Ar. 4
Beilage zur Fuldaer Zeitung
6. Januar
hier.
Joseph M. Wilhelm.
Me stehen wir zum „Freiwilligen Arbeitsdienst"?
2)
Vereine.
lieber dieses Thema sprechen Samstag, den 16. Januar, in einer
öffentlichen Versammlung
Mndkhorstbund Fulda
Die Sache mit SemRegenschirm. I
mOT ein Meiner' zwölfjähriger Junge. Für sein
im großen Saal des katholischen Gesellenhaufes Bundesbrüder des Fuldaer Windthorstbundes. Herr TUbert Etzel aus Hilders, der mit uns „die Klinge kreuzen" möchte, ist zur Aussprache herzlich eingeladen« Zu der Versammlung sind die christlich und deutsch fühlenden Einwohner Fuldas, insbesondere die junge Generation und die Zentrums- anhänger, herzlich willkommen. Es ladet ein
Sie Gestaltung der Theaterabende.
Anregungen nnd Vorschläge für die Arbeit der
„Dee Kamps um Deutschlands Freiheit-
— Genau könnte es in der Besprechung vom Fußballspiel stehen, wenn nicht das Theaterspiel genannt worden wäre. Wozu diese Mitteilung? (Ich nehme an, daß Spielleiter und Spieler sich anstrengen, um sich nicht bei der Aufführung bloßzustellen.) Sie hat höchstens Sinn, wenn damit Leute für die Wiederholungsaufführung des Spieles gewonnen werden sollen. Aber das sind dann geschäftliche Gründe. — Und doch gibt es Wege guter Kritik. Der Spieleiter bestellt sich einen Sachkenner als Zuschauer, mit dem er nach der Aufführung den Theaterabend bespricht. Die Aussprache sollte dann ganz ehrlich und ohne Schmeichelei sein; denn dem Spielleiter sollte es ernst um seine Aufgabe um der späteren Abende willen sein. Auch hier gibt es einen Weg, der langsam aufwärts führt. —.Soll eine Aufführung in der Zeitung besprochen werden, jo müßte auch hier in aller
Am nächsten Tag erzählte Kurt seinem Freunde Emil, was geschehen war. Emil wußte auch nicht, was man da tun sollte. Eine ganze Stunde lang gab er dem Lehrer lauter falsche Antworten, so furchtbar mußte er über die Lösung dieser Geschichte nachdenken. Aber dann hatte er es auch. In der Pause nahm er Kurt beiseite: „Paß mal auf! Es geht natürlich nicht, daß Du auf Fahrt mit einem Regenschirm ankommst! Da wirst Du einfach ausgelacht, und das Ding wird Dir zerbrochen. Wir müssen das anders machen. Du weißt doch den hohlen Baum im Vorgarten von Sattlermeister Braun, den wir schon öfter zum Versteckspielen benutzt haben? Wenn Du auf Fahrt gehen willst, nimmst Du den Schirm eben mit, steckst ihn in den Baum, und holst chn beim Heimkommen wieder ab!" Kurt fand die Idee genial, kämpfte aber doch lange mit sich selbst, bis er sich dazu enffchloß, den gezeigten Ausweg zu gehen.
Eines Sonntags Abends machte Kurt wieder den bewußten Umweg, um den Schirm zu holen. Im Vorbeigehen griff er rasch in den hohlen Baum . . . Nanu? Er kriegt einen Mordsschrecken — der Schirm ist weg! Kurt kamen die Schweißtropfen: wo kriegte er nun bloß einen Regenschirm her! Ob Emil ihm helfen könnte? Rasch lief er vor sein Haus, flötete ihn herunter und berichtete sein Mißgeschick. Emil läßt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Wir haben noch einen alten Schirm auf dem Boden, den haben meine Schwestern früher immer zum Spielen gehabt!" Sie klettern beide rasch auf den Boden. „3a, der sieht beinahe ebenso aus wie meiner", sagt Kurt, und ist überglücklich.
Nur mit einer halben Stunde Verspätung langt Kurt zuhause an, ruft laut „Guten Abend!" und stellt mit der größten SesbstoerstäMichkeit den geliehenen Schirm in den Ständer. „Was bringst Du denn da für einen Schirm
Aus den Reihen des kath. Gesellenoereins werden uns interessante Anregungen für den „Freiwilligen Arbeitsdienst" mitgeteilt. Wir veröffentlichen sie besonders deshalb, weil Diözesansenior Ksiensik gestern zum Lager der Freiwilligen Arbeitsdienst-Truppe, von der hier die Rede ist, abgereist ist, um für 20 Wochen die Leitung mitzuübernehmen. Hoffentlich können später seine Erfahrungen im Fuldaer Land praktisch ausgewertet werden.
Obwohl man in unserem Volke über die Zweckbestimmung des „Freiwilligen Arbeitsdienstes sehr geteilter Meinung ist, scheint sich der „Freiwillige Arbeitsdienst" an vielen Stellen schon erfolgreich durchgesetzt zu haben. Als vor Monaten die Verordnung über ihn herauskam, wurde er auch von der „Katholischen Jugend" sofort aufgegriffen und als „ein brauchbares Mittel" erkannt, „um brachliegende Arbeitskraft nutzbar zu machen." Der kath. Gesellenverein insbe- sondere, der ja durch jahrzehntelange „freiwillige Arbeit" seiner Mitglieder, für Volk und Staat stets so segensreich und „dienend" gewirkt hat, sieht sich veranlaßt, beim „Anpacken" mit an erster Stelle zu stehen. Tatsächlich ist man auch von Seiten des Gesellenoereins schon an vielen Orten mit der Durchführung größerer Projekte eifrig zugange. Das Kolpingsblatt brachte in seinen letzten Nummern ja auch schon, in Wort und Bild viele diesbezügliche Hinweise und Berichte. Hier an dieser Stelle möchte nun der Leiter eines größeren Freiwilligen Arbeitsdienstes in Westdeutschland, wo seit Ende September nahezu 50 junge Menschen beschäftigt sind, versuchen, etwas zu berichten und, gewonnene Eindrücke niederzulegen.
Was uns und den sich gemeldeten Arbeitsdienstwilli- gen schon vor Beginn den „Freiwilligen Arbeitsdienst" zu verleiden schien, das war der langweilige Instanzenweg, den unser Antrag aus den in Frage kommenden behördlichen Stellen erst gehen mußte. Fast zwei Monate hatte es gedauert, bis wir Bescheid erhielten, daß unsere geplante Arbeit als „volkswirtschaftlich wertvoll" und .zusätzlich" anerkannt fei. Wir konnten nun beginnen und auf „Michaelis", dem „ersten Mobilniachungstag", zog das erste Dutzend der Arbeitsdienstwilligen in echt jugendfroher Art in das „Dienstlager" ein. Die Zahl wurde von Tag zu Tag größer und allle kamen fteudig, obwohl sie genau
wußten, daß sie hier für die Mtündige wöchentliche Arbeitszeit nur Verpflegung, Unterkunft und ein geringes Taschengeld von 2 Mark zu erhoffen hatten.
Was trieb aber diese Jungens nun hierher zu dieser so wenig verlockenden Tätigkeit? — Der Beweggrund ist bei den meisten zweifellos darin zu sehen, daß sie es in ihrem gesunden Empfinden nicht mehr länger ertragen konnten, als kraftvolle junge Menschen einer dauernde n Untätigkeit preisgegeben zu sein. Es lebte in ihnen eine starke Sehnsucht nach sinnvoller Betätigung. Wenn bei vielen Anderen dieses Moment nicht so sehr als das Hauptentscheidende zu verzeichnen ist, dann ist ihr Kommen gewiß darin zu verstehen, daß manche junge Menschen gerne dabei sein möchten, wo es gilt, „etwas zu erleben". Wieder andere mag das Suchen nach ftoher und gleichgesinnter Gemeinschaft zu dem Enffchluß des „Mitmachens" geführt haben. — Aber wie sie nun auch alle hergekommen fein mögen, gleich, ob aus Köln, Esten, Münster, Koblenz, Boppard, Rösrath, Freilings- dorf, Heiligenstadt, Zittau, Breslau, Regensburg, Augsburg, Flieden und aus dem Sauerland; ob sie Maurer, Schreiner, Stellmacher, Maler, Elektriker, Installateur, Schlosser, Schmied, Bäcker, Feinmechaniker, Optiker, Techniker oder Kaufmann sind, sie alle waren sich schon bald darüber klar und einig, daß sie letzten Endes durch das gemeinsame Schicksal der heutigen Notzeit zusammengewürfelt wurden.
Daß die Arbeit, die in der Rodung von 40 Morgen Wald, Bachregulierung, Wiesen- meliora tion und sonstigen Bodenverbes- ferungen besteht, den meisten ein ungewohntes „Neuland der Tat" war, sollte wohl leicht verständlich fein. Trotzdem konnte man bald feststellen, daß nicht nur die handwerklichen Berufe, sondern auch die „Federfuchser" nach kurzen Anleitungen ganz gut mit Schippe, Axt und Hacke umzugehen verstehen. Die Tatsache, daß man freiwillig kam, ließ ja auch nicht zu, daß man fich blamierte.
Die Einwirkung der Arbeit auf die Teilnehmer war bei vielen verschieden. Einer, ein jühger Kaufmann, konnte bald beweisen, daß ejr jetzt auf einmal nicht nur Schwielen, sondern auch vernünftige Muskeln bekam. Andere, die schon über ein Jahr ihr Dasein durch ein dumpfes Dahinbrüten gestiftet hatten, machten nach
begleiteten. Am anderen Morgen ging es bann singend in die Kirche des nächsten Dorfes. Könnten wohl andere Jungen ihren Sonntag so schön mit Baden und Spielen verbringen? Konnten andere Jungen sich etwa ihr Mittagessen selbst auf Holzfeuer kochen?
Und Emil war das Herz so voll von all diesem Schönen, daß er immer wieder von feinen Fahrten und Erlebnissen erzählte. Kurt war ganz begeistert davon. Zu gern hätte er das alles in Wirklichkeit mit erlebt, aber feine Mutter war dagegen. Er solle sich lieber um seine Schularbeiten und um seine Schwester fünmmern, meinte st«.
Zum Glück hatte Kurt einen Onkel Oberförster, der einmal ganz plötzlich aus feiner Waldeinsamkeit zu Besuch kam. Es war ein redseliger alter Herr, der fabelhaft zu erzählen wußte von Habichten und Füchsen, von Wilderern und Waldbränden und ähnlichen Dingen. Und beim Thema Waldbrand erwähnte Onkel Oberförster einmal so ganz beiläufig, daß ihm vor einiger Zeit bei einem Waldbrand eine Gruppe „Wandervögel" tatkräftig beim Löschen geholfen hab« Er habe sie dafür zum Mittagessen eingeladen und großen Gefallen cm ihnen gefunden. Das wäre doch noch eine Jugend!
Kurt horchte auf und beichtete dem Onkel bei der nächsten Gelegenheit schleunigst seinen Herzenswunsch. Und der liebe, alte Onkel legte dann auch ein gutes Wort für Kurt ein. Da mußte die Mutter denn endlich klein beigeben. Kurt durste! Und zwar zunächst einen Monat zur Probe (in dem sich zeigen sollte, ob sich nicht doch noch ein gesundheitlicher Schaden ergäbe, meinte Kurts Vater!). Aber eine Bedingung stellte Kurts Mutter doch noch unerbittlich: Kurt müsse immer einen Regenschirm mitnehmen. Denn sie hatte eine entsetzliche Angst vor Regen und Naßwerden. .
Ein neuer Anfang.
Mit dieser Nummer geht das „Blatt der Jugend" in das vierte Jahr seines Bestehens. Es hat in diesen Jahren manchen Freund im Fuldaer Land gefunden, nicht zuletzt deshalb, weil es eine offene und furchtlose Sprache geführt und jeden gehört hat. Die Schriftleitung möchte nicht versäumen, allen Mitarbeitern für die Unterstützung zu danken und gleichzeitig die Bitte auszusprechen, mehr noch als seither das „Blatt der Jugend" als die Stelle zu betrachten, in der die geistige Arbeit und die Fragen und Forderungen der jungen Generationen ihren Niederschlag finden sollen.
Der Beginn eines neuen Jahres erfordert die Besinnung auf den Zweck und das Ziel eines besonderen Blattes für die Jugend des Fuldaer Landes. Die Schriftleitung hat es von Anfang an als ihre Aufgabe betrachtet, zu allen Fragen des kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Lebens vom Standpunkt der jungen Generationen Stellung zu nehmen und deren Auffassungen Gehör zu verschaffen. Dabei durfte nicht davor zu- rückgeschreckt werden, den Finger auf geheime und offene Wunden zu legen und, selbst auf die Gefahr hin, von den verschiedensten Seiten angefeindet zu werden, vorhandene Schwächen aufzuzeigen. Das soll weiter geschehen, nicht aus Bosheit, sondern um uns in die Lage zu versetzen, uns mit den modernen Strömungen auseinanderzusetzen, und um Kraft und Entschlossenheit für den Kampf um eine christliche Lebens- und Gesellschaftsordnung und um Deutschlands innere und äußere Freiheit zu gewinnen.
Mit dieser Einstellung und Gesinnung gehen wir ungebrochen in das Jahr 1932, das so große Entscheidungen für unser Volk und die ganze Menschheit bringt. Mit unseren, freilich bescheidenen Kräften wollen wir mit Gottes Hilfe ehrlich dahin streben, daß die Entscheidung zum Besten unseres Volkes und unserer heiligen Kirche ausfällt.
zu feiner Mutter und überließ sich gern und williq ihrer Einsicht.
Emil war in einem „jugendbewegten" Bund. Für ihn gab es nichts Schöneres, als schon am Samstagnachmit- tag mit feinet: Kameraden recht weit aus der Stadt fort an einen See oder einen Fluß zu marschieren, ein großes Zelt für alte aufzubauen und dann nach dem Abendessen trm warmen Feuer in der Nacht zu liegen, zuzuhören, was einer der Führer vorlas, oder die feinen Lieder mit- zusingen, die die Großen mit der Geige oder Klampfe
mit?" fragte ihn da die Mutter mit einem äußerst komischen Gesicht. „Geh mal gleich zu Vater rein!" Kurt fiel das Herz fast in die Hosen; nun kam alles raus!
Richtig, drinnen auf dem Schreibtisch lag der verlorene Schirm, und der Vater sah mit gestrengem Gesicht im Sessel. „Sage mal, lieber Kurt, wie kommt dieser Schirm hier in den hohlen Baum im Vordergarten von Sattler Braun?" fragt er. Aber ehe der verstörte Kurt noch etwas antworten kann, kommt die Mutter in die Stube und legt den zweiten Schirm noch hinzu mit dem Bemerken, daß Kurt ihn eben mit heimgebracht habe. Jetzt ist auch der Vater sprachlos.
Nach einstündigem Kreuzverhör hatten die Eltern alles herausgefragt. Kurt bekam noch Abendessen und wurde dann sofort ins Bett geschickt. Erst später erfuhr ,er, daß ein Straßenkehrer ihm beim Einstellen des Schirmes in den Baum beobachtet hatte, denselben her- ausgeholt und — da der Name dran war — bei Kurts Eltern wieder abgegeben hatte.
Inzwischen zog Kurts Vater nun, mit dem zweiten Regenschirm bewaffnet, zu Emils Eltern, um den „Bubenstreich" mit ihnen zu besprechen. — Emils Mutter hatte aber von ihrem Jungen schon den Sachverhalt gehört und sich auch ihrerseits vorgenommen, am nächsten Tage zu Kurts Eltern zu gehen. Nun war das ja nicht mehr nötig. Es gab an dem Abend ein langes und gründliches Gespräch über Jugenderziehung und das Ergebnis war, daß Kurt fortan auch ohne Regenschirm mit auf Fahrt gehen durste.
Da aber die neue Bekanntschaft Kurts Vater sehr gefiel, verkehren die beiden Familien jetzt ziemlich oft miteinander, und so hat auch Kurts kleine Schwester in den beiden Schwestern Emlls neue Spielgenossen gefunden. Eigentlich hat also die Geschichte mit dem versteckten Regenschirm doch sehr viel Gutes gestiftet. Hon« Reiff.
kurzer Zeit ebenfalls einen viel frischeren und lebendigeren Eindruck als am Anfang. Ein anderer intelligenter Junge, Optiker von Beruf, der durch seine lange Arbeitslosigkeit seelisch sehr deprimiert und religös gleichgültig geworden war, meinte, daß er durch die natür- schöne Umgebung und vor allen Dingen durch die regelmäßige Arbeit in der gleichgesinnten Gemeinschaft wieder ein ganz anderes Verhältnis zu seinem Herrgott bekommen habe. Derselbe Junge kam aber vor einigen Tagen wieder zu der Leitung und sagte, daß er, obwohl ihm der Arbeitsdienst von großem persönlichen Nutzen sei, in dieser augenblicklichen Tätigkeit doch nicht die letzte Befriedigung finden könne; er verliere immer mehr die Verbindung mit seinem Beruf, was sich für ihn nach längerer Zeit katastrophal auswirken könnte. Was tat er nun? Er ging in die Stadt und ruhte nicht eher, bis es ihm gelungen war, eine Volontärstelle zu erhaschen, wo seine berufliche Weiterbildung sicher stand.
Natürlich sind auch Manche dabei, bei denen es ziemliche lange zu dauern scheint, bis sie ein richtiges Verhältnis zu ihrer neuen Tätigkeit im Arbeitsdienst gefunden haben und all die Werte verspüren, die für Körper und Geist nun einmal in der Arbeit verborgen liegem Wieder andere, und deren sind es nicht wenige, erkennen heute schon im „Freiwilligen Arbeitsdienst" das Sprungbrett zu einem neuen Beruf. Dieselben haben nämlich schnell den Konnex mit dem Boden gefunden und haben sich entschlossen, da in ihrem Beruf doch wenig Aussichten bestehen, in die Landwirtschaft umzusatteln. Sie wollen, obwohl sie dabei jahrelang auf Alles verzichten müssen, und in Lebenshaltung usw. an den Urzustand der Menschheit erinnert werden, sich einmal irgendwo als Bauer an« siedeln. Diesen Menschen, die noch eine solche Kraft aufzubringen imstande sind, wird man besonders helfen müssen. Eine Hilfe wäre schon darin zu sehen, daß ihnen das Land, welches sie im Arbeitsdienst bearbeiten;. in irgendeiner Form zum Anstedeln sichergestellt würde. Der Arbeitseifer der Dienstwilligen würde dadurch bedeutend erhöht und dem „Freiwilligen Arbeitsdienst" wäre schon von vornherein ganz anderer Reiz gegeben. ।
Die Ausfüllung der Freizeit bekam nach | der Erfahrung einiger Wochen ihre feste Form, die nach, Ueberminbung kleiner Schwierigkeiten sich nun durchgesetzt hat. Die Führer der verschiedenen Gruppen treffen sich wöchentlich regelmäßig, um mit dem Leiter das I Wochenprogramm festzulegen, für dessen Durchführung । sie verantwortlich gemacht werde«. Jede Woche ist regelmäßig ein Abend für Musik und Gesang, ein Reli- gionsoortrag, Rechnen, Deutsch und sonstige Elementar- 1 fächer. Der Freitagabend bringt immer einen Vortrag, eines auswärtigen Redners, woran sich, wie auch an die Religionsvorträge, eine lebhafte Aussprache anschließt. ' Daß die Elementarkurse besonders begrüßt werden.' zeigt, daß die jungen Leute selbst einsehen, daß sie auf i diesem Gebiete noch „kriegsbeschädigt" sind. ,
Weil nun int „Freiwilligen Arbeitsdienst" bet, ganze Mensch erfaßt unb erzieherisch beeinflußt werben soll, barf auch bie religiöse Seite nicht zu kurz kommen. Deswegen ist nicht nut | ber wöchentliche Religionsvortrag, sondern auch noch, sonstige regelmäßig wiederkehrende religiöse Uebungen, wie gemeinsames Morgengebet mit anschließender heil. I Messe und gemeinsames Abendgebet. Der Samstag- j abend bringt eine stimmungsvolle Einführung des, Sonntags. Das Sonntagsevangelium gibt bie Grundlage zur Unterhaltung unb entsprechende religiöse Sie« ' ber helfen eine wirklich weihevolle Stimmung schaffen, i Ein Einkehrtag wirb noch befonbers für bas „Fest bes Friedens" vorbereiten. Es erweist sich ja auch als unbedingt notwendig, daß junge Menschen, die infolge lang- anhaltender Arbeitslosigkeit stets von einer radikalen Umwelt beeinflußt und von einer gewissen Verbitterung erfüllt find, durch solche Veranstaltungen wieder ihre richtige Weichenstellung bekommen.
Wenn nun auch ab und zu schon manchmal kleine „R e v o l u t i ö n ch e n" auszubrechen scheinen und bie | „Stimme bes Volkes" sich gegen so manche Anorbnung ber Leitung im ersten Augenblick etwas aufzulehnen versucht, — aus ber Psyche ber Arbeitslosen heraus ist bies leicht zu verstehen — so muß man doch sagen, daß bas Gemeinschaftsleben von einem gu« | ten Geist getragen ist. Die Schicksalsgemeinschaft ist zu einer Herzensgemeinschaft geworden und das dauernde Zusammenleben hat objektive Bindungen geschaffen, die dazu geführt haben, daß es heute schon jedem leid tut, wenn bie 20 Wochen Dienstzeit ab gelaufen ftnb. Aus biefer Gemeinschaft, in welcher nicht nur eifrig gearbeitet wird, fonbern auch all bie Dinge bes Lebens angepackt werben unb Menschen roieber einmal froh werben können, kann ein Teilnehmer viel Kraft für feinen Lebenskampf herausholen. Das ist bie Meinung aller, bie bisse unsere eigenartige Schule int Augenblick absolvieren.
Von manchen Seiten wird ja nun auch die Auffassung vertreten, daß durch den „Freiwilligen Arbeits-
Os f e n h e i t gesprochen werden, damit der Sache damit gedient wird. Da es sich um Laienspiele handelt, würde die Wertung der Darsteller vollständig zurücktreten und die Frage nach der richtigen Stückwahl oder dem Leitgedanken der Veranstaltung die Kritik beherrschen. Nur so fft furchtbarer Aufbau möglich. Auch die Frage, wie sich das Rahmenwerk, etwa Musikdarbietungen, in das Gesamtbild einfügen, müßte besprochen werden.
Man könnte annehmen, daß in meinen Ausführungen der gesamte Fragekreis zu ernst genommen fei. Aber es zeugt bereis von unserer geistigen Verflachung, daß wir all diese Dinge zu wenig ernst nehmen. Erft ein veredelter Baum trägt edle Früchte. So ist es auch
Vereinsleitung unb Spielleitung haften gleicherweise für den Wert bes Theaterabends. Das gute Theater ist nicht mehr bloße Unterhaltung, es ist seelischer Wert. Hierin muß seine Aufgabe gesehen werden. Wir haben ernste Versuche, die sich um ein Einordnen ber Veranstaltungen in bie geistige Welt bes Volkes mühen. Was einst unbewußt geschah, muß heute auf bem Weg ber Bewußtheit roieber gewonnen werben. Werke des Bühnenvolks- bunbes ringen barum. Ich nenne bas „Buch von Fest unb Feier" von Bruno Safowski; „Das Laien- fpielbuch" unb „Das Taschenbuch für Laienspieler" aus bem gleichen Verlag. Aus bem Verlag bes Borromäusvereins zu Bonn sei bas Buch von Zimmermann: „Vorlese st unben unb Volksbil- bungsabenbe" hinzugefügt. Aber was nützen diese Bücher, wenn sie nicht gelesen und angewendet werden.
Es gibt nun einmal eine Reihe von Menschen, die fich nicht erfaffen lassen. Damit wir nun aber vorn Spielkitsch immer mehr loskommen, seien einige Vorschläge gemocht. Wir haben die schönen Organisationen mit den Bezirkspräsides. Wie wäre es, wenn in jedem Bezirk ein Spielberater wäre, nicht hauptamtlich gewählt ober ernannt, fonbern ein wirklicher Berater, ber Liebe unb Verftänbnis für bie Sache hat. Ober noch besser, wir brauchen auch biefen nicht, fonbern in gemeinsamer Arbeit werben von ben Spielleitern, bie Brauchbares geleistet haben, die wertvollen Stücke mit einer kurzen Charakteristik an bie Schriftleitung unseres Jugenbblattes geschickt, bort gesammelt unb dann als Spielfalenöer von Zeit zu Zeit veröffentlicht. Auf solche Weise betont» men wir gewiß eine Liste, die für unsere Verhältnisse gutrifft. Bei der Angabe und Charakteristik der gespieltem Stücke kann jede Anspielung auf den Ort und Ver- ein ber Aufführung unterbleiben, so baß irgendwelcher Eitelkeit vorgebeugt wirb. Auch Programme von Ver- anftaltungen unb Feiern, bie kein Theaterspiel brachten, können so rein sachlich wiedergegeben werben. Nur müßten auch alle Spielleiter mttmachen unb sich nicht brücken.
Noch eine letzte Frage sei aufgegriffen, die nach der
Kritik des Theaterabends.
Wir fenpen bie üble Berichterstattung nur allzu wohl, bte ein Beteiligter ober ein Freund bes Vereins schrieb, ©a heißt es bann: „Am vergangenen Sonntag veran- ftaltete unser. . .-Verein eine burchaus gelungene Theatervorstellung. Der Spielleiter hatte sich alle Mühe gegeben, in zahlreichen, mühseligen Proben seine Schar hevanzubilden. Mer auch bie Jungen haben wacker ge- arbeltet unb erfreuten allgemein burch ihr flottes Spiel".
netter tyei xiunge. yur je in
h _er 5u Hause sehr schüchtern, in der Schule unb raße srelich pflegte er nicht sehr bescheiden zu !!"■ _ e,m be[ter Freund in der Schule war Emil, nicht ffmif fr-l£n ,m 9ted>nen und Deutsch abgucken ließ. Emil war kräftig unb braun und — mächtig Helle. Die beiden Freunde steckten immerfort zusammen. Nur Sonn» kjic|ftur* mächtig langweilen, denn bann war emrf me zu Hause. Unb wenn auch Kurts Eltern ge- legentlich einmal am Sonntag nachmittag einen Ausflug mit ihm machten, fo war damit doch nichts geholfen. Denn dann ging die ganze Familie nach Maberzell, unb do» wurde m einem Gartenlokal Kaffee getrunken.
Emil hatte sogar zwei jüngere Schwestern, wurde aber niemals gezwungen, sich um pe jU Zimmern. Dafür tat er es barnt freilich ab unb zu aus freien Stücken, wenn es ihm gerabe mal Spaß machte. Ueberhaupt war Emil zuhause ein ziemlich freier Mann. Eigentlich durste er machen, was er wollte. Das heißt, feine Mutter zeigte und erklärte ihm einfach die Licht- und Schattenseiten ber Dinge und ließ ihn dann gewöhnlich selbst entscheiden. Aber gewissermaßen als Dank dafür, daß man ihm Vertrauen schenkte, hatte auch Emll unbegrenztes Vertrauen