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Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt

Nr. 298

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Freitag, 25. Dezember 1931.

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lahrg. 58.

wo ist die Wahrheit?

Gedanken zum Weihnachtssesi.

Von Dr. Los. Albert. Dresden.

Es gibt keinen Gottesleugner, der nicht einmal im Leben erkannt hätte, daß die Entscheidung für Gott der Wahrheit näher kommt, als die Entschei­dung gegen ihn. Es gibt keinen reuigen Men'chen, der. wenn er dem Tode entgegensieht, nicht in ei­nem letzten Meer von Licht jenes winzige und ein­zige Licht wiedererkännte das ihn immer auf die Bahn der Wahrheit und des Guten drängte. Und es gibt keinen Agitator, keinen Irrlehrer, keinen .freien Geist", der, wenn er einen Augenb'ick a'.! seiner Rethorik entkleidet würde, nicht auch in die­sem Augenblick das Wehen eines Geistes ver- fpfirte der anders und weit besser ist als der, den er selbst verkündete.

Einmal in jedem Jahr erleben wir ein Besser­werden der Menschheit. Wenn das Jahr sich schon zu Ende neigt, und ein tiefer Winter über uns gekommen ist mit seiner Erstarrung und Un­fruchtbarkeit, wandeln wir ein paar Tage lang wie über seelige Gefilde. Es gibt nichts in der ganzen Geschichte, kein Fest keinen Kultus, kem Ereignis, das den Menschen je so in den Bam, des Guten gezogen hätte, wie die Glocken, wenn sie zu Weihnachten läuten. Der Weitgereiste eilt am Abend, um noch vor Nacht in seine Heimat zu kommen. Der Vergessene besinnt sich, seine Sehn­sucht treibt ihn an, zu der Stätte längst vergange­ner Tage aufzubrechen. Welche Winternacht wölbt ihren Himmel so leuchtend über die, die wieder- kommen? Welches Auge erbarmt sich mehr der Verlorenen als das. Menschenauge in der Weih­nachtsnacht? Wenn der erste Klang anhebt eines Liedes oder eines Spieles am Heiligen Abend, da geht die Verwandlung vor sich. Der Merllch verwandelt stch zum Guten.

Es ist wohl der Mühe wert, inmitten der mäch­tigen Bewegungen unsrer Zeit, der Kämpfe um Freiheit und Brot, auf das Geschehen einiger Stunden hinzuweisen, weil in diesem Gesch-ben der Mensch sich in eigenartiger Weise enthüllt Er fängt immer erst dort an. der Wahrheit und dem Guten näher zu kommen, wo er bereit ist, sich ihnen zu nähern. Das ist die einzigartige Fmde- runo an uns. und sie wird cs ewig sein: die Wahrheit erkennen zu wollen. Ohne Vorurteil! Alle Augen, die sich Weihnachten öffnen und we­nigstens noch einen Glanz aus der Jugend haben, sind zu irgendetwas bereit, und wenn sie nur be­reit wären, mit ihrem Blick das Herz des anderen um das geringste Maß an Glück zu bereichern. Sie haben in dieser einen Nacht keine Vorurteile, und lo erkennen sie. wie gut der eine und wie gut der andere ist Die reine Absicht bringt sie bis auf diese Stufe der Erkenntnis. Vielleicht ia, vielleicht löst sich in der Ferne ein Strahl von der ewigen Wahrheit los, ein Abglanz von Gott selbst. Nicht alle, die zusammenkommen, glauben; aber si» können es nicht verhindern, daß ihnen jener Abglanz vor die Seele tritt.

Das Jahrhundert steht unter einem besonderen Zeichen. Niemals in der Geschichte des Christen­tums hat es eine Zeit gegeben, wo Scharen von Menschen zu Zweiflern und zu Ungläubigen wur­den. Es gab wohl einen Kampf um die letzten Dinge ein Ringen um sie, um ihnen näher zu kommen; aber dieses Ringen hat etwas anderem in hohem Maße Platz gemacht: einer Eitelkeit des Verstandes. So groß das Labyrinth der leiblichen Not und der seelischen Enttäulchunaen geworden ist, dieses Labyrinth, in dem die letzten Verzweif­lungen vorbereitet werden, also auch der Abfall von Gott, so sehr bleibt doch dem menschlichen Geist die letzte Entscheidung Vorbehalten. Wahr­heit ist wohl zu erkennen, wenn die große Ord­nung der Natur gewahrt wird. Nach dieser Ord- npng wird stets ein bestimmtes Maß an Geist über die Menschen ausgegossen. Der eine erhält davon nur wenig, der andere mehr, derart daß mannigfache Stufen vom Geringsten bis zum Höchstbeaabten entstehen. Höchstbegabte gibt e« nie im Uebermaß. sie sind gezählt vereinzelt, um über allen stehend. Hüter der Wahrheit zu sein Es bedarf, fo unzweifelhaft es jedem möglich ist. auch mit feiner geringen Gabe das Gute zu tun. doch des überragenden Eeiftes, um die Welt vor Verwirrung zu schützen und das Höchste in der höchsten Klarheit ausmfprechen. Es bedarf der regulierenden Kraft, die den einzelnen in fein? Schranken weist. In dem Augenblick, wo Europa die Freiheit im Geistigen ausrief. Freiheit mit Ueberhebung verwechselnd, waren die Wege zum Abfall von der Wahrbüt freiaeqeben Der Schran­kenlose erhielt nun Macht über die Menschen. Weil der Wahrheitsliebende vorsichtig ist in der Wahl feiner Mittel, um niemals fehl zu gehen, wurde er bald überflügelt von der mächtigen Pro­paganda feiner Gegner, der Hemmungslosen der Gewinnstrebenden, der den Geist Mißbrauchenden. Was konnten sie nicht in ihre Dienste stellen! Al­les. was die Zeit an Erfindungen hat: das Buch und die Zeitung, das geschriebene und d"s gespro­chene Wort, das Bild, die Bühne, den Film. Die Welt ist ihnen ausaelielert.

Diese Verstandesüberhebung, die in einem be­stimmten Kreis von Menschen, in den Führern, die keine wahren Führer sind, in Erscheinung tritt, wiederholt sich nun allzu leicht und allzu ost im Einzelnen aus dem Volke. Der Geist wird in Verwirrung gefetzt mit einer Fülle von Dingen und bestrickenden Worten. Er nimmt und emp­fängt nach feinem Belieben, er deutet es sich nach feinem Wunsche: und ganz allmählich erschein, ihm alles in einem gleichen Licht, alles scheint ir­gendwie Berechtigung zu haben Hat mcht da? ganze Wissen ein gemeinsames Niveau liegt es nicht auf einer gleichen Ebene? Was immer ver­langt wird, wird auch gegeben, was immer man zu lesen wünscht, über ein leichtes ober schweres

Noimg-Nlan aus den Angeln gehoben.

Die Baseler Sachverständigen erklären:Das deutsche Pro-

1929 rund 33 Milliarden Kapital nweftiert, davon SS Milliarden in öffentlichen Anlagen, Wohnungsbau, Gas. Wasser usw. Diese Summen stammen zum Teil aus »i- genkapital, zum Teil aus Auslandskapital.

Der hohe Anteil des Auslandskapitals habe Deutsch­land, besonders verwundbar gemacht.

blcm, das in weitem Matze die Arsache für die steigende sinanziette Lähmung der Wett ist, erheischt ein ^ememsames Handeln, das nur von den Regierungen ausgehen kann. Das Problem hat weltweite Bedeutung. , .

Nach langem Ringen haben die Sachverständi­gen in Basel in der Nacht zum Donnerstag das Gutachten über die de ticb? Zahlungs mf h: "steil unterschrieben, ohne Ausnahme; auch der deutsche Vertreter hat unterschrieben.

Das Gutachten des B. I. Ausschusses besteht aus vier Kapiteln, in denen die gegenwärtige Lage, die Ursachen der Krise, die Maßnahmen der deut­schen Regierung und die Schkuß*ol"erunaen be­handelt werden. 3n diesen sagt der Ausschuß dem Sinne nach, daß derDoungplan überhalt i st, daß das außerordentliche Fallen des Goldpreises die deutschen Leistungen u m 40 v. H. e r h ö h t h a t, daß das deutsche Pro­blem - weitem Maße die Ursache für die steigende sinan,.clle Lähmung der Welt ist und daß die ein» getretenen Schwierigkeiten Dorboten weite­rer Katastrophen sein müssen, wenn nicht etwas Durchgreife ud es ge­schieht. Der Ausschuß empfiehlt schließlich die Wiederherstellung des Vertrauens, die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden (Tribute und

Grunde ein gesundes Unternehmen und bei Beobachtung kaufmännischer Grundsätze künftig einen Betriebsüber­schuß zu erarbeiten in der Lage sei, und zwar einen Ueberschuß, wie ihn die übrigen großen Auslands­bahnen erzielen, vorausgesetzt, daß Deutschland und die Wett das Gleichgewicht w i ed e r g e w o n n e n haben und normale wirtschaftliche Berhättn-sse eintreten.

Die größten Schwierigkeiten bei der Abfassung des Be­richts hat bekanntlich das zweite Kapitel verursacht, das die

Umstände und verhättniffe, die zu der gegenwärtigen Lage geführt hatten,

schildert., Der Rückgang in der Konsumkraft breiter Mas­sen habe eine Verminderung oder sogar eip vollständiges Verschwinden der Rentabilität, schwere Arbeitslosigkeit und einen Niederbruch in den Börsenwerten herbeigeführt. Die Erhöhung der Zollmauern mehre die bereite von dem W'ggin-Komitee geschilderten Schwierigkeiten in den Be­ziehungen zwischen Gläubiger- und Schuldner-Ländern, da Zahlungen von einem Lande an das andere schließ­lich nur in Form von Waren gemacht werden könnten. Deutschland hätte einen starken Kapitalbedarf gehabt, um die durch den Krieg, seine Nachwirkungen und die In­flation geschaffenen Lücken auszufüllen. Bon dem seit 1924 eingeströmten Ausländskapital in Höhe von 18 Mil­liarden Rm. seien 10.3 Milliarden durch Reparationen ausgezehrt. Insgesamt habe Deutschland von 1924 bis

In den. Jahren 1926 bis 1930 seien ebenso.wie die Steuereinnahmen auch die Ausgaben im Reich. Landern und Gemeinden stark gestiegen, und Zwar von 17,l auf 20,8 Milliarden. Die Ausgaben für W o h n u n g s b a u, Bi 1 du n g swesen und Wohlfahrtswesen machten hiervon 43 Prozent aus. Stark gestiegen waren ferner die öffentlichen Schulden, die 1931 insgesamt 24 Milliarden betrugen. Die steigende Ausgabenpolitik sei oft revidiert worden, ebenso wie das System des Finanz­ausgleiches zwischen Reich Ländern und Gemeinden, das die Kontrolle über die Ausgaben von der Verantwortung für die Erhebung mindestens eines beträchtlichen Teile» der Einnahmen tr-nne

So außergewöhnlich jetzt auch die Krise sei, >o sei doch jederKriseeinAufschwung gefolgt Die starke wirtschaftliche Ausrüstung Deutschlands könne letzt zwar nicht voll ausgenützt werden, ober wenn man auch den Punkt der wirtschaftlichen Stabilität nicht vorausiehen könne, so sei es doch nicht weniger sicher, daß diese Sta­bilität erst mit Hilfe der in Kapitel 4 gemachten Vorschläge erreicht werden könne.

Das Kapitel 3 schildert die deutschen Sondermaßnah, men zur Bekämpfung der Krist. Es wird besonders her­vorgehoben, daß diese zur Verteidigung und Aufrechterhal» hing der Stabilität der Währung und des Haushaltes getroffenen Maßnahmen den entschlossenen Willen der Reichsregierung zu erkennen geben, der Lage gerecht zu werden.

*

In Berliner politischen Kreisen wirb zum Ba- Mer Gutachten darauf hin""mies°n. daß der Houngplan damit sachlich aus den An» geln gehoben werde, wobei der dringende Appell an die Regierungen im Zusammenhang'nut der Einstimmigkeit und dem Verzicht auf jeglichen Vorbehalt besonders unterstrichen wird.

Kriegsschulden) an die gegenwärtig zerrüttete Lage der ID elf.

Im einzelnen heißt es u. a. in dem Gutachten:

Gewisse Betrachtungen erscheinen dem Ausschuß von größter Wichtigkeit:

Transferierungen von einem Lande in einem Umfange, der die Zahlungsbilanz erschüttert,, müs­sen das augenblickliche Chaos noch verschärfen.

Die Befreiung eines Landes von nur unerträg­lichen Lasten würde möglicherweise die Last auf ein Gläubigerland abwälzen, das in seiner Eigenschaft als Schuldner seinerseits nicht in der Lage ist, die Last zu tragen.

Der einzige Schritt von Dauer, der das Ver-? trauen wieder Herstellen kann, ist die Anpassung aller zwischenstaatlichen Schulden (Reparationen und andere Kriegsschulden) andre gegenwär­tige zerrüttete Lage der Welt.

Endlich sind Schritte notwendig, um den energischen Maßnahmen, mit denen die deutsche Regierung die Stabili­tät ihrer Währung verteidigt, dau­ernde Wirkung zu sichern.

Der Ausschuß richtet an die Regierungen den Appell, ohne Verzug zu Entscheidungen zu kommen und damit neue Hoffnung auf eine Besserung der schweren Krise zu erwecken, die gleichermaßen auf allen lastet.

Das erste Kapitek gibt einen Ueberblick über die gegenwärtige Lage. Der Bericht hebt die beson­dere Empfindlichkeit der deutschen Wirtschaft gegen­über der Kreditkrise hervor. Er weist aus die hohe kurzfristige Verschuldung hin. Die Ausfuhrüberschüsse der letzten Zeit hätten ein ge­wisses Gegengewicht gegen die jüngsten Kreditab­züge geschaffen. Es erscheine aber zweifelhaft, ob die wirtschaftlichen Bedingungen Ausfuhr­überschüsse in der bisherigen H ö h e g e st a t t e t e n. Jedenfalls seien die Ausfuhrüber­schüsse nicht sofort realisierbar, um damit kurz­fristige Schulden sofort zurückzuzahlen.

Eine Schätzung der deutschen Zahlungsbilanz für das Jahr 1931 zeige den hohen Anteil, der von dem Ausfuhrüberschuß für den Zinsen- und Tilgungsdienst der Auslandsschulden und der Re­parationszahlungen vor dem Hoover-Plan verwen­det werden mußte.

Deutschland hat eine überlegte Preis- und Lohnsenkungspolitik verfolgt, um seine wirtschaftliche Sage gegenüber dem Ausland soweit wie möglich zu schützen. Preise und Löhne seien durch die letzte Notverordnung weiter gesenkt. Der Produktions­index stehe bei 100 Prozent 1928 im September ds. Is. auf 66 Prozent. Ein Drittel des wirtschaftlichen Le­bens Deutschlands habe aufgehört. Die Arbeits­losigkeit sei weiter gestiegen. Die Lage der Landwirtschaft sei durch diese Entwicklung ebenfalls betroffen. Die Steuerlast sei nach Auffassung des Ausschusses so hoch gestiegen, daß für eine weitere Erhö­hung kein Raum mehr sei. Die Wirtschafts­schrumpfung zeige fich auch in den Einnahmerückgängen der Reichsbahn. Was die künftige Lage der

Reichsbahn

angehe, so sei der hierfür eingesetzte Unterausschuß zu der Sch'ußfolgerung gekommen, daß die Reichsbahn im

Reichskanzler Rrünlng über vajel.

Der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich über das Gutachten des Sonderausschusses.

CNB.Berlin, 24. Dez. (Eig. Meld.) Reichsfi­nanzminister Dr. Dietrich würdigte be ite vor Ver­tretern der Presse die Bedeutung des Baseler Gut­achtens. Einleitend wies der Minister darauf hin daß zunächst nur einzelne Teile des Gut­achtens im Wortlaut vorlägen. Insbesondere f.'hle noch der Wortlaut des 1. Teiles des 2. Kapitels, der zur Bewertung des Gutachtens zweifellos von besonderer Bedeutung sei.

Der Reichsfinanzminister gab dann einen kur­zen Ueberblick über die Porgeschichte der Bafeler Tagung und betonte, daß schon beim deutschen An­trag auf Einberufung des Sonderausschusses z'tm Ausdruck gekommen fei, daß noch Auffassung der deutschen Regierung die Mittel des Poungplones nicht ausreichen wurden. Der Minister unterstrich mit allem Nachdruck, daß der Baseler Ausschuß festgestellt habe, daß eine unvorhergese- heneKriseeingetretensei, derenAus- maß zweifellos über bie vom Pountz- plan ins Auge gefaßteverhältnis­mäßig kurze Depression" hinan s- g e h e. Deutlich sei ausgesprochen worden, daß diese Krise eine Entwicklung genommen habe, die im Äoungplan überhaupt nicht berück­st ch t i g t fei.

Der Minister führte weiter aus: Die Voraus­setzungen der deutschen Zahlungen, die der doung- plan von der wirtschaftlichen Seite her ausdrücklich unterstrich, sind in entscheidenden Punkten von den Staaten, mit denen Deutschland Handel treibt, zu denen auch vornehmlich die Vertragsschließenden gehören, dadurch beseitigt worden, daß sie in ihrer Handelspolitik das Gegenteil von dem tun, was sie sinngemäß nach dem Plan hät­ten tun müssen. Statt Deutschland die Zahlungen durch Warenimport zu gestatten, haben sie diese Zahlungen durch Zollerhöhunaen, Kon­tingente und Einfuhr sperren unmög­lich gemacht. Diese ganze wirtschaftliche Entwick­lung hat einen Zustand herbeigeführt, der Maß­nahmen notwendig macht, die außerhalb der Mög­lichkeiten des Noungplanes stehen und die nur von den Regierungen ergriffen werden können. Der Sachverftändigen-Bericht selbst unterstreicht die Dringlichkeit solcher Maßnahmen. Die Folgen für alle Wirtschaftsvölker Europas, aber auch der über­seeischen Länder müssen katastrophal sein, wenn das Vertrauen nicht wieder hergestellt und nicht die Voraussetzung eines geordneten weltwirtschaft­lichen Verkehrs neu geschaffen werde.

Schließlich wies Reichsfinanzminister Dietrich noch einmal darauf hin, mit welcher Ener­gie gerade in den letzten bei de n Iahren daran gearbeitet worden i st, überall in Deutschland unklare und überstei- 1 oerte Finanrverhältniss-- su beseiti­

gen, um wieder zu peinlichster Spar­samkeit zu kommen.

C. N.B. Berlin, 24. Dez. (Eig. Meld.) Dor Vertretern der Presse nahm auch Reichskanz- ler Dr. Brüning das Wort,-um namentlich den deutschen Sachverständigen in Basel auch öffentlich den wärmsten Dank der Reichsregierung auszusprechen für. die außerordentlich schwierige und mühevolle Arbeit der letzten drei Wochen. Der Kanzler nannte dabei besonders Dr. Melchior und Geheimrat Schmitz, ferner Staatssekretär Schäffer, Ministerialdirektor Gras Schwerin-Kro­sigk und Ministerialrat Berger vom Reichsftnanz- ministerium, deren Darlegungen über die deutschen Eiatverhältnisse in Bafel einen ausgezeichneten Eindruck gemacht Haben.

Zum Baseler Bericht selbst, soweit er bis jetzt vorliegt, hob Dr. Brüning besonders zwei Punkte hervor. Das ist erstens, daß der Bericht in der Schärfe der Präzisierung einen Rückschritt gegen üb et dem Wiggin-Be richt dar- jstellt. Das war zu erwarten, well es sich bei dem Baseler Ausschuß um ein juristisch e s Instru­ment des Poungplanes handelt. Für unsere Sach­verständigen war es schwer, innerhalb dieses Rah­mens ihre Ausgabe so zu erfüllen, daß die wahre Lage erkennbar wird. Das ist gelungen und das ist der entscheidende Gesichtspunkt. Im Ab­schnitt 4 des Berichtes wird der ur- fprünglich vom Poungplan vorge­sehene Rahmen gesprengt.

Von französischer Seite istverm^t worden, die gegenwärtige Krise als vorübergehend hin- zustellen, auf die wieder eine normale Prosperität folgen werde. Im Bericht kommt zum Ausdruck, daß Deutschland bann traft seines industriellen Ap­parates in eine ßewnders ai'nftige Lage kommen merbe. Die A-ffaff'wo als Mt"*» b»«Mlb keineswegs großzügig an bie P ro» bleme herangeganzen zu werben, wirb aufgehoben durch die sofort folgende Feststellung, daß bie Besserung der Lage mit Hilfe ber Empfehlungen des Aus­schusses herbeigeführt werben muß. Die enge Be­grenzung. bie in ber Konstruktion des Sonberaus» schusses liegt unb die dem Bericht verschiedentlich anzumerken ist, wird zweifellos in den Ländern, in denen man sich über die Zusammenhänge ber großen Krise inzwischen klar geworben ist, eine starke Enttäuschung Hervorrufen.

Immerhin könne man von beutscher Seite auch mit ©enwtuma feftftellen und bas iftber£.

Thema, über ein gutes ober schlechtes, das ist in irgendeinem Buch zu finden. Wer wundert sio daß der Mensch des 20. Jahrhunderts endlich glaubt, er wisse nunsehr viel", vielleicht schon al­les; daß seine Ehrfurcht vor dem wirtlich Wissen­den schwindet; daß die Eitelkeit feines Verstandes erwacht. Selbst der Kommunismus müht sich ab, diese Eitelkeit im Menschen zu erwecken, auch in den allerärmften. Von diesem Tage an erliegt er leichter dem, was er hört und sieht. Und tritt die Aussicht noch hinzu, auch in den wandelbaren Wünschen feines Herzens mögen sie sein wie immer leichte Erfüllung zu finden, so ist die Gefahr erhöht, fich selbst in den Mittelpunkt der Welt zu stellen und nicht mehr um jenen Mittel­punkt zu kreisen, der Anfang und Ende aller Dinge ist.

Fast scheint es für die menschliche Vernunft un­möglich zu sein, daß sie das, was eine Kultur­

epoche von 2000 Jahren, eine Elite der Wissen­schaft und der Kunst, ein ausgewählter Kreis von edelsten und besten Menschen, als unumstößstch überliefert haben, einfach preisgibt, um dafür das Wandelbare ihrer Zeitgeschichte einzutauschen. Aber gerade daran, daß es möglich ist, erkennen mir das Wichtigste: unsere Zweisel an den letzten Dingen sind nicht die Wirkung einer reinen, un­voreingenommenen Vernunft, sondern sie stammen aus einem vorurteilsvollen Geist und einem eben­solchen Herzen. Wartet nicht hinter uns etwas, was uns betört? Selbst der im Elend lebende, der Irregestihrte, der wahrhaft Arme und Trau­rige muß diesen Unterschied noch machen. Selbst der Verbitterte, der alles anklagt, was ihn hin.'b stieß, wird in der letzten entscheidungsvollev Frage, im Abfall von Gott, auch zum Kläger ge­gen sich selbst. Wünsche des Geistes, Wünsche des Herzens vermögen uns ungläubig zu machen.

Ist es Täuschung, wenn uns die Glocken der Weihnachtsnacht mit ihrem Schall das Herz bewe. gen, mit ihrem Klang so seltsam unser Ohr erfül­len? Ist es Täuschung, ist es Wahrheit? In der gleichen Weise, wie der Mensch sich verwandelt zum befferen Menschen in dieser Nacht, well er bereit ist, sich zu verwandeln, in der gleichen Welle nähert der Geist sich dem letzten Grund aller Dinge, wenn er bereit ist, sich ihm zu nähern. Die Tiefe des Auges, das uns gläubig entgegensieht, wirst schon den Abglanz auf uns, der ewiger ist cis Tage und Jahre Ahnend erfassen wir es: das Ferne ist nicht mehr dunkel, wenn in uns selbst die Absicht reiner wird; klarer wird das Un­vergängliche, je klarer unsere eigene Gesinnung wird. Wir ahnen es in der Tat: die Wahrheit kann nur den durchdringen, der sich von ihr durchs bringen läßt.