hilders für die Nationalsozialisten das Wort. Da er Gast war, durste er anstandslos eine Stunde reden. Die Leitung des Windthorstbundes hatte nämlich Herrn Etzel für einen anständigen Menschen gehalten. Der hoffnungsvolle junge Mann, der Stolz der Nationalsozialisten, ein Führer der nationalsozialistischen Jugend, mißbrauchte aber das Entgegenkommen in unverschämter Weise. Mit schauspielerischer Geste, mit einem geschulten Organ, Schaum vor dem
Mund, hielt er eine Hetzrede, wie man sie schlimmer und inhaltsloser in Fulda höchstens von „Pfarrer" Münchmeyer gehört hat. Man ließ ihn reden, weil sich ja die nationalsozialistische Jugend von ihrer besten Seite zeigen wollte. Es erübrigt sich, auf die Ausführungen einzugehen. Sie hatten mit dem Thema nichts zu tun. Bezeichnend für den Größenwahn des jungen Agitators ist es, wenn er ekstatisch der anwesenden katholischen Jugend zuruft: „An me in em Sei ft e werdet 3hr Euch noch empor klammern!" oder „Vor mir werdet Ihr noch die Zylinderhüte ziehen!" Wir fragen, kann man junge Leute, die so prahlen, ernst nehmen? Ist das der Typ des deutschen Jungen, der Deutschland aus seiner Not mit herausführen helfen kann? Herr Etzel betonte immer wieder, daß er Katholik sei, hielt es aber nicht für notwendig, auf die eindeutige Stellungnahme der Bischöfe gegen bie weltanschaulich e Irrlehre des Nationalsozialismus einzugehen, sondern bezeichnete einfach alles, was gegen den Nationalsozialismus vorgebracht wird, als L ü g e und Schwindel. (Also auch das, was die deutschen Bischöfe sagen.) Er prahlt damit, daß er Arm in Arm mit protestantischen Geistlichen auf der „großen Bühne der Politik" gestanden habe, verbietet aber im gleichen Augenblick den katholischen Priestern, sich mit Politik zu beschäftigen. Als er auf den hierin liegenden Widerspruch aufmerksam gemacht wird, ruft er: Ja, das (die protestantischen Geistlichen, die mit ihm in der „nationalen" Front stehen) sind auch deutsche Priester! (Frage: Und was sind unsere katholischen Priester?) Eine unverschämtere Frechheit von Herrn Etzel war es — wir halten ihm zugute, daß er, wenn er in Ekstase gerät, nicht mehr voll verantwortlich gemacht werden kann für das, was er sagt — den Windthorstbündlern zuzu rufen, sie hätten er ft noch national z u werden. Weitere Worte über den jungen Hetzer M verlieren, der, wie die meisten Nationalsozialisten, auf sachliche Einwände nicht eingehen kann, wäre verschwendete Mühe.
Als sich nach dem Nationalsozialisten ein junger Windthorstbündler zu Worte meldete, um den Reichsgedanken katholischer Jugend vorzutragen, wurde er von den Nationalsozialisten systematisch gestört und niedergebrüllt. Die Berfammlungsleitung hätte zwar die Hauptschreier durch die Polizei entfernen lassen können, aber sie tat es nicht, weil sie Gäste nicht mit dem Polizeiknüppel behandeln lassen wollte. Wir fragen: Wo bleibt die viel gerühmte Disziplin der Natio- nalfozialisten?
Als Bundesbruder Joseph Schmitt in seinem Schlußwort begann, die Ausführungen des nationalsozialistischen Jugendführers und Parteifunktionärs, der übrigens mit dem Wort „Parteibonze" gegen andere sehr verschwenderisch umgeht, auf ihren Gehalt zu untersuchen, merkte man immer mehr, daß die Nationalsozialisten darauf ausgingen, die Versammlung zu sprengen und zu zeigen, was sie für große „nationale Helden" sind. Besonders Herr Etzel wurde in seinen Zwischenrufen immer unbeherrschter, so daß man den Eindruck gewann, es mit einem rücksichtslosen Bösewicht oder einem Unzurechnungsfähigen zu tun zu haben. Bundesbruder Schmitt sagte ihm deshalb auch mit Recht: „Mit einem Lümmel, roie Sie find, Herr Etzel, hat es keinen Zweck, sich sachlich zu unterhalten."
Die Nationalsozialisten brachen jetzt mit Geschrei auf und zogen unter dem Gesang eines Parieiliedes aus. Spontan stimmte die katholische Jugend das Deutschlandlied an. Der Leiter der Versammlung forderte in seinem Schlußwort auf, einmütig zusammenzustehen. An der Entschlossenheit und der Nervenkraft des katholischen Volksteils müsse sich die nationalsozialistische Welle ebenso brechen, wie nach dem Zusammenbruch von 1918 die rote Welle. Mit einem begeistert auf genommenen Hoch auf das deutsche Vaterland, auf Hindenburg und Brüning und dem Gesang des Siebes:
„Heiligem Kampf find wir geweiht"
fand die Versammlung gegen 11.30 ihr Ende.
Und das Ergebnis: Die katholische Jugend, das junge Zentrum, hat das wahre Gesicht des Nationalsozialismus, der sich als eine Abart des Bolschewismus entpuppt hat, erkannt. Es ist zwecklos, mit ihnen eine Aussprache herbeiführen zu wollen; sie setzen gegen Argumente Geschrei, gegen den Geist Terror, und gegen politische Uebertegung f a-
ftens Nachtruhe. Morgens 7.30 Uhr aufftehen. 8.10 Uhr Gemeinschaftsmesse. 8.50 Uhr Gymnastik. 9 bis 10 Uhr an 2 Tagen Lesestunde, an 2 Tagen Sportstunde und an 2 Tagen Singstunde. 10.15 Uhr bis 11.15 Uhr Arbeits- lostn-Rundfunkstunbe. 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr Arbeitsgemeinschaft. Wechselnb: Fragen aus der Wirtschaft, Politik, Arbeiterbewegung, Gewerkschaftsfragen. Samstag: Physik. Nachmittags nach Wunsch: Deutsch, Rechtschreiben, Aufsatz; Basteln, Heimspiele, Führungen, Sport.
Jeder macht es sich zur Pflicht, für die Ausgestaltung der Stunden nach Kräften beizutragen. Die Führer der Sportgruppen sind gewählt und geben im Wochenplan ihre Ziele bekannt. Zwei Jungführer stellen nach „einer Wochenbilanz- und Ausschaustunde" am Samstag den nächsten Wochenplan auf. Die Helfer für die Kurse sind Lehrer und fähige Jungmänner. Wieder hat aus dem Lebenswillen junger Erwerbsloser die Tat der Selbsthilfe begonnen. zg
Praktische Anregungen
für die Gestaltung von Theaterabenden" in den vereinen. -
3m Anschluß an die Aufsatzreihe über das Thema: „Was sollen wir spielen?", geht uns folgender Bries zu:
Die im „Blatt der Jugend" angeschnittenen Fragen „Theaterabende und Volkskunstpflege usw." mtereffieren mich sehr. Ich begrüße den Vorschlag, bei der Schrift- lei iung durch gegenseitigen Austausch der Erfahrungen eine gewisse Schatzkammer einzurichten, aus der alle in Frage kommenden Personen und Vereine profitieren können.
Als einen Beitrag erlaube ich mir die Festfolge einer Weihnachtsfeier im engeren Kreise (innerhalb eines geschlossenen Hauses) mitzuteilen.
Die Festfolge selbst war seit Satiren ungefähr gleich geblieben und lehnte sich an die Veranstaltungen derartiger Häuser ohne weiteres an: Ansprache eines Geistlichen, umrahmt von Musikvorträgen (eigene Orchester), Gesänge, einstimmig oder mehrstimmig, Bescherung, Schluhlieü.
Im Jahre 1929 suchten mir den Weihnachtsgedanken zu vertiefen durch ein Krippenspiel, und zwar jenes von Fr. ® e e g e aus dem Verlag des V. V. B. Wir verfuhren genau nach den Regie-Anweisungen: Die Bühne blieb offen während sämtlicher Szenen, bei der Unterhaltung der Hirten vor Erscheinen des Engels stellten sich eine Reihe kleiner Engelchen vor die Krippe und verdeckten diese. Wir sangen auch die im Spiel angegebenen mehrstimmigen Lieder, die wir in mühevollen Proben mit einem kleinen Chor eingeübt hatten. Eine Ausnahme von den Regieanweisungen gestatteten wir uns insofern, als mir die Zwiegesänge zwischen Maria und Josef (Josef, liebster Josef mein . . .) nicht fangen, sondern rezitierten, und zwar deshalb, weil der Spieler des hl. Josef nicht fingen konnte. Das Spiel und die ganze Feier wurden gut aufgenommen.
Im Jahre 1930 wählten wir das Krippenspiel von Neumann. Hier verwerteten wir die Erfahrungen des vergangenen Jahres. Die kunstvollen alten Lieder, die unserem Spiel- und Zuschauerkreise nicht geläufig waren, und deren Einübung mit einem kleinen Chor den Spielleitern (z. T. wegen fehlender musikalischer Begabung) große Schwierigkeiten gemacht hätte, mußten wir (leider) fallen lassen. Auch da, wo im Spiel Zwiegesänge vorgesehen waren (zwischen Wirt, Maria und Josef, zwischen Maria und Josef ufn>.) ließen wir den Text rezitieren. Wir ließen aber die Bühne schließen, wenn eine Szene zu Ende war. Zwischen den einzelnen Szenen, und auch im Spiele, so ost cs notwendig oder angezeigt erschien, fangen mir Lieder bezw. einzelne Liedstrophen aus dem Gesangbuch. Die Texte dieser Lieder und Strophen waren genau m der in Frage kommenden Reihenfolge auf dem Programm enthalten. Dieses gemeinsame Singen stellte eine höchst bedeut fame Verbindung zwischen Spiel, Spielern und Zu-' schauern her, ganz abgesehen davon, daß die weihevolle Stimmung auch bei geschlossener Bühne anhielt. Als nach Schluß des Spieles das Lied „Auf, Christen . . angeftimmt und gesungen wurde, wußten Spieler und Zuschauer, daß sie dem Verständnis des Wechnachts- geheimniffes wesentlich näher gekommen waren. Unter- stützt wurden wir aber von den feinsinnigen Ausführungen des Seelsorgers, die dem Spiele oorangegangen waren. Dem Spiele folgte die Weihnachtsbescherung, umrahmt von Musikvortragen. Schluß war bas Lieb: „O du fröhliche . . ."
Die beiden geschilderten Feiern von 1929 und 1930 fanden jeweils am Sonntage vor Weihnachten statt. Ich,
20. Januar
natische Ekstase ein, gegen Vertrauen gemeine Hetze.
Es hat sich wieder einmal gezeigt, daß diesen Herren jede» Mittel recht ist.
Der Windthorstbund wird daraus feine Konsequenzen ziehen. Insbesondere hält er es unter feiner Würde, mit Herrn Etzel noch einmal zu diskutieren.
*
von einem Besucher bet Winblhorstbundverfarnmlung erhalten wir folgende Zuschrift:
Ich ging Samstagabend mit einer gewissen Erwar- tung in die Versammlung des Windthorstbundes, die, so hoffte ich wenigstens, eine sachliche Aussprache zwischen jungen Menschen entgegengerichteter politischer Anschauungen bringen sollte. Leider zeigten die zur Aussprache erschienenen Nationalsozialisten mit ihrem Wortführer Etzel an der Spitze, daß sie eine ernsthafte geistige Auseinandersetzung nicht wollten oder auf Grund ihrer be. kannten Geistesverfassung dazu nicht in der Lage waren. Mit gemeinen Anpöbeleien der Männer, die in bet Drecklinie des politischen Kampfes standen, mit Schmähungen auf die Juden, mit faustdicken Lügen und lieber- treibungen mag man auf urteilslose Menschen, die gewohnt sind, sich nur von nagen Gefühlsregungen bestimmen zu lassen, Eindruck machen. Kritisch eingestellte Zuhörer lassen sich durch solchen pathetischen Phrasenschwall und fanatischen Haßgesang eines nationalsozialistischen Wanderredners ihren Verstand nicht umnebeln. Direkt abstoßend wirkte auf mich die anmaßende üb erhebt iche Art des Raziredners, der sich der Versammlung brüstend als Kasienmagnet vorstellte, den Anwesenden herablassend geftattete, s i ch an feinem Geiste emporjuranfen und ihnen großmäulig prophezeite, daß sie noch einmal vor ihm den Zylinder ziehen würden. Man kann über einen solchen Größenwahn nur die Achseln zucken und lächeln. Derartige Zeitgenossen sollten eigentlich einmal auf ihren Geisteszustand untersucht werden, ehe man fie auf die Menschheit losläßt. Fanatismus, Brutalität, wil- der Haß und Intoleranz sind noch nie von Segen gewesen, weder im Leben des Einzelnen, noch im Leben der Völker. Sie reihen nur nieder, wo aufgebaut werden sollte und sind letzten Endes Wegbereiter bes Bolschewismus.
Obwohl man dem Naziredner eine volle Stunde Zeit gegeben hatte, ging er auch nicht auf einen einzigen Punkt bes bemerkenswert sachlichen Referats des 'Borrebners ein. ©tat dessen stürzte eine Flut des Hasses und ein Schwall von Schlagworten und Phrasen auf die Versammlung ein, an denen der Redner selbst und seine Gesinnung s- genoffen sich berauscht haben mögen, die aber den übrigen Teil der Versammlung mit Abscheu und Empörung erfüllten. Die gleiche üble Geistesart, sprach aus dem Verhalten der Nationalsozialisten dem jugendlichen Diskussionsredner aus der katholischen Jugend gegenüber, der sich
mit der Ehrlichkeit und Ausländigkeil eines suchenden und ringenden jungen Menschen
bemühte, mit seinen Gegnern sich sachlich auseinander zu setzen. Er wurde dauernd durch rüpelhafte Zwischen« rufe und wüstes Gröhlen mundtot zu machen gesucht Derselbe Lärm erhob sich, als der Hauptredner be« Windthorstbundes das Schlußwort sprach. Es ift überhaupt charakteristisch für diese Art Zeitgenossen, daß sie da, wo sie den Argumenten bes Gegners mit der Waffe des Geistes nicht beikoinmen können, zumMittelder Maultrommel greifen und den Gegner durch Gebrüll zu überschreien suchen. Ms auch das nichts mehr hals, da entschlossen sich die Herren Nazis zum heldenhaften Abzug.
Wenn man die Bilanz des Ausspracheabends zieht, so ergibt sich vielleicht als das einzige Positive, daß einem größeren Kreis junger Katholiken einmal die Geistesart der Nationalsozialisten anschaulich vor
Augen geführt wurde
und daß man die Erkenntnis gewonnen hat, daß mit derartigen Gegnern eine fachliche politische Aussprache zwecklos ist. Einem Nationalsozialisten kann man nutt imponieren, wenn man ihm mit feinen eigenen! Waffen,
der Brutalität, der Demagogie, der Verleumdung und persönlichen Herabsetzung
entgegentritt. Nach dem Grundsatz: Zur Erreichung meines Zieles ist mir jedes Mittel recht. Als Christen und Katholiken, für die das Gebot der Siebe das Höchste ist, müssen wir solche Kampfmittel ablehnen. Aber wie das Christentum über das machtanbetende alte Rom gesiegt hat, so wird auch heute die christliche Idee den heidnischen Geist des Nationalsozialismus schließlich doch überwinden.
Denn Liebe war immer stärker als Haß.
Jahre 1931, als das Weihnachtsfest gegen Ende der Woche war, entschlossen wir uns, die Weihnachtsfeier am Heil. Abend selbst zu halten. Das war wohl die passendste Stunde, nur war dadurch der Kreis der Zuschauer kleiner, denn in den Vorjahren hatten sich nicht nur die Angehörigen bes Hauses selbst, um deren Weihnachtsfeier es sich ja handelte, eingefunden, sondern auch Nachbarn und Freunde. Diesmal waren Leute von außerhalb aber durch die Weihnachtsbescherungen im eigenen Hause verhindert.
Aus der großen Reihe von Krippenspielen, die ja in sich ähnlich sind, wählten wir das von Max Mell (enthalten in „Spiel und Sing!", Heft 1, Jhrg. 1930, Verlag Höfling-München). Auch hier hielten wir es im Interesse der Zuschauergemeinde für besser, die Regieanweisungen nicht engherzig zu beachten. Wir entschlossen uns, nach den einzelnen Szenen den Vorhang zu schließen. Die Gespräche der Hirten, die in oberbayerischtiroler Mundart gehalten sind, übertrugen wir ins Hochdeutsche. Das Spiel von Max Mell enthält die Lieder nicht als wesentlichen Bestandteil wie jenes von Neumann und Weege. Wir fugten als Zwiegesang zwischen zwei Hirten das bekannte alte „Sippai, steh auf vom Schlaf!" ein, und anschließend als Zwiegspräch das ebenfalls alte „Ich will dem Kindlein schenken . . .", aus des „Knaben Wunderhorn". Den einen und anderen Ausdruck haben wir im Spiele selbst (im Interesse des besseren Verständnisses) durch einen besser klingenderen ersetzt. Dem Gang der Handlung folgend, sangen wir folgende Lieder bezw. Strophen, die ebenfalls mit vollem Text und in dieser Reihenfolge bas Programm enthielt: Tauet Himmel (1. Strophe). Gott der Vater (2. Strophe). Reinste Jungfrau ... Laßt uns wie am Tage (5. Strophe von Tauet). O Heiland reiß die Himmel auf. Stille Nacht. Laßt uns das Kindlein grüßen." Es ist ein Rost entsprungen. Ein Stern mit hellem Scheine (4. und 5. Strophe von Vorstehendem). Zu Bethlehem geboren. O Jesu, liebster Jesu. Auf Christen . . .
Auch dieses Spiel, das nur zur Erbauung der Spie« ler und Zuschauer gespielt wurde, hinterließ tiefe Eindrücke. Ihm folgte die Bescherung, ebenfalls von Mu- ikoorträgen umrahmt und mit „O du fröhliche" geschlafen. Dem Spiel war ebenfalls die Ansprache des Seel- orgers, die aus dem Herzen kam, vorangegangen.
Vielleicht kann der eine ober anbere Verein ober sonstige Interessierte unsere Erfahrungen verwerten und ba- für die feinen berichten, Aloys M litte nbergetz,