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Fuldaer Land und Aachbargebiel

— Flieden (Kr Fulda» Der Gesellenoerein veranstaltet im Saale der Gastwirtschaft „Zum Ha­sen" eine K r i p p e n - A u s st'e l l u n g, deren Besuch Iund und Alt nur empfohlen werden kann. Die Aus­stellung ist geöffnet Montag und Dienstag, den 21. und 22. Dezember von 16 bis 20 Uhr.

— Schlüchtern. Bei der Wahl zur Geschäftsstelle Hanau der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M.—Hanau wurden für den Wahlbezirk Schlüchtern die Herren Abraham Sichel, Schlüch­tern und Willi Thal er, Schlüchtern, gewählt.

Oie woffenfunde in Löffel.

6 Kommunisten verhaftet.

— Kassel. Wie bereits am Samstag durch Rund­funk gemeldet wurde, ist in der Kasseler Altstadt ein kommunistisches Waffen- und Sprengstofslager entdeckt worden. Bon der Kriminalpolizei sind insgesamt sechs Kommunisten, daunter eine Frau, festgenommen worden. Der Inhalt der beschlagnahmten Druckschriften rechtfertigt eine Anklage auf Hochverrat. Die weitere Untersuchung wird der Reichsanwalt über­nehmen.

Ein nngekrener Laudesaffiffenk.

Unterschlagungen müssen noch strenger bestraft werden.

Kassel. Das Schöffengericht in Kassel verurteilte gestern den 42 Jahre alten Landesassistenten Ludwig Tusch aus Haina wegen Unterschlagung von 3 2 0 0 0 JR m. zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Tusch, von früher Jugend an ein unstetes Leben gewöhnt, fühlte sich in dem ruhi­gen Leben in der Anstaltsverwaltung in Haina nicht wohl. Er wollte wieder einmal, wie man zu sagen pflegt, „einen Schlag machen" Dazu brauchte er Geld, das er sich in der Weise verschaffte, daß er mit gefälschten Unterschriften einen Brief an die Landeskre­ditkasse nach Kassel schrieb, der Assistent Tusch würde die Gelder für Juni d I. selbst in Empfang nehmen An einem Tage Ende Mai erschien Tusch auf der Lan- deskreditkaffe. wo er infolge mehrjähriger Tätigkeit gut bekannt war und legte eine ebenfalls gefälschte Quittung vor, worauf ihm 32 000 Rm. in bar ausgezahlt wurden Damit verschwand er nach Holland, kehrte aber drei Wochen später wieder nach Deutschland zurück und stellte sich in Aachen der Polizei, mit der Angabe, das ganze Geld sei ihm gestohlen worden. Prof. Jahrmärker von der Landesheilanstalt in Marburg versagte ihm den Paragraph 51 des Str K. B, er sei jedoch vermindert zurechnungsfähig. Der Staatsanwalt glaubte dem An­geklagten nicht das Märchen von dem Kelddiebstahl viel­mehr nimmt er an, daß Tusch das Geld bei den Ver­wandten seiner Frau in Belgien versteckt habe, um nach Verbüßung der Strafe seines R a u b e s s i ch e r z u s e i n. Er beantragte drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust. Tusch beibt in Haft. ___

Aus Oberhessen.

Das Auko im Dienste der Wilddiebe.

— Marburg. Im vergangenen Jahre wurde eine grö­ßere Anzahl Hirsche und Rehe in dem nördlichen Teil der Kreise Marburg und Biedenkopf von Wilddieben dadurch zur Strecke gebracht, daß diese nachts mittels Auto die Waldstraßen abfuhren und das Wild nach Blendung mitScheinwerfern abschossen. Einer der Beteilig­ten, ein junger Mann aus Münchhausen, wurde wegen gewerbsmäßiger Wilddieberei zu 1 Jahr Gefängnis ver­urteilt. Ein Wildhändler aus dem gleichen Ort, der an dem Absatz des erbeuteten Wildes nach Rheinland und Westfalen beteiligt war, erhielt wegen Hehlerei 1 Jahr Zuchthaus. Die gegen diese Urteile eingelegten Berufun­gen blieben erfolglos.

Neues aus Hrankfurl.

Schietzerei im Nächtens«.

Zechpreller feuert blindlings in das Lokal.

Lin Toter, zwei Schwerverletzte.

Am Sonntag vormittag gegen 5.30 Uhr betraten drei junge Leute das Cafe Daube in der Vllbelerftraße. Sie nahmen gemeinsam an einem Tisch Platz und be­stellten drei Glas Bier. Nach etwa zehn Minuten ent­fernten sich zwei der Leute, ohne zu bezahlen. Als nach kurzer Zeit dann auch der Dritte das Lokal verlassen wollte, ohne bezahlt zu haben, wurde er von dem Kell­ner zurllckgehalten und zur Rede gestellt. Es entspann sich eine lebhafte Auseinandersetzung, in die auch der Wirt und ein Bruder des Kellners hineingezogen wur-

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den. Inzwischen war einer der Zechpreller in das Lokal zurückgekommen, um feinen Kumpanen beizustehen. Ms er vom Kellner aufgefordert wurde, das Lokal tu verlassen, zog der Zechpreller einen Revolver aus der Tasche und feuerte blindlings in das Lokal. Insgesamt gab er fünf Schüsse ab. Der Kaufmann Theodor W ol­le n h a u p t aus Frankfurt, ein an der Sache unbetei­ligter Gast, wurde durch einen Lungenschuß auf der Stelle getötet, der Kellner Eduard Krug erhielt einen Schuß in die Lunge und wurde schwerverletzt dem Heilig-Geisthospital zugeführt. Ein weiterer Gast, der Kaufmann Kaul Günther, wurde durch einen Streif­schuß verletzt. Die Zechpreller benutzten die unter den Gästen durch die Schießerei entstandene Aufregung, um sich aus dem Staub zu machen. Bisher konnte noch kei­ner von ihnen gestellt werden. Die Polizei wird für chre Ergreifung eine größere Belohnung aussetzen.

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wtb. Frankfurt a. M., 21. Dez. (Eig. Meld.) Die drei Raudis, die, wie gemeldet, in einem Nachtcafe

einen Gast erschossen, einen Kellner schwer und einen Gast leicht verwundeten, wurden heute früh in einem anderen Cafe verhaftet. Den tätlichen Schuß hatte ein Chauffeur abgegeben, der wegen schwerer Körperver­letzung, wegen Diebstahls und Betrugs wiederholt vor­bestraft ist.

— Betrunkener Führer verursach» Autobrand. Im scharfen Zickzack kam Samstag abend der betrunkene Führer eines Kohlenlastzuges durch Sachsenhausen und stieß hier mit einem Straßenbahnzug zusammen Um sich der Verantwortung zu entziehen, raste der Trunkene davon und jagte mit seinem Traktor vor der Stadt­bibliothek gegen einen soeben erst in den Dienst gestell­ten Klaoiertransportwagen. Des Traktors Bezinbehäl- ter explodierte. Im Nu hatten die Flammen den Trans­portwagen ergriffen Als die Feuerwehr eintraf, stan­den alle Wagen in lichten Flammen Der Führer des Klavierwagens erlitt erhebliche Brandwunden und mußte ins Krankenhaus gesckxffft werden. Ein Klavier verbrannte mit. Der betrunkene Führer wurde verhaf­tet.

Schwerer Sturz bei Segelflugversuchen.

— Wiesbaden. Auf dem Flughafen Mainz-Wiesba­den hat sich am Sonntag der erste P e r s o n e n u n - fall seit Bestehen des Flugplatzes ereignet. Bei Se­gelflugoersuchen mit dem Autostart der „Nationalen Deutschen Luftfahrt-Vereinigung" (Hit­ler-Bewegung) stürzte der 35'ährige Kaufmann Ernst Heimann aus drei bis vier Meter Höhe aus dem Flugzeug ab und erlitt schwere Kopfverletzungen. Noch nicht ganz geklärt ist, ob der Verunglückte aus dem Flugzeug geschleudert wurde oder abgesprungen ist.

Freistaat Hessen.

Am die Postaulolinie Ulrichstein—Lauterbach.

— Lauterbach. In der Frage des durch zu hohe, von der Postbehörde geforderte Zuschüsse gefährdeten Fortbe­standes der Postautoverbindung Lauterbach—Ulrichstein ergibt sich jetzt die Hoffnung, daß die Linie dennoch'wei­tergeführt werden kann. Die Oberpostdirektion Darm­stadt hat sich bereit erklärt, hinsichtlich der Höhe der Zu­schüsse mit sich reden zu lassen. Fallen die Zuschüsse künftig für Lauterbach und die beteiligtenGemeinden trag­bar aus, wird die Stadt Lauterbach ihre bereits ausge­sprochene Kündigung zurücknehmen. Die Erhaltung der Linie entspricht einem dringenden Verkehrsbedürsnis.

Ein Kind mit dem Wohnwagen verbrannt.

— Darmstadt. Der Wohnwagen des Händlers Peter Gerhard, der hinter der Trainkaserne stand, stand plötzlich in Flammen. Als die Feuerwehr an der Brandstelle ein­traf, war es nicht mehr möglich, das noch im Wagen be­findliche Kind des Gerhard zu retten. Erst nach einer halben Stunde war der Brand gelöscht, dem der Wohn­wagen mit der gesamten Habe der armen Leute zum Opfer fiel. Der Brand ist wahrscheinlich durch einen überhitzten Ofen enfftanden.

Falschmünzerbande auf dem Weihnachtsmarkt.

— Dillenburg. Auf dem Dillenburger Weihnachts­markt konnte die Polizei eine Falschmünzerbande festneh­men, die in den letzten Wochen in zahlreichen Städten des Lahn- und Dillgebiets ihr Unwesen trieb. Mit Vor­liebe suchte die Bande Städte auf, in denen größere Märkte abgehalten wurden, um unter dem Schutz des Markttrubels Falschgeld in den Verkehr zu bringen. Mit Erfolg ist u. a. in Herborn, Hachenburg, Limburg und Wetzlar gearbeitet worden. Bei den Verhafteten handelt es sich um eine Frauensperson aus Lüdenscheid, sowie die Händler Anton Pohl und Fritz Wilhelm, beide aus Dortmund. Ein vierter, der Händler Heinrich Vieth, ebenfalls aus Dortmund, konnte sich durch die Flucht sei­ner Festnahme entziehen. Bei ihrer Festnahme trugen die Verhafteten noch falsche Fünf- und Zweimarkstücke sowie 50 Pf.-Stücke bei sich. Nach den Angaben der Frauensperson ist als Rädelsführer der Händler Vieth anzusprechen, der in einer Werkstätte in Dortmund die Falsifikate hergestellt hat. Nach einer Mitteilung der Dortmunder Kriminalpolizei ist bereits am Freitagvor­mittag die Falschmünzerwerkstätte in der Wohnung des Vieth ausgehoben worden.

Der Anlerlahnkreis vor dem finanziellen Zusammen­bruch.

— Limburg. Der Kreistag des Unterlahnkreises be­schäftigte sich mit der katastrophalen Finanzlage des Krei­ses. Landrat Scheuren führte aus, es bestehe ein Fe h l- betrag von 1 18000 RM. Die Kreissteuer habe 1930 von 30 auf 46 H Prozent, 1931 auf 59 Prozent und gegenwärtig auf 66 Prozent erhöht werden müssen. Da­mit sei die "Grenze des Möglichen erreicht. Wohl sei ein Reichszuschuß von 54 828 RM. gewährt worden, aber dieser Zuschuß sei durch den Rückgang der Steuerüber­weisungen nötig geworden. Insgesamt ergebe sich ein Defizit von fast 200 000 RM. Die Schuld an dieser Ent­wicklung trage der große Umfang der Erwerbslosen- f Ü r s o r g e. Der Kreis habe gegenwärtig 904 Wohl­fahrtserwerbslose gegen 400 Anfang des Jahres zu be­treuen. Dazu kommen 875 Krisenunterstützte. Im Ja­nuar würde die Zahl auf über 1000 anwachsen. Von den 46 805 Einwohnern des Unterlahnkreises müßten 10 494 von Unterstützung leben. Mit 200 000 RM. sei der Kreis theoretisch schön zahlungsunfähig, er halte sich z. Z. durch Nichtauszahlung gesetzlicher Mittel noch zah­lungsfähig. Wie lange noch Barunterstützungen bezahlt werden könnten, lasse sich noch nicht sagen.

Eine halbe Million Defizit beim kreis Wetzlar.

= Wetzlar. Anstatt der Üblichen Jahresschlußsttzung des Kreistags kam in diesem Jahr lediglich der Haus­haltsausschuß zusammen aus dessen Beratungen sich er­gab, daß der lausende Haushalt mit einem Defizit von rund 500 000 Rm abschließen wird Für diesen Betrag -st keine Deckung vorhanden. Die zur Verfügung stehen­den Mittel werden in erster Linie zur Unterstützung an die Wohlfahrtserwerbslosen verwandt deren Zahl zurzeit etwa 1350 Personen beträgt. Mehrere

Siedlungshäuser zu festen Preisen.

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In. Berlin wurde in den Räumen der Ständigen Bauwelt-Must.rschau eine interessante Ausstellung eröffnet, in der verschiedene Eigenheimtypen in kleinen Modellen mit genauen Grundrissen gezeigt werden. Bei jedem Haus ist der genaue Preis angegeben, so daß ein Baulustiger keine unliebsamen Ueberraschungen während der Bauzeit zu erwarten braucht.

Anträge der Kreisverwaltung auf eine Rotstandsbeihilfe waren bisher erfolglos, weil zur Voraussetzung eine Erhöhung der Kreisumlage gemacht und weiter notwendig ist, daß alle Gemeinden des Kreises die erhöhte Biersteuer und die Bürgersteuer nach dem drei- iachen Landessatz erheben.

Eine seltene Naturerscheinung.

— Hachenburg. Eine in unseren Breiten äußerst seltene Erscheinung wurde hier Freitag früh kurz vor Sonnenaufgang beobachtet. lieber dem Ausgangspunkt der Sonne leuchtete ein Lichtkegel, der sich bis zur hal­ben Himmelshohe erstreckte. Es handelte sich um das sogenannte Zodiakallicht oder „Tierkreis­licht", eine Naturerscheinung, deren Wefen noch nicht ganz von den Physikern und Astronomen geklart werden konnte. Die Lichtpyramide, wie man sie bei uns be­obachtete, verschwamm an den Rändern leicht. Die Aus­sichten über das Zodiakallicht sind verschieden. Spektral­analytische Versuche deuten darauf hin, daß man es mit reflektiertem Sonnenlicht zu tun hat. Es soll sich nach einer Auffassung bann um einen Staubring um die Erde oder gar um die äußersten Schichten der Erdlust hülle handeln. Während hierzulande bas Zolldiakallirht eine sehr große Seltenheit fft. tritt es in den Tropen- gegenben als eine ständige unb prachtvolle Naturerschei­nung auf. ___________

Bildet vom Tage«

O. 2t H. Schmitz,

der 6efar illetonist, dessen zahlreiche Bücher über kulturpi, asophische und soziologische Themen stark verbreitet sind ist nath kurzer Krankheit im Alter von 58 Jahren gestorben.

Eine Vogelstadt.

Von Dr. Kurt Flo er icke.

Als ich um die Jahrhundertwende zur Vorbereitung für das Eindringen in das innere Marokko kleine Späh- ausflüge unternahm, führte mich der Weg auch nach der halbwegs zwischen Tanger und Fez gelegenen Stadt Alkazar-Elkebri, die damlas etwa 10000 Einwohner Zählen konnte. Wir tarnen erst ziemlich spät in der Nacht an, und ich zog es deshalb vor, nicht mehr in die Stadt selbst einzutreten, sondern im Zelte außerhalb zu übernachten. Aber am nächsten Morgen erschien ein vornehmer Araber und bot mir sein Landhaus für die Zeit meines Aufenthaltes als Quartier an, wovon ich na­türlich gern Gebrauch machte. Aber welch em Anblick bot sich mir, als ich den Weg zu meinem neuen Heim zurücklegtel Es sah wahrhaftig aus, als befände ich mich in einer ungeheuren Vogelkolonie! Massenhaft waren meine gefieberten Lieblinge vertreten, namentlich die Störche in schier unglaublicher Zahl vorhanden. Auf den Häuschen standen allenthalben Storchennester, oft drei und vier auf einem einzigen Dache, und die Lang- beiner tummelten sich recht ungescheut unmittelbar vor den Augen des Menschen. Heute werden sich durch die französische „Civilisation" diese Verhältnisse ja wohl gründlich geändert haben, aber damals gab es in der ziemlich weitläufig gebauten Stadt entschieden mehr Störche als Menschen. Man wäre am liebsten immer mit dem Regenschirm spazieren gegangen, denn alle Augenblicke -kam aus der blauen Luft ein tüchtiger Kot­ballen auf uns nieder. Aber die Einwohner waren daran gewöhnt und kümmerten sich nicht viel darum. Da auch bei ihnen der Storch als heiliger Vogel gilt und noch die allgemeine Tierliebe des Mohammedaners hin­zukommt, so fiel es niemandem ein, den Störchen wegen ihrer duftigen Willkommensgrüße etwa gram zu sein.

Auch sonst gab es in der Stadt unglaublich viel Vo­gelleben, und nächst den Störchen spielten wohl die kleinen Fattenarten die Hauptrolle. Daneben fehlte es natürlich auch nicht an den gewöhnlichen kleinen Vogel­arten, unb als eine besonders gute Beobachtungsquelle erwies sich der bei meinem Hause angebrachte Garten. Hier kicherten Turmfalken, jauchzte der Feigenfresfer feine wohltönenden Strophen, tarnen Reiher über das Stadtbild ezogen, ergötzten uns possierliche Widehopfe, die bei uns so scheu sind unb dort selbst das dichteste Marktgewühl belebten. Die Storchennester standen teil­weise so niedrig, daß man vom Fußboden aus mit der Hand hineinfassen konnte. Sie waren größtenteils auch von einer Unmenge Spatzen bevölkert. Kurz, das Städtchen Alkazar-Elkebri bot uns auf Schritt unb Tritt Gelegenheit zur Beobachtung eigenartigsten Vogellebens. Die Vögel haben bald herausbekommen, daß ihnen der Mensch nichts tut und haben deshalb nahezu alle Menschenscheu abgelegt — Wie mag es heute wohl dort aussehen?

Bunte Zeitung.

— Die Weltmeisterin im Lippenablesen. Taube er­lernen bekanntlich ziemlich rasch die Kunst, die Worte eines Sprechenden von dessen Lippen abzulesen unb so den Sinn des Gesagten zu verstehen. Manche brin­gen es darin zu einer geradezu erstaunlichen Fertigkeit So begrüßenswert diese Kunst nun auch ist, bei uns wäre doch so leicht niemand auf den Gedanken gekom­men, sie zum Gegenstand eines Wettbewerbs zu ma­chen. Dies blieb natürlich dem rekordwütigen Amerika Vorbehalten, das kürzlich eine dahingehende Konkurrenz ausschrieb. Siegerin wurde Fräulein Marjorie Pery, die im Alter von 13 Jahren das Gehör verlor, gleich­wohl ihre Stellung als Stenotypistin in einer bekann­ten großen Kraftwagenfirma glänzend ausfüllt. Wer die junge Dame beim Aufnehmen eines Diktats beobach­tet, wird nicht glauben, eine Taube vor sich zu haben. Gegenüber gewöhnlichen Sterblichen hat Fräulein Pery noch den Vorteil, daß sie nicht nur das m Tonfilmen Gesprochene versteht, sondern auch in stummen Fllmen den Schauspielern ihre Worte von den Lippen abzulesen vermag. Was allerdings insofern zu den eigenartigen Ueberraschungen führen kann, als bekanntlich beim ge­wöhnlichen Film die Künstler sich zuweilen kleine Scherze erlauben und in der Ueberzeugung, doch nicht von den Zuschauern gehört zu werden, ganz andere Aeußerun- gen dem Gehege ihrer Zähne entschlüpfen lassen, als die Rolle ober der Zwischentitel ihnen in den Mund legt.

— Japan unb China. Der Name „Japan" ist in dem Reiche des Mikado selber völlig ungebräuchlich, ja. er wird sogar mit großem Mißfallen von feiten der Japa­ner vernommen und sie bemühen sich, bei den Europäern eine andere Bezeichnung für ihr Reich durchzusetzen: denn der Name „Japan" stammt vor ihren Feinden, den Chinesen. Er ist durch den Weltreisenden Marco Polo in Europa eingeführt worden und ist eine Verstümme­lung aus dem chinesischen „Jip-pen", d. i. Aufgang der Sonne. Heute gebrauchen auch die Chinesen diesen Na­men nicht mehr, sondern sie sagen „Tung-jang", d. h Ozean des Ostens. Die Japaner selber nennen ihr Land „Nippon" oder „Dainippon", wobei die Vor­silbe „Dai" so viel wie „groß" bedeutet. Das Wort „Nippon" ist bereits eineinhalb Jahrtausende alt und wurde dem Lande durch ein kaiserliches Edikt gegeben Cs bedeutet „wahre Sonne". Es ist nicht ausgeschlossen, daß auch dieser Name in einer Beziehung zu China steht und auf die alte Rivalität der beiden Länder zu­rückzuführen ist, denn China nimmt ja auch für sich in Anspruch' das Land der Sonne zu sein. In geistiger unb künstlerischer Beziehung sind die Japaner jedenfalls von jeher von den Chinesen abhängig gewesen; Religion Schrift, manche soziale Einrichtungen, die Seidenraupen­zucht, die Lackindustrie, ja, der ganze Lebensstil ist von den Chinesen übernommen worden. Das Verhältnis zwischen Japan und China wird vielleicht am besten ge­kennzeichnet, wenn man die Chinesen als die Griechen, die Japaner als die Römer des fernen Ostens bezeichnet.

DIK.-Spork.

Aus dem Bezirk Fulda—Hünfeld.

Die den Vereinen in den letzten Tagen zugegangenen Fragebogen find umgehend auszufüllen und an Herrn Waider, Fulda, Buseckstraße 1, zurückzusenden.

Sie Bezirksleitung.

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Dr. Fred Baton koranyi,

der frühere ungarische Finanzminister im Kabinett B thlen, ist auf denselben Posten in da» Kabinett Karolyi berufen worden. Koranyi war lange Zeit hindurch Gesandter Ungarns in Pari».

Prof. Erling Eidem.

bisher Theologieprofessor an der Universität Lund, wurde als Nachfolger des verstorbenen Erzbischofs Dr. Söderolom zum Erzbischof von Upsala er­nannt. Prof. Erling Eidem hat besonders Studien über die Gestalt des Apostels Paulus gemacht, die ihn auch mehrfach nach den heiligen Stätten führten.

Ernst, Herzog van LachfenAltenvurg, führt gegenwärtig gegen den thüringischen Staat einen Prozeß auf Rückgabe des ehe­mals h e r z o g l i ch e n D o m ä n e n v e r m ö » gens. Dem Herzog waren seinerzeit durchAb« sindungsvertrag 18,7 Millionen Reichsmark zugesprochen worden.

Aeue Bücher.

Prof. w. Deufer, Anstands-, Verkehrs- und Lebens- regeln. 6., bedeut, erw. Auflage. 31. bis 33. Tausend. Kl.-8°. 184 S. Seinen 4 RM. Düsseldorf 1931, Päda- gogischer Verlag, G. m. b. H. Es freut uns, daß das fo wertvolle Buch schon wieder eine, diesmal wesentlich er« »eiterte Neuauflage erfahren konnte. Dieses Werk, für alle Kreise geschrieben, enthält in kurzer, leichtverständ­licher, lebendiger Darstellung Wissenswertes für alle Le­benslagen. Der Jugend, die zum Anstand erzogen und an Anstand gewöhnt werden soll, vornehmlich zugedacht, richtet es sich jedoch nicht weniger an Erwachsene, liebel klingt es, hört man sagen: Er weiß sich nicht zu beneh­men, hat keinen Anstand, ist schlecht erzogen und derglei­chen mehr! Von einem solchen Menschen rückt man ab, meidet seinen Umgang. Wie schön, angenehm und nütz­lich ist es dagegen, durch anständiges, sicheres Auftreten, durch feines Benehmen einen guten Eindruck zu erwecken. Hier will dieses Buch, voll ethischen Gehalts, Ratgeber und Heiser sein. Wir können es bestens empfehlen.

Improvisation am Klavier von A. Epping und H. Tauscher, 8°, 118 Seiten mit 203 Notenbeispielen, geb. in Seinen 2.95 RM. Max Hesses Verlag, Berlin-Schöne­berg Die Erkenntnis, daß ein Mensch ebenso wie er sich in seiner Muttersprache auszudrücken versteht, auch imstande sein müßte, eigene musikalische Gedanken zu äußern, ist in der modernen Pädagogik längst durch­gedrungen, nur fehlte bis jetzt ein auch für den Baien benutzbarer Wegweiser in dieses Gebiet, vor allem am Instrument. Hier ist er. In lebendiger ganz unschemati- scher Weise wenden sich die Verfasser an die jedem inne­wohnende Musikalität, wecken die Suft am musikalischen Erfinden und führen vom musikalischen Einfall zur Be- wußtmachung der Gesetze, die den musikalischen Erfin­dungen zugrunde liegen und zu ihrer Uebertragung auf das Instrument Erfinden, singen, hören, spielen arbei­ten Hand in Hand. Zahlreiche Notenbeispiele und Auf­gaben mit Söfungen gestalten den Führer lebendig. Ein praktisches, leichtfaßliches Buch, das feinen W»g machen wird. Dr.—i—

Infolge Ueberfahrens eines Wasserbüffel» entgleiste ein Personenzug bei Titvala, etwa 60 Kim. von Bombay entfernt. Die Lokomotive und sämlliche Wagen stürzten um. Ein Eisenbahnangestellter wurde getötet, zwei Passagiere wurden verletzt.