Die Strafanträge im Lübecker Prozeß
CNB. Berlin. 19. Jan. (Eig. Meldg.). Gegenüber der Haoas-Erklärung, in der eine Verlängerung des Hoover-Moratoriums angeregt und für den Fall dieser Verlängerung die Lausanner Konferenz als überflüssig bezeichnet wird, wird in hiesigen unterrichteten politischen Kreisen mit allem Nachdruck betont, daß Deutschland nach wie vor unterallen Umständenan dem baldigen Zusammentritt der Repara- tionskonferenz in Lausanne fest hält. Es kann nur immer wieder auf den Wiggins- B e richt vom August vergangenen Jahres und das Baseler Gutachten hingewiesen werden, die
beide die Notwendigkeit einer baldigen Regelung der Reparationsfrage verlangen. Man ist in politischen Kreisen der Auffassung, daß kein Staatsmann sich diesen Notwendigkeiten entziehen kann.
wtb. Lübeck, 19. Januar. (Eig. Meld.) In der heutigen Sitzung des Tuberkuloseprozesses beantragte der Oberstaatsanwalt auf Grund des § 222 Abs. 2 des Strafgesetzbuches (fahrlässige Tötung) gegen Prof. D e y ck e und Qbermedizinalrat Dr. Allstedt eine Gefängnis st rafe von drei Jahren, gegen Prof. Dr. Klotz ein Jahr Gefängnis und Freisprechung jfer Schwester Anna Schütze.
Deutschland hall an Lausann fest.
Eine Havas-Erklärung und eine deutsche Entgegnung.
Die Franzosen säßen heule noch am Rhein...
Venn nach den Rezepten Hitlers in den drei letzten Iahren Außenpolitik gemacht worden wäre.
* Auf Grund des Artikels 48, Abs. 2 der Reichsverfassung wird die Reichsregierung ermächtigt^ im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses 1. bei der Einfuhr von Waren, die aus Ländern stammen, deren Währung unter die Goldparität, gesunken ist, für einzelne Waren oder Warengruppen Ausgleichszuschläge zu erheben. 2. für Waren, die aus einem Laüde stammen, mit welchem das deutsche Reich nicht in einem Han- dtzlsvertraqlichen Verhältnis steht, oder welches die deutschen Waren ungünstiger behandelt als die Waren eines dritten Landes, erhöhte Zollsätze festzusetzen. Von der Erhebung der erhöhten Zollsätze kann bis zur Dauer von höchstens 6 Monaten Abstand genommen werden, wenn mit diesem Lande Handelsvertragsperhandlungen schweben oder bevorstshen. Die Reichsregierpug kann bei einzelnen Waren von der Anwendung der erhöhten Zollsätze ganz oder teilweise absehen. Die Verordnung trat mit dem 18. Januar in Kraft.
Preußischer Landtag.
VDZ. Berlin, 19. Jan. (Eig. Meldg.). Der Aeltestenrat des Preußischen Landtages beschloß, daß die Plenarsitzungen des Landtages in der Januartagung bis einschließlich Samstag dieser Woche gehen sollen. Von Donnerstag ab wird auf Grund der preußischen Sparverordnung eine politische Aussprache durchgeführt. Das Landtagsplenum tritt dann am 11. Februar wieder zusammen, bis zu einem am 13. Februar berechneten Tagungsabschnitt, um sich dann auf den 16. Februar zu vertagen, wodieersteLesung des Etats 32 beraten wird. In der Februar- Tagung sollen zunächst die Anträge der Reichsneugliederung und zu den Beschlüssen des Berfas- sungsausschnsses der Ländertonferenz zur Beratung kommen.
Haltung der Montanführer genommen und damit offener S^lenkers ^"heutunq nicht erhöht. Bei der Reichstagswahl von 1930 trat Grauert, allerdings ohne Erfolg, als Spitzenkandidat der Volkskonfervativen im Wahlkreis Koblenz-Trier auf Inzwischen ist er wohl nicht formell, aber doch anschauungsmäßig nach der Meinung Eingeweihter zu den N a t i o n a l s o z i a l i st e n hinübergewechselt. Schlenker dagegen ist bei den Nationalsozialisten nicht gut angeschrieben. Er soll mehr als einmal seine Unzufriedenheit über die persönlich« und faschistische Unzulänglichkeit sogenannter Wirtschaftssachverständigen unter den Paladinen Hitlers kundgege- ben haben. Hier scheint er nun einen Wandel vorzubereiten., , , . ,
Die Bedeutung der Vorträgsveranstaltung des Industrieklubs liegt weit weniger in der Tatsache des Referats von Hitler, der wiederholt in westdeutschen Industriekreisen gesprochen ■ hat, als im gewählten Zeitpunkt dieser Veranstaltung, der ihre Bedeutung über den eines einfachen Vortragsabends hinaus erhöhen dürfte.
Fest steht, daß es bei den jetzigen innerpolitk- schen Kämpfen nicht nur um das Nationale geht, sondern auch im Wirtschaftlichen und Sozialen Tendenzen entgegengesetzter Art zur Entscheidung steheü. ' ' '
Der Termm d?r Reichspräsidenkenwahl.
Zu der Meldung eines Berliner Abendblattes, daß die Wahl des Reichspräsidenten wahrsthein- lich am 28. Februar erfolgen werde, können wir mitteilen, daß die Bestimmung des Termins durch den Reichstag in Gesetzesform erfolgen muß. Das ist. bisher noch nicht geschehen. Infolgedessen sind auch die Behauptungen unzutreffend, daß den Behörden bereits Anweisungen zugegangen seien, Vorbereitungen für die Reichspräsidentenwehl. zu treffen. . ,
Preußischer Wahlquozient nur noch 50 000.
VDZ. Berlin, 19. Jan. (Eig. Meld.) Im Nach- richtenbüro des VDZ. wird anzuständiger Stelle bestätigt, daß große Wahrscheinlichkeit für die Erfüllung eines bereits längere Zeit zurückgehenden Wunsches der bürgerlichen Parteien auf Herabsetzung des durch Notverordnung in Preußen von 40 000 auf 60 000 heraufaesetzten Wahlquozient besteht. In den gestrigen Beratungen des interfraktionellen Ausschusses der preußischen Regierungsparteien hat einer der anwesenden Minister die Unterstützung dieses Wunsches z u g e s a g t. Das preußische Kabinett wird am Freitaa darüber beschließen, ob im Wege einer neuen Notverordnung der Wahlquozient nunmehr für die bevorstehenden Landtazswahlen auf 50 000 Stimmen je Abaeord- netenmandat festzusetzen sei. Diese Bestimmung würde die Mandatsaussichten ' sämtlicher bürgfer- lichen Parteien erheblich verbessern.
zur Herstellung der Emulsion eine Platin-Oese benutzte, die man auch im täglichen Gebrauch verwendete. Für die Herstellung'der Kulturen und der Abimpfungen auf dem flüssigen B. C. G. ist aber eine andere Oese benutzt worden. Das ist eigenartig. Ob diese Verwechslung wahrscheinlich ist, kann man nicht sagen, aber auch wenn dadurch das Unglück entstanden wäre, so würde das die Folge der mangelhaften Organisa- t i o n sein, die Prof. Deycke zur Last zu fegen ist. Es ist wahrscheinlich, daß ein Versehen passiert ist, wem, kann man nicht sagen. Ein Verschulden der Schwester läßt sich also nicht nachweisen und demgemäß wird der Oberstaatsanwalt seine Anträge stellen.
Im weiteren Verlauf der Prozeßverhandlung plaidierte Oberstaatsanwalt Dr. Linau gegen Prof. Klotz. Er wies darauf hin, daß ihm nach seiner Dienstanweisung die Fürsorge über sämtliche Kinder im Kinderhospital oblag. Aus der auffälligen Häufung der Einlieferungen im Jahre 1929 hätte der Angeklagte stutzig werden müssen.
3n .einet sichtlich offiziösen Charakter tragenden Raffung, erklärt die Agentur Havas unter Hinweis auf die gegenwärtig zwischen den am Aoung- Plan interessierten Mächten geführten diplomatischen Verhandlungen und insbesondere den Besuch des deutschen Botschafters bei Ministerpräsident Laval':
Wegen der Wahlen, die im Laufe des Jahres rn Frankreich, Deutschland und den ?c H1 ■e traten stattfinden sollen, ver
breitet sich in den interessierten internationalen Kreisen rmmer mehr die Ansicht, daß man gegenwärtig unmöglich zu einer detailierten endgültigen Losung des Reparations- und Kriegsschuldenproblems gelangen kann. Man scheint jetzt in Paris und London darüber einig zu sein, für Deutschland das am 1. Juli 1932 ablaufende Hoover-Moratorium lediglich zu erneuern und unter gleichen Bedingungen für sechs Monate ober ein Jahr zu verlängern. Gleichzeitig würden die europäischen Schuldner der Vereinigten Staaten, die Gläubiger- anfprüche an Deutschland haben, in einer gemeinsamen Erklärung für ihre Rechnung von der amerikanischen Regierung als Bedingung und während der Dauer des neuen Deutschland zu bewilligenden Moratoriums gleiche Behandlung fordern. Wenn die Verständigung auf dieser Grundlage zwischen den Unterzeichnern des Pouna-Plä- nes auf diplomatischem Wege erzielt werden kann, wird die Lausanner Konferenz vorläufig gegenstandslos werden, da der Kern des Problems nicht vor Ablauf des Jahres von den interessierten Regierungen erörtert werden wird. Unter diesen Umständen könnte eine Zusammenkunft von Finanzsachverständigen für die Ausarbeitung eines zwecks stillschweigender Verlängerung des laufenden Hoover-Mora- toriums notwendigen Abkommens genügen.
wtb. Washington. 19. Jan. (Eig. Meld.) Die von Ministerpräsident Laval in Washington erfolgten Sondierungen stehen im Zusammenhang nut einer Denkschrift, die Staatssekretär Stimson dem franz. Botschafter in Washington übermittelte und in der die amerikanische Haltung über die französische Schuldenfrage dargelegt wurde. Die Denkschrift erklärt u. a., daß die Initiative für die Regelung dieser Frage von Europa kommen müsse. Ministerpräsident Laval erklärte daraufhin dem amerikanischen Botschafter in Paris, er könnte schwerlich die Vertagung und die Hinausschiebung der Schuldenzahlungen vor dem Parlament anregen, ohne vorher über die Haltung der Bereinigten Staaten unterrichtet zu sein.
Staatsdepartement teilt mit, daß die frag« "ch? Denkschrift keine Antwort auf eine vor eini» gen Monaten übermittelte, aber nicht veröffent- der französischen Regierung sei. Heute wird klart, Frankreich habe in dieser Note verlangt, daß die politischen Schulden und Reparationen die Priorität vor den Privatschulden Vorzug ge- nießen sollten, falls Deutschland nach Beendigung des Moratoriums nicht alle Schulden zählen könnte. Die amtlichen Kreise meinen, Laval wünsche zu wissen, ob eine Möglichkeit bestünde, daß der Kongreß seinen Widerstand gegen jede Herabsetzung oder Aufhebung der Kriegsschulden aufgebe.
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In englischen Kreisen wird ausdrücklich hervorgehoben, daß die deutschen Forderungen auf Inangriffnahme einer endgültigen Lösung der Tri- butfrage von englischer Seite zwar zur Kenntnis genommen worden seien, daß sie jedoch nach englischer Auffassung nicht eine Bedingung darstellten, die sich an die Teilnahme Deutschlands an der Konferenz knüpften.
Die Bayerische Volksparleikorre- fpondenz sagt zur Denkschrift Hitlers an den Reichskanzler, sie lasse die Stärke der Abneigung gegen eine Wiederwahl Hindenburgs bei der RSDAP. erkennen. Die Denkschrift sei überhaupt eine Hetzschrift gegen Reichskanzler Dr. Brüning, der als das Haupthindernis für eine Verständigung über eine Wiederwahl Hinden- burgs hingeftellk werde. Hätte man in den letzten drei Jahren nur Außenpolitik im Stile Hitlers getrieben, so säßen die Franzosen noch heute am Rhein.
Zu HMers Brief.
Der Brief Hitlers, den er als „Denkschrift" auch dem Reichskanzler übergeben hat, spekuliert auf die Vergeßlichkeit bet Menschen. Die Rieb erlag e im Kriege und bte Machtlage beim Kriegsausgang werben ebenso wie bas Jahr 1923 mit bei Ruhr- besetzung im politischen Gebächtnis abgeschrieben, und statt dessen werden die Dolchstoßlegende unb bas Wort von den Novemberverbrechern, die burch bte geschichtliche Forschung verabschiebet waren, bent Inhalt nach wieber hervorgeholt. Ein falsches unb primitiv vereinfachtes Geschichtsbild wirb herausgekehrt: ber Gegensatz zwischen ber. Tradition, bie einst Deutschland geschaffen habe, und der Trabition, die es in den fetzten dreizehn Jahren vernichtet hahe. Demgegenüber muß darauf verwiesen werden, daß die Revolution nicht die Ursache ber Niederlage war, sondern die bedauerliche Folge ber vorausgegangenen Niederlage, und baß diese Niederlage von denen zu verantworten ist, die damals in Deutschlanb herrschten und heute als politische Reaktion im Nationalsozialismus miitlaufen. Es wäre für bte Herausarbeitung ber wirklichen Verantwortung in ber Tat besser gewesen, wenn Erzberger nicht in ben Wald von Compiegne gei- gangen wäre, sonbern diesen bittersten Gang in der "deutsche« Geschichte dem überlassen hätte, der in jenen Tagen, mit einer blauen Brille verkleidet, unter dem Namen Erich Lindstrom sich nach Schweden begab. Daürk wäre allerdings aus entern Waffenstillstand eine Kapitulation geworden. Und um das zu verhindern, mußte ein anderer als Ludendorff, der übrigens bereits im Oktober das Wassenstillstandsange- 5,o t Binnen 24 Stunden g es ordert hatte, den schweren Gang unternehmen.
Die Dinge liegen also gerade umgekehrt,
als wie sie Hitler sehen möchte. Das gilt nicht bloß von der Niederlage im Kriege, sondern auch von den Entwicklungen in der Nachkriegszeit. Hitler will in der Tatsache, daß es Brüning gelungen 'ist, die Welt pon der Zahlungsunfähigkeit Deutschlands zu überzeugen, eine „Stümperhastig, feit“ sehen, „die zwölf Jahre lang bedurfte, um qualvoll zu vollziehen, was geschicktere Menschen vielleicht schon in drei Jahren hätten demonstrieren kqnnen". Irren wir nicht, dann hatte tatsächlich drei Jahre nach der Ratifikation des Versailler Vertrags im Jahre 1923 eine Regierung Cuno versucht, eine solche Demonstra - tion v o r z u n e h m e n. Mit einem beispielhaften Heroismus stand damals ebenso wie im Kriege das deutsche Volk hinter der Regierung. Vielleicht kann sich Hitler dieser Zeft deshalb nicht mehr erinnern, weil an das Ende dieses qualvollen Jahres sein Operettenputsch fiel, an den er als Adolf Legalste, der Denkschriften über die Reichsverfassung schreibt, nicht mehr erinnert sein möchte, trotzdem dieser Putsch ein ebensolches Verbrechen an der nationalen Geschlossenheit des deutschen Volkes war, wie sein heutiges Verhalten, das mit Hugenberg, Schlenker & Co. die Herausarbeitung einer geschlossenen Front des deutschen Volkes in einem Augenblick untergräbt, wo die Reichsregierung in den schicksalhaftesten Verhandlungen steht. Wenn das kein politischer Dolchstoß ist, dann wissen wir nicht, was überhaupt ein Dolchstoß sein soll. Hitler nennt es indessen einen außenpolitischen Gewinn! So weit können die Götter einen Menschen verblenden, der keine andere Sorge hat als bie, zu« verhinbern, daß Brüning irgendwie in der Reparationsfrage günstig abschnitte. Ein sehr feines Wort hat am 14. Januar die Times in ihrem Leit- attikel geschrieben, als sie sagte: „Die Wahrheit ist, daß die Herren Hftfer und Hugenberg deshalb so wütend sind auf Dr. Brüning, nicht weil er es daran fehlen läßt, ihre Politik auszuführen, sondern weil er dabei ist, sie zu gut auszuführen." In diesem Wort steckte in Iber Tat ein Stück Wahrheit. Nur versteht es Brüning, die Politik vernünftig zu führen, während auf Hitler unb Hugenberg bas zutrifft, was kürzlich der Völkische Beobachter in weiser Selbsterkenntnis schrieb: „Än- scheinenb gibt gS immer noch Leute (unb immer bieselben),.die bie Klarheit eines politischen Ziels mil der Einfachheit eines Weges dazu verwechseln. Es ist sehr einfach, in e i n e n Por z elkanla den h in einzustolpern. Einen klaren Willen und klaren Blick verrät es trotzdem nicht."
(Aus der Köln. Volksztg.)
Der Tributsachverständige Italiens, Beneduce, wird voraussichtlich auch zu Verhandlungen über die Lausanner Konferenz nach Berlin kommen.
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Die Reichsregierung wird demnächst Adolf Hitler auf dessen Denkschrift eine ausführliche Antwort erteilen.
Schlenker vom tangnam-vereln.
r Der Geschäftsführer des Vereins zur Wahrung der gemeinsamen, wirtschaftlichen Interessen in Rheinland unb Westfalen, (Langnam-Verein), Dr. Schlenker (Düsseldorf), hat sich auf einer von der Deutschen Volkspartei veranstalteten Gedenkstunde an die Reichsgründung am Sonntag mit der Frage der Präsidentenwahl und in diesem Zusammenhang auch mit der Person und der Kanzlerschaft Dr. Brünings befaßt und ihr Verschwinden verlangt. Wir haben schon berichtet, welcher Gegensatz gerade in diesem Fall in den führenden Kreisen der Deutschen Volkspartei offenbar geworden ist. Jetzt veröffentlicht die Frkft. Zeitung aus Essen folgende Einzelheiten, die sehr aufschlußreich sind.
Am 26. b. M. veranstaltet der I n d u st r i e k l u b einen Vortragsabend, auf dem Hitler sprechen soll Anschließend ist eine Besprechung im engeren Kreise geplant, zu der an angesehene Persönlichkeiten der westdeutschen Wirtschaft Einladungen verschickt werden Das Bevorstehen dieser' Veranstaltung ist der Schlüssel zum Verständnis für das Auftreten von Dr. Schlenker, Geschäftsführer der nordwestlichen Eisenindustrie und des Langnamoereins, auf der Düsseldorfer Kundgebung der Deutschen Volkspartei am letzten Sonntag. Dr. Schlenker sprach sich ablehnend gegenüber Brüning aus. Nur die „nationalen" Kreise sind nach Schlenkers Meinung berufen, nach Rücktritt Brünings das richtige Verhältnis mit Frankreich herzustellen. Vorsichtigerweise ließ Schlenker die Frage offen, welcher Partei innerhalb des Blocks von den Nationalsozialisten bis zum Zentrum die Führung zufallen würde.
Wir möchten in diesem Hervortreten Schlenkers weniger eine repräsentative Aeußerung der von ihm vertretenen Wirtschaftskrise sehen als den Versuch, seine persönlichen Ansprüche an die nach seiner Meinung kommenden Machthaber anzumelden. Wir haben schon stüher auf das Konkurrenzverhältnis hingewiesen, das sich zwischen Schlenker und dem Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der nordwestlichen Gruppe, Grauert, entwickelt hat. Grauerts persönliche Wirkung ist längst über die Funktion eines Arbeitgebersyndikus hinausgewachsen. Auf dem Weg über die grundsätzlichen Fragen der Lohnpolitik hat er weitgehenden Einfluß auf die gesamte wirtschaftspolitische
In bei Verhandlung am Dienstag sprach gegen bie ursprünglichen Dispositionen Staatsanwalt von Beust Übet bie Krankenschwestei Anna Schütze. Ei gab eine eingehende Schilderung bei Arbeit bet Schwester im Laboratorium unb fuhr bann fort: Die Staatsanwaltschaft nimmt als Ursache des Un g lü ck s eine Verwechslung an unb ais Zeitpunkt ben Monat November 1929. Wie eine solche Verwechslung erfolgt ist, ist schwer zu sagen. Eine Möglichkeit ist folgenbe: Die Schwester hat in ihrer Vernehmung gesagt, haß man
Friedensburg zur Relchspotttik.
Die „Republikanische Aktion" veranstaltete am Montag im Sportpalast in Berlin eine Kundgebung, bie als Auftakt zu einer großen Sammlungsbewegung aller republikanischen und demokratischen Kreise des Bürgertum es gedacht war. An ber Kundgebung nahm auch Reichstagspräsident Löste und Staatssekretär Abegg teil. Nach einem Prolog Fritz v. Unruhs sprach Pater I n- nerkofler aus Wien über die Lage ber Deutschen in Südtirol.
Regierungspräsident Dr. Friedensburg rief das Bürgertum auf zum Kampf für die alten Ideale des deutschen Bürgertums. Sozialdemokratie und Zentrum, vom alten Reich verfemt, feien heute die 'Hauptträger des neuen Volfestaa- tes. Das , nicht katholische Bürgertum müsse sich endlich auf feine geschichtliche Verantwortung besinnen und selbstbewußt die blu - tige Gefahr des Radikalismus von rechts und Links bekämpfen.
Major a. D Hauff erklärte, es • handele sich gegenwärtig nicht darum, neue Ziele und neue Formen zu erörtern, sondern zu halten', was im Ansturm her Reaktion und im Strudel des Niederganges der Wirtschaft von Demokratie und Republik noch vorhanden sei.- 'Die „Eiserne Front", bisjetzt noch allein getragen von den arbeitenden Massen, solle die Front aller Republikaner fein. Der Redner verlangte Wiederholung des Verfassungseides für alle Beamten und schonungsloses Vorgehen g en alle nationalsozialistischen B e - a m t e n. 3 , ■ ,,
Mißglückte Propaganda vom Balkon ber Berliner Universität.
ERB. Berlin, 19. Jan. (Eig. Meld.) Ein junger Student betrat heute vormittag einen Balkon der hisigen Universität, legte eine nationalsozialistsche Fahne mit dem Hackenkreuz über die Brüstung und hielt eine Propaganbarede an bie wenigen, im Vorhof ber Universität stehenden Kommilitonen. Der Student hatte aber kaum 2 Minuten gesprochen, als er von zwei Pedellen mit samt der Fahne vom Balkon des Gebäudes entfernt wurde. Als der Rektor der Universität erschien, herrschte bereits wieder vollkommene Ruhe. Zu irgendwelchen Zwischenfällen ist es nicht gekommen... - -
Fuld a erZ eriung
Anzeiger für die Stabt Aulba unb benLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
Ur. 15
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" unb „Buchenblätter". Rotationsdruck unb Verlag ber Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitunq 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Mittwoch, 20. Januar 1932.
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