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SuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

1lk.13

(Srjdjemt sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Well imBilb" und ..Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Sonntag, 17. Januar 1932.

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3altg. 59.

Englands Pläne für Lausanne.

Angelsächsische Bemühungen um eine Uebergangslösung der Keparalionsftage.

CNB. Berlin, 16. Jan. (Eig. Meld.) Die die­ser Tage in der angelsächsischen Presse erkenntlich gewordene Tendenz der bereits von dem englischen Wirtschaftssachverständigen Keynes und Laydon vertretenen Auffassung, daß die Aufgabe der Lau­sanner Konferenz über die Schaffung einer Ueber­gangslösung in der Reparationsfrage nicht hinaus­gehen könne, kommt heute wieder in Artikeln der Londoner Times und der Newyork Times zum Ausdruck. So schreibt die Times, in England sei man sich in der Tat darüber klar geworden, daß eine endgültige Streichung der Reparationszahlun­gen nicht vernünftig erscheine, solange noch eine Verpflichtung zur Zahlung von Kriegsschulden be­stehe. Wenn sich in Lausanne Herausstellen sollte, daß eine Einigung über die grundsätzlichen Fragen Segenwärtig nicht möglich sei, so würde es am be- en sein, eine kurze Verlängerung des Reparationsmoratoriums zu beschlie­ßen und die feste Zusicherung aller Teilnehmer zu erreichen, daß sie während dieses Jahres wieder zusammenkommen wollten, um eine bauende Lösung zu finden.

Besprechung Laval-Hoesch.

wtb. Paris, 16. Jan. (Eig. Meld.) Der deutsche Botschafter von Hoesch hatte heute auf Bittendes Ministerpräsidenten Laval mit diesem eine Un­tier re bang, die der Vorbereitung der Lau­sanner Konferenz diente. i > i

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Aus durchaus zuverlässiger Quelle verlautet, daß England den Plan eines Sonderabkommens oder einer Sonderverständigung mit Frankreich vvr dem Zusammentritt der Lausanner Konferenz endgültig ausgegeben hat. Es wird betont daß während der Verhandlungen zwischen den englischen und französischen Finanzsachverständigen in Paris England keine Verpflichtungen eingegan­gen ist und auch in Zukunft keine Sonderabmachun­gen eingeh^r werde. Die englische Politik lege vielmehr Gewicht auf eine allgemeine Verständi­gung zwischen den europäischen hauptsächlichsten Gläubigermächten und dem Schuldnerstaat Deutsch­land Ker die großen Linien der in Lausanne einzuschlagenden Politik.

. Die englischen Bestrebungen gehen dahin, auf der Lausanner Konferenz eine Verlängerung des Tributmoratoriums um etwa fünf bis sechs Mo­nate zu bewirken, und es wird Wert darauf gelegt, daß die Mächte sich schon in Lausanne darauf festlegen, die Erörterung eines Planes zur endgültigen Regelung des Schuldenproblems in Angriff zu nehmen. Möglicherweise wird die englische Regierung von sich aus diesbezügliche astgemeine Richtlinien bekannt geben, die als Aus­gangspunkt der Verhandlungen dienen könnten. Nach kurzer Sitzung soll dann die Konferenz dem englischen Wunsche nach bis zu einem Zeit­punkt vertagt werden, der so frühzeitig liegt, daß Amerika rechtzeitig in die Lage versetzt werden kann, die europäische Lage noch einmal vor dem 15. Dezember nachzuprüfen, an dem die nächsten interalliierten Schuldenzahlungen an Washington fällig werden.

Neber Einzelheiten, worunter z. B. besondere Zusagen an Deutschland oder Pläne über die Art des Herantretens an Amerika fallen, sind noch keine Beschlüsse gefaßt worden. Man verkennt englischerseits nicht, daß möglicherweise mit einem Widerstand Frankreichs zu rechnen ist, insbesondere gegen etwaige Versprechungen einer endgültigen Lösung.

Deutscherseits würde man bei einer etwaigen Annahme des englischen Planes Wert daraus zu legen haben, ganz bestimmte Garantien zu erhalten, daß die Verhandlungen über eine endgültige Lö­sung bis zu einem bestimmten Zeitpuntt noch in diesem Jahre ausgenommen werden, daß die Rückwirkungen der Krise auf Deutschland gebüh­rend berücksichtigt und die vom deutschen Kanzler gemachten Erklärungen nicht außer Acht gelassen werden.

Seitdem in verschiedenen mecklenburgi­schen Aemtern nationalsozialistische Mehrheiten zustande gekommen sind, Hat sich das Verhältnis zwischen den Harzburger Kampfgenossen merklich abgekühlt. Ja, HugenbergsLokal-Anzeiger" findet Veranlassung zu folgenden Klagen:

D'e Wahlen der Amtshauptleute in Mecklen­burg, von denen die in Rostock noch aussteht, haben eigenartige Momente ergeben. Von einem Zusam­mengehen der nationalen Opposition war herzlich wenig zu spüren, da die Nationalsozialisten überall dort, wo sie über absolute. Mehrheit verfügten, von ihr einen wenig rücksichtsvollen Gebrauch gemacht haben. So kam es, daß z. B. in Parchim der der Rechten angehörende. Amtshauptmann zu­gunsten des nationalsozialistischen Kandidaren fiel und in Rostock dem deutschnationalen Kandidaten ein nationalsozialistischer Kandidat entgegengestellt ist. Besonders kraß liegt der Fast in Parchim. Trotz der dringlichen Vorstestungen der Rechtsorganisa­tionen, vor allem der Bauern, zugunsten des bisherigen Amtshauptmanns Rieck, gegen dessen sachliche Eignung nicht das Geringste von den Nationalsozialisten vorgebracht werden konnte, wählten diese einen Parteigenossen aus München. Man stelle sich die Unterhaltung

Der ftanzösische Botschafter Francois-Poncet, der aus Paris nach Berlin zurückgekommen ist, war beim Reichskanzler, mit dem er eine, längere Unterhaltung gehabt hat. Es gehört nicht viel Kombinationsgabe dazu, um zu erraten, daß die Besprechung dem Reparationsthema und der Lau­sanner Konferenz gegolten hat.

Erwähnt sei in diesem Zusammenhang eine Meldung des im allgemeinen gut unterrichteten diplomatischen Berichterstatters.desDaily Tele­graph", daß Ministerpräsident Laval ausländi­schen Botschaften in Paris zu verstehen gegeben habe, Frankreich werde an bet Lausanner Konfe­renz nur teilnehmen, wenn es eine vorherige Verstänbigung mit Großbritannien und Deutschland erreicht habe. - - .

firWPTT!

Der ehemalige französische Außemninister B r i a n d erhielt ein Telegramm des Reichskanz­lers Brüning, worin dieser im Gedenken an bett großen Anteil, ben Briand an der Lösung bet internationalen Probleme genommen habe und in persönlicher Erinnerung an bie Zusammenarbeit im vergangenen Iahte bem aus seinem Amt schei- benben Minister feine herzlichen Grüße unb Wünsche zum Ausbmck bringt. Er hoffe, baß Brianb sich von ben außergewöhnlichen An­strengungen der letzten Jahre erholen und seine Arbeitskraft vollständig wieder hergestellt werde.

Brianb dankte Brüning telegraphisch und betonte, daß er die beste Erinnerung an bie guten persönlichen Beziehungen zu dem Kanzlet während der engen und ständigen Zusammenarbeit in ben Schwierigkeiten der vergangenen Jahre erhalten werde. Et wünsche Brüning beste Gesundheit zur Vollbringung feinet schweren Aufgabe.

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wtb. London, 16. Jan. (Eig. Meldg.). Der Führet bet Arbeiter-O pposition im Unterhaus, Lansbury, wandte sich gestern in scharfen Worten gegen bie Repara­tionszahlungen.

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wtb. Paris, 16. Jan. (Eig. Meld.). In einen- offensichtlich inspirierten Artikel sprichtPetit Pa- risien" sich gegen b e Abhaltung der Lau­sanner Reparationskonferenz aus.

J i ' t. i * :

Die Abrüstungskonferenz.

Der deutsche Untergeneralsekretär im Völker­bund Dufour-Fetonce weilt gegenwärtig in Berlin, um mit ben beteiligten Reichsstellen über die Vorbereitung und Durchführung der Abrü­stungskonferenz Fühlung zu nehmen. Dabei wird, den Blättern zufolge, im besonderen geprüft, wie die Besetzung der einzelnen Kommissionen, die im Verlauf der Konferenz gebildet werden sollen, vor- genommen wird. * l

Das Befinden Hendersons hat sich nunmehr soweit gebessert, daß er in einigere Tagen seine Tätigkeit im Hauptquartier der Arbeiterpartei auf­zunehmen hofft. Er wird sich in der Hauptsache der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz wid­men. . 1 i

IT" W

Der deutsche Botschafter in London besuchte am Donnerstagabend den englischen Außenminister, mit dem er die Tributfragen und die Vorbereitun­gen für die Lausanner Konferenz besprach.

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Die Frau Gandhis ist zu sechs Wochen Gefäng­nis verurteilt worden.

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Die kommunistische ZeitungDie Rote Fahne" ist auf drei Tage verboten worden.

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In Newyork kam es vor der City Hall zu Er- werbslosendsmonstrationen, wobei mehrere Per­sonen beim Eingreifen der Polizei verwundet wur­den.

des Bayern mit den mecklenburgischen Bauern vor! Für den Kreis bedeutet die Wahl auch eine finanzielle Belastung, -da nunmehr für den bisherigen langjährigen Amtshauptmann Pen­sion gezahlt werden muß. DieseAbsägung" ist die Belohnung, daß Rieck in den Zeiten, wo Mecklenburg noch rot war, aus seiner Rechts- gesinnung nie Hehl gemacht hat. Dafür wurde in Malchin von ben Nationalsozialisten ber frühere rote Amtshauptmann wiedergewählt, ber zwei Wochen vor ben Amtsvertreterw ah len von ben Sozialdemokratenzur NSDAP übergetreten war. Man hatte eigentlich ge- bacht, daß bie Zeiten vorüber wären, wo dir Besetzung unpolitischer Aemter unter rein partei­politischen Gesichtspunkten erfolgte."

I-- -TW!

Ja, bie Hugenberger haben sich so manches schon gebucht. Die ganze Jeremiabe desLokal- Anzeigers" wirkt fast komisch, wenn man baran denkt, daß die Nationalsozialisten erst vor wenigen Wochen in ihren zwölf Forderungen an das hessische Zentrum die . sofortige Entlassung allerParteibuchbeamten:" verlangt ha­ben. Daß zwischen agitatorischere Forderungen und

praktischem Handeln ein großer Unterschied be­steht, . sollten die Deutsch nationalen schließlich aus ihren eigenen Erfahrungen wissen, sie sollten der schmerzlichen Belehrung durch ihre Harzburger Bundesgenossen aus dem Lager Hitlers gar nicht mehr bedürfen.

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Auf das Scheitern der Aktion des Kanzlers Brüning für eine parlamentarische Wiederwahl Hindenburgs wirft die Veröffentlichung ein ganz neues Licht, die derDeutsch e" unter der Über­schrift «Die Opposition gegen Hindenburg. Be­schlossen schon am 3. Januar" in seiner Nummer 12 vom 15. Jan. bringt. Danach war diena­tionale Opposition" schon vor dem Besuch Hitlers bei Groener von den Absichten der Regierung ins Bild gesetzt und auch schon entschlossen, diele Ak­tion 311 sabotieren unb dem Kanzler möglichst eine Niederlage beizubringen. Es heißt dort wörtlich: Einem Mitglied unserer Redaktion war am Sonn­tag, 3. 3anuar, bereits bekannt, daß führende Per- lönliäsieiten der Rechtsopposition in Berlin von dem Plan des Reichskanzlers die Amtszeit Hin­denburgs durch den Reichstag verlängern zu las­sen Kenntnis hatten. Das war also schon zu einem Zeitpunkt, bevor Groener Hitler eingela­den hatte, und bevor Hitler von Groener über die Pläne des Reichskanzlers ins Bild gesetzt wurde; das ist bekanntlich erst am 6. Januar geschehen. Am Sonntag, 3. Januar, erfuhr unser Redaktions­mitglied auch bereits, daß die führenden Persön­lichkeiten der Rechtsopposition entschlossen waren, diesen Plan des Kanzlers zu sabotieren und ihm dabei möglichst eine Niederlage beizubringen. Es sollte versucht werden, die Schuld am Scheitern nach außen hin Brüning zuzuschieben. Es ent­zieht sich unserer Kenntnis, ob Hitler von ben Besprechungen mit Groener und dem Reichskanz­ler über all das unterrichtet war. Es ist durch­aus möglich, daß er über diese Stimmungen und Entschlüsse im Lager der Führung der Rechtsoppo­sition nicht im Bild war. Die Aktion ist dann so verlaufen, wie es am 3. Januar bereits feststand. Daß sich Hitler bemüht hat, eine Miß­stimmung beim Reichspräsidenten zu vermeiden, paßt durchaus in den Plan, der daraus hinaus­lauft, Brüning und seine Aktion beim Reichspräsi­denten in Mißkredit zu bringen. Hitler, ber für den Plan und die Argumente Brünings an­fangs Verständnis zeigte, wurde, wie bekannt, von dem entscheidenden h r e r g r e m i u m ber Harzburger Front in die beschlos­sene Linie hineingezwungen. Wir wei­sen auf diese Zusammenhänge und dieses Spiel deswegen hin, um festzustellen, daß die Rechts­opposition auf alle Fälle gegen die Wieder- wähl Hindenburgs zum Reichspräsi­den t e n ist und dementsprechend taktieren wird. Wir sind überzeugt, daß sie auch nach einem Sturz Brünings sich nicht für eine Wiederwahl Hinden­burgs einsetzen würde."

Wir können das durchaus bestätigen und dazu aus eigenem Wissen noch die Tatsache unterstrei­chen, daß der erste Schritt in dieser Angelegenheit durch den Reichswehrmini st er Groe­ner nach Fühlungnahme mit nationalso­zialistischen Führern erfolgt ist, und der Reichskanzler sich erst offiziell an der Aktion be­teiligt hat, als.begründete Aussicht auf einen® r folg bestand. Wir wissen sogar, daß ein nationalsozialistischer Führer sich zuversichtlich dahin ausgesprochen hat, daß auch seine Partei die Aktion nur billigen und mitmachen forme.

Wenn nun der Chefredakteur Alfred Rosenberg imVölkischen Beobachter" im Bunde mit den Re­den bes Abgeordneten Frick die Ablehnung der Rechten als eine Niederlage des Reichskanzlers darstellen will, so kann das nur dazu dienen, die eigenen Wähler und die der Harzburger Front irre zu führen und die eigene Haltung zu verdek- fen. Er versucht das in seiner bekannten Methode mit Schlagwörtern, bie einer anständigen Kampfes« weise ins Gesicht schlagen.Jeüt versucht die Jour­naille, uns die Schuld zuzuschieben, weil Adolf Hitler nach ernstester Prüfung aller Umstände schon aus verfassungsrechtlichen Ueberleaungen zur Ueberzeugung gelangen mußte, daß seitens der Zentrumsregierung der Reichspräsident in unqua- lifizierbarer Weife beraten worden war. Des­halb gebot ihm die Gewisienspflicht, gegen die Selbsterhaltungsaktion Dr. Brünings aufzutreten."

Eines ift dabei nur merkwürdig, daß nämlich dieseGewissenspflicht" bei Hitler erst in Erschei­nung getreten ist, als es Hugenberg gelun­gen war. die Unterführer der Nationalsozialisten, an der Spitze Dr. Frick, gegen Hitlers Bereitschaft mobil zu machen.

An Größenwahn grenzt es aber geradezu, wenn Alfred Rosenberg glaubt, daß bie Unterstüt­zung des Brüningschen Planes zur Sammlung einer nationalen Einheitsfront unter Hindenburgs Führung notwenbig geworben sei, weilder im­mer noch amtierende Reichskanzler von sehr au- karitativer ausländischer Seite darauf aufmerksam gemacht worden war, daß er nicht mehr recht ver­handlungsfähig sei ohne Adolf Hitlers Unterstüt­zung, da ja kein Volk mehr hinter der Regierung stände.Mir", so schreibt dieser politische Gerne­groß weiter,wurde schon im Dezember 1931 in London von der dortigen Botschaft eines Groß­staates bekannt gegeben, daß mit der jetzigen Reichsregierung keine dauernden Abmachungen getroffen werden können." Man sieht daraus, wie krampfhaft sich die Nationalsozialisten bemühen möchten, ihren Wählern und dem deutschen Volke die Bedeutung ihrer Partei klar zu machen. Dieser letzteren Darstellung gegenüber bedarf es feines Dementis. Sie überschreitet, wie

harzburger über harzburger.

Deulschualiouale klagen.

uns auch von autoritativer Seite bestätigt wird, denGrad erlaubter Phantasie".

.. *

Wie verlautet, dürfte Hitler seinen Berliner Aufenthalt dazu benutzen, um dem Reichskanzler die vor kurzem angekündigte Denkschrift zu über­mitteln, die seine verfassungspolitischen und sonsti­gen Gründe für die Ablehnung einer parlamenta­rischen Verlängerung ber Amtszeit des Reichsprä­sidenten enthält. Die Denkschrift wird voraus­sichtlich nach ihrer Ueberreichung d. h. also wahr­scheinlich im Laufe des Samstag veröffentlicht werden. Hitler wird am Sonntag abend vor dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund eine Rede halten, in der er voraussichtlich die grundsätzliche Haltung ber Partei zu allen aktuel­len politischen Fragen barlegen wird.

Major v. Stephani nimmt Stellung.

Im Hinblick auf bie vom 18. bis 23. Januar ftattfinbenben Kammerwahlen an ber Universität Berlin veranstaltete ber WahlblockStahlhelm unb D e u t s ch n at i o n al e" eine Kundgebung, auf der Major a. D. v. Stephani, der Landesführer des Stahlhelms Berlin, scharf gegen bie National­sozialisten Stellung nahm unb ihnen vorwarf, aus ber Harzburger Front, für bie er vor ben Studen­ten spreche, ausgebrochen zu sein, indem Hitler an seine Anhänger bie Losung ausgegeben habe, eine eigene Liste für die Kammerwahlen aufzustellsn. Den Forderungen Hitlers, auf der Wahlliste an führender Stelle vertreten zu fein, könne ber Block Stahlhelm unb Deutschnationale" nicht fta-tgeben, da bie Nationalsozialisten noch nicht bie 51 Pro­zent ber Wähler hinter sich haben. Mit befonberer Schärfe roanbte sich v. Stephani gegen bas Sy- ft em ber Nationa lsoziali st e n, den Deutschen zum Sozialisten zu machen. Stephani lehnte das Wort Sozialist ab, denn es bedeute nichts anderes, als daß ber deutsche Ar­beiter zum Proleten gemacht werden solle. Die Nationalsozialisten gehen auch, so betonte o. Ste­phani zum Schluß, darin fehl, ben Fafcbismus aus Italien auf Deutschland übertragen zu wollen. Deutschlands Stärke liegt in seinen Stämmen und nicht in einem Einheitsstaat, wie er von bei Fa­schisten propagiert werbe.

Einleitung eines Strafverfahrens gegen Studienrat Mahnken.

«- Gegen den Landesleiter des Stahlhelms Stu­dienrat Mahnken, ber am vergangenen Sonntag in einer Weihnachtsfeier der Stahlhelmgruppe Olpe sprach, ist ein Strafverfahren eingeleitet worben. Mahnken soll den Reichspräsiden­ten und den Reichskanzler scharf angriffen haben.

Er hat auch die höchste Entrüstung der tat ho- l i s ch e n Stahlhelmmitglieder, Bund der Front­soldaten erregt, die bie Veranstaltung demonstrativ verließen.

DerDeulschnattonale als »Retter* Deuischnalionaler Antrag aus Landtaqsauflösung des im November neu gewählten hessischen Land­tages.

Im hessischen Landtag hat ber deutschnationale Abg. Böhm (er ist der einzige deutschnatio­nale Abgeordnete) einen Antrag auf Land­tagsauflösung eingebracht. Eine Bearün- dung ist dem Antrag nicht beigegeben, aber er geht wohl von der Tatsache aus, baß nach bem Scheitern ber nationalsozialistischen Verhandlun­gen mit dem Zentrum bie Aussichten für eine Regiemn gsbilbung bei der ge­genwärtigen Zusammensetzung des Landtages gering erscheinen. Für dis Annahme des Auflösungsantrages ist eine Zwei, drittelmehrheit notwendig, die nur bei Zu­stimmung einer ber beiden seitherigen Regierungs­parteien (Zentrum und Sozialdemokraten) erreicht wird. Die Nationalsozialisten haben sich zu dem Antrag noch nicht geäußert.

Hugenbergs Büren-lenste.

Die nationalistische ftanzösische Presse ist über seine Aktion gegen Brünings Präsidentschafts Vorschlag sehr erfreut.

DasEcho de Paris", das deutfchfeind» liche Nationalisten-Organ. erklärt zu den Antwor­ten Hugenbergs und fiitlers an ben Reichskanzler, die unglücklichen Bemühungen Dr. Brünings hät­ten für ihn mit einer ichweren Niederlage geendet. Er habe gehofft, einen Teil des moralischen Ver­dienstes davonzutragen, ben eine Einigung der beiden Oppositionsparteien über die Persönlichkeit des Reichspräsidenten bedeutet hätte. Man habe aber sein Manöver erkannt und vereitelt. Wenn der Reichskanzler gehofft habe, mit erhöhtem Ansehen nach Genf unbLau­sanne gehen zu können, so sei er sich jetzt sicherlich barüber klar ge­worben, daß er niemals als Titel­halter eines einigen Deutschlands auftreten könne. Die Welt wisse aber auch, daß hinter den Forderungen bes Kanzlers noch andere, sehr viel gefährlichere ständen. (Diese Ge­nugtuung ber französischen Nationalisten haben sie Hugenberg zu verbanken.)

Sicherlich ist nicht alles richtig gesehen, was da basEcho" feftftellt. aber baß Hugenbergs parteipolitische Taktik ber nationalen Sache Deutschlands einen Bärendienst erwiesen bat. läßt sich unschwer aus ber Pariser Aeußerung erkennen.

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Ein Leser macht dieK. V." auf eine Kritik derNeuen Züricher Zeitung" über den Porck - film der Ufa (Hugenbergs Füm-Unternehmen)