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tun. Im Gegenteil. Sie ist ein Zerrbild und spricht Hohn dem Wort der hl. Schrift, daß beim Wohltun die Linke nicht wissen solle, was die Rechte tut. Jetzt wird bekannt, daß in Magdeburg sich innerhalb der nationalsozialistischen Ortsgruppe eine „Arbeitsgruppe für Handel und Gewerbe" ge­bildet habe. Diese Arbeitsgemeinschaft gibt eine Liste heraus, in der alle diejenigen Gefch fte und Lieferanten aufgeführt werden, nach Branchen. Spezialität, Firma und Inhaber, die a l s z u v e r - lässige Bezugsquellen für National- s o z i a l i st e n gelten sollen. Man findet darin sogar einen Steuersachverständigen, einen Hühner­augenoperateur und einen Naturheilkundigen. So wird also auch der Gedanke der Auswahl von Lie­feranten nach parteipolitischen Gesichtspunkten systematisch gefördert. Wenn das bei anderen Par­teien Schule machen sollte, nach dem Grundsatz: Was den Nationalsozialisten recht ist, muß auch anderen Parteien billig sein, können die Wirtschaft­ler noch allerhand erleben.

Auch Familienfeste werden von den Na- otinalsozialisten ganz in den Rahmen einer P ar­te iv e r a n st a l t ung gerückt. Ende der vori­gen Woche ließ sich der Berliner Gauleiter der Nationalsozialisten Dr. Goebbels in der Dorfkirche von Severin in Mecklenburg-Schwerin trauen. Er heiratete eine geschiedene Frau, Magda Quandt geb. Ritschel. Die Trauung vollzog, was im „An­griff" besonders betont wird, ein protestantischer Pfarrer aus Berlin. Uns liegt ein Bild vor, auf dem gezeigt wird, wie das junge Paar, dessen Trau­zeugen Adolf Hitler und General von Epv gewesen waren, ein von nationalsozialistischen Jungmän- nern gebildetes „Ehrenspalier" durchschreitet.

Das Merkwürdigste aber auf dem Gebiet der übertriebenen Politisierung ist die Politisie­rung des Hl. Weihnachtsfestes. Be­kanntlich sind durch die Verordnung des Herrn Reichspräsidenten öffentliche politische Versamm­lungen während der diesjährigen Weihnachtszeit untersagt. Die radikalen Parteien helfen sich über diesen „Burgfrieden" hinweg durch Veranstaltung von Weihnachtsfeiern, zu denen eine mehr oder minder große Zahl von Gästen eingeladen wird. Auch der Stahlhelm veranstaltet allenhalben solche Weihnachtsfeiern, die auf der einen Seite Höchst­leistungen der herkömmlichen Vereinsweihnachts­feiern sind. (Eaukapelle unter bewährter Stabfüh­rung wird durch ehrlichen Beifall belohnt, die Ge­sänge der Frau Soundso zeigen tiefempfundenen Ausdruck, Frau TP begleitet feinfühlig, ein mäch­tiger Weihnachtsmann — Dr. Sowieso — stellt sich mit gelungenen Versen und einem ungeheuren Aufgebot von großen Päckchen zur Bescherung vor, Kameraden stelllrn zum Schluß ein lebendes Bild „Weihnachten im Unterstand", und ..brachten allen das Erlebnis einer Artillerie-zerfetzten Weihnacht nahe", eine reichhaltige Tombola sorgte für lieber« raschungen). Mitten in diese wirklich „stimmungs­volle Feier des Geheimnisses der Ehristnacht schmettert dann ein gesinnungstrchtiger Kamerad eine politische Festansprache: „Allen Anschlägen auf das Tragen der Uniform zum Trotz werde der Stahlhelm feine — Gedanken in weiteste Kreise tra­gen bis zu einem Sieg, der den Stern von Bethle­hem über einem freigewordenen christlich-deutschen Volke leuchten sieht."

Auch die Ortsgruppe Fulda der „National­sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" hat eine Weihnachtsfeier im Evangelischen Gemeindehaus gehalten. Auch hier Bescherung und Verlosung,

Uhr. Fahrpreis für Hin» und Rückfahrt se Per son 2.20 Mark. Fahrkartenoorverkauf findet an Schalter 2 des Postamts, sowie beim Reise» uni Verkehrsbüro, Bahnhosstr., statt.

Wer hat seine Markttasche vergessen?

Samstag, den 19. Dezember, ist wahrend bei Wochenmarktes am Buttermarkt eine geflachtem Markttasche mit etwa 3 Pfund Butter und sonst! gem Inhalt stehen geblieben. Der Verlierer mögt sich umgehend bis zum 24. Dezember bei der Orts polizei-Behörde (Fundbüro) melden.

Weihnachten in alten Bauernregeln.

Es ist natürlich, daß der Bauer olle im Laufe des Jahres herausgehobenen Tage mit Betrachtungen Wünschen und Hoffnungen begleitet, die mit der Arbeit seines täglichen Lebens eng verbunden sind, besonders wenn es sich um Wendezeiten wie die Weihnachtstage handelt. So ist auch die Weihnachtszeit als Ausgangs­punkt kommender Entwicklungen im praktischen Leben des Landmannes in zahlreichen Sprüchen festgehalten Eine Reihe von diesen Bauernsprüchen gibt der Zufrie­denheit über günstige Witterungslage um die Weih­nachtszeit Ausdruck. So heißt es: Weihnachten klar — gutes Weinjahr. — Sind Weihnachten die Bäume weiß von Schnee — so sind sie im Frühjahr weiß vom Blüten. — Ist Weihnachten kalt — kommt der Winter hart und bald. — Weihnachten Schnee — Ostern Klee. — Bester die Weihnachten knistern — als sie flüstern. (D. h. als daß laue Winde wehen). — Wenn zu Weih­nachten kein Eis an den Weiden, kann man zu Ostern Palmen schneiden. — Wenn es zu Weihnachten flockt und stürmt aus allen Wegen, das bringt den Feldern Segen. — Man sieht also, der Bauer begrüßt den Schnee um Weihnachten ebenso wie der Freund des Winter­sportes, wenn auch aus anderen Gründen. Bon schnee- loser grüner Weihnacht hält der Landmonn nicht viel- Sind die Weihnachten grün, kann man zu Ostern den Pelz anziehen. Weihnachten feucht und naß, gibt leere Speicher und leeres Faß. — H-^ Weihne^en Fliegen so hat Ostern Eisschollen. — Grüne Weihnachtsfeier bedeckt mit Schnee die Ostereier. — Daß auch den Men­schen grüne Weihnachten nicht günstig sind, drückt der Spruch aus: Grüne Weihnachten — fetter Kirchhof. — Das Zunehmen des Lichts wird in drolliger Weise mit folgendem Reim ausgedrückt: Am Weihnachtstag wächst der Tag, soweit die Mücke gehen mag. Am Neujahrs­tag, soweit der Hahn tratschen mag. Am heiligen Drei- königstag, soweit der Hirsch springen mag.

Parkei ist nicht Endzweck!

Auch die beste Sache kann sich überpurzeln, wenn man sie zu weit treibt. Parteien müssen sein. Die Meinungen eines Volkes würden chao­tisch durcheinanderwirbeln, wenn nicht Parteior­ganisationen eine Gliederung der staatspolitischen Strömungen in einem Volke ermöglichen würden. Parteiorganisation entspricht im staatspolitischen Leben dem Knochengerüst im menschlichen Körper. Es wird aber niemand behaupten wollen, daß ein Knochengerüst bereits ober noch ein Mensch sein Dazu gehört wohl einiges andere: Fleisch und Blut und namentlich das Gehirn als Sitz der Vernunft, der Empfindung und des Gei­stes. Auch im Volk kommt so den Parteien als Gerüst die Rolle zu, die ihnen gebührt. Unentbehr­lich, aiber nicht allein maßgebend. Es ist ein arm­seliges Schauspiel zu sehen, wenn eine Partei sich gewissermaßen als letzter Sinn staatspolitischer und völkischer Lebensregung aufsvielen will. Nur dann werden Parteien dem Staatsganzen nutzbar, wenn sie die Grenzen ihrer Wirksamkeit richtig abstecken und nicht etwas bedeuten wollen, was sie nicht sein können, Staat im Staat, Endzweck und Er­füllung des Volkstums. Solche Einengung der Volksgemeinschaft auf Partei-Gemeinschaft, die wohl gar Weltanschauung ersetzen will, ist vom Hebel und führt zur Groteske.

Heute tritt uns die Ueberspitzung des Parteimäßigen in solch geradezu grotesken Formen entgegen. Schuld daran sind in erster Linie die radikalen Parteien und namentlich die Natio­nalsozialisten. Man konnte nur mit Ent­setzen hören, als von radikalen politischen Parteien im Zeichen der Wirtschafsnot Sammlungen für Unterstützungsbedürftige mit dem ausdrücklichen Hinweis durchgeführt wurden, es würden nur Parteigenossen berücksichtigt. Mit christ­licher Nächstenliebe hat derartig parteipolitisch ein­geengte Wohlfahrtstätigkeit jedenfalls nichts zu

Pfandhauiitrafie 5

Rhein-, Mosel-. Rot- und Südweine Pronkenwelne bes. billig Schaumweine, Bowlen-Sekle Weinbrand, Rum, Ärrac Liköre In großen und kleinen Haschen — alles gul und sehr billig — Bruno Dietrich Weinhandlung • Fernruf 3281

Gesangsdarbietungen des Quar­tetts des Hofmann'schen Männer­chores und dann eine längere Ansprache des Gauleiters und Landtagsabgeordneten Weinrich-

Aus der Thüringischen Rhön.

Aus Geisa und Umgebung.

Thüringer Verordnungen.

In einer Verordnung über den Ausgleich des Aufwertungszinszuschlages wird auf Grund bet SSerorbnung des Reichspräsidenten zur Sicherung der Haushalte von Ländern und Gemeinden die ordentliche Aufwertungssteuer für das vierte Viertel des Rechmrnigsjahres 1931 um 5 tt. H. der Friedensmiete gesenkt. Ausgenommen von der Senkung bleiben die Grundstücke, bei denen die Aufwertungssteuer herabgesetzt ist ober herab­gesetzt wird.

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Si5 zum 31. Dezember 1934 bütfen keine Erlaubnisse für neuzuerrichtende Schankwirt­schaften ober für die Ausdehnung von Schank­wirtschaften auf nicht zugelassene Arten von Ge­tränken ober auf nicht zugelassene Räume erteilt werden. Ausnahmen sind nur mit Genehmigung des Ministeriums zulässig. Die Sperre gilt nicht Tut Anträge, die bei der Erlaubnisbehörde erster Instanz vor dem 1. Januar 1932 eingegangen sinö. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Januar 1932 in Kraft.

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Die alBgemcine Polizeistunde wird in der Nacht zum ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag lowie zum 2. Januar auf 3 Uhr festgesetzt. Für die Silvesternacht wird die Polizeistunde gänzlich auf­gehoben.

=• Geisa. In der letzten Delegierten-Versamm- lung der Zentrumspartei im Bezirk Geisa war, wie man uns mitteilte. Beschwerde darüber geführt worden, daß ein im Nebenamt an der Landwirt- schaftsschule beschäftigter Herr während der Sckml- zeit Propaganda für die nationalsozialistische Liste bei der Landwirtschaftskammerwahl gemacht habe. Hierzu wird uns vom Leiter der Schule mitge. teilt, nicht In der Schulstunde, sondern beim Verlassen des Schulgebäudes seien von dem Herrn „Bemerkungen" zur Kammer ge­macht worden, „die als eine persönliche Erklärung gegenüber den Schülern aufzufassen" seien. Wir geben dieser Erklärung gerne Raum, bemerken aber, daß die Nationalsozialisten einen ganz gehör', gen Krach geschlagen hätten, wenn ein Lehrer sei­nen Schülern gegenüber „Bemerkungen" gegen die Nationalsozialisten gemacht hätte. Auch die­jenigen Kreise, die nicht nationalsozialistisch den­

ken, können verlangen, daß Lehrer strengste politische Neutralität wahren. Wir stim­men deshalb völlig mit der Meinung des Leiters der Landwirtschaftlichen Schule in Geisa überein, daß die Schule unter keinen Umständen der Tum­melplatz des parteipolitischen Lebens werden darf.

„Bravourstückchea" eines „schweren Jungen".

August Weber, der vor wenigen Tagen zu­sammen mit einem anderen Komplizen verhaftete berüchtigte Führer einer Einbrecherbande, die die ganze Meininger Gegend unsicher machte, ist nach einem mit unglaublicher Leichtigkeit ausgesührten Ausbruch aus dem Meininger Gefängnis ent- flohen. Der mittelgroße, blondhaarige Weber hat sich mit Zivklkleiidung versehen und erweckt den Eindruck eines eleganten Sportsmannes. Die Flucht der Verbrechers wurde durch die kaum glaubhafte Tatsache begünstigt, daß das Gefängnis in der Zeit von 7 Uhr abends bis 7 Uhr movgens ohne Bewachung kst. So konnte es geschehen, daß Weber mit einem Brecheisen die Wand neben seiner Zellen - tür durchbrach, sich, ohne gestört zu werden, Diet- riche anfertigte, aus einem Gerichtstimmer einen Geldbetrag von etwa 150 Mark und Zigaretten entwendete, mehrere Türen öffnete, den Gefängnis- Hof überquerte und nach Entfernung dreier großer Bandeisen am Gefängnistor die Freiheit gewann. Ein schwerer Junge, den man nach vielen vergeb- lichen Versuchen erst kürzlich erwischt hatte, beschäf­tigt nun wieder einmal den polizeilich en Fahn­dungsdienst. _______________

— Weida l. Th. (Aus der kath. Gemeinde.) Der kath. Frauenverein der Psarrgemelnde von Weida veranstaltete in der vorletzten Woche eine stim­mungsvolle Adventsfeier. Schriftlesung, Ansprache des Präses, Adventsgeschichten, gemeinsame Lieder und Lau­tenklänge lösten beim Scheine der Adventskerzen eine an- dachtsvolle Stimmung bei allen Dereinsmitgliedern au». — Die Schulkinder der kath. Privatschule Weida hielten am vergangenen Montag ihre Weihnachtsfeier ab. Der H. H Kuratus Kreuzer schilderte in kurzen War. ten das Glück, ein Gottesrind zu sein und zu bleiben. Dann folgte ein wirkungsvolles Krippenspiel, das Herr Lehrer B a r i o n und Frl. Lehrerin Lauck mit den Kindern einstudiert hatten. Auch der musikalische Teil lag in den Händen der Kleinen. Tiefen Eindruck machten die kindlichen Gesänge und die schönen Bilder mit den Erlebnissen der hl. Nacht aus di« Besucher und lösten helle Begeisterung aus.

Kassel, in der er „die beispiellose Entwicklung der nationalsozialistischen Bewegung auizeichnete und sie als das Wiedererwachen des deutschen Freiheits­wollens feierte." Der Redner schloß seine An­sprache mit der Aufforderung an die Zuhörer, mit. zuarbeiten und mitzukämpfen für Deutschlands Freiheit. (Fuldaer Anzeiger).

Wir aber wollen hoffen, baß durch derartige politische Weihnachtsfeiern dem christlichen Volk nicht die Erkenntnis verloren geht, daß Weihnach­ten nach christlichem Glauben das Fest ist, an dem wir uns der großen Liebestat des Got'esfohnes be­wußt werden, vollbracht für die Menschen und von den Engeln auf Bethlehems Fluren den Hirten verkündet mit den Worten: „Ehre fei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind!"

Aus dem Carttasverband.

Dieser Tage waren es 10 Jahre, seit der Deutsche Karitasverband in Freiburg i. Br. nach dem Tode des unvergeßlichen Prälaten Werthmann in der Persönlich­keit des Prälaten Dr. Benedikt Kreutz einen neuen Präsidenten erhielt. Am 19. Dezember 1921 führte der vor einigen Tagen verstorbene Erzbischof von Frei­burg, Dr. Karl Fritz, der Protektor des Karitasverban- dss, den Neugewählten feierlich in sein Amt ein. Prälat Dr. Kreutz hat das Erbe des hochseligen Werthmann, die­ses geradezu prooidentielle Werk, in einer äußerst schwe­ren Zeit übernommen und geführt. Die Jahre der Nach­kriegszeit, die Jnflationsjahre insbesondere und nicht zu­letzt die Tage unserer notvollen Gegenwart haben dem Berband ein vielgestaltiges Tätigkeitsfeld zugewiesen. Prälat Kreutz hat dabei rastlos, hingebend und immer froh seine Kraft eingesetzt und mit den reichen Gaben seines Verstandes und Herzens, unterstützt von seinen Mitarbeitern im ganzen Reich, tausendfältige Not zu lin­dern versucht. Der unermeßliche Segen, der durch das Werk der Karitas vielen Tausenden zuflaß, rechtfertigt an diesem Erinnerungstag die Bitte, das große zentrale Wohlfahrtswerk der deutschen Katholiken weiterhin zu fördern, helfend und betend. Möge der rührige Präsi­dent an der Spitze des Verbandes noch recht lange und erfolgreich seines Amtes als Vater der deutschen Karitas walten.

= Die Liedertafel des Arbeiterfortbildungsvereins, einer unserer ältesten Männer-Gesangvereine, die im nächsten Sommer ihr 70jähriges Jubiläum feiern wird, hält ihr diesjähriges W e i h n a ch t s f e st am 2. Weih­nachtstage im Ballhaus ab. Nachmittags 4 Uhr findet die Weihnachtsbescherung der Kinder statt und abends um 8 Uhr die Feier für die Erwachsenen. (Siehe Anzeige.)

--- Aus dem Gerichtssaal. Bei dem dieser Tage wegen Uebertretung der Kraftfahrzeug-V.ro bnung mit einer kleinen Geldstrafe bestraften Führer eines Lall- kraftwagens handelt es sich nicht um P. K., sondern um K. König aus Müs.

— von der Arbeitsgemeinschaft der krippenfreunde werden alle Verehrer des göttlichen Kindes zu ihrer Krip­penfeier auf dem Frauenberg am Sonntag, den 2 7. Dezember, nachm. 5 Uhr, herzlichst eiNge- laden.

Lichkfpiel-Schau.

„Reserve hat Ruh'". Dieser Aafa-Tonfilm unter der Regie Max O b a l s läßt mit seinen Kasernenhof. und Wachtstubenblüten, wie auch mit seiner Manöver» kornik, sämtliche 5 Notverordnungen für zwei Stunden vergessen, edion die Namen der Schauspieler bürgen dafür: Da ist Fritz Kämpers als Stubenältester. Paul Hörbiger, im Zivilberuf der unbeholfen-schüchterne Doktor der Astronomie, als Rekrut. H Fischer- Köpke als typischer Feldwebel wilhelminischer Aera „poliert" ihn. Dazu geftlli sich Albert P a u l i g, der Hauptmann, dem es trotz stärkster Befürchtungen gelingt, gerade durch die beiden Sorgenkinder der Kompagnie die Ma- jorsecke glücklich zu überwinden. Abwechslung und un- versieglichen Humor bringen die Damenrollen: Senta Sönelanb als Wirtin des Doktors, Lucie Eng­lisch, die „eingebülbete" Tochter des Militärlchneiders, beide unübertrefflich! Claire Sommer fpielt die mondäne Dame aus ersten Kreisen. Sie bliebe besser in ihrem Mil'eu und bei ihren Kavalieren. Statt dessen läuft sie, wohl feines Titels wegen, unferm Do'torchen nach, sogar bis ins Manövergelände Der Komrnißton kommt in allen Teilen der Handlung naturgetreu zur Geltung Unbekbreibüd) ift die Kostümierung und ab- wechslungsreich sind die Einfälle der Regie, die von fadwerftänbiger Seite gut beraten gewesen sein muß.

___________________ 3>k.

Briefkasten der Schrifklettung.

3. Sch. Ihre Vorwürfe wegen der Kkno-Freikarten werden an zuständiger Stelle geprüft.

Rach Giesel. Aufmerksame Leser, selbst wenn sie zur Kategorie der „Besserwisser" gehören, sind uns di« iiebsten. Die beobachfeie Wiederholung erklärt sich dar­aus, daß die fraglichen Beiträge nur in einem Teil der Auflage des Vortages erschienen waren. Mit Rücksicht auf bie Post-Verbindungen wird fast täglich ein« Früh- und eine Spät--Ausgabe der Fuldaer Zeitung her- gestellt. ______________________

Temperatur- ans Larometerstand in Fulda.

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23 12. 12 Uhr mittags

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höchste Temperatur ’m Schatten am 22 12.

ch 0,5

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höchste Temperatur in ber Sonne am 22 12.

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Niedrigste Temperatur

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— 5.0

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Niederschlag v. 22.12. morg. 8 U. — 23.12. morg. 8 U. 0,0 mm 'Helaitnr ■ eu tiftafei her ui* am 23 12 mitt I llhi 68 5 0 e

Schriftleiter: Dr. phil. Johannes Kramer. Verantwortlich für die Anzeigen: Direktor der Fuldaer Actiendruckerei I. P a r z e I l e r.

Brüning im Weltkriege.

Unser lieber Fuldaer Landsmann Dr. Al- phons Nobel in Berlin, als politischer Schrift­steller und auch durch andere auffehenerregende gediegene Publikationen weiten Kreisen bekannt, hat dieser Tage eine Biographie des Reichskanz­lers Dr. Brüning herausgebracht. Sie ist im Verlag R. Mittler- Leipzig erschienen. Ver­fasser und Verleger haben uns den Abdruck folgen­den Kapitels über Brüning im Weltkriege ge­stattet

Mit Ausbruch des Weltkrieges trat alles, rvas Brüning als Student bisher beschäftigt hatte, in den Hintergrund. Brüning, damals 29jährig, versuchte als Kriegsfreiwilliger unterzukomwen. Cs gelang ihm wie vielen Tausend anderen, nicht.

Anfang 1915 — Brüning hatte inzwischen in Bonn promoviert — nahm ihn endlich das Ersatz­bataillon des Infanterieregiments 30 an, das nicht, wie das Regiment in Saarlouis, sondern in Kob­lenz stand. Die Ausbildungszeit dauerte das Frühjahr hindurch. Im Mai 1915. dem lchicklais- fchweren Monat, in dem Italien in den Krieg ein­trat. ging Brüning an die Front. Sein Regiment, dessen 10. Kompagnie er auszusuchen hatte, lag iw Argonnerwalde. Nach wenigen Wochen war der Kriegsfreiwillige Unteroffizier und — verwun­det: ein Schulterschuß und ein leichter Streifschuß am Kopf. Im Lazarett zu Trier erholte er sich. Man sandte den genesenen 30jährigen Unteroffi­zier als Reserveoffizieranwärter zum Ausbildungs­kursus ins Münsterlager (September 1915).

Als Leutnant kam er wieder an die Front. Diesmal nicht zu seinem Regiment, sondern in die Maschinengewehr-Scharfschützen-Abteilung Nr. 12. Was das hieß, weiß nur der, der den Krieg an )er Westfront mitaemacht hat.

Das Reichsarchiv bewahrt unter den Hundert- tausenden von Kriegsdokumenten auch einige Pa­piere, auf denen der Name Brüning steht. Ein leißiger Archivar und ein kluge Frau haben sie leransgesucht. Sie stammen von 1918 aus dem Hochsommer, dem schrecklichen August, da die in len Frühicihrsoffensiven vorwärtsgetrieben'' Front der deutschen Truppen zurückzuweichen be­gann, die Offensiven rettungslos ins Stocken ge­raten waren und da die Lage der Front der ftünd- ich wachsenden Uebermacht gegenüber unerträg­lich wurde. Man war im Sommebereiche in d-e !>eriihmte Siegfriedstellung zurückgegangen. Brü­ning lag dort in der Nähe von R o y e. Die Zettel es Reichsarchivs sind von Brünings Hand gefchrie- ien. Da steht beispielsweise, daß die Verluste echs Mann betragen, daß das Verhalten vom Zug lummerehl und Pinkale über alles Lob erhaben ei, daß man dringend Munition brauche, daß Tankgcschwader im Anmarsch seien und was der­gleichen Meldungen mehr sind. Einmal aber steht n den Papieren, daß. wenn dies und jenes nicht geschähe, „eine Krisis sicher sei".

Auch das Kriegstagebuch der Maschinengewehr, SckarfschiichewAbteilnng 12 gibt Kunde von Brü­ning. Es handelt sich um die gleichen Tage. „Un­ter der hervorragenden Führung des Leutnants ). R. Brüning leistete die Kompagnie Dorzüg- liches". Oder: „Haltung wieder glänzend, trotz- >em sie stark überanstrengt sind. Brüning, Pin- :'ale zeichnen sich wieder besonders aus."

Der Abschnittskommandeur, Oberstleutnant von Eoerne. schreibt an die Abteilung: „Ich bitte, dem Leutnant Brüning den Dank des Regiments zu übermitteln." Die Geschichte dieses Regiments andte von Goerne seinem inzwischen Reichs- anzler gewordenen ehemaligen Leut­nant mit folgender Widmung:

„Die Tage von Parvillers (Seite 106) gehören zu den kchönsten und schwersten Tagen des Regiments im gan­zen Kriege. Am 9. August 1918 gebot bas RI.R. 261, auf ben Stoß ber Engländer unb Franzolen. bie in vol­lem Vorgehen den fliehenden deutschen Truppen folgten, eingesetzt, an feiner Stelle dem Feinde einen sofortigen Halt.

Die Front des R.I.R. 261 Ist von der Uebermacht des Feindes nicht zu erschüttern gewesen.

In den Reihen des Regiments stand in jenen Tagen unter Ihrer Führung die M.-G.-Scharfjch.-Abt. Nr. 12.

Sie hat ihren vollen Anteil an dem Ruhm jenes Kampfes. Sie hat zusammen mit dem R.I.R. 261 in jenen Tagen in unvergleichlichem Heldentum noch ein­mal das Schicksal des Vaterlandes zu wenden versucht.

Darf ich Ihnen, hochverehrter Herr Reichskanzler, im Andenken an jene Tage diese Regimentsgeschichte über­reichen, in der auf Seite 106 rühmend der Scharfschützen M.-G.-Abt. Brüning gedacht ist.

W a N b r u ch bei Machlin, (Bez. Cöslin) 11. 2. 1931.

gez. v. Goerne,

• Oberst a. D., Feldzugskommandeur des

R.I.R. 261.

Die schlimmsten Kriegstage hat Brüning wohl in den furchtbaren Flandernschlachten mitgemacht. Wer erinnert sich noch der grauenhaften Beton- unterstände in der grundwasserreichen Ebene; wer erinnert sich noch der entsetzlich spannenden Se­kunden, wenn ein schweres Geschoß sich unter den Unterstand, diesen Betonklotz, schob, ihn hob und umznwerfen trachtete — bis er zurücksackte und glucksend in die alte Lage fiel. Wehe denen, di« in einem umgeworfenen Unterstände unter der Erde lagen; sie hatten ihr Grab. Oder die Tag« gegenüber dem Chemin des Dames, dem „Samen« weg", unweit der uralten Merovingerstadt Laon mit dem märchenschönen frühgotischen Dome. Dies« blutige Bereitschafts-Stellung auf dem Reuviller Kopfe!

Aber wer kann die Erlebnisse eines andern int Kriege schildern? „Das Erlebnis des Krieges stärkt bei denen, die große und zugleich schreckliche Ereignisie mitgemacht haben (soweft sie dadurch nicht seelisch zerrüttet und resigniert geworden sind), allgemein die Erfahrung, daß die großen G e- schicke der Welt nur durch Opfer, Selbstlosigkeit und freiwillige Dis­ziplin zu bewältigen sind. Das ist eine Erkenntnis, die nichts neues ist. Gewöhnlich sind die Menschen instinktiv davon erfüllt, bis eines Ta­ges dieses Erbteil von Erfahrung wieder verloren geht. Dann muß die Menschheit sie wieder neu und unter Schmerzen für sich bilden."

So schrieb Brüning einmal; und er fügte hin­zu, daß man gegen diesen Satz wohl viele Ein­wendungen mache werde. Vor allem die daß eine solche ErlebniZkraft doch nur wenigen möglich sei. Das sei richtig, meint er. und in diesem Sinn« sei das Kriegserlebnis auch wirklich ein „aristokra­tisches" Erlebnis. Aber, und nun kommt das wich­tige und für einen Charakter wie Brüning be­zeichnende. aber „es ist nicht aus Schichten, Ständen und Berufen beschränkt; es ist vielmehr ein Erlebnis aller derjeni. gen, die im einfachsten menschlichen und seelischen Sinne eine Elite dar- stellen"

Brüning war vorübergehend Gerichtsoffizs'er. Das ließ ihn tiefer in die Lebensverhältnisse sei­ner Kameraden sehen. Mit seinen Untergebenen blieb er auch innerlich nach dem großen Ringen verbunden Es ist ein schönes Zeugnis für diesen Reserveoffizier des Krieges daß feine Truppe ihn in der Revolution zum „Vertrauensrat" wählte.

Wie für jeden Frontsoldaten brach auch für ihn in den November- und Dezembertagen 1918 eine We't zusammen. Seine Wimmften Erfahrungen scheint Brüning in Herbesthal, der deutsch-belgi­schen Grenzstation, gemacht zu haben, die seine Truvpe vorübergehend besetzen mußte

Dann aber wieder in die Heimat. Was begin­nen? Wo das Leben wieder anknüpfen, wie wie. der den alten und neuen Kreis der Pflicht verein­baren. ahrrrenwn. neti’ieben?

Brüning hat nicht lange gesucht. Er wußte, was er wollte. Das war nun nicht mehr der wis­sensdurstige. erkenntnissuchende Student, das war ein Mann ber durch die harte Schule des Krieges gegangen, sich nach Taten sehnte, nach einer han­delnden Rolle.

Und in diesem Jahre 1919 begann Brünings politische Arbeit und Laufbahn.