Fuld aerZ er t un g
Anzeiger für die Stabt Fulda unb benCanbtreis Fulda. Amtliches Kreisblatt.
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Samstag, S. Januar 1932.
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Wg. 59.
Vrüning verhandelt mit den Parteien.
Es gilt, für die Zeit wichtiger außenpolitischer Aktionen Störungen des Friedens im Innern Deutschlands auszuschalten. — Die Amtszeit des Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg soll durch ein Zweidrittel-Mehrheits-veschlutz des Reichstags um ein Jahr verlängert werden. — Die Abmachungen dürfen nicht zum „Kuh-Handef herabgewürdigt werden. Rationale Notwendigkeit
Die Frage der Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten o. Hindenburg hat zur großen Ueberrafchung der deutschen Oeffentlichkeit noch vor dem Beginn der großen internationalen Auseinandersetzungen über das Tributproblem höchste aktuelle Bedeutung erlangt. In einge- weihten Kreisen sprach man allerdings schon seit längerer Zeit von der Absicht der Reichsregierung, die Amtszeit des Reichspräsidenten zu verlängern. Schonende Rücksichten, die dabei zu nehmen waren, geboten von vornherein, die ganze Angelegenheit zunächst sehr vertraulich zu behandeln. Wenn die Reichsregierung nunmehr die Initiative ergriffen hat, wenn in Verfolg der Verhandlungen, die mit den Parteiführern gepflogen werden müssen, und die es notwendig machten, einen ständig wachsenden Kreis von Personen in das vom Kabinett in Aussicht genommene Projekt einzuweihen, nicht mehr länger „stillgehalten" werden konnte, wenn also die Aktion schneller und nach außen hin sichtbar angekurbelt worden ist, als man ursprünglich erwartet hat, so ist das kein Zufall, und die Reichsregierung hat gute Gründe dafür vorzubringen. Da die ganze innerpolitische Entwicklung der nächsten Zeit in der Frage der Reichspräsidentenwahl kulminiert, so war es das Gegebene, hierin noch vor dem Beginn der großen außenpolitischen Auseinandersetzungen eine Klärung herbeizuführen. Die große Mehrheit des deutschen Volkes steht in der auch heute noch in fast allen Lagern hochverehrten Persönlichkeit des Reichspräsidenten von Hindenburg den Hort und den sicher- sten Garanten des innerpolitischen Friedens. Ähre Wünsche, daß der Reichspräsident auch nach Ablauf seiner ersten Präsidentschaft dem hohen Amte erhalten bleibt, decken sich mit den Absichten der Reichsregierung.
Der Entschluß des Reichskanzlers, die Frage der Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs durch Verhandlungen mit den Führern der Parteien zu klären, wird also zweifellos im Lande draußen eine weitgehende Resonanz finden. Die lieber* legungen des Kanzlers find davon ausgegangen, daß man, wenn irgendmöglich, eine Neuwahl durch das Volk vermeiden müsse, gegen die mannigfache außenpolitische Gründe und Bedenken sprechen. Infolgedessen steht int Vordergründe der Verhandlungen ein anderes Projekt. Man will den Versuch unternehmen, die Amtszeit des Reichspräsidenten auf begrenzte Zeit zu verlängern, was zur Voraussetzung hat, daß sich für einen dahin abzielenden Gesetzentwurf, der verfassungsändernden Charakter tragen würde, die von der Verfassung vorgeschriebene Zweidrittelmehrheit des Reichsparlamentes zusammenbringen läßt. Man beabsichtigt also eine ausgesprochen parlamentarische Lösung. Praktisch bedeutet dies, daß, um allen unangenehmen Zwischenfällen vorzubeugen, die Parteien von den Nationalsozialisten bis zu den Sozialdemokraten auf die Basis eines derartigen Gesetzentwurfs zu einigen. Infolgedessen ist es der tiefere Sinn der vom Reichskanzler am Donnerstag mit dem nationalsozialistischen Führer Hitler und dem Vorsitzenden der SPD., Wels, gehabten Unterredungen, von diesen die Zustimmung zu den Absichten des Reichskabinetts und zu dem inzwischen wohl schon vorbereiteten Gesetzentwurf zu erhalten. Daß der Reichspräsident seine Zustimmung zu der Verlängerung seiner Amtszeit durch verfassungsänderndes Gesetz geben wird, steht außer Zweifel, sofern sich die Parteien, auf die es in erster Linie ankommt, zu dem Jawort durchringen.
Die Besprechung, die Adolf Hitler bereits am Mittwoch mit dem Reichsinnenminister Groe- ner gehabt hat, ist bis Donnerstagabend geheim- gehalten worden. Der Wunsch zu dieser Unterredung ging von Groener als dem für Verfassunas- fragen zuständigen Reichsinnenminister aus. Die Besprechung am Donnerstag, an der auch der Reichskanzler Brüning teilnahm, fand gleichfalls im Reichsinnenministerium statt.
Die Unterredungen wurden, wie von beteiligter Seite versichert wird, in durchaus freundschaftlicher Form geführt. In Kreisen der Nationalsozialisten sah man in ihnen die Anerkennung der Tatsache, daß auch die Reichsregierung an der nationalsozialistischen Bewegung nicht vorübergehen könne, zumal eine so wichtige Frage, wie die in den Besprechungen angeschnittene ohne die NSDAP, nicht zu entscheiden sei. In unterrichteten Kreisen unterstreicht man ferner den von dem Parteiführer der NSDAP, für seine Stellungnahme gemachten Vorbehalt einer vorherigen Fühlungnahme mit den übrigen Parteien der nationalen Opposition. Man glaubt auch in natianalsozialistischen Kreisen, daß die NSDAP, bezüglich der Wahlen nicht nur in Preußen, sondern auch im Reich bestimmte Zusagen erwarte, die es ihnen ermöglichen würden, sich zur Entscheidung der Frage einer Verlängerung der Amtszeit des Reichspräsidenten aktiv einschalten zu lassen.
Äm Zusammenhang mit dem Empfana der sozialdemokratischen Führer Wels, Breit- scheid und H i l f e r d i n g durch den Reichskanzler und die Besprechungen Brünings mit
Hitler schreibt der „Vorwärts" u. a„ als maßgebender Grund für den Plan, die Amtszeit Hindenburgs zu verlängern, wurde angeführt, daß die Aufwühlung des ganzen Volkes durch eine Reichspräsidentenwahl in diesem Frühjahr nicht nur die Wirtschafts- lage weiter verschlechtern, sondern auch die Lebenswichtigen Verhandlung en mit dem Ausland schwer gefährden könnte. Erwägungen solcher Art von der Schwelle zurückzuweisen, besteht für die SPD. kein Grund. Es gebe zwei Möglichkeiten, die eine Entscheidung der sozialdemokratischen Reichstagsfrak- tion überflüssig machen oder sie doch außerordentlich erleichtern würden. Wenn Hitler und Hugen- berg ablehnten, so sei die Sache erledigt. Stellen sie Bedingungen und geht die Reichsregierung auf diese Bedingungen auch nur zum allergeringsten Teile ein, so möge die sozialdemokratische Reichstagsfraktion vielleicht formell noch eine Entscheidung zu leisten haben, materiell aber werde diese Entscheidung schon gefallen sein. Nie und nimmer könne die sozialdemokratische Reichs- tragsfraktion daran denken, ein zwischen der Reichsregierung und der Rechten etwa abgeschlossenes Handelsgeschäft durch ihre Mitwirkung erst rechtskräftig werden zu lassen. Voraussetzung für jede Erwägung des Planes durch die sozialdemokratische Reichstagsfraktion fei also die vollkommenste Sicherheit dafür, daß den Rechtsparteien keinerlei Gegenleistungen für ihr Entgegenkommen in Aussicht gestellt würden. Nur durch die Gewähr einer solchen Sicherheit könne der Plan der Reichsregierung für die sozialdemokratische Reichstagsfraktion diskutabel werden. Andernfalls müßte ja die sozialdemokratische Reichstagsfraktion Gegenforderungen und Gegenbedingung en aufstellen. Auf diesen Weg des Kuhhandels zu treten, besteht ferne Möglichkeit und keine Neigung. Es müsse sich für alle um ein einfaches I a oder Nein handeln. Ein Zusammentritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion in der nächsten Woche fei vorgesehen, 'falls die Entwicklung der Dinge einen entsprechenden Verlauf nehmen.
Wenn die ersten Schritte, die vom Kanzler um ternommen worden sind, noch nicht zu praktisch brauchbaren Ergebnissen geführt haben, so wird man sich dadurch nicht beirren lassen dürfen. Es war zu erwarten, daß parteipolitische Engherzigkeit auch die Durchführung dieser Aktion des Reichskabinetts erschweren wurde. Aber schließlich wird es auch den Parteien ein« leuchten müssen, daß nur die parlamentarische Losung den einzig gangbaren Weg darstellt. Ginge man den Weg' der V o l k s w a h l, so wäre eine Mehrheit noch schwerer zusammenzubrtngen, als für die parlamentarische Lösung, für die sich das Reichskabinett stark gemacht hat. Nationalsozialisten und Sozialdemokraten werden sich niemals in eine propagandistische Einheitsfront einspannen lassen. Die' Form der parlamentarischen Erledigung kann man aber als innerpolitische Not- wendgikeit begründen. Ihre Bedeutung liegt darin, daß in einer rein innerpolitischen Frage das deutsche Volk durch seine parlamentarische Vertretung trotz aller Nöte der Zeit und über alle Par- tei,Zerklüftung hinweg seinen einheitlichen Willen bekunden würde. Nicht mit Unrecht verspricht man sich davon in maßgebenden Kreisen einen weitreichenden moralischen Eindruck auf das Ausland, das natürlich in erster Linie die au« ßenvolitische Seite dieser — sagen wir einmal inneren Konzentration sehen und daraus folgern müßte, daß es mit einem sehr energischen ' Widerstand des deutschen Volkes in der Tribut- und der A b r üstu n g s f r a g e zu rechnen hat.
Die Verhandlungen beim Reichskanzler werden, da sich vor allem Hitler seine Stellungnahme vorbehalten hat, in den nächsten Tagen weitergeführt. *
Unter der Ueberschrift: „Bleibt Hinüen- burg?" schreibt die „Rheinische Zeitung" u a.-.
Ein neuer Präsidentschaftskandidat, der große Massen außerhalb seiner Partei mit sich reißen könnte, ist am politischen Horizont nicht sichtbar. Auch das Bürgertum hat einen solchen Mann nicht. Adolf f) 1t= ler wie jeder andere nationalsozialistische Kandidat würde eine geschlossene Front aller Republikaner gegen sich haben. Die Mehrheit würde er nicht erlangen können.
Nach einer kurzen Begründung der Ablehnung Hitlers durch die Republikaner fährt das Blatt fort: Der leidenschaftliche und im Ergebnis unübersehbare Präsidentschaftskampf bringt einen starken Unsicherheitsfaktor nicht nur in die innerpolitische. sondern auch in die außenpolitische Sage. Die Verlängerung der Amtsdauer Hindenburgs durch den Reichstag ist nur möglich, wenn zwei Drittel des Parlaments einem solchen Gesetzentwurf zustimmen. In die Verhandlungen der Regierung müßten also die Deutschnationalen und zur Sicherheit wohl auch die Nationalsozialisten eingeschlossen werden. Die Sozialdemokratie hat bisher nicht Stellung genommen. Unsere Reichstagsfraktion wird erst in der zweiten Hälfte dieses Monats zusammentreten. Wir nehmen an, daß es zahlreiche sozialdemokratische Politiker gibt,
die — im Gegensatz zu den Stahlhelmkameraden Hindenburgs — gegen eine kurze Verlängerung seiner Amtsdauer dttrch den Reichstag keine unüberwindlichen politischen Bedenken haben. Unsere Entscheidung müßte von der Frage beeinflußt werden, ob und unter welchen Voraussetzungen eine verfassungsändernde Mehrheit im Reichstag möglich ist. Ein Uebereinkom- men mit Deutschnationalen und Nationalsozialisten kommt für uns nicht in Frage.
Einig in der Gefahr!
Dieser Tage ging eine Notiz durch die Zeitungen, wonach in Dessau Hunderte von Reichsbannerleuten und eine sehr große Anzahl von SA.« Leuten sich zu gemeinsamer Abwehr der W a s s e r n o t zusammenfanden.
Einig in derGefahr! Das ist die Parole der Stunde, aber auch die Parole der nächsten Zukunft. Diese obige Nachricht aus Dessau, einem Lande, in dem gerade jetzt sehr scharfe parteipolitische Auseinandersetzungen ausgetragen werden, ist ein Lichtblick. Der deutsche Sinn für die Gemeinsamkeit des Opfers und des Opferns ist also doch noch nicht ganz ertötet!
In Dessau ist der Damm eines Flußufers gebrochen, und ohne Unterschied der Partei find die Nothelfer von allen Seiten herbeigeeilt und haben der der Gesamtheit drohenden Gefahr zu wehren gesucht.
Im Deutschen Reich sind die Däm m e in allergrößter Gefahr, von wilden, alles zerstörenden Wogen zerrüttet zu werden. Welche Not erst würde in Deutschland eintreten, wenn die
ser Vernichtungsflut nicht durch gemeinsame Zusammenarbeit Einhalt geboten würde?
Einig in der Gefahr! Die Gefahr ist ungeheuer groß nach innen, sie ist in gegenwärtiger Stunde vielleicht aber noch größer nach außen. Der Reichskanzler schickt sich in den nächsten Tagen an, den schwersten Gang seines Lebens zu unternehmen. In Lausanne wird über deutsches Schicksal für Jahre und Jahrzehnte hinaus in allerernstesten und aller schm ersten Auseinandersetzungen gerungen werden müssen.
Da ist eine gemeinsame Front zur Abwehr der Gefahr die unerläßliche Voraussetzung dafür, daß wir unsere nationale Existenz, damit aber auch die Existenz eines jeden einzelnen von uns erhalten.
Es gibt im deutschen Volke, mögen die politischen Gegensätze noch so große sein und noch so weit auseinandergehen, keinen einzigen guten Deutschen, der nicht einig wäre mit der Forderung, untragbare und unerträgliche Bedingungen nicht mehr länger hinzunehmen. Nun aber gilt es auch, unbekümmert um die Parteiauffassungen, anzutreten zur Erhaltung der Dämme, die das Deutsche Reich noch schützen!'
Einig in der Gefahr!
Die Randstaaten.
Der rumänische Außenminister in Warschau.
wkb. Warschau, 8. Jan. (Eig. 9)lelb.)_ Der heute vormittag hier eingetroffene rumänische Außenminister Ghika wird von der polnischen Presse besonders herzlich begrüßt. Uebereinstim- mend wird hervorgehoben, daß dem Besuch des rumänischen Ministers besondere politische Bedeutung zukomme.
Vombenanschlag aus den Kaiser von Zapan.
Demission des Kabinetts in Tokio. — Die Mandschurei - Frage.
wtb. Tokio, 8. Jan. (Eig. Weid.) Aus den Kaiser von Japan wurde während seiner Rückfahrt von einer militärischen Parade eine Bombe geworfen. Die Bombe platzte neben einem Wagen, der hinter dem des Kaisers fuhr. Es wurde niemand verletzt. Der Täter, ein Koreaner, wurde sofort verhaftet. Er hatte eine zweite Bombe in der Tasche. $
Aus Schanghai meldet ein Funkspruch: Am Donnerstag vormittag besetzten japanische Truppen die Stadt S ch a n h a i k w a n. Damit haben die japanischen Truppen die chinesische Mauer erreicht.
Amerikanische Rote an Japan und China.
wtb. Washington, 8. Jan. (Eig. Meld.) Staatssekretär Stimson übersandte der japanischen und der chinesischen Regierung e i n e N o t e, in der erklärt wird, die Vereinigten Staaten könnten die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Verhältnisse in der Mandschurei nicht anerkennen. Sie
beabsichtigten auch nicht, irgendwelche Verträge oder Abkommen als gültig anzusehen, durch die die vertraglichen Rechte der Vereinigten Staaten oder ihrer Staatsangehörigen in China beeinträchtigt werden könnten Ferner werde die amerikanische Regierung irgendeine Lage oder irgendwelche Abmachungen nicht anerkennen, die etwa durch Mittel zustande kommen sollten, die gegen d ie Bestimmungen des Paktes von Paris verstießen.
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wtb. Washington, 8. Jan. (Eig. Meld.) Nach einer Meldung der „Associated Preß" aus Tokio soll Japan eine Einmischung Amerikas in die Mandschureifrage ablehnen.
Rücktritt der japanischen Regierung.
wtb. Tokio, 8. Jan. (Eig. Meld.) Der Ministerpräsident hat die D e m i s s i o n des Kabinetts eingereicht. Jnukei hat die Regierung am 13. Dezember vorigen Jahres, also vor knapp einem Monat übernommen.
Tribut Regelung in Etappen-
Scharfe Kritik des amerikanischen Antzenministers an den europäifchen Militär-Mächten. — Endgültige Beschlüsse der Reparationskonserenz sind erst im Sommer zu erwarten.
In Berliner politischen Kreisen hält man es auf Grund der letzten diplomatischen Verhandlungen für nicht unwahrscheinlich, daßeine Unterbrechung der Konferenz in Lausanne erfolgen wird. Die Konferenz würde dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. In Berliner politischen Kreisen betont man, daß Deutschland alles Interesse daran habe, daß eine endgültige Lösung der Tributfrage erzielt werde. Da zur Zeit jedoch die Aussichten für eine Einigung mit den Alliierten nicht besonders stünden und ein Provisorium höchst unerwünscht wäre, scheine es nicht ausgeschlossen, daß die Reichsregierung einem Provisorium eine Unterbrechung der geplanten Tributkonferenz vorziehe. Im übrigen lasse das Hoovermoratorium Deutschland j a b i s zum Juli Zeit. Auch müßten dieAIli- ierten erst Klarheit darüber gewinnen, wie künftig ihre Schuldenzahlungen gegenüber den Amerikanern geregelt würden.
Mit dieser Berliner Information stimmt folgende Meldung überein:
C. N. B. London, 8. Jan. (Eig. Meld.) Der diplomatische Korrespondent der Finanz-News schreibt, in gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen werde folgende Reparationsregelung als möglich bezeichnet: Die Lausanner Konferenz werde ein zweijähriges Moratorium genau nach dem Poung-Plan beschließen. Die ungeschützten Annuitäten sollen Deutschland zurückgeliehen werden. Dann werde sich die Konferenz bis zum Juni vertagen, wo eine inzwischen von Ausschüssen vorbereitete endgültige Regelung versucht werden solle, die von einer entsprechenden Neuregelung der Schuldenvereinbarung mit Amerika abhängig sein würde. Man hoffe, daß die Vereinigten Staaten ihre Haltung ändern würden, wenn alle Parteien Opferbereitschaft zeigten.
Der diplomatische Korrespondent des Daily
Telegraph hört, daß die Idee, die Lausanner Konferenz sollte praktische Pläne bis nach den französischen Wahlen aufschieben, von dem Kabinettsausschuß für Reparationen ebensowenig gebilligt werde, wie der andere Vorschlag eines „elastischen" Moratoriums. Man sei der Meinung, in beiden Fällen werde nicht genügend Rücksicht auf gewisse politische psychologische Faktoren genommen. i
Stimson hat recht.
Aus Washington wird gemeldet:
Vor dem Auswärtigen Ausschuß des Repräsentantenhauses erklärte Staatssekretär Stimson, Deutschland und seine Kriegsverbündeten seien praktisch entwasfnet, aber umgeben von anderen Völkern, die nicht entwaffnet seien, sondern ihre Rüstungen in vielen Beziehungen noch vergrößert hätten. Dadurch fei im Mittelpunkt Eurovas eine Hnr;dn>rbeit entstanden, die politische und finanzielle Rückwirkungen weit über Europa hinaus verursacht und in der ganzen Welt Unsicherheit heroorgerufen habe. Es sei augenscheinlich, daß energische Schritte getan werden müßten, um den ursprünglichen Plan der Weltabrüstung durch- z u f ü h r e n.
Wie die „Newyork Herald" Tribüne hierzu ergänzend meldet, beziehen sich die Anspielungen Stimsons auf „andere bewaffnete V ö l- k e r", auf Frankreich und Polen.
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— London, 8. Jan. Der aus Ceylon nach Lon. don zurückgekehrte englische Parteiführer der Liberalen, Lloyd George, erklärte Pressevertretern, daß die sämtlichen Kriegsschulden uni) Reparationen gestrichen werden sollten.