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FuldaerZertung

Anzeiger für die Stadt Aulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk.

Nr. 5

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Freitag, S. Ianuar 1932.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Col.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck!. Frankfurt a. M 4051.

3al)tg. 59.

Hochpolitischer Betrieb in Berlin.

Die deutschen Botschafter in Paris, London und Rom zur Berichterstattung anwesend.

In Berlin herrscht zur Zeit Hochbetrieb. Eine Reihe von Diplomaten aus den Hauptstädten Europas sind anwesend, um in Besprechungen untereinander und Besprechungen mit deutschen Staatsmännern die große Regierungs- und Re- mrationskonferenz und die sich daran anschlie­ßende Abrüstungskonferenz vorzubereiten. Von remden Botschaftern ist der amerikanische Ver­treter in Paris, Edge, zur Zeit als Gast des Ber­liner amerikanischen Botschafters Sackett anwesend. Man bringt diesen Besuch, dem von amerikanischer Seite allerdings rein privater Charakter zugespro­chen wird, ebenfalls mit den Vorverhandlungen zu der Konferenz in Lausanne in Zusammenhang und mißt ihm deshalb erhöhte politische Bedeu­tung bei. Gerade der Botschafter Edge hat schon einmal' in der Tributfrage eine große Rolle ge­spielt. Denn in seiner Wohnung in Paris fand bei dem letzten Aufenthalt des Reichskanzlers am Vor­abend seiner Besprechungen mit Laval eine tvich- ti'ge politische Unterredung statt. Man geht wohl in der Annahme nicht fehl, daß die Anwesenheit in Berlin vor allem dem Zwecke dient, über Be- iginn und Ziel der Konferenz mit allen maßgeben­den Persönlichkeiten in Berlin Fühlung zu nehmen.

Auch deutscherseits sind die Vorbereitungen für die Lausanner Konferenz in vollstem Gange. Die zuständigen Ressorts im Auswärtigen Amt, im Reichsfinanzministerium und Reichswirtschaftsmini­

sterium sind eifrig damit beschäftigt, das Material zu sichten. Die Beratungen des Reichskabinetts selbst werden Anfang der nächsten Woche begin­nen. Von größter Wichtigkeit ist die Anwesenheft der deutschen Botschafter von H o e s ch - Paris, von Neurath-London und von Schubert-Rom, die eigens nach Berlin berufen worden sind, um in persönlicher Fühlungnahme mit allen zuständigen Stellen verhandeln zu können. Sie weilen nur einen Tag hier und statteten zunächst dem Reichs­kanzler zugleich in seiner Eigenschaft als Außen­minister einen ausgiebigen Bericht ab über ihre Eindrücke bezüglich der Auffassung der Regierung, mit der sie als Vertreter Deutschlands in Berüh­rung kommen. Zugleich aber auch wurden sie ein­gehend unterrichtet über die Haltung und Stellung- Khme der deutschen Regierung zu den bevor­stehenden Konferenzen und erhielten ihrerseits aus­führlichen Bericht über den Stand der ganzen Re­parationsfrage, wie auch der A b r ü st u n g s - frage.

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Wichtiger noch wie der Tag der Beginn der Lausanner Konferenz ist für Deutschland ihr Ziel. Nach wie vor ist es das ernste Bestreben «er deutschen Regierung, auf eine E n d l ö s u n g ywzuarbeiten. Mit Recht sagt man sich in Berlin, lutzend auf den letzten Sachverständigenbericht des <5a eLer Sonderausschusses, daß der P o u n g p l a n überholt ist, und daß es endgültig int Interesse

Lchung der Weltwirtschaftskrise an der Zeit vor aller Welt darzulegen; das ist die End- ts ker Reparationsfrage und so sieht ihre Endabrechnung aus. Erst wenn diese Frage so gelost ist, wird das Vertrauen in der Welt und mu ihm

ein regelrechter Warenaustausch wieder Metzen können. Das ist übrigens auch die Auf- lchwng Englands, Italiens und Ameri- a-- Nur Frankreich hängt aus formalen juri- ft,jVen Gründen nach wie vor an dem Poungplan ' ^und hält Paragrap''mrecht noch immer für ^Atrger als die Wucht oer Tatsachen. Deshalb Tu« baSc ganze Streben der französischen Regie- o Mihrer Diplomatie dahin, zunächst eine

4.]$*l- /ung zu finden. Zum Teil ist die- tpnhf ren Frankreichs begründet mit der abwar-

_ n Haltung Amerikas. Frankreich will nicht 6e Reparationszahlungen verzichten und da- str-M$ nicht einmal auf alle, bis die Schukden- chung durch Amerika erfolgt ist. Man glaubt

Im Vordergrund des Interesses steht natür­lich zunächst die Reparationskonferenz. Trotz eini­ger Bedenken hat sich Deutschland auf den eng­lischen Vorschlag hin mit Lausanne als Tagungs­ort einverstanden erklärt und hat auch dem 18. Januar als Einberufungstermin zugestimmt. Ob dieser Termin eingehalten wird, ob er sich um einige Tage verschiebt, ist zunächst eine Sache der Verständigung zwischen England und Frankreich. Aber daß er auf den erstmöglichen Tag,-also so bald wie möglich festgesetzt wird, um die wichtige Frage der Reparationslösung in Angriff zu neh­men, das ist auch nach deutscher Auffassung eine Notwendigkeit. Dabei spielen die Stillhalte- Verhandlungen, über die zur Zeit die Pri- vatgläubiger in Berlin beraten, eine nicht unter« ebnete Rolle. Auch deutscherseits steht man auf Standpunkte, daß man das Ergebnis dieser Ätillhalte-Verhandlungen erst abwarten muß, be> vbr die Konferenz ht Lausanne beginnen kann. Denn dieses Ergebnis haben wir notwendig, um dort den andern Großstaaten die Rechnung zu Präsentieren;Das" müssen wir unfern Privat­gläubigern zahlen, also sind wir in der Lage, für Reparationen nurdas" aufzubringen. Das heißt mit andern Worten, soweit kann man die ganze Finanzlage und Wirtschaftslage schon heute über- schen, für Reparati onszahlungen ist nichts mehr vorhanden. Selbst wenn das neue Stillhalte-Abkommen mit gewissen vertrag- lrchen Abänderungen vorläufig auf ein Jahr verlängert wird, »vorauf die Bestrebunae" aller Gläubigervertreter und auch der deutsche.. Finanzsachverständigen hinauslaufen, ist an Re­parationszahlungen auch nicht mehr zu denken. Im uorogen möchten wir bei dieser Gelegenheit gleich betonen, daß die Vertreter der Stillhalte-Gläu- bi>ger nach wie vor das bestimmte Bestreben ha- b«n, mit ihren Verhandlnulgen Mitte Januar fer- M zu werden, sodaß aus diesem Grunde die Lau- lanner Konferenz nicht allzu sehr verspätet würde.

deshalb in französischen Kreisen, auf England ein­wirken zu müssen, das fa auch an der Schul­denstreichung mit interessiert ist, die Endlö- sung auf einen späteren Termin zu verschieben etwa sechs Monate nach Lausanne, bis sich in Amerika ein Stimmungswechsel zugunsten der Frage der Schuldenregelung ergeben kann. Darauf können wir aber nach deutscher Auffassung nicht warten.

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Der Pariser amerikanische Vokschafler besucht seinen Berliner Kollegen.

Botschafter Walter E. Edge (rechts) nach der Ankunft in Berlin zusammen mit dem Berliner amerikanischen Botschafter Frederik Sackett.

Der amerik. Botschafter in Paris, Edge, ist in Berlin eingetroffen, um hier einer festlichen Ver­anstaltung beizuwohnen, die der amerikanische Bot­schafter in" Berlin, Sackett, zu Ehren des französi­schen Botschafters Francois-Ponet abhält. Seinem Besuch wird in politischen Kreisen besondere Be­deutung beigemeffen, da Edge Gelegenheit nahm, mit den führenden deutschen Persönlichkeiten über die schwebenden Fragen der Reparationspolitik zu sprechen. Vor allem war er auch mit Brüning zusammen.

Der deutsche Botschafter in Paris v. H o e s ch wird in den nächsten Tagen in Berlin erwartet, ebenso einige andere diplomatische Vertreter des Reiches. Auch diese Reifen stehen selbstverständ­lich im Zusammenhang mit den bevorstehenden großen wirtschafts- und außenpolitischen Aufgaben.

Aus Basel meldet T. 1L: Nachdem Bundes- Präsident Motta bereits den englischen Gesandten und dem französischen Botschafter in Bern seine Zustimmung zur Abhaltung der Tributkonferenz in Lausanne gegeben hat, hat der Gesamtbundes- rat in seiner Dienstagsitzung diese Zusage bestätigt. Die Konferenz wird am 25. Januar in Lausanne beginnen. Bundespräsident Motta wird als Ver­treter der Schweizerischen Landesregierung und damit des Gastlandes der Eröffnungssitzung bei­wohnen.

wtb. Bukarest, 7. Jan. (Gig. Meld.) Die r u - mänische Regierung teilt heute mit, daß sie an der Reparationskonferenz von Lausanne teilnehmen wird. Die Delegation wird von Titu- lescu geführt werden. *

Wie von unterrichteter Seite nunmehr bestätigt wird, verhandelt das Sillhalte-Komitee in Berlin nur nach dem Plan einer Verlänge­rung des bisherigen Stillhalte- Abkommens um ein Jahr, sowie gewisse Verbesserungen des bis­herigen Abkommens. Alle anderen Pläne scheint man fallen gelassen zu haben.

*

In einem bemerkenswerten Zeitungsartikel er­klärt der bedeutende volkswirtschaftliche Professor Gustav Cassel, daß die Tribute an der Weltkrise und dem Zusammenbruch des Goldstandards schuld seien.

Der von der Depeche de Toulouse lancierte Ge­danke, daß die französische Regierung die Repara­tionsschulden restlos und endgültig streichen möge, wird in der Pariser Presse lebhaft erörtert.

Die radikale Republique erklärt, juristisch und moralisch habe Frankreich wohl einen Anspruch auf Re­parationen, aber es opfere hochherzig dieses Recht, um sich Deutschland zu nähern und um seinen Wunsch nach Zusammenarbeit und Freundschaft zu beweisen. Das Blatt erklärt:Wir brauchen nur zu wollen, und wir können die Welt retten!"

In der V i c t o i r e schreibt Gustave Herve, die große Geste, die getan werden müsse, die alles in Ordnung bringen würde und die auch jede Kriegsgefahr auf lange Zeit beseitigen würde, besteht in einer freundschaftlichen Revision des Versailler Vertrages in all den Teilen, die unausführbar geworden seien.

Oeuvre glaubt, einen solchen Schritt billigen zu können, wenner geschehe, um die politische Atmosphäre zu erneuern. Er sei abzulehnen, falls er lediglich dem Interesse der angelsächsischen Gläubiger dienen sollte.

Volants befaßt sich mit der Wirtschaftslage 1 Deutschlands. Wenn das Blatt auch behauptet, daß

Deutschland nichts getan habe, um feinen Bankrott zu vermeiden, ja, wenn sogar die Befürchtung ausgespro­chen wird, Deutschland werde auch nach der Streichung der Reparationen andere Forderungen, wie beispiels­weise die Beseitigung des Danziger Korridors mit glei­cher Vehemenz vertreten, so kommt es dennoch zu dem Schluß, die Aera der halben Maßnahmen fei vorbei. Man könne vielleicht einen Teil der Repa­rationen retten, käme man zu einer europäischen Ver­ständigung über Abrüstung, Minderheitenstatut und Ost- grenze.

Das Blatt Herriots, Ere Nouvelle, verlangt, dem Verzicht auf die ^Reparationen müsse der Verzicht des amerikanischen Kongresses auf die Kriegsschulden, der der privaten Gläubiger auf die eingefrorenen Kredite und schließlich die Zustimmung Deutschlands, unterstützt durch entsprechende Garawien, zu einer Politik der Ord­nung der Welt im Sinne des Friedens vorangehen. Dennoch kommt auch diese Zeitung zu der Feststellung, daß die öffentliche Meinung heute eine große Geste er­warte. . .

Die Rechtspresse, wie z. B. Echo de Paris, steht natürlich anders zu dem Gedanken. Dieses Blatt erklärt u. a., es müsse darauf hingewiesen werden, daß die deutsche Industrie gewaltig ausgerüstet sei und nach Beendigung der Krise auf den internationalen Märkten eine ungeheure Ueberlegenheit ha­ben müßte, wenn die Reparationsschulden von ihr ge­nommen wären. Zudem würde Deutschland nach Be­endigung des Reparationsproblems unverzüglich den zweiten Tell feines nationalen Programms in Angriff nehmen, nämlich die nationalen und polttischen Forde­rungen. *

In einer amtlichen Mitteilung wird hervor­gehoben, daß die britische und französische Regie­rung bemüht seien, eine Grundlage zu finden, die ihnen gestattet, im Einvernehmen miteinander zu handeln, um einen Erfolg der Lausanner Kon­ferenz sicherzustellen. Es wird hinzugefügt, daß ein gewisses Maß von Uebereinstimmung" be­reits erzielt sei.

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Amtlich wird erklärt, daß die Meldung eines Genfer Mattes über angebliche Jnvestigations- abfichten Frankreichs gegen Deutschland jeder Grundlage entbehren.

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Außenminister Simon ließ in einer Rede durchblicken, daß die englische Regierung an dem 18. Januar für die Lausanner Konferenz festhält und gegen die französischen Vertagungswünsche ist.

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wtb. Paris, 7. Jan. (Eig. Meld. Der franzö­sische Kriegsminister Maginot ist gestorben.

C. N.B. Paris, 7. Jan. (Eig. Meld.) Der in der vergangenen Nacht verstorbene Kriegsminister Mgginot begann seine Laufbahn beim franzö­sischen Staatsrat. Später wurde er Kolonialmini­ster und schließlich Kriegsminister. Am Kriege nahm er als Sergeant teil und erlitt gleich zu Beginn eine schwere Beinverletzung. Was seine Stellung zu Deutschland anlangt, so muß festgestellt werden, daß er.vom nationalistischen Stand­punkt ausgehend, nie für Deutschland eingetreten war. Wenn er auch nie offen im Widerspruch zur allgemeinen Politik der Regierung gekommen ist, so verstand er doch, auf die französische Regierung in der Abrüstungsfrage einen bedeutenden Einfluß auszuüben. Als Vertreter desSicherheits-Stand- punftes" nahm er regen Anteil an der Befestigung

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der französischen Ostgrenze. Maginot ist 55 Jahre alt geworden..

Angesichts des Todes Maginot und der E r - krankung Briands werfen heute mehrere Blätter die Frage auf, ob Laval nur Maginot durch eine andere Persönlichkeit ersetzen oder dem Präsi­denten die Gesamtdemission des Kabi­netts anbieten wolle. Hierdurch hätte Laval die Möglichkeit, eine Umbesetzung seines Kabinetts vor­zunehmen. Sollte nur der Posten Maginots neu besetzt werden, dann käme nach Meinung der Presse nur sein Fraktionsgenosse Fabry, Redakteur des Jntransigeant, in Frage. Sollten die Gerüchte zu­treffen, daß auch der Posten Briands umbesetzt werden soll, so käme hierfür, wie verlautet, Paul Boncour unter Umständen in Frage.

Beim letzten Vorschlag scheint es sich um Wünsche der französischen Nationalisten und Rüstungs-Interessenten zu handeln. Boncour, der ehemalige Sozialist, ist bekanntlich ein hervorragender Einpeitscher französisch-natio­nalistischer Einseitigkeiten, die auf den Konferenzen der nächsten Zukunft sehr störend wirken mühten.

* Aufhebung der Aufnahmesperre für die fas- zistische Partei. Aus Rom wird gemeldet: Der neue Parteisekretär Starace hat die im Jahre 1925 erlassene Aufnahmesperre von neuen Parteimit­gliedern aufgehoben. Ein Rundschreiben besagt, daß es jedem guten Italiener möglich sein soll, in den Reihen der Faszistischen Partei zu kämpfen, falls er den Nachweis über eine reine politische und moralische Vergangenheit erbringen kann.

Klepper verhandelt mit Brüning.

Der preußische Finanzminister Dr. Klepper Halts mit Reichskanzler Brüning eine Unterredung, um über die Absichten Preußens für den Ausgleich des Etats 1932 mit dem Reiche eine lieberem- stimmung herbeizuführen. Da Preußen das Defi­zit von 167 Millionen nicht nur durch Emsparun- gen, sondern auch durch Einnahmeerhöhungen be­seitigen will, ist bei dem Ausgleich die Mitwir­kung des Reiches notwendig. Die Einnahmeer- Höhungen sollen, wie verlautet, durch neue Ver­brauchssteuern und durch eine Zahlung des Reiches auf Grund der preußischen Entschädigungs­ansprüche erzielt werden.

* Dr. Brauns Vorsitzender des Reichsausschrf» ses für Aerzte und Krankenkassen. Der frühere Reichsarbeitsminister Dr. Brauns ist zum Vor- sitzenden des Reichsausschusses für Aerzte und Krankenkassen ernannt worden.

* Scherl-Konzern undDaz". Die Deutsche Allgemeine Zeitung veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Der Demokratische Zeitungsdienst sowie der Sozialdemokratische Pressedienst haben die Meldung verbreitet, daß zwischen Vertretern des Scherl-Konzerns und Mitgliedern des Auf- sichtsrates der Deutschen Allgemeinen Zeitung Ver- Handlungen stattfinden, die eine Ueberleitung dieses Blattes in den vorgenannten Verlag bezw. eine Abgabe von Aktien zum Ziele hätten. Diese Mel- dang und die daran geknüpften Folgerungen sind nach jeder Richtung unzutreffend.

* Hebet 70 deutsche Optantenfamilien ans Polen ausgewiesen. Mehr als 70 imK o r r i d o r" wohn­hafte Familien, die seinerzeit für Deutschland optiert hatten, erhielten kürzlich von den Verwal­tungsbehörden die Mitteilung, daß sie die Erneue­rung der Aufenthaltsgenehmigung versäumt und deshalb Polen zu verlassen hätten, es sei denn, sie holten die Erneuerung nach. Als sich die Op­tanten an die zuständigen Stellen um Verlänge­rung der Aufenthaltsgenehmigung wandten, wurde ihnen diese jedoch verweigert. Sie müssen nunmehr bis zum 20. Januar Polen verlassen.

* Eine Erklärupz der Polizeioffiziers-Bereini­gung. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mit­teilt, hat der Vorsitzende der Vereinigung der Polo- zeiosfiziere Preußens, Polizeioberst a. D. Dillen­burger, am Dienstag dem preußischen Innenmini­ster eine schriftliche Erklärung überreicht. Daraufhin hat der preußische Innenminister die gegen die Ver­einigung der Polizeioffiziere Preußens getroffenen Maßnahmen aufgehoben.

* Neue italienische Einfuhr-Sonderzölle. Im römischen Gesetzblatt wird eine Verfügung ver­öffentlicht, derzufolge ab 1. Januar 1932 alle in italienischen Häfen ober an italienischen Küsten aus geladen en Waren, die aus dem Ausland stam­men, mit einem Sonderzoll belegt werden. Dieser Zoll beträgt eine Lira je Tonne für Phosphate, Nitrat (ausgenommen Soda-Nitrate) und Mau­rermaterial. Für alle anderen Waren beträgt der Zoll zwei Lire. Da die deutsche Phosphat-Aus- fuhr vielfach auf dem Wasserwege geschieht, eben­so wie die Ausfuhr deutscher Maschinen nach Si- zilien, wird auch Deutschland erheblich von biejen Sonderzöllen betroffen.

* 14000 Schullehrer in Chikago fett April ohne Gehalt. Die verzweifelte Finanzlage der amerikani­schen Stadt Chikago Hat zur Folge gehabt, daß rund 14 000 Schullehrer seit April kein Gehalt mehr be­kommen haben. Diese Lehrer, die außerdem jetzt noch einem Gehaltsabbau unterworfen werden, ha­ben in einer Eingabe den Staat gebeten, den Wei­terbetrieb der Schulen zu ermöglichen. In Ehikago mußten am letzten Montag nicht weniger als neun Abendschulen geschlossen werden, weil die Stadt kein Geld mehr für Heizung, Beleuchtung und Leh- reraehälter aufbringen kann. In drei Vorstädten von Chikago sind schon früher Schulen auf unbe­stimmte Zeit geschlossen worden. Die von der stadt den Lehrern geschuldeten Gehälter be­laufen sich z. Zt. auf 20 Millionen Dollar.

Die Lage in Indien.

wtb. Ahmeadad, 7. Jan. (Eig. Meld.) Die Po­lizei verhaftete heute früh 30 Führer des indischen Kongresses.

wtb. Loudon, 7. Jan. (Eig. Meld.) Die Blätter sind einmütig der Ansicht, daß das energische Vor­gehen des Vizekönigs gegen den indischen Kon­greß erfolgreich gewesen ist. Man glaubt, daß die gemäßigte Richtung in Indien in den Vorder­grund treten wird.

kleine politische Nachrichten.

Der Papst Hat dem König von Italien und dem Kronprinzen den Christus-Orden verliehen.

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wtb. Parana (Argentinien), 7. Jan. (E:g. Meld.) In der Nähe der Stadt kam es zu blu­tigen Zusammenstößen zwischen Aufständischen und Polizei. Bisher sind vier Tote zu beklagen.

* Peileid des Reichspräsidenten zum Beuthener Grubenunglück. Anläßlich des Grubenunglücks auf Grube Karsten-Zentrum bei Berthen, das 14 Todesopfer forderte, hat der Reichspräsident an die Direktion der Schlesischen Bergwerks- und Hütten 2t.®.. Beuchen, ein Telegramm gerichtet, in dem er den Hinterbliebenen der tödlich verun­glückten Bergleute sein herzlichstes Beileid über« mitteilt. Auch Reichsarbeitsminister Sieger- wald hat ein Beileidstelegramm gesandt.