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Einsturz in der Vatikanischen Vibliothek.

Die Decken dreier Stockwerke des Sixtus-Flüge'seingestürzt. — Mehrere Todesopfer. — 20000 Druckwerke unter den Trümmern begraben. Die kostbare Handschristensammiung nur wenig beschädigt.

In der Vatikanstadt ereignete sich am Dienstag nachmittag in der vatikanischen 58ib!ioi thek ein schweres Einsturzunglück Die Decke im dritten Stockwerk des nördlichen nach Papst S i x- t u 5 V benannten Flügels des berühmten Bel- vsdere-Hofes stürme plötzlich ein Durch die schweren Steinmassen wurden auch die dar­unter liegenden beiden Stockwerke zum Einsturz gebracht. Rund 20000 Bände bei denen es sich fast ausschließlich um Druckwerke handelt, wurden unter den Trümmern begra­ben Die unersetz'iche etwa 50 000 Manuskripte umassende Handschriftensammlung die bis ins IV Jahrhundert nach Christus zurückrei­chen. dürsten mit ganz wenigen Ausnahmen u n« beschädigt geblieben sein Rach den bisheri­gen Feststellungen sind die Wandfresken in den dre> Stockwerken fo gut wie unbeschä­digt geblieben, dagegen sind die Decken­gemälde vernichtet Die Außenmauern des Ouerflügels sind unversehrt geblieben nurd-e Füllungen der großen Bogenfenster sind zerstört. An den Räumunqsarbeiten ist neben der Feuer­wehr und der Polizei der Stadt des Vatikans auch die Feuerwehr der Stadt Rom beteiligt. Um jede Brandgefahr zu vermeiden, wurden sofort nach dem Nng'ück sämtliche in Betracht kommenden elek­trischen Leitungen abgestellt

Nach den letzten Feststellungen wurden vier Arbeiter unter den Trümmern be­graben Drei Arbeiter, die im Erdgeschoß beschäftigt waren, konnten sich wie durch ein Wun­der noch rechtzeitig außer Gefahr bringen Der Papst hat angeordnet, daß die Räumungsarbeiten ohne Unterbrechung auch während der Nacht ^ort- gesetzt werden, bis diese Opfer gefunden oder ihr Verbleib festgestellt ist.

Wie eine Funkmeldung vom Mittwoch berich­tet, wurden bisher die Leichen zweier Ar- beiter unter den Trümmern geborgen. Ferner fand man unter den Einsturzmassen die Leiche eines Bibliothekbenutzers Es soll sich um einen jungen Profesior namens Marco V a t a s s o handeln.

Ueber die

Ursache des Einsturzes

ist man vorerst auf Dermutunaen angewiesen Es wird angenommen, daß infolge des Nach­gebens von drei Pfeilern im eigent­lichen Bibliotheksiaal des dritten Stockwerkes das Dach über dem Ouerflügel eingestürzt ist und da­

werk unter dem Bibliothekssaal befindlichen zahl­reichen und sehr kostbaren Geschenke frem­der Souveräne an die Päpste sind wahr­scheinlich stark beschädigt worden. Unter ihnen befinden sich auch die herrlichen Vasen die König Friedrich Wilhelm IV von Preußen stif­tete. sowie eine sehr wertvolle Kreuzigungsgruvpe aus Meißener Porzellan, ein Geschenk König Al­berts von Sachsen an Leo XIII Die berühmte farnesische Uhr und die Uhr Kaiser Wilhelms TL dürften bei dem Einsturz nicht gelitten haben.

Von den Bausparkassen.

Revisionsoerband Dcutschrr Bausparkcssin.

Dieser dem Reichsverband Deutscher Bausparkassen e. V. nahestehende Verband wurde von dem Reichsrat mit dem Revisionsrecht ausgestattet.

Verunglückte Hochzeits-Autos.

Hitler hat einen Singer, der Tran-Pfarrer die Nase gebrochen, als sie von der Hochzeit Dr.

Goebbels »ach Berlin zurückkehtteu.

Ueber einten Autcun'akl Hitlers berichtet der nokwnalioziaöistijche „Angriff" folgende Einzel- heiiten: Die Beteiligten fuhren in drei Wagen hinter­einander, im ersten Dr. Goebbels und Gattin, im zweiten weibliche Anverwandte Goebbels und der bekannte Pfarrer Wenzel, der die Trauung des Ehepaars Goebbels vollzogen hatte. Im letzten Wagen befanden sich Hitler und General Epp. An abschüssiger Stelle, 18 Kilometer von Kyritz, auf der von Pritzwalk kommenden Chaussee, geriet der zweite Wagen ins Schleudern und fuhr trotz des mäßigen Tempos von nur 40 Stundenkilometer gegen einen Baum. Der dritte Wagen prallte gegen den zweiten. Hitler stürzte gegen die Wind­schutzscheibe und brach sich einen Finger. Pfarrer Wenzel erlitt einen Nasenbruch. Am schwersten wurde der Fahrer Thona-k mit genommen, der mH einer Gehirnerschütterung im Kreiskrankenhaus Ky­ritz liegt. Hitler konnte, ebenso wie Pastor Wenzel, nach Anlegung eines Verbandes die Fahrt sort- setzen.

Die Feuersbrunst im Alten Schloß von Stuttgart.

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durch die Katastrophe verursacht wurde.

Nach einer weiteren Meldung sind die Vitrinen, die die wertvollen Handschriften enthalten, so auf­gestellt daß von dem Deckeneinsturz über der völ­lig freigehaltenen Mitte des Saales nur eine ein­zige erfaßt worden ist. Zwei von den sieben wert­vollen Handschriften, die in ihr aufbewahrt wur­den, wurden bereits geborgen. Die in dem Stock-

Oelhnnchtslionzert

Zu Gunsten der Winterhilfe veranstaltet die Kapelle der Städf. Feuerwehr am 1. Weihnadils-Feiertag w abends 8 Uhr im großen Stadtsaal ein großes

Weihnachts-Konzert

Eintritt 50 Pfennig.

Hierzu ist die gesamte Bürgerschaft Fuldas herzl. eingeladen.

Die am schwerste» h .o.gte

Trotz aller Bemühungen der Feuerwehren ge­lang es bis jetzt noch nicht, das Feuer im „Alten Schloß" zu löschen. Am Dienstagnachmittag zeigte sich in dem Südostturm sowie in dem N o r d- o st türm ein Wiederaufleben des Feuerherdes. Ueber dem ganzen durch das Feuer feines Daches beraubten Nordflüge! schwebte ein mächtiges Gewoge von Qualm und Rauch. Nachdem die Flammen vorübergehend zum Ersticken gebracht worden waren, loderte das Feuer um 10 Uhr abends erneut neben dem Nord- osttum auf und nahm wieder bedrohliche Formen an. Auch am Südostturm schlugen wie­der die Flammen empor. Am Mittwochvor­mittag war die Feuerwehr immer noch damit beschäftigt, den Brand im N o r d f l ü g e l zu lö­schen. Im Laufe des Vormittags soll der obere Teil des Nordostturmes, für den ernste Einsturz­gefahr besteht, umgelegt werden. Der Wasser­verbrauch für die Löscharbeiten betrug bis ge­stern abend nach einer Feststellung des Wasserwerks 1,54 Millione n Kubikmeter.

L,tiü,,ave n-ycend des Brandes.

Während der vergangenen Nacht haben sich keine Unfälle mehr ereignet. Die Leiche des ver­schütteten Feuerwehrmannes Wetzel ist geborgen. Die Frau Wetzels, der erst seit kurzer Zeit verhei­ratet ist, war Zeuge des tödlichen Unfalles ihres Mannes. Ein weiterer Feuerwehrmann ist seinen Verletzungen erlegen, so daß sich die Zahl der To­desopfer auf 3 erhöht hat.

Die Brandursache ist noch nicht ermittelt. Man vermurt entweder einen Kamins aden ober einen Kurzschluß in der Lichtleitung. An­scheinend ist das Feuer nicht erst Dienstagfrüh ent­standen. Ein Brandgeruch war schon Sonntags wahrgenommen worden, ohne daß es gelungen wäre, den Herd zu entdecken.

*

Der Schaden, der sich auf mehrere Millionen Mark beläuft, ist durch Versicherung mit nicht einmal einer Million Mark gedeckt. Freiwillige Sammlunge nzur Wiederherstellung des Schlosses werden bereits angeregt.

Die große Chance.

| Roman von Martin S t i r b i n g.

r Copyright 1930 by Carl Bunter, Verlag, Berlin.

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Dabei wunderte er sich, daß er fähig war, sich von einer Frau wie Jenny Gracht loszureißen. ... Ich tat es nur aus Liebe zu ihr. beruhigte er sich, gestand sich aber auch ein, daß er sich unter Liebe manches anders vorgestellt hatte. Inzwischen errechnete er, wie er Pfunde in Kopenhagen verkaufen müsse, wenn, beim Verkauf der daraus entstandenen dänischen Kronen in Newyork, er für die dafür erlösten Dollar mit Kursgewinn Pfunde wieder eindecken wurde. „Newyork," seufzte er plötzlich — „wann wird Jenny in Newyork sein — ich glaube, es bleibt ein Gewinn von 1% pro Mille an den Pfun­den."

Hollgattens Schmerz um Jenny war ehrlich. Aber er vergaß — In feiner Arbeit.

Schon am Nachmittag trafen Mickenbecker und Stolpe ein, um wegen der Holzhandel-Affäre mit Wollweber und Hollgarten zu konferieren.

Mickenbecker fiel das nervöse Gesicht von Hollgatten auf: „Sie sollten mal ausspannen! Uebertreiben Sie nichts. Sie sehen nicht gut aus! Wie geht es Ihrer Braut?"

Stolpe lachte, ganz sinnlos, wie Hollgatten mit plötz­licher Wut bemerkte. —

Wollweber horchte auf das Stichwort „Braut" auf, Hollgarten wehrte gequält ab: „Fräulein Gracht ist nur eine Jugendfreundin von mir. Wir sind nicht verlobt. Außerdem ist sie wieder auf dem Wege nach Newyork Wahrscheinlich kommt sie nie wieder."

Sie fühlten eine gewisse Traurigkeit in Hollgartens T' Tten. Nur Stolpe polterte heraus: „Gott sei Dank, daß Du zur Vernunft gekommen bist, Peter."

Wollweber überbrückte geschickt die Situation, indem «r kurz die Transaktion auf dem Gemeinschaftskonto Holzhandel erklärte.

Mickenbecker verarbeitete die banktechnische Geheim- spräche: „Wenn ich richtig verstanden habe, so haben wir noch Ihrer . . . nennen wir es Transaktion, den Wald das heißt — die ganze Holzhandel-AG. umsonst. Außer­dem bekommen wir von Mühlenkamp ein paar Millio­nen zu, weil er irgendeinen katastrophalen Rechenfehler gemacht hat. .Ich kann mich nicht in solche Geschäfte hin­eindenken, Herr Kommerzienrat, ich habe noch nie gehört, daß man etwas umsonst bekommt und außerdem noch Geld hinterhergeworfen erhält. Nehmen Sie mir eine Frage nicht krumm: ist da» ein sauberes Geschäft?"

Befangenheit und Schweigen toftete über den vier Männern.

Kommerzienrat Wollweber wog seine Wotte: „Es ist alle» absolut sauber und gesetzmäßig. Ein ganz na­

türliches, selbstverständliches Börsengeschäft — nur in sehr großem Ausmaße.

Man verliert und gewinnt an der Börse. Man er­rechnet die Chancen, Mühlenkamp hat sich verrechnet. Er hat Tausende Geschäfte ähnlicher Art getätigt, und sich nie darüber den Kopf zerbrochen. Er hat den Gewinn eingestrichen, darauf beruht sein Wohlstand. Er hat im­mer auch das Risiko von Verlusten einkalkuliett, dafür hat er auch groß verdient. Das ist ein Turnier, die Börse. Wer besser gewappnet ist und besser ficht, schlägt die anderen, eventuell auch tot. Das ist mal so. Wer verdienen will, muß verlieren lernen.

Außerdem schadet der kleine Aderlaß dem Mühlen­kamp gar nicht: warum spekuliert er auch wie ein Irr­sinniger! Er mag doch die Finger davon lassen. Er hat uns doch zum Kampf herausgefordert — warum sollten wir nicht wiederschlagen? Wenn wir ihn aus diesem Geschäft herauslassen, fo hält er uns für Idioten. Wenn Sie Holz verkaufen, fo nehmen Sie doch auch Geld da­für. Wir verkaufen Mühlenkamp Erfahrung und den guten Rat, sich nicht in unsere Geschäfte zu mischen Wenn man in Südafrika Diamanten-Claims absteckt, fo ge­winnt der schnellste Läufer beim Rennen vielleicht ein Vermögen. Warum hat er denn ein Anrecht daran? Bloß weil er schnellere Beine und ftärfere Muskeln hat? Wir waren auch schneller im Rennen nach Hollzhandel- Attien.

Wie kommt denn der Mühlenkamp dazu, Aktien zu verkaufen, die er gar nicht hat? Er dachte, sie doch billi­ger wiederzukaufen, das heißt, er wollte uns hineinlegen. Und an uns Geld verdienen, weil er glaubte, wir feien dümmer als er.

Im übrigen ist das nun mal fo auf der Börse. Kein Mensch wird an solchen Geschäften Anstoß nehmen. Am allerwenigsten Mühlenkamp, der in solchen Geschäften firm ist, wie gerade Sie, Herr Mickenbecker, wissen soll­ten!"

Der Bauer sah auf: ,Zch verstehe das alles nicht."

„Gott, das ist mal so," rätselte Wollweber — und rounberte sich, daß er keine plausible Erklärung und Rechtfettigung dieser Transaktion finden konnte. Er lehnte es auch innerlich ab. nach Erklärungen ZU suchen, weil er fürchtete, daß sich für Börsengeschäfte überhaupt keine vernünftigen Erklärungen finden ließen — außer den beschönigenden Rechtfertigungen der Dolkswirtschaft- ler.

„Ich bin ein Bauer," sagte abrupt Mickenbecker. „Ich verkaufe Holz. Ich kaufe einen Spaten, eine Kuh. Das kann ich faffen, mit der Hand! Neuerdings verkaufen wir Erde. Die kann ich auch fasten. Ich sehe eine Grube, da verschwindet Land, dafür bekommen wir Geld Wofür bekommen wir aber einen ganzen Wald und noch ein paar Millionen in bar?"

Wollweber seufzte: „Weil Mühlenkamp ein Rind­vieh war."

„Ach so." dehnte Mickenbecker, und es schien, als ob er langsam Verständnis gewönne.

Hollgarten sprang in die Bresche: „Es gibt zwei

Möglichkeiten. Die erste ist: wir haben es in der Hand. Mühlenkamp zu ruinieren. Wenn es hart auf hart geht, muß er seine Bank an uns abgeben und außerdem einen Offenbarungseib schwören. — Soviel Geld, wie wir aus diesem Geschäft eintreiben können, besitzt er gar nicht. — Die zweite Möglichkeit ist: wir verlangen einen angemef» fenen Preis für die noch fehlenden Aktien und begnügen uns mit einem hohen, unverhofften Gewinn.

Darüber müsten wir uns gemeinsam schlüssig und einig werden, denn wir sind gleichberechtigte Teilhaber des Gemeinschaftskontos. Vielleicht hast Du," wandte er sich an Stolpe. ,chie Liebenswürigkeit, uns zu sagen, wie hoch der Grund und Boden der Holzhandel nach dem Kaonlin- vorkommen optimistisch zu bewerten ist."

„Nach meinen letzten Berechnungen, nach den Prü­fungsergebnissen der Freiberger Bergakademie beziffere ich den Wert des Kaolinvorkommens unter Absetzung der Förderungskosten auf höchstens neun Millionen Mark."

„Also ist der innere Wett der Holzhandel-AG im be­sten Falle neun Millionen, entspricht einem Kurs von neunhundert Prozent," folgerte Hollgarten.

Wollweber fiel ein: „Vielleicht darf ich manches dazu sagen. An dem Kurs von neunhundert Prozent stoße ich mich nicht, wenn er auch damit das Maximum aller Hoff­nungen und Erwartungen eskomptiert. Ich möchte zu Ihrer ersterwähnten Möglichkeit etroas sagen: So leicht, wie Sie es sich vorstellen, ist es nicht, Mühlenkamp zu ruinieren. Erstens kann er jahrelang Prozesse führen, zweitens entscheiden die deutschen Gerichte, Gott sei es gedankt, auch nach Billigkeitsgründen. Eventuell besteht sogar ein Einwand aus Differenzgefchästen. Dann wür­den sämtliche Börsenmitglieder und die Großbanken es erheblich verübeln, wenn wir auf solchem Wege eine Bank zu Fall bringen. Wir würden uns mehr schaden als nützen und überall Feinde haben. Außerdem ist ein sol­cher Kampf noch ganz offen, wir könnten bei einem ver­lorenen Prozeß mächtige Ohrfeigen bekommen. Und wir können den Prozeß verlieren, selbst wenn der Buchstabe des Gesetzes für uns spricht.

Viel wichtiger aber scheint mir die Frage: Warum sollen wir Mühlenkamp denn ruinieren? Zugegeben, er ist ein harter Geschäftsmann. Berechtigt nur das? Außer­dem verschwindet dadurch eventuell wieder ein Privat- Bankhaus. Hunderte von Menschen verlieren ihr Geld und damit das Vertrauen zum Privatbankier Letzten Endes schaden wir uns dadurch. Bei einem Bankerott Mühlenkamps verliert nicht nur er seine Existenz, son­dern auch sämtliche (Einleger und Angestellte. Wollen Sie ihn und seine Kunden in das Elend treiben? Selbst wenn er versucht hat. Ihnen. Herr Mickenbecker und Herr Hollgatten. die Existenz zu vernichten! Denken Sie doch an die Allgemeinheit!"

Hollgarten schoß das Blut in den Stopf: „Ich hätte es nicht fertig gebracht Herr Kommerzienrat. Trotzdem ich eine Sauwut auf Mühlenkamp habe!"

(Fortsetzung folgt.)

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