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23. Dezember

Beilage zur Fuldaer Zeitung

Ar. 296

W. H. Salmünster.

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Mlllelslrahe 42

FULDA

Telefon 2412

'i nheit machen dürfen.

Geld aus der Tasche gezogen und es wird doch nichts daß wir boraits c.u

NILS

Die Engel gehn auf Zehen, Die Sterne gehn vors Haus, Und blinde Augen fehen Nach ihren Lichtern aus.

Die Liebe vor dem Throne Der Gnade sich verneigt. Der Vater feinem Sohne Das Leid der Liebe zeigt.

*) Ruch Schaumann legt soeben im Verlag I. KSsel und Fr. Pestet, München, einen GedichtbandDie Tenne" vor (237 Seiten, Halbleinen 6 Rin.), der aufs neue Eigenart und Einmaligkeit eines schöpferischen Herzens erweist. Mit Erlaubnis des Verlages veröffent­lichen wir das vorstehende Gedicht.

Die Liebe eilt zur Schwelle, Die Gnade trägt wie Wind Vor Ochs und Es'lein helle Liegt still ein kleines Kind.

Die Gnade thront gar einsam, Der Lieb man Lämmer bringt. Doch Gnad und Lieb gemeinsam Dom Dach als Taube singt.

Ruch Schaumann.*)

Wer kann sich eine wirkliche Mutter in der Titelrolle vorstellen? Ich nicht! Auch die -Rührseligkeit eines Stückes:Solang dein Mütterlein noch lebt" ist eine Beleidigung für do Größe einer Mutter. Die Tätigkeit der Tränensäcke darf uns nicht täuschen, denn bei anderen Zuschauern beginnt dabei der Magen bedenllich in Erregung zu geraten. Und diese Erregung ist ebenso ehrlich wie die erste. In den Berichten heißt es freilich: ein Stück aus dem Leben für das Le­ben. Und gemeint sind die Kerzen von Stein".

Dieser Gruppe stehen die Geschichtlein nahe, die" vol­ler Lieblichkeit triefen: da kommtDie Bettlerin am Weihnachtsabend" auf die Bühne, unter dem Singen von Stllle Nacht erscheintd e r We i h - nachts en gel" auf der trostlpfen Erde. Man glaube doch nicht, daß durch solches Gemächte dem echten Weih­nachtsgeist gedient fei. Wie dürftig muß der Weih­nachtsabend in unseren Famllien geworden sein, daß solch faselige Stimmungmache von den Zuschauern er­tragen wird. Auch die Ueberschrift vomDornen- kranz am Weihnachtsbaum" deutet in diese Richtung. Viel ernster zu verurtellen sind die schlech­ten Stücke, die religiöse Themen bringen. Religion ver­mag nur ein Großer tief zu gestallen. Und es geziemt sich nicht, daß die VaterunserbitteUnd vergib uns unsere Schuld" zu Theatermache mißbraucht wird. Auch nicht die andere BitteFühre uns nicht in Versuchung". Auch Heilige müssen viel herhalten Wie wenig würdige Elisabethstiicke gibt es! Da wird eine lieblich« Frau daraus gezimmert, als wenn das die Heilige wäre, die Pestkranke auf ihre eiternden Wun­den geküßt hat! Was sollte auch das fade Bühnenge- fchreibe mit den heroischen Gestalten der Heiligen an­fangen, deren Leben alles andere als Theater war. Wunderschön ist schon der andere Titel:Rosa von Tan­nenberg". Wir werden an ein schlechtes Jugendbuch er­innert, das man uns als Kindern in die Hand drückte. In dem wohlmeinenden Bericht Über den rosigen Abend heißt es dann,daß das Stuck auf dem Hintergründe ei­ner Raubritterfehde den Sieg des Guten unter Leitung der göttlichen Vorsehung" darstelle.

Ich komme zu einer anderen Gruppe: den geschicht­lichen Stücken, die aber mit Geschichte oft nicht viel zu tun haben. Seien wir doch ehrlich. Das Geschreibe von Vereinsstücken bringt auch Geld ein und mancher Ver­fasser und mancher Verlag lebt von der Dummheit sei­ner Mitmenschen. Es gibt auch hier Konjunktur und

Weg stellt, muß um der guten Sache willen auch einmal rechtzeitigpensioniert" werden, damit wir in Zeiten der äußersten Not schlagbereit sind.

Wir wenden uns deshalb heute an alle diejenigen, die dem Windthorstbund noch ferne stehen, mtt der Bitte, Verbindung mit uns aufzunehmen. Wir brauchen furchtlose Vorposten in jedem Dors unserer Heimat. Wenn wir uns zusammenschlie- ßen, werden mir die Angriffe der Radikalen abschlagen und gestärtt aus jedem Kampf hervorgehen. Jeder, der mithelfen will, gebe seine Anschrift an den Führer des Fuldaer Windthorstbundes, Dr. Sauer, Redaktion der Fuldaer Zettung", an oder spreche einmal bei ihm vor. Jeder, derguten Willens" ist, wird uns willkommen fein. Wir fragen bei keinem nach Stand und Rang, sondern sehen nur darauf, daß er ein ganzer Kerl ist, der christlich und deutsch fühlt, denkt und handelt.

Windthorstbund Fulda.

Deutsche Not und Weihnachten.

Ein junger Leser desBlatt der Jugend" sendet uns folgende Weih nachtsbetrachtung:

Viele Jahrhunderte sind es her, daß Gott seine Engel zur Erde sandte, um der Welt die Ankunft des Erlösers zu verkünden. Lassen wir den Weihnachtsengel auch in diesem Jahr, dem Notjahr 1931, einmal herniedersteigen, um den Menschen die Friedensbotschaft der Weihnacht zu bringen. Lassen wir ihn an den einzelnen Meu­chen herantreten, und ibn daran erinnern, daß Weih­nachtszeit ist.

Rauhe Erdenlust umgibt den Weihnachtsengel, als er die himmlischen Gefilde verläßt und zur Erde nieder- schwebt. Unter ihm liegen graue Städte mit riesigen Fabriken und ragenden Hochhäusern. Dumpfes Ge­töse, Murren und Schreien tönt ihm entgegen. Men- schemnassen bewegen sich in den Straßen; sie schreien noch Brot, nach Arbeit. Da stoßen sie auf einen ande­ren Zug. Wutentbrannt, bis in das innerste Herz mtt Haß erfüllt, aufgepeitscht von ihren Anführern, stürzen die Massen auf einander los.Ist das Weihnachts- friebe?", so denkt der Engel.Ist das die Vorberei­tung der Menschen auf das Fest der Liebe?"

Schnellen Schrittes geht der Engel durch die Sttaßen Draußen in der ärmlichen Vorstadt klopft er an die Türe eines verfallenen Häuschens. Keine menschliche Stimme antwortet auf sein Klopfen. Dennoch trüt er ein, leise die Türe hinter sich schließend. Ein kräftiger, vierzig­jähriger Mann sitzt dort am fast erkalteten Ofen. Er hebt kaum bas Haupt beim Eintreten bes Engels. Weih­nachten! Oh, wenn es nur erst vorbei wäre. Er wirb feiner Familie in diesem Jahr kein Tannenbäumchen nach Hause bringen können. Bis dahin werden ihm die paar Mark Unterstützung nicht mehr gegeben, und neue Arbeit wird er keine finden. Keinen der tausend Wünsche, die er im Auge feines Kindes lieft, wird er erfüllen können. Wohl aber werden sie am Weihnachts­abend in dumpfer, verzweifelter Stimmung, mit hungri­gem Magen um den kalten Ofen fitzen. Die Mutter wird bann unb wann mit ber geflickten Schürze eine Träne aus ben Augen wischen und dabei einen tiefen Seufzer ausstoßen. Das Kindchen aber, das jetzt im Nebenzim­mer sitzt, und mit großen Buchstaben einen Brief an das Christkind schreibt, es wird still dasitzen und sich heimlich verwundern, daß ber Tannenbaum biefes Jahr fo spät geschmückt wirb. Und er? Er wird feine kräfti­gen Hände betrachten, die so gerne arbeiten möchten. Er wird die Augen schließen um das ganze Bild nicht sehen zu muffen. Seine Seele wird sich aufbäumen gegen dieses graue Schicksal. Keines von den dreien wird ein Wörtlein reden, bis dann bas Kind auf ein­mal mit zagendem Sümmchen fragt:Kommt denn das

Burgfrieden am Weihnachlssefle

tnödjten wir halten und versagen es uns deshalb, Herrn Pg. Etzel auf seineAntwort (?)" schon jetzt zu erwi­dern. Wir behalten uns vor, an einem geeigneten Zeit­punkt unsere Einladung an die jungen Natio­nalsozialisten zu einer grundsätzlichen Auseinander­setzung über die Wege und Ziele der deutschen Freihetts- bewegung zu wiederholen. Einige bedauerliche Irrtümer, die Herrn Etzel unterlaufen sind, werden wir gelegentlich richtig stellen.

Christkind nicht bald?" Weihnachten! Oh, wenn es nur erst vorbei wäre!

Wetter geht der Engel. Die Menschen sehen ihm nach auf ber Straße, verwundern sich über feine Er­scheinung. Einer schickt ihm ein grelles, spöttisches La­chen nach. Doch der Engel stört sich nicht daran, sondern geht weiter, um in das Haus eines Kaufmannes ein« zutreten. Wenige sind darinnen, die ihre Einkäufe ma­chen. Der Kaufmann steht hinter dem Ladentisch. Tiefe Sorgenfalten laufen über fein Gesicht. Weihnachten! O, er wird am Weihnachtsabend in seinen Laden gehen und wird die vollbesetzten Fächer betrachten und die teere Kasse. Die ungeheure Schuldenlast wird ihm feine Weih­nachtsfreude rauben. In früheren Jahren konnte er am Weihnachtsabend auf eine rührige Zeit des Ver­dienstes zurückblicken und sich frohen Herzens der Weih­nachtsstimmung im Kreise seiner Familie hingeben. Die­ses Jahr wird er dumpf und sorgenvoll heraufkommen. Der geschmückte Weihnachtsbaum wird ihn ärgern, und feine Stimmung wird sich auf die ganze Familie über­tragen.

Weiter geht der Engel von Tür zu Tür. Ueberall Sorge. Ueberall Not. Selbst Häuser, in denen noch

dafür geboten."

Der Junge hatte recht. Wenn jeder Arbeiter seines Lohnes wert ist, bann ist aber auch jedes Geldstück eine dem Wert entsprechende Gegenleistung wert. Hier wird der Zuschauer zum Erzieher des Theaters. Ich hatte mir die Sache immer umgekehrt vor gestellt: daß das Theater die Zuschauer erzöge. Hätten die dort in je­nem Dorfe mehr Kerls von solchem Schrot, ich glaube, sie würden von den nichtssagenden Veranstaltungen loskommen. Wer nichts bietet, gleicht dem Kaufmann, der einen schön gemusterten, aber schlechten Stoff dem Kunden für teures Geld aufhängt. Das nennt man im sonstigen Leben Schwindel.

Genau so ist es bei Verlosungen, wie sie etwa Weih­nachten am Liebesfest häufig sind.

Anspruch auf Leistung ist das Recht bes Zuschauers. Was wird ihm nun in Wirklichkeit geboten?

was wird bei uns im Fuldaer Land gespielt?

Gar mancher roirb sich rounbem, was hier in der Zusammenstellung herauskommt. Da sagen sie bann auch noch entschuldigend: die Leute wollen ja solche Stücke. Aber das ist gar nicht wahr. Setzt man je­mand gutes, frisches Brot stall allen Schimmelbrocken vor, so wird er sich gewiß für bas schmackhafte ftsiche Brot entscheiben. Aber die Üderschlauen Spielleiter ha­ben ja noch nie gutes Brot vorgesetzt! Und doch be­haupten sie, die Leute wollten keine guten Stücke haben! Wo ist da die Wahrheit?

Doch fangen wir mtt dem Spielkitsch an: ,Lur Auf­führung gelangteWolfram von Bondorf der büßende Brudermörder". Was soll dieser Unfug in Himmelsdorf, wo doch sicherlich kein Bruder­mörder durch so ein schauriges Stück zu bekehren ist? Wer kann an solch graufem Zeug Gefallen finden? Und roenn jemand daran Gefallen findet, wie ist das mög­lich? Jetzt sind in Himmelsdorf aus ben büßenden Brudermördern sicherlich Engel geworden. Aber auch von Engelhausen ist das zu erwarten. Dort hat es an gut erzogenen Kindern gefehlt. Und da spielte man: Du sollst Vater und Mutter ehren". Ich lobe die Absicht. Aber ich glaube, sie ist fehl am Platze. Sie gehört in eine Missionspredigt auf die Kanzel. Wir dürfen nicht Rührseligkeit mit Erziehung verwechseln. Dafür ist uns die Erziehung zu hehr. Da wird gespiell: Eine Mutter betet für ihr Kind". Wir ha­ben zu viel Ehrfurcht vor dem Gebet einer Mutter, als

Es kommt die weitze Stunde.

Jrn blauen Wolkengrunde Wächst eine tiefe Furt, Es kommt die weiße Stunde, Die Stunde der Geburt.

keine Not herrscht, stehen unter dem Druck der schreck­lichen Tatsache, daß ein großer Teil von Volksgenossen nicht bas Existenzminimum hat. Selten reines Glück unb fester Glaube an bie Erlösung. Doch ganz zum Schluß tritt er noch einmal in ein armseliges Dach­kämmerchen. Ein schlanker, junger Mensch sitzt am Tisch, vor ihm eine Menge Bücher unb Schriften. Er dreht sich um, als er den Weihnachtsengel hereintreten hört, und zeigt sein mutiges, entschlossenes Gesicht, seine hellen, wahrheitsuchenden Augen. Weihnachten! Ein Lichterstrahl geht über seine nachdenklichen Gesichtszüge Weihnachten ist ihm das Symbol ber tommenben Er­lösung. O, er glaubt an diese Erlösung. Sie muß kom­men. Einmal muß Christus auf dieser Wett herrschen. Einmal muß ber weihnachtliche Friede wieder in die Wett einkehren. Tüchtige, fleißige, wissende Menschen, müffen ihm den Weg bereiten. Weihnachten! Dies Wort gibt ihm nun Kraft. Er will einer von denen sein, die dafür sorgen wollen, daß bas beutsche Volk wie- ber christliche Weihnachten in Ruhe, Frieden unb Glück feiern kann.

Gibt es einen Arbeiterstand?

Em offenes Wort an die jungen katholischen Arbeiter.

Was fallen wir nicht fielen"?

Einige vemerkungen zu den Theaterabenden in unseren vereinen.

Der AufsatzW a s s o 11 e n w i r s p i e l e n?" scheint auf fruchtbaren Boben gefallen zu fern Heute veröffentlichen wir eine Zuschrift, bie starke Kritik an den üblichen Theaterabenden enthält. Hoffentlich wird es uns auch möglich fein, am Schluß der Aussprache praktische Rat­sch l ä g e für die Ausgestaltung der Theater­abende auf dem Dorfe z'u geben.

Im folgenden werde ich kaum etwas wesentlich Neues sagen, was nicht in den beiden Aufsätzen im Blatt der Jugend*) gesagt worden ist. Ich stimme mtt dem Ver­fasser jener Aufsätze in ber Grundhaltung überein unb möchte daher nur illustrieren und ergänzen. Es gibt Dinge, die nicht oft genug gesagt werden können.

Ich glaube, etwa 90 Prozent der Stücke, die bei uns im Fuldaer Land gespielt werden, sind die Arbeit des (Einübens nicht wert. Schade um die Proben- und Lufführungsabende, schade um das Geld, das für den Eintritt bezahlt wurde! Damit wir uns nicht miß­verstehen unb bie Nicker auch auf meine Seite herüber geben, will ich nur von ber Praxis ausgehen. Und zwar sollen die Berichte der jüngsten Zett, wie sie sich in den Spalten ber Zeitungen unb Sonntagsblätter (lewer auch nicht zur Freube der Schriftleiter, denen die Höflichkeit sicher oft sauer roirb) finden, bie Unter­lagen für meine Ausführungen bilben. Mit ganz we­nigen Ausnahmen sinb bas bie Merkzeichen bafür, ro i e man es nicht machen soll. Auch ein solcher Rück­blick hat mitunter fein Gutes. Doch zuvor noch einmal das Wichtigste:

Zuschauer sind keine Melkkühe!

Für diesen Satz kann ich fteilich keinen Bericht zur Grundlage machen. Denn diese Hintergründe kommen nicht in die Zeitungsfpalten. Es läßt sich aber bestimmt sagen, daß dort, wo die Kasse im Vordergrund steht, bas Spiel ohne weiteres in feinem Gehalt gefährdet ist. Sagte da neulich ein junger Mann:Ich gehe dieses Jahr nicht bei uns in die Weihnachtsfeier. Ich gehe ins Nachbardorf. Wenn ich schon mein Geld ausgebe, fo null ich auch etwas dafür haben. Bei uns roirb uns das [ *) Vergleiche Nr. 285 tt. 290 der Fuldaer Zettung.

*

Allen Bundesbrüdern im Fuldaer Land wünschen wir ein gesegnetes Weihnachtsfest. Das Fest bes Frie­dens mahnt uns, im politischen Kampf stets für die Ver­söhnung und den Frieden unter den Schichten und Grup­pen unseres Volkes einzutreten. Es verpflichtet uns aber «benfo, den Kampf zum Schutz des Friedens gegen alle diejenigen, die nichtguten Willens" sind, mtt aller Schärfe und unter dem Einsatz der ganzen Kraft zu führen. Wir glauben an den Sieg derjenigen, die reinen Herzens und mit bestem Willen ihre Pflicht für ihr Volk und Vaterland tun, und brauchen deshalb nicht zu den heute lewer üblichen niedrigen poli­tischen Kampfmethoden unsere Zuflucht zu nehmen. Die Liebe zu unserem Volke verbietet uns jedoch, tatenlos zuzusehen, roenn unser in seiner Not verzweifelndes Volk geroiffenlos verhetzt wird. Wo Hetzer auftreten, müffen mir ihnen furchtlos entgegentreten. Die kommenden Mo­nate werden einen konzentrierten Angriff der Radikalen auf das Fuldaer Land sehen. Triumphierend berichten die Kommunisten und National­sozialisten über angebliche Fortschritte imschwarzen Fuldaer Land".

Wenn auch vorläufig bei den Berichten der radikalen Blätter noch der Wunsch der Vater des Gedankens ist, so erheben wir doch jetzt schon unseren Warnrufandi« besten Kräfte des Fuldaer Jungvolkes. Wir wissen, daß viele, die so denken, wie wir, noch nicht den Weg zu uns gefunden haben. Viele Hemmnisse wer­den uns Jungen vongutmeinenden Freunden" bereitet, die den Kampf scheuen und möglichst lange die Ruhe eines schonfaulen Friedens" genießen mochten Wir wollen keine Steine auf diese Alien, die die heutige Zeit nicht mehr verstehen, werfen. Aber die Rücksichtnahme auf sie darf nicht so weit gehen, daß mir uns von unserem Weg abbringen lassen. Wer sich uns hindernd in den

Von der katholischenWerkjugend" wird uns geschrieben:

Jahrhunderte hindurch haben die Arbeiter in den Klein- und Mittelbetrieben im Schutzverhältnis zu ihren Arbeitgebern gestanden. In chrer Bewegungs- freihett waren sie durch Gesinde-Ordnung und bevor­mundendes Schutzherrnrecht weichin gebunden. Sie gal­ten als unfähig, ihre Interessen selbst zu verwalten, als Freie sich an der Ordnung des Staatslebens zu betei­ligen.

Die Arbeiter standen deshalb lange dem staats­bürgerlichen Leben wie den Geisteskärnp- fen der Zeit gleichgültig gegenüber. Sie sahen sich als Schutzbefohlene des Arbeitgebers wie der Gesamtheit behandelt, zogen sich in die bescheidene Kleinwelt des gemeinen Mannes zurück. Wie die Gesellschaft ihnen nur beschräntte Achtung entgegenbrachte, so enttvickette sich auch bei ihnen selbst ein sehr bescheidenes Ehrgefühl und Standesbewußtfein, nur ein kümmerlicher Gemein­sinn. Sie sahen mehr oder minder gleichgültig zu, wie die Herren", zu förderst in ihrem eigenen Interesse, für das Gemeinwesen dachten und sagten. Auch das religiöse und sittliche Eigenleben war weithin verkümmert.

Erst die wirtschaftlichen Fortschritte brachten einen Wandel in dieser sozialen Unmündig!ei der Arbeiter her­vor. Die Umwandlungen des Wirtschaftslebens um die Wende des 18. Jahrhunderts stellten von vornherein höhere Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Ar­beiter durch Arbeitsteilung und Arbeitszusammenlegung in den größeren Werkstätten und in den Fabriken. Da­durch zerbrachen die engen Banden der f a- rnilienhaften Arbeitsgemeinschaft zwi­schen Unternehmer und Arbeiter, die nur im Kleinbetrieb möglich war. Die neuen Verhältnisse verwiesen den Arbeiter auf denfreien Arbeits­vertrag" und damit wirtschaftlich wie auch in der Gestattung seiner Lebenshaltung auf sich selbst. Die B o- denständigkeit in der engeren und engsten Hei­mat wurde abgelöst durch eine millionenhafte Binnen­wanderung vom Land in die Stadt, von Stadt zu Stadt. So verlor der Arbeiter den festen Halt des bisherigen Schutzverhältnisses, besaß aber noch nicht an seinem eigenen Stande den nötigen Halt, um in Freiheit und Selbständigkeit sich aufrecht zu erhalten.

Gewiß war durch denfreien Arbeitsvertrag" das Schutzverhältnis aufgelöst und der Arbeiter auf sich ge­stellt. Wenn er aber feine Geschicke selbst in die Hand nehmen wollte, stieß er überall auf Ausnahme­gesetz«. Das drängte chn m einen unheilvollen see­lischen Gegensatz zu der alten Gesellschaft, mit der er doch verwachsen sollte. Als er seine Stande sinter essen selbst zu vertreten und zu fördern und sich zur Selb­ständigkeit durchzuringen suchte, begegneten ihm Staat und Gesellschaft mit Vorurteil und Feindseligkeit. Wohl

Für Weihnachten

wünsche Ich mir eine

Radio-Anlage aber nur vom FunkhauS'Lsibold

traten Menschenfreunde auf die Seite der Arbeiter, aber auch sie fanden nur eine geringe Schar von Anhängern. Ein langer Befreiungskampf begann, und in ihm wiederholle sich die Tragik aller Fortschritts- beftrebungen, daß

das zähe, bllnde, mitleidlose Widerstreben der Der- freier des Allen gegen die Verfechter des innerlich

Reuen die Waffen jur Rebellion aufpeitscht.

Die revolutionäre Bewegung sammelte denn auch nach und nach die größere Masse der am Kampfe In­teressierten, die

ben Klassenkampf von oben mit dem Klassenkampf von unten erwiderten.

Jede der Parteien bezichtigte die andere, daß sie die Feindin des Gemeinwohls sei. Stubengelehrte und Par­teigänger hüben und drüben verschärften die Gegensätze.

Die Verfechter einer

organischen, schrittweisen Aufwärtsentwicklung

aber hatten die kleinere Zahl von Anhängern aufzu- roeifen, erreichten aber langsam den gesunden Fort­schritt einer sozialen Reform. Der gewalt­same Druck der Radikalen zwang die einflußreichen Kreise in Staat und Gesellschaft, dem moralischen Zwang der Forderungen der Reformer nachzugeben. Die fort­schreitend« Reform entroaffnete andererseits aber auch unter den Arbeitern den Radikalismus und zwang feine Vertreter zur Anpassung an die Lebensgesetze organi­scher Reformarbeit.

Die gemeinsame Not des Krieges trieb zur n a- tionalenEinigungundzurVollendungder Sozialreform. Unglücklicherweise stieß sie auf die stärksten Hemmnisse. Die soziale Osterbotschast des Kai­sers vom 7. April 1917, die die Vollendung der Be­freiung der Arbeiter sowohl sozial wie staatsbürgerlich ankündigte, wurde leider durch innere politische Wider­stände aus den noch blind am Alten haftenden Gesell- schaftsschichten verzögert und länger als ein Jahr ge­hemmt. Da brach nach der Niederlage im Krieg Ende 1918 die Revolution aus. Eine kurze Zeit herrschte die Diktatur des Proletariats".

Die nach freiestem Wahlrecht gewählte Nationalver­sammlung schaffte dann 1919 eine neue Reichsoer- faffung, bie im Volksstaate und unter der Volksregie­rung

den Arbeitern bie völlige politische unb soziale Gleichberechtigung

brachte. Aus dem Dunkel und Zwielicht trat damit der jüngste Erwerbsstand des deutschen Volkes, der Arbei­terstand, in das helle Licht der Geschichte, frei

die hat mit Kunst nichts zu tun. Welch ein Wust von Raubritterstücken! Hofsenllich ist diese Welle bald zu Ende. Da können sie denKerkermeister von Kuhnsels" samt seinen Getreuen begraben!

Einern Teil von Stücken aus katholischer Feder muh man hier mildernde Umstände zubilligen. Sie sind zur Abwehr gegen Stücke anderer Weltanschauung geschrie­ben. Zum Tell sind sie auch zur Verherrlichung unserer christlichen Vergangenheit bestimmt, lieber ihren Wert laßt sich streiten. Es sind spielfähige Stücke darunter. So spielte man:Syra, die christliche Sflaoin", ein Stück aus ber Frühzeit des Christentums. Oderdie Donar­eiche", ein Stück deutscher Heimatgeschichte. Warum allerdings ein Verein gerade zuKreuz und Halbmond" einem Schauspiel aus der Maurenherrschaft, greift, ist mir nicht recht verständlich. Es gibt Dinge, bie uns näher liegen. So ist es mtt den meisten geschicht­lichen Stücken. Humpert hat uns eine Reihe solcher Stücke geschrieben, bie immerhin wenigstens brauchbar sind.

Ein neuer Pilz der Konjunktur ist hier fleißig im Wuchern: die R u ß 1 a n d st Ü ck e. Gewiß ist eine Aus­einandersetzung mit den Sowjetideen nötig. Aber unser Dereinsfheater überläßt das wohl besser dem Vortrag. Das eigentliche Rußlanddrama muß noch geschrieben werden. Aber das gibt kein Stück der Vereinsbühne, das wird velleicht zumFaust" des 20. Jahrhunderts". Kreuz und Sowjetstern" ist voller Halbheit. Beim Volk am Kreuz" von Drink heißt es in der Bespre­chung: das Trauerspiel befriedigt nicht ganz". Auch demHauptmann Jaguar" guckt die Absicht über die Schultern.

Mtt demSchuß aus dem Erlengrund" und ber Försters Anni" wollen mir unser Kitschmuseum schlie­ßen. Geroiß, es ist noch manche Lücke in der Sammlung. Doch mögen die Spielleiter selber entscheiden, ob sie chre Schaustücke auch roeiterhin aufhängen roollen. Meine Ausführungen sind vielleicht stellenweise etwas hart ge­wesen, vor allem im letzten Abschnitt. Aber ich meine, für das Volk fei das Veste eben gut genug. Und um des Guten willen mußten diese Ausführungen gemacht werden. Denn nun heißt es die Stücke suchen, die ge­spielt werden sollen. Vielleicht macht der Verfasser, ber über das Grundsätzliche der Vereinsbühnenarbeit schrieb, zunächst damit den Anfang.

Joseph M. Wilhelm.