Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakk
Nr. ir
Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Welt im Bild" und „Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitunq 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::
Samstag, 16. Januar 1932.
Monatlich 1.65 einfchließl. Postgebühr (48 Psa.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk Frankfurt a. M 4051
laljrg. 59.
Gegen jede Verschiebung!
C. N. B. Berlin, 15. Ian. (Eig. Meld.) Zu dem in einem Teile der ausländischen Presse umlaufenden Gerüchte über eine Verschiebung der Konferenz von Lausanne wird in unterrichteten Kreisen in Berlin mit allem Nachdruck darauf hingewiesen, daß der Standpunkt der deutschen Regierung sich in dieser Frage keineswegs geändert hat. Es kann nur immer wieder betont werden, daß angesichts der im Baseler Gutachten festgestellten Gefahr im Verzüge eine Verschiebung der Konferenz nicht stattfinden darf und der angekündigte Termin unb ed ingt eingeh alten werden muß.
* i
wtb. London, 15. Ian. (Eig. Meld.) Times meldet: Falls die Konferenz von Lausanne am vorgesehenen Datum, dem 25. Januar, beginnt, beabsichtigen die britischen Vertreter Sir John Simon, Chamberlain und Runsiman, London am 23. zu verlassen. Sie hoffen am 2. Februar zum Zusammentritt des Parlaments in. London zurück zu sein, bezw. in Gens zur Eröffnung der Abrüstungskonferenz erscheinen zu können. ■ .
wtb. London, 15. Jan. (Eig. Meld.) „News Chronicle" sagt in einem Leitartikel: Die beiden letzten Aeußerungen zum Reparationsstreit, die von Mussolini und die von Keynes haben den großen Vorzug, daß sie klar als auch praktisch
durchführbar sind. Aber trotz der vielleicht vorhandenen Fähigkeit Deutschlands, etwas zu bezahlen, würde es ungeheuer vorteilhaft sein, wenn mit dem Schwamm über die ganze Schiefertafel gefahren werden könnte, wie Sir Walter Laydon dies am Mittwoch sagte.
„Morning Post" führt zur Rede Laydons aus: Wenn Deutschland wiederum zahlungsfähig ist dann ist es nur recht und angemessen, daß es einen fairen Anteil an den allgemeinen Lasten nimmt. Die Hauptaufgabe der Staatsmänner ist, die Mittel ausfindig machen, die die Aufgabe der deutschen Zahlungen mit der Notwendigkeit in Einklang bringen, Deutschland vor dem Zusammenbruch zu retten. ,L)aily Mail" erklärt in einem Leitartikel: Eine völlige Beseitigung der Reparationen würde Deutschland einen ungeheuren Vorteil geben. Die britische Industrie könnte dann niemals hoffen, die Konkurrenz mit Deutschland auszuhalten. In einem Ausiatz in der ,Daily Mail" sagt Esmond Harmsworth, der Sohn des Besitzers des Blatte, Lord Rother- mere. Wie auch die Regelung von Lausanne ausfallen werde, es sei unbedingt notwendig, .daß England und Frankreich Zusammenhalten.
*
Briand hat noch keine Entscheidung gefällt, ob er als Vertreter Frankreichs nach Genf gehen werde.
Vas ein rheinischer Wirkschaskssührer sagt. „Wie ein Mann hinter der Regierung!"
Geheimrat Louis Hagen, der am Dienstag zum Vorsitzenden der Kölner Industrie- und Handelskammer gewählt wurde, hielt nach der Wahl eine politisch bemerkenswerte Ansprache. Die gegenwärtige Lage, so führte er, nach einem Bericht der „Kölnischen Zeitung", u. a. aus, macht es unmöglich, irgendeinen Ausblick auf das neue Jahr zu geben. Wir leben in einer unsagbar trüben Zeit. Wir werden getrieben von der Politik, dabei möchten wir nur Wirtschaft treiben. Die Politik hat in den Gemütern viel Unheil' angerichtet. Jetzt stehen wir an einer Wende, wo es heißt: Entweder — oder! Denn so kann es weder in Deutschland noch auch in der ganzen Welt weitergehen. Wenn ich unter solchen Umständen versuche, Ihnen einen Lichtblick zu zeigen, so kann ich nur darauf Hinweisen, daß endlich in der ganzen Welt die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß Deutschland nicht in der Lage ist, weitere Reparationen zu zahlen. Das ist das Ergebnis der letzten Tage, das ist das Urteil, das sich heute alle vernünftigen Menschen gebWet haben. Zu dieser Erkenntnis hätte man schon längst kommen müssen, aber man hat sich gegen sie verschlossen.
Wir müssen wie ein Mann hinter der Regierung stehen, die den Mut gefunden hat, zu erklären, daß Deutschland nicht zahlen kann und nicht zahlen wird, weil es nicht kann. Es fehlt nicht an gutem Willen. Ich wage zu behaupten, daß ein Mann wie Brüning unser volles Vertrauen verdient, und wage ferner zu behaupten, daß wir stolz darauf sein dürfen, daß Deutschland einen Reichspräsidenten hat wie Herrn von Hindenburg (Lebhafter Beifall). Es ist ein Schandfleck der Westgeschichte, daß man Deutschland, an dessen Spitze so ausgezeichnete Männer stehen, ins. Verderben treiben läßt, wie es von. Menschen geschieht, dir das Wohl und Wehe der West vollkommen mißachten.
Heute kann ich keinem andern Wunsch Ausdruck geben, als daß es der umsichtigen Regierung, die unser volles Vertrauen hat gelingen möge, unsere früheren Gegner davon zu überzeugen, baß eine weitere Belastung der deutschen Wirtschaft nicht nur das Deutsche Reich, sondern mit ihm auch ganz Europa zugrunde richten wird. Um das zu verhüten, müssen wir wir ein Mann hinter der Regierung stehen.
Und das nennt sich „national".
Die rechtsradikalen Parteien gegen den Reichskanzler im Augen- blick der internationalen Entscheidung. — Das engherzige Spiel der „nationalen Opposition" in der Reichspräsidenten-Frage. IBös sich Dr. Frick leistet: offene Sabotage der Wiederwahl Hindenburgs. Er will ein nationalsozialistisches Staatsober-
— Bedenket das Ende!
Haupt für Deutschland.
An den „nationalen" Stammtischen herrscht Hochbetrieb. Wenig ist die Rede von der Schwie- ri® r-L-j rt Aeichsregierung, ihre geradezu übermenschlich schwere Aufgabe zu bezwingen, die Re- P°ra**°P5ira9e endgültig im Sinne Deutschlands M Losung zu bringen. Aber viel ist die Rede: Der soll Reichspräsident sein, wer Kanzler, wer soll herrichen m Deutschland und wer soll gehorchen, wie kommen wir in dieser Zeit der nationalen Entscheidung zum „dritten Reich" nationalsozialistischer Partei-Herrlichkeit.
In einer nationalsozialistischen Massenversammlung in Lindau am Bodensee sprach neuerdings der frühere bayerische Amtsrichter in Pirmasens und spätere thüringische Innenminister Dr. Frick. Er verglich die Erklärung Brünings zur Tributfrage und deren vorauszusehendes Ergebnis in Lausanne mit dem Schicksal der deutsch - österreichischen Zollunion unter Curtius und folgerte, daß Brüning aus Lausanne nureineNiederlagenach'Hause bring en werde. Wenn die Regierung dann noch nicht zurücktrete, sei die Reichspräsidentenwahl der äußerste Zeitpunkt für den Sturz Brünings, denn die Nationalsozialisten seien nicht geneigt, die „Zentrumsdiktatur" Brünings auch nur einen Tag länger zu ertragen als es unbedingt notwendig sei. Als stärkste Partei Deutschlands hätten sie den Anspruch darauf, daß der R e i ch s p r ä s i d e n t aus ihren Reihen gewählt werde. Alles das gelte aber nur unter der Voraussetzung, daß Brüning noch weiter am Ruder bleiben wolle. Etwas anderes fei es, wenn sich diese Sachlage ändere, denn dann könnten die Nationalsozialisten ruhig abwarten. Wenn durch die Aktion Brünings die Würde und das Ansehen des Reichspräsidenten geschädigt worden seien, so hätten nicht die nationale Opposition, sondern die Gegenspieler die Schuch daran.
Diese Sprache ist geradezu unerhört. Frick, der Wortführer der Nationalisten, gibt damit dem Auslande das Stichwort, es
fei mit einem Umfall der Reichsregierung zu rechnen. Ein Höhepunkt des parteipolitischen Fanatismus ist erreicht.
Im „Völkischen Beobachter" schreibt der nationalsozialistische Außenpolitiker Rosenberg in einem Artikel unter der Ueberschrift „Brüning unmöglich" u. a.:
Man stelle sich vor, daß Dr. Brüning noch vor wenigen Wochen ganz offiziell den Führer der deutschen Freiheitsbewegung in seiner Rundfunkrede in heftigster Weise angegriffen hatte. Und nun wurde plötzlich der Führer dieser „Weltgefahr" gebeten, unter Vorschiebung Hindenburgs die politisch« Lebensdauer desselben Herrn Brüning zu verlängern. Wir gehen nicht fehl in der 'Ihr nähme, daß in den Tagen, die zwischen dem letzten Angriff und dem Telegramm liegen, der immer noch amtierende Reichskanzler von sehr autoritativer ausländischer Seite darauf aufmerksam gemacht worden war, das er nicht mehr recht verhandlungsfähig sei ohne 2lboü Hitlers Unterstützung, da ja kein Volk mehr hinter der Regierung stände. Mir wurde schon im Dezember 1931 in London von der dortigen Botschaft eines Grohstaates bekanntgegeben, daß mit der jetzigen Reichsregierunp keine dauernden Abmachungen getroffen werden könnten
Ein Nationalsozialist hält es also für vereinbar mit „nationaler Würde", vom Ausland her bestimmen zu lassen, wer Deutschland vertritt.
*
Reichspräsident von Hindenburg empfing Donnerstagnachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag.
*
Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Zentrumspartei und die in Berlin anwesenden Mitglieder der Zentrumsvorstände der Reichstagsfraktion und der preußischen Landtagsfraktion traten unter Vorsitz des Reichstagsabgeord. Kaas am Donnerstag in Berlin zu einer Sitzung zusammen, in der eine eingehende Aussprache über die politische Lage stattfand. Die Aussprache ergab
eine völlig einheitliche Auffassung der Partei- Instanzen.
Eine Stimme ans Bayern.
Die „Bayerische Staatszeitung" schreibt H u - gen berg folgendes ins Stammbuch:
„Hier (bei der Verlängerung der Amtsdauer Hindenburgs) wäre einmal Gelegenheit gewesen, dem Ausland zu beweisen, daß auch in Deutschland derHader derParteienzuschwei- gen weiß, wenn es sich um die Bekundung eines nationalen Willens handelt. Der Augenblick blieb ungenützt. Hugenberg verwechselt nicht ohne Absicht die Person mit der Sache. Ihm liegt mehr daran, einen Erfolg des R e ich skanzlers zu ve r tzin dern, als d i e Wieder w ahl des Reichspräsidenten zu ei n er S a chedes g an 3en V 0 l k e s werden zu lassen.
Nun wird es zur Volkswahl kommen. Das deutsche Volk wird nicht versagen. Es wird ei»- sichtsvoller als die Hugenberg und Hitler erkennen, daß in einem Augenblick, in dem wir vor der Entscheidung über die Lebensfrage Deutschlands stehen, kein Wechsel auf dem höchsten Posten des Reiches vorgenommen werden kann, wenn nicht die Interessen des Reichs auf das bedenklichste gefährdet werden sollen.
Hindenburg genießt das Vertrauen auch des Auslandes im höchsten Maße. Sein Verbleiben im Amt wird draußen gewertet werden als Garantie für eine ehrliche deutsche Politik, für eine Politik des Wieder- aufbaues und der Völkerversöhnung, anderalleinD ent s ch l a n d u n d m i t i hm die Welt genesen können. Es wäre das Schlimmste, was unserem Volk angetan werden könnte, wenn man im gegenwärtigen Augenblick die Wahl des Reichspräsidenten zu einem Prüfstein für das Kräfteverhältnis der Parteien machen wollte. Für ein solches Experiment ist jetzt weder Zeit noch Raum."
• '
Die Rede des Abgeordneten Frick in Kemvten veranlaßt die „Dosi. Ztg." folgendes zu schreiben:
„Dr. Frick fuchtelt reichlich ungeniert m i t dem politischen Revolver vor Hindenburg.her u m: entweder eine nationalsozialistisch geführte Regierung (etwa mit Frick als Reichskanzler an der Spitze) oder ein nationalsozialistischer Gegenkanddiat für die Präsidentenwahl! Auf die unverschämte Anrempelung Hindenburgs, der als „gefügiges Werkzeug Brünings" hingestellt wird, ist die beste.Antwort ein Zitat aus der offiziellen Erklärung der nationalsozialistischen Reichsparteileitung, die am Montag erst veröffentlicht wurde:
„Die endgültige Entscheidung, die noch nicht fest- liegt, wird "ausschließlich bestimmt sein von den Rücksichten auf die Lebensinteressen der durch die nationalsozialistische Bewegung vertretenen deutschen Nation einerseits und durch die Würde.und das Ansehen der Person des Herrn Reichs- präsi denten andererseits."
Hindenburg wird sich durch Fricks Revolver kaum einschüchtern lassen. Aber der Vorsitzende der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion überschätzt auch die Wirkung der Drohung, die er am Schlüsse seiner Kemptener Rede ausgesprochen hat auf die verfassungstreuen Parteien. Sie ist schon stark abgenützt."
Eins wird Frick sicher erreichen: In den Kreisen der deutschen Menschen, die sich nicht durch den nationalsozialistischen und Hugenberg'schen Geist des Terrorismus einfangen lassen, steigt eine Empörung über das herausfordernde Verhalten der „Nationalen Opposition" herauf, die sich einmal — nicht zur Freude der Provokateure — spontan entladen wird.
Der Stahlhelm für Hindenburg.
Der „Stahlhelm", das Organ des Bundes der Frontsoldaten, schreibt über die Wahl Hindenburgs
„Selbstverständliche Voraussetzung wäre nach unserer Ansicht, außer der Zustimmung des Generalfeldmarschalls, die Ausschaltung jeglicher Par- feipolitif gleichgültig welcher Richtung, und die Durchführung des Wahlaktes in einer Form, die der menschlichen und historischen Würde Hindenburgs enffpricht. Dazu wäre nötig:
1. Die sehr rasche Vornahme der Wahl, da jo keinerlei Agitation voranzugehen braucht.
2. Die Zurückhaltung jeder anderen Kandidatur, so daß der Charakter der übrigen Wahlkämpfe vermieden wird und die Volksabstimmung den Stempel einer Kürung erhält.
3. Ob eine Schilderhebung des Generalfeldmar- fchalls praktisch möglich ist und wie sie im einzelnen durchzuführen wäre darüber ist im Augen-, blick Schweigen besser als Reden. Es ist in der letzten Zeit mehr zerredet worden, als dem deutschen Volk dienlich ist.
Der Stahlhelm wird sich in seinen Entschließungen auch künftig leiten lassen von dem Bestreben der historischen Würde des großen Soldaten Hindenburg gerecht zu werden, und von seinem Hochziel: Dem Wohle der Nation!"
Ein Ausruf -er Staatsparkei.
Die Deutsche Staatspartei erläßt einen Aufruf, in dem es heißt: Auf einen Winter größter Not werden Wahlen folgen mit nie dagewesener Entfesselung der politischen Leidenschaften. Unser V-stk weiß nicht mehr, zu unterscheiden zwischen hohler Phrase und ehrlichem Wollen zwischen Gaukelei und wahrer Begeisterung und Treue. Eine Partei, die jahrelange Zwietracht genährt hat, darf sich als Träger jugendlichen Idealismus bezeichnen. Während ihr Führer feinen Anhängern Abfchüttelung
der Schuldverpflichtungen verspricht, versichert er den ausländischen Geldgebern, daß es gar nicht s» gemeint fei. Aber der eigenen Regierung, die zur Rettung der Nation ihr Aeußerstes tut, wird jede denkbare Schwierigkeit bereitet. Das alles geschieht vor dem Bürgertum, dessen noch nicht radikalisierte Rechte in zwölf politische Gruppen gespalten sind und Gefahr laufen, ausgeschaltet zu werden. Dagegen rufen wir in letzter Stunde zu wahrer Einmütigkeit auf dem Boden echter Volksgemeinschaft auf.
Es gibt kein „S yste m", das abgewirtschaftet hat, kein „System", das Aufstieg bringen kann, sondern auf d i e Menschen kommt es an, die immer wieder versagen werden, so lange sie in politischen Leidenschaften ihr Heil suchen. Es gibt fein Zaubermittel, das schlagartig unsere Lage verbessern kann. Es gibt nur Ausharren und unermüdliches Mitarbeitern Schon ist ein großer Teil der Welt bereit, unsere Forderungen nach Beendigung der Reparationen nach gleichen Rechten in Fragen der Sicherheit zu erfüllen.
Wir rufen dieses, unser großes deutsches Volk auf, nicht im letzten Augenblick die Nerven zu verlieren und hinzustürmen in den sicheren Untergang, sondern sich zusammenzufinden in einer breiten Bürgerfront gegen die Verzweiflung des Radikalismus im Kampf für wahres Deutschtum.
*
Reichspräsident von Hindenburg empfing am Donnerstagnachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag.
Törichte Verunglimpfungen.
Man schreibt dem CNB.:
Seit einiger Zeit hat ein rechtsradikales Watt gegen den fran3öfifd)en Botschaft ter in Berlin einen Pressefeldzug begonnen, wobei es ihn unter persönlichen Verunglimpfungen als den Inspirator aller gegen Deutschland gerichteten Bestrebungen verfolgt. Dabei hat das Blatt es jedoch bisher unterlassen, auch nur den Schal- ten eines Beweises für keine Beschuldigungen an- zugeben. In dem letzten heute erschienenen Artikel versteigt sich das Blatt zu der Behauptung, das Auswärtige Amt vermeide es. mit Herrn Fran- oois-Ponet zusammenzukommen. Dabei sollte auch dem Verfasser nicht entgangen fein, daß der Bot- schafter noch vor ganz kurzer Zeit von dem Chef des Amts dem Herrn Reichskanzler, empfangen worden ist. Wir können nicht finden, daß a b ge. schmackte Angriffe dieser Art, ganz abgesehen davon, daß sie mit der Rücksicht nicht vereinbar sind, auf die der Vertreter jeder fremden Regierung in jedem Lande Anspruch hat, der deutschen Sache und dem Ansehen der deutschen Presse dran- ßen in der Welt förderlich sind.
Ein abgehörkes Telefongespräch?
Aus London meldet CNB.:
Der politische Korrespondent des „Star" stellt die Behauptung auf, die verfrühte Veröffentlichung der ErklärungDr. Brünings fei auf das AbhÖren eines Tele- phongesprächs zwischen der britischen Botschaft in Berlin und London zurückzuführen, in dem die Mitteilungen des Reichskanzlers an den englischen Botschafter nach London übermittelt wurden. Niemand wisse ge. .nau, w0 die Belauschung des Gespräches stattfand. Dieser oder jener halte es für möglich, daß ein Hitler-Agent ober ein Telephonbeamter mit Sympathien für die Nationalsozialisten eine Niederschrift des Gespräches besorgte.
Wir möchten es vorläufig für ausgeschlos- f e n halten, daß die englische Vermutung zu Recht besteht. So weit kann der Zerfall der Moral in Deutschland doch wohl noch nicht gediehen fein. Vielleicht war ein Agent Frankreichs, wie das auch schon vermutet worden ist, bei der Sache tätig, um Deutschlands Interessen Abbruch m tun.
In der nächsten Sitzung des Reichskabinetts am Freitag wird eine Vorlage des Reichsernährungsministers Schiele auf Erhöhung dees Butter- colls beraten werden.
Das Kabinett Laval.
Laval wird am Dienstag die Regierungserklärung in der Kammer verlesen. Man rechnet damit, daß er dabei auch auf das letzte Interview Brünings über die Tributfrage antworten wird.
*
Die Radikale Kammerfraktion hat eine Sitzung abgehalten und eine Entschließung gefaßt, in der Briand das Vertrauen der Radikalen Partei und ihre Verbundenheit mit der Friedens- und Annäherungspolitik der Völker, die er immer vertreten habe, zum Ausdruck gebracht wird.
*
Wie jetzt bekannt wird, liegt dem englischen Kabinett außer dem Baseler Bericht auch eine Denkschrift Santons über die Frage der Reichsbahn und der Tribute vor.
*
Donnerstagvormittag ist'der ungarische Staats- mann Graf Bethlen von Mussolini empfangen worden, lieber die stattgehabte Unterredung wird strengstes Stillschweigen bewahrt.
*
In Washington verlautet, daß Hoover für die kommenden Präsidentschaftswahlen wieder kandidieren werde.