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Sonntag, 10. Januar 1932.

Mkg. 59.

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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Vriands Mülrillsgesuch beslallgl.

Der französische Außenminister Briand halbem Ministerpräsident, wie nunmehr bestätigt wird, von seiner Rücktrittsabsicht in Kenntnis gesetzt. Den ersten Anstoß zu diesem Schritt gab der Tod des Kriegsministers Maginot. Schon am Donnersrag­vormittag hatte sich der Außenminister mit Laval telefonisch in Verbindung gesetzt und ihm erklärt, daß er die Stunde seines Rücktritts nunmehr für gekommen halte. Er sei krank, und es müsse daher Vorsorge für eine in jeder Hinsicht lei­stungsfähige Vertretung Frankreichs auf den Kon­ferenzen getroffen werden. Es erweist sich ferner, daß Briand nicht wegen seiner Krankheit, sondern vielmehr wegen seines Rücktrittsentschlusses nicht mehr am letzten Ministerrat teilgenommen hat.

Die Nachricht, daß Briand Ministerpräsident Laval in Kenntnis gesetzt hat, er stelle sein Portefeuille zur Verfügung, hat in politischen Krei­sen Frankreichs nicht überrascht. Die Pressekam­pagne der letzten Tage ging darauf hinaus, Briand nahezulegen, den Quai d'Orsay zu verlassen. Die Tatsache, daß Briand für die neue Kombination Laval nicht mehr in Frage kommt, macht die Neu­bildung des Kabinetts zu einer Angelegenheit ern­sten politischen Charakters. Der Rücktritt Briands muß außenpolitisch gerade im jetzigen Augenblick in der gesamten Well einen Nachhall finden, der auch innenpolitisch in Frankreich Auswirkungen

haben wird. Mll Briand scheidet, vielleicht nur zellweilig, vielleicht aber auch für immer, eine der repräsentativsten Persönlichkeiten der dritten Re­publik aus dem öffentlichen Leben. Briand war ein Programm, und seine Tätigkeit nach dem Kriege hat bewiesen, daß er einer der klügsten und bgabtesten Staatsmänner war, über die Frank­reich seit 1871 verfügte. Seine Verständigungs­und Friedenspolitik hat in Europa und in der gan­zen Welt eine Atmosphäre geschaffen, in der die moralische Abrüstung Fortschritte machte, so daß sie zum Kellogg-Patt und zum Poungplan führte, der eine neue Etappe in der Reparationspolitik bedeutete.

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wtb. Paris, 9. Jan. (Eig. Meld.)Motin" be­zweifelt das Zustandekommen einer Konzentra­tionsregierung unter Laval und glaubt, daß Lava! die Minister Maginot und Briand werde lediglich ersetzen können.

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Der englische Finanzsachverständige Prof. Key­nes sprach in Hamburg über die Tribut- und Schuldenfrage, wobei er mit Nachdruck betonte, daß' kein vernünftiger Mensch in England heute die Fortsetzung der Tribut- und Kriegsschuldenzahlun­gen in irgendeiner Form wünscht.

Beginn der Konferenz von Lausanne am 25. Zanuar.

CNB- Berlin, 9. Jan. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, ist nun eine Einigung über das Konfe­renzdatum der Lausanner Konferenz erzielt wor­den. Die Konferenz beginnt am 25. Januar. Diese Verschiebung geht auf den Wunsch Frankreichs zu­rück. England und Deutschland haben sich damit einverstanden erklärt.

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Der Zentrumsführer Prälat Dr. Kaas unter­strich in einer Rede in Vechta, daß die Aus­sichten für das Gelingen einer tributpolitischen Durchbruchschlacht jetzt besser denn je seien.

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Für Samstagnachmiitag ist eine Unter­redung zwischen Hitler und Hugen- 6 er g angesetzt, worauf Hitler dem Reichskanzler seine endgültige Stellungnahme in der Frage der Reichspräsidentenwahl bekanntgegeben wird.

Eualaud, Hitler und Hirgeuberg.

CNB. London, 9. Januar. (Eig. Meld) Der Gang der Verhandlungen zwischen Brüning und den Parteiführern über die Frage der Verlänge­rung der Amtsdauer des Reichspräsidenten wird von den Berliner Korrespondenten der englischen Morgenpresse mit großem Interesse verfolgt, wo­bei vor allem das Verhältnis zwischen dem deutsch­nationalen und dem nationalsozialistischen Führer erörtet wird. Morning Post spricht von einer Verärgerung der Deutschnationalen, weil Hitler le­diglich von dem Wunsche, seine Ansicht den ande­ren Organisationen der Rechtsopposition mitzutei­len, gesprochen, nicht aber ausdrücklich das Ver­langen geäußert habe, deren Ansichten zu hören. Die Aeußerung der Times-Korrespondenten klingt ähnlich Der Berichterstatter des Daily Telegraph will aus guter Quelle erfahren haben, daß man die Aussichten eines erfolgreichen Abschlusses der Verhandlungen für sehr giinstig hält. Hitler habe im wesentlichen dem Plan des Reichskanz­lers bereits zugestimmt.

wtb. Rewyork, 9. Jan. (Eig. Meld.) Den Vor­schlag des Reichskanzlers zur Reichspräsidenten­wahl bezeichnetNewyork-Times" als Ausweg und zugleich als Dilemma für Hitler. Sollte er zu einer Verständigung und zur Mitarbeit bereit sein, so könnte er offenbar besser Hindenburg ge­genüber hierauf eingehen als gegenüber Brüning. Andererseits bedeute das Eintreten für Hindenburg die Teilnahme an der Reparations- und der Ab­rüstungskonferenz. Auf Hitlers Entschluß warte daher die gesamte Welt mit Spannung. Es sei

selbstverständlich daß Deutschlands Position wäh­rend der Reparationsberatungen nicht erleichtert werde durch ein provozierendes Programm der Hitlerbewegung. Deshalb stehe Brüning mit Recht auf dem Standpunkt, daß Deutschlands Lebens­interessen während der kommenden Konferenzen eine geeinte Front erforderten.

Es geht wieder los ...

Blutige Schlägerei in einer politischen Versamm­lung.

In Kreuz bürg (Oberschlesien) sand eine öf­fentliche Kundgebung der Sozialistischen Arbeiter­partei statt. Angehörige aller Pakteirichtungen fiill- ten den Saal. Sämtlich« Reden wurden ruhig an­gehört. Zum Schlüsse seiner Ansprache brach der nationalsozialistische Diskussionsredner in den Ruf aus:Heil Hitler!", woraus die anwesenden S.-A.- Leute ein nationalsozialistisches Lied sangen. Dies war der Auftakt zu einer regelrechten Schlacht mit Tisch- und Stuhlbeinen Die Schutzpolizei konnte nur mit Hilfe des Gummiknüppels die Streitenden auseinanderbringen. Nachdem der Saal geräumt war, fetzte sich die Schlägerei auf der Straße fort, wobei es zahlreiche Schwer- und Leichtver­letzt e gab Es wurden auch einige Verhaftungen rorgenommen.

Folgenschwerer Zusammenstoß zwischen National­sozialisten und politischen Gegnern.

Nachts kam es in Hamburg am Eilbeckerweg zu einem Zusammenstoß zwischen einer Abteilung von SA-Leuten und einer größeren Gruppe An­dersdenkender. Von den Nationalsozialisten wur­den fünf verletzt-, darunter drei schwer. Die Gegner nahmen ihre Verwundeten mit sich. Der Polizei liegt bisher über den Vorfall lediglich eine Anzeige von zwei der überfallenen National­sozialisten vor.

Die Eiserne Front veranstallete am Freitag in Berlin eine große Kundgebung, in der der sozial­demokratische Regierungsrat Mühle u. a. die A u s weisung Hitlers als eines Ausländers for­dert, den Empfang Hitlers durch Brüning scharf kritisierte und für den Fall einer Beteiligung der NSDAP an der Regierung den Bürgerkrieg vor­hersagte. ________________

Bei Erdarbeiten in R o u p y bei Reims sind die Skelette von vier im Jahre 1918 ge­fallenen deutschen Soldaten gefunden worden. Die Erkennungsmarken waren nicht mehr zu lesen.

Der Krieg gegen den Völkerbund. Unabhängige" M.r:bschurei vor der Vollendung. Nationaler Wille Japans mächtiger als natio­naler Wille Chinas.

Von Paul Oskar Seidl.

DieUnabhängige" Mandschurei geht ihrer Vollendung entgegen. Der Fall von Tschintschau zählt geschichtlich ^zu den letzten Schwertstreichen, die für ihre Loslösung von China notwendig ge­wesen sind. Heute steht Japan noch in der Rolle des Angreifers gegenüber China. Morgen wird es Verteidiger der Mandschurei gegen das cmgrei- fKpde China sein.

Das ist die Lag«, die unter Mitwirkung und Beihilfe des Völkerbundsrates im Fernen Osten geschaffen worden ist. Die Genfer Körperschaft fühlte sich schwach in Genf und wandte sich nach Paris, um auf diesem Boden des verwegensten Militarismus, den die Welt jemals kennen gelernt hat, psychologische Kräfte gegen den japanischen Vorwärtsdrang im Fernen Osten zu gewinnen.

Die japanischen Vertteter bewunderten die mili­tärische Fata Morgana, die der Völkerbundsrat in Paris allerdings nicht einmal in die Luft zau­berte, sondern nur hinter dem Schleier dunkler Worte ahnen ließ. Sie bestaunten die europäische Fähigkeit,das Gesicht zu wahren", wie eine fernöstliche Formel lautet, der die Europäer im Verkehr mit dem Osten bisher niemals Inhalt ge­geben hatten. Gleichzeitig lächelten sie jedoch auch stolz und, freudig in ihre ostasiatische Seele hinein, wahrten in Paris ebenfalls das Gesicht und gaben nach Tokio die frohlockende Meldung: Es wird vom Völkerbund nichts geschehen. Wir könnenden Krieg gegen ihn eröffnen. Er bleibt einseitig. End­lich dürfen wir uns zu den Handlungen unserer Heerführer bekennen, die es mutig aus sich nah­men, der Verdächtigung ausgesetzt zu werden, als ob sie gegen den Willen der japanischen Regie­rung, gegen die Absichten der japanischen Politik den Feldzug für die Losreißung der Mandschurei eröffnet und unbeirrt durch geführt hätten.

Die gleiche japanische Regierung, die Sturm­fluten von verlegenen Entschuldigungen über die europäischen Kabinette wegen der unbotmäßigen Generale von Korea losbrechen ließ, organisierte nunmehr in Japan einen ganz offenen Au'fklä- rungsfeldzug über die Notwendigkeit des Vor­marsches in der Mandschurei. Bei dieser Werbe­arbeit wird mehr oder weniger offen gesagt, daß die gegenwärtige Weltlage als nie wiederkehrende günstige Gelegenheit für die Ernte der in der Mandschurei so oft zertretenen Saat Japans be­trachtet werden müsse. Ernte auf einem Boden, zu dessen Düngung mit bestem Blut jede japa­nische Familie beigetragen hat; Ernte in einem Raum, der in diesem Teil der Erde nur durch die japanische Intelligenz und nur durch die japa­nische Arbeitskraft zu rascher Blüte gebracht werden kann; Ernte in einem Lande, das Jahr­zehnte hindurch nicht mehr als freies Land be­trachtet werden konnte. China sah zu, wie die Russen im Bunde mit der europäischen Politik die gegen China siegreichen Japaner aus dem Zu­kunftslande Mandschurei wieder verdrängten, sah gelassen zu, wie die Russen sich anstelle der Ja­paner in Port Arthur festsetzten; sah träge, schla­fend, unbeteiligt zu, wie die Japaner wiederkehrten und mit den Russen auf chinesischem Boden einen der größten Kriege der Geschichte ausfochten; sah endlich zu, wie die Japaner unter Aufgebot und steter Unterhaltung militärischer Kräfte die Mand­schurei organisierten und japanifierten.

Die chinesische Nationalbewegung kam zu spät. Ihr Aufstieg unter Tschiang Kai-fchek beschleu­nigte, tote wir nun in voller Klarheit sehen, nur die Entschlüsse der japanischen Nationalbewegung. Das nationale China kann mit Stolz die im Endergebnis allerdings negative Beobachtung machen, daß sie der einzige Gegner gewesen ist, den Japan nach der Niederwerfung Rußlands und nach der Erschöpfung der übrigen Mächte durch den Wellttieg noch gefürchtet hat. Vielleicht hätte es eine unblutige Eroberung der Mand- churei durch Japan gegeben, wenn nicht die chine- ische Nationalbewegung entstanden wäre. Ohne ie hätte Japan gelassen bis zum Eintreten auch des amerikanischen Erschöpf ungszu- stand es warten können, der jetzt ebenfalls als Folge bes Weltkrieges so augenscheinlich geworden ist. Vor ein paar Wochen erörterte man noch die Gefahr eines japanisch-amerikanischen Krieges, als Stimson gegenüber einigen Pressevertretern von einem dreimaligen Wortbruch Japans gegenüber Amerika gesprochen hatte. Die Gefahr verzog sich sehr schnell unter dem Gluthauch einer scharfen Antwort aus Tokio. Stimson baute ab, entschul­digte sich, leugnete, was nicht zu leugnen war, eben­so wie er die amerikanische Stellung in feinem früheren persönlichen Herrschaftsraum, im Gebiet der Philippinen, abbaut, weil das innerlich schwä­cher gewordene Amerika diesen vorgeschobenen Posten doch nicht hallen kann. Jeder Versuch, ihn wirklich verteidigungsfähig zu machen, würde einen japanischen Krieg ohne Kriegserklärung auslösen, wie er gegen Rußland und nunmehr auch gegen die Mandschurei ober besser um die Mandschurei gegen China und schließlich auch gegen den Völkerbund eröffnet wurde.

Der entsandte nach dem mandschurischen Kriegs­schauplatz eine Untersuchungskommission. Auf die Japaner wird sie wie ein etwas lang­weiliger, aber wenigstens nicht ganz vorbeigera­tener Fastnachtsscherz wirken. Der arme Briand hat nun wohl eingesehen, daß ihn sein Auswärti­ges Amt in Genf und Paris auf die Eselbank setzte. Vielleicht erleben wir durch die verheerende Unfähigkeit der gegentoärtigen Politik der weißen Rasse noch, daß die Regierung der unabhängigen Mandschurei, die ja noch nicht gleich dem Völker­bund angehört, die Völkerbundskommission einfach hinauswirft. Das hängt ganz davon ab, wieweit Japan seine politische Ironie treiben will, von der

Deutschland eine besonders bittere Probe bet Ankündigung des Eintritts der Japa­ner in den Weltkrieg auf Seiten der Entente kosten mußte.

Tokio kündigt versöhnliche Antwortnote an Washington an.

Das japanische Außenministerium kündigte in­offiziell die Absendung einer versöhnlich gehalte­nen Antwortnote an die Washingtoner Regierung an, in der dir Unterstützung des Kelloggvertra- ges und des Neunmächteabkommens zugesagt und der Wunsch nach diretten Verhandlungen mit China wiederholt wird. Japan betrachte die unabhängi­gen Regierungen in der Mandschurei als Erleich­terung des Grundsatzes gleicher Vorteile für alle.

Die chinesische Regierung beabsichtigt, briti­schen Meldungen aus Nanking zufolge, die diplo­matischen Beziehungen zu Japan abzu- brechen, um hierdurch einen Druck auf die japa­nische Regierung auszuüben. Sie beabsichtige gleichzeitig, eine Konferenz der Unter­zeichner des Kelloggvertrags und des Neunmächte abkommens vorzuschlagen.

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Im Zusammenhang mit dem Anschlag auf den Kaiser stellte die japanische politische Poli­zei fest, daß der Attentäter mit der sogenannten

koreanischen Regierung, die ihren Sitz in Schang­hai hat, in Verbindung gestanden und in deren Auftrag gehandelt hat. Weiter soll feftgeftellt worden fein, daß der Attentäter und seine Auf­traggeber Beziehungen zu kommunistischen Ver­bänden unterhalten haben, und daß weitere Atten­tate gegen japanische Regierungsführer geplant waren. Der Verhaftete hat bisher nur ein Teil- geständnis abgelegt. Er weigerte sich, wettere Ein­zelheiten bekanntzugeben und Namen seiner Ge­sinnungsgenossen in Tokio zu nennen. Bisher sind sechs weitere Perhaftungen erfolgt.

Im Auftrag der Sowjetregierung hat der russische Botschafter in Tokio, Trojanowski dem Auswärtigen Amt die Glückwünsche der Sowjet- regierung ausgesprochen.

Der Reichspräsident beglückwünscht den Kaiser von Japan.

wtb. Berlin, 9. Jan. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident hat dem Kaiser von Japan anläß­lich des Mißlingens des auf ihn verübten Atten­tats telegraphische Glückwünsche übermittelt, für die der Kaiser mit herzlichen Worten gedankt hat.

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wtb. Tokio, 9. Jan. (Eig. Meld.) Der Mikado hat den Rücktritt des Kabinetts nicht angenom­men. Das Kabinett bleibt also weiter im Amt.

Das große Vorbild!

Selbstlose Liebe entwaffnet die Herzen! Die Herzen derer, die von Not und Leid gebeugt ein­hergehen, die unter dem Druck der Unsicherheit der Existenz, der Ungewißheit darüber, was der nächste Tag ihnen bringen wird, leiden.

Selbstlose Liebe, selbstloses Schaffen, opferndes Eintreten für andere, für den Nächsten, der unser Genosse im Leid, unser Bruder ist, das sind die charakteristischen Eigenschaften, die einen wah­ren Patrioten auszeichnen müssen.

Muster und Vorbild eines solchen wahren Pa­trioten ist für uns des Reiches Oberhaupt, der Reichspräsident v. Hindenburg. Er hat in Wahrheit und gerade von einer politi­schen Seite, die seine Kandidatur damals mit am schärfsten bekämpft hat, ist es in diesen Tagen aus­gesprochen worden, seine Gegner von einst ent. waffnet.

Er hat sie entwaffnet durch seine Herzensgüte, feinen Gerechtigkeitssinn, feine unbeirrte und un­beirrbare Objektivität, die in dem Nächsten, mag er nun diese ober jene Auffassung ober Ueberzeu- gung haben, nichts anderes als ein Mitglied der Nation, als einen Bruder sieht!

Hindenburg hat durch sein ganzes Arbeiten als Reichspräsident durch die Tat gezeigt, wie man Herzen entwaffnen muß damit man nicht eines Tages die Hände entwaffnen müßte!

Das deutsche Volk würde sich leibst am meisten ehren, wenn es diese Persönlichkeit bewußt aus al­lem Streit des Tages herausheben und gerade wegen der innen- und außenpolitischen Schwierig­keiten als ein Symbol deutscher Einheit und deut­scher Kraft, deutscher Zuversicht und deutschen Glaubens an die Zukunft auf den Schild erheben würde.

Das ist der Sinn der Aktion der Reichsregie­rung, die sich bewußt ist, daß der Herr Reichsprä­sident v. Hindenburg der allerstärkste und aller- gewichtigste Faktor ist, den wir in dem gewaltigen Ringen und Kämpfen, das jetzt anhebt, von uns aus als Nation, als in der Not und Gefahr eini­ges, geschlossenes Volk zu bieten haben.

Und es ehrt im höchsten Maße unseren Herrn Reichspräsidenten, daß er, der ein gewaltiges Le­benswerk geschaffen hat und an feinem Ende ftebt selbst in dieser Stunde, von der er erhoffen konnte, daß sie ihm wenigstens noch einige Entlastung von schwerer und schwerster Bürde gewährt, doch wie­der bereit ist, sich selbst für das ganze Polk zu op­fern' und auch jetzt wieder dem Rufe der Nation, die an ihn ergehen würde, zu folgen bereit wäre.

Dieses Beispiel ist bezwingend und überwälti­gend!

Möge es die Herzen entroaffnen! Dann braucht uns um Deutschlands Zukunft nicht bange zu sein!

Japan und Amerika.

wtb. Tokio, 9. Jan. (Eig. Meld.) Die ameri­kanische Note wegen der Mandschurei ist im Au­ßenministerium und in der Presse sehr fübl_aufge­nommen worden. Man erklärt, die Note halte mit ihrer Berufung auf den Kellogg-Pakt an der Fik­tion der politischen und abminiftratmen Einheit Chinas unter Einschluß ber Mandschurei fest. Diese Einheit habe tatsächlich feit Tschangtsolin nie mehr existiert, da die Mandschurei immer nur nominell ber Nanking-Regierung unterftanb. Obendrein sei die Verbrängung Tschanghusuehliangs und seiner Organe aus ber Mandschurei ursprünglich von Ja­pan nicht beabsichtigt gewesen. Sie habe sich viel­mehr erst während ber letzten Monate infolge ber Weigerung ber Chinesen, ben Konflikt durch direkte Verhandlungen zu erledigen und infolge der fort­gesetzten antijapanischen Agitation der inzwischen in sich zusammengebrochenen Mukdenbehörden zwangsläufig ergeben.

Freiheitsstrafen gegen indische Volksführer.

wtb. Delhi, 9. Jan. (Eig. Meld.) Der interi­mistische Vorsitzende des indischen Kongresses, An­sari, ist zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wor­den.

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wtb. Cawnpur. 9. Jan. (Eig. Meld.) Wegen einer Verschwörung gegen die indische Regierung wurde der Führer der indischen Kommunisten, Roy, zu 12 Jahren Verbannung mit Zwangs- aufenthalt verurteilt.

Rumänien und Polen.

wtb. Warschau, 9. Januar. (Eig. Meld.) Außen­minister Zaleski gab gestern abend dem rumäni­schen Außenminister Ghika ein Essen. In seiner Tischrede unterstrich Zaleski die Gleichgerichtetheit der polnischen chnd rumänischen Außenpolltik, die der Aufrechterhaltung und Befestigung des Frie­dens gelte. Die Voraussetzung dieses Friedens sei die Wahrung der Unversehrthett der Staatsgebiete. Der rumänische Außenminister versicherte, daß die Regierungen der beiden Staaten von friedlichem Geiste erfüllt seien. Am Vorabend ber Ab­rüstungskonferenz bemühten sie sich, durch Stärkung des Vertrauens jene Sicherhett zu ge- währleisten, ohne die die Abrüstung nur leerer Schall wäre. Polen und Rumänien seien bereit, gemeinsam diese gefährliche Wegstrecke zu gehen in dem Bewußtsein, daß der Frieden von ber Auf­rechterhaltung ber Bünbnisse unb ber gegenwärtig burch bie Verträge festgesetzten Grenzen abhänge.

Das Jesuitenkloster in Ona (Provinz Burgos) ist in Branb gesteckt worben.