Einzelbild herunterladen
 

Anzeiger für die Stadt Aulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt

Erscheint sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen:Die Welt

lahtg. 58.

Dienstag, 22. Dezember 1931

im Bild" undBuchenblätter". Rotationsdruck und Verlag

Jir« A.öO der Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-

:: leitung 3153, Fuldaer Actiendruckerei 3151 und 3152.

Monatlich 1.65 einschließl. Postgebühr (48 Pfg.) ohne Zustellg. Anzetgen-Preise: Kleinzeile (Sol) lokal 0.15RM., auswärts 0.20 RM. Reklamezeile: lokal 0.60 RM., auswärts 0.80 RM. Bei Wiederholungen Rabatt. Postscheckk. Frankfurt a. M 4051.

Der rayton-Wiggin-Vericht.

cnb. London, 21. Dezember. (Erg. Meld.) Daily Telegraph" schreibt, der Bericht des Base ler Sonderausschusses werde vermutlich noch ener­gischer als der Layton-Wiggin-Berrcht zum August auf die deutsche Zahlungsunfähigkeit Hinweisen, aber die Schwierigkeit bestünde darin, das politische Feld dabei zu vermeiden.

Der Baseler Vertreter derTimes" meldet, der Wortlaut des Berichts werde dauernd verändert. Alles sei sich einig, daß Deutschland die geschützten und vermutlich auch die ungeschützten Reparationen nicht aufbringen könne. Anscheinend werde aber der Ausschuß keine sehr präzisen Anemp­fehlungen machen, wenn er auch die Regierun­gen aus die dringende Notwendigkeit einer schnel­len Aktion Hinweisen werde. Eine Zeitlang scheine im Ausschuß eine völlige Annullierung der Repa­rationen und Schulden lebhaft befürwortet worden zu sein, aber die Haltung des amerikanischen Kongresses habe gezeigt, daß derartige Bestre­bungen hoffnungslos seien. Der Korrespondent schließt: Die französische Auffassung, daß das Prin­zip des Poungplans aufrecht erhalten werden muß und daß nur ein Provisorium erfolgen soll, be­deutet die Verewigung der Ursachen der gegen­wärtigen Ungewißheit.

*

In einem längeren Artikel imSunday Chro- nicle", der Londoner Sonntags-Zeitung, fordert Gilbert Frankau endgültige Streichung der Tribute und Kriegsschulden. Man müsse, wie Deutschland dies immer wieder betone, einen roten Strich durch alle alten Schuldenver­träge ziehen und die internationalen Tat­sachen als Grundlage für die inter­nationalen Verpflichtungen setzen. Die Schuld an der ganzen gegenwärtigen Weltkrise trage die Mißgeburt des Vertrages von Versailles. Wenn jemals die mensch Itche Dummheit ihren Höhepunkt erreicht habe, so sei es der Vertrag von Versailles gewesen. Je­der, der an der Ausstellung dieses Vertrages mitgearbeitet habe, trage einen Teil der Schuld an dem jetzigen unglücklichen Zustand aller Län­der. Wenn Frankreich Deutschland zwinge, bankerott zu machen, so werde es dadurch wahrscheinlich noch mehr in Mit­leidenschaft gezogen werden als

Deutschland selbst. Frankreich sei in der gro ßen Gefahr, an das goldene Kreuz ge­nagelt zu werden.

*

Die Mitglieder des Sonderausschusses hielten am Sonntagnachmittag eine Eeheimsitzung ab, in der gewisse Fragen geklärt werden konn­ten. Der materielle Teil des Hauptberichtes ist größtenteils fertiggestelkt, sodaß nunmehr doch da­mit gerechnet wird, daß die Schlußsitzung am Dienstag oder Mittwoch stattfinden wird.

*

Sowohl bei den Mitgliedern des Sonderaus­schusses wie in der Schweizer Presse wird ein­hellig die Aüffa'fung zum Ausdruck gebracht, daß ein' wirtschaftlicher Zusammenbruch Deutschlands auch zu einer Katastrophe für die übrigen Länder führen würde.

Nach Londoner Informationen ist Frankreich bestrebt, in den in Paris mit einem Vertreter Englands stattsindenden Verhandlungen eine ge­meinsame englisch-französische Front in der Tributfrage sowohl gegenüber Amerika wie gegenüber Deutschland zu erreichen.

*

Das Reichskabinett wird am Dienstag über eine sogenannteKleine Notverordnung" Beschluß sassen, in der eine Reihe von Fragen geregelt wird, die nicht in der letzten Notverord­nung ausgenommen werden konnten.

Abrüstungskonferenz steigt r

Die Pariser Presse berichtet Übereinstimmmd, daß in Cannes zwischen Henderson und Agnides der endgültige Beschluß gefaßt worden sei, den Zusammentritt der Abrüstungskonferenz unter dem Vorsitz Hendersons auf den 2. Februar 1932 festzusetzen.

*

wtb. Genf, 21. Dez. (Eig. Meld.) Hender- j o n bezeichnet erneut die Gerüchte von einer Vertagung der Abrüstungskonferenz als völlig unrichtig.

Frankreich und Rußland.

wtb. Paris 21. Dez. (Eig. Meld.)Echo de Pa­ris" veröffentlicht den Wortlaut des im August pa­raphierten russisch-französischen Nicht­angriffspaktes.

DleöelbstMflösungderReparalions-Mpie

Der Sinn von Dr. Brünings Außenpolitik.

Das Land, in dem gegenwärtig der Fanatis­mus der Selbstgenügsamkeit, des wirtschaftlichen Abschlusses gegen die Umwelt sich am wildesten austobt, ist England.Buy British!" (Kauft eng­lische Waren') ist das absolute Schlagwort der Saison und hat bei der außerordentlichen Emp­fänglichkeit der britischen Volksmasse für glücklich geprägte Schlagworte eine unheimliche Wirkung. Sie geht so weit, daß englische Zeitungen sich ge­weigert haben, Schweizer fiotelirderate auf-uneh- men. Seit dem Pfundsturz fühlt jeder Engländer sich persönlich verpflichtet, die Währung das Pa ladium britischer Weltge'tung. zu retten. , Buy British!" Das klassische Freihandelsland der Erd", das früher allem internationalen Waren-Ein- und Durchzug offenstand wird zum Vorkämpfer des geschlossenen Handelsstaates".

Aus der britischen Valuta- und Schutzzoll- Psychose muß man mm guten Teil den Haß er­klären. der sich allmählich jenseits der Kanals ge­gen das ganze Reparationsunwesen angesamwelt hot. An sich hätten die Enaländer gegen d>e Re­parationen nicht so viel einzuwenden, denn sie be­kommen ja selbst gebührenden Teil davon. Aber England war immer das Land, das volkswirt­schaftlichen Einsichten am ehesten zugänglich war. So hat man denn drüben schon seit geraumer Zeit begriffen, daß Deutschland nur dann Reparationen zahlen könne, wenn es den Ueberfchuß feiner Aus­fuhr über feine Einfuhr gewaltig steigert, mit an­deren Worten, wenn es feine Rivalen auf dem Weltmarkt totkonkurriert. Zu diesen Rivalen ge­hört aber England mit an erster Stelle, z. B. auf dem Gebiet der Kohle, der Chemikalien und der Tertilwaren. Man hat begreiflicherweise in England keine Lust daß Deutschland fick zu einem gewaltigen Reparationszahler emporarbeite, um eines Tages als ebenso gewastiaer Konkurrent da- zustehen

Zu dieser einleuchtenden Recknung aefpllt stck eine -weste Deutschland ist mit feinen kurzfristi­gen Sckulden zum guten Teil Englands Schuldner In den Augen des englischen Gläubiger jedoch er­scheinen die Revarationslasten als eine bevorzugte Hnvothek auf die deutfcke Wirtschaft, die das gute nach Deutschland geliehene englische Geld gefähr­det. Und die nack Deutschland geliehenen Mil­liarden find den Engländern lieber als die paar hundert Millionen die sie selbst auf Reparotions- konto erhalten sollen Aus solchen englischen Er- wäaungen heraus erklären fick die Spannungen und Konflikte hie gegenwärtig die Beratungen des DJ^ -A>'«lcki-sf->s in Bafel durchriehen

Das Ergebnis wird nach allem was bis jefet in Basel durckaefickert ist ein ziemlich zwie-oälti- ger Bericht werden. Der Ausschuß kann natürlich nicht an der Feststellung vorbei, daß Deutschland zur Zeit nicht in der Lage ist, dieungeschützten" Zahlungen des Doungplans aufzubringen. Bon

den geschützten Zahlungen dagegen, die Frankreich bekanntlich für sein Heiligtum anfieht. darf der Baseler Ausschuß auf Grund feiner Befugnisse nicht sprechen Das könnte noch angehen, denn ohnehin glaubt einschließlich der Franzosen wohl kein Mensch mehr in der Welt, daß Deutschland im gegenwärti­gen Augenblick einen Pfennig für Reparationen locker zu machen in der Lage ist. Dagegen sieht es so aus. als ob der Baseler Ausschuß den Fran- rosen den Gefallen tun werde., festzustellen, daß Deutschlands gegenwärtige Lage noch nicht feine Zahlungsunfähigkeit für künftige, bessere Zeiten beweise Auch wird man uns wahrscheinlich we­gen unserer früheren Anleihepolitik die Leviten lesen.

Indessen: Was der Baseler Ausschuß da übet Deutschlands künftige Zahlungsfähigkeit zu tagen vorhat. dürfte ein Teil feiner Mitglieder selbst nicht glauben Vor allem die Engländer werden es gar nickt glauben wollen aus den Gründen, die wir oben dargelegt haben. Kann doch die ganze Welt aus den Rovembereraebniffen der deutschen Außenbandelsstatistik klar und deutlich ablelen wie es in Wahrheit mit dem berühmten deutschen Aus­fuhrüberschuß steht Der deutsche Gesamterpart ist im November auf 739 Millionen Mark, d b um 130 Millionen zurückgegangen Dieser Rück' schlag beträgt das dreifache des saisonüblichen Ab- sckwunas. der sonst tm November einzutreten pfleat. Da die Einfuhr fick mit 482 Millionen etwa auf der Dktoberhöhe aebo'ten hat beträgt der Aus- subrüberfchuß nur nock 257 Millionen gegen 390 Millionen im Oktober. Also ein Rückgang des Aus­fuhrüberschusses um mehr als ein Drittel. Wir sehen hier die deutliche Gegenwirkung des Baluta- rerfalls zahlreicher gußerdeutscher Länder, der ge­radem wie eine Sabotage her deutsche Ausfuhr­politik wirkt Rock bat sich die drosselnde Wir­kung der englischen Schutrrölle auf die deutfcke Ausstckr nickt bemerkbar aemacbt. da die engli­schen Jmvorteure aus Furckt vor weiteren Zoll- erhöbimnen immer noch zu Noreindeckungen 'chrei- ten. Aber in absehbarer Zeit wird auch liefe letzte Chance der deutschen Ausfuhr erschöpft sein, und dann wird es so kommen wie es die klugen Propheten von Versailles und Bafel selbst hätten voraus sehen müssen: Deutschland mag im Willen, feine V-rtragsvflichfen zu erfüllen, tue allergröß­ten Anstrengungen macken, das Ausland wird ihm hipfe Anstrengung nW honorieren, da fo ziemlich »ob-S ^nnh l-eher auf <Renr>rofion-m ver'ickten, als fpine Industrie marunhp neben lasten wird

So wird der W'h-rstnn her R»nargOonen tm« qeahnt rafrb in der Brgris durch fich selbst wider­legt. sobald nur der Versuch gemacht wird, echte, d. H. nickt geborgte Reparationsleistungen aufzu- bringen. Das war der Sinn der viel geschmähten Erfüllungspolitik", die unter Reichskanzler Dr.

Wirth begonnen, später von Dr. Marx fortgesetzt wurde und nun von Dr Brüning unbeugsam und konseguent vor den Augen der Welt ihrer Selbst­auflösung zugeführt wird.

Am Die Preise.

Amtlich wird mitgeteklt: Der Reichskommrssai für Preisüberwachung hatte für Samstag die Ver­treter der Gewerkschaften aller Gruppen und aller Richtungen zu einer Besprechung eingeladen. Er entwickelte in der Besprechung das Programm seiner Arbeit und das Ziel, das ihm vorschwebt, gab auch Aufschluß über bisher getroffene und weiter in Aussicht genommene Maßnahmen. Er bat die Gewerkt-ften, ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. Die Vertreter der Gewerkschaften nah men von den Ausführungen Kenntnis und wiesen auf die geradezu entscheidende Bedeutung der Preissenkung hin. Sie erklärten sich zu jeder ge­wünschten Mitarbeit bereit und werden chre Unter Organisationen mit entsprechenden Weisungen ver sehen. Ueber die Frage der Mitarbeit werden fick die Gewerkschaften mit dem Reichskommissar dauernd in Fühlung halten.

*

CNB. Berlin, 21. De-ember. (Eig. Meld.) In einer Besprechung der Reicksminister Dr W a r m- dold und Dr Schiele und des Reichskommis­sars für Preisüberwachung Dr. G ö r d e le r mit den Spitzenorganisationen der Gewerkschaften und Beamten überPreissenkung. führte nach der grund­sätzlichen Seite "sowie auch bezüglich des Vorgehens auf einzelnen Gebieten im wesentlichen zu überein­stimmender Auffassung. Von einzelnen Vertretern der Arbeitnehmer und Angestellten wurde eine Reihe von Anregungen gegeben, deren Beacktung zugesagt wurde. Es bestand allseitig der Wunsch daß die Aussprache über Fragen der Preissenkung zu gegebener Zeit fortgesetzt werde. Die Reichsminister und der Preiskommissar Dr. Gor- deler sagten dies zu.__________________

Die ich tief, die Geister ....

Landbund und Nationalsozialisten in starker Spannung.

Die Konservativen haben bekanntlich den R a - tionalfozialismu» mit großgepäppelt Ge- sichrt von Hugenberg haben sie weitgehend der Hit- lerbewegung als Steigbügelhalter gedient. Die unwürdige Rolle haben fie nur deshalb über­nommen. weil ihr Haß gegen den Volks- ft a a t größer war als die Stimme her politischen Vernunft. Heute müssen diese konservativen Kreise in höchst unangenehmer Weise verspüren, was sie angerichtet haben

Schlimm ist der Fall, der durch die Nationalso­zialisten den Konservativen in der ost preu ßi­schen Landwirtschaftskammer einge- brockt worden ist. Unbesehen haben dort wie be- kannt, auch die konsewativen Mitglieder der Kam­mer einer von den nationalsozialistischen Jung- Mitgliedern eingebrachten Antrag gutgeheißen, der eine ganz ungeheuerliche Brüskierung des Reichspräsidenten von Hinden­burg darstellt. Er wurde in der mit zwei Dritteln Mehrheit gefaßten Entschließung aufge- forbert, sein Amt zu räumen. Jetzt hat die nichtso­zialistische Mehrheit der ostpreußischen Landwirt­schaftskammer eingesehen, welche verhängnis­volle Torheit fie mit der Zustimmung zu dem nationalsozialistischen Antrag auf Abberufung des Reichspräsidenten begangen hat. Der Borstand der Landwirtschaftskammer hat, um das Unheil leidlich wieder gutzumachen beschlossen, über den Antrag noch einmal abftimmen zu lassen. Man darf wohl annehmen, daß er dann die ver­diente Ablehnung erfährt.

Di« äußerliche Begründung für dieses Ver­fahren gilbt die Tatsache, daß der Antrag weder dem Büro der Versammlung noch den KKammer- mitgliiedern schriftlich Vorgelegen habe und daher angeblich von vielen Kammermi'nliedern anders aufgefaßt worden ist als sein Wortlaut besagt. Der Präsident selbst, Dr. Brandes, behaup­tet für seinen Teil, den Antrag nicht so verstanden zu haben, wie er nach dem Willen der National­sozialisten verstanden werden sollt«. Der Vorstand selbst hat erklärt, daß er weit davon entfernt sei, ein« Amtsniederlegung des Reichspräsidenten zu verlangen, ja, daß er diese für ein großes Unglück für Deutschland und speziell für Ostpreußen halten würde.

Dieses Einlenken auf die Linie der Vernunft und des Anstandes ist gewiß zu begrüßen. W i e der politische Radikalismus auf die sachliche Arbeit wirkt, zeigt die Ent­schuldigung, man habe gar nicht ge­wußt, wofür man fttmme.

Die Brandenburgische Landwirtsckasts- fammer in Berlin trat zu einer Tagung z -sammen Von Beginn an zeigte sich zwischen den Na­tionalsozialisten und dem Landbund eine gewisse Spannung, da die National­sozialisten, die bei den Nachwahlen zur Landwirt­schaftskammer 66 Prozent aller Sitze erhalten ha­ben, entsprechende Vertretung im Vorstande und in allen Ausschüssen verlangten. Der Landbund ha' dadurch, daß die vor drei Jahren auf iechs Jahre gewählten Mitglieder mit wenigen Ausnahmen zum Landbund gehören, noch eine starke Mehrheit in der Landwirt!ckasts^ammer Die Folge wa' die Ablehnung aller nationalsozi a- l i st i scheu Wablvorschläge Zum Pr^st denten der Landwirtschaftskammer wurde der Landbundkandidat Ritterautsdpfitzer v. Oppen- Dannenwalde gewählt. Die Nationalsozia­listen verließen nach Abgabe einer Protesterklärung den Saal.

Die Schmähungen gegen Dr. Kans, die kürzlich derFuldaer Beobachter" wiedera uf­wärmte, beantwortete, als sie im September im Völkischen Beobachter erschienen, das General» ekretariat der Deutschen Zentrumspartei mit fol­gender Erklärung:

Der Völkische Beobachter vom 13. Septem- Her verbreitet das Faksimile eines u. a. auch von Prof. Dr. Ludwig Kaas unterzeichneten Tele- grammes an den verstorbenen Zentrumsführer Trimborn. Mit dem Telegramm will der Völkische Beobachter beweisen, daß Prälat Kaas sichan i)er verwerflichen separati stisch enBe­weg u n g beteiligt hab?. Eine Behauptung, die von Di., Kops wiederholt entschieden. zurück­gewiesen worden ist.

Prälat Dr. Kaas bezeichnet auch diese Darstel­lung des Völkischen Beobachters, die denselben Zweck der Verdächtigung verfolgt, als eine nie­derträchtige Gemeinheit und grobe Irreführung. Das erwähnte Telegramm steht in keinem Zusammenhang mit der separa- tisti'chen Bewegung der Dorten, Smeets, Mathes und Genossen und hat mit ihr auch nicht das Ge­ringste zu tun. Das Telegramm bezieht fich viel­mehr auf die rheinische Abwehrbewe- gung gegen die französische Annek­tionsgefahr und gegen die revolutionär- bolschewistische Bewegung, die in den Jahren 1918» 19 für den deutschen Westen. besonders gefahr­drohend und verhängnisvoll war. Dr. Kaas war, wie ungezählte andere, vaterländi ch gesinnte Rhem- länber, seiner Zeit Anhänger des Gedankens eines rheinischen Bundesstaates und har, um die Be­wegung in einwandfreien und legalen Bahnen zu halten, zusammen mit Trimborn u. a>. für den bekannten Artikel 18 Verbeut« schen Reichsverfassung gewirkt. Durch sei­nen entschlossenen und erfolgreichen Kampf gegen jede Ueberschreitung dieser Grenze gehörte er mit zu den bei den Separatisten am meisten ver­haßten Politikern.

Man kann es nur als eine niederträchtige Schmähung des toten Zentrumsführers Trimborn bezeichnen, wenn seine einwandfreie deutsche und patriotische Gesinnung und seine Reichstreue nur im mindesten angezweifelt wird. Ueber die Ver­dächtigungen der nationalsozialistischen Lugenzen- trale sind' Kaas und Trimborn in jeder Beziehung weit erhaben.

Unverbesserlich!

Im vergangenen Jahre erschien bekanntlich m der sozialistischen Illustrierten Zeitungsbei- läge ein Bild mit einem hohnvollen Gedicht gegen die Heilige Drei Könige. Die preußische Zentrums­partei hat damals schon schärfsten Protest eingelegt und auch vom preußischen Ministerpräsidenten Braun bie Zusicherung erhalten daß fichDerart üble Entgeisungen nicht mehr einstellen würden. Er bebcure. daß so etwas überhaupt möglich gerne- fen war.

Die Zusicherung hat aber nicht den er« hofften Dauererfolg gehabt. Denn wie­derum zur Weihnachtszeit erschien dieses Mal im sozialdemokratischen Freidenkerorgan ein Jo gehaf- swes Gedickt, betitelt ..Weihnacktsandacht Daß wir dessen Inhalt gar nicht wiedergeben können. Schlimmer konnten es die kommunistischen Gott­losen auch nicht treiben.

Es ist selbstverständlich, daß die preußische Zen. trumsfraftion sofort im Namen des gan­zen katholischen deutschen Volkes ge- gen diele Sckandverse schärfsten P r o t e st er­hob und auch bie erforderlichen Schritte der der So- zialdemokratilchen Partei Preußens unternahm. Es ist eine Unmöglichkeit, daß bie fo3ia(bemofr«- tische Parteileitung diese unerhörten, Geschehnisse etwa damit wieder abtun kann daß fie ertlart es handle fich jedoch um ein Freidenkerorgan, auf Das bie Dolitifche Leitung keinen Einfluß habe.

Demgegenüber stellen wir fest, daß das fo^tai- demokratische Freibenkeroracm im Haufe des ..Vorwärts" gedruckt u n r.£ u 6.* gegeben wird, daß in Wort und Schrift auch die SPD-Leitung fick für die Freidenkerbewegung als solche einsetzt Sie ist allo auch mitcer« antwortlich für das. was in dieser Organ na- tion geschieht und wir erwarten ein unbedingtes und küortiges Einschreiten gegen diese verhetzende sozialistische Gottlosenpropaagnda.

In Rußland muß Weihnachten gearbeitet werden.

Wie aus Moskau berichtet wird, wurde auf Veranlassung der kommunistischen Organisationen beschlossen, daß an den Weihnachtstagen in allen Werkstätten die Arbeit aufrecht er­halten werden muß. Die Arbeiter und An- qestellten, die sich an diesen Tagen nicht zur Arbeit melden, sollen fristlos entlassen werden.

*

Das kommunistische von den Sozialdemokraten unterstützte Volksbeaehren auf Auflösung Des Danziger Volkstages hat die erforder­liche Stimmenanzahl erbracht.

Faschismus und Fehlbetrag.

1,5 Milliarden Lire Fehlbetrag im italienischen Haushalt.

Der Ausweis des italienischen Schatzamtes vom 30. November zeigt einen Fehlbetrag int Haushalt von 1 467 Millionen Lire. Der Banknotenumlauf ist um wi'tere 137 Millionen Lire auf 14 254 Millionen gedrosselt worden.

Also wird wohl auch im italienischen Dritten Reich" jetzt eine Steuer-Erhöhung kommen.