Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Julda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatk

Nr. 299

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrist- :: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152. ::

Dienstag, 29. Dezember 1931.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzeigen-Preise: Kleinzeile (Kol.) lokal 0.15 RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM.. auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Frankfurt a. M 4051.

lullte. 58.

3m Zanuar fallen schwere Entscheidungen.

Die Reparations-Konferenz im Haag oder in Lausanne wird von Wettbedeutung sein. Frankreich findet eine fast restlos geschlossene Front gegen eine unnachgiebige Haltung in der Tribut-Frage. Amerika drängt Europa in die volle Verant­wortung. Brünings großer Wurf.

wtb. London, 28. Dez. (Eig. Meld.)Financial News" schreibt zum Baseler Gutachten, man braucht nicht von vornherein anzunehmen, daß Frankreich zu einer vernünftigen Auffassung un­fähig sein wird. Wenn es jedoch nicht zu wirk­lich erleichternden Maßnahmen bereit ist, dann wird es notwendig sein, der französischen Politik offen Wider st and entgegenzusetzen und Deutschlands Partei zu ergrei- f e n. Das Blatt nimmt Anstoß daran, daß der Be­richt infolge der Haltung der französischen Dele­gierten wiederholt von demvorübergehenden" Charakter der deutschen Schwierigkeiten spreche und nicht deutlich genug hervorhebe, daß diese vorübergehenden Schwierigkeiten vor einer end­gültigen Regelung der Reparationsfragen nickt aufhören würden. Die City sei über den Bericht nicht begeistert, weil er auf die Neigung hin­deutet, irgend ein unbefriedendes Kompromiß zu erzielen, das dem Gefühl der Unsicherheit kein Ende macken würde. Eine zeitweilige Vereinba­rung würde die Krise nur verlängern.

In finanziellen Kreisen würde immer stärker die Ansicht vertreten, daß die Dinge sobald wie möglich auf die Spitze getriaben wer­den sollten. Wenn eine befriedigende Rege- lung nicht zu erreichen sei, dann sollte sich Deutsch­land zu weiteren Zahlungen unfähig erklären und die Regierungen, die Kriegsschul­den haben, sollten Deutschlands Beispiel folgen

DerTemps" wird nachdenklich.

Ruhigere Sprache.

DerTemps", der noch am Samstag ge­gen die mehr oder weniger optimistische Auffassung Dr. Brünings gegenüber dem Schlußbericht der Baseler Sachverständigen Stellung nahm, und der noch einmal hervorhob, daß eine Herabsetzung der Reparationen ohne einen Ausgleich auf der ame­rikanischen Seite undenkbar sei, zeigt sich a m Sonntag wesentlich verträglicher. Das Blatt zieht die Bilanz Deutschlands und kommt dabei zu dem Schluß, daß das Reich nicht in der Lage sei, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Auf der bevorstehenden Konferenz werde man sich ange­sichts der amerikanischen Haltung nur der Repa­rationsfrage gegenüberstehen, die im Rah­men des Poungplanes aufgerollt werden müsse. Bei der Lösung dieses Problems müsse man den Rechten der interessierten Regierungen Rechnung tragen, die ihnen aus den Verträgen zustünden. Reue Formeln zu improvisieren, würde dazu füh­ren, die Krise nur noch zu verschärfen und die zivi­lisierte Welt vor gefährliche politische und wirt­schaftliche Auswirkungen zu stellen. Theore­tisch sei Deutschland wohl in der Lage, sowohl den Reparationsoerpflichtungen nachzukommen, als auch den größten Teil seiner sich auf 12 Mil­liarden Reichsmark belaufenden kurzfristigen, Kre­dite zurückzuzahlen. Praktisch sei dies jedoch nicht möglich, da die deutschen Guthaben im Auslande und im Inland im Augenblick zum min­dest nicht hereingebracht werden könnten. Die deutsche Bilanz sei in Wahrheit eine Konkursbil­dung. Die Frage, vor die man nunmehr gestellt sei, sei die, ob eine Möglichkeit bestehe, das Reich vor dem vollständigen Zusammen­bruch zu retten, dessen Auswirkungen für die ganze Welt unübersehbar wä­ren. Aufgabe der interessierten Regierungen sei es, die ihnen zufallende Verantwortung auf der kommenden Konferenz auf sich zu nehmen, ohne sich dabei von egoistischen Gedankengängen leiten zu lassen.

Der Zeitpunkt und Tagungsort der Januar- Konferenz ist anscheinend noch nicht endgültig be­stimmt. Von französischer Seite wird in Abrede gestellt, daß die Konferenz am 18. Januar im Haag beginne. Es komme auch Lausanne als Ta­gungsort in Frage.

*

In derGermania" wird zum Baseler Bericht gesagt, das Gutachten stelle in eindrucksvoller Weise eine Betrachtung der Ursachen und Entwicklung der deutschen Krise dar und komme zu Schlußfol­gerungen, denen vom deutschen Standpunkt aus zugestimmt werden könne. Die Tatsachen und Er­kenntnisse, die der Bericht verzeichne, seien für uns alles andere als neu. Aber der zweifellose Fort­schritt bestehe darin, daß er durch die Unterschrift der Mitglieder des Beratenden Sonderaussckusses der BIZ. zu einem juristisch-relevanten Bestand­teil der Reparationsregelung geworden sei. Im Januar werde die Endregelung durch die Regie- rungskonferenz vorgenommen werden können. Dann hätten die Regierungen das Wort und es werde das Ende der Reparationen kommen müs­sen, oder das Ende der europäischen Wirtschaft und abendländischen Kultur. DieDAZ." erklärt: Deutschland ist am Ende seiner Kraft das sei die Quintessenz des Baseler Berichts. Alles müsse aufgeboten werden, um zunächst die innerpoliti-« schen Voraussetzungen zu schaffen, die für eine er­folgreiche Durchführung des Endkampfes gegen die Tribute erforderlich seien. Das könne nur gesche­hen in einer Zusammenfassung derjenigen Kräfte, die mit dem Mute der Verzwefflung entschlossen

seien, das äußerste zu wagen, um das deutsche Nein zum Siege zu führen. DemTag" erscheint der Baseler Bericht als ein wenig erfreulicher Auftakt zur Regierungskonferenz. Der Sachver­ständigenbericht trage deutlich die Spuren eines Kompromisses. DieDeutsche Zeitung" stellt fest, es habe sich nun ergeben, daß zwar sehr viele Mächte den Unsinn der Tribute anerkennen, daß sie aber nicht in der Lage sind, diese Auffassung politisch duvchzusetzen. Weil Amerika nicht an Schuldenstreichung denke, bedeute dieEmpfeh­lung" der allgemeinen Schuldensenkung nur, daß die Lösung der Tributfrage auf die lange Bank geschoben sei.

Amerika läßt Europa allein.

In höchsten Washingtoner, mit dem Weißen Haus und dem Staatsdepartement in engster Verbindung stehenden Amtskreisen wird erklärt.,, daß Amerika keinen Vertreter zur Haa­ger Konferenz entsenden werde. Die Hoover- Regierung beabsichtige, Europa gegenüber solange eine Ni chteinmrfchun gsp o liti k zu ver­folgen, als es sich nicht für die Sicherung der deutschen Zahlungsfähigkeit und für die Vorbe­reitung zur Wiederkehr der europäischen wirtschaft­lichen Erholung verbürge.

Die Opposition im Kongreß gegen jegliches Zugeständnis in der Schuldenfrage zwinge die Regierung, ihre ganze Kraft den inneren Wirt­schaftsfragen zuzuwenden. Augenblicklich sei selbst die Entsendung eines Beobachters zweifelhaft.

Senator Borah für gänzliche Tributstreichung.

Senator Borah erklärte zum Baseler Ergebnis, daß er keine wirtschaftliche Erholung Europas sehen könne, solange die Reparationen nicht gänzlich gestrichen würden. Zwölf Jahre lang seien Konferenzen abgehalten und Aen- derungen vorgenommen worden, ohne daß eine Besserung eingetreten sei. Wenn Europa die Tri­bute nicht annullieren^ könne, sei es besser für die Vereinigten Staaten, Europa gänzlich allein zu lassen, um nicht sel b st mi t in d en Bankrott hineingezogen zu werden. Die französische Behauptung, daß die ungeschützten Zahlungen be­rechtigt seien, könne Deutschland durch die Er­klärung zurückweisen, daß bereits rund 10 Dollar - MiNiarden gezahlt worden seien.

Ein amerikanisches Urteil über Dr. Brüning.

Herald Tribüne" bringt einen Rückblick ihres Berliner Berichterstatters auf die diesjährige Poli­tik Dr. Brünings, die sich, wie der Korrespondent schreibt, taktisch bisher Hitlers Bestrebungen über­legen gezeigt habe. Sollten die Wahlen zum Preußischen Landtag zu Gunsten des Kabinetts Brüning ausfallen und Dr. Brüning imstande sein, sich ein weiteres Jahr mit konstitutionellen Mitteln am Ruder zu halten, so dürfte er ju bett geschickte st en Staatsmännern aller Zeiten gerechnet werden.

Mussolinis Forderung.

Wirtschaftsfrieden!

In einer Weihnachtsbetrachtung imBerliner Börsen-Courier" tritt der italienische Minister­präsident Mussolini für den Wirtschaftsfrieden und den Abbau der Zollmauern ein. Mussolini erklärt, daß der Welthandel in einer Zwangs­jacke stecke. Alle wollen verkaufen, und niemand wolle kaufen. Durch die Anti-Dumpingzölle Eng­lands seien die neuesten Barrikaden auf dem Wege des internationalen Handels errichtet wor­den. Der britische Schritt sei nicht nur mit der Propaganda der anderen Länder, in der Heimat zu kaufen, sondern auch wiederum mit erhöhten Zöllen beantwortet worden. Die Welt befinde sich seit mehreren Monaten in einem wirtschaftlichen Kriegszustand". Ganz ähnlich, wie Staatsverträge aufgehoben und politische Bündnisse geschlossen oder gebrochen werden, wenn ein Krieg ausbricht, so sehe man heute die Völker ihre Handelsverträge zerreißen.

Mussolim erklärt schließlich: Habe ich ange­sichts der ungeheuren militärischen Rüstungen nach Abrüstung gerufen, so muß ich jetzt noch einen zweiten Ruf, den nach wirtschaftlicher Abrüstung, ertönen lassen, damit der Handel die gesperrten Grenzen wieder überschreiten kann. Verlangte ich eine Friedensperiode durch Begrenzung der Rü­stungen, so ersehne ich jetzt auch eine Verständi­gung auf dem Gebiete der Wirtschaft. Auch im Wirtschaftskrieg hat das Maß der ertragbaren Leiden seine Grenzen wie im militärischen Krieg, und die Zeit für Erörtevungen über die Einstel­lung der Feindseligkeiten ist jetzt gekommen. Die Zollmauern müssen gesenkt werden, damit die Völ­ker wieder miteinander Handel treiben und sich die Mittel zur Bezahlung ihrer Schulden verschaf­fen können. Sie können nicht in Gold zahlen, wenn sie kein Gold haben. Sie müssen daher in Natura­lien zahlen, und das ist nur möglich durch die Wiederaufnahme des internationalen Handels und durch den leichteren Zufluß der Güter von einem Land ins andere. Das ansteckende Fieber des Hochschutzzolles muß überwunden werden durch die Rückkehr zu kühleren und ruhigeren Ueber- legungen, damit die Beweglichkeit des Handels auf den großen Verkehrsstvaßen der Welt wieder hergestellt werden kann. ) 1

Reue Sorgen.

Wiederaufnahme der Stillhalte-Berhandlunzen in Berlin.

cnb. Berlin, 28. Dezember. (Eig. Meld.) Die Verhandlungen über Erneuerung und Abänderung des Stillhalteabkommens, die infolge des Weih­nachtsfestes von Mittwoch, den 23., bis zum 27. unterbrochen waren, wurden Heute vor­mittag um 11 Uhr in den Räumen der Reichs- bank in Berlin wieder aufgenommen.

*

Die Berliner Stillhalteverhandlungen, diejeni­gen Verhandlungen also, die sich mit der Verlänge- rung der vom Auslande an Deutschland gegebenen kurzftistigen Kredite beschäftigen, haben, was nicht mehr länger verschwiegen zu werden braucht, bis­her, kein Ergebnis gezeitigt. Die vorläufige Lage läßt sich dahin kennzeichnen, daß die Verhandlun­gen ebenso wie die Kredite selbereingefroren" sind. Jeder Teil kam mit bestimmten formulierten Forderungen, mit denen eine gebundene Marsch­route gegeben war, von der man nicht abweichen zu können glaubte. Nun sind die ausländischen Vertreter genötigt, neue Instruktionen einzuholen, und die Pause der Weihnachtsfeiertage soll zu die­ser Aktion benutzt werden.

Die Forderungen, die von Seiten der Aus­landsgläubiger an Deutschland gestellt waren, gin­gen weit über das erträgliche Maß hinaus. Es war grundsätzlich gefordert worden, daß mit Ab­lauf des jetzigen Stillhalteabkommens am 29. Fe­bruar 1932 sofort eine Quote von 10 Prozent der von den Stillhalteverhandlungen betroffenen Summe zurückbezahlt würde. War schon diese For­derung, die zu einer für den Gold- und Devisen­stand der Reichsbank unerträglichen Belastung hätte führen müssen, nicht annehmbar, so wurde die Situation noch dadurch kompliziert, daß die

Urlaub des Reichskanzlers.

CNB. Berlin, 28. Dez. (Eig. Meldg.). Wie wir erfahren, ist Reichskanzler Dr. Brüning gestern von Berlin abgereist, um die Tage zwischen den Festen zu einem kurzen Erholungsurlaub auszu­nutzen. Er wird voraussichtlich am Montag oder Dienstag nächster Woch-e wieder in Berlin sein. Ebenso sind auch die Minister Dietrich und Groe- ner von Berlin abwesend so daß die Führung der Regierungsgeschäfte augenblicklich beim Reichspost­minister Dr. S ch ä tz e l als dem Dienstältesten des Kabinetts liegt. Er wird den Reichskanzler auch bei den Neujahrsempfängen beim Reichspräsiden­ten vertreten, die auch in diesem Jahre in der üb­lichen Weise vor sich gehen. Neu ist dabei aller­dings, daß vormittags 11 Uhr vor den übrigen Gratulanten eine Abordnung derHalloren", der Halle'schen Salzbergleute, vom Reichspräsidenten empfangen wird. Sie erschienen früher regelmä­ßig in ihrer altertümlichen Tracht zur Neujabrs» cudienz beim Kaiser und haben jetzt darum gebe­ten, den alten Brauch beim Reichspräsidenten mu­tier aufnehmen zu können. Aus der Abwesen­heit des Reichskanzlers, des Vizekanzlers und Reichsfinanzministers sowie des Reichswehr- und Reichsinnenministers ergibt sich von selbst, daß das Kabinett in den nächsten Tagen wichtige politische Dinge nickt behandeln wird. Wichtig ist dage­gen die Wiederaufnahme der Berliner Stillhalte­verhandlungen. die heute fortgeführt werden und nach der bekannten Ankündigung des Kanzlers kurz vor den Feiertagen noch etwa 14 Tage in Anspruch nehmen dürfte

weitere Forderung gestellt wurde, in jedem Vier­teljahr des neuen Stillhaltejahres abermals je 2l4 Prozent der betreffenden Summe zurückzuzahlen. Dadurch würden außer der grundsätzlichen Rück­zahlung von 10 Prozent für den Verlauf des Iah-

Gemeinsames Hirlenfchrelben derRschöse der Paderborner Archenprovinz.

Vielgeliebte Diözesanen!

Wieder steht strahlend vor unserem geisttgen Auge die Krippe Jesu Christi im Stalle zu Bethlehem. Keiner von allen, die neben uns die weite Weltsttaße wandern, geht achtlos an ihr vorüber. Was wir sehen, ist klein, niedrig und armselig : die Krippe, das Kind, die Jung­stau, der Zimmermann von Nazareth. Und doch ist es ein gewaltiges, welterschütterndes Ereignis, das sich in jener Herberge der Armut zugetragen hat. Die Geburt Christi ist der große Markstein in der Geschichte der Menschheit. Am ersten Weihnachtstage ist ein neues Weltalter angebrochen; die Krippe des Heilandes bezeichnet die Grenzscheide zweier Kulturepochen; die finstere Zeit des alten Heidentums ist abgeschlossen, ein neues, das christliche Zeitalter hat leinen An­fang genommen, die kalte, liebeleere Welt spürt wieder den warmen Hauch der göttlichen Liebe. Der Völkerlehrer Paulus hebt mit Recht in Be­zug auf die Geburt Christi hervor:Erschienen ist die Gnade und Menschenfreundlich­keit Gottes, unseres Heilandes" (Tit. 3,4). Christus kam aus Liebe, d. h. aus lie­bendem Erbarmen mit uns armen Menschen; er kam mit Liebe, d. h. mitleidsvoll sich jeder Not annehmend; er kam für die Liebe, d. h. uns Menschen Liebe lehrend und die Menschenherzen mit Gottes Herzen und untereinander in Liebe vereinend. Von ihm ist der belebende Geist der vollkommensten Gottes- und Nächstenliebe aus­gegangen. Diese Liebe ist die Edelkraft des Willens, sie fehlt nicht bei denen, dieguten Willens sind". Guten Willens ist, wer seinen Willen dem Willen Gottes, des einzig Guten unterwirft. Guten Willens ist, wer dem göttlichen Willen gemäß allen Menschen gut ist, aller Wohl fördern will.

Wenn wir von einem solchen Bethlehems­geist in der ganzen Fülle beseelt sind, dann ist es uns unmöglich, den Reichtum dieser inneren großen Begnadung für uns allein zu behalten. Es drängt uns, ihn auch anderen mitzuteilen. Und so erklärt es sich, daß die Weihnachtssteude ihre Vollendung in der Gemeinschaft, zunächst in der Familien-, dann in der Volksgemeinschaft findet. Wie wird doch die Weihnachtsseligkeit gestört und beeinttäcktigt, wenn rings um uns Not, Hader, Groll, Zank, Streit, Haß, Klassen­kampf, Parteikampf herrschen. In der Tat, echte Weihnachtsfreude können wir nur dann ge­nießen, wenn die ganze Schönheit der innigen Volksgemeinschaft in die Erscheinung tritt; sie tut es überall da, wo alle Volksgenossen als Brüder und Schwestern in Christo Jesu sich fühlen und in der von ihnen vom Schöpfer be­stimmten Aufgabe eng vereinigt sind mit dem Ziele, die Einzelmenschen zu stützen, ihnen die Erfüllung ihres Lebenszweckes zu ermöglichen und zu erleichtern und sie so zeitlich und ewig glücklich zu machen. Weihnachten ist das Fest des Friedens. Aber der schönste Christbaum allein kann den Weihnachtsstieden nicht wieder­bringen. Wir müssen erst lernen, die Dinge dieser Welt im Lichte der Krippe zu sehen, alles wieder hinzuordnen auf den einen großen Mittel­punkt, auf das göttliche Kind, das uns zu seinem himmlischen Vater, zu Gott, führen will. Nicht

zuletzt gilt es, die Zwietracht, den Haß aus der menschlichen Gesellschaft zu bannen. Denn wo Haß, da Elend, Tränen, Flüche, Zerstörung, Vernichtung. Das hat die Geschichte allzeit zum Erschrecken deutlich gezeigt. Mehr als je zeigt unser Volk gegenwärttg das traurige Bild tiefster Zerklüftung und zersetzender Agitation. Und dazu kommt mit tiefem Seelenweh sei es gesagt, daß eine Stimmung der Gewalttätigkeit, selbst eine Mordstimmung sich geltend macht. Worte und Phrasen werden in den Versammlungen und in der Presse gebraucht, Drohungen gegen Andersdenkende ausgesprochen, die unter Um­ständen sich grauenhaft auswirken können und sich mehrfach schon ausgewirkt haben. Wie steht doch ein solches Verhalten einzelner Fanatiker in Wort und Schrift in grellem Gegensätze zu den Lehren des menschgewordenen Gottessohnes in der Krippe zu Bethlehem. Wie schön, wie beglückend wäre es für die Menschen, wenn man nach den ewigen Grundsätzen der Wahrheit und des Friedens, wie er sie aufgestellt hat, die verschlungenen Pfade des ganzen öffentlichen Lebens regeln würde. Segen in Fülle würde sich alsbald über die Menschheit ergießen. Kost­bare Gaben würden ihr zuteil werden, wenn auch nicht mit dem Golde des Metalls, dann doch mit dem viel wertvolleren Golde der Liebe und des Friedens.

Es ist gewiß beklagenswert, einen Weihnachts­hirtenbrief durch den Hinweis auf so betrübende Erscheinungen in unserem Vaterlande schließen zu müssen. Doch wenn uns die Erkenntnis auf­geht, daß die Gefahren für Kirche und Vaterland groß find und immer größer werden, dann wer­den wir um so hingebender für unsere große hl. Sache kämpfen, um so felsenfester wird das Vertrauen auf den sein, der uns im hl. Kampfe vorangeht, auf Christus, Gott hochgelobt in Ewigkeit.

Und nun entbieten wir Euch, liebe Diözesanen, aus ganzer Seele unseren Weihnachtsgruß und Weihnachtssegen. Daheim im Glanze des Christbaumes und in der Kirche zu den Füßen des Altares wollen wir uns freuen, daß uns der Heiland geboren ward. Haltet fest zu ihm und arbeitet mit Eifer in Eurer Umgebung, daß fein Geist und sein Gesetz überall wieder zur Geltung kommen. Und wenn Euch die Ungläu­bigen von Eurem Heiland weglocken wollen, dann überlasset ihnen ihre trügerische Weisheit, eingedenk, daßnur einer unser Lehrer ist: Christus" (Matth. 23, 10) und daßkein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben ist, durch den wir selig werden können, als der Name Jesus" (Apostg. 4, 12).

Paderborn, am Oktavtage der Unbefleckten Empfängnis 1931.

Die vischöfe der Paderborner Mrchenpromnz: ft Caspar, Erzbischof von Paderborn, t Joseph Damian, Bischof von Fulda, f Nicolaus, Bischof von Hildesheim.

Vorstehendes Hirtenschreiben wurde am Sonn­tag, den 27. Dezember, von der Kanzel verlesen.