Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk

Ar. S

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Dienstag, 12. Januar 1932.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col > lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM Bei Wiederholungen Rabatt. Posticheckk Frankfurt a M 4051

Wg. 59.

Brüning im Kamps für Deutschland.

Die Frage der Befreiung von den Tributen ist in ein ent­scheidendes Stadium gerückt. Wird die sogenannte «natio­nale Opposition- dem Kanzler die notwendige Rückendeckung gewähren? Hitler ist anscheinend vernünftiger als Hugenberg.

Die Mitteilungen Dr. Brünings an den eng- Wfchen Botschafter über die Tributfrage, über die an anderer Stelle berichtet wird, erscheinen in den Londoner Tageszeitungen überall an bevorzugter Stelle unter großen Ueberschriften, wie z. B.: Deutschlands Ultimatum: Deutschland sogt England, daß es nicht zahlen kann."

Brüning hat, wie in London vielfach betont wird, mit einer Offenheit gesprochen, die weit über die übliche diplomatische Art hinausgehe. Die Wiedergabe der Meldung in der englischen Presse läßt erkennen, daß auch die Blätter von der hoff­nungslosen Finanzlage Deutschlands überzeugt sind.

Das Echo in Berlin.

Die Erklärungen des Reichskanzlers über die Reparationsfrcige und seine Feststellung, daß wei­tere politische Zahlungen Deutschlands unmöglich seien, sowie das Auslandsecho zu diesen Aeußerun- gen werden in der Berliner Presse lebhaft bespro­chen.

DieBoss. Ztg." sagt, das Rein, das der Kanz­ler angekündigt habe, sei nur eine Etappe auf dem schweren Weg, der mit Minen und Gegenminen belegt sei. Wenn dieses Nein heute gesprochen worden sei, so sei das dem Mut zu danken, mit dem vorher das Ja ausgesprochen wurde. Brü­ning stehe auf den Schultern der Erfüllungspoff- tiker. Was heute gesagt und gewagt werden könne, wäre vor drei Jahren eine U n« Möglichkeit, vor sechs Jahren eine Tollheit, vor zwölf Jahren ein Ver­brechen gewesen.

Germania" undVorwärts" beschäftigen sich besonders mit dem französischen Echo der Kanzler­erklärung. DieGermania" weist die Angriffe des Ministers Flandin zurück, der Brüning die Kündigung des Poung-Plans zum Vorwurf macht. Nicht Deutschland kündige den Voung- Plan, sondern wirtschaftliche Tatsachen machten- seine Erfüllung unmöglich. DerVor­wärts" hofft, daß bei näherer Betrachtung der Dinge in Paris eine ruhigere Auftastung Platz greifen werde. Brüning habe nur wiederholt, was er schon früher gesagt habe. Die deutsche Regie­rung gehe nach Lausanne in der Absicht, für die deutsche These um allgemeine Anerkennung zu werben. Das könne für Frankreich kein Grund sein, sich den Verhandlungen zu entziehen und die Konferenz auffliegen zu lassen.

DieDAZ." sagt: Der Reichskanzler hat mit seiner Feststellung M u t und Entschlossen­heit gezeigt. Er kann überzeugt sein, daß das ganze Volk, einschließlich der Opposition von ge­stern, von heute und von morgen, in diesem schwe­ren außenpolitischen Kampfe hinter Hinden­burg und ihm steht. (??)

DieDeutsche Tageszeitung" spricht von einem sehr bedeutenden Schritt auf dem Wege, die Welt­öffentlichkeit von dem unerschütterlichen Willen Deutschlands zu überzeugen, keine Tribute mehr zu zahlen. Das Blatt bedauert, daß Brüning nur von derUnmöglichkeit" weiterer politischer Zoh- hingen gesprochen habe, anstatt klipp und klar zu sagen, daß Deutschland unter keinen Umständen solche Zahlungen leisten werde.

DerTag" fordert, daß dieseendgültige Lö­sung" auf der kommenden Tributkonferenz nicht wieder zu einer Zwischenlösung werden dürfe Die Rettung Deutschlands sei nicht nur durch die Streichung der Tribute allein, sondern nur durch die gleichzeitige Ueberwindung des Diktats von Versailles zu erreichen. Das Blatt warnt vor Plänen, die Lausanner Konferenz zu unterbrechen, um dann später weiter zu verhandeln. Am Ende des zweiten Teils der Konferenz könne es sehr leicht zu einer Aufrechnung von Tributen und al­liierten Schulden kommen, bei der Deutschland -den verbleibenden Rest zu zahlen hätte.

Paris in Aufregung.

Die durch Reuter in Paris bekannt gewordene Erklärung des Reichskanzlers Brüning, daß Deutsch­land weder jetzt, noch in Zukunft in der Loge sei, die Tributz ah langen wieder aufzunehmen, wird als große Sensation auf- gefaßt und zugleich so ausgelegt, daß sie die Tributkonferenz in Lausanne im Grunde unnütz mache. Durch die Haltung Deutschlands sei die Konferenz von vornherein zum Mißerfolg verdammt. Ferner glaubt die Presse daraus schlie­ßen zu können, daß die Mitteilung des Reichs­kanzlers an den englischen Botschafter in Berlin mit d er Hitler unterred un g in Zusam­menhang stehe. Der Führer der Nationalsozialisten habe vermutlich- für ein Entgegenkommen in der Reichspräsidentenfrage die Kündigung in der Tri- butfrage zur Bedingung gemacht. In jedem Fall sei die Haltung Brünings ebenso unverständlich wie unzweckmäßig.

DieLiberte" spricht von einemsensatio­nellen Theatercoup" Brünings. Das Journal des Deb-ats" fragt, was der deutsche Schritt am Vorabend der Lausanner Konferenz bedeuten solle. Entweder habe er gar keinen realen Sinn oder er stelle einen politischen Att von größ­ter Bedeutung dar. Man könne gespannt sein, ob das Reich nicht auch vor der Abrüstungs­konferenz einen ähnlichen Vorstoß ge° Ken den Versailler Vertrag unternehme.

In jedem Fall sei eine Klarstellung notwendig. DerParis Soir" meint, daß man der Nachricht kaum Glauben schenken könne, wenn sie nicht aus so zuverlässiger Quelle stammte. Es sei wahr­scheinlich, daß das deutsche Manöver nur dazu beitragen werde, eine Einheitsftont der Gläubi­ger Deutschlands herzustekl-en und die englisch- französische Verständigung zu verliefen. DerPe­tit Parisien" erklärt, Brüning habe mit einem Schlage zwei Fliegen fangen wollen, indem er einmal die Nationalsozialisten befriedigte, zum anderen aber auch Einfluß auf die Pariser Ver­handlungen genommen habe.

Das nationalistische Echo de Paris fragt: Was soll Frankreich angesichts der Erklärungen Brü­nings tun?* Etwa den Internationalen Gerichtshof im Haag anrufen? Es bliebe noch ein anderer Weg: Auf die Gefahr hin, mit der Fittion der deutsch-französischen Annäherung aufzuräumen, könnte Frankreich sein Mißfallen bei der ersten Gelegenheit zum Ausdruck bringen, bei der Frankreichs dirette oder indirekte Unterstützung nachgesucht würde; die deutsche Wirt­schaft hänge nämlich nur an einem Fa­den.

Figaro überschreibt seinen Leitartikel:Der Papierfetzen von Versailles" und sagt: Verfügt Frankreich über keinerlei Abwehr- oder Sank­tionsmittel?

Die Meinung des Engländers.

Garoin stellt im Londoner Observer für die Haltung der englischen Delegation auf der Lausa- ner Konferenz die Forderung:Laßt d i e e n g- lische Regierung nicht von dem Be­kenntnis ihrer eigenen Anschauung zurückschrecken, daß der Nachkriegs- fluchinternationaler Reparation en im allgemein en Interesse aus der Welt geschafft werden muß." Heber die Reparationen und Kriegsschulden schreibt Garvin, die völlige Streichung würde sich für das amerika­nische Volk mehr als bezahlt machen. Das gegen­wärtige System bedeutet die fortgesetzte Opferung der Wirtschaft an die Kredite ein häßliches Wort, aber das einzige, das die moralische und praktische Wirkung des Prozesses beschreibt. Streichung ist die Bedingung jeder deutsch-franzö- siichen Freundschaft und Zusammenarbeit. Zur Abrüstung sagt Garvin: Entweder Deutschlands Nachbarn müssen ihrerseits gemäß der Völker­bundssatzung abrüsten oder Deutschland würde auf seinem Recht zur Aufrüstung bestehen. Es ist Wahnsinn, anzunehmen, daß eine dergrößten Nationen für immer als ein zweit­klassiges Volk behandelt werden kann.

wtb. London, 11. Jan. (Eig. Meld.) Die s o - z i a l i st i s ch e n und- liberalen englischen Blät- ter begrüßen die Erklärung Brünings zur Re­parationsfrage.

«Schwamm drüber-.

In einem Interview beschäftigte sich der Führer der Arbeiter-Opposition im englischen Unterhaus, Lansbury. mit den letzten Entwicklungen der Re­parationsfrage und erklärte, der Standpunkt der Arbeiterpartei fei: Schwamm drüber! Er meinte:Wir sollten Amerika und der Welt sa­gen, daß wir weder Reparationen erhalten noch Kriegsschulden bezahlen wollen".

*

Die belgische Presse nimmt eingehend zu der Erklärung des Reichskanzlers über die Unmöglich­keit weiterer deutscher Tributzahlung Stellung. Die liberaleEtoile Eelge" erklärt dazu,, falls Frankreich an die Besetzung deutschen Landes denken würde, würde es keine Gefolgschaft fin­den, sondern isoliert sein.

Ein «Hieb auf den ftnoten.

wtb. Jtero Jork, 11. Ian. (Eig. Meld.). New Bork Times schreibt in einem Leitartikel: Brünings Erklärung in der Reparationsfrage sei nicht so zu verstehen, daß Deutschland nicht zahlen wolle, son­dern daß es nicht zahlen könne. Dem­gegenüber müßte Frankreich eine Lösung fin­den, die die Rechte, die auf den Reparationsan- spruch bestehe, und die Linke, die geneigt sei, die Reparationen gegen gewisse Konzessionen zu be­enden, einige.

wtb. Tiero Port, n Ian. (Eig. Meld.) Un­ter der HeberschriftEin Hieb auf den Kno­ten" betont Herold Tribüne in einem Leitartikel, die deutschen Erklärungen über die Unmöglich­keit, weiter politische Schulden zu zahlen, seien durch zu viele Anzeigen angekündigt gewesen, um als völlige Ueberraschung zu kommen. Wende man sich von der französischen Pose verletzter Gut- gläubigkeft zu der Aufnahme, die die Erklärungen Brünings bei den Baseler Finanzsachverständigen gefunden hätten, so fei offenbar, daß die nunmehr eingetretene Entwicklung nicht außerhalb von de­ren Berechnungen gelegen sei. Die Vertretern des Schatzamtes der Vereinigten Staaten beigelegfe Aeußerung, daß der deutsche Schritt schon im letzten Jahre irgendwann einmal hätte kommen können, legte die Vermutung nahe, daß man auch in diesen Kreisen vorbereitet gewesen sei. So vorbereitet allerdings die Fiuanzwelt aus die Er

klärungen Dr. Brünings gewesen sei, so dürfe doch nicht angenommen werden, daß die amerika­nische Ansicht der deutschen Annahme zustimme, daß nunmehr das Ende der Reparationen gekommen sei.

V. 3. Z. ragt!

wtb. Basel, 11. Januar. (Erg. Meld.) Der Verwaltungsrat der B. I. Z. ist heute vormittag nach zweimonatiger Unterbrechung vollzählig zu seiner 17. Tagung zusammengetreten. Den Verhandlungen, die Präsident Mac Earrah leitete, wohnten deutscherseits bei: Reichsbankprä­sident D r. Luther, D r. Melchior und Gene­raldirektor R e u s ch. Der Derwaltuwgsrat wird dieKreditwünscheDeutschlands, Oester- reichs, Ungarns und Jugoslawiens auf Verlängerung bereits gegebener Kredite zu behan­deln haben. Heber diese Fragen wurden gestern unter den Notenbankleitern bereits eingehende Be­sprechungen gepflogen.

Siegt die Vernunft?

Wie wir von beteiligter Sette hören, ist die Entscheidung über die Haftung der Rechten zu dem Vorschlag einer Verlängerung der Amtsdauer des Reichspräsidenten erst für den Montag nach­mittag zu erwarten. Offenbar ist als äußerster Termin für die Antwort an den Reichskanzler nun Montagnachmittag 4 Uhr ausgemacht wor­den. Inzwischen finden noch weitere Besprechun­gen nicht nur zwischen Hitler und Hugenberg, son­dern auch mit den anderen Organisationen der nationalen Opposition" statt.

1.

Reichskanzler Dr. Brüning hatte am Sams­tag kurz nach Mittag eine weitere Unterredung mit Adolf Hitler, die ungefähr eine Stunde dauerte.

Hitler suchte nach der Unterredung mit dem Kanzler, Samstag, den Führer der DNVP., H u- g e n b e r g, zur Besprechung über die Reichsprä­sidentenfrage auf. *

Besprechungen der Führer der sogenannten nationalen Opposition" endeten am Samstag da­mit, daß man die Stellungnahme zur Amtszeit Hindenburgs auf Sion tag vertagte.

Der Pressedienst der DVP. teilt mit:

Der Reichskanzler Brüning hatte den Partei­führer der DVP., Reichstagsabgeordneten Dr. Dingeldey, für Samstagnachmittag 18 Uhr zu sieb gebeten, um mit ihm die innen- und außenpoliti­sche Lage zu besprechen. Die Unterredung dauerte eine Stunde. In ihrem Verlaufe erklärte Abge­ordneter Dingeldey, daß die DVP. selbst die Er­haltung der Pr äsiidentschaft des

wtb. Berlin, 11. Jan. (Eig. Meld.) Die am Sams-, tag, den 9. ds. Mts. von den Spitzenverbänden der Kre­ditinstitute angenommenen Zinsvereinba- rungen bestehen aus einem Mantelvertrag sowie aus je einem Abkommen über Habe n-Z i n f en und Soll­zinsen. Bei den S o l l z i n s e n soll die Berechnung entweder in Gestalt eines Netto-Zinssatzes, bei dessen Festsetzung von dem gewogenen Durchschnitt der Zinssätze für hereingekommene Gelder auszugeben ist, oder nach Zoll-Zinsen plus Kreditprovision erfolgen. Im letzteren Fall gilt als Richtlinie, daß sich der Zinssatz im allgemeinen an den Reichsbankdiskoyt anzulehnen hat. Die Normalsätze für den oben erwähn­ten Netto-Zinssatz bezw. Sollzins werden von den regio­nalen Kreditausschüssen festgesetzt. Die Kreditprovision ist in banküblicher Weise zu berechnen.

Die Regelung der Haben-Zinsen erfolgt in der Weise, daß von dem zentralen Kreditausschuß ein N o r- malzinssatz festgesetzt wird, der mit entsprechenden Zuschlägen für alle Konditionen Geltung hat; normale Spareinlagen sind jedoch höchstens zu dem Normalzinssatz zu verzinsen. Kreditgenos­senschaften, Privatbankfirmen, sowie kleine und mittlere Banken dürfen nach Maß- gäbe besonderer von dem zentralen Kreditausschuß aus­zustellender Grundsätze die Höchstzinssätze fürh ereinge- nommene Gelder ganz oder teilweise bis um h ö ch st e n s % Proz. überschreiten, ehrenamtlich geleitete Kreditgenossenschaften mit der gleichen Maß­gabe biszu % Proz.

In dem Mantelvertrag wird bestimmt, daß Kredit­institute aller Art verpflichtet find, bei der Herein- nähme von Reichsmarkgeldern aus dem In- und Auslande bestimmte Höchstsätze nicht zu überschreiten.

Die beiden Zinsabkommen laufen bis zum 31. März dieses Jahres, der Mantelvertrag bis zum 30. September dieses Jahres; sie verlängern sich automatisch um 3 (6) Monate, falls nicht eine Kündigung mit einer Frist von einem (3) Monaten erfolgt. Die Vereinbarungen sind vom Tage nach der Veröffentlichung im deutschen Reichs­anzeiger und preußischen Staatsanzeiger an wirksam.

*

wtb. Berlin, 11. Jan. (Eig. Meld.) Nach Erklärung ^es Reichskommissars für das Bankgewerbe, haben sich sie beteiligten Stellen bei der Festsetzung der Zinsver- ! nbarungen von dem Gedanken leiten lasten, diese mit »er gewissen Biegsamkeit auszustatten. In .m Durchführungsbestimmungen zur Zinssenkung auf i in Geldmarkt, die heute veröffentlicht werden, wird jest-

Reichspräsidenten von Hindenburg als oberstes Ziel ihrer Heberlegun­gen betrachte und diesem Ziele alle taktischen Erwägungen unterordne.

Auf dem Kreisparteitag des Kreisvereins Ratt- bor-Land der Deutschnationalen Volkspartei er­klärt der stellvertretende Reichsparteisührer Dr. v. Winterfeld-Berlin u. a., daß die Deutschnationalen der Ansicht seien, den Reichs­präsidenten habe nach der Verfassung das deutsche Volk und nicht der Reichstag zu wählen. Die Deutschnationale Volkspartei könne einer Verlängerung der Amtszeit nicht zustim­men und man müsse sich schon jetzt mit dem Ge­danken vertraut machen, daß im Frühjahr die Reichspräsidentenwahl durchgeführt werden müsse.

Düsterberg über die Frage der Reichspräsidenten­wahl.

C. N. B. Gotha, 11. Jan. (Eig. Meld.) Auf einer Führertagung des Stahlhelms, Gau Thürin­gen, erklärte Düsterberg zur Reichspräsidenten­frage u. a.: Der Stahlhelm lehnt eine parla­mentarische Verlängerung der Amtszeit des Reichs­präsidenten ab.

*

Nach wochenlangem Schweigen haben jetzt die Nationalsozialisten in Hessen auf die Mitteilung des Zentrums über die nationalsozialistische Auf­forderung zur Mitarbeit des Zentrums in einer Koalition ihre Antwort erteilt. Wie zu erwarten war, ist sie negativ ausgefallen., Die Natio­nalsozialisten erklären, daß sie jetzt wieder volle Handlungsfreiheit hätten. Hoffentlich fan­gen sie mit dieser Freiheit jetzt etwas Vernünftiges an. Sonst werden die Hessen noch lange auf das Dritte Reich" warten können.

HmMbung des französischen Kabinetts.

wtb. Paris, 11. Januar. (Eig. Meld.) Mini­sterpräsident Laval wird heute feine Besprechungen über die Umbildung des Kabinetts beginnen. Er wird vor allen Dingen mit Briand eine ent­scheidende Aussprache haben. In der Umge­bung des Außenministers war nämlich gestern erklärt worden, daß Vriands Befinden sich in den letzten Tagen so gebelfert habe, daß er sehr wohl seinen Posten wetter versehen könne. Briand habe auch weder an den Präsidenten der Repu­blik, noch an den Ministerpräsidenten ein offi­ziell e s Dernisiionsschreiben abgehen lassen. Diese Erklärungen sind gestern in politischen Kreisen laut kommentiert worden und geben bereits den uner« bittlichen Gegnern des Außenministers Anlaß, aufs Neue gegen ihn, den sie erledigt glaubten, Sturm zu laufen. Von der Aussprache mit Briand wird es abhängen, ob Laval die Gesamtdemifsion des Kabinetts einreichen wird.

gestellt, daß der Bankkomissar seine Zustimmung jederzeit zurückziehen kann. Einer Majorisierung wird dadurch vorgebeugt, daß die Beschlüsse im zentralen Kreditaus­schuß einstimmig gefaßt werden müssen, anderenfalls ent. scheidet der Bankkommissar. Hypothekengeschäfte, Konsumvereine sowie Bau- und Werkspar« kaffen find nach den Durchführungsbestimmungen gleichfalls an die vorgeschriebenen Zins­sätze gebunden.

Die ganze Zinsregelung bezieht sich auf den V e r- kehr mit der Nicht-Bankierkundschaft. Der Verkehr zwischen Banken untereinander ist aus­drücklich f r e i g e l a s s e n. Bei den Sollzinsen ist die Feststellung eines einheitlichen Normalsatzes aus dem Grunde unterblieben, well ein derartiger Satz voraus­sichtlich bald de nCharakter eines Mindestsatzes angenom- men und auf diese Weise verteuernd gewirkt haben würde. Während der Zweck der Zinsvereinbarungen ge­rade in einer Zinsverbilligung bestehe.

Neu ist die Vorschrift, daß als täglich fällige Gelder auch solche anzusehen sind, für die eine feste Laufzeit von weniger als einem Monat (bisher 7 Tage) vereinbart worden ist. Eine Bereitschaftsprovision darf in Zukunft nicht erhoben werden. Die Verknüpfung der Zollzinsen mit dem Reichsbankdiskont wird dadurch eingeschränkt, daß sich der Zinssatz im all­gemeinen an den "Reichsbankdiskontsatz anlehnen soll.

Der Normalzinssatz ist laut Beschluß des Zen­tralen Kreüitausschusses auf 4 Proz. festgesetzt worden.

* In Lippe-Detmold, dem bekannten, im Volks« lieb verewigten Kleinstaat, haben am Sonntag Ge­meinde-Wahlen stattgefunden. Es handelt sich babei natürlich um keine großen politischen Ent- scheibungen. Die Vergleiche mit früheren Wahler­gebnissen sinb schon dadurch erschwert, baß einzelne Badeorte darunter sind, in denen bei der letzten Reichstagswahl offenbar zahlreiche fremde Kur­gäste mitgewählt haben. Das Ergebnis ist aber 'ebenfalls so, daß die Kommunisten stark auf Kosten der Sozialdemokraten zuge­nommen haben. Der Fortschritt der National­sozialisten ist verzögert. Immerhin haben sie und teilweise auch die deutschnationalen ben bürgerli­chen Mittelparteien, bie ja kaum noch politische Aktivität entfalten, einige Stimmen abgenommen. Das Zentrum ist in bem fast katholikenreinen Ge­biet nur schwach vertreten. Es Hat aber auch dies- mal wieder feine Freunde im Großen und Gan­zen zufammenzuhalten gewußt.

wtb Berlin, 11. Januar. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den deutschen Botschafter in London, Frhrn. v. Neurath, sowie den deutschen Gesandten in Buenos Aires, Dr. von Keller.

Die neuen Zinsvereinbarungen.

Festsetzung der Haben- und Soll-Zinsen.

Normalzinssatz 4 Prozent.