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Freitag, IS. Januar 1932

Mrs. SS

dem Kanzler

Italienischer Appell an Amerika

MUSSOLINI

wtb. London. 14. Jan. (Eig. Meldg.). Sir Walter Laydon, der britische Sachverständige im Baseler Ausschuß, erklärte in einer Londoner Rede, eine Beseitigung der ganzen Re­parationsfrage sei aufs innigste zu wünschen.

wtb. Deutsche und 14.

ffiBUTEi

In der letzten Nacht ist das dritte Kabinett Laval gebildet worden. Ministerpräsident Laval übernimmt mit der Ministerpräsidentschaft auch das Ministerium für Auswärtige An­gelegenheiten. Der bisherige Landwirtschafts­minister Tardieu übernimmt für den Verstor­benen Maginot das Kriegsministerium. Der bisherige Unterstaatssekretär im Innenmini­sterium Cathala wird Innenminister und der bis­herige Unterstaatssekretär im Landwirtschastsmini- sterium Fould wird Landwirtschaftsminister. Alle

Mussolinis Mahnwort an die Lau­sanner Konferenz: Schwamm drüber!"

Berlin, 14. Januar. (Eig. Meld.) Der Industrie- und Handelstag trat am 13. Januar 1932 zu einer Sitzung seines

.Knüppel und Feuerwaffen "wird beendigen kön­nen. Durch die Weigerung des Bizekönigs, ihn zu empfangen, erachtete Gandhi den Bruch des A b« kommens von Delhi rein äußerlich als voll­zogen. In Wirklichkeit erfolgte, dieser bereits in der Schlußsitzung der Round-Table-Konferenz. Die­ses Abkommen zwischen Gandhi und dem damali­gen Vizekönig Lord Irwin wurde am 4. März 1931 unterzeichnet. Es bedeutete praktisch die Wie- derherstellung des innerpolitischen Friedens in In­dien und wurde in England als das wichtigste Er­eignis im britischen Weltreich gewürdigt. Es sah die Beendigung des zivilen Ungehorsams sowie den Verzicht auf Boykottierung britischer Waren als politische Waffe vor. Die nur wegen ihres zivi­len Ungehorsams zu Gefängnisstrafen verurteil« ten Inder wurden freigelassen. Der Bevölkerung des Salzgebietes wurde ausdrücklich gestattet, Salz zum Hausgebrauch oder zum Verkauf in den Dör­fern herzustellen. Auch das sogenannte „Pikett­stehen" der Inder vor den Kaufläden sollte fortan keine ungesetzliche Handlung darstellen.

Zum 4. Februar hat ferner der Vollzugsaus­schuß des indischen Gewerkschaftskongresses für ganz Indien den Generalstreik angekündigt, um der bri­tischen Regierung die Macht der organisierten In­der zu .zeigen. Wird MacDonald den Mut auf­bringen, Indien entgegen dem klaren Willen der konservativen Mehrheit in England doch einte eigene Verfassung anzubieten?

Velchsflröftdentenwahl am 13. Mürz?

Die „Germania" beschäftigt sich mit dem Ver­such, durch einen überparteilichen Ausschuß eine Sammlung des deutschen Volles und seiner Par­teien auf die Kandchatur des gegenwärtigen Reichs­präsidenten vorzubereiten und durchzuführen. Sie schreibt dazu: „Je nach dem Ausgang dief.es Ver­suchs wird es unter Umständen notwendig wer­den, den Reichstag ftüher einzuberufen, als es bis­her vorgesehen ist, damit er den Termin für die Präsidentenwahl festsetzen kann. Als Termin wird vorläufig der 13. März genannt."

Die Anregung des Jungdeutschen Ordens durch ein Volksbegehren Hindenburgs Präsidentschaft zu verlängern, wird allgemein als übereilt und als zu zeitraubend a b g e I e h n t.

Die Tage der Lausanner Konfe­renz werden für Deutschland von ent­scheidender Wichtigkeit sein. Nur eine wirkliche Streichung der Reparations­zahlungen kann der deutschen Wirt­schaft und damit auch der Weltwirt­schaft wieder neuen Auftrieb geben. Vorläufig aber scheint nur Italien, des­sen Regierungschef Mussolini sich mehr­fach in schärfster Form gegen die Fort­setzung der Reparationszahlungen wandte. Deutschland auf der Konferenz vorbehaltlos zur Seite stehen zu wol­len.

Dabei vergessen aber nur roman­tische Schwärmer, daß Italien das Land der „heiligen Eigenliebe" ist und Mussolini der Führer dieses Landes.

übrigen Ministerportefeuilke bleiben in den Händen ihrer bisherigen Inhaber.

*

wtb. Paris, 14. Jan. (Eig. Meldg.). Zur Bildung des neuen Kabinetts Lavals sagen meh­rere Blätter, die Demission habe keinen anderen Zweck gehabt, als den bisherigen Außenmini- fte r Briand auszubooten.

Ergebnislosigkeit der Konferenz geradezu peinlich wirkten. Er bekannte sich — theoretisch- — zum Gedanken einer allindischen Föderation als der aussichtsreichsten Lösung der indischen Verfassungs­frage. Er weigerte sich namens der englischen Regierung den indischen Provinzen ihre volle ver­waltungsmäßige Verantwortlichkeft zuzuerkennen und schlug abermals die Einsetzung eines proviso­rischen Planes vor. Gandhi erwiderte ironisch, er werde MacDonalds Ausführungen mehrmals le­sen, um herauszubekommen, ob ein verborgener Sinn dahinter stecke.

Als der Mahatma den Boden Indiens wieder betrat, sah er sich bereits vor eine neue Lage ge­stellt. Die sogenannten „R o t h e m d e n" hatten sich im ganzen Lande zu einer kampffreudigen re­volutionären Organisation zusammengeschlossen, die nach bolschewistischen Parolen arbeitet und „das gegenrevolutionäre Glaubensbekenntnis der Gandhi'schen Quietismus" als nationalpolitisch schädlich ablehnt. Die „Unberührbaren" sollen sich überall in Hellen Scharen den Rothemden ange­schlossen haben. Gandhi selbst wurde anscheinend vom revolutionären Schwung dieser Freiheitsbe­wegung mitgerissen. Er brach feine Gelübde des montäglichen Schweigens und erklärte, daß er in den kommenden Kämpfen nicht feine frühere Mä­ßigung an den Tag legen würde. Das war feine Entscheidung. Sein nächstes Los — das der Ver­haftung — war bereits entschieden, als sich Lord Willingdon, der Vizekönig, weigerte, chn zu emp­fangen, solange der Ungehorsamkeitsfeldzug an- dauere. Zusammen mit Gandhi wurde auch der Präsident des indischen Nationalkongresfes, Wal­

ganzen Welt durch ihre Botschafter offiziell zur Kenntnis gebracht, daß Deutschland weder heute noch morgen, noch jemals zahlen könne Das ist die vollendete Tatsache. Als solche ist sie unwiderruflich. England brachte durch seinen Premierminister zur Kenntnis, daß es sich der An­nahme radikaler Lösungen n i ch t widersetze. Frank­reich findet in der noch nicht präzisierten Haltung der Vereinigten Staaten ein Grund für seine Un­nachgiebigkeit. Der Schlüssel zu der Lösung des Problems befindet sich also in den Händen der Vereinigten Staaten Was tun?

Es gibt jetzt nur noch ein Msttel, um aus die­ser Lage herauszukommen, indem nämlich die europäischen Staaten auf ihre gegenseitigen Stel­lungen als Schuldner und Gläubiger verzich­ten. Ist dieser erste Schritt getan, so müßten die europäischen Staaten eine Einheitsfront der Schuldner gegenüber Amerika bil­den Nach Verzicht auf ihre Kredite könnten sie mst ruhigem Gewissen die Streichung ihrer Schul­den seitens der Vereinigten Staaten fordern. Ge­genüber solcher Willensbekundung ganz Europas, das durch gegenseitigen Schuldenerlaß bewiese, daß es den Unterschied zwischen Siegern und Besieg­ten überwunden hätte, würden die Vereinig­ten Staaten sicherlich ni ch t den Mut haben, hart­näckig zu bleiben. Die Amerikaner wür­den es ablehnen, in der Geschichte der Menschheit als die einzigen dauern­den Nutznießer des Krieges zu er­scheinen.

Außer den moralischen Beweggründen gibt es solche materieller Art, welche die Amerikaner ver­anlassen müßten, selbst die Dlutrechnung zu schlie­ßen. Wenn schon das einjährige Hoover-Morato­rium die Welt ermutigen konnte, wie kann man dann an einer Erholung zweifeln, wenn der Weg ein für allemal von dem vielleicht größten Hinder­nis befreit ist, das heute die Völker lähmt. E s liegt im Interesse der Vereinigten Staaten selbst, die Geste derDerzichk» leistung zu machen. Der erste Schritt aber muß in Europa getan werden. Die große Glocke der Realität läutet Sturm zwischen den Ufern des Atlan­tischen Ozeans.

labhai Patel, im Derwada-Gefängnis zu Puna eingeliefert.

Kurz vor feiner Verhaftung sollte Patel vom Kongreß mit den Befugnissen eines Oberdiktators ausgestattet werden. Man will bei den kommen­den Kämpfen keine indischen Kriegsräte mehr ha­ben, sondern nur noch Diktatoren in genau abge- grenzten Kampfgebieten. Daß dieses Mal die Vor­bereitung des passiven Widerstandes sehr sorgfäl- ttg erfolgt ist, geht aus verschiedenen Anzeichen hervor. Patel erklärte öffentlich, Indien befände sich nunmehr auf dem Wege der größten bisher erlebten Revolution. Ein Zurückweichen vor der Entscheidung gäbe es nicht mehr. Nehm, ein an­derer Kongreßführer, ließ die Massen unverzüglich zum allgemeinen Steuerstreik auffordern. Auch er wurde verhaftet. Im Anschluß an den jüngst er­folgten Angriff indischer Rothemden gegen das britische Militärlager von Kohai, wo zehn Perso­nen getötet und zwanzig schwer verletzt wurden verhafteten Militär und Polizei nicht weniger als 763 indische „Rebellen". Londoner Blätter ver­öffentlichten zur Begründung dieser Maßnahmen Auszüge aus einer Propagandaschrift der Rothern- den, in der die indische Bevölkerung nicht nur Zur Gehorsamsverweigerung, sondern auch zu Ter­rorakten gegen die britischen Behörden aufgefor­dert wird.

Gandhi selbst rechnet mit einem mehrjährigen Er- hebungsfeldzug, den keine britische Regierung durch

Zudien im „Schmelz'legel des Leidens-. Die Ursache der neuen revolutionären wirren, verstärkte Agitation der Rothemden. — Der Vruch -es Abkommens von Delhi. — Eine Generalstreik­parole.

Don Dr. Klaus S p i t t a.

Die Verhaftung Mahatma Gandhis beleuchtete schlaglichtartig die Verschärfung der Lage in In­dien. Als Gandhi von der ergebnislosen Londo­ner Round-Table-Konferenz, die er verächtlich als „Debattenklub" bezeichnet hatte, wieder in Bomban eintraf, bemächtigte sich der gesamten indischen Bevölkerung eine fieberhafte Unruhe. Während seine Abwesenheit hatte die nationalistisch-kom­munistische Opposition im allindischen Kongreß ge­waltig zugenommen, seit es feststand, daß die bri­tische Regierung in London sich weigern würde, den Vertretern der indischen Selbstverwaltung die vom Kongreß aufgestellten Forderungen zu be­willigen. Gandhis warnende Stimme verhallte. Bereits in der zweiten Sitzung des Ausschusses für den bundesstaatlichen Aufbau Indiens erklärte der Mahatma in seiner Rede, er sei nach London ge­kommen, um im Geiste des friedlichen Zu­sammenwirkens alle seine Kräfte dafür einzuset­zen, daß die Voraussetzungen für eine englisch­indische Vereinbarung gefunden würden. Im Auf­trage des indischen Nationalkongresses erinnerte er sodann den Ausschuß daran, das Ziel der vollständi­gen Unabhängigkeit Indiens nicht außer acht zu lasten. MacDonald aber warf in feinem Schluß­wort nur mit Phrasen um sich, die angesichts der

„Ansprache an Amerika".

wtb. Mailand, 14. Jan. (Eig. Meldg ). Po- pölö d'Jtalia verösfentlicht unter der Ueberlchrift „Ansprache an Amerika" einen Artikel, in dem es u. a heißt:

Es gibt nur einen einzigen Staat, der nie­mandem etwas schuldet und der Gläubiger aller ist: das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Daß man früher oder später zu einer Streichung der deutschen Reparationen gelangen müsse, war bereits allgemeine lieber« zeugung. Die deutsche Regierung hat jetzt der

Eine Erinnerung.

Die Ziffern der ersten Reichspräsidentenwahl.

Nachdem es nicht gelungen ist, die Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten Hindenburg auf parlamentarischem Wege zu vollziehen, muß nunmehr mit einer allgemeinen Wahl gerechnet werden. Es dürfte deshalb interessant sein, die Ziffern der ersten Hindenburg-Wahl, die ja überhaupt die erste Reichspräsidentenwahl durch das Volk war, kennen zu lernen.

Diese Wahl des Reichspräsidenten fand am 29. März 1928 int ersten Wahlgang und am 26. April 1925 int zweiten Wahlgang statt.

Bei dem ersten Wahlgang am 29. März 1925 erhielten

Dr. Karl' Jarres, der Kandidat des zu dem besonderen Zwecke der Reichspräsidentenwahl' ge­

bet Rechten gewählten Reichspräsidenten in einem Maße anzuSttennen, daß er freiwillig auf eine Volkswahl verzichtet."

Eines steht jedenfalls fest, mich gegenüber der bedauerlichen politischen Kurzsichtigkeit und so wenig nationalen Einstellung der Rechten müssen wir nach wie vor es für unsere nationale Pflicht halten, gerade aus den Gründen, die den Reichs­kanzler in seiner Aktion bewogen haben, umso nach, drücklicher das große Ziel int Auge zu haben, daß Reichspräsident von Hindenburg dem Reiche dem deutschen Volke als Führer erhalten bleibt. Der Entschluß Hugenbergs und Hitlers verbaut ja auch diesen Weg nicht- Es kommt jetzt nur noch dis Frage einer Volkswahl zur Erörterung. Denn es kann nicht darum gehen, eine allgemeine Präsiden­tenwahl vorzunehmen, da eine solche sofort eine Anzahl von Kandidaten auf den Plan rufen würde, und sich Hindenburg unter solchen Umständen auch nicht mit seiner Person zur Verfügung stellen würde. Dafür haben wir volles Verständnis. Denn man kann es Hindenburg nur zumuten in seinem hohen Alter die so schwere Bürde eines Amtes des Reichspräsidenten erneut zu übertragen, wenn eben durch diese Wahl hervorgeht, daß das ganze Volk ihn wünscht und im unerschütterlichen Vertrauen nur sich auf einen Reichspräsidenten fest- legt, nämlich Hindenburg.

Dieser Weg ist nach wie vor möglich und muß deshalb schleunigst beschritten werden. Wir haben die Hoffnung, daß auch die „nationale Opposition" sich einen solchen allgemeinen Volkswillen nicht versagen wird. Wir haben diese Hoffnung umso­mehr, als sich die Slbfage Hitlers wohltuend von dem überheblichen Ton» des Huaen^ergschen Schreibens, aus dem in jeder Zeile die Gekränkt- heit einer gefallenen Parteigröße hervorgeht, ab« hebt. Die Verhandlungen in dieser Richtung sind ja auch bereits, und zwar aus den Kreisen die Mit­telparteien sofort ausgenommen worden. Aber es muß schnell gehandelt werden . Und es muß vor allem gelingen, die parteivolitischen Gegensätze und parteiegoistische Zwecke völlig auszuschalten. Ob das möglich ist bei der auch wieder in der Absage Huaenberas deutlich zutage getretenen parteiego« istischen Einstellung im deutschen innenvolitischen Leben, fft eine Frage der ruhigen taktischen Be­handlung. Aber man sollte glauben, daß ein Z u- sammenschluß von unabhängigen überragenden Persönlichkeiten die Voraussetzung dafür schaffen konnten. Auf das Verhalten der Parteien wird es dann in diesen Tagen ankommen, ob es wenigstens einmal ge­lingt, eine Einheitsfront in Deutschland herzu­stellen.

Ser Groß-Angriff gegen die Tribute.

Der Deutsche Industrie- und Handelskag für Aufhebung der Reparationszahlungen. — Das Vertrauen -es Volkes steht hinter

, StHUU^Z-

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochendellagen: „Die Welt im Bild" und „Buchendlätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: teitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Ein drittes Kabinett Laval gebildet Vriand ist „ausgeboolet".

Hauptausschusses unter dem Vorsitz seines Präsi­denten Dr. Grund- Breslau zusammen. Der Präsident führte in einer Eröffnungsrede u. a. folgendes aus: _____

Keine deutsche Regierung wird jemals in der Lage sein, mit innenpolitischen Maßnahmen das Problem zu meistern, wenn es nicht gelingt, die Hauptursacheunsererwirtschaftlichen und finanziellen Nöte zu beseitigen. Die politischen Zahlungen sind es, die Deutschland die Erfüllung seiner privatrechtlichen Verpflichtungen unmöglich machen. Ohne endgültige Aufhebung der politischen Verschuldung Deutsch­lands gibt es keine Wieder her st ellung seiner Kreditfähigkeit und keinen Wiederaufstieg seiner Wirtschaft. Wir wissen dem Herrn Reichskanzler Dank dafür, daß et dies mit aller Klarheit und Ein­deutigkeit ausgesprochen hat und verttauen darauf, daß et in diesem Sinne handeln wird. Ich glaube, der Herr Reichskanzler kann die Ueberzeugung mit nach Lausanne nehmen,daßdasgesamtedeutscheVolk — in dieser Frage einmal einig — je­des weiteres Kompromiß, für das es keine reale Möglichkeit mehr gibt, ab­lehnt. Das Vertrauen der von uns vertretenen deutschen Wirtschaft steht jedenfalls geschlossen hin­ter ihm.

Die Versammlung machte sich diese Erklärung des Präsidenten einstimmig zu eigen.

Der Herr Reichskommissar für Preisüberwa­chung, Oberbürgermeister Dr. Gördeler, gab einen Ueberblick über die Aufgaben, die sich aus seinem Arbeitsgebiet ergeben.

Die Beratung wandte sich bann auf Grund eines Berichtes von Dr. Ostermeyer, Vizepräsi­denten ber Industrie- und Handelskammer zu Kö­nigsberg, den Fragen der Ost Verordnung zu.

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Die Scheingründe, auf die sich die nationale Opposition gestützt hat, um den Schritt des Kanz­lers, eine deutsche Einheitsfront zu bilden, zu durchkreuzen, haben bisher nur den einen Erfolg gehabt, daß zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler vereinbart worden ist, daß die Reichsregierung in der bisherigen Richtung einer parlamentarischen Lösung der Reichspräsidenten­wahl keine Schritte mehr unternimmt. Damit ist natürlich keineswegs gesagt, daß die Reichsregie- rung überhaupt darauf verzichtet, jegliche Der- handlungen über eine Wiederwahl einzustellen und das deutsche Volk unter der Parole Hindenburgs in wenigstens dem einen Punkte einer starken Front nach außen hin zu sammeln. Es handelt sich auch bei der amtlichen Verlautbarung über die bisher gescheiterte Sammlung lediglich um diese Feststel­lung, daß innerhalb der innenpolitischen Bespre­chungen eine erste Phase abgeschlossen ist.

Scheingründe sind es, die Hugenberg und Hitler bei ihrer Ablehnung ins Feld geführt haben. Das haben wir bereits eingehend dargelegt. Die Be- -rufung auf die Verfassung ist doch der n i ch t i g st e Grunb. Weshalb wollen gerade die Führer dieser Parteien, die diese Weimarer Verfassung nie­mals anerkennen wollten unb auf ihre Zer­trümmerung hinstreben, sich jetzt ausgerechnet als ihren Hüter aufwerfen, wo doch geraoe oie- jenigen Gruppen, bie biese Verfassung beschlossen haben, keinen Anstoß an einem vorübergehenden abändernden Gesetz nehmen. Auch die „Deutsche Tageszeitung", ein Blatt, das der Rechtsopposition nahe steht, sagt offen heraus, daß „weder ver­fassungsrechtliche Gründe noch die politischen Ar­gumente bei der Ablehnung durch Hugenberg" maßgebend gewesen fein können, sondern „b a ß Strömungen parteitaktischer Natur bei dem Entschluß der Parteiführer" vielleicht eine Rolle gespielt hätten. Das Blatt kommt dann auf die Kernfrage ber Aktion Brü­nings, bie auch von ihm als richtig anerkannt wird: „Wie kritisch auch wir zu dem gegenwärtigen Kabinett und in noch viel höherem Maße zu Dem gegenwärtigen Reichstag stehen, braucht nicht noch einmal betont zu werden. Aber beide Gründe er­scheinen in diesem Falle nicht stichhaltig. Soweit eine Stärkung Brünings gegenüber dem Auslande tatsächlich in Frage kommt, leitet sie sich doch eben von der überragenden Persönlichkeit Hindenburgs ab. Und soweit der Reichstag in Frage kommt, muß man bie Heber» legung anstellen, daß dieser Reichstag mit seinen unnatürlichen starken Kräften auf der Linken ge­zwungen würde, bas überlegene Ansehen des von

FuldaerZeitung

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.