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NILS

Jür untere irtuiw

Nr. 6

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Verzage nicht.

Hat dich des Schicksals schwere Hand erfaßt, Dünkt dich die Welt ahn' Sonnenschein und Licht, Erdrückt dich fast die bitterschwere Last,

Verzage nicht!

Und haben Freunde dich in Not verlassen, Und stirbt die Liebe und die Treue dir, Will tiefste Wehmut dir dein Herz erfassen, Verzage nicht!

Sieht deine Zukunft trostlos dir wohl aus, Von allem bar, was Treue, Freundschaft flicht. So lenk den Schrtt zum stillen Gotteshaus,

Verzage nicht!

Sei mutig trage dein Geschick,

Vertrau auf Gott, er hält, was er verspricht. Verzage nicht!

Frau und Zett.

Lin paar Gedanken zum Jahreswechsel.

Von Fr. P r a u st e n b e r g - München.

Don allen Kirchen und Kapellen, in der Stadt und in den Dörfern wurde das junge Jahr 1932 feierlich ein­geläutet. Wie mancher Hausvater hat da Rückschau ge­halten über das, was ihm das vergangene ereignisreiche Jahr gebracht hatte, Gutes und Böses zugleich. Und manche Mutter hat im stillen Herzenskämmerlein über­legt, was sie sich von dem vergangenen Jahre mit Got­tes Hilfe erwünscht und erhofft hatte, um dann ganz im Geheimen festzustellen, daß doch vieles so ganz anders gekommen ist.

Jetzt aber hat ein neues, junges Jahr seine Herrschaft angetreten, von dem einen laut begrüßt und von dem anderen still hingenommen. Und vor ihm das große Fragezeichen, was wird es bringen . . . .? Wohl zu keiner anderen Zeit wurde diese Frage so oft gestellt, aber auch noch niemals waren die Menschen so erfüllt von Not, von Angst vor dem Kommenden, fast immer sahen sie in ihrer Mühsal einen Rettungsanker, den goldenen Strahl einer aufdämmernden Hoffnung. Grau in grau liegt heute die Welt, wohin wir blicken Verzweiflung, Armut, Zusammenbruch, Arbeitslosigkeit und Elend, in der Stadt und auf dem Lande. Aber auch die Menschen, die noch in Arbeit stehen, denen ein gütigeres Geschick, ein freundlicheres Walten der Vorsehung noch das ließ, was das Leben von uns fordert, können ihres Besitzes nicht froh werden, wenn überall aus allen Ecken die nackte Not glotzt, wenn alle sozialen und karitativen Ein­richtungen bei weitem nicht ausreichen, restlos den zu­sammengebrochenen Menschen zu helfen.

In diesen schweren Zeiten erwächst der Frau, beson­ders aber der katholischen Frau, die den tiefen Sinn der Marlbensbotschaft ihrer helligcn Kirche erkannt hat, eine besondere Aufgabe. Ist sie Gattin und Mutter, so wird ff» sich noch mehr als in früheren Zeiten im neuen Jahre als Hort der Familie bewähren müssen. Der Vater steht draußen im Lebenskampf, ihm obliegt die Erarbeitung

der Mittel, die den materiellen Bestand der Familie sicherstellen. An der Frau aber ist es, diese Mittel zu verwalten, sie anzulegen zum Wohle der Ihren, zu sparen und hauszuhalten, denn kein Mensch kann wissen, wie sich die Verhältnisse entwickeln werden, ob das junge Jahr nicht schon recht bald die Familiengemeinschaft vor schwere Prüfungen stellt, die das Letzte von jedem Fa­milienmitglied verlangen. Da muß die katholische Frau ihre ganze Tüchtigkeit beweisen, um das Lebensschiff ihrer Familie um die Klippen herumzusteuern. Noch schwieriger aber wird die Ausgabe, wenn die Not viel­leicht schon Einkehr gehalten hat, wenn der Mann ar­beitslos geworden ist.

Da wird es der Frau oft schwer werden, starkmütig zu sein, ihr Gottvertrauen wird auf eine harte Probe gestellt und die Verzweiflung ist in diesen Familien manchmal sehr bald ein unerbetener Gast. Wenn dann eine Frau im Hause waltet, die das Wenige, das noch vorhanden ist, zusammenhält, die bei aller Not und Arbeit den guten Mut nicht verliert, die sich sagt, auch diese Prüfung wird einmal überstanden sein, dann kann man einer solchen Familie viel Glück wünschen. Aber wie wenige gibt es tatsächlich, die im Unglück fest Zusammen­halten, die sich von den Verhällnissen nicht unterkriegen lassen, die vielmehr mit einem trotzigenDennoch" in die Speichen des Schicksals greifen und sich so als die starke Stütze der Familie erweisen, die sie aufrecht erhält. Glücklich sein und ein gutes Familienleben führen in Zeiten, wo genügend Geld bereitliegt, das ist keine große Kunst, erst in der Beschränkung zeigt sich wahrhaft der Meister.

Aber auch der unverheirateten Frau erwächst im neuen Jahr ihre Aufgabe. Sie steht meist, wie der Mann, mitten im Lebenskampf, auch vor ihr macht das Schicksal nicht halt. Geht es ihr noch gut, hat sie noch das, was man zum Leben braucht, dann soll sie sich auf die edelste Aufgabe einer jeden Frau besinnen, Liebe schenken, große reine, unegoistische Liebe des Herzens, die in unserer modernen Zeit so ungemein selten ge­worden ist. Ein Blick in ihrem engsten Lebenskreis ge­nügt meist schon, um festzustellen, wo die Not, die Sorge, die Entbehrung Einkehr gehalten hat. Die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit verlangen da von ihr Erfüllung, denn nicht immer ist es Geldeswert, den man von ihr fordert. Hand anlegen in freien Stunden, eine arme Famllie stützen, ihr mit Rat und Tat zur Seite stehen, eine leidende Mitschwester aufsuchen, ihr zeigen, daß das Leben auch für den Aermsten noch Reize hat, das sind nur ein paar Probleme, deren Lösung ge­rade in den Händen der ledigen Frau jeglichen Alters am besten aufgehoben ist.

So wie die ersten Tage des neuen Jahres bei dem ordentlichen Kaufmann Tage der Einkehr, der Erwä­gung und der Erkenntnis sind, so wird sich auch die katholische Frau überlegen müssen, wie sie sich am besten und ihre Ueberzeugung nach am verständnisvollsten in das Leben der Gemeinschaft aller Menschen eingliedert, um ihre Kräfte voll und ganz auswirken zu lassen, zum Wohle des Ganzen, dessen sie ein kleiner Teil ist, der in dem seinen Mechanismus unseres Volkstums und aller seiner Glieder einfach nicht entbehrt werden kann.

Hausfrau und Preis-Abbau.

Die Hausfrauen beim preiskommiffar.

Arme Hausfrau! Wem kannst du es in diesen Ta­gen recht machen?

Dem Herrn Prciskammissar? Der dir mit Liebens­würdigkeit anempfiehlt, nur gute und preiswerte Ware zu kaufen, und dir rät, auch ohne falsche Scham einen Laden zu verlassen, wenn du nach deinem Urteil nicht gut und preiswert bedient wirst?

Oder dem Kaufmann? Der dir mit warnender Stimme ins Gewissen redet, nichtKäuferstreik" zu trei­ben und damit ihm und der ganzen Volkswirtschaft un­ermeßlichen Schaden anzutun?

Oder deinem Mann? Der dir anrät, mit Kaufen noch zu warten, weil es ja noch billiger werden soll?

Was tun?

Eins ist sicher: Ab 1. Januar ging das Einkommen der Gehalts- und Lohnempfänger mit einem Schlag um 3,5 Milliarden Mark zurück. Dazu kommt der Einnahmeausfall aus-Zinsen, Mieten usw. Das be­deutet einen gewaltigen Preisdruck durch plötzliche Ver­minderung der Kaufkraft. Die Preise mancher Waren sind schon fühlbar gesenkt worden. Man sagt sogar, daß selbst die durch die Notverordnung herbeigesührte l'nkostensenkung bei einigen Waren keine weitere Preissenkung möglich macht. Andere Preise, die nur

langsam dem Preisrückgang des letzten Jahres gefolgt sind, können sicher noch heruntergehen, wenn sich die Verminderung der Unkostenfaktoren geltend macht. Jetzt kommt es darauf an, die Unkostensenkung möglichst bis zum Verbraucher gelangen zu lassen, d. h. die Preise in allen Produktions- und Verteilungsstufen herabzu­setzen, damit Lohn- und Preisniveau allmählich wieder in das richtige Verhältnis kommen.

Ein Einnahmeausfall ist bei der plötzlichen Kauf­kraftverminderung so sicher wie das Amen in der Kirche. Bei gleichen Preisen erfolgt er durch Rückgang des Umsatzes, bei gesenkten Preisen durch unmittel­baren Rückgang der Einnahme. Das eine ist hart, das andere noch härter, denn es trifft dazu den Konsumenten und entfernt ihn aus der Kundschaft.

Die gebundenen Preise sind faßbar. Ihnen geht die Notverordnung zu Leibe, wo sie eine Ueberhöhung ver­mutet. Daß dabei etwas schematisch verfahren werden muß, ist nicht ganz zu vermeiden, spielt aber, int Gan­zen gesehen, keine so große Rolle. Anders ist es bei den freien Preisen, die der Konkurrenz unterliegen. Diese durch Höchstpreise schematisch regeln zu wollen, wäre ein vergebliches Bemühen. Die Ware würde vom Markte verschwinden und auf Schleichwegen viel teurer

Ein Blinder ging vorüber.

Es hält mir immer schwer, mich von den Kindern loszureißen, aber heute ging es etwas leichter als sonst. Sie haben mich eine Strecke begleitet, mein kleiner Junge war ganz vernünftig und hat nicht geweint. Das Mädel ist ja schon ein rechtes Mütterlein, sie wird ihn zu Bett bringen und für alles sorgen.

Es ist ein warmer Vorfrühlingsabend. In allen Gärten sprießt es. Weiße, rote, blaue und violette Blumenpolster leuchten zwischen den Felspartien. Ich möchte stundenlang zwischen den erwachenden Gärten gehen.

Aber schon habe ich die Straßenbahn erreicht. Ich will einen Vortrag über Abrüstung hören; ich muß, denn ich bin über dieses so schwierige (Ein Blinder geht vorüber) Thema noch nicht genügend orientiert.

Wie der See leuchtet! Dies wäre ein Abend, an dem man mit einem lieben Menschen eine Mondschein­fahrt machen möchte! Wie lange war ich nicht mehr auf dem See!

Ich verstehe die Menschen, die niemals Vorträge be­suchen. Man könnte doch auch zu Hause über das Thema lesen.

In der Elektrischen verlangen viele Legte:Ton­halle". Was ist wohl heute? Vielleicht ein Beethoven- konzert. In einem Vortrag habe ich oft Mühe, meine Gedanken zu konzentrieren, sie wollen immer davon­fliegen. Im Konzert macht das nichts, die Musik baut ihnen Zauberbrücken bis in den Himmel und wirkt be­ruhigend.

Ob der Saal wieder so heiß und schlecht ventiliert sein wird?

Ach, dort im Kino spielt man jetzt den Film, den ich

so gerne sehen wollte Immer kam etwas dazwischen. Heute zum letzten Mal!" Ja, bann werde ich ihn wohl nicht zu sehen bekommen. Ich möchte gern einmal wieder ins Kino gehen. Nein, doch noch lieber ins Stadttheater. Wie freudig strömen dort die Menschen zusammen! Alle sehen so festlich aus. Wenn ich jetzt frei wäre ....

Aber bin ich es nicht? Es erwartet mich niemand. Wem schadet es, wenn ich den Vortrag nicht besuche? Das Weltgeschick wird seinen Lauf nehmen, ob ich mich nun darum kümmere oder nicht. Ist es nicht geradezu anmaßend zu meinen, daß ich unbedeutende schwache Frau im Kampfe um den Weltfrieden mithelfen müsse?

Selten ist ein Frühlingsabend so schön wie dieser. Es scheint geradezu Sünde, sich jetzt in den dumpfen Saal zu setzen.

Hier ist der Kreuzpunkt der Straßenbahn. Welche nehme ich nun: die welche hinauffährt oder die andere? Wohl hatte ich seit Wochen diesen Abend für den Vor­trag freigehalten. Aber man soll auch einmal einer Eingebung folgen "tonnen!

Die Neun fährt vor. Die kommt sowieso für mich nicht in Betracht. Zwei Männer gehen an mir vor­über: der eine hat einen grauen Vollbart. Er führt einen hochgewachsenen jüngeren Mann. Dieser hat den eigentümlich nachtwandlerischen Schritt der Blinden. Ich kenne ihn. Jahrelang hat er in unferm Häuserblock gewohnt, ich sah ihn oft am Bahnhof. An kurzer Seine führte ihn ein Hund. Wunderbar zu sehen, wie das Tier im Wagen für seinen Herrn Platz suchte, sich zwischen seinen Knien hinsetzte und genau wußte, wann es Zeit zum Aussteigen war.

Der Blinde hat ein sympathisches Gesicht, er wäre schön, wenn er Augen hätte. Im Weltkrieg wurden sie

ihm herausgeschossen, vielleicht herausgebrannt. Die Lider sind noch da, sie liegen eingesunken in den Höhlen.

Der bärtige Herr führt ihn zur vorderen Plattform des Wagens. Er ist ihm beim Einsteigen behilflich, aber er geht nicht mit hinein. Es beunruhigt mich, daß der Blinde nun allein davonfährt. Ist sein Hund wohl gestorben? Nun fährt er ins Ungewisse, ins Dunkle. Beim Aussteigen wird man ihm helfen, aber dann steht er allein auf der Straße, nur Lärm um sich, nur Wi­derhall vieler Tritte, Autohupen und das Dunkel, das ihn ewig umgibt. Er kann keine grünenden Sträucher, keine flammenden Vlumenbete sehen. Ob er wohl schöne Augen hatte? Ob seine Mutter diese Augen sehr geliebt hat. Mein kleiner Junge hat so klare Augen---

Der Wagen mit dem Blinden ist fortgefahren. So eine kurze Begegnung. Er ging vorüber und sah mich nicht.

Aber einmal sind junge Männer vorbeigegangen und haben mich angeschaut. Diele. Jeder ging und blickte zurück und schwieg. Schatten waren es und sie gingen über ein Schlachtfeld. Wo habe ich das gesehen? Ja so, im Kino.Im Westen nichts neues". Jeder schaute zurück und ihr Blick sprach:Wir sind tot. Du lebst. Vergiß uns nicht!" Neben mir hat damals eine Frau gesessen, die sagte:Wenn man solches sieht, ver­steht man nicht, daß irgendein Mensch noch andere Ziele haben kann, als das eine: dafür zu kämpfen, daß die­ses Fürchterliche nie mehr kommt."

Ich schaue auf die Uhr. Fünf Minuten vor acht. Jetzt gehe ich in den Vortrag. Vielleicht, daß er mir neue Wege zeigt. Und wenn ich auch nur einen ein­zigen Gedanken erfasse und weitertrage.

Wir Menschen sind wie Tropfen im Meer. Aber das Meer besteht doch nur aus Wassertropfen. Alle sind notwendig.

verkauft werden. Hier muß der vernünftige Einkauf einfetzen, der die Qualität der Ware prüft und dort kauft, wo sie am preiswertesten angeboten wird.

Es ist für die Durchführung der Notverordnung von entscheidender Bedeutung, daß der Prozeß der Lohn- unb Preissenkung sich möglichst rasch vollzieht, benn ber Aufstieg beginnt erst am Ende biefes Prozesses. Es ist anzunehmen, baß derjenige am besten dabei fährt, der sich unter Anspannung feiner ganzen Wirtschaftskraft in diese Entwicklung hineinstellt, b. h. möglichst niedrige Preise herauskalkuliert.

Der Herr Preiskommissar hat am 29. Dezember die Spitzen ber Hausftauenverbänbe zu einer Besprechung versammelt, um ihnen die von ihm in Angriff genom­menen Maßnahmen zu erklären, von ihnen Anregungen entgegenzunehmen und eine Form der engen Zusam­menarbeit mit ihnen zu überlegen.

Die Besprechung zeichnete sich durch eine große Offenheit aus. Es wurden im Rahmen eines wohl­durchdachten Planes die Möglichkeiten des Preisabbaues der einzelnen lebensnotwendigen Gegenstände und Dienst erörtert. Einen breiten Raum nahm die Be­sprechung der Senkung der Tarife für Was­ser, Gas und Elektrizität ein. Von den Haus­frauen wurde mit großem Nachdruck geltend gemacht, daß die hier mögliche Preissenkung in weitem Umfang dem Klein- und Kleinstabnehmer zugutekommen muß. Weitgehend wurden auch die Preise der Handwerker besprochen.

Aus den Erfahrungen der Arbeit des letzten Jah­

res wissen die Hausfrauen und auch der Herr Preis- tommiffar, daß eine bis zur letzten Hausfrau reichend« Aufklärungsarbeit einfetzen muß. Denn Zwangsmaß­nahmen sollen ja nach Möglichkeit vermieden und die Preissenkung der Entwicklung des freien Marktes, der ja unter einem ungeheuren Preisdruck steht, überlassen werden. Deshalb regten die Verbände an, sie sehr schnell über alle mit den Wirtschaftsverbänden getrof­fenen Vereinbarungen zu unterrichten, ob es sich nun um Festsetzungen der Handelsspanne, um Aufstellung von Kalkulationsrichtlinien für das Handwerk o. a. han­delt. Das gibt die Grundlage für eine Aufklärung, die eine einmütige Haltung der Hausfrauen im Sinne der Notverordnung stärkt, ihnen aber auch die Grenzen des Preisabbaues zeigt. Alle Hausfrauenorganifatio» neu erklärten sich zur Mitarbeit bereit. So wie sie in ihren Spitzen einträchtig Zusammenarbeiten, muß es auch örtlich geschehen. Die Kommunen werden in näch­ster Zeit die zur Durchführung ber Notverorbnung not- wenbigen Maßnahmen ergreifen. Sie werben sich der Mitarbeit der ganzen Bevölkerung bedienen. Dazu gehören auch die Hausfrauenvereine.

Die neue Notverordnung ist ein großer Wurf, ge­wagt int Vertrauen auf ein Mitgehen des ganzen Vol­kes in schwerster Zeit. Die Not zwingt uns heute unser wirtschaftliches Verhalten einfach vor. Deshalb wird auch wie sich übrigens schon zeigt die Preissen­kungsaktion größeren Erfolg haben als im letzten Jahr.

Anna Heidermanns.

Interessante Kleinigkeiten.

Don Hans Burgmannsdorfer-München.

Die Standardisierung der Lebensmittel, d. h. die se­rienmäßige Verpackung schon beim Hersteller, die vor allem hygienische Behandlung und absolute Sauberkeit gewährleistet, ist in Amerika schon viel weiter vorange­schritten wie bei uns. Während in den deutschen Le- bensmitteUäben noch die Mehrzahl der Waren vom Verkäufer ausgewogen werden, verkauft man sie in den Vereinigten Staaten mit ganz wenigen Ausnahmen ohne Preiserhöhung fix und fertig verpackt! Das geht soweit, daß die amerikanische Frau, wenn sie einen Kuchen backen will, es nicht mehr nötig hat, die Zu­taten einzeln zu kaufen, vielmehr verlangt sie beim Händler z. B. einen Natronkuchen von drei Pfund. Sie bekommt dann ein Paket, in dem alles enthalten ist, was man zu einem Natronkuchen notwendig hat, vorn Mehl angesangen, über Butter, Eier, Rosinen usw. bis zur Konseroenmilch und dem Backpulver. Daß selbstver­ständlich in dem sorgsam verpackten Kuchenmaterial auch die Backrezepte nicht fehlen, braucht man eigentlich bei der praktischen Einstellung des Amerikaners, allen Dingen des täglichen Lebens gegenüber, nicht besonders zu betonen.

Die ungeheuere Arbeitslosigkeit in Deutschland, die leider van Woche zu Woche größer wird, zwingt auch die Frau zu neuen Methoden der Arbeitssuche. So hat sich dieser Tage in Berlin ein resolutes Mädchen im Mittagsverkehr auf der Friedrichstraße hingestellt mit einem großen Schild um den Hals, auf dem zu lesen stand:Ich bin arbeitslos, 22 Jahre alt, ich kann Schreibmaschine schreiben und 180 Silben stenographie­ren. Zu jeder Arbet bin ich willig, ich gehe auch als Dienst-, Haus- ober Kinbermädchen. Beste Referenzen unb Zeugnisse kann ich vorzeigen." Daß ber originelle Gebaute feine Wirkung nicht verfehlte, darf mit beson­derer Freude anerkannt werden, denn nach zwei Tagen bekam das Mädel, das mit allen Vorurteilen entschlossen abgebrochen hatte, eine Stellung bei einem Kaufmann in Erfurt, der zufällig geschäftshalber in Berlin an­wesend war.

Gandhi, der große indische Volkssührer und Philo­soph, der kürzlich, wenige Tage nach seiner Rückkehr von der Runden-Tisch-Konserenz, in feiner Heimat ver­haftet worden ist, wurde in London über die Stellung der indischen Frau befragt. In einem längeren Ge­spräch betonte der Gefragte, daß sich auch in Indien, wie vielfach in anderen Ländern, nur eine gewisse in­tellektuelle Oberschicht in der Frauenwelt um die Pro­bleme, die die Frau in besonderem Maße angehen, be­kümmere. Die große Masse der Frauen des indischen Volkes sei allen Lebensfragen des Volkes gegenüber völlig teilnahmslos und indifferent. Dabei fei die Mit­arbeit der Frau in der indischen Freiheitsbewegung mindestens ebenso notwendig, wie die irgendeiner euro­päischen Frau bei den wichtigen sozialen und politischen

Fragen ihres eigenen Landes. Gandhi erklärte, daß es eine wichtige Aufgabe feiner besonderen Mitarbeiterin­nen sein müsse, die indischen Frauen allmählich aus dem Traumleben der verschiedenen Kasten und Sekten wach­zurütteln, zu wirklich positiver, nationaler Mitarbeit am Staate.

Wie lege ich ein Hanshallbnch an?

Bei verringertem Einkommen ist eine genaue Buch­führung doppelt notwendig und wertvoll. Wie aber gibt man sich am besten und übersichtlichsten Rechen­schaft über jeden Pfennig?

Beachte vor allem: das Haushaltungsbuch muß fo eingeteilt sein, daß für jeden Pfennig des verausgabten Haushaltsgeldes ein paffender Platz gefunden werden kann. Je kleiner die RubrikVerschiedenes" wird, umso kleiner wird auch die Gefahr des Selbstbetruges beim Einträgen, umso größer wird die Kontrolle, daß kein Geld falsch angewandt wurde. Am besten ist es, sie verschwindet ganz. Die sonstige Einteilung wird davon abhängen, ob du nur das Wirtschaftsgeld im engeren Sinne verwaltest, d. h. im wesentlichen für die Ernährung, Reinigung, das Flicken und Stopfen zu sorgen hast, oder ob du auch die Miete und die Steuern zahlst, das Personal entlohnst, für Licht, Wärme, Feuerung, Versicherung, Anschaffungen usw. selbstän­dig zu sorgen hast. In diesem zweiten Fall darf die Einteilung der Ernährungsausgaben nicht so sehr ins Einzelne gehen wie im ersten Fall, sondern muß nur die vier großen Gruppen enthalten: Eiweiß- und fett­haltige Nahrungsmittel (Fett, Fleisch und Fisch), stärke- und mineralstoffhaltige Nahrungsmittel (Obst, ©emüfe, Kartoffeln), bann vielleicht noch besonders Brot, Gebäck und Brotaufstrich und die übrigen Nah­rungsmittel. Sodann sorge dafür, daß die Gruppen Ernährung, Reinigung und Reparaturen, Kleidung,. Haushalt-Anschaffungen u. s. w. übersichtlich zusammen- stehen, damit du am Monatsende leicht einen lieber» blick bekommst. Regelmäßg wiederkehrende Ausgaben wie Steuern, Miete, Versicherung, Löhne usw. wirst du zweckmäßig in den ersten Spalten ausführen, da di« Sparmöglichkeiten in diesen Gruppen gering sind.

Allgemeingültige Vorschriften lassen sich schwer ge­ben, weil der Umfang der Finanzverwaltung durch die Hausfrau in den einzelnen Haushaltungen zu sehr ver­schieden ist. Deshalb empfiehlt es sich, ein Haushal­tungsbuch zu kaufen, das die Bezeichnung der einzelnen Konten noch nicht enthält und es der Hausfrau über- läßt, die Einteilung nach Maßgabe der eigenen Be­dürfnisse selbst vorzunehmen. In dieser Hinsicht ist das HaushaltungsbuchWie lerne ich sparen?", das die Hausfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes, Zweigverein Berlin, herausgab, be« sonders zu empfehlen. (Buchverlag Germania, Berlin, Preis 1,50 Mark).

Jetzt gehe ich gern in den Vortrag. Ich weiß, daß der große Kamps um Fortschritt und Frieden mich braucht. Er braucht uns alle. R,

Frauen und Abrüstungskonferenz.

Dr. Marie Elisabeth Lüders,

die bekannte frühere demokratische Reichstagsabge­ordnete, wurde als Delegierte in einen Ausschuß gewählt, den die W e l t f r a u e n o r g a n i s a - t i o n e n für die kommende Abrüstungskonferenz aufgestellt haben, .