Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Donnerstag, den 24. Dezember.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)

Nr. 297.

$ulDo. oen 23 Deze Iwe> 1031.

5 llhr-Ladenschlutz am Heiligabeud.

Das Gesetz über den Ladenschluß am 24. De- tember vom 13 Dezember 1929 wird nun zum dritten Male in Wirksamkeit treten. Seinem er­sten Inkrafttreten war eine umfassende Vorarbeit des Verbandes der weiblichen Handels- and Büroangestellten oorausgeganqen. Es handelte sich vorwiegend darum, in breitesten Volkskreisen die Käufersitien dahin zu beeinflussen, daß die Weib- nachtseinkäufe an sich, besonders aber am Heilig­abend frühzeitig getätigt wurden. Diese Vorarbeit ist in allen Kreisen der Bevölkerung, besonders auch unter den Frauen mit größtem Verständnis ausgenommen worden. Man kann sa­gen daß kaum ie einmal ein sozialpolitisches Ge­setz einen solchen stkTonanzboden im Volke hatte, wie der 5-Uhr-Ladenschluß am Heiligabend. Nur ein Teil der Ladeninhaber befürchtete einen Ein­nahmeausfall Inzwischen aber haben sie zu­gegeben, das- diele Befürchtungen unbegründet wären. Auch die Durchführbarkeit des 5-Uhr-La- denschlusses infolge Anpassung der Käufer wird zugegeben, ganz abgesehen davon, daß sie auch die Vorteile erkannt haben, die in dem Frühschluß am H-ililmbend lieoen. für die Inhaber selbst und ihre Familien. So braucht man sich nicht zu wun­dern, wenn setzt die Geschäfte selbst durch Plakate oder durch Zeitungsnotizen für den frühzeitigen Einkauf am Heiligabend werben. Auch wir b't- ten alle Käufer: Helft den 5-Uhr-Ladenschluß am Heiligabend wieder durchführen!

Vom Diozesan-Slerns.

Die durch den Tod des seitherigen Inhabers seit längerer Zeit verwaiste Pfarrei Schachte- b i ch (Eichsfeld) wurde mit Wirkung vom 15. De­zember dem Pfarrer August Gremler in Drenke bei Beverungen (Diözese Paderborn) verliehen. Pfarrer Gremler. der damit zur Diözese Fulda übertritt, wurde geboren am 2. August 1883 zu Breitenbach. Er besuchte das Kollegium Ma- rianum der Lazaristenpatres in Theux (Belgien), darauf zwei Jahre das Gymnasium in Mühlhau­sen, wo er iw Jahre 1904 die Reifeprüfung be­stand. Er studierte Philosophie und Theologie in Würzburg, Paderborn und München. Am 10. Au- gust 1908 empfing er die heilige Priesterweihe. Er war sodann bis zum 15. August 1912 als Kooperator in Jützenbach, bis März 1913 in Küll­stedt, hernach bis 1914 als Kaplan in Hohengan­dern tätig. Von dort aus wurde er nach West­falen versetzt Seit dem Jahre 1921 war er Pfarrer in Drenke.

Arbeitsdienst und Kleinsiedlung

Regierungspräsident Dr. Friedensburg hatte die Vertreter der Presse zu einer Besprechung einge­laden, um sich über wichtige aktuelle Probleme auszulassen. Der Regierungspräsident ging zunächst auf den freiwilligen Arbeitsdienst ein. In Hessen-Nassau sind im Habertsho-f in dieser Frage Versuche gemacht worden, deren Ergebnisse jetzt' vorliegen. Unter Leitung eines Kreisstraßen- meisters beschäftigte man dort 45 Erwerbslose im Alter von 17 bis 21 Jahren mit Wegebauarbeiten. Während der Vormittag mit Arbeiten ausgefüllt war, trieben am Nachmittag die Arbeitswilligen Sport oder es erfolgten Vorträge und andere geistige Anregungen. Der Versuch kann als gelun­gen bezeichnet werden. In Kassel ist vom Stadt- verband sür Leibesübungen auf Wilhelmshöhe ein Arbeitslager eingerichtet worden, das von feiten der jugendlichen Erwerbslosen einen überraschend starken Zuspruch hatte. Auch hier hat man gute Erfahrungen gemacht, so daß man im Februar- März ein neues Arbeitslager in der Burg Lud- wigstein einrichten will. Es sollen hier Planie- rungsarbeiten bei der Burg geleistet werden.

Die zur Durchführung der Winterhilfe im Regierungsbezirk Kassel vorgenom- menen Sammlungen haben bereits zu einem recht erfreulichen Ergebnis geführt. Es handelt sich bei dieser ersten Sammlung in der Hauptsache um Kartoffeln, Obst und Gemüse. Eine weitere syste­matische Sammlung, insbesondere von Getreide, Hülsenfrüchten, Fleisch- und Fettwaren, wird nach erfolgtem Ausdrusch und nach den durchgeführten Schlachtungen auf dem Lande nach Weihnachten erfolgen.

In der Frage der Erwerb slosensied - lung konnte der Regierungspräsident Mitteilen,

daß hiersür 1,7 Millionen Mark für die Provinz Hessen-Nassau vorgesehen sind. Für jede Siedler­stelle werden 2500 Mark als Darlehen ausge­worfen, der Rest muß durch Eigenhilfe aufge­bracht werden. Träger des Unternehmens können nur Gemeinden oder Gemeindeverbände sein. Die Darlehen sind in den ersten drei Jahren zinsfrei und dann mit 3 Prozent, bei SOprogentiger Eigen­leistung des Siedlers nur mit 2 Prozent zu ver­zinsen und mit 1 Prozent zu tilgen. Anträge sind bisher vorgelegt worden von der Stadt Kassel, dem Landkreis Kassel, dem Landkreis Hanau und den Städten Schmalkalden und Hersfeld. Das benötigte Land soll zum Teil aus der Aufteilung von Domänen beschafft werden. Bei der im letzten Jähr vorgenommenen Aufteilung einer Domäne im Kreise Eschwege sind z. B. an 236 Beteiligte 600 Morgen gekommen.

Die Hessische Heimat beabsichtigt, weiteren Grundbesitz, der dem Bischös.ichen S uhl in Fulda gehört und für Siedlungszwecke zur Verfügung gestellt worden ist, mit etwa 150 Stellen aufyu- teilen. Die bisher vorgelegten Anträge haben Aus­sicht auf baldige Genehmigung, über die der Reichs- kommi'sar endgültig entscheidet.

Reue Meister.

Vor der hiesigen Meisterprüfungskommission bestanden ihre Meisterprüfung die Schreiner: Hermann Kre wer in Fulda, Ludwig Kreu­zer in Dietges und Jos. Goldbach in Wey­hers

Die Hessische Brandversicherungsanstalt

zu Kastel hat den Straßenmestter Weber in Neuhof zum Versicherungs- und stellvertretenden Brandschadenschätzer für den Bezirk TV (vorher Rokher) und zum stellvertretenden Versicherunas- schätzer für den Bezirk V (früher Weber). sowie den Straßenmeisteranwärter Schwarze in Fl'eden zumVersicherungs- und stellvertretenden Brandscha­denschätzer für den Bezirk V (früher Weber) und mm stellvertretenden Versicherunasschätzer für den Bezirk TV (früher Rother) des Kreises Fulda be­stellt. Die beiden vorbezeichneten Bezirke be­stehen aus folgenden OrfTcbaften* Bezirk V. Brandlos, Buchenrod. Eichenried, Flieden mit Oberlichsmühle und Struth, Höf und Haid, Haus­wurz. Jossa. Kaupven. Maadlos. mit Federwisch Mittelkalbach mit Bucheller. Pfaffenrod, Povpm- rob. Rommerz, Rückers mit Keutzelbuch, Schwe­ben, Stork, Veitsteinbach mit Svarbof und Kilians­berg sowie Weidenau Bezirk TV: Büchenberg, Döllbach. Dorfborn, Eichenzell. Ellers, Hattenhof. Kerzell. Löschenrod. Melters. Riederkalbach. Neu­stadt. Opperz Rönshausen, Rochemann, Welkers, Zillbach, Tiefen gruben.

Vrandsteuererhebungi

Die Lcmdesrenterei nimmt am 4., 5. und 7 Ja­nuar vormittags von 8—12 Uhr, die Erhebung der Brand st euer für die Stadt Fulda vor. In der Zeit vom 4 bis 12. Januar werden die am 2 Januar fälligen Rentenbankzin­sen, Goldpfandbrief-Zinsen und Aufwertungs- Zinsen der Landeskreditkasse sowie auch die Dar- lehensnnsen der Landesleihbank erhoben, und zwar siir Stadt- und Land kreis Fulda Die Landesleihbank wird für diese Erhebungen in ihren Geschäftsräumen eine besondere Zahlstelle einrichten (Siehe Anzeige.)

Brandwache am Heiligen Abend.

Um bei Bränden, die am Heiligen Abend ent­stehen können, sofort eingreifen zu können, ist von 6 Uhr abends bis 12 Uhr nachts eine Brandwache unserer Aktiven Feuerwehr in Alarmbereitschaft. Die Einwohnerschaft wird ge­beten, im Ernstfälle entweder telephonisch durch Notruf 02 oder durch den nächsten Feuermel­der zu alarmieren.

Zu Weihnachten und Neujahr

foHtten nur Wohlfahrtsbriefmarken der Deutschen NothÄfe verwendet werden. Jede Marke trägt durch ihren Wohlfahttsaufschlag dazu bei, im Rahmen des gemeinsamen großen HÄfswerkes der amtlichen und freien Wohlfahrtspflege die Winter­not zu Andern. Zudem werden die besonders hüb­schen Marken mit den Bildern berühmter deutscher Baudenkmäler dem Empfänger ganz gewiß Freude machen. Auch eignen sie sich zu Weihnachtsgeschen­ken, vor allem die Markenheftchen und die Wohl- sahrtspostkarten, sowie für Markensammler die Sätze der vier Marken. Die Wohlfahrtsbrief­marken find vollwertige amtliche Postwertzeichen für alle Postsendungen nach dem In- und Aus­länd, gültig bis zum 30. Juni 1932. Die Marken

sind bei den bekamtten Wohlfahrtsstellen sowie auch bei den Postanstalten zu haben.

Die Postgebühren-Senkung.

Die von der Reichsregierung in Aussicht ge­nommene Senkung der Postgebühren tritt aller Voraussicht nach erst z u m 1. A p r i l des neuen Jahres in Kraft. Der Antrag des Reichspostmini­sters lautet dahin, die Gebühren um insgesamt 120 Millionen monatlich zu senken. Im einzelnen ist beabsichtigt, die Wortgebühr für Telegramme die bisher 15 Pf. betrug, auf 10 Pfg., also um 33 Prozent, herabzusetzen. Es ist ferner in Aussicht genommen, die Gebühren für den Telephon-Fern- öerkehr um 10 Pf. zu senken, und eine Senkung der Paketgebühr in der gleichen Höhe vorzuneh­men. Die Kosten für die Drucksachen bis zu 20 Gramm sollen ab 1. April 1932 nach den Vorschlä­gen des Postministtrs an das Reichskabinett 3 Pf. im Inlandsverkehr betragen. Eine Herabsetzung der Rundfunkgebühren ist nicht beabsichtigt.

5350000 Arbettslofe.

Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 1. bis 15. 12. 1931 hat sich der Druck auf den Arbetsmarkt, wie zu erwarten war. in der ersten Hälfte des Dezember verstärkt. Die Zu­nahme der Zahl der Arbeitslosen belief sich auf rund 290 000. womit eine Belastung von rb. 5 349 000 erreicht wurde. In der gleichen Zeit des Vorjahres war die Zunahme mit rund 278 000 neu gemeldeten Arbeitslosen nur um weniges geringer.

Der Anteil der überwiegend von der Konjunk­tur abhängigen Berufe ist in der ersten Dezember­hälfte rascher (um 4,2 v. H.) als in der zweiten Novemberhälste (um 1.6 v H gestiegen Neben der Beendigung des Weihnachtsge- ct> ä 11 e s in vielen Industrien haben besonders die internationalen Wä brunasfd)rote= rigfeitcn und die Sch utzzollmaßnah m en wichtiger Adneymerftaaten ungünstig auf den deutschen Arbeitsmarkt eingewirkt.

Die Belastung von Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge hat zusammen um etwa 158 000 Hauptunterstützungssmpfänger zugenommen. Nach den Meldungen der Arbeitsämter wurden in der Arbeitslosenversicherung am 15. Dezember 1931 rund 1484 000 Hauptunterstützungsempfänger (Zunahme rund 118 000) gezählt, während in der Krisenfürforge nach einer Zunahme um rund 40 000 etwa 1 446 000 Hauptunterstützungsempfän­ger betreut wurden.

e

lieber die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hes­sen-Nassau berichtet das Landesarbeitsamt Hessen in Frankfurt a. M.: Im Laufe der Berichtszeit hat die Arbeitsmarktlage sich weiter verschlechtert. Die Zahl der Arbeitsuchenden erhöhte sich um 9360 oder 3,1 Prozent auf 311291, davon waren 50 252 Frauen. Der höchste Stand der Arbeitslosigkeit — rund 314 000 Arbeitsuchende am 15. Februar 1931 — ist demnach schon jetzt fast erreicht; er dürfte in diesem Winter voraussichtlich erheblich überschritten werden. Wie gewöhnlich um diese Jahreszeit, ist auch diesmal der Hauptzugang wieder aus den Außenberufen gekommen; sie sind mit rund 46 Prozent an der Zunahme be­teiligt. In der Lederindustrie und im Beklei­dungsgewerbe hat die Beichäftigung gleichfalls in­folge von Saison-Einflüssen weiter abgenommen. Auch in der Metallindustrie und im Holzgewerbe erfolgten noch zahlreiche Entlassungen; aus diesen iöerupm st.Uen m letzter Zeit immer mehr selbstän­dige Handwerker Arbeitsgesuche. Die Zahl der Arbeitsuchenden in der Gruppe Häusliche Dienste hat sich infolge der allaemeinen wirtschaftlichen Notlage ebenfalls beträchtlich erhöht. Die Hoff­nung, eine größere Zahl von Angestellten für das Wecynaast-geschäft vorübergehend in Arbeit zu bringen, hat sich nur zum Teil erfüllt.

Die " Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung flieg vom 1. bis 15. Dezember um 4510 auf 81033, die Zähl der Kri- senunterstützten ist dagegen um 1100 auf 79 423 gefallen. _________________

Wandelkonzerte

finden bei günstiger Witterung am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag vormittags von 11—12 Uhr im Schloßgarten statt. Am ersten Feiertag wird es ausgeführt von dem Musikverein Bioneck am zweiten Feiertag von der Feuerwehr-Ka­pelle.

Das letzte Vierteljahr.

(Eine Mahnung an unsere (Eltern.

Bon Dr. Konrad Bayer- Köln.

In den letzten Jahren gibt es zu Weihnachten kein« Zeugnisse mehr in den Schulen, man will den Eltern und auch ihren Kindern das Fest nicht mit den oft nicht angenehmen Mitteilungen der Schule über Fleiß und Betragen verderben. An die Stelle der Zeugnisse ist nun nach den Feiertagen, d. h. gleich nach Schluß der Weihnachtsferien, der mahnende Zettel getreten, d. h. der die Eltern darauf aufmerksam machen soll, wenn das Kind in seinen Leistungen so sehr gegenüber dem allgemeinen Lehrplan zurückgeblieben ist, daß seine Ver­setzung zu Ostern zweifelhaft erscheint. Angenehm ist so ein Brief sicher nicht, weder für die Eltern, noch für die meist sehr zerknirschten kleinen Sünder. Dazu gibt es oft für die Betroffenen Schelte, mitunter wohl auch Prügel, aber damit ist es eigentlich nicht getan. Viel­mehr sollten sich die Eltern, deren Kind mit einer sol­chen Anmahung der Schule bedacht wird, mit dem nöti­gen Verständnis für die Schule und für ihr Kind Re­chenschaft darüber ablegen, welche Ursachen wohl die schlechten Leistungen in der Schule bedingten, denn die Ursachen kennen, heißt sie meist leicht abstellen können. Wird einwandstei festgestellt — was übrigens nament­lich bei Kindern tn den Pubertätsjahren sehr schwer ist —, daß nur Faulheit an den Minderleistungen schuld trägt, dann nützt wohl am besten eine gehörige Straf» predigt, neben einer sorgfältigen und intensiven Be­aufsichtigung der häuslichen Arbeiten die aber Tag für Tag mit peinlicher Regelmäßigkeit einsetzen muß. Das Kind soll ständig fühlen, daß es kontrolliert wird. « darf keine ruhige Minute haben, ehe nicht die Schular­beiten restlos und zur Zufriedenheit der Eltern erledigt sind. Durch öfteren Besuch in der Schule beim Klassen­lehrer muß man sich weiter über den Erfolg seiner Er­ziehungsarbeit vergewissern, da man in der Unterredung meist auch noch manchen Wink bekommt, wo besonders nachgeholfen werden muß.

Ganz anders liegt aber der Fall, wenn die schlech­ten Schulleistungen, durch körperliche Mängel, durch Schwächezustände, Nervosität. Blutarmut. Unterernäh­rung usw. hervorgerusen sind. Wir dürfen dabei nicht vergeffen, daß die heutigen Schulkinder meist noch wäh­rend des Krieges und in der ersten Nachkriegszeit ge­boren stnd. Auch in diesem Falle wird der verständige Baier und die besorgte Mutter zuerst mit dem Klassen- lehrer, bann aber auch mit dem Schularzt sprechen, um ganz klar zu sehen, welche Mittel und Wege einzuschla­gen stnd, um Das schwächliche Kind dem Klassenziel nä­herzubringen. Der Befund des Arztes muß vor allen Dingen am meisten in die Waagschale fallen, wenn er erklärt, daß es besser ist. ein Kind eine Klasse noch ein­mal wiederholen zu lassen, so folge man ruhig seinem Rat, denn dieses an sich vielleicht verlorene Lebensjahr kann von ungeheuerer Bedeutung für die körperliche und geistige Fortentwicklung des Kindes in den näch­sten Jahren sein. Arzt, Lehrer und Eltern werden in sorgsamer Erwägung gemeinsam den rechten Mittelweg finden, der in solchen Fällen zu gehen fft. Gewarnt sei allerdings die Unterredung mit dem Arzt und dem Leh­rer auf die lange Bank zu schieben. Eltern, die das Glaubens stnd, daß sie noch etwas ändern können, wenn sie am 1. Februar oder noch später bei dem Lehrer ihrer Kinder anfragen, täuschen sich gründlich. Jeder Tag Verzögerung bedeutet eine schwere Einbuße für das in seiner Versetzung gefährdete Kind. Und mancher kleine Faulpelz, aber auch manches kranke, schwächliche und zurückgebliebene Kind, hätte noch versetzt werden können, wenn man sich bei Zeiten um seine Leistungen in der Schule gekümmert hätte.

Als verlrauensärzle des Dersorgungsgerichls wurden für die Zeit vom 1. Januar 1932 bis 31. Dezember 1935 wiederaewäblt: Spruchkammer Kassel: Geh. Rea.- und Med.-Rat Dr. Rockwitz. San.-Rat Dr. Heil und Dr. med. Hartmann, samt- lich in Kassel. Spruchkammer Fulda: San.- Rat Dr. Schneider, Dr- S t e g m a i e r und Dr. W. Raabe in Fulda.

Kraftpost Schlitz-Fulda.

Die Gültigkeit der verbiWgten Rückfahr­katt en zwischen Fulda und Schütz wird über die Weihnachtsfeiettage und den Neujahrstag ver­längert. Am Mittwoch, dem 23. Dezember, so­wie später gelöste Kattien gelten zur Rückfahtt bis einschließlich Montag, den 4. Januar 1932. Durch Lösung von Rückfcchrkatten ermäßigt sich der Fahr­preis zwischen Fulda und Schlitz auf 1,40 RM. für eine Fahrt.

Kraftsonderpost nach dem Dammersfeld.

Vom Kraftpostbetrieb wird uns mitgeteilt: Bei gutem Skiwetter und bei genügender Beteiligung verkehrt am 2. Weihnachtsfeiertag sowie am Sonntag, den 27. Dezember, eine Kraftsonderpost nach Dalherda. Abfahrt ab Post­amt Fulda 8.30 Uhr, Rückfahrt ab Dalherda 18.00

Vor Weihnachten.

Line Geschichte aus Rorddentschland.

Don Ernst Baht.

Konstanze flüsterte die englischen Verben zerstreut vor sich hin. Mit halbgeschloffenen Augen sah sie hin­aus in das wirbelnde Schneetreiben. Charlotte saß an der Längsseite des Tisches vor ihrer Schiefertafel und schrieb einen Aufsatz über den ersten Schnee, der heute morgen, pünktlich mit dem Glockenschlag der großen Pause, auf dem Schulhof niedergeriesel war. Cyariottes Bäckchen waren gerötet.

Der Aussatz begann vortrefflich. „Es schellte", hatte sie geschrieben, „und als wir nach draußen kamen, da schneite es ganz große Flocken. Eine flog mir auf die Nase. Viele, viele weiße Bienen dachte ich. Aber sie summten nicht. Alle Kinder schrien, und ich auch . .

Hier ruhte der Griffel eine Weile, und dann schweifte Charlotte plötzlich vom Thema ab und berichtete, daß Tjark Halswassen mitten m der Stunde gejagt habe, es gäbe keinen Weihnachtsmann. Viele Kinder hätten Tjark recht gegeben, und darum wolle sie heute abend ihre Mutter danach fragen. „Du", sagte sie zu Kon­stanze „lies das einmal durch."

„Du hast wieder schlecht geschrieben", begann Kon­stanze. „Doch das ist nicht so schlimm. Ich schreibe auch schlecht. — Aber sieh mal, was hat Tjark Halswassen mit dem Schnee zu tun? Vom Schnee sollst du schrei­ben! Schreib' es von hier noch einmal . . ."

Damit gab sie dte Tafel zurück. Charlotte sagte kein Wort der Widerrede. Wenn die Mutter nicht da war, pflegte Charlotte die Ratschläge Konstanzes anzunehmen Ohne Eifer arbeitete sie weiter und brachte mühselig den Aufsatz in der gewünschten Weise zu Ende.

Ohne noch ein Wort zu sagen und sehr verstimmt ging Charlotte aus dem Zimmer. Sie hörte Christine in der Küche summen: „Komm, wir gehen nach Beth­lehem . . ." Charlotte wartete, bis eine Pause kam „Christine, hast du einen Augenblick Zeit?"

„Ach Christine — heute morgen in der Schule . . ." Sie stockte. War es der Gedanke, daß diese Frage nie­mand belfer als die Mutter beantworten könne, oder war es Mißtrauen? Christines große Augen betrachteten sie wie ein ganz kleines Kind, und diese llederlegenheit wollte sie ihr nicht zubilliaen.

Mit aufgeworfenem Mund und niedergeschlagenen Augen begab Charlotte sich zu Konstanze zurück und setzte sich in die Spielecke. Eine Zeitlang blieb sie müßig, die Hände im Schoß. Nun fühlte sie erst recht den Zweifel, den Tjark Halfwaffen geweckt hatte, und über Träume und Freuden fuhr er hin wie der Schwamm in des Lehrers Hand über eine bunte Zeichnung an der Wandtafel.

Sie hatte auf dem Heimwege mit Tjark hin- und her- geftritten, aber es war ihr nicht gelungen, die Existenz des Weihnachtsmannes einwandfrei nachzuweisen. Im Gegenteil! Tjark hatte gesagt, Puppen und Holzpferde und dergleichen Dinge müßten die Eltern kaufen, und, da Charlottes Vater nicht mehr lebe, besorge das ihre Mutter. Tjark dachte sich nichts habet.

Seufzend ergriff Charlotte die kleine Spieldose, drehte die Kurbel und versuchte, sich an den oft gehörten Melo­dien zu trösten. Aber heute war ein schwarzer Tag Konstanze war mit ihren Arbeiten immer noch nicht fer­tig. Da litt es Charlotte nicht mehr im Hause. Christine ging mit ihr in den Keller und trug den Rodelschlitten hinaus.

Die Kinder der Nachbarschaft sausten auf ihren Schlitten jauchzend von einem nahen Hügelchen herab. Charlotte eilte zu ihnen.

In der Dämmerung setzte der Schneefall erneut und heftig ein und trieb die luftige Schar in die Häuser Charlotte mußte dreimal schellen, ehe Konstanze die Tür öffnete. Konstanze machte kein Licht. „Ach, du bist es", sagte sie mit einer seltsam verschleierten Stimme. Ehe Charlotte sich darüber flar wurde, daß etwas nicht in Ordnung sei, war sie wieder ins Zimmer gegangen Auch da war es dunkel

„Warum machst du denn kein Licht?"

„Ach. ich habe so schlimme Kopfschmerzen!" klagte

Christine faßte Charlotte behutsam unters Kinn, setzte sich, zog sie nah an sich heran und fragte: „Na. was will denn Prinzeßchen?" Es war ohne Zweifel eine günstige Gelegenheit.

Konstanze.

Charlotte fetzte sich neben den Ofen und rieb ihre

Hände, die von Kälte und Schnee brannten. „Wenn man wenigstens ein Lied fingen dürfte", dachte sie.

Konstanze stand auf und wanderte vor den Fenstern hin und her. Im Licht, das eine Laterne von der Straße hereinwarf, sah Charlotte, wie sie, anscheinend von hef­tigen Schmerzen geplagt, die Hände gegen die Stirn drückte. Lange, stöhnende Seufzer waren vernehmbar Plötzlich warf sie sich mit den Knien auf die Erde, und ein Weinen brach so anhaltend und bitterlich aus der Kauernden, daß Charlotte Angst bekam. Sie eille zu ihr. umschlang ihre Schultern und wußte nicht, was sie be­ginnen sollte.

Konstanze richtete sich auf. „Christine hat auch schuld", rief sie, „Christine sagte, ich sollte nur nicht im Schlafzimmer nachsuchen. Aber ich habe die Haupt­schuld!" Zerknirscht meinte sie weiter. Charlotte dachte an Tjark Halswassen; sie war wie ein Jagdhund, der die Fährte gefunden hat, und es dauerte nicht lange, da wußte sie alles.

Christines erhobenem Zeigefinger zum Trotz, hatte Konstanze das Geheimnis im Schlafzimmer erforscht und auf dem Kleiderschrank einen Karton gefunden, in dem eine Puppe lag. — Eine dunkelblonde Puppe, die ihre Augen öffnen und schließen konnte. — Während sie das Ding entzückt betrachtete, erscholl unerwartet ein lautes „Mama—a". Erschrocken ließ Konstanze die vorzeitig ge weckte Dunkelblonde fallen, schrie auf, und als sie sich danach bückte, durchfuhr sie der Schrecken noch heftiger: dos lächelnde Gesicht der Puppe war furchtbar entstellt, die Nasenspitze lag auf dem Fußboden.

Was für ein Jammer! Charlotte bekam Herzllopfen. Sie konnte zuerst kein Wort hervorbringen. Endlich sagte sie mit bebender Stimme: „Also bann gibt es keinen — Weihnackftsmann — oder . . .?"

„Weiß ich denn, wer die Puppe dahingestelll hat?" antwortete Konstanze. Sie spürte keine Erleichterung. Es war eine entsetzliche Sache, von allen Seiten stürmte es auf sie ein. »

Charlotte sann eine Weile nach. „Hör Konstanze!" begann sie dann, „wenn es nun keinen Weihnachts­mann gibt, dann gibt es doch einen lieben Gott . . . Vielleicht Hilst der uns, wenn wir ihn bitten . . .' Sie faltete ihre Hände und Konstanze tat dasselbe, obwohl sie nicht glaubte, daß jetzt ein Wunder geschehen würde.

Darauf wurden sie beide ruhiger, Konstanzes Tränen versiegten, ja, als Charlotte sie aufforderte, nachzusehen, ob das Zerbrochene nun aneinandergefügt sei, sagte sie/ solche Eile wäre unftomm. —

Endlich, die gewohnte Stunde war bereits oerftri- chen, hörten sie die Mutter heimkehren. „Sieh, das sind die beiden!" sagte sie zu einem Herrn, der mit ihr war.

Als sie Konstanzes verweinte Augen sah und die verwirrt gestammelte Beichte vernahm, trübte sich ihr Antlitz flüchtig. Die Demütigung, die Konstanze wider- fuhr, war gering. — Konstanze glaubte zu träumen.

„Ueberlaß es mir, die Sache wieder gutzumachen, Helene!" sagte der Herr, als die Kinder draußen waren, um die Spuren ihrer Tränen abzuwaschen.

„Wißt ihr, was ich mir aus gedacht habe?" rief er luftig, als sie wieder hereinkamen. „Ich werde die Puppe zum Weihnachtsmann bringen, der macht das Näschen wieder heil", und er hielt Konstanze die Hand hin.

Sie schlug ein, als kennten sie sich schon lange.

Und Charlotte dachte, also hat Tjark doch unrecht! Wie könnte die Mutter sonst wohl so fröhlich sein!

Bunte Zeitung.

— von einem Hleteor erschlagen zu werden ist zwei­fellos eine sehr große Seltenheit, ist aber eben doch eine Möglichkeit. Prof. C. C. Wylie von der Iowa-Univer­sität in Amerika hat sich der Mühe unterzogen, den Grad der Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorkommens zu berechnen: nach ihm läuft aller 9300 Jahre ein Amerikaner Gefahr, dieses Todes zu sterben. Uralte Chroniken berichten, daß am 14. September 1511 in Gretna ein Hagel von 1200 Steinen niederging von dem ein Stein einen Mönch tötete. Nach anderen Be­richten soll am 30. März 1650 in der Nähe von Mai- land ein Franziskanermönch durch einen niedergehen­den Meteorstein getötet worden fein. Auch der Tod zwei schwedischer Matrosen soll 1674 an Bord eines Schiffes durch die gleiche Ursache erfolgt fein Was daran unbedingt wahr ist. läßt sich heute nicht mehr fest- steilen Dagegen wurden verschiedene Fälle bekannt, wo ein Meteorit in der Nähe eines Menschen niederging oder einen solchen verletzte.