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Gegen -le Gottlosenvewegung.

Eingabe -es preutzischen Episkopats an den Kultusminister.

Die preußischen Erzbischöfe und Bischöfe haben durch den Borsitzenden der Fuldaer Bischofskonie- renz, Karidnal Bertram, eine Eingabe an fiV« preußrschen Kultusminister gerichtet, die folgenden Wortlaut hat-

„Die Oberhrrten der preußischen Diözesen haben auf der diesjährigen Bffchofskonterenz eingehend die betrübenden Zustände und drohenden G«fah- ren besprochen, die in den katholischen Schulen ent­stehen durch die Bildung und Agitation kommuni st ischer Zellen in den kon­fessionellen Volksschulen. Gewiß wer­den dem Ministerium längst die zersetzenden Ein­güsse und ordnungswidrigen Tendenzen bekannt sein, die in diesen planmäßigen und geschickt mit allen Mitteln rücksichtslosester Agitation organi­sierten Bestrebungen sich kundtun. Ganz offensicht­lich ist allgemein die große Gefahr, die diese Zel­len für die religiöse und sittliche, die vaterlän­dische und soziale Erziehung der Jugend bedeuten. Als Beispiel lasse ich den Bericht folgen, der über diese Organisation in Breslau in diesen Tagen der Oeffentlichkeit übergeben wurde.

In letzter Zeit hat eine besonders rührige Pro­paganda der Kommunisten in den Breslauer Volksschulen eingesetzt Man will schon die Seele der Kinder mit der bolschewistischen Ä>ee zersetzen und bedient sich dabei der Eigenart und dem Emp­finden des Kindes angepaßter Mittel. An Kinder, die nach den häuslichen Verhältnissen der Notlage der Eltern oder sonstiger Umstände als geeignete Objekte angesehen werden, verteilt man mit Schreibmaschine gefertigte kleine Handzettel, welche zum Beitritt in den Jung-Spartakusbund auffor­dern. Man macht durch diesen Zettel die Kinder auf die Aufgaben und die Gebote aufmerksam, die ein „Pionier des Bundes" zu erfüllen habe.

Nach dem geheimen Zettel, gehört zu den „Ge­boten des Pioniers", daß er der Masse der Arbei­terklasse, dem .Vermächtnis Lenins", immer treu ist. Er hat die Kinder seiner Umgebung zu or­ganisieren und dann am Kampf der Arbeiterklasse teilzunehmen. Als Aufgabe des Pioniers werden in der Schule vor allem aufgeführt: Organisation zum Kampf gegen „reaktionäre Lehrer". Der Pionier hat weiter Maßnahmen zu treffen die eine erfolgreiche Ausschaltung der Kinderorganisa- tionen gewährleisten, welche die Arbeiterkinder vom Kampf für ihre wirtschaftlichen und politischen Interessen abzuhalten suchen. Erste Aufgabe ist es auch, in jeder Schule und Klasse eine Zelle des Pionierverbandes zu schaffen. Auf der Straße hat

der Pionier dis Aufgabe, sich an alle heranzudrän­gen, sich also nicht abzusondern. Er soll Spiele, Wanderungen und Versammlungen anregen und organisieren, um so die Ideen unauffällig verbrei­ten zu können. Zu diesem Zweck tritt er in allen Fragen als „Freund und Helfer" der anderen Ju­gend auf. Aber damit noch nicht genug. Der Pionier hat überall und in allem die kommuni­stische Partei zu unterstützen. Er hat sich an De­monstrationen zu beteiligen und bei Streiks zu helfen. Oberste Pflicht eines jeden Pioniers ist es, alle „Verleumder der Sowjetunion" zu be­kämpfen und die Arbeiterkinder darüber aufzuklä­ren, daß die Sowjetunion als das „Vaterland al­ler Arbeiterkinder" gegen alle Feinde geschützt und verteidigt werden muß. Erst wenn der neu Ein­getretene, so sagt die Schrift in einem Satz, vor versammelter Zelle das Versprechen zur strikten Innehaltung der Gebote und Aufgaben abgegeben hat, ist er berechtigt — hiermit wendet man sich an Stolz und Dünkel der Kinder —, Titel, Tuch und Abzeichen zu tragen.

Dieser Bericht wird illustriert auch durch die zahlreichen Beobachtungen, die namentlich in al­len Großstädten und Jndustrieorten gemacht sind. Alle diese Berichte lassen erkennen, daß diese Zel­len evident den offensiven Zweck haben, planmäßig die ruhige Arbeit der Bekenntnisschule zu stören und die Kinder zum marxistischen Schulkampf in seiner bolschewistischen Ausgestaltung zu verhet­zen. Offensichtlich ist, daß es bei diesen Bestre­bungen sich nicht um den Schutz der reichsverfas­sungsmäßigen Freiheit der Kinder kommunistischer Eltern handelt, sondern um einen Kampf gegen die Religion, gegen die soziale Versöhnung, gegen die christliche Bildung und gegen jede geordnete Erziehung.

Das ganze katholische Volk und alle chrisüich gesinnten Kreise haben das Recht, wirksame Ab­hilfe gegen dieses Treiben von der Schulverwal­tung zu verlangen. Die Oberhirten der preußi­schen Diözesen richten daher an das Ministerium die dringende, ernsthafteste Bitte, alle die Maßnah­men zu ergreifen und durchführen zu lassen, die gegen das bezeichnete gemeingefährliche Treiben im Rahmen der energischen Maßnahmen der Reichs­regierung gegen Gottlosenbewegung, gegen Ver­hetzung, gegen Volksbeunruhiaung und gegen Entsittlichung liegt, darf als Unterstützung dieses unseres dringenden Ersuchens Erwähnung finden

Gez.: A. Kardinal Bertram

Ul

as der Vauern-Mlor heim sagt.

Sehr nützlich zu lesen, namentlich für Landwirte, -ie -as Denken nicht verlernt haben.

Dr. Heim, der bayerische Bauernführer, der seine reiche Lebensarbeit dem deutschen Bauern­stand gewidmet hat und heute, in sehr vorgeschritte­nem Alter noch immer mit rührender Sorge an das Schicksal des deutschen Bauern denkt, schreibt in einem Zeitungsartikel „Um Glück und Ende der Nationalsozialisten" u. a. folgendes:

Was erwartet man vom Nationalsozialismus?

Die Industriellen erwarten sich vom National­sozialismus Befreiung von Sozialisten: das sagt man natürlich nur innerhalb der vier Mauern. Angestellten und Arbeitern wird ein Himmelreich auf Erden versprochen, wie seinerzeit von Effner eine Zeit der „Schönheit und Würde". Dem städ­tischen Verbraucher wird die Senkung der Preise versprochen, dem Bauern höhere Einnahmen für seine Produkte. Dem Beamten gegenüber wettert man gegen die Gehaltskürzungen durch die Notver­ordnung; frühere Offiziere sehen sich in der Rolle von Generälen; die jungen Kaufleute und Ange­stellten erwarten bessere Tage, denn „schlechter kann es nicht mehr werden", meinen sie. Die Stu­denten erwarten Stellungen. Verschuldete Existen­zen erwarten Befreiung von ihren drückenden Schulden, mindestens aber rechnen sie auf die be­rühmte Zinslosigkeit, weil dann die Schuldenhöhe keine Rolle mehr spielt. Der Agitator der natio­nalsozialistischen Partei spricht in der Stadt anders als vor den Bauern, mindestens verschweigt man in einem Falle, was man im andern sagt. In

katholischen Gegenden läuft die Walze über reli­giöse Fragen anders, als in protestantischen.

Gewissenhafte Parteien

können agitatorisch mit solchen Mitteln nicht ar­beiten; dazu fehlt ihnen die Hemmungslosigkeit. Ih­nen bleibt als Waffe nur die fortwährende Beto­nung ihrer Grundsätze, der unermüdliche Appell an die Vernunft, die fortgesetzte Aufklärung und star­res Festhalten an Grundsätzen, die kein Feilschen und kein Wanken vertragen. Es ist heute aller­dings Pflicht der positiv eingestellten Parteien, un­ermüdlich auf die Walstatt zu ziehen. Schwere Zeiten — schwere Pflichten! Parteien, die einer noch so erfolgreichen, aber notwendigerweise kurz­lebigen Bewegung Zugeständnisse machen oder im Anschluß an sie etwas erhoffen, werden und müssen untergehen. Hier gibt es nur ein Entweder — Oder. Es ist eine alte Erfahrung, daß der Radika­lismus nur von einer noch radikaleren Bewegung abgelöft wird — zur Selbstvernichtung. Auf Mirabeau folgten Danton, Marat, Robespierre.

Die Klippe für radikale Bewegungen, für hem­mungslos kritisierende Parteien kommt jeweils bann, wenn sie zur Verantwortung kommen, wenn die Hoffnungswechsel fällig werden.

was wird dann fein?

Angenommen, die Nationalsozialisten bekom­men die Zügelführung, ganz gleich ob auf trocke­nem oder auf nassem Wege, durch Parlaments­mehrheit oder Gewalt — bei der Erschöpfung der

daß Hitlers Kommen die Not behebe. Das kann Hitler nicht erfüllen. Die Folge der Ent­täuschung wird sein, daß ein großer Teil seiner An­hänger zu einer noch radikaleren Bewegung über­läuft, zum Bolschewismus. Im Augenblick, wo Hitler zur Regierung kommt, blüht der Weizen der Opposition; die Rollen werden vertauscht. Die Opposition ist immer im Vorteil, besonders wenn sie hemmungslos ist; denn es ist leichter zu kritisie­ren, als besser zu machen. Die Schlußfolaerungen ergeben sich ganz von selbst. Da eine Besserung der Verhältnisse einen kmafemen Geduldswea vor­aussetzt, aber den durch seine Agitation verhetzten Massen die erweckten Hoffnungen nicht erfüllt wer­den können, werden die enttäuschten Massen zum großen Teil den Weg zum Bolschewismus finden. Das ist die unausbleibliche Entwicklung.

Es gibt

nur eine Hoffnung,

daß das Bürgertum sich noch besinnt. Die Zerrei» bung der Mitte ist ein Unglück. Bis ictzt hat nur das Zentrum mit feinen katholischen Wählermassen Widerstand geleistet. Das Bürgertum, besonders die Intellektuellen, versagt vollständig. Industrie, Handel, Banken und Versicherungsbanken unter­stützen Hitlers Bewegung mit ihrem Geld. Eines Tages werden sie sehen, daß sie auf einen falschen Gaul gewettet haben. Es ist unerklärlich, mit welcher Leichtfertigkeit und Oberflächlichekit man sich in solchen Kreisen, wo die Intelligenz zu su­chen ist — ich will mich gelinde ausdrücken —, ohne jede Kritik Hoffnungen hingibt.

Es wird im Falle des Nationalsozialismus

ein furchtbares Erwachen

fein, wenn die Geldfpender aus Industrie, Banken, Versicherungsgesellschaften, Handelsfirmen, statt Besserung ihrer Lage den Zusammenbruch erleben. . . . wenn diejenigen, die gesagt haben, daß es wohl noch schlechter kommen ‘ kann . . . wenn Kleinrentner abermals ihre Sparpfennige verlie­ren . . . wenn Beamte einsehen, daß kein G e •

ganzen Wirtschaft werden fie zum Desfermachen nicht lange Zeit haben. Sie müssen dann sofort ihr Können zeigen. Erste Frage: Wo sind die Männer in der nationalsozialistischen Bewegung, die in der komplizierten modernen Staatsmaschine einschließlich der Wirtschaft das Steuer zu führen irgenbeinmat ober irgendwo den Befähigungs­nachweis erbracht haben, oder die diese Hoffnung rechtfertigen? Oder fft für die schwierigste Arbeit die beste Eignung der Mangel jeden Befähigungs­nachweises?

Hitler glaubt wohl, seine Anhängerschaft werde feiner Parole, wenn er zu Gewalt komme, unbe­dingt Folge leisten, wie in Italien die Faschisten Mussolinis. Da sind doch einige Fesfftellungen von

llnlerschieden zwischen Mussolini und Hiller zu machen.

Ich will einmal von der persönlichen Parallele und dem wichtigen Faktor „Aeußere Politik" ganz absehen. Mussolini kehrte nicht nur dem Marxis­mus, sondern auch dem Sozialismus den Rücken und machte die Schwenkung zur bürgerlichen Wirt­schaft. Er suspendierte vorher vom Parlament be­schlossene sozialistische Maßnahmen (Sozialisie­rungsgesetze). Er schloß mit dem Vatikan Frieden und dachte nie an ein auf Vesta oder Jupiter oku­liertes Christentum. Der Nationalsozialismus Hitlers und fein Anhang betont demgegenüber im­mer wieder feine sozialistische Einstellung. In Italien waren im Parlament, das Mussolini aus- einandertrietb, von 535 Abgeordneten 138, d. s. 26 Prozent marxistisch; in Deutschland sind es von 677 Abgeordneten 220, d. s. 34 Prozent. In Ita­lien gab es bei Beginn der faschistischen Regierung 43 marxistische Zeitungen und Zeitschriften, in Deutschland sind es 247. Der bisherige Verlauf aller Wahlen in Deutschland zeigt, daß Hitler an dem marxistischen Block nicht gerüttelt hat, daß seine Geldgeber sich in dieser Beziehung getäuscht sehen. Bisher radikalisiert er nur die bürgerlichen Parteien, Zentrum und Bayerische Volkspartei ausgenommen.

Herr Hitler, wenn er zur Regierung kommt, rechnet wohl darauf, er hätte die Massen so in der Hand wie Mussolini. Aber da überschätzt er sich und unterschätzt er die Verschiedenheit der Lage in beiden Ländern. Mussolini hat mit der rein patrio­tischen Formel feinen Erfolg errungen. Die Agi­tatoren Mussolinis haben nicht mit solchen agitato­rischen Mitteln gearbeitet und die Köpfe verdreht, wie die Sendling« Hitlers. Herrn Hitler passiert die große Täuschung, die immer auf Selbstüber­schätzung beruht, daß er glaubt, er könne zur Macht gekommen, das Schiff nach seinem Gutdünken steuern. Man kann über Nacht Taktik und Politik umstellen, nicht über die Köpfe. Die hemmungs­lose Agitation wird sich rächen. Hitler ist nicht der erste, dem dieser Rechenkehler passiert.

Angenommen, Hitler kommt zum Zug, dann muß

die Enttäuschung und der Rückschlag kommen.

Es ist die große Frage, wie sich dieser Rückschlag auswirkt. Zunächst lebt die Maffe in der Hoffnung,

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halt schlechter ist als ein gekürzter ... wenn Arbeitslos« einsehen, daß eine karge Unterstützung besser ist als keine ... wenn den Bauern nach dem hessischen Verschwörungsrezept ihre Produkte ohne Entgelt weggenommen werden . . .

Die Aufgaben, falls die Nationalsozialisten zum Regiment kämen, müßten sehr schnell, gründ­lich und sofort Besserung zeigend, gelöst werden. Dazu fehlen alle Voraussetzungen versönlicher und sachlicher Art und alle Möglichkeiten.

6s gibt nur einen langsamen Weg zum Wieder­aufstieg,

den der Geduld, getragen von Vaterlandsliebe, von Selbstaufopferung, von Verständnis, von Gemein­schaftssinn, Opfersinn, franziskanischer Liebe.

Das Vähruugsgefichl des heutigen Europa.

Unsere Karte veran­schaulicht, wieweit der Verfall der Geldwährung Europas bereits fortge­schritten ist. Nur noch 4 Länder, Frankreich, Belgien, Holland und die Schweiz, be­sitzen eine völlig intakte Goldwährung, wie sie vor dem Kriege alle europäischen Länder und die meisten Staaten der Welt gehabt hatten. Das Währungssystem der ganzen Welt ist durch di« Inflation in England er­schüttert, wie auch Ja­pans soeben erfolgter Uebergang zur Jnfla- tionspolitik zeigt. Soweit nicht offene Inflation herrscht, müssen die mei­sten Länder der West sich mit Zwangsmaß­nahmen zur Erfassung aller Gold- und Devisen­bestände durch die Krise helfen.

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FRKNKRE!

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□ Länder m. norm. Goldwährung

■ Länder, in denen die Goldwährung aufgehoben wurde (.Inflation)

MU Länder m. Zwangsbewirtschaftung f GoldDevisen ffl Sowjet-Russland: Doppelwährung f Binnen-v. Aussenverkehr tt*Holland- B*Belgien■S.'Schweiz D’DanemarkE.'Estland-LE.=LettlclLI.*Litauen fl

Ausserhalb Europas: .Inflation in Japan. Australien

Silberwährung m. schwankendem Wert in

China, Mexiko, Persien__

Afghanistan. Mfl

Ein Arbeitsloser erwacht.

Van Werner Dellers.

Schräg fällt bas erste, graue Licht des Tages durch Scheiben und Gardinen der Fenster. Langsam, unsäglich langsam dämmert der Morgen. Unheimlich zögernd schiebt er die Gegenstände des Zimmers Stück um Stück vor die wachen Augen. Zuerst das Weiß der Laken, verschwimmende Silhouetten der Bettpfosten, der Türe, des Schrankes und des Tisches. Mehr und mehr nehmen die Dinge Gestalt an, immer deutlicher heben sie sich aus der Finsternis. Man sieht die Konturen schärfer werden, die Verschiedenheit der Farben hervortreten, man ge­wahrt die Schlüssel in den Schlössern, den Kamm und die Zahnbüffte auf dem Waschtisch. Das Weiß der Laken beginnt zu leuchten.

Da liegt man und steht sich das alles an. Liegt und steht den Ablauf der Zeit. Beobachtet mit offenen Sin­nen, wie man älter wird. Man fühlt Minute um Minute aus der Ewigkeit emportauchen, Minute um Minute in die Ewigkeit zurücksinken. Niemand kennt ihren Schöp­fer, niemand kennt ihren Mörder. Die Sekunden werden geboren, auf daß sie sterben. Sie leben nur durch den Tod. Das ist das Mysterium der Welt. Da liegt er nun, ein bleicher, wächserner Körper, ein Mensch in sei­nem Bett. Da liegen Muskeln und Sehnen, ein Hirn mit Geist und Gedanken, ein Mensch mit einem Willen. Er ist da, die Zeit zu erfüllen. Nun ist er selbst ein Opfer der Zeit. Ins abgründig Bodenlose lenkt sie den Blick des Geistes, sie kommt und erdrückt den Körper. Der Geist wird irre von schmerzhaften Gedanken, und auf die Haut des Leibes tritt wässeriger Schweiß. —

Da liegen Füße zum Laufen und Hände, um zuzu­packen. Eine breite, harte Brust und sehnige, kraftge­schwellte Arme. Irgendwo steht eine Maschine, irgendwo liegen Rohstoffe, die auf das Nahen dieser Füße, auf den Zugriff dieser Hände warten. Sie warten vergebens. — lleberall liegt fruchtbare Erde, überall, stehen Maschi­nen, die Früchte der Erde nutzbar zu machen, lleberall hungern die Menschen nach Nahrung Kleidung und Glück. Sie liegen in ihren Betten mit wirren Gedanken und lasten die Zeit über sich kommen. Die Räder aber stehen still. Kein Pflug durchfurcht dos harrende Land.

Es gab eine Zeit, da das Bett dem Schlaf diente. Hakbfchlafend legte man sich hin, noch, schlafend stand man

auf. Nun kommt der Schlaf so spät und geht so früh. Dann krümmt man sich unter der Last der Zeit. Wenn man sich jetzt auf die linke Körperseite legt, wird man gleich wünschen, auf der rechten zu liegen. Wäre man doch nur krank! Er möchte eine große, schmerzhafte, blutende Wunde haben — im Bauch, im Rücken oder sonstwo. Dann wäre alles erträglich. —

Immer höher steigt der Tag. Es ist derselbe Tag, den er schon hundertmal gelebt. Es ist kein Leben mehr —

lieber dem Waschtisch hängt ein Bild. Er beobachtet es lange. Aus dem Rahmen schaut ein Zehnjähriger mit Matrosenanzug und Sulranzen. Mit blanken Augen blickt er in die Welt, und seine Blicke tauchen die Well in rosenrotes Licht. Nun ist er dreißig geworden und mit ihm die Welt. Düster und müde sind beide. Zerbro­chen ist alles: Die Liebe, die Hoffnung und der Glaube. Die Liebe verlosch mit den Eltern, die Hoffnung mit der Jugend, das Licht des Glaubens, als Siebe und Hoffnung starben.

Es wird Zeit aufzustehen. Es ist notwendig, daß man aufsteht. Man muß sich waschen und anziehen. Dann nimmt man Hut und Mantel, geht und stellt sich in eine düstere Reihe. In eine Reihe blasser, hagerer, wortkarger Menschen. Kein Mensch kann einen Tag, kein Mensch kann die Zeit stehlen. Die Zeit nimmt den Menschen, wälzt sich über ihn, erdrückt ihn. Die Zeit lebt nur durch den Tod. Und ihn erleiden wir tausendfach. —

Er sagt, ohne es zu bemerken, laut vor sich hin: „Das ist ja verrückt," und klettert langsam, ein wenig fröstelnd, aus seinem Bett. Dabei beschäftigen sich seine Gedanken mit der Hoffnung, daß ihm einer feiner Kollegen eine Zi­garette anbieten wird.

Sollen wir unsere Zllusionen bewahren?

Line Befrachtung von Emmy Ficus.

Was ist denn Illusion? Ist es wirklich nur Selbst­täuschung und Traum? Oder ist es mehr? Ist es nicht häufig ein Stück Tradition, ist es nicht oft der einzige Hoffnungsstrahl, der in beffere Zeiten hinüberleuchtet?

Wenn wir Stellung nehmen fallen zu diesen Fragen, müssen wir und vorerst über den Begriff »Illusion im Menfchenleben" klar werden.

Allerdings ist jede Jllufion eine Täuschung, eine Un­wirklichkeit, ein Stück Märchentraum. Zumeist sind

wir uns klar darüber, daß die Illusionen nicht Stand halten vor der nüchternen Sachlichkeit des Alltags. Manchmal bohren Zweifel im Unterbewußtsein und ver- leiten uns, mit unseren Träumen skeptffch zu ver- fahren.

Wenn wir auf das große Los hoffen, fo fft das eine schöne Illusion, die sich kaum je bewahrheiten wird Genau so ergeht es uns mit unseren Träumen, berühmt zu werden oder später ein eigenes Haus erwerben zu können. Zur jetzigen Notzeit bleibt es sogar eine Illu- sion, wenn wir auf baldige Anstellung ober reiche Ar­beitsmöglichkeiten warten.

Zumeist also — mangelt es der Illusion an Er f ül l u n g!

Wir glauben uns geliebt von einem edlen Menschen Auch das kann Selbsttäuschung sein. Wir lieben Jenen zumeist nur persönlich, und legen alle unsere Liebe in den Partner, verklären ihn mit unsrer eignen Liebe. Nicht vergebens heißt es ja: Liebe macht blind!

Aber wie glücklich und reich machen solche Illusionen!

Keineswegs fei hier unfruchtbaren Träumereien und Grübeleien das Wort geredet, auch nicht einer blinden Welffreudigkeit. Klare Erkenntnis des Erlebens und Geschehens müßte jederzeit verbunden sein mit sachlicher, nüchterner Selbsterkenntnis.

Nur dann ist ein erfolgreiches Wirken und Empor- entwickeln in unserer heutigen Welt möglich. Völlig verkehrt wäre es, den Kopf in den Sand zu stecken und alle Ereignisse passiv an sich herankommen zu lassen, im schönen Glauben, daß alle Träume Wahrheit werden.

Das hieße die Illusionsfähigkeit stark übertreiben!

Häufig jedoch sind unsere Illusionen taffächlich der einzige Stern, der die Nacht unsrer Trübsal erhellt. Durch Alltag, Mühsal und Sorgen wirft dieser Stern einen hellen Schimmer auf unsere steinige Wanderung der Stern unserer Träume sttahlt Hoffnung, Mut und Zuversicht aus. Wer möchte freiwillig auf diese starken Helfer im Lebenskampf verzichten?

„Einmal wird alles gut werden!" tröstet die Hoff­nung und gibt dem Menschen die Kraft zum Weiter­leben.

„Du mußt stteben, arbeiten, voranschreiten!" mahnt der Mut: „Dann bist du bald am Ziel deiner Träume!" Und er verleiht uns Ehrgeiz und Strebsamkeit in rech­tem Ausmaß.

„Ueber den Sternen lenkt ein gütiger Gott unsere Geschicke. Er weiß was gut ist oder schadet dem sterb­lichen Geblüt!" flüstert die Zuversicht. Und flößt der Seele jenes unbeirrbare Gottvertrauen ein, den Kernpunkt aller Hilfe im Alltagsstreit, ohne welches un­ser Leben nur in Nacht und Wolken verlaufen würde.

Gerade im Gottoertrauen wurzeln Glaube, Hoffnung, Mut und Zuversicht, wurzelt auch die Liebe, die trotz aller Fehlschläge und Enttäuschungen eisenfest im Men- ichenherzen verankert ist.

Vielleicht ist auch die Liebe nur eine Jllufion. Aber bann gewiß b i e f ch ö n ft e von allen, bie uns zu Blüte unb Frucht bringt und zu guten Werken anregt. Und um ber Liebe willen, bie unser Dasein berei­chert unb Gerebelt, sollen wir unsere Illusionen s e st - halten unb bewahren. Der Lohn, der uns im Jenseits erwartet, der Frieben in einer besseren Welt, — er wirb wahrlich keine Illusion sein!

— Der Diensteid des Stallknechts. Es wird heute von vielen Seiten darüber geklagt, daß Staat und Ge­meinden mit der Beamteneigenschaft zu freigebig feien und Verrichtungen, bie auch von Nichtbeamten ausge­führt werden könnten, durch vereidigte, lebenslänglich angestellte und pensionsberechtigte Stelleninhaber aus­führen ließen. In früherer Zeit aber war dies noch viel schlimmer. Wenigstens muß es so scheiben, wenn man die Rechnungsbücher des preußischen Königshofes aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zur Hand nimmt, und vor allem die „Hofordnung". Da erfährt man, daß einfach alle Personen, die irgend welche Dienste am Hof zu verrichten hatten, lebenslänglich angestellt unb pensionsberechtigt waren, bis hinunter zu den Köchen, den Dienstmädchen und den Stallknechten. Da diese alle Beamten bezw. Beamtinnen waren, gab es natürlich für sie auch einen Diensteid, und zwar für jeden Beschäf­tigungsgrad einen besonderen ber Beschäftigung ange- paßten. Es gab einen Lakaien-, einen Küfer-, einen Dienstmäbcheneib usw. Natürlich auch einen für ben Schloßhof- unb Stallknecht. Dieser fei, wenigstens aus­zugsweise. als Beispiel hergesetzt: „Ich verpflichte mich, allzeit dahin zu sehen, daß sowohl bie königlichen Schlös­ser wie die Schloßhöfe allezeit sauber gekehrt gefunden werden. Wenn der Müll und der Kehricht aufgeladen und abgefahren wird, will ich allemal dabei sein und will wohl darauf achten, daß nichts liegen bleibt."