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Nr. 14

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda, gernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatl. I Dienstag, 19. Januar 1932. |

Die Lausanner Konferenz in Abschnitten?

wtb. London, 18. Ian. (Eig. Meld.) Die heutigen englischen Morgenblätter betrachten es als aus gemacht, daß die Lausanner Kon­ferenz lediglich das Deutschland gewährte Mora­torium verkürzen und sich dann u m e t w a 6 Mnate vertagen werde.

*

wtb. Paris, 18. Zan. (Eig. Meld.) Das na- tionalistische Echo de Paris wendet sich erneut gegen eine Vertagung der Lausanner Konferenz, die Deutschland nützen und Frankreich nur Schaden bringen könne.

*

wtb. Paris, 18. Ian. (Eig. Meld.) Die Mel­dung, der deutsche Botschafter habe am Samstag eine Schrift überreicht, in der die Rechtferti­gung der bekannten Kanzlererklärung enthalten gewesen sei, wird als unrichtig bezeichnet. Von Hoesch habe eine derartige Denkschrift nicht über- reicht. *

Die französische Abordnung auf der Abrü-

Moral zu predigen ist immer eine undankbare Aufgabe. Und doch tut heute nichts mehr not als eine Festigung der Moral, die durch den Krieg im Einzelleben der Völker so schwer erschüttert ist, und eine Hebung der Moral, die im Gesamtleben der Völker bisher leider keine Rolle gespielt hat. Man hat gehofft, daß hier der Völkerbund Gutes leisten könne, aber diese Hoffnung ist bisher schwer erschüttert worden, denn gerade der Völkerbund hat gezeigt, daß er nichts weiter ist wie eine Stütze der Großen und eine neue Bemäntelung ihrer Machtpolitik. Und doch gibt es int Innenleben der Volker keinen Frieden, es gibt vor allem keine Be­friedung der Welt, wenn nicht endlich eine ge- funde» Moral wieder zur Herrschaft gelangt.

Auch die ReparaUonen, um die zur Zeit wieder der heftigste Streit entbrannt ist, haben ihre moralische Seite. Vielleicht ist zu wenig davon bisher gesprochen worden, noch wahrscheinlicher hat man es mit Absicht unterlassen, weil ein schlech­tes Gewissen unsere Gegner davon abhielt, diesen wunden Punkt zu berühren. Reparationen sind Wiedergutmachung und in diesem Falle die Wiedergutmachung der Schäden, die Deutsch­land int Weltkriege angerichtet haben soll. Schon darin liegt allein das Unmoralische, daß ihre An­erkennung Deutschland aufgezwungen wor­den ist durch den Machtwillen unserer Feinde im Weltkriege. Was Deutschland zugeschrieben wor­den ist lassen wir einmal die Kriegsschuldfrage, die hier an erster Stelle geklärt werden müßte, ganz beiseite Verwüstungen in Belgien und in Nordfrankreich, das kommt zum mindesten zur Hälfte, ja wenn nicht zu zwei Drittel auf das Konto von England und Frankreich. Aber stellt man selbst diese gesamte Schuldenrechnung beiseite, so bleibt die eine und letzte Tatsache unwiderlegt, daß auch der Gesamtschaden durch die bisher von Deutschland geleisteten Reparationszahlungen läng ft beglichen ist. Wir haben vor einiger Zeit uns gerade mit letzterer Frage schon einmal befaßt und uns hier auf Zeugnisse berufen können, die sicherlich alles andere als für Deutsch­land voreingenommen waren. Es waren dies eine Denkschrift, die die französische Generaldirektion für die zerstörten Gebiete Mitte Dezember 1928 über den Stand der Wiederaufbauarbeiten veröf­fentlicht hat und die die Gesamtkosten für diese mit rund 83 Milliarden Franken und rund 14 Milliarden Mark angaben. Ein weiteres Zeugnis für diese Summe ist die Erklärung, die vor noch nicht allzu langer Zeit der frü­here französische Minister für öffentliche Arbeiten, Forgeot, in der französischen Kammer abgegeben hat. Ein weiteres Zeugnis für diese Summe sind die Schätzungen von neu­traler Seite, wie dem amerikanischenInstitute of Econonics" und dem bekannten englischen Natio­nalökonomen Keyne, die aber alle auf das eine Resultat hinauslaufen, daß Deutschland schon be­deutend mehr bezahlt hat, als die ei­gentlichen Wiedergutmachungen erfordert hätten. Und trotzdem will man auch heute noch weitere Reparationszahlungen von Deutschland, und da man sie nicht mehr durch die Wiederaufbaukosten begründen kann, beruft man sich besonders von feiten Frankreichs auf die Verträge.

Trotzdem es inzwischen aller Welt klar gewor­den ist,' daß weitere Reparationszahlungen für Deutschland zur Zeit unmöglich sind, daß die Weltwirtschaftskrise durch diese Reparationszah­lungen hervorgerufen worden ist und nicht eher verschwindet, bis diese Zahlungen aufhoren, daß es also im eigensten Interesse der verschiedenen Völker selbst liegt, einen Endstrich unter diese Re­parationen zu ziehen, gehen neue Versuche dahin, eine gewisse Zahlungsfähigkeit Deutschlands aus­zurechnen. Mit einer gewissen Ueberraschung müs­sen wir erkennen, daß selbst unabhängige und neu­trale Ausländer wie Santon und Keynes, die die Zahlungsmöglichkeit Deutschlands bisher so stark bestritten hatten, plötzlich einschwenken in die Linie derjenigen, die geringere Repararationszahlungen von Seiten Deutschlands durchaus als möglich er­klären. Die letzte Rede Sir Walter Laytons, des bekannten britischen Sachverständigen im Baseler Ausschuß, die er letzthin in London hielt, bringt

stungskonserenz wird von Kriegsminister Tardteu geführt werden. *

Der Führer der ftanzösischen Links-Radikalen, Herriot, nahm in einer sehr scharfen Rede gegen die Auftasfung der Reichsregiernng in der Tributfrage Stellung.

*

DieD. Z." berichtet: Wie in Berliner diplo­matischen Kreisen verlautet, hat der bekannte eng­lische Wirtschafts- und Finanzsachverständige Lay­ton plötzlich einen Nervenzusammen- brach erlitten.

Die Stillhatteverhandlrrngen, die eine Zeitlang gefährlich ins Stocken gekommen waren, haben sich in den letzten Tagen wieder etwas günstiger gestaltet. Allerdings steht die Situation jetzt so, daß wohl kaum eine endgültige Regelung stattfinden wird, sondern daß man sich auch hier wiederum mit einem Provisorium be­gnügen muß. Dieses Provisorium würde grund­sätzlich dis Verlängerung der bestehenden Wma- chungen bestimmen, unter Einbau einiger 'Ab­änderungen, die insbesondere die Frage der Til­gung und der Verzinsung betreffen.

die überraschende Tatsache, daß er trotz seiner frü­heren Einstellung plötzlich dafür eintritt, daß Deutschland 200 bis 400 Millionen jährlich zahlen könne. Professor Keynes, der bekannte englische Volkswirtschaftler, der feit Jahren sich gegen die Reparationen als einem Weltunglück ausgespro­chen hat, und der noch vor kaum einer Woche im Hamburger Ueberseeklub in einem Vortrag über die Tribut- und Kriegsschuldsrage die Welt und vor allem Deutschland vor einer weiteren Erfül­lungspolitik gewarnt hat, tritt jetzt in der libera­len WochenzeitschriftNew Statesman and Na­tion" für die Zahlung einer, wenn auchbeschei­denen und vernünftigen" Summe durch Deutsch­land ein. Allerdings ist letzterer Vorschlag mehr ein Ausdruck seines diplomatischen Willens, so eine Endlösung zu ermöglichen, die baldigst erfolge» müsse, weil, wie er selbst schreibt, die öffentliche Meinung der ganzen Welt mit Siebenmeilenstie- feln vorwärts schreite. Aber was nutzt uns die­ser diplomatisch gut gemeinte Rat, wenn sich in England und Frankreich Kreise, die nicht das In­teresse der Welt im Auge haben, sondern nur das eigene Interesse, darauf stützen und sie als Grund dafür gebrauchen, daß Deutschland eben noch zah­len könne und deshalb zahlen müsse.

Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn mir behaupten, daß es weder in England noch in Frankreich einen maßgebenden Politiker gibt, der an die Berechtigung und Gerechtigkeit der Repa­rationen geglaubt hätte und noch glaubt. Den Forderungen und der ganzen Politik dieser Män­ner liegt nur die eine Triebkraft zu Grunde, Deutschland am Boden zu halten, weil man auch heute dieses so ungeheuer ge­schwächte Deutschland, seinen Fleiß, seine Intelli­genz und den damit verbundenen Wiederaufstieg als Konkurrenten fürchtet. Das geht deutlich her­vor aus der englischen Presse, die schon heute die schwere Schädigung der englischen In- d u st r i e an die Wand malt, wenn Deutschland erst von Zahlungen wieder frei ist, das ist die Ma­ral der französischen Nationalisten, die das deutsche Geld für eigene Rüstungen benutzen wollen. Nicht das Recht auf Wiedergutmachung, sondern die Ab­sicht einer Niederhaltung Deutschlands, das sind die letzten wahren tieferen Gründe für die Repara­tionsforderungen.

Hitlers Wunderglaube.

(Er meink, Wahlen würden aller deutschen 3tof ein Ende machen?

Im Anschluß an die Verhandlungen der Reichs­regierung wegen Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten hat der Führer der N.S.D.A.P., Hitler, dem Reichskanzler eine Denkschrift über­reicht, über deren Überreichung Wolff-Büro und 1.41. seit Tagen tiefsinnige Meldungen verbreiten. Bald sollte sie um 15 Uhr, bald um 17 Uhr, über­bracht worden sein. Und was in dieser Notzeit der Sorgen mehr sind. Jetzt endlich kommt eine nähere Kunde von den Offenbarungen der Denk­schrift.

Hitler erinnert darin zunächst an seine Bespre­chungen mit dem Reichskanzler, dem Reichsinnen­minister und Staatssekretär Dr. Meißner, in wel­chem er feine Bedenken gegen die Absicht der Ver­längerung der Amtszeit des Reichspräsidenten durch Reichstagsbeschluß vorgebracht habe, und er­klärt, feinen Bemühungen sei es gelungen, ei­nen Weg zu finden, der es ermöglicht haben würde, die Person des Reichspräsidenten aus dem peinlichen Zusammenhang mit der bezeichneten Aktion zu bringen. Er, Hitler, fei nicht in der Sage, die Aktion des Reichskanzlers als möglich anzusehen, sowohl vom rein verfassungsmäßigen Standpunkt aus als auch auf Grund einer politi­schen Uederprüfung.

Er habe persönlich berechtigte Zweifel, daß eine parlamentarische Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten zulässig ist, wenn in der Ver­fassung ein wirkliches Fundament staatlichen Le­bens erblickt werden soll. Sollte aber trotzdem die -Auslegung, daß eine A-Mehrheit des Reichstages entgegen den Bestimmungen einer Reichsverfas­

sung einer Volksabstimmung gleichzusetzen sei, an­genommen werden, dann müsse seines Erachtens zum mindesten eine selbstverständliche Voraus­setzung erfüllt fein: die Zusammensetzung des Reichstages müsse den augenblicklichen und wirk­lichen Willen des Volkes tatsächlich und erweisbar zum Ausdruck bringen. Alle sonst gegen eine Neuwahl angeführten Gründe, innen- und außen­politischer Natur, könnten niemals ein Freibrief zur Verletzung der Verfassung sein. Zu der Auf­fassung des Reichskanzlers, daß die schwieri­gen außenpolitischen Verhandlun­gen keine schwierigen inneren Wahlen vertrügen, bemerkt Hitler, daß das innerpolitische Regime in Deutschland, dessen Gesamtverantwortlichkeit für die Lage des Reiches fett 12 Jahren man nicht zu bestreiten vermöge (nachdem die Nationali­sten vor zwölf Jahren in der November-Nieder­lage und November-Revolution das schaurige Ende ihrer Politik erlebt hatten. Die Schrift!.), aus inneren politischen Selbsterhaltungsgründen keine Wahlen brauchen könne, während um­gekehrt alle außenpolitischen Erwä­gungen dies gebieterisch erforder­ten.

*

Man muß staunen, daß die Nationalsozialisten von einer Wahl im Augenblick sich die Erfüllung ihres Wunfchtraumes vom TH. Reich erwarten. Was würde Deutschland wohl an furchtbaren au­ßen- und innenpolitischen Erlebnissen zu verzeich­nen haben, wenn jetzt im ganzen Land ein Wahl­kampf entfesselt würde. Wir wollen keine Pest'i- misten sein, aber wer bei einer solchen Entwick­lung nicht anFinis Germaniae" denkt, der hat keine Ahnung von der sozialen und kultu­rellen Situation des Jahres 1932.

Falsche Behauptungen über die Beröffentlichung

der Reichskanzlererklärung.

'ERB. Berlin, 18. Jan. (Eig. Meld.) In einer Reihe von Zeitungen werden an die Vev- öffentlichung der Reichskanzlererklärung über dir deutsche Zahlungsunfähigkeit eine Reihe von Be­hauptungen geknüpft, die, wie von zuständiger Stelle ausdrücklich festgestellt wird, unzutref­fend sind. Wenn behauptet wird, daß der pol­nische Gesandte in Berlin von dem französischen Botschafter in Berlin unterrichtet worden sei und die vorzeitige Veröffentlichung der Reichskanzler- erktärung veranlaßt habe, so ist an dieser Be­hauptung kein wahres Wort. Deshalb ist auch die'weitere Behauptung völlig unrichtig, daß Reichskanzler Brüning wegen angeblicher Indis­kretion des ftanzösischen Botschafters Schritte in Paris unternommen habe.

Merkk Euch das!

Es gibt in Deutschland Kräfte, denen die innen- politische Uneinigkeit lieber ist als ein außenpolitischer Erfolg und die aus Aerger darüber, daß eine einheitliche Willens­erklärung der Parteien zur Präsidentenwahl den auf dem Wege nach Lausanne befindlichen Sanz ler stützen und zu einem Erfolge führen könnte, zum verwerflichen Mittel der Sabotage greifen.

Das Sakyrspiel der Unentwegten müßen die Massen in Deutschland mit Millionen bezahlen in einem Augenblick, da sie sich von Milliarden befreien könnten. (Einige wollen nicht; es sind immer dieselben, und zwar diejenigen, die zum Gehorsam mahnen, wenn sie befehlen, die aber rebel­lieren, wenn sie einmal selbst ge­horchensollen. (K. V.)

Partei Drehscheibe!

Die Deutsche Volkspartei veranstaltete eine Kunidgedung in Düsseldorf, bei der ihr Sprecher, Dr. Schlenker, bezeichnenderweise Geschäftsführer des großindustriellenLangnam-Vereins" neben anderen Angriffen auf die Politik des Reichskanz­lers Brüning sich darüber aussprach, daß der Par­teiführer der Deutschen Volkspartei an den Reichspräsidenten nicht den gleichen Brief gerichtet habe, wie Hu gen berg.

* Nun der Herr Parteiführer Dr. Dingeldey^ Aus Frankfurt a. d. Oder wird vom gleichen Tage gemeldet: Der Führer der Deutschen Volks- partei Dr. Dingeldey befaßte sich auf einer Ver­tretertagung des Wahlkreises V mit außenpoliti­schen Fragen, wobei er erklärte, der Stand­punkt des Reichskanzlers, der dem Aus­lande die Unmöglichkeit weiterer Reparationszah­lungen dargelegt habe, verdiene volle Zu­stimmung. In diesem Zusammenhänge kam Dr. Dingeldey auch auf die bevorstehende Reichs­präsidentenwahl zu sprechen und sagte, es hätte eine Selbstverständlichkeit sein müssen, den Willen zum Widerstand auch dadurch erkenn­bar werden zu lassen, daß man sich ohne Zögern über die Wiederwahl des Reichspräsienten verstän­digt habe. Vom Brief Hugenbergs an den Reichs­kanzler meinte der Redner bedauernd, er habe leider einen einseitigen parteipolitischen Charak­ter getragen. Hätte man mit allen Kräften eine Volkswahl Hindenburgs unterstützt, so würde es geradezu erlösend gewirkt haben.

Daß eine Partei, die derartige Sprünge macht, nicht darauf rechnen darf, bei den Wähler- massen noch ernst genommen zu werden, ist leicht zu verstehen. Armes deutsches Bürgertum!

* Sozialdemokratische Geheimbefehle im Falle eines Patsches in Oesterreich. Wie das christlich- soziale Wiener Montagsblatt erfährt, fand man ttn Ottakringer Arbeiterheim außer Waffen und

Munition in einer eisernen Kassette zahlreiche Schriftstücke mit einem bis in die kleinsten Einzel­heiten ausgearbeiteten Plan für ein bewaff­netes Vorgehen der sozialdemokrati- schen Parteigruppen im innerpoliti­sch e n Ernstfälle sowie Befehle für die Be­setzung öffentlicher Gebäude, Verhaftung politi­scher Gegner, für die Angriffsweise der Sturm­abteilungen, die Errichtung von Barrikaden und die Organisierung eines diktatorischen Sicherheits­dienstes usw. In einer Unterredung mit einem Vertreter des WienerMorgen" erklärte Innen­minister Winkler, er beschäftige sich mit der Aus- arbeitung eines Gesetzes, das den Staat, al8 alleinigen Träger der Machtmittel von jedem anderen Einfluß befreien solle. Die Bundesregierung werde die Aktion zur inneren Abrüstung streng unparteiisch durchführen.

Um das preußische 100 MNonen-DeW.

VDZ. Berlin, 18. Jan. (Eig. Meld.) Wie das Nachrichtenbüro des VDZ. meldet, hofft man in preußischen Regierungskreisen den über 100 Mill, hinausgehenden Fehlbetrag am Etat für 1932, also 67 Mill, die sogenannte Spitze des Defizits, durch weitere Abstriche und Korrekturen an Schätzungen der Steuereinnahmen ausgleichen zu können. Dagegen fehle bisher noch jeder konkrete Plan für die Abdeckung des Grundbetrages des Defizits von 100 Mill. Rm. Die Idee, eine Schlachtsteuer in Preußen einzuführen, stößt, wie das Nachrichtenbüro des VDZ. weiter erfährt, auch in weiteren Kreisen der Regierungs­parteien auf erheblichen Widerstand. An­träge gegen die Schlachtsteuer, die heute im Haupt- ausschuß des Landtages beraten werden sollen, wurden auf Wunsch der Regierungsparteien abge- setzt, weil noch heute der interfraktionelle Aus­schuß der Regierungsparteien über die Schlacht­steuer und die übrigen Finanzierungspläne der Regierung beraten soll. In preußischen parlamen­tarischen Kreisen wird das Gerücht verbreitet, daß evtl, mit einer Reichsfleischsteuer zu rech­nen sei.

Hierzu wird dem Nachrichtenbüro des VDZ. im Reichsfinanzministerium gesagt, daß von einer der­artigen Absicht der Reichsregierung keine Rede fein könne. Reichskanzler Dr. Brüning habe dem preußischen Finanzminister Dr. Klepper ausdrück­lich gesagt daß neue Steuern vom Reich aus nicht eingeführt werden sollten. In Referentengesprä- chen im Reichsfinanzministerium fei einmal erör­tert worden, daß es nicht zweckmäßig wäre, in einzelnen Ländern des Reichsgebietes Schlacht- steuer-Oafen einzuführen, und daß Man dann eher den Gedanken. einer Reichsfleischsteuer debattieren solle. Aber von irgend einer Vorlage hierüber könne nicht die Rede sein. In Kreisen der preu* ßischen Regierungsparteien hält man es für mög. sich, daß der Haushalt dennoch mit einem Fehl­betrag dem alten Landtag zugeleitet wird, so daß das neue Parlament versuchen müsse, daß Defizit zu decken.

* Selbstmord der Witwe Maximilian Hardens. (Eig. Meld.) Die Witwe Maximilian Hardens, Selma Harden, ist Dienstag früh im Berliner West- fanatorium, wo sie Sonntagabend schwer krank auf­genommen worden war, gestorben. Man hatte sie in ihrer Wohnung bewußtlos aufgefunden. Allem Anschein nach liegt Selb st mord vor.

Zng-Kakastrophe in Frankreich.

Zehn Todesopfer, 20 verletzte.

Sonntagabend ist der Personenzug Paris- Abbeville um 19.10 Uhr bei Saint-Just- en-Chaussee infolge Achsenbruchs entgleist. Zehn Personen tarnen ums Leben, 20 wur­den verletzt.

Wissenschaft und Forschung.

Verleihung des Adler-Schilds an Geheimrat Sering.

Der Herr Reichspräsident hat dem bekannten Agrar­wissenschaftler und Universitätsprofessor Dr. Max Sring anläßlich der Vollendung seines 75. Lebensjahres den Adlerschild des Reiches verliehen und diese Ehrung mit Handschreiben begleitet. Der Adlerschild, die höchste Auszeichnung, die die deutsche Republik zu vergeben hat, trägt folgende Widmung: Max Sering, dem Führer der Agrar-Wissenfchaft, dem Künder und Förderer deutschen Bauerntums.

* Zwei Tote auf der Karsten-Zentrum-Grube geborgen. Die Rettungsmannschaften auf der Kar- sten-Zentrum-Grube in Beuchen haben am späten Samstagabend die Leiche des Zimmerheuers Weiß aus Beüthen geborgen. Weiß war Familienvater und ist zwei Tage nach dem Unglück an den schweren Verletzungen, die er beim Zusammen­bruch der Vorrichtungsstrecke erlitt, in der Grube gestorben. Sonntag nachmittag ist auch die Leiche des zweiten Toten, des Heuers Misch aus Beuchen, unter äußerst gefahrvoller Arbeit ge­borgen worden. Misch hinterläßt Frau und zwei Kinder. Er lag ebenfalls unter Gestein einge­klemmt und ist erst nach vier Tagen von seinen Leiden erlöst worden. Von den verschütteten 14 Bergleuten werden jetzt noch fünf vermißt.

Heues in kürze.

Die Hagener Polizei hat am Samstag ein neues Spreng sto ff lager entdeckt. Es wurden drei Kilogramm Sprengstoff, eine gefüllte, behelfsmäßige Handgranate und drei Zündkap­seln mit Zündschnur gesünden.

Unweit der spanischen Station Vatlecas wurde ein Eüterzug von einer etwa 40köpsigen Räuberbande überfallen. Die Räuber, die das Zugpersonal mit vorgehaltener Schußtvaffe be­drohten, plünderten elf Güterwagen aus.

Die moralische Seite der Reparationen.