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Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Nr. 4

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt I im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag I der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- I :: leitunq 3153 Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. :: |

Mittwoch, 6. Januar 1932.

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3ol)tg. 59.

Die deutsche Front.

Zwei Schicksalsfragen stehen in den kommen­den Wochen Mr Entscheidung: das Ende der Re­parationen und Gleichberechtigung Deutschlands in der Abrüstung.

Sie können nur im deutschen Sinne entschieden werden, wenn das deutsche Volk sich kraftvoll .zu­sammenschließt in einer deutschen Front. Die deutsche Einigkeit, das deutsche Selbstbewußtsein, die deutsche Selbstachtung müssen in allen Volks­schichten jetzt lebendig werden, da wir bei den kom­menden schicksalsschweren Verhandlungen nur auf die eigene Kraft uns verlassen und einstellen dür­fen.

1932 ist für uns Deutsche das Goethe-Jahr. Nehmen wir uns deshalb jene unvergeßlichen und unvergänglichen Dichterworte zum Leitmotiv: Feiger Gedanken bängliches Schwanken, Wei­bisches Zagen Aengstliches Klagen Wendet kein Elend, Macht dich nicht frei.--Allen

Gewalten Zum Trutz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen, Rufet die Arme der Götter herbei."

Ein Blick auf die ruhmreiche und ebenso schick­salsreiche Vergangenheit unseres Vaterlandes lehrt es uns doch, daß wir immer dann unser Schicksal bezwangen, immer dann uns nach Leidensjahren die Freiheit errangen, wenn wir in Not- und Ge­fahrzeit, in Stunden höchster Gefahren einig blie­ben, zusammenhielten.

Heute kämpfen wir wieder einen ungemein schweren Daseinskampf. Haben wir die deutsche Front? Ist der Wille zur Einigkeit in uns le­bendig genug, um persönliches Machtstreben, Stan­des- und Eigendünkel, politische Selbstsucht sieghaft M überwinden? Haben wir die Führung, zi'elfest und zielstark, verantwortungsbewußt und mit un­beugsamem Mut erfüllt?

Die erste Frage ist noch nicht mit einem glatten Ja zu beantworten. Aber die Stunde ist gekom­men, in der sich alle Führer in der Politik, Wirt­schaft, wie überhaupt im öffentlichen Leben klar entscheiden müssen, ob sie das Vaterland höher stel­len als chre Person und Partei oder ihre Organi­sation. Sie müssen zu der Erkenntnis kommen, daß sie sich geschlossen und uneigennützig hinter eine Regierung zu stellen haben, welche deutsche Lebensinteressen vertritt, deutsches Schicksal, deut­sches Recht, welche die deutsche Freiheit erkämpft.

Wir haben diese Regierung, diese Führung. Sie hat aller Welt erklärt, daß es nur noch ein Ziel geben kann und darf, Deutschland von den Reparationen zu befreien und Deutschlands Gleich­berechtigung auch in der Wehrfrage zu erringen.

So stellen sich uns heute die deutschen Schick­salsfragen deutlich dar. Wir können sie jedoch nur ;nt deutschen Sinne lösen, wenn sich eine deutsche Front bildet, die nur das Volk und das Nationale kennt, die sich von Parteiklammern löst, dafür tat­entschlossen und opferbereit sich hinter die natio­nalen Forderungen dieser Regierung stellt, damit diese Regierung in dem kommenden schweren Rin­gen jene Stärkung erfährt, deren sie bedarf, da­mit das Ausland das deutsche Recht anerkennt, den deutschen Forderungen in allem und für alle Zei­ten gerecht wird. Würde diese deutsche Front nicht kommen, dürften wir sicher sein, daß das Ausland über unser Recht und unser Schicksal wieder ein­mal hinwegschreitet.

Was sind heute Sonderwünsche, wenn es na­tionales Gesamtgut, nationales Gesamtrecht zu verteidigen und zu erhalten gilt. Mögen in höch­ster Notzeit die Führer des Volkes nicht versagen, mögen sie Trennendes zurückstellen, dafür das Eini­gende betonen, mögen sie jene politische Einsicht an den Tag legen, daß Wünsche Träume bleiben, wenn mir nicht mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Tatsachen stehen, das Reale dem Ex­perimentieren voranstellen.

Deutschlands Schicksal ruft! Das Vaterland über die Partei; Schließung der deutschen Front: das ist die Parole des Volkes und der Nation!

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Berlin, 5. Januar. (Eig. Meld.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den Herrn Reichskanzler zum Vortrag.

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,.. Reichstagspräsident Lobe hat den Aeltestenrat für Dienstag, den 12. Januar zur Entschei- oung über den kommunistischen Einberufungsan­trag zu einer Sitzung einberufen.

. 5. Januar. (Eig. Meld.) Wie

das Nachrichtenbüro des VDZ. meldet, tritt die Reichstagssraktton der Wirtschaftspartei am kom­menden Freitag tnt Reichstagsgebäude zusammen, um M dem neuen Antrag der Kommunisten cmff Einberufung des Reichstagsplenums Stellung zu nehmen. Die Wirtschaftspartei hatte in ihrer letz­ten Frakttonssttzung vor der Weihnachtspame die damals geforderte Reichstagseinberufung abgelehnt, zugleich aber ausgesprochen, daß sie im Januar, falls dann die außenpolitischen Fragen zu einer gewissen Entscheidung gediehen seien, für eine Reichstagseinberufung eintreten werde. Wie dem Nachrichtenbüro nun in maßgebenden Kreisen der Wirtschaftspartei gesagt wird, dürfte die Reichs­tagsfraktion am Freitag die Meinung bekunden, daß die außenpolitische Lage zur Zeit eine Reichs­tagseinberufung unmöglich mache. Die Frak­tion werde daher auch diesmal gegen die frühere Einberufung des Plenums im Aeltestenrat am 12. Januar stimmen.

In Kreisen der Deutschen Volkspartei wird dem Nachrichtenbüro erklärt, daß die Deut­sche Dolkspartei bisher keine besondere Fraktions­sitzung .über chre Stellungnahme zur vorzeitigen Reichstagseinberufung eingesetzt habe. Auch bei der Deutschen Volkspartei dürfte sich die Meinung durchsetzen, daß Plenarverhandlungen des Reichstages im Januar nicht er­wünscht seien.

England und die Reparakions-Konserenz.

Einflußreiche Finanzkreise für Vertagung der Entscheidung bis zum Sommer? 3 jähriges Moratorium unzulänglich.

C. N. B. London, 5. Jan. (Eig. Meld.) Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph schreibt:

Es verlautet, daß der Kabinettsausschuß für das Reparationsproblem morgen zusammentreten wird, um die Grundlagen festzusetzen, auf denen Leth-Roß seine Verhandlungen mit dem franzö­sischen Schatzamt wieder aufnehmen soll. Während des Wochenendes haben der Premierminister und die anderen 'Minister des Kabinettausschusfes eine Denkschrift geprüft, die die Anempfehlungen der britischen Schatzamtssachverständigen enthält. Der Korrespondent erwähnt dann Gerüchte, wonach in einem der mächtigsten Kreise der Bankwelt" dafür eingetreten werde, daß man fn Lausanne nicht versuche, auch nur eine provisorische Lösung des Reparationsproblems zu erreichen. Die Kon­ferenz sollte sich nach Ansicht der betreffenden Bank vielmehr damit begnügen, gewisse Möglichkeiten zu untersuchen, die der Baseler Sachverständigenbe­richt bietet und sich dann bis zum Sommer vertagen. Im Sommer würde die Atmosphäre g ü n st i g e r für eine umfassende und dauerhafte Regelung sein.

Schließlich werde noch erklärt, daß ein drei­jähriges Moratorium, von dem jetzt ge­sprochen werde, weder für das Bedürf­nis Deutschlands noch für das der F i- nanzm'ärkte der Welt genügen würde.

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wtb. New Port, 5. Jan. (Eig. Meld.) Der amerikanische Unterstaatssekretär Castle erklärte in einer Ansprache, Amerika werde maßgebenden An­teil an der Abrüstungskonferenz nehmen. Das Abrüstungsproblem wäre gelöst, wenn an­dere Länder ihre Armeen fm Verhältnis ihrer Bevölkernn!g auf den Stand Amerikas reduzierten, wo man die Armee auf den Umfang einer Polizeitruppe vermindert habe. Die Theorie der Sicherheit durch gegenseitige Unterstützung sei unklar. Sie werde sich wahr­scheinlich niemals in klaren Begriffen ausdrücken lassen. Castle erklärte ferner: Wir müssen der Führung Hoovers folgen, im Streben nach freundschaftlicher internationaler Verständigung, die überall zur Rüstungs­einschränkung, zum ungehinderten Warenverkeh r und zur Linderung der Notlage führen wird, was Wohlstand und Welt­frieden bedeutet. Deutschlands Loge,schloß Castle, sei noch immer verzweifelt. Es liege nun bei Deutschland, einen Plan auszuarbeiten und sich selbst zu helfen. Amerika habe ihm nur eine Atempause gegeben.

Weg mit den Tributen!

Frankreichs größtes radikales Provinzblatt fordert endgültig Streichung der deutschen Schulden.

Depeche de Toulouse, das größte französische Provinzblatt radikaler Färbung, veröffentlicht ei­nen Artikel aus der Feder ihres politischen Direk­tors Arthur Huc, der der französischen Regierung empfiehlt, Deutschland die Schulden endgültig und re st los zu erlassen. Wir würden, be­gründet Huc diesen Vorschlag, nicht nur bei einer endgültigen Schuldenstreichung nichts verlieren, sondern zweifellos dadurch gewinnen, daß mir die Forderungen des großen Publikums in Deutschland entwaffnen und damit Hitler sein Wahlsprungbrett nehmen. Deutschland durchschreitet eine Periode unbestreitbarer Not. Deutschland hat nicht, wie man behauptet, sein Elend organisiert. Die Hitler- leute haben die Wählermassen davon überzeugt, daß die Reparationen, die nur 12 Prozent der budgetären Reichsausgaben ausmacben. hie ein-h verabscheuungswürdige Ursache der deutschen Not­lage seien. Nehmt Hitler dieses Argument und dann werdet ihr ihm drei Viertel seiner Anhänger entziehen. Er habe oft behauptet, daß es zwei

Deutschland gebe, eines, das noch in der Vergan­genheit lebe, und ein anderes, das bemerkt habe, daß Kriege sich nicht bezahlt machen und eine Annäherung Frankreichs und Deutsch­lands eine Aera des Friedens und der gegenseiti­gen Prosperität einleiten würde. Man müsse zu­geben, daß das erste dieser beiden Deutschland Fortschritte mache, während das letztere, das bessere, im Zurückschreiten begriffen sei.Haben mir um Europas und unserer Selbst millen nicht ein Interesse daran, die beste Karte in das Spiel des Deutschland $u tun, das sich meigert, sich in ein Abenteuer zu stürzen?"

Die Stillhalkeverhandlungen von den Beschlüssen der Tributkonferenz abhängig.

Sowohl der Pariser, als auch der Berliner Kor­respondent derTimes" berichten, daß die an den Stillhalteverhandlungen beteiligten ausländischen Ausschüsse sich Wege offenhalten wollen, um die Sicherstellung ihrer Forderungen durch die Tri­butkonferenz' zu ermöglichen. Verschiedene Anzei­chen deuten darauf hin, daß die Bankiers vor die­ser Konferenz kein endgültiges Abkommen unter­zeichnen würden. Sie mürben stets den Standpunkt einnehmen, daß ein solches Abkommen von der Regelung gewisser Punkte auf der Tributkonferenz abhängig sei und nur für einige Monate in Kraft bleiben könne, sofern es nicht auf einer späteren Tagung nochmals ausdrücklich bestätigt werde.

Der Zoungplan völlig unbrauchbar.

Der Berichtsentwurf Sir Walter Laytons, der von dem Baseler Sonderausschuß nicht veröffent­licht wurde, betont, wieDaily Herold" erfährt, der Poungplan fei völlig unbrauchbar geworden und könne nicht durchgeführt werden. Die Verlänge­rung des Moratoriums genüge nicht, sondern es sei eine vollständige Außerkraftsetzung und radi­kale Aenderung des Poungplanes notwendig. Die Wiederaufnahme der Poungplanzahlungen sei in absehbarer Zeit gänzlich unmöglich. Deutsch­land könne nicht einmal die geschützten Zahlungen zusammenbringen und von einem Transfer könne keine Rede sein. Der Laytonbericht fordert ferner eine dauernde Regelung, sodaß die freie Kapitalverwendung wieder einsetzen und die Frage einer internationalen Währungsreform bearbeitet werden kann.

Philipp Berthelot,

Unterstaatssekretär im französischen Außen­ministerium. ,

Der Unterstaatssekretär im französischen Außen­ministerium, Berthelot, hat sich nach London be­geben, wo er angeblich Verhandlungen über die geplante Zusammenkunft zwischen Macdonald und Laval führte.

Frankreichs Außenpolitik.

Von Reichsminister a. D. Dr. B e 11, R. d. R.

Am 18. Januar 1919 hielt der französische Ministerpräsident Poincare zur Eröffnung der Friedenskonferenz eine Rede, die folgende charakte­ristische Wendungen enchielt:

Wir werden nur Gerechtigkeit suchen, die nie­manden bevorzugt, Gerechtigkeit in den territoria­len Fragen, Gerechtigkeit in den finanziellen Fra­gen, Gerechtigkeit in den wirtschaftlichen Fragen. Gerechtigkeit schließt die Träume von Eroberung und Imperialismus aus, die Mißachtung des Wilkens der Nationen, den willkürlichen Austausch von Provinzen zwischen den Staaten, als wären die Menschen lediglich Gegenstände oder Figuren in einem Schachspiel. Die Zeit ist vorbei, daß die Diplomaten zusammenkamen und vom grünen Tisch aus die Karten der Länder nach ihrem eige­nen Willen ändern konnten. Wenn die Karte ge­ändert werden muß, so soll es geschehen im Namen der Völker und unter der Bedingung, daß ihre Wünsche aufrichtig ausgelegt werden, sodaß die Rechte der Völker, der kleinen sowohl wie der gro­ßen, geachtet werden, daß es ihnen gestattet ist, über sich selbst zu bestimmen, und daß dieses Recht zusammenstimmt mit dem anderen, ebenso heili­gen Recht der ethischen und religiösen Minder­heiten."

Das war die Ouvertüre zu der schaurigen Oper, die dann in mehreren Akten auf der Weltbühne inszeniert wurde. Recht und Gerechtigkeit, Frei­heit und Selbstbestimmungsrecht aller Völker: spotten ihrer selbst und wissen nicht wie". Wel­chen Ausklang diese wundersam klingenden Zau- hertöne landen, das gellt uns heute noch m den

Ohren, das muß heute noch in der grauenvollen Erinnerung jeden fühlenden Menschen mit Schrecken erfüllen. Zwangsdiktate von Versailles, Trianon und St. Germain, unter unerhörtem Druck er­preßte Schuldbekenntnisse, Wegnahme von Volk und Land mit lebensnotwendigen Rohstoffgebie­ten, Raub der Kolonien, Mantelnote und Londo­ner Ultimatum, Sanktionen und Ruhr-Einbruch: das sind bezeichnende Beispiele dafür, wie man schöne Worte in die Tat umzusetzen verstand.

Der damaligen Rede Poincares, die von Ge- rechttgkeit und 'Freiheit überfloß, folgten int Laufe der Jahre noch zahlreiche andere Kundgebungen, die auf den gleichen Ton der Versöhnung und des gerechten Ausgleichs aller Standesinteressen gestimmt waren. Solche Friedensschalmeien aber, die nur Rauch und Schall bedeuteten, und zu denen die Taten in grellem Kontrast standen, er­innerten unwillkürlich an das Faustwort: 5a, eure Reden, die so blinkend sind, In denen ihr der Menschheit Schnitzel kräuselt, Sind unerguicklich wie der Nebelwand, Der herbstlich durch die dünnen Blätter säuselt."

Freilich, Poincare ist nicht Frankreich, wenig­stens heute nicht mehr. Die Zeitenwende ist auch an Frankreich nicht spurlos vorübergegangen. Be­deutsame Anzeichen sprechen dafür, 'daß die Ent­giftung der Weltatmosphäre sich auch auf die französische Bevölkerung erstreckt. Wo immer wir bei unserem westlichen Nachbarn dem aufrichtigen Willen begegnen, ehrliche Gedanken der Versöh­nung und Verständigung nicht nur in wohlklin­gende Worte zu kleiden, sondern sie auch in opfer- kräftige Taten umzusetzen, da werden wir allemal fteundnachbarsich zur zielstrebigen Eemeinschasts- arbeit bereit sein. Gerade weil wir in voller

Uebereinstimmung mit Präsident Hoover und Sena­tor Borah, aber auch mit den wahren Friedens­freunden aus zahlreichen anderen Ländern, der Ueberzeugung leben, daß das Kernstück der Befrie­dung Europas und der mit der befriedigenden Lösung der verheerenden Weltwirtschafts-, Welt- sinanz- und Weltkredit-Krisen in unlösbarem Zu­sammenhang stehenden Reparationsfragen und in­ternattonalen Schuldenprobleme die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland ist, müssen wir alle diejenigen, die uns gegenüber die Notwendig­keit der deutsch-französischen Verständigung beto­nen, auf das unabweisbare Pflichtgebot der Ge­genseitigkeit und der Gleichberechtigung Hinweisen, Getragen von dem gewissenhaften Verständi­gungsgedanken und von der erhabenen Idee der freiheitlichen Aufbauentwicklung gleichgestellter und gleich-gesicherter Nationen soll der vorliegende Ar­tikel dem Zwecke der Aufklärung dienen und im versönlichen Sinne dazu beitragen, die zu einer Verständigung heute noch entgegenstehenden Hemm­nisse und'Erschwerungen zu erkennen und tunlichst aus dem Wege zu räumen. Wir und auch das Ausland müßen mit klarem Wirklichkeitsblick die Dinge so sehen, wie sie sind, nicht, wie man sie gern sehen möchte. Nüchterne Realpolitik, die sich von überschwenglichem Optimismus gleichermaßen fernhält, wie von tatenlosem Pessimismus: das ist das Gebot der Stunde.

Betrachtet man freilich in diesem Sinne die Jahresbilanz der französischen Politik, so wird man bei Gegenüberstellung der Passivposten, die sich

Ruhrftreik ab geblasen.

Pollständiger Mißerfolg der kommunistischen Streikhehc.

mtb. Essen, 5. Jan. (Eig. Meld.) Nachdem be­reits gestern die Mittagsschickit fast vollständig an­gefahren war, wird heute früh aus den einzelnen Bezirken über vollkommene Ruhe berich­tet. Abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen fuhren die Arbeiter aus den einzelnen Schacht­anlagen volländig an. Aus dem Recklinghäuser Bezirk wird gemeldet, daß dort die R.E.O. den Streik abgeblasen hat.

Sabotage auf einet Draunkohlenzeche.

Im allgemeinen ist die Streikbewegung auch im rheinischen Vraunkohlenrevier ohne erhebliche Zwischenfälle verlaufen. Nur in der Horre- m er Brikettsabrik haben in der vergan­genen Nackt einige Leute versucht, der Streik­parole dadurch Wirksamkeit zu verschaffen, daß sie die Maschinen mit Spitzhacken zer­störten.

Streikheher vor dem Schnelltichker.

Vor dem Schnellrichter in Gelsenkirchen hatten sich mehrere Streikhetzer zu verantworten, die sich auf einer Werkversommlung den polizei­lichen Anordnungen widersetzt hatten. Der kom­munistische .Reichstagsabgeordnete Frank, Berlin, wurde 311 drei Monaten einer Woche Gefängnis verurteilt. Zwei weitere Angeklagte erhielten je drei Wochen Ge­fängnis.

Auch in Recklinghausen wurden zwei Kommunisten zu je sechs Wochen Gefängnis ver­urteilt, weil sie kommunistische Flugblätter ver­teilt hatten.

Die russischen Drahtzieher.

Die Streikversuche im Ruhrgebiet wurden in Moskau mit größtem Interesse verfolgt. Die Streiklosung, die von der KPD. und der RGO. ausgegeben wurde, stammt vom Vollzugsausschuß der kommunistischen Gewerkschaftsinternationale. Die Streikbewegung sollte nicht nur im Ruhr­gebiet, sondern auch in anderen Industriegebieten Deutschlands durchgeführt werden.

in der Auswertung ihrer finanziellen Vormacht- stellung auf die Entwicklung der Finanz- und Kre- ditttise, auf die Gestaltung der Reparationen und internationalen Schuldenprobleme ergeben, mit ihren als Aktivposten zu buchenden prattischen Lösungen beitragen, schwerlich zu einem aktiven Befriedungs­saldo kommen. Liegt der Schwerpunkt der franzö­sischen Politik nach wie vor in der Reparationsfrage und stoßen wir dabei noch immer auf das zähe Bestreben, durch restlose Ausnutzung der starken militärischen und finanziellen Vormachtstellung die ständig gefteigerte Weltisolierung zu überwinden, und die Sicherung des starren Systems des sta- tus quo zu sanktionieren, so bleibt es für uns das Gebot der Selbsterhaltung, zur Wahrung unserer nationalen Ehre und Weltgeltung, demgegenüber vor der Weltöffentlichkeit den Standpunkt des Rech­tes und der Gerechtigkeit zu vertreten.

Während die Zielrichtung der ftanzösischen Au­ßenpolitik bisher erweislich dahin ging, zur Recht­fertigung des unseligen und das größte Friedens- Hindernis bildenden Versailler Zwangsdiktates sich zu berufen auf die in unlösbarem Zusammenhang stehenden Bestimmungen des Att. 231 und der Mantelnote, sowie des Ultimatums, glaubt man jetzt angesichts des unverkennbaren Umschwungs in der Weltstimmung und im Hinblick auf die be­vorstehenden internationalen Verhandlungen einen Systemwechsel und eine veränderte Taktik ein- schlagen zu sollen. Aus der int Artikel 231 im Zusammenhang mit Mantelnote und Ultimatum verankertenmoralischen Verantwortlichkeit der Mittelmächte" (moral responsibility) und aus ihrer Alleinschuld am Weltkrieg sucht gerade Frankreich unter Mißachtung des feierlich verkündeten Selbst­bestimmungsrechtes der Nationen und der verein­barten allgemeinen Abrüstung die ungeheuerlich­stenFriedens"-Bedingungen gegen Deutschland, Wegnahme von Land und Volk, Entwaffnung, Kolonialraub, maßlose Tributlasten, zu rechtferti-