Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk
Sonntag, 3. Januar 1932
Mr. 2
lahtg. 59
Das Kernproblem der Autzenpolllit
Eine kommunistische Demonstration
Der Schauplatz der kommenden Reparakionskonferenz
CNB. Berlin, 2. Jan. (Eig. Meldg.). Dm Zusammenhang mit den Aeußerungen der französischen Presse über eine Verschiebung der Reparationskonferenz erfahren wir von unterrichteter Seite, daß bisher lediglich der K o n f e r e n z- ort Lausanne feststeht. Ueber den Zeitpunkt des Zusammentritts der Konferenz ist noch keine end- gültige Entscheidung getroffen. Es ist vielleicht möglich, daß entsprechend den französischen Wünschen eine kurze Verschiebung von wenigen Tagen eintritt.
„Daily Herald" berichtet, ein neuer Plan aufgetaucht, der die Unterstützung Montagne Normans gefunden habe. Danach soll die Tributkonferenz kurz nach dem Zusammentritt auf sechs Mo- nate vertagt und die Lage nach Ablauf dieser Zeit nochmals durch einen Sachverftändigenaus- schuß geprüft werden. Das Tributmoratorium müsse daher um kurze Zeit verlängert werden. Die Kriegsschuldenzahlungen an Amerika würden erst im Dezember fällig, sodaß hierfür keine neuen Abmachungen notwendig seien. Anscheinend hofften die Bankiers, daß es dann gelingen weiche, von den Sachverständigen endgültige Vorschläge zu erhalten. Die Bankiers hätten erklärt, daß sie für den Fall einer nur zeitweiligen Regelung neue Kredite für Deutschland ablehnen und versuchen würden, die jetzigen zurückzuziehen.
„Daily Herald" meint, die Drohungen der Bankiers seien im Augenblick wohl nicht so ernst zu nehmen.
Erscheint ledjsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Die Well tm Bild" und .Buchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift- :: leitung 3153 Fuldaer Aetiendruckeret 3151 und 3152. ::
Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Psg > ohne ZusteUg Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Sol) lokal 0.15 RM., auswärts 0 20RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheck! Frankfurt a M 4051
Alle drei Monate geht eine Notiz durch die Zeitungen. Der io und fovielte Saarbericht ist dem Völkerbundssekretariat von der Regierungs- kommission an der Saar eingereicht worden. Das ist alles. Sonst spricht man gegenwärtig nicht viel vom Saargebiet: Bis vor einigen Tagen wieder ein Saarbericht bekannt wurdet in dem viel von den Saargruben-Schulen die Rede ist. Da horcht me^Oeffentlichkeit auf. Was ist es um diese Schu-
Die Grubenschulen, genannt „Domanialschulen". wurden von der französischen Verwaltung der Saarkohlengruben eingerichtet; sie sollten eigentlich nur für die Kinder der französischen Angestell ten und Arbeiter aus den Saargruben bestimmt sein, — wie man weiß, erhielten die Franzosen im Versailler Vertrag das Recht, die Saargruben „als Ersatz für zerstörte Gruben in Nordfrankreich" bis 1935 zu verwalten. Aber daß französische Kinder in diese Schulen gingen, genügte der Grubenverwaltung und den Drahtziehern in Paris nicht. Man wollte auch deutsche Kinder in diese Schulen schicken, um sie so allmählich der deutschen Kultur zu entfremden und 1935, bei der entscheidenden Abstimmung, behaupten zu können, daß es „zweisprachige" Bevölkerungsteile im Saargebiet gäbe. Deshalb setzte eine mächtige Propaganda für den Besuch der französischen Schulen ein. Nicht nur mit erlaubten, sondern mit verwerflichen Mitteln. Den Bergleuten wurde „unter der Hand" zu verstehen gegeben, daß sie bessere Posten oder Lohnaufbesserung erhalten würden, wenn sie ihre Kinder für die Domanialschule anmeldeten, während man ihnen umgekehrt mit Entlassung oder mit Entziehung der Grubenwohnungen (im Saargebiet herrscht Wohnungsnot, deshalb sind die von der Grubenverwaltung vermieteten „Grubenwohnungen" besonders begehrt) drohte, wenn sie ihre Kinder nicht in die fremde Schule schicken, sondern in der deutschen Schule lassen wollten.
All diese skandalösen Dinge waren zwar in den Zeitungen zu lesen, aber nie da, wo man sie
diese Ziffer so beträchtlich, daß sich der Arbeitslosigkeitsgrad im Saargebiet von dem des übrigen Deutschen Reiches nicht mehr unterscheidet . . .
Daß die Saarländer auf keinen Fall französisch werden wollen, wessen jetzt selbst die Franzosen, die grundsätzlich sonst nie verstehen wollen, warum nicht alle Völkern gern franwstsch sind. Umso eifriger wird nun die „Autonomie"-Propaganda betrieben Wie man das macht, haben wir schon er. zählt Sieht man sich die „saarländischen", Auto« nomisten aus der Nähe an, so entdeckt man, daß es gar keine Saarländer sind, sondern verkleidete Franzosen. Aber die Franzosen haben offenbar die Entdeckung gemacht, daß Propaganda gar nicht immer geschickt zu sein braucht, es genügt, wenn sie gut bezahlt ist und von mächtigen Stellen ausgeht, dann schweigt die Welt, die meistens ihr« eigenen Sorgen hat, zu allem still. Sie schwieg zum Skandal der Domanialschule, sie schweigt zur „Ausweisung" der Saargänger, zum Schwindel des Saar-„Separatismus". Nur die Saarländer selbst, die seit Jahren dielen Heldenkampf um Selbsterhal- tung führen, werden nicht schweigen, sie werden ganz gewiß den Herren in Paris und — der „neutralen" Völkerbundsregierungskommission bei der großen Abstimmung 1935 eine genaue und getreue Quittung für alles das ausstellen, was man ihnen in den letzten 12 Jahren zu schlucken gegeben hat.,
Wie Havas aus Nanking meldet, dementiert Generl Tscheng Ming Schu formell, daß die chinesischen Truppen sich ohne Widerstand aus der Mandschurei zurückziehen würden. Die Zentralregierung habe im Gegenteil Marschall Tschangh- suelianq angewiesen, den vordringenden Japa- nern energischen Widerstand entgegenzusetzen.
Blick auf Lausanne. 3m Hintergrund der Genfer See.
Es steht nunmehr fest, daß die Regierungskonferenz über die Probleme der Reparationszahluw gen am 18. Januar in Lausanne beginnen wird.
Die Japaner in Tschirttschau.
wtb Tokio, 2. Jan. (Eig. Meldg.). Wie verlautet, ist die Vorhut des japanischen Heeres heute früh um 6 Uhr in Tschitschau eingerückt. Das Gros wird voraussichtlich morgen eintreffen.
Die Londoner Presse beschäftigt sich ausführlich mit der Wendung in der englischen Reparationspolitik. Die „Times" sagt, Lausanne müsse mehr als eine Zwischenlösung bringen. „Financial News" spricht von einer völligen Kapitulation Englands von Frankreich. Die englisch-französische Lösung verlängere nur die Dual der Welt.
Wie die „Times" meldet, legt die englische Regierung Wert darauf, einer endgültigeren Regelung in der Tributfrage s o nahe wie möglich zu kommen.
Drohung der englischen Bankiers.
Im Hinblick auf die starken Einwendungen der Londoner City gegen eine Verlängerung- des Tributmoratoriums ist in englischen Finanzkreiiseiy wie
Die Aeujahrs-EmpfSnge.
Anläßlich des Neujahrstages fanden beim Reichspräsidenten die üblichen Empfänge statt, die durch das Aufziehen der Wackre eingeleitet wurden.
Die Chefs der diplomatischen Vertretungen versammelten sich im Großen Saale des Reichspräsidentenhauses. Um 12 Uhr traf der Reichspräsident mit seiner Begleitung ein.
Der apostolische Nuntius Monsignore Orsenigo brachte als Doyen des diplomatischen Korps des. sen Glückwünsche in einer Ansprache zum Ausdruck und sagte u. a.:
„Herr Reichspräsident!
Das Jahr, das soeben abgelaufen ist, war zweifellos eines der schwierigsten und härtesten für alle Völker, aber in ganz besonderem Maße für Ihr deutsches Volk. Belehrt und aufgerüttelt durch die große Gefahr, haben endlich alle Völker die Notwendigkeit einer aufrichtigen und allseitigen Verständigung zu begreifen be. gönnen und rufen nach ihr mit lauter Stimme. Deutschland wurde schwer von der großen Weltkrise betroffen. Aber all das hat nicht vermocht, ihm seine Willensstärke zu rauben, noch seinen Mut zu lähmen. Wir wünschen ihm, daß seine harten Anstrengungen bald von Erfolg gekrönt werden."
Reichspräsident von Hindenburg
dankte für die Glückwünsche und antwortet u. a.: „Deutschland hat zu ungewöhnlichen tief einschneidenden Maßnahmen greifen müssen, die jedem Deutschen die schwersten Opfer auserleglen. In unerschütterlichem vaterländischem Bewußtsein
eigentlich am ersten vermutet hätte, — in den Berichten der vom Völkerbund eingesetzten Regie rungskommission, die den Völkerbund über all die wichtigen Vorkommnisse im Saargebiet auf dem Laufenden halten sollte. Bis im letzten „Saarbericht" plötzlich von einer Untersuchung solcher Fälle erzählt wurde. Was aber war das Ergebnis dieser Untersuchung? Die „befragten Eltern" hätten, gegenüber den Beamten der Regierungskom mission, fast alle gesagt, daß sie nicht „unter Druck", sondern „freiwillig" gehandelt hätten! Was sollten die armen Eltern, denen die Beamten der Grubenverwaltung vorher genugsam Repressalien an- gedroht haben mögen, auch anders sagen! Derartige Untersuchungen führen ja alle zum gleichen Ergebnis, und niemand hat von der Regierunas- kommission verlangt daß sie in dieser Weise „untersucht", — man hat vielmehr erwartet, daß die Regierungskommission, da sie die Macht dazu har. den Zuständen in den Saargruben ein Ende macht und die gewaltsame Entdeutschung der Saarkinder verhindert! Stattdessen erzählt die Regierungskommission m ihrem Bericht großartig davon, daß viele deutsche Geistliche und Lehrer für den Besuch der deutschen Schulen im Saargebiet werben. Als ob es nicht Pflicht der deutschen Priester und Geistlichen wäre, die Kinder zum Schulbesuch anzuhalten, und als ob man den Druck auf deutsche Eltern, ihre Kinder in französische Schulen zu schicken, mit der Mahnung zum Besuch der ordentlichen, deutschen Schulen vergleichen könnte.
Dieser sonderbare Saarbericht hat wieder einmal ein grelles Licht auf die Lage im Saargebiet geworfen und gezeigt, daß hier wirklich allerlei nicht in Ordnung ist. Das tat auch ein anderes Geschehnis der letzten Zeit, nämlich das Geständnis eines saarländischen „Sonderbündlers". Saarländische Sonderbündler? Lachen Sie nicht, es gibt auch im Saargebiet Sonderbündler, ähn'iche Gestalten, wie sie die Reihen des rheinischen Separatismus bevölkerten. Da erschien seit ein'-ger Zeit tm Saargebiet ein deutschsprachiges Blatt .
Nach polnischen Blättermeldungen sollen die Verhandlungen über den Abschluß eines Nichtangriffsvertrags zwischen Sowjet-Rußland und Polen soweit fortgeschritten sein, daß die Unterzeichnung kurz vor der Abrüstungskonferenz in Genf erfolgen könne.
Leidende Saar« / Von unserem ständigen Mitarbeiter.
Sonderbare Saarberichke. — Ein Sonderbündler packt aus. — Was wollen dir Franzosen an der Saar? — Das Völkerbunds „Regime'*. — Wie man die Arbeits» lofenziffern klein hält. — Schu fchikanen. — He denkampf eines Volkes.
Polizei in der Angelegenheit der Rundfunkstörung nun dazu geführt, daß heute vormittag
zwei Personen festgenommen
worden sind. Es handelt sich dabei um zwei Arbeiter des Telegraphenbauamts, von denen einer vor einiger Zeit entlassen worden ist. Die Vermutung, daß die Tat nur von Fachleuten begangen worden sein kann, die sowohl mit den betriebstechnischen als auch mit den örtlichen Verhältnissen Bescheid wissen, bestätigt sich also offensichtlich. Einer der beiden Festgenommenen hat übrigens eine Verletzung, die er sich wahrscheinlich bei den Störungs- arbeiten zugezogen hat. Die beiden Leute werden augenblicklich durch Kriminalkommissar Dr. Meyer von der politischen Polizei vernommen. Für die weiteren Entwicklungen ist eine Siemenstonschreiber- Aufnahme von Wichtigkeit, die von dem Physiker von Heyden-Linden in Demmin von der Rede des Reichspräsidenten gemacht worden ist und durch die der volle Wortlaut der Störungsrede festgehalten werden konnte. Daraus ergibt sich, daß die Störung nicht nur aus einzelnen Zwischenrufen, sondern vielmehr aus einer 'wohlformulierten kleinen Rede bestand, die sich gegen Lohnabbau und Diktatur für Sowjet-Deutschland einsetzte. Das stimmt im wesentlichen überein mit dem Inhalt, den ein den Kommunisten nahestehendes Berliner Blatt in seiner Neujahrsausgabe von der Störungsrede gibt.
Die Neujahrsrundfunkansprache des Reichspräsidenten ist erheblich gestört worden. Es wurde gerufen: „Kämpft gegen Notverordnung und Hungerdiktatur! Helft euch selbst! Kämpft gegen jeden Pfennig Lohnabbau! Rüstet zum Massenstreik! Nur der Kommunismus kann uns retten! Es lebe die Sowjetunion! Rot Front!"
Die Ermittlungen der Polizei über die Störungen wurden sofort eifrig ausgenommen. Sie haben das Ergebnis gehabt, einen engen Personenkreis sestzustellen, in dem die Täter zu suchen sind. Die bisherigen Untersuchungen haben ergeben, daß die Täter unweit des Neuköllner Krankenhauses einen Kabelbrunnen geöffnet und an das betreffende Kabel, das zwischen der Wohnung des Reichspräsidenten und der Sendestation läuft, e i n krophon zwischengeschaltet hatten. Die Täter müssen mit den technischen Einzelheiten sehr gut vertraut gewesen sein, da sie die richtige Ader angezapft hatten.
Ein Ehepaar, das kurz nach 9.30 Uhr abends an dem betreffenden Kabelschacht vorbeiging, hat zwei junge Männer beobachtet, von denen einer auf dem Pflaster lag und sich über den geöffneten Schacht beugte, der andere hielt Umschau. Das Ehepaar hat seine Beobachtungen der Polizei mitgeteilt und eine Beschreibung der jungen Leute gegeben.
•
cnb. Bersin, 2. Januar. (Eig. Meld.) Wie wir erfahren, haben die Ermittlungen der politischen
I <hen, „Saar-Chronik", von den Saarländern selbst nur „Saar-Komik" genannt, das „saarländische Interesse wahren" wollte. Eines Tages hörte es zu erscheinen auf, und kam dann unter dem veränderten Titel „Die Chronik" neu heraus. Zu gleicher Zeit aber setzte der frühere Herausgeber der „Saar-Chronik" feine Zeitschrift unter dem gleichen Namen fort, und brachte in der ersten Nummer „Enthüllungen". Die waren nicht schlecht; denn hier formte man, ganz aus „erster Duelle", lesen, daß das ganze Unternehmen von der französischen Grubenverwaltung angeregt und finanziert wurde, daß seine Redakteure keine Saarländer, sondern Franzosen (Elsässer) oder dem rheinisch»: Volkszorn des letzten Jahres entkommene Separatisten aus der Matthes- und Dortenzeit waren. Auch mit dem bekannten „Deutschen", Professor F. W Förster, dem es gegenwärtig beliebt, sich in Paris verschiedenen Prozessen zu entziehen, und seinem sauberen Spießgesellen Karl Mertens hatten die Leute von der „Saar-Chronik" in Verbindung gestanden. So sieht der saarländische „Separatismus" aus . . .
Man hat im Saargebiet bewußt einen unklaren Zustand geschaffen. Man hat es zugleich vom Reich getrennt und es doch beim Reich gelassen. Denn die Saarländer bleiben deutsche Staatsbürger, behalten alle Rechte der Reichsverfasstmg, aber sie werden von einer besonderen „Regierung", der Pölkerbimdskornmissiov für das Saargebiet, verwaltet. Die Saargruben hat man Frankreich bis 1935 ausgeliefert; das Saargebiet hat ein eigenes Zollsystem, das darin besteht, daß französische Waren keinen (mit Ausnahme der Monopolartikel), deutsche Waren dagegen hohen Zöllen unterliegen. Die Saarländer erhalten besondere Pässe und obschon sie Reichsangehörige sind, müssen sie auf ihre „Saarpässe" auch in Ländern, zu benen die Deutschen ohne Visum Zutritt haben, ein teures Visum bezahlen. Franzosen dürfen kostenlos ins Saargebiet, Saarländer, die nach Frankreich wollen, müssen Einreisegebüyr zahlen. 1923 hat man auch französische Frankenwährung im Saargebiet eingeführt, um während der Inflationszeit in Deutschland einen besonderen Anretz für die Saarländer zu schaffen, sich für Frankreich zu entscheiden. Die plötzliche Erneuerung der deutschen Währungsstabilität hat diesen Schachzug teilweise gegenstandslos gemacht. Aber auch jetzt gehen die Versuche, die Saarbevölkerung allmählich dem Reich zu entfremden, weiter, und nicht nur die Grubenverwaltung, sondern auch die angeblich „neutrale" Regierungskommission trägt dazu bei. Sie hat ein „Allgemeines Uniformverbot" für Angehörige fremder Wehrmächte erlassen; dieses Verbot gilt jedenfalls für die Deutschen, denn als kürzlich ein Reichsmarinearzt aus Pirmasens bat, für zwei Tage ins Saargebiet reifen zu dürfen, obwohl er — auf kurzem Urlaub — nur feine Uniform bei sich habe, wurde ihm das verweigert. Nichtsdestoweniger kann man jedoch im Saargebiet, auch nach dem Abzug der berühmten „Bahn- schutztruppen", französische Offiziere und Soldaten in Uniform sehen . . .
Natürlich mußte die Regierungskommission nach außen hin „Erfolge" ihrer Verwaltung vorweisen können. So versuchte sie, möglichst niedrige Ar- beitslofenziffern zu erzielen. Wie machte sie das? Sie wies die deutschen Arbeiter, die nicht im Saargebiet selbst wohnten, die sogenannten „Saargänger", ohne weiteren Prozeß aus dem Saargebiet aus, d. h. sie nahm ihnen die Arbeitsstellen. Damit brach sie mit einer alten Tradition, beschwerte die Arbeitslosenfürforge des Reiches, dem die hier entlassenen Arbeiter natürlich zur Last fielen, aber dafür hatte sie die Genugtuung, für den Augenblick die Arbeitslosenziffer im eigentlichen Saargebiet niedrig gehalten zu haben. Man ging sogar so weit, durch saarländische Gendarmen auf deutsche Arbeiter, die sich vielleicht doch noch im Saargebiet aufhalten könnten, Jagd machen zu lassen .'. . . Aber all diese Maßnahmen blieben ohne dauernden Erfolg, auch so ist die Arbeitslosenzahl gestiegen, sie beträgt jetzt schon 30 000, und wenn man die entlassenen Saargänger mitzählt, erhöht sich
MV » fc.i«