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Beilage zur Fuldaer Zeitung

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25. Dezember

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Das hohe Weihnachlsfest.

Das Engelaml: Eingangslied: 3f. 9, 6.

Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt; auf seinen Schultern ruht die West­herrschast und sein Name wird genannt Engel des großen Rates. (Ps. 97, 1.) Singt dem Herrn ein neues Lied. s -n er hat Wunder getan.

Epistel: Hebe. 1. 112.

Zu wiederholten Malen und auf vielerlei Weife hat einst Gott durch die Propheten zu den Vätern gesprochen Zulebt in diesen Tagen hat er zu uns durch den Sohn gesprochen, den er zum Er­ben des Weltalls eingesetzt, durch den er auch die Welt erschaffen bat Er, der Abglanz seiner Herr­lichkeit und das Ebenbild seines Wesens, der durch das Wort seiner Allmacht das Weltall trägt, sitzet zur Rechten der Majestät in der Höhe, nachdem er uns von unfern Sünden gereinigt hat. So viel höher ist er über die Engel erhoben, als der Name den er ererbt hat über den der Engel erhaben ist. Denn zu welchem Engel hat Gott je gesagt- Mein Sohn bist du, ich zeuge dich heute? Und wiederum, da er seinen Erstgeborenen in die West einführt. spricht er: Anbeten sollen ihn alle Engel Gottes. Von den Engeln sagt er nur: Er macht seine Engel m Winden und feine Diener iu Steuer flammen. Zum Sohne aber iagt er- Dein Thron, o Gott, steht immer und ewig Ein Zenter des Rechts ist das Zepter deines Reiches. Du liebst Gerechtigkeit und hastest das Unrecht. Darum hat dich Gott, dein Gott, gekalbt mit Freudenöl vor allen deinen Genosten Ferner: Du hast, o Aerr, im Anfang die Erde geschaffen, und das Werk deiner Aände find die Himmel. Sie werden ver­geben. du aber wirft bleiben. Sie alle werden altern wie ein Kleid, und wie ein Gewand wirft du fie ändern und werden sie sich ändern, du aber bleibst derselbe, und deine Jahre nehmen nicht ab.

Triebe auf Erben.

Befrachtung zum Weihnachlsevangelium.

Ist diese Weibnacktsbotscbaff nicht wie ein Hob, aus unsere Zeit? Und gibt es nicht Viele, die deshalb das ganze Christentum in Frage stellen weil es nicht den Frieden auf Erden gebracht hat? Kommt es uns nicht gerade am Weihnachtsfeste mit furchtbarer Bitterkeit zum Bewußtsein wie friedlos die Welt eigentlich ist trotz Völkerbund und Abrüstunasbestrebungen?

Das alles sind Bedenken, die sich gar Manchem mit Gewalt aufdrängen und die wohl wert sind, daß ihnen ernsthaft nachgegangen wird. Man könnte wohl einfach entgegnen: Mit all diesen Dingen hat das Christentum eigentlich nichts zu tun, denn die Friedlosigkeit der heu­tigen Welt ist nicht etwa eine Folge des Chri­stentums. sondern gerade des Mangels an Christentum. Und man mag den Quellen des Unfriedens nachspüren wo man will, keine oon ihnen kommt aus christlichem Geiste, sondern us seiner Verneinung. Damit wäre die Frage igentlid) erledigt, aber es mag dock gut sein, noch äher auf die angezeigten Dinge einzugehen.

Das Christentum ist im Grunde keine irtschaftliche oder politische Re - armberoegung. Es hat zum Ziel die Er­neuerung der Geister im Sinne und Geiste Christi. Ans Ichmenschen sollen Wirmenschen, aus Lüg­nern Wahrhaftige, aus Treulosen Treue und aus cngftgen'agten Geschöpfen freie Gotteskinder wer­den. Aber es ist keine Frage, daß derartig um- gewandelte Menschen ganz anders zu den Dingen der Politik und Wirtschaft stehen, daß sie aus die­sem Christusgeist heraus alles erneuern und wahr­haft das ..Salz der Erde" sind.

DerFriede auf Erden" ist kein Ding, das durch

politische oder wirtschaftliche Organisation erreicht werden kann. Er hat seinen Ort nur in der vom Frieden Christi erfüllten Menschenseele. Und wenn jeder Christ seine Seele zu einer Heimstatt des Friedens im Sinne der Weihnachtsbotschaft macht, erst dann wird der Friede auf Erden sich die Welt erobern.

Es hat darum gar keinen Sinn, tiefsinnige und gefühlsselige Betrachtungen anzustellen über die Friedlosigkeit der heutigen Zeit und deren Ursa­chen. Die Weihnachtsbotschast der Engel ist viel­mehr eine ernste Frage an uns alle, die wir Chri­sten sind: Tragen wir den Frieden Christi in uns? Wenn ia. dann werden mir von selbst zu Helfern und Verkündern des Frie­dens, zunächst freilich nur in unserer Umgebung, in der Familie, in der Nachbarschaft, in der Ge­meinde Aber von diesen Keimzellen der mensch­lichen Gemeinschaft her wird der Friede die Welt erobern und wird in ihr seine Stätte finden.

Und fo ist jeder von uns berufen, Diener und Wegebereiter desFriedens auf Erden" zu sein Denn aus diesen inneren Frieden folgt der äußere so gewiß, wie auf die steigende Sonne der Früh­ling. Verheißen ist der Friede denen, die guten Willens sind Und das ist die Schicksalsfrage die­ser Notweihnacht an uns alle:

Sind wir guten Willens? Sind wir bereif, dem Frieden Christi in uns eine Stätte zu bieten und dadurch dem Gottes- und Friedensreiche des Heilandes die Erde gewinnen zu helfen?

Weihnachkslicht in dunkler Rächt.

Von Friedrich Muckermann S. I.

Wenn jemals die Kirche das Zeichen der Liebe trug, an dem man den Jünger Christi er­kennen soll, dann ist das heute der Fall. Es ist nicht bloß ein äußerliches Festhalten an der Tra­dition, wenn man in dieser Weihnachtszeit die Kinder, den Nachbarn und den Freund beschenkt. Es geschieht vielmehr aus einem neuen Erlebnis der Liebe heraus, das eine Frucht der Not ist, Notgemeinschaft wird zur Liebesge­rn e i n s ch a f t, das ist das große Ereignis, das symbolhaft in dieser Weihnacht aufleuchtet. Ein himmlisches Licht ist es, das uns in unserer Armut aufgegangen ist; denn das offenbart sich auch heute: keine Liebe ist größer als hie, die im Namen des Kindes von Beth­

lehem geübt wird. Diese Liebe verbirgt sich oft, tritt nicht reklamehaft hervor. Sie scheut die Propaganda der Ziffern und Zahlen. Dennoch: Wollte man berechnen, was nur an Speisungen allein in dieser Zeit um der Liebe Christi willen in den Häusern der Gläubigen wie in Pfarreien und Klöstern dargeboten wird, die Staatistik be­weise, daß Christus bis auf den heutigen Tag un­erreicht bastelst in der Größe und Innigkeit der Liebeskraft, die er in der Menschheit geweckt hat. Ohne diese Liebe wäre der wirtschaftliche und der politische Verfall unaufhaltsam. Merkwürdig genug: Diese Liebe erhält heute das Volk und den Staat.

Betrachten wir diese Liebe genauer, so fühlen wir, daß sie sich nicht erschöpft im Familien­kreise und in der Volksgemeinschaft. Wohl hat all das Schone, das zur Weihnachtszeit das Herz der Menschen beglückt, seinen eigenen Zauber. Wer erfreute sich nicht in diesen Tagen an den leuchtenden Augen der Kinder, am dankba­ren Blick der beglückten Armut? Wer erlebte nicht die neue Liebesgemeinschaft auch als neue Volks­gemeinschaft, deren Innigkeit und Wärme sich durch nichts so belebt wie durch das Herzensglück heili­ger Feste. . Will man aber dieser Liebe tiefsten Sinn erfassen, so weist sie über uns hinaus und läßt uns hinhorchen auf das Lied aus einer anderen Welt, wie es die Engel in jener Nackt gelungen haben Diese höhere Welt erschließt sich freilich auch dem nüchternen Denken, das vom Glauben durchleuchtet wird, aber wie der Mensch einmal ist, sein Denken befriedigt ihn erst, wenn der Schlag des begeisterten Herzens es begleitet.

Die übernatürlichen Geheimnisse, die lich­ten Welten Gottes, sind für jede Kultur, was die Sonne ist für das Leben der Erde. Viele hatten das praktisch vergessen, und nun muß es in der Not neu erkannt werden. Es ist schon so weit gekommen, daß die Fundamente dec Staates zu wanken scheinen. Die Ge­setzgebung sieht sich gezwungen, mit Notverord­nungen zu arbeiten. Das Wort erinnert in sei­ner Bildung an Notventile, Notsignale, Notbremse, alles Dinge, die auf äußerste Gefahr deuten. Das kunstvolle Gebäude der Weltwirtschaft ist bereits am Einstürzen. Auch in den höheren Bezirken der Wissenschaft und Kunst ist schwerstem Substanzver­lust ein chaotischer Wirrwarr gefolgt. Die besten Staatsmänner haben es mit Gebäuden zu tun.

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Geburt Christi" von Bernardino Luini (14701530).

Hymnus auf Weihnachten.

Von Leo Gruber.

Die Tage ziehen ihre grauen Kappen über und murmeln in der Dämmerung ihr dumpfes Miierere.

Die Felder tauen Tränen wie aus einem Nichts und ste­hen arm und leer wie an der Schöpfung erstem Tag.

Wer sind die vielen, die auf den Feldern graben graben Gräber sie für ihre Seelen?

Hungrig irren ihre Blicke, und geisterhaft ist ihrer Wan­gen blasser Schein, den keine Hoffnung rötet.

Cs werde Licht!" Sprach so nicht jemand? Stieß je­mand nicht am grauen Himmel eine Pforte auf?

Es wird fo still die Stürme liegen tief am Horizont, die Welt fand endlich wieder Schlaf.

Und auf den Schlaf schneit es hernieder, schneit weiße» Licht und weiße Sterne.

Wie ward die Welt in einer Nacht so licht? Kristallen blaut der Himmel über glitzerndem Gesild',

Und turmhoch bauen Berge makellose Gletscher ahnungs­voll zum ragenden Altar!

Der Menschen fiebernde Gestalten aber fesselte zum Frie­den wunderbare Schau und selige Erkenntnis:

Der Schöpfung unerbittliches Gesetz und tiefe Trauer, daß Menschen immer Menschen nur gebären, ward gesprengt,

Der alte Wunschtraum, der um jede Wiege hing, nach Wunderkraft und Uebermenschentum, er ward er­füllt!

Es ward die Schöpfertat besiegelt, und nie mehr gibt es einen Untergang: denn Gott:

Goll schuf sich selbst!

die schon brennen und den tapfersten Helfer schrek- ken. Das ist der Zustand der Welt, die auf das Gloria in erelsis" nicht mehr gehört hat und die von dem Frieden, den die Weihnacht verheißt, nichts mehr wissen wollte.

In einer solchen Welt nun offenbart sich di- Kirche als die festeste noch immer unerl'chutterte Größe Eben die Gesellschaft, die ihre ganze Exi­stenz auf die übernatürlichen Geheimnisse gebaut hat. erweist sich auch auf Erden als das Solideste und als das Sicherste. In ihr ist sogar d i e Freude noch zu Hause, der Ausdruck unge­brochenen Lebens. Um das Zeichen ihrer ewigen Jugend, das Kind in der Krippe, sammeln sich die Kinder der Menschen. Sie weckt heute eine Liebe, die die Welt nicht mehr kennt. Sie weist mit dem Zauber ihrer Gottesdienste auf den Ursprung der Liebe in einer höheren Welt. Von dort her ist die Erlösung ge« kommen, die den Fluch von den Menschen genom­men hat. Der Fluch muß wiederkehren, wenn man der Erlösung spottet, der ewige Fluch und in seinem Gefolge auf der zeitliche. Wir wissen, daß alle Dinge dieser Welt dem Wandel unterstehen. Wir begreifen unsere Epoche als eine gewaltiger Umschichtungen in der Gesellschaft der Men­schen. Dagegen mehren wir uns nicht, aber wir wissen, daß alle Wandlungen nur zu einem grö­ßeren Chaos führen, wenn über ihnen nickt das Gloria in ercelfis" der Engel rauscht. Die Schar jener, die um den tiefen Zusammenhang der Ge­heimnisse der Uebernatur und der Forderungen der Natur wissen, wird die Weltgeschichte wirklich voranbringen, sie allein. Sie möge aufrecht stehen, auch wenn die irdischen Häuser schon brennen und ein Erdbeben durch alle Länder der Welt geht. Sie hat das Geheimnis der Weihnacht, das Ge­heimnis der Jugend, das Lächeln des Kindes. Freude, Kraft und Licht soll sie schenken, wo im­mer die Not jammert und die Verzweiflung kei­nen Ausweg sieht. Wo ihr aber Suchende begeg­nen auf den wirren Straßen der heutigen Kultur, da möge sie die Richtung weisen, es ist immer noch der Stern von Bethlehem.

Gottlofen-Weihnachk in Sowjek-Rutzland.

Oie Bilanz eines Jahres.

.Moskau (über Somno), im Dezember 1931.

Weihnachten steht vor der Tür, und wiederum !oll das größte Fest der Christenheit zu einem Gegen st ausgenützt werden den dieG o t V lose n" gerade für diesen Tag von langer Hand vorbereitet haben. Außerhalb Sowjetrußlands gilt der Kamps besonders der katholi­sch e n K i r ch e. die in Moskau als dasBollwerk des Kapitalismus" bezeichnet wird.

In den letzten entscheidenden Beratungen in Moskau, die dieser besonderen Frage galten und an denen die Führer der Gottlofen-Internationale, darunter Lukaschepski. Scheinmann und Iaros- lawfkj teilnahmen wurde herausgestellt. daß die Offensive zu Weihnachten 19 31 mit qan, besonderer Kraft durchgesührt werden müsse. Cs kam zum Ausdruck daß der Kampf gegen das Christentum im Ausland wichtiger sei als die Arbeit" in Rußland selbst, da hier der Kamps ge­llen den G'auben äußerlich wenigstens ohne­hin den Erfolg gehabt hat daß r e l i g i ö se Ge- m e inden überhaupt nicht mehr eri- st i e r e n d ü v f e n. Für diesen Kampf Hat man, mie das in d-r Sowjettaktik i'blicb ist, einen be­sonderen Stoßtrupp unter dem Namen derkäm- sende Gottlose" organisiert, dessen Aulgabe es sein soll, nicht nur mit Wort und Bild das Christen­tum zu verhöhnen sondern auch mit anderenTer­rormitteln" roie der Besudelung der Kirchen mit kommunistischen Inschriften Störung des Gottes­dienstes durch politische Kundgebungen und Lärm- ftenen n-nen -ll--- (Tbrifff:*, anuinehen Die kämpfenden Gottlosen", die offiziell natürlich un­ter diesem Namen in Europa nicht austreten wer­den, Haben damit Taktik und Methoden der kom­munistischen Jugend Rußlands übernommen In i den Ländern die unter der allgemeinen Wirt­schaftskrise besonders zu leiden und Millionen- |

Heere von Arbeitslosen aufzuweisen haben, soll die Propaganda besondiers eifrig betrieben werden. Daß hierbei

Deutschland an er ft er Stelle unter den Objekten dieses systematischen Feldzuges steht, versteht sich von selbst. Die deutschen Not­verordnungen zwingen dabei zu einer Propagan­daunter der Hand". Besonders eifrig will man um d i e Seele der Jugend werben, da man der Ansicht ist, daß die älteren Leute (wie übrigens auch, in Rußland selbst!) doch noch viel zu stark in christlichen Gefühlsvorstellungen befan­gen seien. A n jeder Bekenntnisschule soll eineG o 11 l o s e n z e l! e" eingeführt wer­den, aus denen heraus der Kampf gegen die Reli­gion und für den Austritt aus der Kirche gewor­ben werden soll Wenn man den Nachrichten der Gottlofen-Beweguna Thrtrauen schenken soll so hat die Kommunistische Partei rund 8 bis 9000 Mitgliederkämpfender Gottloser" in den Dienst der Bewegung zu stellen. Es ist übri­gens interessant, daß der Vollzugsaussäiluß der Gottlosen-Jnternationale mit einem Unterton des Bedauerns feststellt, daß die Bewegung in Deutsch­land. Oesterreich und Frankreich leider keine Ak­tionsgruppe aus ehemaligen Pfarrern und Mön­chen aufweise, die wegen Meinungsverschiedenhei­ten unter Dis'iplinargründen aus der Kirche aus« geschieden sind. In Rußland werden derartige Gruvn-n aucoeroiefen C« werden rund 18 000 Keistliche und andere Diener der Kirche als Abtrünnige" zum Beweise der Fortschritte der kommunistischen Geistesverfassung gezählt die wahrscheinlich auf diese Weise ihren Frieden mit den heutigen Machthabern gemacht haben. Auch für Italien existiert eineitalienische Sek­tion der Gottloseninternationale", sie steht allerdings nur auf dem Papier.

Die intellektuellen Propagandamittel verdienen eine besondere Beachtung. Zum Weihnachtsfest man weiß noch nicht an welchem Tage vielleicht am Heiligen Abend soll der Moskauer Gewerk- sckaftssender, der bekanntlich mehrere europäische Sprachen benutzt, einen antireligiösen Weihnacht skarneoal senden.

Ferner sind Millionen von Flugblättern und Handzetteln hergestellt Don der sogenannten r e - volutionären Gewerkschgftsopposi- t i o n (R. G. O.) weilte dieser Tage unter Füh­rung des deutschen Kommunisten Balern eine Ab» hin den Erfolg geahbt Hot. daß r el i g i ö f e G e- erbnung in Moskau. Ob ihre Anwesen,heft auch mit der Organisierung der Gottlosen Propabanda »ufammenbing, läßt sich nicht feftfteUen. Ebenso steht der Tonfilm im Dienst der Gottloftn-Prova- ganda, der allerdings nur in gesch'ossenen Veran­staltungen wirken kann Der sowjetrussische Kino.- truft hat 24 antireligiöse Tonftlme herausgebrachl. Natürlich toftet der Propagandafeld - zug viele Millionen. Trotzdem müssen die Führer der Bewegung immer wieder feftfteUen, daß die Verluste der Kirche nicht fo groß seien, wie man dies erhofft hatte.

I n Sowjetrußland s e l b st hat die Be­wegung natürlich freie Hand und ist bemüht, da­für zu sorgen, daß dort vonWeihnachten" nicht ein Stumps mehr übrig bleibt Nach den Beschlüs­sen der Ortsbehörden ist jedes Glockenge­läut sowie der Ankauf und die Aufstel- lung von Weibnachtsbäumen streng verboten. Alle religiösen Veranstaltungen sind unzulässig Stoßbrigaden sorgen für die Innehal­tung dieses Verbotes Am Heiligen Abend finden in Moskau und anderen Städten nächtliche Theg- teroorftcCunaen statt, die für das Proletariat un­entgeltlich sind. Außerdem sollen besondere K o 11« lofenfetern mit Karnevaloeranstal­tungen stattsinden Die Jahresbilanz der Got- losen-Aktion kommt symbolisch in den wochenlan­gen Sprengungen der Moskauer Erlöserkirche zum Ausdruck, die noch immer nicht ganz vom Erdboden verschwunden ist. Es werden noch einige

Sprengungen nötig fein, um besonders die unter­irdischen Kirchengewölbe zu zerstören Eine der letzten Großsprengungen galt der Stahlgrust der Gattin des im Jahre 1905 ermordeten Großfürsten Sergius, der Schwester der Zarin und des Groß- Herzogs von Hessen, die später Nonne geworden war. Im Jahre 19 31 wurden in Ruß­land insgesamt über 600 Kirchen ge­schlossen und 1 400 Pfarrer, Priester und Rabbiner nach dem Norden Ruß. lands verbannt. Die deutsch-russische Kolo­nie in Leningrad verlor 'hren Führer Dr. Schiele, der erschossen worden ist. Man hatte der Ge­meinde nicht viel anhaben können; lediglich die Tatsache, daß einige Gemeindemitglieder in Erin­nerung an ihre Studentenzeit in Deutschland Stu« dentenlieder gesungen und Studentenmützen ge­tragen hatten, gab den Anlaß gegen sie eineUn­tersuchung am laufenden Band" zu führen die auf einer besonderen seelischen Zermürbung beruht. Neben Dr Schiele wurden auch andere Führer und Mitarbeiter der deutschen Kirchengemeinden erschossen oder verbrannt. Trotz aller Terrormaß­nahmen jedoch will die Gottesfurcht in Rußland nicht aufhören. Auch heute noch verzeichnen die Berichte der Gottlofenv-we- gung genaue Angaben über den Neubau von Kir­chen, die auf Kosten der Arbeiter und Bauern trotz des Protestes der kommunistischen Organisa­tionen und trotz des behördlichen Druckes erbaut und dann wieder durch Maßnahmen der GPU. geschlossen wurden. Religion und Christentum sind auch in Rußland immer noch zu stark in der Seele des Voffes verwurzelt was vor allem durch das starke Anwachsen der Sekten zum Ausdruck kommt Die Hoffnung der Machthaber stützt sich deshalb wie oben bereits gesagt, 'ganz auf dis Jugend die von vornherein streng im athe­istisch-kommunistischen Sinne erzo­gen wird.