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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. S

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" und .Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Mittwoch. 13. Januar 1932.

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Zahrg. 59.

VorlSufig keine «eichslags-Sitzuug.

Nur Kommunisten, Deutschnattonale und Nattonalsozialisten für Einberufung.

vdz. Berlin, 12. Januar. (Eig. Meld,) Die von den Kommunisten beantragte vorzeitige Ein­berufung des Reichstages wurde am Dienstag­mittag vom Aeltestenrat erneut abge­lehnt. da nur die Kommunisten, Natio­nalsozialisten und Deutschnationalen dafür eintraten.

In der Aussprache trat das deutsche Landvolk zwar für den deutschnationalen Antrag ein, machte aber zur Bedingung, daß alle Parteien sich vor­her verpflichteten, dafür zu sorgen, daß die Reichs­tagssitzung nur zu einer gemeinsamen außenpolitischen Kundgebung benutzt würde. Dieses Versprechen war aber nicht v on allen Fraktionen zu erlangen.

Roste wird fehr deutlich.

CNB. Berlin, 12. Jan. (Eig. Meld.) Unter der UeberschriftInvestigation?" nimmt heute Ober­präsident Noske, der bekannte sozialdemokratische Führer, in derB- Z. am Mittag" zu der von einem französischen chauvinistischen Iour- nalisten in Genf fälschlich verbreiteten Meldung Stellung, daß in französischen Kreisen die Absicht bestehe, auf der kommenden Abrüstungskonferenz den Antrag auf Untersuchung des tat­sächlichen Standes der deutschen Rü­stungen vorzulegen.

Eine solche Investigation führt Oberpräsident Noske u. a. aus, wäre der Ausbruch von Wahnsinn mit tödlicher Wirkung. Tödlich in erster Reihe für den Völkerbund der noch gar nicht recht zum Leben gelangt sei. Unter Hinweis darauf, daß Frankreich, Polen, die

Tschechoslowakei und andere Staaten der deutschen militärischen Macht gewaltig an Rüstung zu Lande, Wasser und in der Luft überlegen sind, stellt Noske fest:

lieber die deutschen Rüstungen gibt es keine Feststellungen mehr zu treffen." Deutschland habe nicht einmal das militärisch ausgenützt,- was ihm nach dem Versailler Diktat zu tun möglich war. Eine Untersuchung des deutschen Rüstungsstandes auf Grund eines Beschlusses des Völkerbundes werde nicht erfolgen. Die französtsche Regierung habe bereits erklärt, daß sie nicht beabsichtige, ei­nen solchen Antrag zu stellen.Trotz des Art. 213 des Versailler Diktats", erklärt Oberpräsident Noske, ,,würde ein derartiger Beschluß auch in Zu­kunft nicht ausführbar sein, es sei denn, daß der Völkerbund die militärische Besetzung Deutschlands beschließt. Denn mit Zustimmung einer deutschen Regierung, ganz gleich, wie sie zusammengesetzt wäre, käme eine fremde militärische Untersuchungs­kommission nicht einmal auf deut­schen Boden. Mit Recht erschlagen wie ein räudiger Hund würde der deutsche Staatsmann, der sich mit einer neuen Unter­suchung der deutschen Rüstungen abfinden wollte. Es gäbe nichts zu untersuchen.

Der Artikel schließt:Wer-von der Untersu­chung des tatsächlichen Standes der deutschen Rü­stungen spricht . . . will die Feststellung vor aller Welt verhüten, daß die Sieger ft oaten bisher ihre im Versailler Vertrag und im Artikel 8 der Völkerbundssatzung üb e r n omm ene Ver - pflichtung zur eigenen Abrüstung nicht gehalten haben".

Der große Moment findet Hugenberg. Die imposante Erledigung einer grotzen Vertrauens-Kundgebung für Reichspräsident v. Hindenburg, die Reichskanzler Brüning angeregt hatte, wird nach viertägigem Hin und Her im Lager derRationalen Opposition- im Interesse der Partei-Politik vereitelt. Der Wortlaut des Hugenberg-Vrieses.

Deutsche Volkspartei, Staatspartei, Zentrum, Sozialdemokraten, auch das Landvolk und die üb­rigen Splitterparteien auf der Rechten hatten dem in erster Linie auf außenpolitische Wirkung abgestellten Vorschlag des Reichskanzlers durch eine verfassungsmäßige Mehrheit im Reichstag die Amtszeit Hindenburgs zu verlän­gern, zugestimmt. Hitler und Hugenberg, dazu noch einigeStrategen" des Stahlhelms, haben jetzt vier Tage lang beraten und bera­ten mit dem Endergebnis, daß sie nicht zustim­men. Ihre Besprechungen sollen angeblich ein­mütig geführt worden sein. Tatsache ist daß die verschiedensten Ansichten aus dem Harzburger La- g^r bekannt geworden sind und auch eine e i n- heitliche Mitteilung an Brüning der nationa­len Opposition nicht möglich war Während Hu­genberg Dienstag morgen seinen Brief von Stapel gelassen hat, lag Hitlers Brief in den Mittags­stunden noch nicht vor. Dagegen meldete ein Berliner Nachrichtenbüro, daß die Mitteilung der Nationalsozialisten sich noch verzögere,weil sie länger an der Formulierung ihres Briefes zu arbeiten hätten".

Hugenbergs Ablehnung läßt deutlich erkennen, daß parteipolitische Gesichtspunkte für ihn maßgebend sind. Weil das Zentrum und die So­zialdemokraten der Verlängerung zustimmen, er­klärt er sich außerstande, mitzumachen. Das ist Hugenbergs Vorstellung von Volksge­meinschaft. Er würde sich wohl überhaupt erst glücklich fühlen, wenn alle Zentrumsanhön- ger und Sozialdemokraten ausgewandert wä­ren. Der typischePreuße" mit klein-deutscher Orientierung und stärkster geistiger Beschränkung auf die Welt, die er begreift!

Hugenbergs Brief.

Der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, der frühere Direktor der Krupp-Werke, jetzige Zeitungs­besitzer, Geheimrat Dr. Hugenberg, hat dem Reichskanz­ler folgendes Schreiben übermittelt:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler! Sie legten mir gestern die Frage vor, wie sich die Deutschnationale Dolkspartei zu Ihrem Vorschläge der parlamentarischen Verlängerung der Amtszeit des Herrn Reichspräsiden­ten, Generalfeldmarschall von Hindenburg stelle. Sie, Herr Reichskanzler, konnten diese Frage nicht aufgerollt haben wenn sie dabei nicht des Einverständnisses des Zentrums und der S. P. D. sicher gewesen wären. Es sind dies die Parteien, die seinerzeit die Wahl des Reichspräsidenten auf das Schärffte bekämpft haben. Mit dem Rückhalt dieser Parteien treten Sie fetzt an uns heran, die wir einst seine Wahl angeregt und durch- gesetzt haben. Sie begründen Ihr Vorgehen mit der außenpolitischen Notwendigkeit einer Stärkung der Stabilität" der deutschen Regierungsgewalt. Gleichzei­tig schwächen Sie aber selbst diese Stabilität empfindlich durch die zähe Aufrechterhaltung einer Regiernug im Reiche und in Preußen, hinter der keine Mehrheit des Volkes mehr steht. Sie begründen die Notwendigkeit Ihres Schrittes weiter mit der außenpolitischen Wir­kung einer einheitlichen Vertrauenskundgebung für den Herrn Reichspräsidenten. Demgegenüber sind wir der Auffassung, daß die außenpolitische Stellung Deutschlands am meisten durch einen Rücktritt

der fetzigen Regierung gestärkt wird, deren Vergangenheit es ihr erschwert, dem veränderten Wil­len des betiH*i>n Volkes d-m Vu«lande gegenüber glaubhaften Ausdruck zu geben. (Hugenberg sieht nur parteipolitische Gesichtspunkte!) Sie, Herr Reichskanz­ler, erstreben die Wiederwahl auf dem Wege der Be­schlußfassung des Parlaments. Nach der Verfassung geht die Wahl des Reichspräsidenten unmittelbar vom Volke aus. Dieses Recht auf den Reichstag zu über­tragen, liegt um so weniger Anlaß vor, als der Reichs­tag der wahren Volksmeinung nicht mehr ent­spricht Als die alten Anhänger des uns nach wie vor verehrungswürdigen Generalfeldmarschalls glauben wir zu der Bemerkung berechtigt zu fein, daß die Art seiner Hineinziehung in parteimäßige und parlamen­tarische Erörterungen der verfassungsrechtlichen Stel­lung und dem bohen Ansehen nicht gerecht wird, das der Herr Reichspräsident im deutschen Volke genießt. Diese Tatsache wird durch die öffentliche Behandlung der An­gelegenheit bedauerlich verstärkt. Der parlamentarische Wahlakt würde als eine Vertrauenskundgebung weniger für den Herrn Reichspräsidenten als für die von uns bekämpfte Politik und insbesondere Außenpolitik der ietzigen Reichsregierung wirken. (Hugenberg sollte Au­ßenminister werden!) Unter diesen Umständen muß ick Ihnen nunmehr endgültig Mitteilen, daß eine Billigung ober Unterstützung Ihres Vorhabens für uns nicht in Frage kommen kann.

Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener

gez. (Unterschrift.)

Wenn Dr. Hugenberg davon spricht, daß her Reichskanzler die Frage nicht aufaerollt habe, ohne sich des Einverständnisses der Sozialdemokraten zu versichern, so besteht nach der Auffassung Berli ner Kreise dafiir auch nicht der geringste Beweie Dr. Hugenberg mache auch gar nicht den Versiick diese seine Behauptung irgendwie zu belegen Im klebrigen gehe die Unrichtigkeit dieser Behaup­tung auch schon daraus hervor, daß die sozialdemo­kratischen Führer erst nachHitler vom Reichs­kanzler empfangen worden seien. Für ebenso un­zutreffend hält man die weitere Aeußerung dec- Schreibens, daß hinter der Regierung keine Mehrheit des Volkes steht. Die beute vom Aeltestenrat des Reichstages beschlossen? Ablehnung einer Einberufung des Reichstages, die durchaus den Wünschen der Regierung entspricht zeige deutlich daß die Regierung eine parla­mentarische Mehrheit besitzt.

*

Ehe der Text der Hugenberg-Antwori bekannt war, schrieb dieGermania": Es ist auf keinen Fall stichhaltig, wenn sich die Führer der Oppo­sitionsparteien aufverfassungsrechtliche Bedenken" zurückziehen, da doch die bisherigen Be­mühungen des Kanzlers, eine parlamentarische Ba­sis zu schaffen, bekanntlich gerade darauf hinaus­liefen, eine qualifizierte Zweidrittel­mehrheit im Reichstag zu schaffen, die also in keinem Falle gegen die Derfas'ung verstößt. Es liegt doch hier wohl ein Eingeständnis vor, daß für die Führer der Opposition taktische Er­wägungen maßgebend gewesen sind. Jedenfalls wird auch die Volkswahl, wenn sie unter der ein­heitlichen ParoleHindenburg" erfolgen wird, dem deutschen Volke die große und Verantwortung- voNe Gelegenheit bieten, vor aller Welt zu man:

festieren, daß es über alle Meinungsverschieden­heiten hinaus gerade in dieser Frage nur einen deutschen Willen gibt.

DieDass. Ztg." ist der Auffassung, daß Hugen­berg, und nicht im geringsten unter dessen Ein­fluß .auch Hitler, diese Aktion nur aus einem engen parteipolitischen Eesichtspunkt zu beurteilen vermocht hätten. Es sei erstaunlich, wie wenig Hugenberg es zu verhüllen, vermocht habe, daß er die parlamentarische Lösung nur des­wegen bekämpfe, weil sie von Brüning angeregt worden sei.

DasB. T." bezeichnet die Ablehnung als nicht überraschend". Es.sieht.in ihr einen A ff r o n t gegen den Reich spräsid enten/wie er kaum schwerer denkbar fei.

DerVorwärts" nennt Hitler und Hugenberg hindenburgischer als Hindenburg, republikanischer als die Republika­ner." Das Blatt teilt außerdem mit, daß die Sozialdemokratie jetzt'eine überesikte Festle­gung in der Kandidatenfrage vermeiden müsse. Würden die neuen Hüter der Verfassung jetzt Hin­denburg zum Reichspräsidenten wählen, so wür­

den sie damit nur ihre Schwäche und ihre Ver­legenheiten verraten.

Die DAZ. bezeichnet es alshöchste Zeit, daß die Frage der Präsidentenwahl vor weiteren ab« geschmückten parteipolitischen Auseinandersetzungen bewahrt werde.

Die Börsenzeitung spricht von einem schweren politischen Mißerfolg Brünings.

*

Mit der Erklärung Hugenbergs und Hitlers tn der Frage der Reichspräsidentenwahl dürfte die Aktion Brünings abgeschlossen sein. Man nimmt an, daß erst Anfang Februar von der zu­ständigen Stelle mit den Parteien darüber Füh­lung genommen wird, ob es möglich ist, H i n benburg als gemeinsamen Kandida- ten der Rechts- und Mittelparteien, möglicherweise auch der Sozialdemokra- t i e, wieder (Mfzuftellen.

Wahlgefchrei, Wahlunkosten und ähnli­ches sind jetzt natürlich unvermeidlich. Die kostbare Beruhigung im Interesse der deutschen Wirtschaft ist wieder einmal unmöglich gemacht. Aber diepolitischen Kinder" haben ihre Feste.

Hiller Hal in einer längeren Denkschr.fi Hindenburg persönlich geanlworkek.

(Siehe unterLetzte Nachrichten".)

Deutschland könnte etwas lernen.

Die Franzosen bilden ein großes Kabinett.

rotb. Paris, 12. 3an. (Eig. Meld.) lieber den Kabinettsrat. der heute mittag abgehalten wurde, gab Ministerpräsident Laval folgendes (Kom­munique aus:

Der Ministerpräsident hat feine Kollegen über die Lage unterrichtet und feinem Willen Ausdruck gegeben, am Vorabend der wichtigen internationalen Konferenzen sämt­liche Regierungspartei en an der Leitung der Geschäfte zu beteiligen. Um volle Aktionsfreiheik zu schassen, haben die Mi- nister und Unterstaatssekretäre ihr Portefeuille zur Verfügung gestellt.

Bei uns, die wir in ganz anderen Schwierig­keiten als die Franzosen sind, hat man nicht ein­mal die Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs infolge parteipolitischer Verbohrtheit zu Stande gebracht.

In amerikanischen Kreisen in Paris erklärt man, daß Ministerpräsident Laval dem deutschen Botschafter von Hoesch im Verlauf seiner Unter­redung am Montag erklärt habe, daß die These des Reichskanzlers hinsichtlich der Tribute für Frankreich unannehmbar sei.

ItaNeu und Lausanne.

wtb. Rom, 12. Januar. (Eig. Meld.) In den Kommentaren der römischen Morgenpresse zum Kanzler-Interview über die Reparationsfrage kommt keinerlei Ueberraschung oder Alarmstim­mung zum Ausdruck.Popolo di Roma" sagt, R e - parationen und Kriegsschulden sind die Würfel des Uebels, an dem heute die ganze Welt leidet.Messagero" schreibt: Auf den Geist der Worte Mussolinis in Neapel seien die Richt­linien eingestellt, die Italien in Lausanne verfol­gen würde. Man müsse der Wirklichkeit in vollem Tageslicht in das Gesicht sehen, die Tag für Tag mehr auf den Völkern laste und keine Lösung zulasse, die von Sonderinteressen diktiert sei. Die Konferenz wird freilich nicht unter leichten Vor­aussetzungen zusammentreten. Der immer fester werdenden Haltung Deutschlands steht die unveränderteUnzngänglichkeit Frank- r e i ch s gegenüber.

*

wtb. Mailand, 12. Ian. (Eig. Meldg.). Unter der UeberschriftSchluß mit der tragischen Buch­führung aus der Kriegszeit!" schreibt derPopolo d'Italia": Wenn die Lausanner Konferenz nick: zu dem Zweck einberufen worden ist, den Repa- rationsknoten zu entwirren, dann sollte man sie lieber nickt stattfinden lassen. Die Lausanner Konferenz muß den sogenannten Strich mit dem Schwamme ausführen und jenesSoll und Ha­ben" ausstreichen, das Mussolini in seiner Rede in Neapel die tragische Buchführung des Krie­ges nannte. Die Schlußfolgerungen des Baseler Ausschusses erheischen eine solche radikale Lösung und lassen Zwischenlösungen als nicht t r a g s a m erscheinen. Vielleicht hat Deutschland niemals m außerordentlichem Umfange den gu­ten Willen gehabt, den Kriegstribut zu entrich- ten. indessen hat es bedeutende Summen gezahlt. Jetzt ist es aber außerstande, zu zah­len. Man gibt sich Illusionen hin, wenn man glaubt, daß darin eine Aenderung eintreten werde. Die Weltkrise schont niemanden, nicht einmal die­jenigen, die sich durch Anhäufung von Gold zu ret­ten glauben. Damit meinen wir Frankreich! Ein weiterer Vorgang macht die Reparationslast eben­falls unerträglich: Infolge des gegenwärtigen Preissturzes werden doppelte Arbeit, doppelte Wa­renmengen und doppelte Leistungen notwendig, um die gleiche Menge von Schulden zu bezahlen, die in Goldwährung berechnet wurden.

Dreimonatige Verlängerung des Reichsbankkredits durch die V3Z.

wtb Bafel, 11. Januar. (Eig. Meld.) Der V rwaltungsrat der Bank für den internationa­len Zahlungsausgleich hat beschlossen, den Präsi­

deuten der Bank zu ermächtigen, den der Reicks­bank gewährten, am 4. Februar 1932 fälligen Kre­dit in Höhe von 25 Millionen Dollar für einen Zeitraum bis zu drei Monaten zu erneuern, wenn die anderen am Kredit beteiligten Notenbanken ihren Anteil zu den gleichen Bedingungen ver« löngern. Bekanntlich haben die Bank von Eng­land. die Bank von Frankreich und die Föderal- Reservebank von Newyork je 25 Millionen Dol­lar für den Gesamtkredit mit 100 Mill. Dollar gegeben. *

Der Gouverneur der Bank von Frankreich soll, demMatin" zufolge, erklärt haben, daß die Genehmigung Frankreichs zur Verlängerung des Reichsbank-Rediskontkredits über den 4. März hinaus sehr unwahrscheinlich sei.

Eine bemerkenswerte Feststellung.

Der Berliner Berichterstatter derTimes" mel­det, .daß die Unterredung zwischen, Reichskanzler Brüning und dem englischen Botschafter Sir Hörest Rumbold über die Tributfrage aufdenWunsch des 'letzteren zurückzuführen gewesen sei.

*

wtb. London, 12. Ian. (Eig. Meldg,). In Regisrungskreisen ist man der Auffassung, daß die Erklärung des deutschen Reichskanzlers kei­neswegs als Drohung ober Ultima­tum ausgelegt werden könne.

*

wtb. Paris, 12. Ian. (Eig. Meld.). Die Mei­nungsverschiedenheiten zwischen den englischen und französischen Sachverständigen ü b er die Dauer des Deutschland zu bewil­ligenden Moratoriums sind dem Ma­tin zufolge noch nicht beseitigt.

Zur fiegierrnigeblöung in Hessen.

Zu dem letzten Schreiben der Nationalsoziali­sten an das hessische Zentrum wegen evtl. Koa­litionsverhandlungen schreibt dasMainzer Jour­nal" u. a.:

Das Zentrum wird wohl noch darüber beschlie­ßen, ob es auf die Wiederholung lOOfach abge­wehrter Beschimpfungen und Beleidi­gungen antworten wird. Die antimarxistischen Nationalsozialisten stellen im Hessischen Landtag agitatorische Anträge (zur Vorbereitung von Neu­wahlen?) und spekulieren dabei bezüglich mehre­rer wichtiger Anträge auf die Unterstützung und Stimmhilfe der größten Marristen, der K o m- m u n i ft e n ! Also eine Nationalsozialistisch- Kommunistische Koalition! Die Antwort der NSDAP, hat rein agitatorischen Charakter und beweist, daß die Nationalsozialisten weder den Willen, noch die Befähigung haben, staatspoli- tische Verantwortung zu übernehmen. Sie sind nur in der Sage, wie sich bisher auch in anderen Ländern gezeigt hat, parlamentarischen Wirrwar herbeizuführen.

* Dr. heß erneuk erkrankt. Der Führer der Zentrumsfraktion im Preußischen Landtag, Abg. Dr. Heß. der am 19. Januar die Geschäfte des Fraktionsvorfitzenden wieder übernehmen wollte, ist abermals erkrankt. Eine Grippeerkrankung wurde kompliziert durch das Hinzutreten einer Lungen- und Rippenfellentzündung. Wie die Aerzte erklären, nimmt die neue Erkrankung bisher kei­nen besorgniserregenden Verlauf.

* 3n Gesamt-Lippe wurden bei den gestrigen Wahlen an Stimmen abgegeben: Sozialdemokraten 24688 (30068), Deutschnationale 8565 (7278), Bür­gerliche Liste 12 609, Zentrum 2276 (2543), Evan­gelischer Volksdienst 3245 (1645), Nazis 27169 (20193), Kommunisten 10137 (6098). Die Land­volkpartei hatte sich bei den diesmaligen Wah­len der Liste der Deutschnationalen angeschlossen. Nur darauf ist der verhältnismäßig kleine Zuwachs der Deutschnationalen zurückzuführen, obwohl Hu­genberg in Lippe-Detmold Gutsbesitzer ist.