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Mllüe

NIL

Nr. 2

Vellage zur Auldaer Aelkuug

3. Ianuar

Herr Kißling kann

Pferds

Ach, wie

schwirrt und

klatscht dem Schinder in

kämpft der

Fuhrmann gegen den

®s riecht die Abdeckerei!

über

Hoch atmend steht Laikan eine Leibeslänge unter

wüvd

Roman von

natürlich den Auftrag Es stellt sich aber her- rhn den Kopf darüber

Plauderer und unver-

Sieg des edlen hier zu erleben.

Die Peitsche die Flanke.

Umsonst.

Minutenlang

Trotz. Umsonst!

Rock Ohr

um- seit

zu einer energischen Gegenaktion, aus, daß sich schon jemand für zerbrochen hat.

Grenzdörffer, der scharmante wüstliche Stimmungsmacher.

Ge- und der

Aber trotzdem wankt das alte Pferd nicht, stemmt sich, steht!

Hast des Tagwerks vergaß, um den Menschen über die bösartige Kreatur

Al's Abenteuer in Korfu drückt am Abend doch noch auf die Stimmung der Schiffahrtsgesellschaft. Das Diner verläuft steifer als am Abfahrtstage. Der Tanzsaal zeigt nachher bedenkliche Lücken, die kleineren Räume werden bevorzugt.

Bei Kullmann ist es schwierig. Ich muß bitten, die Buchhaltung nachzuschlagen nach dem Braunen Achill. Der Prokurist schüttelt den Kopf. Ob ich von der Kriminalpolizei sei. Oder vom Tierschutzverein. Rein. Besonderes Interesse, wissenschaftliches.

sie war ja doch so sehr abgeklappert. Ja, natürlich, fie ging gestern zum Pferdemetzger, über den Preis reden wir lieber nicht. Schande. Gekauft? Bor drei Jahren von Kißling u. Co., Sternstraße."

Er legt sich derart temperamentvoll für die Laune der Zuhörer ins Zeug, daß Oelsmunn rm Laufe des Abends anerkennend bemerkt, die Linie hätte ihn mindestens um­sonst fahren lassen müssen, wenn er schon nicht zugezahlt bekäme. Der Oesterreicher arrangiert an diesem Abend in der Bar, wie er sich ausdrückt, eine waschechte Wiener Hetz. Es gelingt chm, den größten Teil der Passagiere dort um sich zu versammeln.

Aus ein paar Mitgliedern des Bordorchesters stellt er eine Schrammelkapelle zusammen, als deren Manager er selbst ein erstaunliches Repertoire von Liedern zum besten gibt, in denen regelmäßig der Stephansturm, der Wiener Wald oder der Prater eine sentimentale Rolle spielt.

Born auf dem Promenadendeck sitzen Al und Reta ne- beneinander auf der Ladeluke von diesem Platz aus hat man gerade über den Budsprit hinweg den freien Ausblick in der Fahrtrichtung. Das ist, was die beiden brauchen und der Schrammelmusik da drinnen vorziehen.

Bon links her, von der Küste des Festlandes, kommt aus weiter Entfernung der zitternde, suchende Strahl eines Leuchtturms auf dieChristabelle" zu. Am Him­mel er ist tief dunkelblau, wie meist in den Nächten des beginnenden Sommers, nicht völlig schwarz zeich­nen sich nur die hellen Sterne mit mattem Flimmern ab . . Man sieht sich gegenseitig nur in den Umrissen der Gestalten und der Gesichtszüge ... die Stunde ist BekennMissen günstig.

Man muß den Stier bei den Hörnern packen, denkt Reta. Hör mal zu, mein Lieber muß man sagen, ich will dir etwas beichten. Ich habe die Reise in der Luxuskabine derChristabelle" durch ein Preisausschreiben gewon­nen. Im übrigen bin ich ein armes Mädel und gehöre nicht hierher. Damit du Bescheid weißt!"

So muß man sagen. Das ist doch eigentlich ganz

^rung tausendfältiger Gefahren und tausendfältigen

Aus der hohen Wölbung des Jahres neigt der Herbst sich in diese erlauchte Landschaft. Laikan ist in die Ge- genö der Nestmulde gelangt, aus der er oh, wann? Begab es sich je überhaupt? War man nicht immer Im Leben? Hat es denn einmal begonnen? aus der er ins Leben geschlüpft ist, mit dem frohen Schreck: ich bin da, ich bin da!--War er da? Oh, vielleicht!

Jetzt aber ist er da! Unermeßliche Zeit hat er gelebt, Ströme, Flüsse und das unendliche Meer hat er ein­geschlürft. Seele und Leib sind durch eine große Un­sichtigkeit in eine grüne und weißschäumende Klarheit gefahren. Jetzt erst ist Laikan zu Haus, und ist ganz bei sich zu Haus; und noch wird das Leben sich dehnen.

kahlen Ebene der Flanken ziehen sich die scharfbegrenz­ten Höhenriffe der Rippen. Der Schinder lahmt schwer auf der rechten Hinterhand, in deren Keule eine kaum verharschte Wunde liegt, zwei Finger tief.

Tk tk tk tk . . . Der Schinder kommt aus der Nebenstraße. Soll über den Fahrdamm hinüber, dorthin, wo die ruhige Pflasterstraße sich forffetzt. Und weiter. Wohin, das weiß allein der Mann mit der Peiffche. Das Tier trottet gedankenlos und ohne Seele, fühllose Kreatur, dumme . . .

Der Mann wartet die Reihe der Kraftwagen ab, die Straßenbahn, zwei Motorräder mit Sozietten, noch ein paar Fußgänger, dann zerrt er den Gaul hinüber, --langsam nur, zu langsam. Denn die Flut stockt.

Endlich, eine_ Ewigkeit für die Kraftwagen ist zer­ronnen, endlich ist der lahme Gaul drüben am Eingang der Seitenstraße, durch die er weiter soll, einem ihm Unbekannten entgegen.

Da und ganz plötzlich ruckt er zurück, stemmt sich mit gestreckten Vorderbeinen gegen den Saum des wieder beginnenden Pflasters, sinkt mit der Kruppe um die Breite einer Hand und drückt sich ins Sprunggelenk. Der Zügel strafft sich, der Kopf folgt noch, soweit sich die Muskelbänder dehnen.

Aber der Schinder steht.

Der Mann ruckt am Riemen, ärgerllch und unwil- lig, ruckt noch einmal heftiger, dann erst wendet er sich um, schaut den störrischen Gaul an, lacht wie über einen schlechten Witz.

Aber der Schinder steht.

Na los! Auf!" Der Mann zerrk schärfer, schnalzt, winkt mit der Peitsche, legt sich mit dem Körper in die Zügelschlaufe und zieht.

Der Schinder steht. Er steht und zittert zuckend über das trockene, zerschürfte Fell; das Reffigbündel ist gegen das Sitzbein geklemmt. Dorthin zffcht die federn- de Spitze des Peiffchenstocks.

Aber der Schinder steht.

Herr Rapp, Inhaber von Rapp und Krothe, Del- Handlung, empfängt mich, hört mich an, runzell die Stirn und sagt:Ach so, wegen der alten Mähre. Ja,

Alfred Karl.

wüsten Aufzuge in seinen Salon bugsiert. Fünf Mim­ten vor sieben klopft Al in der Diele zwischen den Luxus- kabinen an Retas Tür.

Sie haben schon am Morgen abgemacht, gemeinsam zu den Hauptmahlzeiten zu erscheinen vielmehr Al hat es angeregt und sie hat es akzeptiert.

Während sie langsam die Freitreppe hinauffteigen, vergleicht Reta das Bild, das Al jetzt im Smoking bietet die blendend weiße Wäsche gibt einen prachtvollen Rahmen zu seinem großen, braunen Gesicht mit dem dunklen, etwas widerspenstisch welligen Haar mit fei­nem Räuberaufzug von vorhin.

Zu ihrer Ueberraschung kann sie nicht entdecken, was nun eigentlich besser zu ihm paßt: Die knappe, glatte Uniform des Gesellschaftsmenschen oder die draufgänge­risch abenteuerliche Unordnung nach dem bösen und so glänzend gemeisterten Abenteuer.

Sie haben sich in der kurzen Zett gehäutet, als ob die Katzbalgerei mit jenem Herrn Reuf Pascha niemals gewesen märe!"

Es war doch gar kein Reuf Pascha ober glauben Sie, daß sich der türkische Verkehrsrninffter persönlich in einer übelriechenden griechischen Kneipe in Seilereien einläßt?"

»Na, schön, er war's also nicht persönlich immerhin 'st es beachtlich, daß sich Minister so angelegentlich für Sie interessieren, lieber Freund mir können Sie den Bären nämllch nicht aufbinden, daß Sie leinen Schim­mer von der ganzen Sache haben."

Nein warum denn nicht?"

Er schnippte angelegentlich ein Stäubchen von seinem Seidenspiegel.

Warum gehen Sie beim überhaupt an Land, wenn 3hnen Herr Reuf Pascha funkt, ben Sie gar nicht ken­nen und mich lassen Sie hier auf derChristabelle!"

Sind Sie denn nicht mit Herrn Grenzdörffer mitge­gangen?" Sieh an, denkt er mit heißer Ueberraschung jedenfalls können mich in Athen sämtliche Paschas

Ein neues Iahr.

Von Josef (Butberlet

Ein neues Jahr.

Noch haben wir des alten Schläge nicht verwunden. Noch seiner kargen Freuden Strauß gebunden, Noch nicht an Leid und Lust das rechte Maß gelegt. Mit dem die Zeit des Menschen Seele prägt. Die Uhr geht sonder Rast Es eilt der Stunden Schritt Und reißt uns herrisch mit

Ein neues Iahr.

Was birgt es wohl in seinem grundlos tiefen Schoße? Geheimnisvoll versiegelt sind die Lose, Die es in bunter Fülle hält bereit

Und klug verteilet, je zu ihrer Zett.

Ob heiter oder ernst. Ob dunkel oder licht. Was wird wir wissen'-, nicht.

Ein neues Jahr.

Wie in den vorgegangnen ifts nur Gott gegeben, Gericht zu sitzen über Tod und Leben.

Drum sollten wir stets gläubig auf ihn schaun. Uns seiner Allmacht reftlos anoertraun.

Nur seine Güte weiß, Was uns am besten frommt, Wenn unsre Stunde kommt.

Die Jungfernfahrk derChristabelle."

Vegegnifse.

Von Leo am Bruhl.

Ringsum sind Rätsel und geheimnisvolle Dinge; alles Wissen um die Gesetze der Natur ist bedingt und vorläufig, solange es die Welt der unbegriffenen Er­lernungen gibt neben dem klaren Alltag, ja mitten im Alltag und . . . selten beachtet.

*

3n das rasselnde Uhrwerk des Straßenlärms bohrt sich eigensinnig ein fast fremder Klang, ein eintönig klapperndes Klirren Eisen auf Stein, das in den sau- stnden Rhythmus des Hinhastens und Hinfegens gleich­sam bremsend einschneidet, den Gedanken an eine aku­stisch« Zeitlupe aufkeimen läßt: langsam, sehr lang­sam kommt aus der noch gepflasterten Seitenstraße hin­ein in das Rasen der Zeitärmsten ein . . . Pferd, ein altes, verbrauchtes, müdes, lahmendes Pferd.

Cs hängt an dem Mann, der rechts eine gute Peit­sche schultert; es hängt an ihm mit dem Riemen des abgenutzten Trensenzügels, dessen Schlaufe jenem um den linken Oberarm liegt, so gespannt, als zöge tatsäch­lich der Mensch mit feiner Kraft allein das Gewicht des Tieres.

Der Kopf des Pferdes, dem Zügelzug nachgehend von vorn und leicht angehoben, wippt bei jedem Schritt in den blaßgrauen Nüstern ist ein nervöses Fliegen; über matten Augen liegen schlaffe Ohren, hinter denen ein vermoderter Kamm sich abwölbt und unmerklich in das struppige, längst nicht mehr gepflegte Fett des Sattel- rückens übergeht, um über die Rübe in einen Schweif abytfallen, der einem Reisigbesen gleicht. In der öden,

Wissenschaftliches? Und noch einmal schüttelt der Pro- kurist im Hause Kullmann den Kopf.

Er blättert in seinen Büchern.Ja, stimmt. Vor elf Jahren, mein Herr, gekauft und verkauft. Achill, Wallach, braun, weiße Blesse an der Bugspitze usw. Gekauft? Ach ja. Wir kauften ihn damals von dem Rittmeister Zerfstus, Zerffius, von den Drago- nein. Jetzt erinnere ich mich. Der Gaul war sechs oder sieben Jahre unter Zerffius gegangen. Lahmte bann rechts auf der Hinterhand ein bißchen, kaum merklich. Aber Zerffius konnte ihn doch nicht halten, gab ihn schwer ab, damals. Bitte sehr, guten Tag, mein Herr!"

*

Dumme Kreatur. Und ahnte, daß vierundzwanzig Stunden später an jener Ecke der Mensch vom Tod er­eilt würde, den sie einst wohl geliebt hatte . , ,

Genau vierundzwanzig Stunden später sehe ich an derselben Sttaßenecke schon wieder eine Menschenan­sammlung. Dazwischen Polizei, Leute der Rettungs­wache, ein Krankenauto.

Ich frage. Man weiß nicht recht. Ein alter Herr fiel um, ganz plötzlich, OhnmachtsansaN vielleicht, Altersschwäche Man weiß nicht.

Aber mir ift, als müßte ich wissen, was geschah.

Irgendetwas in mir drängt mich, einen Wagen zu nehmen und demRoten-Kreiiz"-Auto zu folgen. Das fährt nicht zur Unfatlftelte und fährt nicht zum Kran­kenhaus. Cs fährt zur Leichenhalle.

Der alle Herr ift tot. Schlaganfall auf der Straße, an der Ecke.

Ich will feinen Namen wissen:

,Zerffius", Major a. D. Zerffius.

Erst als der Mann im Pelz ihm unter dem die Nüstern zusammenpreßt und chm keife ins spricht, setzt der Schinder zum Gehen an.

Drei, vier unsichere Schritte. Und wieder frieblto bann: Tk tk tk tk!

kosmetische Fußpflege

N . P.Bpeidbaeh

fempuF291l. Fulda. KurPärel-ensl-r.32.

Epreeteeik 8-12,2-6 Uhr, außer Monkig vorm.uJSamfkig nodi

Plötzlich verhält er. In einer Seichte, wenige Lei- bestätigen vor ihm richtet eine große und geschmückte Frau die Nestmulde zu. Wie oft er es erlebt hat, be­stürmt dieses hochzeitliche Geschäft wild und überwäl­tigend wie eh und je die Seele des Mannes. Sett Ta­gen, da er sie erblickt hat, sie ruhig und groß vor ihm her durch den grünroirbelnben Fluß zog, hat er sie nicht mehr aus seinem funkelnden Blick gelassen. Leicht wäre es ihm gewesen, mit einem einzigen Sprung die schmückte einzuholen. Das aber ist gegen Gesetz Brauch. Gesetz und Brauch aber kommen aus Seele und sind seit Jahrtausenden gültig.

Keinmal hat die Lachsfrau auf der Fahrt sich gesehen. So ists Gesetz und Brauch, und gültig Jahrtausenden. Der magische Wille des hinter ihr her- ziehenden Mannes, ist lange in ihrem Leibe mächtig und treibt fie zur Flucht vor ihm. Hätte er den Sprung ju ihr getan, sie hätte ihn abgeschlagen. Laikan kennt dieses selffame Geschlecht, das will und nicht will, und er achtet genau das Gesetz ihrer Seelen.

Dann gelangte sie zur weißen Sandbank, in die fie seit vielen Jahren ihre Nestmulde höhlt. Von anderer Magie wird ihr Wesen jetzt überwältiget. Vergessen ist der verfolgende Mann. Sorge um Nachkommenschaft und Geschlecht übermächtigt die Mütterliche ganz. Wie sie mit gewaltigem Ruder eine menschengroße Mulde zurichtet, ift sie nicht mehr fie selbst; ist von eh und je gewesen; seit Jahrtausenden in großem Gehorsam un­tertan dem Willen ihres Geschlechts, das am Abend des fünften Schöpfungstages aufgerufen ward, durch die Stimme Gottes.

Ich laufe hinterher und frage, wem das Pferd ge­hört . . .

Oelsmann, der jede Schwankung des Stimmungsbaro­meters auf derChristabelle" registriert, berät deshalb mit dem Kapitän und bekommt

Seit Wochen steuert Laikan im brackigen Wasser und gewöhnt Kiemen und Lunge und das meergestillte Herz an den neuen Atem und Druck. An zwanzigmal hat er den feierlichen Kreis des Jahres umfahren und ist größer noch als Mutter Lachs. Lange fft er bei sich zu I Haus, und fft kein Raum feines Lebens und Selbes. I ben feine Seele nicht ausfüllte. Er ist hn hohen und I gerechten Mannesalter. Ruhig und mächtig rudert er I im Schwall des Unsichtigen, das die Tage heranftihrt I und die Nächte, und weiß, gefriebet in die unendliche Neihe seines Geschlechts, von keinem Anfang und von keinem Ende. Einzelgänger ist er, ohne Schwermut noch des Alters und dünner werdenden Lebens.

Wie eh und je läßt er sich vom aufflutenden Meer wett hineintragen in ben verrollenden Strom, und die Ebbe saugt ihn wieder hinaus. Silbern gewandet, fun­kelt er in der Frühlingssonne herrlich auf.

Diele Verwandte queren unrasttg das Brackwasser, und als Laikan eines Abends sich aufmacht zur großen Fahrt, folgen ihm erwachsene Männer der Sippe. In zwei Reihen nebeneinander, oft in weiteren Abständen, ziehen die Fischleute hinter dem älteren Vetter her, rheinwärts.

Dor Wochen schon sind die hochzeitlichen Frauen aufgebrochen, und kein Schein oder Wttterung ihrer Leiber kommt zu ben Wanderern. Lange ist das Brack- waffer hinter diesen, und noch immer wesen ihre Seelen im Meer und haben noch die Hochzeitsschabracke nicht über den Leib geworfen. Aber mit dem stärker herrol- lenden Strom, mit dem sich erfüllenben Frühlingsmond gefeilt sich zur Wandersehnsucht, mählich aus Seele und LeD aufsteigend, der Ungestüm ihrer Mannheit.

Herrlich hat der Hochzeiter sich jetzt geschmückt. Ge­sichts denn seit vielen Wochen hat die große Säge sich nicht mehr auf getan! zieht der Lachs feine Straße, und die grauen Augen gehen groß durchs grüne, weiß gffchtende Waffer.

Dann begegnen ihm je und je die Jungen und Iüng- stcn feines Geschlechts, die meerroärts wandern, und er­schrocken ihre quergebänderten Nestlingsleiber seitwärts schleudern. Au« Tfimnefn äugen fie

scheu nach dem stolz und einzeln herziehenden Ahn. Laikan gewahrt bas kleine Geschlecht und beachtet es nicht. Es fährt seine Wege. Weit ist die Fahrt. Viel­leicht wird es ins Meer gelangen. Oh, vielleicht!

Höher stemmt der Lachs sich, und es ist leer um ihn im brausenden Fluß. Ein großer Schrecken geht vor dem Gewaltigen her, und einen scheuen Bannkreis zieht das mtt ihm wesende Meer, und die Unendlichkeit und Unbesieglichkeit des Lebens, und die Ahnung und Wit-

sich kaum erinnern:Ein

lange fahren wir schon keine Pferde mehr. Ja doch, das letzte war ein Brauner, warten Sie mal, Achill, ja Achill hieß er. War mal feines Tier. Ich hatte ihn von Kullmann, den Brau- nen. Pferdehandlung Kullmann, Ostbahnweg, draußen, wett draußen. Sentiert nicht."

Schon sind Mann und Pferd Mittelpunkt einer Menge, die alle ' " '

2Iber ich bitte Sie, meine Herrschaften, man hat die»

Prominenten Namen eben gewählt, um Fellnor zu tauschen das stehl doch ganz außer Frage!" ereifert sich d-e Schriftstellerin.

Al wird die Sache allmählich zu bunt die unfrucht- -ert.2t0m^,1atl0nen beginnen ihn zu langweilen, und er rounjqu endlich Gelegenheit zu bekommen, sich wieder einen anderen Kragen umzubinden.

Ja, zum Teufel, gnädige Frau", fährt er Frau Lang- Muller nicht gerade verbindlich in die Parade,wenn man mich mit dem Namen Reuf Pascha täuschen wollte, mußte ich diesen Kerl doch kennen. Zerbrechen Sie sich boef) bitte nicht weiter den Kopf, meine Herrschaften, Sie sind doch alle zum Vergnügen auf derChristabelle"! Die Geschichte ist gut abgelaufen lassen wir sie in Gottes Namen auf sich beruhen!"

Der Kapitän fühlt sich jetzt verpflichtet, einzugreifen. Etwas mehr als feine Passagiere weiß er doch wohl Fellnor" scheint nicht nur in seiner Zerstreuung auf der Christabelle" zu fahren, und Althaus hat vielleicht Gründe, die unter Umständen ebenso schwerwiegend sind, wie die korfiotischen Gauner, die sich des Ministers als Aushängeschild bedienen, um Allthaus-Fellnor an Land zu lotsen.

Er faßt seinen Luxus-Kabinen-Paffagier resolut am Arm und teilt mit der freien Linken die Mauer der ihn umdrängenden Passagiere.

Wir fragen Herrn Fellnor hier aus. meine Herr- schäften und sind dabei alle so unhöflich, zu vergessen, daß er nach diesem Abenteuer doch sicher den Wunsch nach einem Aufpulverungs-Whisky hat Also bis näch­ster lassen Sie sich den Appetit zum Diner durch diese Geschichte nicht verderben, es ist ja Gott sei Dank nichts dabei passiert. Bitte sehr, kommen Sie, Herr Fellnor!"

Die Zurückgebliebenen beugten sich über die Reeling unb registrierten mit Verblüffung und Hochachtung zu­gleich die Sensation, daß unter ihnen auf dem ©arten» deck der Kapitän Herrn Fellnor trotz dessen ganzem.

lacht ein Junge.

»Er will nicht in die Wurst!" meint ein anderer.

»Er scheut einfach vor irgendetwas!" stelll der Mann im Gehpelz fest und gibt ben Rat:Werfen Sie ihm eine Decke über die Augen!"

Noch einmal fegt der Peitschenstiel. Dann zieht der Fuhrmann den Rock aus, deckt ihn dem Gaul ben Kopf.

Laikan, der tapfere Lachs

Don Joseph Wenter*).

Bereitschaft.

Ich lieg brach wie ein Feld im Frühling für deine Gedanken, Herr Gott!

Senke in mich, was du willst: Ich will es tragen und reifen .... Das Morgendämmern der neuen Zeit fühl' ich im Osten es steigt herauf!

Gib mir teil am neuen Tag, weil ich dich liebe, Herr Gott! A. Lippmann.

*) Unter den deutschen Dichtern, die ein Tierleben in künstlerischer Schau gestalten, nimmt Josef Wen­ter, der sich nach seinen dramatischen Werken schon mit seinem ProsaerstllngMonsieur, der Kuckuck^ in die vorderste Reihe moderner Tierschielderer gestellt hat, einen besonderen Platz ein. Aus seinem soeben im Verlag Joses Köse! u. Friedrich Pustet, München, er­schienenen LachsromanLaikan" (237 Seiten. Leinen Mk. 6.50) veröffentlichten wir mit Erlaubnis des Ser- I lages die folgende Probe:

der ganzen Welt erwarten und ich lasse sie dann sitzen und nicht dich! Sein Dllck sucht ihre Augen, eine rote Welle jagt aus dem Ausschnitt ihres Kleides herauf.

Er wiederholle feine Frage:

Waren Sie nicht an Land?"

Doch, das schon, aber ich möchte doch roiffen, warum Sie so eifrig die Wünsche des Herrn Reuf Pascha re- fpettieren, ben Sie nicht kennen. Ich würde mich schwer hüten, in einer fremden Stabt so mir nichts, dir nichts auf das Telegramm eines Unbekannten hin an Land zu sausen."

Also gut, gnädiges Fräulein, Sie wollen die volle Wahrheit erfahren: Reuf Pascha fft, wie Herr Walker schon vorhin sagte, der türkische Verkehrsminister. Es besteht nun eine Verfügung Kemal Paschas, daß die türkischen hohen Beamten bei allen offiziellen Anlässen in ausgesucht eleganter europäischer Kleidung erscheinen muffen. Reuf Pascha war nun von jeher an ben Fes gewöhnt ben ersten hat ihm sein Vater zum Gedurts- tag geschenkt, als er nach Sexta versetzt wurde unb nun wollte er von mir wissen, wann man den stumpfen Sekdenhut und wann man den blanken Zylinder trägt. Bitte, verehrtes, gnädiges Fräulein, wir sind angelangt!"

Noch vor dem herzuspritzenden Butter reißt er mit großem Schwung die Glastür für sie auf unb will sie vor sich eintreten kaffen.

Sie schiebt ihn aber mit energischem Rippenstoß voran und flüstert beim Eintritt in den Saal ganz dicht an sei­nem Ohr:

»Die Quittung da für diese Frechheit kriegen Sie noch unb dahinter komme ich auch!"

Ohne mich", raunt er ihr noch übermütig zu dann nehmen sie beide Haltung an.

Hundert Augenpaare sind in Alarmzustand und ver­suchen zu entdecken, ob es von ihren Gesichtern schon prik- kelnde Geheimnisse abzulesen gibt.