Beilage zur Fuldaer Zeitung
▼ MLS
10. Januar
Fest der heiligen Familie.
Lingangslied: Spr. 23, 24 und 25.
Hoch freut sich der Vater des Gerechten. Dein Vater freut sich und deine Mutter, sie ist glücklich, die dich geboren hat. (Pf. 83, 2—3.) Wie lieb« sich ist dein Zelt, o Herr der Heerscharen! Meine Seele sehnt sich und schmachtet nach den Hallen des Herrn.
Epistel: Sol. 3, 12—17.
Brüder! Ziehet an als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte, mitleidiges Erbarmen, Güte, Demut, Bescheidenheit, Geduld. Ertraget einander und verleihet euch, wenn sich einer über den anderen zu beklagen hat. Wie der Herr euch vergeben, so sollt auch ihr tun. Vor allem aber habet die Liebe, sie ist das Band der Vollkomckenheit. Der Friede Christi frohlocket in euren Herzen: denn dazu seid ihr ja als e t n Leib berufen. Zeiget euch dankbar. Das Wort Christi wohne in euch mit seinem Reichtum. Belehret und mahnet einander in aller Weisheit. Preiset Gott dankbaren Herzens mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Gesängen. Alles, was ihr tut in Wort oder Werk, tut alles im Namen des Herren Jesus Christus und danket Gott dem Vater durch ihn.
Evangelium: Luk. 2. 42—52.
Der zwölfjährige Jesus im Tempel.
Er war ihnen unlerlan.
Betrachtung zum Sonntags-Evangelium.
Cs ist so wenig, was uns aus dem Jugendleben Jesu durch das Evangelium berichtet wird: er war seinen Eltern untertan und nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade bei Gott und den Menschen. Und es mag gar manche Eltern geben, die bei diesen wenigen Sätzen des Evangeliums kummervoll an ihre eigenen Kinder den- ken und sich vielleicht im Herzen sagen: „Ach Gott, wenn ich das doch auch von meinen Kindern sagen könnte! Denn die sind mir gar nicht untertan, ist kann sie überhaupt nicht mehr bändigen, es ist ein rechtes Kreuz mit ihnen."
Vielleicht gehörst du auch zu denen, die allzugern und bei jeder Gelegenheit bereit sind, in bas Klagelied über die heutige verdorbene Jugend miteinzustimmen, das immer ungefähr mit der
gleichen Klage endet: So schlecht wie heute, sei die Jugend überhaupt noch nie gewesen. Nun ist es gewiß wahr, daß es heutzutage verdorbene Jugend gibt, wie es immer verdorbene Jugend gegeben hat, daß es verlorene Söhne und Töchter heutzutage gibt wie zu Zeiten des Heilandes auch. Aber die Jugend im allgemeinen ist heute kaum anders wie ehemals, wie in den Tagen, da der Heiland selber ein Jugendlicher war.
Er war seinen Eltern untertan, heißt es von ihm. Wie müssen wir uns das denken? Hat er vor ihnen gezittert wie der Hund vor seinem Herrn oder wie ein Sklave? Hat er irgendwie Angst vor ihnen gehabt? Ich glaube nicht. Er hatte zu ihnen Vertrauen, er wußte, das ihn seine Eltern liebten und ihn als «in von Gott anver- trautes Gut achteten und ehren, ihn, den Gottessohn.
Daran denke einmal recht und laß es dir zu Herzen gehen, lieber Freund: ,Lluch deine Kinder sind Gotteskinder! Die sollst du wert halten und achten und ehren als ein Gottesgeschenk und als ein von Gott anvertrautes Gut. Das bleiben sie auch dann, wenn sie Fehler haben, wenn sie dir Aerger bereiten. Man redet so oft davon, daß die Kinder den Eltern Ehrfurcht erweisen sollen. Aber auch das muß einmal gesagt werden, daß die Eltern den Kindern Ehrfurcht schuldig sind. Ehrfurcht dem Göttlichen, das in jedem Kinde verbor- gen liegt und empvrkeimen will, das aber nur dann keimen und wachsen kann, wenn Vie göttliche Ehrfurcht die Seele der Erziehung ist.
Vielleicht meinst du und willst dich damit entschuldigen: „Das war auch bei dem Knaben Jesus anders wie bei uns. Denn er lebte ja in der heiligen Familie, unter göttlichen Menschen. Da war das alles selbstverständlich. Aber bei uns geplagten Menschen, da kann man dergleichen doch nicht verlangen."
Darauf wäre zu sagen: „Heilige Familie zu werden sollte das Streben jeder Familie sein, und Armut und Reichtum haben damit nichts zu tun, auch das nicht, ob man Arbeitsloser oder irgend ein begüterter Mann ist. Und wenn du Kinder hast, so ist es vor allem deine Pflicht, ihnen in rechter Art Vater oder Mutter zu sein, so wie es Maria und Josef dem Jesus- knaben gegenüber waren. Denn nur dadurch, daß wir unsere Familie heilig halten, werden unsere Kinder zu rechten Gotteskindern werden, und für sie wird das gleiche gelten, was uns von dem göttlichen Kinde heute gesagt wird.
„Die Leuchte der Wahrheit."
u Gedanken zu dem neuen Rundschreiben des Hl. Vaters.
„Lux veritatis", „Die Leuchte der Wahrheit", das sind die Anfangsworte des neuen Rundschreibens, das der Heilige Vater der Welt zum Weihnachtsgeschenk gemacht hat Das Licht der Wahrheit ist die Geschichte, näherhin die Geschichte der Kirche Jesu Christi, weil sie zu allen Zeiten den Beweis erbringt, daß ihr göttlicher Stifter, wie er verheißen, sie mit seinem Beistände nicht verläßt. Das hat sich auch im Laufe der Glaubensstreitigkeiten bewahrheitet, die nach dem Aushören der äußeren Verfolgungen das Christentum von innen her seines göttlichen Wahr- heitsgehaltes zu entleeren drohten. So war es auch vor 1500 Jahren, auf dem Konzil zu Ephesus, desien Zentenarfeier im abgelaufenen Jahre wohl angebracht war. Hat doch die Glaubensentscheidung von Ephesus auch ihre Bedeutung für unsere Zeit. Diese Bedeutung hervorzuheben, ist Zweck des neuen Rundschreibens.
Drei Hauptpunkte der christlichen Lehre sind in Ephesus ins rechte Licht gerückt worden: d e r Glaube an die Gottheit des geschichtlich en Christus, in welchem Gottheit und Menschheit in der einen Person verbunden sind die daraus sich ergebende besondereWürdeMa- r i e n s und die Autorität des Papstes in Glaubenssachen. Das Schreiben betrachtet diese drei Lehrstücke unter dem besonderen Gesichtspunkte der Einheit der Kirche. Und gerade unter
diesem Gesichtspunkte gewinnen die drei Punkte ihre besonder« Bedeutung für die Gegenwart. Die Einheit der Kirche ist ja das besondere Bestreben Pius' XI. Und auch auf Seiten der getrennten christlichen Gemeinschaften ist heute wieder stärker die Sehnsucht nach der verlorenen Einheit erwacht, und es sind ernst gemeinte, wenn auch falsch orientierte Einheitsbestrebungen im Gange. Es wird der göttlichen Vorsehung nicht schwer sein, auch diese Irrwege schließlich doch zum richtigen Ziele zu leiten.
Die Autorität des Papstes.
Das offene Bekenntnis zu Christus, dem Sohne des lebendigen Gottes, war der äußere Anlaß zu der inhaltsreichen Verheißung an Petrus, daß er der feste Felsgrund der Kirche, der Kirche, der Schlüsselbewahrer des Himmelreiches sein, daß sein Binden und Lösen auf Eden auch im Himmel Geltung haben werde. Aehnlich war auch das Bekenntnis zum einen Christus, dem wahren Sohn Gottes, der äußere Anlaß dafür, daß mit einer Feierlichkeit und einer allgemeinen Anerkennung wie nie zuvor die entscheidende und unfehlbare Lehrantorität des Nachfolgers Petri zur Geltung kam. Wie von den Zeugen der Wunder Christi viele ihn für einen beliebigen Propheten hielten, so wurde auch in der Lehre des Nestorius Christus auch nur zu einem Propheten,
Ehefonukag und Kakhollken-Ehebund.
Vom Katholiken-Ehebund in Pa fing wird uns geschrieben:
Der hochwürdigste deutsche Episkopat hat in den letzten Jahren angeordnet, daß an einzelnen Sonntagen des Kirchenjahres verschiedene wichtige kirchliche Probleme besonders eingehend auf der Kanzel, in den katholischen Vereinen und in unserer Presse behandelt werden sollen. Und so wurde der Jugend-, der Presse-, der Schul- und Ehesonntag eingeführt. Diese Maßnahme hat sich bisher glänzend bewährt, und es wäre nur zu wünschen, daß jeweils das Programm dieser Sonntage in allen Pfarreien recht ausführlich behandelt und die von den Bischöfen ausgegebene Parole in jedes katholische Haus hineingetragen würde.
Von besonderer Bedeutung scheint uns der C h e - sonntag im Januar zu sein. Er stellt unseren Familien die Jdealfamilie von Nazareth vor Augen und dies ist heutzutage notwendiger denn je. Gibt es doch heute Gelehrte, die behaupten, die Familie habe sich überlebt und fei abgedankt. So predigt man in Rußland, und der Amerikaner Galverton schrieb in seinem Buch „Der Bankerott der Ehe": „Die alte Familie lebt nicht mehr. Das alte Heim ist verdrängt worden durch das Kino, den Klub und den Tanzsaal. Das Heim ist ein Platz, wo man speist und stirbt, und die alten Bilder, die unter dem Titel „Häusliches Glück" Szenen einer ernsten, ruhigen Behaglichkeit darstellen, erscheinen dem modernen Empfinden fremd und wenig anziehend." — Also, so weit sind wir gekommen, daß man kühn zu behaupten wagt: „Die alte Familie lebt nicht mehr." Wir drehen den Satz um: Die alte Familie muß wieder kommen!
Die wichtigste Aufgabe des katholischen Ehesonntags aber ist unseres Erachtens, die Heranwachsende Jugend auf den Ehestand vorzubereiten. Wir müssen die Schlagworte „Kameradschaftsehe", „Ehe auf Probe", „Ehe zu
Dritt" wieder aus den Köpfen unserer jungen Leute verdrängen, müssen ihnen einhämmern, daß sie, wenn sie zum Heiraten berufen sind, ihr Glück nur in der echt kathol. Ehe finden, die nach den Grundsätzen der Ehe- Enzyklika unseres Heil. Vaters abgeschlossen ist. Viele Familien haben kein Verständnis mehr für den katholischen Ehesonntag. Sie lehnen die katholische Ehemoral ab. Da, wo der Mann der Kirche den Rücken gekehrt und die Frau für seine glaubens- und sittenlosen Ideen gewonnen hat, wird es sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein, wieder katholischen Geist in die Familie zu bringen. Darum müssen wir unser Hauptaugenmerk darauf lenken, daß künftig möglichst viele gute, echt katholische Ehen geschlossen werden. Es ist auch meist schon zu spät, wenn man ein braves katholisches Mädchen, das in einen ungläubigen Mann verliebt ist, von diesem abwendig machen will. Die Leidenschaft ist leider oft stärker als die Vernunft und als eine gute Erziehung. Wir müssen mit unserer Arbeit bei den jungen Leuten einsetzen, bevor sie ihr Herz verschenken, bevor sie sich binden und bevor sie ein Verlöbnis mit einem ungläubigen Menschen eingehen. Wir müssen die Mischehen bekämpfen, noch bevor der katholische Jüngling und die katholische Jungfrau sich den Lebensgefährten anderer Religion ausgewählt haben. Wir müssen auch die falsche Anschauung widerlegen, daß es keine entsprechend« Auswahl katholischer ehewilliger Herren und Damen gibt. Man nehme nur die Vorschlagslisten des K a t h o - liken-Ehebundes Pasing vor München in die Hand, und man wird sofort sehen, daß es genug junge Männer gibt, die noch auf dem Boden der Kirche stehen und gewillt sind, katholische Mädchen glücklich zu machen. Wir müssen mehr für unseren Katholiken-Ehe- bund tun, unsere heiratsfähige Jugend auf diese Einrichtung aufmerksam machen und ihr den Beitritt zu dieser Organisation raten, aber rechtzeitig, nicht erst, wenn es zu spät ist. Wenn die erwachsenen Töchter den protestantischen Schwiegersohn ins Haus bringen und die ängstlichen Eltern beschwichtigen wollen: „Wir lassen uns ja katholisch trauen! Kinder können wir
der nicht selber Gottes Sohn war, sondern dem der ewige Gottessohn als ständiger Begleiter innewohnte. Demgegenüber bekannten die Rechtgläubigen, daß Christus nur einer ist, Gottessohn und Menschensohn in einer Person.
Da die Irrlehre im Orient aufgetaucht war, war es natürlich, daß die Rechtgläu- bigkeit auch dort sich zuerst zur Wehr setzte. Der heil. Cyrillus von Alexandrien war ihr hervorragendster Vertreter. Als Cyrill aber sah, daß seine Bemühungen, den Bischof der Reichshauptstadt zur besseren Einsicht zu bringen, fehlgeschlagen, da wendet er sich an den Papst: ,/Das alte Herkommen in der Kirche verlangt, daß Angelegenheiten dieser Art Dir mitgeteilt werden sotten", so schrieb er an Papst Cölestin. Und ein anderes Mal sagt er, er wolle die kirchliche Gemeinschaft mit Nestorius nicht eher abbrechen, als der Papst darüber entschieden hätte; die Entscheidung des Papstes bittet er den Bischöfen des Orients mitzuteilen. Er wußte eben, daß er selber keine Autorität über den Bischof von Konstantinopel hatte; indem er aber die Entscheidung des Papstes anrief, bekannte er, daß dieser das Recht und die Pflicht der Entscheidung besaß. Caelestin traf auch die Entscheidung. Er stellle Nestorius eine Frist von zehn Tagen zum schriftlichen Widerruf seines Irrtums, widrigenfalls er aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen werden sollte.
Inzwischen hatten aber die Kaiser das allgemeine Konzil veranlaßt. Der Papst ist nicht dage
gen. In feinem Schreiben an Cyrill läßt er keinen Zweifel darüber, daß die Glaubensfrage bereits entschieden ist. Nur sott dem Irrenden die Zeit zur Pesinnung verlängert werden, so daß erst, wenn Nestorius auch auf dem Konzil sich hartnäckig zeigen würde, die Exkommunikation in Kraft treten sollte. Seinen Vertretern auf dem Konzil legt er die Wahrung der Autorität des Apo- stolifchen Stuhles ans Herz; auf Disputationen füllten sie sich nicht einlassen, sondern als Richter über den Meinungen der Parteien stehen. Darum lassen diese sich, weil sie erst nach der ersten Sit- zung angelangt waren, die getroffen« Entscheidung vorlegen, um sie ihrerseits zu bestätigen. Diese Forderung wurde begründet mit dem Hin- weis auf die Schlüsselgewalt des hl. Petrus, „der bis zum heutigen Tag und auf immer in feinen Nachfolgern lebt und das Richteramt ausübt"'. Das Konzil selber gestand, daß es nur die Entscheidung Cölestins zur Ausführung gebracht habe. So ist das Konzil zu Ephesus ein gewichtiges Zeugnis für die entscheidend« Lehrautorität des Papstes. Nicht als ob diese Frage auf dem Konzil überhaupt erst erörtert und entschieden worden wäre, sondern indem sie von den Vätern des Konzils ohne Diskussion hingenom- men und als im Herkommen und in der lieber- Zeugung der allgemeinen Kirche begründet anerkannt wurde. Alle Bestrebungen für eine Kircheneinheit müssen fehlschlagen, wenn sie den Felsen Petri ignorieren.
Dr. Gottfried Brunner.
Zur Friedensrede des Rschoss Schreiber.
Der Hochwürdigste Bischof von Berlin hat das Reichstreffen des Friedensbundes deutscher Katholiken mit einer großen, grundsätzlichen Rede eröffnet. Diese Rede hat in den zeitungspapiernen Gefilden der öffentlichen Meinung allsogleich ein merkwürdiges Schicksal erlitten. Was hatte der Bischof gesagt? Nicht jeder Krieg ist zu verfemen, denn es gibt auch den gerechten Krieg, den Krieg der Notwehr. Der Bischof zählte dann die Voraussetzungen auf, unter denen allein ein Krieg sozialethisch verpflichtend sei. Und nun die Hauptsache: der Bischof bezweifelte durchaus, ob bei der heutigen Kriegstechnik jene Voraussetzungen jemals verwirklicht fein könnten. Die Soldaten aller Länder waren 1914 freilich überzeugt, an einem gerechten Kriege teilzunehmen. Wo die Schuld an diesem Kriege liegt? Nicht bei Deutschland allein! Dies einige Hauptsätze der bischöflichen Red«: es sind jene, an denen sich die Preßmeute festgebijsen hat. Natürlich, war es anders zu erwarten?
Die Leute von rechts machten das so: Der Bischof sagt — erste Fälschung! — Kriege sind gerecht; er spricht ja — zweite Fälschung! — von Deutschlands Notwehrkrieg 1914; er bestreitet — dritte Fälschung! — Deutschlands Kriegsschuld. Jeder erkennt die Niedertracht, mit der hier die Redaktionsschere gehandhabt wurde. Voraussetzungen des gerechten Krieges? Wegschneiden! Zweifel an dem Zutreffen dieser Voraussetzungen? Wegschneiden! Und so geht das weiter.
Daß sogar der bekannte extreme Pazifist Foerster sich in die Tiefebene solcher Falschmelder und -münzer begibt, stimmt freilich traurig. Es ist doch gar nicht wahr, was Foerster behauptet, daß nämlich der Bischof den Weltkrieg als einen gerechten Krieg gegen einen Ueberfall bezeichnet, die Schuld also auf die Gegner ab wälzt. Der hohe Redner hat nur von der vermeintlichen Gerechtigkeit dieses Krieges gesprochen und diese Meinung allen Soldaten der kriegführenden Staaten zugebilligt. lieber die objektive Gerechtigkeit des großen Krieges sagt der. Bischof kein Wort. Freilich wendet er sich gegen den Satz von der deutschen Alleinschuld und beruft sich dabei auf die geschichiswissenfchaft- lichen Feststellungen, die jenen Satz als falsch erweisen. Foerster weiß es besser: er bringt allerlei Deutschland belastende Zitate; aber man kann jedes davon mit einem Gegenzitat beantworten. Der
hochverehrte Pädagoge, der als Polittker di« fran- zösifche Austastung verficht — er wohnt in Paris, steht sicher ganz unter der Suggestion dieser Umwelt und ift seinen Landsleuten, mit denen er seit etwa 1917 nicht mehr zusammenlebt, fremd gewor. den —, ich sage: dieser Mann sollte nicht in dieser selbstgerechten Weise gegen einen Kirchenfürsten sprechen: er sollte ihm vor allem nicht „Mangel an geistlichem Mut" vorwerfen, sondern vielleicht lieber nachdenken, ob sein eigener Mut in dieser Sache wirklich von echter Einsicht geleitet ist.
Auch in Frankreich hat man die Bischofsrede gehört. Auch hierhin sind sinnfälschend gefurzte Berichte gedrungen. Und sogar die Katholiken, und nicht nur die parteipolitisch rechtsstehen. den, haben Anstoß genommen. Das ist das Trostlose. Wie? Wenn sich nicht einmal die Christen der beiden Nachbarvölker recht verstehen? Selbst die Pariser „Croix" — Auflage 400 000! — kann sich einiger bitterer Bemerkungen nicht enthalten« Unsere französischen Glaubensbrüder verstehen es nicht, wie der Bischof den Versailler Vertrag als friedenshemmend bezeichn n en konnte. Cs will ihnen nicht in den Kopf, wie der Bischof sagen konnte, Deutschland sei mitnichten der alleinig« Urheber des großen Krieges gewesen. Ihnen gilt Deutschland — so wie es der Lügenartikel 231 des Friedensvertrages ausspricht — noch immer als der Angreifer von 1914. Soeben geht ein Aufsatz des verdienten Kriegsschuldforschers Alfred von Wegerer durch die deutsche Presse; darin steht kurz und bündig:
„Die Auffassung, nur Deutschland habe angegriffen, ist nicht stichhältig. Nach Erklärung der Kriegszustandes sind sowohl die Russen in Ostpreußen wie die Franzosen in Oberelsaß eingefallen. Deutschland war somit nicht allein der Angreifer. Der militärische Angriff kann auch nach dem 1914 geltenden Völkerrecht nicht als Verfehlung angesehen werden."
Deustchland wird nicht müde werden, immer und immer zu wiederholen: Der gesamt« Friedensvertrag ist auf einem Unrecht aufgebaut, denn der allbegründende Artikel 231 ist eine wissenschaftlich erwiesene Lüge. Der Bischof von Berlin mußte eben dies in seinen Worten aussprechen. Denn nur auf letzter Wahrhaftigkeit ist der Völkerfriede begründbar. Solange uns selbst politisch gemäßigte französische Katholiken als die Weltverbrecher ansehen, ist alles Frie- densgered« von drüben nur oder Wind und hohle Schelle. („Das neue Reich".)
keine brauchen, und wenn solche kommen, werden wir sie ja katholisch taufen lassen!"
Es ist viel notwendiger, Mischehen und glaubenslosen Ehen vörzubeugen, als nachher, wenn einmal die Ehe abgeschlossen ist, zu versuchen, einen katholischen Geist in sie hinein zu bringen. Freilich müssen wir auch dies mit allen Mitteln anstreben. Aber die Aussichten sind nicht so günstig, als wenn wir danach trachten, gleich von vorn« herein echte katholische Ehen in die Wege zu leiten.
Aus diesem Grunde sollte am Ehesonntag von allen Kanzeln, in der ganzen katholischen Presse und bei allen Veranstaltungen im Dienste des katholischen Eheideals auf den Katholiken-Ehebund in Pasing vor München hingewiesen werden. Er hat bereits durch seine glänzenden Erfolge den Beweis erbracht, daß er zu den segensreichsten Einrichtungen gehört, die wir haben, und noch manche Mischehe und gar viel Unglück könnte verhindert wecken, wenn man diesen Bund rechtzeitig in Anspruch nehmen würde.
kleine Mitteilungen.
Eine Generalkmnmmfion der Frauen für die Abrüstung.
Die katholischen Frauen werden von der Internationalen Vereinigung katholischer Frauenverbände (Union Internationale des Ligues Feminines Ca- thMgues) aufgerufen, am 2. Februar die heilige Kommunion für einen erfolgreichen Verlauf der Abrüstungskonferenz cmftuopfern.
Am 2. Februar tritt in Genf die Abrüstungskonferenz zusammen. Ihre Arbeit wird von großem Gewicht für das weitere Geschick der Volker sein — ob es in erhöhter Kriegsgefahr oder in ehrlicher Befriedung verlaufen wird. Die Regierungen finden in sich und um sich stets anwachsende Hemm
nisse für eine vertrauensvolle, friedliche Zusammenarbeit der Völker. Sie brauchen die Hilfe einet Macht, die an Gröhe, Unabhängigkeit und Unerschöpfbarkeit alle menschliche weit überragt. Diese Macht und Hilfe Gottes wollen die katholischen Frauen aller Länder herbeirufen. Jede Frau, die am Feste Mariä Lichtmeß die ^eiligeKommunion empfängt, um den Segen Gottes für die Arbeiten der Konferenz zu erflehen, ist eine starke und unsichtbare Mitarbetterin am Völkerfrieden.
Katholizismus und Kommunismus.
Der große Gegensatz, der mit der Gegenüberstellung im Titel bezeichnet wird, verschärft sich immer mehr, zumal man jetzt von Seiten der Kirche aus die unbedingt notwendige Abwehr fest in die Hand nimmt. Die deutschen Katholiken, die ja mit im gefährlichsten Gelände st «- h en, zeichnen sich hn Abwehrkampf ganz besonders aus. Eine schöne Anerkennung ist ihnen jetzt durch das Organ des Vatikans, den „Osservators Romano", zuteil geworden. Das Werk von P. Jakob N ö t g e s, das int „K a th o l isch e-Tat". Verlag erschienen ist. erfährt eine außerordentlich eingehende Besprechung. In ihr wird u. a. gesagt:
Wir haben hier ein Buch, das den Wohlmeinenden solides Propaganda- und Verteidigungsmaterial, nützliche Winke und machtvollen Eifer in dem ernstesten Kampf vermitteln kann, der heute die Menschheit Heimsucht: im Kampf gegen Gott. Wir würden uns freuen, wenn wir sobald als möglich eine italienische Ausgabe dieses Buches begrüßen könnten, wie wir auch hoffen, daß weitere Ueberfetzungen in die Hauptsprachen Europas nicht lange auf sich warten lassen werden.