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Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblakt.

Wg. 58.

Samstag, IS. Dezember 1931

Ar. 293

I nifi? bereiten, befinden sich die meisten wichtigen I europäischen Staaten Und sie sind gerade die

Samstag

verWebum der AdriWngskMserenz?

Rudolf Nadolny,

zmn Ad­der

der Zahlung von Reparationen schlagend bewei­sen. wird ieder Versuch, aus Deutschland politische Zahlungen herauspresfen zu wollen, zwangsläufig scheitern.

wtb. Washington. 18 Dez. (Eig. Meld.) Es wird erwartet, daß das Repräsentantenhaus die Abstimmung über das Hoover - Moratorium a m

Züffmm mg ZUM Hoover-MrEium.

Aus Washington wird gemeldet:

Nach Annahme der Empfehlung zum Hoover- moratorimn hat der Arbeitsausschuß des Repräsentantenhauses dem Hoovermora- toTium mit großer Mehrheit zugestimmt.

itiiii ledjemui wöchentlich Wochenbeilogen: „Die Welt ilild' und ..Vuchenblätter' Rotationsdruck und Verlag Fuldaer Äctiendruckerel In Hulda Fernrute: Schrift- leitung 3153. Fuldaer Äctiendruckerel 3151 und 31-52 ::

ERB. London, 18 Dez. (Gig. Meldg.). Mor- ning Post behauptet, daß das Völkerbundssekre­tariat die Möglichkeit eines Aufschubs der Abrü­stungskonferenz erwäge/

Juni zweckmäßig sein könnte, erwartet man in maßgebenden britischen Kreisen, daß die Kon- serenz, wie ursprünglich geplant in den ersten Februartagen zusammentreten wird.

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Ve> Wlederdolnnaen -Rabatt Polticheckk Frank» a M in.51

vornehmen wird.

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In britischen Regierungskreisen beschäf­tigt man sich bereits stark mit der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz. Man nimmt an, daß in Kürze an die amtlichen britischen Vertreter in den betreffenden Ländern die Anweisung ergeben wird, mit den Regierungen Fühlung über die notwendigen Vorbereitungen zu nehmen. Ob­wohl die Ansicht vertreten wird, daß bei den schwe­benden hochpolitischen finanziellen und wirtfchast- lichen Verhandlungen und im Interesse der baldi­gen Abhaltung einer Reparationskonferenz eine Verschiebung der Abrüstungskonferenz bis zum

Abgelelmttr WitzkrauensAnttM.

vdz. Berlin, 18.De'ember. (Eig. Mftd.) Der Preußische Landtag lehnte den deutschnatio- nolcn Mitztraueniantrag gegen Finanzmini« st e r Klepper mit 217 Etimme-n der Regierungs­parteien gegen 177 Stimmen der Opposition ab.

Hauptabnehmer deutscher Erzeugnisse. An allen dielen Tatsachen. d-<> ia an sich die Unmöglichkeit

Wie die Telegraphen-Union von besonderer Seite erfährt, nehmen die Berliner S t i l l h a l t e. Verhandlungen einen nicht ungünstigen Verlauf. Man rechnet mit der Gründung einer Treuhandgesellschaft. Die deutschen Schuldner werden dann innerhalb von zehn Iah» ren ihre Schulden in gleichen Jahresraten zurück­zahlen.

Die französische und die italienische Regierung haben beschlossen den Handelsvertrag zwischen beiden Ländern aufzuheben.

Staaten von Amerika auf 50^ Milliarden anschwoll, die in jährlichen Raten — festgeseßt in dem sogenannten Fundierungsabkommen — zu til­gen sind. Wir kennen ferner die Höhe der Aus­landsverschuldung unseres Vaterlandes, die — un­gerechnet die politischen Tributlasten, die sogenann­ten Reparationen — sich auf 23% Milliarden be­läuft, wovon — und das ist das Bedenklichste dabei — mehr als die Hälfte kurzfristig an­gelegt ist. Nimmt man an, daß das deutsche Volkseinkommen gegenwärtig 50 bis 60 Milliar­den Mark betrage — eine m. E. noch günstige Schätzung —, so betrüge unsere Auslandsverschul­dung demnach nahezu die Hälfte des gesamten Volkseinkommens eines Jahres.

Aber nicht nur die Höhe, sondern auch die Art der Kapitalanlage ist gegenüber früher eine ganz andere. Vor dem Kriege war das ins Ausland gebrachte Kapital in der Regel fest angelegt in Unternehmungen, Beteiligungen, in Aktien oder auch in Gebäuden, Grund und Boden. Es war auf lange Sicht dort investiert.. Heute dagegen ist ein großer, vielleicht der größte Teil der ins Ausland gebrachten Kapitalien nur ganz kurz­fristig in Wechseln, höchstens in Aktien, vielfach sogar in bar auf Banken angelegt; er ist flüssig, kann jederzeit abgerufen werden, er wandert her­um. er vagabundiert.

Denn — und das ist das Entscheidende — nicht mehr die Höhe der Zinsen, das sogenannte Zinsgefälle, sondern das Maß der vermeint­lichen Sicherheit diktiert heute die Wande­rungen der Kapitalien. Diese strömen aus den Ländern, wo sie sich nicht mehr sicher fühlen, nach den Staaten, von denen die Kapitalbesitzer glau­ben, daß es dort vor den Zugriffen der öffentli­chen Gewalt im Wege der Besteuerung oder gar der Enteignung gesichert sei. Und entscheidend ist hierbei der Glaube, die Meinung der Kapitalbe­sitzer.

So wanderte z. B. deutsches Kapital während der Inflationszeit nach Holland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten von Amerika. 1924 kam ein wesentlicher Teil wieder zurück, um aber be­reits von 1926 an. da der deutsche Kapitalist neben hoher Besteuerung auch teilweise Enteignung fürch­tete, die Abwanderung wieder aufzunehmen. Den Höhepunkt erreichte diese Kapitalflucht dann im Herbst 1930 bis Sommer 1931, in welcher Zeit man sie auf etwa zwei Milliarden schätzte. Ins­gesamt dürfte die Höbe des ins Ausland verscho­benen Kavitals sich 1926 bis 1931 auf etwa 5% bis 6 Milliarden belaufen. Zu gleicher Zeit aber — und das ist wirklich ein Treppenwitz der Weltge­schichte — hielten uns die Amerikaner für so sicher, daß sie uns geradezu ihr Geld aufdrängten. In den Jahren von 1925 bis 1928 galt es in den Ver­einigten Staaten von Amerika als eins der besten und sichersten Geschäfte, sein Geld in Deutschland anzulegen; nicht weniger als 12 Milliarden inve­stierten damals die Amerikaner in Deutschland. Dann freilich hörte dieser „Goldregen" auf, ein­mal. weil Amerika in finanzielle Schwierigkeiten geriet dann aber auch mißtrauisch wurde, ob Deutschlands Zahlungsfähigkeit nicht vielleicht all­zu febr fiberfnnnnf wäre.

Gegenwärtig ist England bas Neuland des Mißtrauens geworden was in der Pfundwertung »um Ausdruck kommt, und Frankreich wird ron den Kapitalisten, die kein Vaterland, sondern nur ein „Sicherheitslgnd" kennen, als der Hort ihrer Zuflucht angefehen Nicht mehr nach den Ver­einigten Staaten von Amerika kaum mehr nach Holland und der Schweiz, sondern fast nur noch nach Frankreich ftrnrnt da« irrternrt+innnle KnnNal- es erlaubte der Ban? von Frankreich, den riesigen Goldbestand von saft 10 Milliarden Mank anzu- tgmmein

Aber wie lange noch? — Denn da bekanntlich das Kapitgl keine Heimat kennt, wird es wohl auch Frankreich verlassen, sobald es glaubt, daß dessen überragende Vormachtstellung zu Ende ist — und das kann bei der Untersöhnlichkeit der französischen Politik von heute auf morgen eintreten. Das würde gerade für Frankreich bei feinem großen Geldumlauf (12 6 Milligrd-n) verhängnisvolle Fol­gen zeitigen Denn der Abfluß der dorthin ge­flüchteten Kapitalien würde die Bank von Frank­reich ZUM Verkauf ihres großen Goldvo-rots zwin­gen; und je heikler die Situation dadurch , würde desto mehr Kanstal flüchtete aus Frankreich und desto mehr Gold müßte feine Bank abgebon. wo­mit deren Stellung stark erschüttert werden würde.

Ermöglicht sind aber solche für jedes Land ge­fährlichen Zustände nun dadurch, daß beute im Ge­gensatz zu früher ein wesentlicher Teil der Aus- landskav'tglien nicht fest, sondern ganz oorüberae- henb flüssig und iederzeit abhebbar angelegt ist. Es mangelt an Vertrauen in der Stabilität der Wirtschaft aller Länder und nickt nur der wirt­schaftlichen. ’onbern auch der politischen Verhält­nisse Deshalb manf der Kapitalist rächt fein Geld irgendwo sestzuleaen, sondern will es jederzeit greifbar zur Verfügung haben. Aber wo soll Vertrauen Herkommen, wenn man sieht, wie das Land, das gegenwärtig die Macht inne hat, alle Pläne einer verständnisvollen Sanierung der Welt­wirtschaft zu vereiteln versucht, um für sich klein­liche Augenblicksvorteile herauszuholen? — Ein Menetekel für Frankreich, den Bogen der Macht nicht zu lehr zu überspannen.

wtb Paris. 18. Dez. (Eig. Meld.) Sir Fredrece Leith ist als Vertreter des englischen Schatzamtes in Paris eingetroffen, um über das englische Repa­rationsmemorandum zu verhandeln.

Es geht um Deutschlands Sch ckfal.

In einer Zeit in der das Reich erneut mit durchgreifenden, die letzten Kraftreferven erschöp­fenden Maßnahmen bestrebt ist, gegen die verhee­renden Wirkungen der Wirtschaftskrise anzukämp- fen und die Eristenzgrundlage unseres Volkes zu sichern, treten auch die reparationspolitischen Ver­handlungen in ihr entscheidendes Stadium. Der Beratende Sonderausschuß in Basel hat seine Ar­beit ausgenommen. Er ist bemüht, die Zahlungs­fähigkeit Deutschlands — ober besser: Deutschlands Unfähigkeit, Reparationen zu zahlen — zu unter­suchen. Alle Anzeichen aber deuten darauf hin, daß die Beratungen der Sachverständigen in Basel nicht ohne schwere Hemmungen und Widerstände zu Ende geführt.werden können. Hartnäckig ver­teidigt Frankreich noch immer sein vermeintliches Recht auf die deutschen Reparationen. Es ist ge­neigt, seinen ganzen nicht geringen wirtschaftlichen und politischen Einfluß für diesen Anspruch in die Wagschale zu werfen. Für den deutschen Stand­punkt spricht die wirtschaftliche Vernunft. Ihr zum Siege zu verhelfen — dazu bedarf es einer geschlossenen und unerschütterlichen Front des deut­schen Volkes Von dem Erfolg dieses Ringens wird es nicht zuletzt abhängen, ob Deutschland ob die Welt aus dem traurigen Zirkel herauskommt, in dem das gesamte wirtschaftliche Geschehen seit Jahr und Tag eingespannt ist: Absatzstockung, Ar­beitslosigkeit, Vertrauenskrise, Kaufkrgstschrump- fung und wiederum Absatzstockung und Arbeits­losigkeit.

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Wenn es überhaupt noch eines Beweises be­dürfte, daß der Poungplan undurchführbar ist, daß die von uns geforderten Reparationen nickt abge­tragen werden können, so ist es — abgesehen von dem wirtschaftlichen Widersinn, gewaltige Repa­rationsbeträge aus einer erschöpften, verarmten und verschuldeten Volkswirtschaft heraus,zupresien — die wachsende Blockierung der internationalen Absatzmärkte. Es ist nachgerade zur Binsenwahr­heit geworden: Reparationen können nur aus den Ueberschüsien des Außenhandels bezahlt werden, und auch nur insoweit, als die aus Exporterlösen gewonnenen Devisen nicht zur Abdeckuna der pri­vatwirtschaftlichen Auslandsschulden erforderlich sind. Die Erzielung von Ausfuhrüberschüssen aber setzt aufnahmefähige und aufnahmewillige Absatz­märkte voraus. Wie sieht es damit in Wirklich­keit aus?

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Unter dem Druck der Krise ist attenWben in allen Erdteilen und Ländern, das Bestreben ae= wachsen, den Absatz auf dem heimischen Markt fo- weit wie möglich auch der heimif^en Vroduktion vormbehalten. Eine Welle des Protektionismus läuft durch die ganze Welt. Alle Mittel einfuhr­drosselnder Zoll- und Handelspolitik finden, um­fassender und rigoroser denn je, Anwendung. Dar­über hinaus sind währungstechnilche und wäh­rungspolitische Vorgänge und Maßnahmen der (Fnf-m;r»rUP(1 d->s Auß-pbandels abträglich. In die-

rotb. London, 18. Dez. (Eig. Meld.) Heber den Inhalt der britischen Antwortnote auf die französische Reparations- denkfchrift verlautet, daß die englische Regie­rung nachdrücklich eine endgültige Re- gelung des Kriegsschulden- und Re­parationsproblems fordere; vorüber­gehende und halbe Maßnahmen genügten nicht mehr

sein Zusammenhänge ist eine vom Institut für Kon­junkturforschung herausgegebene Zusammenstellung von großem aktuellen Interesse. Nicht weniger als 16 onnb»r hoben d'-> Golde'nlösung ihrer Wäh­rung aufgegeben 12 weitere Staaten leben unter entwerteter' Valuta Jede Währungsvericklechte- rung aber wirkt einfuhrhemmend. Groß ist ferner auch die Zahl der Staaten, die in letzter Zeit (seit Mitte dieses Jahres) eine öffentlich" Devifenbe- mchtschgkMim einnoführt haben, die Einfuhrmono­pole besitzen. Einfuhrverbote und EinfuHrkontin- Zölle entscheidend erhöbt oder zu sonstigen einfuhr- vemmenden Maßnabm»n gegriffen Haben Fast überall ist auck die Propaganda für den Kauf Heimischer Erzeugnisse verstärkt worden Der Drahtverhau von Einstihrersckwerungen und Sou- hindernstfen rings um Deuticklgnd ist immer höher und dichter geworden. Und was für Dentfchlcim- ÜOn besonderer Wichtigkeit ist: die meisten (Einfuhr« erschwerungen richten sich naturgemäß gegen Fer­tigwaren. deren Erport ia bekanntlich das Kern­stück unserer gesamten Einfuhr bildet. Und we:- ter: unter den Ländern, die dem Export Hemm-

Englands Zollmauern und Deutschland

Befremdendes Verhalten der britischen Regierung.

* Der Deamlenabbau in Oesterreich. Aus Wien wird gemeldet: Der Hauptausschuß des National­rates billigte die umstrittene D-rordnung über den Beamtenabbau, der etwa 5 0 0 0 Staats­beamte und 5000Ange st eilte derBun. bahnenbetrifft.

Die fragliche Empfehlung besagt, die Ratisi- zierung des Hoovermoratoriums erfolge mit der Einschränkung, daß jede weitere Begünsti­gung oder Streichung der Kriegsschul­den unterbleibe. Durch dieses Zugeständnis an die Opposition scheint die Ratifizierung des Hoovermoratoriums durch das Repräsentanten­haus selbst am Samstag gesichert zu sein.

Der Finanzausschuß des amerikanischen Senats für die Untersuchung der in den Vereinigten Staa­ten aufgelegten ausländischen Anleihen im Be­trage von zehn Milliarden Dollar, der am Frei­tag die Verhandlungen aufnimmt, plant die Ver­nehmung des Staatssekretärs Stimson, weil das Staatsdepartement angeblich schon im Jahre 1927 die Newyorker Bankiers brieflich vor weiteren Kredithergacken an Deutschland gewarnt habe. Diese Warnung sei angeblich erfolgt, da Parker Gilbert seinerzeit berichtet habe, daß Deutschland allzu ver­schwenderisch w i r t sch a f t e. Die Untersuchung beginnt mit dem Verhör des Hauptpartners von Morgan, Lamont und des Bankiers Mitchell von der National Eity-Bank. Der Senatsausschuß ist darüber unterrichtet worden, daß die Newyorker Bankiers trotz der Warnung 12 Tage später Preu­ßen 30 Millionen Dollar geliehen hätten; noch später hätten die Stadt Berlin 15 Millionen, die Deutsche Landwirtschaftsbank 30 Mil­lionen, die AEG. 15 Millionen und die Harpe-, ner Bergbau- und die Jlseder Hütte je zehn Mü- lionen Dollar erhalten.

ERB. Berlin, 18. Dez. (Eig. Meldg.). Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, hat die eng­lische Regierung das Ersuchen der deutschen Re­gierung auf Verhandlungen über die Auswirkun­gen der englischen Zollmaßnahmen auf den deutsch- englischen Handelsvertrag dahingehend beantwor­tet, daß sie zwar anerkannt, daß auf Grund des Handelsvertrages Deutschland Anspruch auf der­artige Verhandlungen hat; die englische Regie­rung teilt aber weiter mit. daß derartige Ver­handlungen völlig zwecklos sein würden. Sie sei entschlossen, von den beschlossenen Zollmaß­nahmen nichts zurückzunehmen. Nach Mitteilung von unterrichteter Seite hat die deutsche Regierung auf Grund dieser Antwort trotz ihres eindeutigen Rechtsanspruchs auf solche Verhand­lungen über die Folgen der englischen Zollpolitik auf den deutsch-englischen Handelsvertrag davon abgesehen, auf ihr formales Recht zu bestehen. In der Mitteilung, die über diesen Verzicht der eng­lischen Regierung gemacht worden ist, ist aber das starke Befremden der deutschen Regierung über diese Haltung Englands zum Ausdruck gekommen und weiter betont worden, daß Deutschland sich selbstverständlich für feine Maßnahmen völlig freie Hand Vorbehalten muß.

Baseler Schlutz-Verichk.

mb. Bafel, 18. Dezember. (Eig. Meld.) Der beratende Sonderausschuß ist heute vormittag um 11 Uhr wieder zu einer Vollsitzung zusammen- getieten. Alles deutet darauf hin, daß die Arbeiten allmählich ihrem Ende entgegengehen. Das Interesse konzentriert sich immer mehr auf den in der Vorbereitung befindlichen Schlußbericht, für den die Material-Zusammenstellung jetzt so gut wie beendet ist. Man darf annehmen, daß die noch nicht vollkommen beendete Prüfung der finanziellen Lage der Deutschen Reichsbahn, mit der sich die heutige Voll­sitzung beschäftigt, ebenfalls sehr bald durch einen Bericht des hierfür eingesetzten Sonderausschusses abgeschlossen sein dürfte. Die Einzeluntersuchungen so z. B. über die deutsche Zahlungs- und Handels­bilanz, die deutsche Budgetgestaltung, die Sage der Reichsbank usw. werden vermutlich in dem zweiten Teil des Berichtes an Hand von Anlagen ausführlich wiedergegeben werden. Ueber den Stand der Arbeiten wird nach wie vor von den Beteiligten strengstes Stillschweigen geübt. Was bis jetzt hier und da über den angeblichen Inhalt des Berichtes verlautet, beruht lediglich auf K o m- bination und hat keinerlei Anspruch auf Rich­tigkeit. '

kaulkalwrmderunyen einst und jetzt.

Lin Dort zur Kapitalflucht und ungleichen Gold­verteilung.

Don Dr. Earl von Tyszka, Professor an der Universität Hamburg

Kapitalwanderungen, d. h. Kapitalübertraguv- gen von einem Lande zum anderen, hat es schon vor dem Kriege gegeben. Ein Teil der in Hän­den von Angehörigen eines Staates befindlichen Kapitalien ist stets im Auslande angelegt mor­den. So war vor dem Kriege französisches Ka­pital in Rußland unt-rn-bracht. England hafte Kapital an die Vereinigten Staaten von Amerika, an die isidamerikanifchen Länder an Deutschland und Ungarn, die Türkei Meriko und ebenfalls an China und Japan ver­liehen Die Urfache dieser Kapitalwanderungen lag an der Hauvtsache in dem foaenannter Zins- gefalle, d. h. das Kapital strömte nach den Ländern, in denen der Zinsfuß verhältnismäßig hoch war Ueber die Größe des im Ausland an­gelegten Kapitals und vor allem seines Anteils an dem gesamten Kavitolbesitz der Inländer waren wir freilich nicht genau unterrichtet. Anhaltspunkte konnten höchstens die Zahlungsbilanzen der Län­der geben. Danach hatte Deutschland im Dir.ck- schnitt der letzten Borkriegsjahre iäbrlich von 800 bis 1000 Millionen Mark an Zinsen und Divi­dende vom Ausland zu beanspruchen, was einem Kavstalbestn r-on etwa 15 bis 16 Milliarden ent­sprechen würde. Bei einem Gesamteinkommen von 60 bis 70 Milliarden — so hoch darf man das deutsche Volkseinkommen vor dem Kriege schätzen — ein nur verhältnismäßig geringer Teil

Nach dem Kriege ist in den Kapitalwanderun- gen aber eine grundsätzliche Aenderung eingetre­ten, und diese haben wesentlich zur Entstehung und Verschärfung der Weltwirtschaftskrise be:ge« tragen Aul drei Gebieten liegen diele Veränd-» rungen: Erstens im Umfang der Kapitalwcmderun- gen, der viel größer geworden ist, zweitens in der Art der Anlage des Kapitals im Auslande und drittens in der Verursachung dieser Wanderungen. Hinsichtlich des ersten Punktes kennen mir heute die Große der in anderen Ländern angelegten Kapitalien — bis zu einem gewissen Grade — ziemlich genau. Uns ist die Höhe der Verschul­dung der Ententeländer an die Vereinigten Staa­ten von Amerika bekannt, wir wissen, wie diese zustande gekommen ist. wie während des Krieges England und Frosikraick nicht nur ihre in Ame­rika befindlichen Guthaben zurückziehen mußten, sondern weiterhin gezwungen waren fortgesetzt neue Anleihen dort zu machen, so daß die Höhe der Schulden dieser Länder an die Vereinigten

der deutsche Botschafter in der Türkei, ist Führer der deutschen Delegation auf der rüstungskonserenz ausersehen worden. An _ Eröffnungssitzung wird Reichskanzler Dr. Brumng persönlich teiknehmen.