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Nr 2.

Die Reichs-Aluchtsteuer.

Die Maßnahmen der vierten Notverordnung bedingen nicht nur wegen ihrer weittragenden Be­deutung der Durchführungsbestimmungen, sondern auch vielfach der Ergänzungsbeslimmungen, sowie der Einzelerlasfe Auch aur Erhebung der Reichs- Fluchtsteuei. ist vom Reichsfinan,Ministerium ein solcher EMß herausqeqeben worden, der vor allen: die Befreiungsvorschriften erläutert.

Nur die Personen können zur Reichs-Flucht- steuer hcrangezogen werden, welche am 1. Januar 1928 oder am 1. Januar 1931 steuerpflichtiges Vermögen von mehr als 200 000 RM. gehabt, oder die in dem Steuerabschnitt, der im Kalender- sahr 1931 endigt, oder in einem der beiden voran­gegangenen Steuerabschnitte steuerpflichtiges Ein­kommen von mehr als 200 000 RM. gehabt haben.

Im Zusammenhang mit den Befreiungsvor- schri'ten ist die Frage aufgeworfen worden, wie minderjährige Söhne und Töchter zu behandeln sind, welche ins Ausland gehen, sofern das Ver. mögen oder Einkommen der Eltern die vorgesehene Grenze übersteigt, d. h. wenn die Eltern für ihre Person im Falle ihrer Auswanderung mit Rück­sicht auf die Höhe ihres Vermögens oder Einkom­mens der Reichs-Fluchtsteuer unterliegen würden.

Zunächst scheiden alle Fälle aus, in denen ein Sohn (oder eine Tochter) als €>tubent, Volontär, Lehrling und dergleichen sich vorübergehend ins Ausland begibt. In diesem Fall wird der Wohn­sitz im Inland beibehalten.

Begründet dagegen ein minderjähriges Kind (mit Willen seines gesetzlichen Vertreters) seinen Wohnsitz, im Ausland, in dem z. B. das Kind dort eine bezahlte Stellung annimmt, aus dem es seinen Lebensunterhalt bestreitet, so ist folgendes zu be­achten:

Das Vermögen von Eltern und Kindern wird niemals zusammengerechnet. Die 200 000 Mark- Grenze ist also lediglich auf das dem Kinde ge­hörige Vermögen abzustellen.

Das Einkommen von Kindern wird, wenn es nicht unmittelbar kraft des Nutzniehungsrechtes Einkommen des Vaters ist, mit dem der Eltern zusammengerechnet, solange das Kind minderjäh­rig ist und zur Haushaltung des Haushaltunasvor- standes zählt. Auch hier unterbleibt jedoch die Zusammenrcchnung der Einkünfte, welche das minderjährige Kind aus selbständiger Berufstätig­keit und aus nichtselbständiger Arbeit (Arbeits­lohn) bezieht.

Es ist angefragt worden, ob das Vermögen nach dem Stande vom 1. Januar 1928 oder vom 1. Januar 1931 für die Reichs-Fluchtsteuer zu­grundezulegen ist. Maßgebend ist das Gesamtver­mögen, das durch den letzten dem Steuerpflichti­gen vor dem Wegzug zugegangenen Vermögens­steuerbescheid festgestellt worden ist. In den Fäl­len, in denen jemand bereits ausgewandert ist, wird regelmäßig das Vermögen vom 1. Januar 1928 maßgebend sein In den Fällen, in denen jemand erst in Zukunft auswandert, kommt es darauf an, ob der Auswanderer vor oder nach Er­halt des Vermögenssteuerbescheides 1931 seinen in­ländischen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt Im ersten Falle ist das Vermögen vom 1. Jaguar 1928, im zweiten Falle das Vermögen vom 1. Januar 1931 der Bemessung der Reichs- Fluchtsteuer zugrundezulegen.

DrkehrsMgaug in öet Ainerikafahrl.

Die außerordentliche Verschlechterung der Wirt­schaftslage mußte naturgemäß auch den Verkehr zwischen Europa und den Vereinigten Staaten im stärksten Maße in Mitleidenschaft ziehen. Schon im Vorjahre war die Anzahl der in beiden Rich­tungen beförderten Reisenden gegenüber dem Jahre 1929 um fünf bis sechs v. H. zurückgegan­gen. Dieser Rückgang hat sich im verflossenen Jahr« nun noch ganz außerordentlich gesteigert, wurden doch um ein volles Drittel weniger Fahrgäste befördert als 1930. Denn wäh­rend in den ersten elf Monaten 1930 noch beinahe eine Million Reisende den Atlantik überquerten (die von italienischen Linien beförderten sind nicht mit eingerechnet), belief sich die entsprechende Zahl 1931 nur noch auf rund 650 000. Die Gründe für diese Derkehrsschrumpfung sind mehrfacher Art.

Fuldaer Zeitung (Amtliches kreisblatt)

Sonntag, den 3. Januar.

liniere Ausgaben im neuen Mr.

Von Reichsarbeitsminister Dr h c. Stegerwald.

Die zunehmende Geldknappheit macht Vergnü­gungsreisen auch zur See beinahe unmöglich, was sich vornehmlich in den Kajütsklassen auswirkt. Noch stärker ins Gewicht fällt indessen der fast völ­lige Stillstand der europäischen Auswande­rung nach den Vereinigten Staaten, die einst den wichtigsten Einnahmeposten der Passagier­dampfer bildete. Ein nur geringer Ausgleich fin­det sich in der Zunahme der Reisenden der dritten Klasse in der West-Ostrichtung, die sich dadurch er­klärt, daß infolge der schlechten Wirtschaftslage in den Vereinigten Staaten und Kanada viele ehe­malige Auswanderer in die alte Heimat zurück­kehren. Erfreulich ist, daß die deutschen Li­nien, wenn die Zahl der beförderten Reisenden natürlich auch bei ihnen zurückging, doch anteils­mäßig gegenüber den fremden einen Zuwachs zu verzeichnen haben.

Im Anblick der Ereignisse, die sich vor unseren Äugen abspielen, wo infolge der großen Arbeits­losigkeit und ihrer schlimmen Wirkungen weiteste Kreise des Volkes von einer tiefen Ünzufrieden- heit ergriffen find weil die furchtbare Wirt^chafts- not Millionen einen schweren Kampf um d'e Er­haltung des eigenen Lebens aufzwingt, ist man versucht zu glauben, daß es für das deutsche Volk keinen Ausweg aus der Krise gibt, daß alle Opfer, die vom deutschen Volke bisher verlangt worden sind und auch im neuen Jahre verlangt werden müssen, umsonst gebracht seien.

Aus dieser Stimmung heraus wird an den Maß­

nahmen und Taten der jeweiligen Regierung ost eine scharfe und unerbittliche Kritik geübt. Im­mer wieder ertönt der Ruf, den Platz frei zu ma­chen für die Männer, die in letzter Stunde noch Volk und Staat vor dem Untergang retten sollen.

Fragt man aber, wie die neuen Männer di« bessere Zeit herbeiführen wollen, dann hört man statt konkreter Angaben über deren Ziele und Ar­beit nur Phrastn und allgemeines Gerede. Und das läßt sich zum Teil daraus erklären: daß dis Aufgaben und Probleme vor die sich die Regie- rung gestellt sieht, so verwickelt sind, daß nicht jeder ihre volle Bedeutung fassen kann. Das hat

Von diesen Personen und Ereignissen sprach man im Mre 1931

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1. Prof. Karl Bosch erhielt den Nobelpreis für Chemie zusammen mit 2. Prof. Friedrich Bergins, dem die Verflüssigung der Steinkohle gelang. 3. Jane Addams, die amerikanische Phi- lantropin, und chr Landsmann 4. Prof. Nicholas Murray Butler, Rektor der Columbia-Universität in USA, wurden Träger des Friedensnobelpreises. 5. Der deutsche Mediziner Prof. Otto Warburg wurde für seine aufsehenerregenden Entdeckungen auf dem Gebiete der Zellforschung mit dem Nobel­preis für Medizin ausgezeichnet. 6. Der Schweizer Physiker Andre Piccard konnte als erster Mensch mit einem Freiballon (Nr. 7) in die Stratosphäre vorstoßen. 8. Jrn Juli fand auf dem Landsitz des englischen Premierministers, Chequers, eine Aussprache zwischen Vertretern der deutschen und englischen Regierung über die Kriegsschuldrege­lung statt. Unser Bild zeigt den deutschen Reichs­kanzler Brüning und den früheren Reichsaußen­minister Curtius beim Verlassen des Schiffes in England. 9. Alcala Zamora (rechts) wurde durch die spanische April-Revolution aus dem Gefängnis befreit und zunächst zum provisorischen Präsidenten der neuen spanischen Republik bestimmt. Seine offizielle Wahl erfolgte im Dezember. 10. Der Zusammenbruch der Darmstädter- und National­bank führte zu einern Sturm des Publikums auf

die Kassen aller Banken und Sparkassen. 11. Das Unterseeboot „Nautilus" sollte unter Leitung seines Besitzers Sir Hubert Willms (Nr. 12) auf dem Unterseewege den Nordpol erreichen. Das Schiff erwies sich jedoch als nicht leistungsfähig genug und mußte in der Bucht von Bergen versenkt werden. 13. Dr. Hugo Eckener führte das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" (Nr. 14) auf seiner großen Fahrt in die Arktis. 15. Der österreichische Heimwehrführer Dr. Psrimer, dem wegen des mißglückten Aufstandes der steirischen Heimwehren ein Hochverratsverfahren anhängig gemacht wurde. Der Prozeß brachte einen Freispruch für Dr. Pfrimer. 16. Auf der Strecke Hamburg—Berlin führte der deutsche Ingenieur Kruckenberg mit großem Erfolg den von ihm konstruierten „Schie­nenzeppelin" vor. 17. Stanley Baldwin, der Führer der englischen Konservativen, die bei den Par­lamentswahlen einen überwältigenden Sieg er­rangen. 18. Hoover, der Präsident der USA, gab die Anregung zu einem einjährigen Weltschulden­moratorium. 19. Pierre Laval wurde französischer Ministerpräsident und besuchte zu wirtschaftspoli­tischen Unterredungen Berlin und Washington. 20. Tfchiangkaischek, der bis zum Dezember Präsident der chinesischen Zentralregierung war, wurde ge­stürzt, da man ihm vorwars, eine zu nachgiebige

Politik gegenüber Japan geführt zu haben. 21. Die Dichterin Ricarda Huch erhielt den Goethe- preis 1931 zugesprochen. 22. Die Londoner Börse war Schauplatz nie erlebter Tumultszenen, als es im Dezember des Jahres zu einem katastrophalen Sturz des englischen Pfundkurses kam. 23. König Alfons XHI. von Spanien wurde im April ent­thront. 24. In Basel tagte im Dezember der S ach verständigen -Aus schuß der B. I. Z., der über die Frage der deutschen Zahlungsfähigkeit zu be­raten hatte. 25. Der ständige Konflikt zwischen Japan und China um die Besitzverhältnisse der nordmandschurischen Bahn brach in offene Feind­seligkeit aus. Die japanische Regierung entsandte neben größeren Truppeneinheiten mit Flugzeug- geschwadern auch Panzerzüge in das umstrittene Gebiet. 26. Der englische Ministerpräsident Rarnsay Macdonald, dem die bisher von ihm geführte Arbeiterpartei die Gefolgschaft versagte, bildete ein nationales Konzentrationskabinett, dem das englische Volk bei den Wahlen mit überwältigender Mehrheit das Vertrauen aussprach. 27. Mahatma Gandhi, Führer der indischen Freiheitsbewegung, versuchte auf der zweiten Indien-Konferenz in London zu einer Verständigung mit England zu gelangen. Die Verhandlungen führten jedoch zu feinem Resultat.

fegenSodbrennen Magenbeschwerden,

Die große Chance.

Roman von Martin S11 e b i n g.

Copyright 1930 by Carl Lunker, Verlag, Berlin.

30J ___

Slnbrea errötete aber gar nicht, erwiderte nur, ganz

™ Stil: Daß es doch noch Zeit hätte — und sie dachte gar nicht daran, und Vater wäre noch viel zu jung für die Rolle des Großpapas — und all den Schnickschnack, mit denen Töchter ihre Eltern trösten, bis sie urplötzlich mit einem jungen, wie vom Himmel ge­fallenen Mann da sind, dessen Lebensglück eben nur von besagter Tochter abhängt. Vor allem dann, wenn sie so schon, klug und so weiter wie Andrea ist.

Und diese Redereien waren daran schuld, daß Müh­lenkamp seinen ersten Arbeitstag eine halbe Stunde spä­ter antrat, als er gewohnt war.

Da ihn die Angestellten nicht erwartet hatten, waren sie so überrascht, daß sie ganz natürlich, spontan und von Herzen ihn freudig begrüßten, ihm zur Wiederher­stellung herzlich Glück wünschten, sich überhaupt gar Nicht so benahmen, wie wohlpräparierte Angestellte, die wissen, was sie als Gehaltsempfänger in wohlgeformten Redensarten bei der und jener Gelegenheit zu sagen haben.

Mühlenkamp war von diesem herzlichen Empfang so gerührt, daß er ernstlich daran dachte, sich die Gehalts­listen vorlegen zu sehen, was er für so anhängliche An- gestellte tun könne. Zu seiner Ehre sei es gesagt, daß er dies nicht vergaß, wie man wohl füglich hätte er­warten können.

Andrea bekam einen Schreibtisch m das Zimmer ihres Vaters gestellt, wie er es ihr versprochen hatte. Dann besprachen sie eine Mappe voller Zeitungsaus­schnitte. Die Mittagszeitungen und Abendblätter er­wähnten ganz besonders die Spende der Mühlenkamp- Bcw.k.

„Ein schlauer Junge, der Hollgarten," erkannte Müh­lenkamp an. „Es tut mir fast leid, daß er heute bei der Konkurrenz ist. Solches Blut hätten wir brauchen

können. Und Du, Andrea, hast doch »erteufelt geschickt mit ihm die Sache ins Reine gebracht."

Dann machte er mit seiner Tochter die Runde durch die Bank, ließ sich den Status vorlegen, und geriet in gelinde Kampfesstimmung. Traf im Kassenraum den Fleischer, über den Tauscher, der Kassierer, vor wenigen Tagen so ergrimmt war.

Der brave Fleischermeister begrüßte ihn herzlich: „Na, wieder auf dem Posten, Herr Mühlenkamp? Da steht man, was wir alten Leute noch aushalten können. Sie sind ja verdammt nobel gewesen mit Ihrer Spende: alle Welt spricht davon."

Tauscher lächelte ein wenig, mit etwas mehr Men­schenkenntnis und Verständnis, als man im allgemeinen von einem Kassierer anzunehmen pflegte: „Was führt Sie denn zu uns?"

„Tja," erwiderte der Fleischer mit sorgenvollem Ge­sicht, „ich möchte was einzahlen. Der Hauskauf hat sich zerschlagen. Ich habe es mir anders überlegt. Ich kann doch nicht mein ganzes Geld in ein zweites Haus hineinstecken."

Damit legte er ein Bündel Banknoten auf den Tisch, kramte seine Wertpapiere aus und übersah den Blick und das Schmunzeln von Tauscher und Mühlen­kamp.

Als er ging, sagte Tauscher, ganz voller Anerken­nung: „War doch eine fabelhafte Idee, Herr Mühlen­kamp, diesen enormen Betrag als Spende auszuwerfen. Besser kann man das Vertrauen der Kundschaft kaum wiedergewinnen. Eine Bank, die während eines Runs soviel Geld stiftet, kann nicht wackeln."

Als am Abend Mühlenkamp den Bericht entgegen» nahm, zeigte es sich, daß bereits knappe eineinhalb Mil­lionen in bar und in Wertpapieren zurückgeflossen wa­ren.

Der Run war zu- Ende. —

Andrea blieb bis später in die Nacht hinein in der Bank. Restlos erfüllt von der Freude, wie sehr ihr Vater, ganz kampfbereit, entschlossen war, die verlorene Position zurückzuerobern.

Sie wußte, er war gesundet. Er litt nicht mehr unter Theodor Mühlenkamps Schuld.

Auch ahnte sie, daß in ihrem Vater eine Wand­

lung vor sich ging, die sie beide einander näherbringen würde. Die ihr die Gewißheit bringen würde, daß sie ihren Vater wiedersände.

Joseph und August Mickenbecker saßen schweigend zu­sammen und rauchten. Ab und zu griffen sie nach den kleinen Gläsern, tranken sich zu und schwiegen.

Es hatte aukgehört zu regnen der erste Sonnen­schein fiel durch die niedrigen Fenster.

Plötzlich hallten Schritte auf dem sonntäglich stillen Hof-

„Sollte Hollgarten so früh kommen?" wunderte sich Joseph.

August schwieg.

In der Tür stand Justus Mühlenkamp.

Die beiden Mickenbecker zogen wie automatische Pup­pen d'e Stirne kraus und schwiegen.

„Tag. Welch verblüffender Anblick! Ich habe beide Mickenbecker noch nie zusammengefunden," staunte der Bankier.

„Daß wir uns zusammengefunden haben, das ist das einzig Gute, was Sie, Herr Mühlenkamp, den Mickenbeckers bis jetzt erwiesen haben," höhnte August.

Stille wuchs zwischen ihnen auf Mit erbleichendem Gesicht stand Mühlenkamp an der Tür. —

Die Brüder Mickenbecker schwiegen

Mühlenkamp zögerte noch einen Moment, wandte sich und griff rasch nach der Klinke.

„He —!" schrie August, so daß Mühlenkamp er­schrocken zusammenfuhr.

Der Bankier starrte die Brüder an.

„Draußen ist keine Kleiderablage: hängen Sie Ihre Klamotten hierher," knurrte ihn August an.

Joseph rauchte und schwieg.

Der alte Mühlenkamp legte ab, stand unschlüssig einer Situation gegenüber, die er nicht erfaßte.

„Nun setzen Sie sich schon, zum Teufel," erboste sich August von neuem.

Joseph wechselte einen kurzen Blick mit August lächelte, als ob es zwischen ihnen keiner Worte bedürfe erhob sich und holte ein frisches Schnapsglas schenkte Korn ein, vergaß auch die Gläser nicht, die, eifrig be­nutzt. schon vor den Brüdern standen.

Der Bankier rang nach Worten, er hatte es sich viel

einfacher vorgestelli. Die schweigende Atmosphäre der Brüder Mickenbecker verwirrte ihn.

„Prost!" sagten Joseph und August wie auf Kom­mando und hoben die Gläser.

„Zum Wohl," erwiderte Mühlenkamp, leerte das Glas auf einen Zug, wie die beiden auch. Das brannte und biß, und die Augen füllten sich mit Wasser. Das belebte, befreite, gab Mut und machte leicht.

„Herr Mickenbecker," stotterte Mühlenkamp, „ich kam . . . ich wollte ... ich möchte mit Ihnen noch einmal darüber sprechen. . ."

„Lassen Sie es gut sein — es geht ein jeder mal in die Irre." wehrte Joseph ab.

„Haben Sie eine Pfeife bei sich?" fuhr August den Bankier plötzlich an.

Mühlenkamp zuckte zusammen: „Leider nein!"

August lachte höhnisch: „Das hätte ich mir doch denken können!"

Joseph erhob sich, brachte eine Blechdose, öffnete sie. Pechschwarze Brasils, so feucht daß man sie bequem bie­gen konnte. Um die Spitze wandte sich ein Tabaks­pfaden.

Mühlenkamp nahm gehorsam.

„Nur den Faden abreißen!" fauchte August, dann können Sie gleich rauchen, brauchen keine Spitze abzu- schne'den."

Joseph füllte die Gläser.

„Prosit!" sagten alle drei — und schwiegen.

Mühlenkamp kaute an der Brasil herum und fand, daß sie gar nicht so übel sei.

„Wir sollen wohl wieder Kunden bei Ihnen werden?" forschte August bösartig.

Mühlenkamp zuckte wieder zusammen: „Deswegen kam ich nicht!"

Joseph lenkte ein: „Herr Mühlenkamp. ich muß Ihnen eines sagen. Herr Hollgarten mit dem Sie Differen­zen hatten, kommt heute zu Besuch."

Mühlenkamp lächelte: ..Ein netter Kerl, bißchen ver­schroben. Wir haben uns mal möchttg verkracht Er war aber sehr nett zu mir als ich recht krank lag."

Die Brüder Iahen sich schweigend an und ihre Mienen hellten sich auf.

(Fortsetzung folgt.)