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Nr. 291

Beilage zur Fuldaer Aeiluug

17. Dezember

Maria Immaculata.

Nach einem Liede aus dem 13. Jahrhundert.

Der Engel, du, o reine Magd, hat durch den Gruß mir viel gesagt, wann ich mit demutschwerer Hand die Schrift von seiner Sendung fand.

Pfingstblume, Dornenlose, du Iris, blühende Rose, du zarte, aller Reinheit Hut, darein sich herrlich Gott entlud!

Kein Damm, wenn Gott sich überfließt, kann hindern, daß er sich ergießt mit seiner Kräfte großer Zahl in deines Herzens schmales XaL

Nicht wird sich wandeln dein Gebild wann in der Gotteshitze mild das Silber fließt all niederwärts aus deines Leibes schwerem Erz.

Fruchthegend starke Hülle, aus der des Kernes Fülle, die volle Mandel braun sich drängt und nicht der Schale Form zersprengt!

Du bist das Glas, das heil im Licht der Strahl der Sonne hell durchbricht, bist aller Keusche angetraut, du makellose Gottesbraut.

Von -er Liebe zum Nächsten.

Gott lieben heißt, ihn selbst, sein Wollen, von Herzen bejahen, das wollen, was er will. Und nun will Gott nicht bloß sich selbst, er trägt und hegt in seinem unaus­sprechlich gütigen Willen alle Menschenkinder, er will chr Glück. Wer also Gott will, der muß die Menschen wol­len, wer Gott liebt, muß seinen Nächsten lieben, mit Gott zusammen, von ihm aus. Das ist die Nächstenliebe, die zweite Forderung des Hauptgebotes, aber mit der ersten Forderung zusammen nur ein Gebot: Das zweite ist dem ersten gleich nach den Worten des göttlichen Mei­sters. Wären es zwei Gebote: Gott lieben und den Nächsten lieben, so müßte man sagen, der Unterschied zwi­schen beiden Forderungen sei ebenso groß wie die Kluft, die zwischen den beiden genannten Objekten unserer Liebe, zwischen Gott und dem Menschen ist. Nun aber ist es ein Gebot: Du sollst Gott lieben und somit alles lieben, was Gott liebt. Er liebt die Menschen, er umfaßt mit Vaterliebe alle seine Kinder, dich unb die anderen: ihr seid eins in Gott, eins mit ihm und untereinander. Wie es nun undenkbar ist, daß in einer menschlichen Familie ein Kind beim Blick auf Vater und Mutter seine Ge­schwister ausschließt, wie die übrigen Kinder der Eltern, die ihren Platz unverlierbar im Herzen von Vater und Mutter haben, zugleich mit den Ellern und in ihrer Siebe mitgeliebt werden, so daß die Familie eine Einheit, eine Lebens- und Liebesgemeinschaft ist, — so kann meine echte Liebe zu Gott unmöglich von seinen anderen Kin­dern absehen; ich finde sie in seinem Herzen, in seinem Wollen, in seiner Liebe, mit der ich mich eins erkläre. Wer Gott liebt, wahrhaft liebt, liebt auch den Nächsten. Nicht unabhängig von Gott, nur auf dem Wege über

Gottes Liebe. Denn jede Seelenkrast, die ich auf die Liebe zu einem Menschen verwende, außerhalb seiner Beziehung zu Gott, nur in Hinsicht seiner Stellung zu mir, ist ein Raub an der Gottesliebe. Was bleibt mir zu verwenden für Anderes, für Menschen als Menschen, von meiner Lebenskraft übrig, wenn ich tatsächlich Gott liebe aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus gan­zem Gemüte und aus allen meinen Kräften? In Wirk­lichkeit darf und soll ich nur Gott lieben; aber diese Got­tesliebe schließt die Liebe zum Nächsten wesentlich ein.

Die Forderung: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst"', hat natürlich, wie Mater Theresia Breme in ihrem ungemein lesenswerten Büchlein „Liebe, Demut und Abtötung" (Verlag Ferdinand Schöningh-Paderborn) schreibt, wie das ganze Hauptgebet, zur Voraussetzung unser übernatürliches Verhältnis zu Gott. Es ist der Familiengeist, der, von Gott dem Vater ausgehend im hl. Geiste alle Glieder Christi zu einer Gemeinschaft um­schließt. Der hl. Johannes sieht in dieser Liebe zum Nächsten den Erweis unserer Kindschast Gottes: „Wir wissen, daß wir aus dem Tode zum Leben hinüberge- gangen sind, weil wir die Brüder lieben. Wer nicht liebt, bleibt im Tode". (I. Ioh. 314). Das Naturgesetz, das den Menschen als bloßen Menschen in seinem natür­lichen Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen ver­pflichtet, kennt diese Nächstenliebe nicht . . . Der Mensch ist seiner Natur nach Gemeinschastswesen, und es ist ihm und seiner Art entsprechend, mithin von Gott gewollt, daß er die Liebe zu sich selbst auf das erweiterte Ich in der Gemeinschaft ausdehne. Daher ist es natürlich, dem Naturgesetz gemäß, daß der Mensch seine Familie „liebe", das heißt ihr Wohl und Wehe wie das f einige empfinde und beachte. Und wie die Familie sich erweiternd zu allen anderen sozialen Formen in politischer, wirtschaft­licher und geistiger Hinsicht hinüberleitet, so wird und muß auch das liebende Interesse des Menschen, — je nach seiner Einsicht und Teilnahme an solchen Formen der Verbundenheit — anderen Menschen gelten. Hochstehende Geister werden sich als verbunden mit der gesamten Menschheit, als Glied des Ganzen fühlen . . .

Kleinere Menschen werden die Grenzen ihrer wohl­wollenden und mitempfindenden Teilnahme enger ziehen müssen. Jedenfalls bringt ein natürlicher Mensch dem andern Menschen, den er in keiner Weise als Erweite­rung seines Jchs empfindet, nur Erfüllung der Gerechtig­keit entgegen: Jedem das Seine. Zu den Arten der na­türlichen Liebe gehört Eltern-, Gallen- und Kindesliebe, Geschwister- und Verwandtenliebe, Liebe zu den Volks­genossen und zum Vaterlande, Liebe, die auf geistiger Interessengemeinschaft beruht, dankbare Liebe, Freundes­liebe. Diese Liebe ist notwendig exclusiv und stark ab­gestuft, je nach der Verwandtschaft des Geliebten mit dem eigenen Ich. Und da der Mensch seiner Natur nach zwei Gebieten angehört, dem sinnlichen und dem geistigen, so kann der Schwerpunkt dieser naturhaften Liebe entweder im Leidlichen oder im Seelischen liegen. Echt menschliche Siebe wird immer, wie der Mensch selbst, eine Zusam­mensetzung aus beiden Elementen fein; menschenwürdig ist allein ein Uebergewicht des Seelischen. Biegt Anreiz zur Liebe und Zweck derselben rein im Leiblichen befan­gen, so wirkt sie erniedrigend. Aber selbst die seelische, rein geistige Liebe, die auf Selneharmonie gegründet ist und Seelenpflege und Seelenluft als Wirkung hat, bleibt nicht ohne leiblichen Ausdruck und sinnenfällige Dar­stellung.

Frau und Wintersport.

Was der Arzt dazu zu sagen hak.

Von Dr. med. F. Mose r-Berlin.

Die moderne Frau hat sich in den letzten Jahren, insbesondere in der Nachkriegszeit, immer mehr alliv an den verschiedenen Arten des Wintersportes beteiligt, der in allen seinen Zweigen, wenn man von den nerven- aufpeitschenden Wettfahrten auf den Rodelbahnen und im Skigelände absteht, als wertvolle Förderung der Frauen- gesundheit beachtet werden muß, wenn er mit Maß und Ziel betrieben wird. Daran fehlt es aber sehr ost. Die Frau übt selten den Wintersport allein aus, vielleicht höchstens auf der Eisbahn beim Schlittschuhlaufen. Geht sie rodeln und skilaufen, befindet sie sich meist in männ­licher Begleitung, was schon aus dem Grunde zu be­grüßen ist, weil der Wintersport im Gebirge, und darum wird es sich wohl in den meisten Fällen beim Skilaufen und Rodeln handeln, nicht immer ungefährlich ist, so daß jeden Augenblick auch auf einem an sich gefahrlosen Ge­lände Unfälle eintreten können. Der männliche Sport geht nun von ganz anderen Voraussetzungen aus, da der Mann feiner ganzen körperlichen Struktur nach lei­stungsfähiger und ausdauernder ist als die Frau. Nun will es manche wintersporttreibende Frau und vor allem die Heranwachsende weibliche Jugend den Männern oft gleichtun, man wlll sich nicht beschämen lasten, „was die können, können wir auch" wird gesagt. Stundenlang steigt man bergauf, in dickem, verharschten Schnee, zent­nerschwer hängen die Skier an den Füßen, schwer geht der Atem, man gönnt sich keine Ruhepausen, der Ruck­sack drückt; auf die Frage eines teilnehmenden Herrn, ob man müde sei, antwortet man mit einem stolzen „Nein" und wenn dann die Höhe glücklich erklommen ist, hat man Herzklopfen, Ohrensausen, Nasenbluten, man frästet und ist todmüde, alles Zeichen einer körperlichen Ueberanstrengung, die sich an den Organen des Körpers auswirken muß. Die Sportärzte und vor allem auch unsere Frauenärzte, könnten hunderte von Fällen aufzählen, wo der erste Anstoß zu einem schweren Herz­

klapps, der sehr oft überhaupt nicht mehr auszuheilen ist, auf einer Wintersportfahrt seinen Ursprung hatte. Jeder wirkliche Sportsmann wird Verständnis dafür haben, wenn Damen beteiligt sind, daß die Rücksicht genommen wird, die den schwächeren Kräften der Frau entspricht, selbst dann, wenn sie es nicht will. Es ist ja schließlich auch gleichgültig, ob man an einem Tag einige Kilometer mehr oder weniger zurücklegt. Zweck jeden Sportes, auch im Winter, bleibt die Kräftigung des Körpers, der nicht verbraucht werden, sondern seine Spannkraft wiedergewinnen soll. Zum Wintersport der Frau gehört aber auch eine gute, sachgemäße Aus­rüstung. Besonders avf Kleidung und Schuhwerk muß geachtet werden. Die Kleidung soll nicht nur dezent sein, sie muß auch dem besonderen Zweck entsprechen, also wärmen, und der Nässe einen gewissen Widerstand bieten. Durch die Verarbeitung der sog. wasserdichten Wolle, die schneeundurchlässig ist, also das Abtauen am Körper verhindert, hat man jetzt eine Wintersporttlei- dung auf den Markt gebracht, die vorn ärztlichen Stand­punkt mir begrüßt werden kann. Denn die meisten Er- tättungen, die verschiedenen Grippen, Lungenentzündun­gen usw. entfielen nicht beim Skilaufen oder Rodeln selbst, sondern während der Ruhepausesi, wo der auf den Kleidern sitzende und abtauende Schnee eine rasche Minderung der Körpertemperatur mit sich bringt, die erste Ursache für die Erkrankung. Auch naffe Füße sind gefährlich, daraus muß immer wieder hingewiesen wer­den, deshalb sollte die wintersporttreibende Frau Ersatz­strümpfe, vielleicht auch das eine oder andere wärmende Ersatzkleidungsstück bei sich haben, um in geeigneten und notwendig erscheinenden Fällen sich umziehen zu können. Lieber etwas mehr tragen, als wie sich er­kälten und krank werden. Das ist nämlich nicht der Zweck des weiblichen Wintersports.

Vom Schenken.

Ls müffen nicht immer die gleichen Geschenke fein.

Von Otto Bu r g e l-Düsfeldors.

Das Schenken ist eine Kunst, die wie alles auf dieser Wett gelernt fein will.. Alljährlich wird zu Wechnachten eine Unmenge Geld nutzlos zum Fenster hinausgeworfen für Geschenke, die in ihrer Alltäglichkeit besser unterblie­ben wären, weil sie dem Spender nur eine Last sind und auf der anderen Seite dem Beschenkten auch keine Freude wachen können, wenn er fühlt, daß das Geschenk nicht wirklich aus dem Herzen heraus gegeben ist. Niemals sollte man schenken, nur, damit etwas aus dem Gabentisch liegt, sondern jedes Geschenk muß sorgfällig erwogen und geprüft fein. Wer sich nun die Zeit nimmt, ein wenig

darüber nachzudenken, was man zu Weihnachten schen­ken könnt«, der wird auf Gaben kommen, die gar nichts Alltägliches an sich haben, und die ttotzdem und vielleicht gerade deshalb besonders gern genommen werden. Aller­dings kommt es auch dabei darauf an, genau zu über­legen, wer eine bestimmte Gabe haben soll, denn es hat z. B. keinen Sinn, einem völlig unmusikalischen Men­schen eine Karte für einen Konzertzyklus zu schenken, während der Musikfreund dieses Geschenk mit Begeiste­rung anerkennen wird. Es gibt wohl kaum jemand, der einen Gutschein für eine Theaterkarte oder gar für ein Theaterabonnement ablehnen wird, ebenso wenig wie ein Abonnement für einen Stadtpark usw. verschmäht wird. In manchen Städten hat man sich schon auf diese neue Art des Schenkens eingestellt, es gibt z. B. in Berlin kleine Büchlein, in denen verschiedene Gemäldegalerien

ihre Eintrittskarten vereinigt haben, ein Geschenk, das der freudigen Dankbarkeit des Beschenkten gewiß ist, wenn es sich um einen Kunstfreund handelt, Bücherabonnements, die dem Beschenkten die Auswahl gestatten, der fortlau­fende Bezug einer teueren Zeitschrift wissenschaftlicher, künstlerischer oder unterhallender Art, all das sind Dinge, die unterm Weihnachtsbaum mit Dank angenom­men werden. Wieder anderen macht man mit einer sel­tenen Pflanze, einem Mineral, einigen sorgsam ausge­wählten Briefmarken größeres Vergnügen, wie mit den kostbarsten Alltäglichkeiten. Ich kannte eine junge Dame, die alljährlich zu Weihnachten einige stachlige Kaktus­pflanzen bekam. Nicht mein Geschmack, werden viele sa­gen. Zugegeben! Aber wenn ich dann sah, wie das junge Mädel die Pflanzen Jahre hindurch gehegt und gepflegt hat, wie sie wuchsen und gediehen und in stolzer Schönheit prangten, als andere nicht weniger kostbare

Weihnachtsgeschenke längst vergessen waren, dann mußt« ich mir doch sagen, daß der Spender der Kakteen mit seinem Geschenk das Richtige getroffen hatte. Und es gibt noch eine Menge ähnlicher Dinge, die man getrost zu Weihnachten schenken könnte, wenn man ein wenig nachdenken wollte. Kleine Wochenendfahrten, für die man neuerdings Gutscheine ausgibt, eine hübsche Som­merreise für den größeren Geldbeutel, Gutscheine für eine Reise mit dem Flugzeug, all das sind Weihnachts­geschenke, die sicher nicht doppell und dreifach gegeben werden und die doch Freude machen, wenn sie zu dem Charakter und zu den Interessen des Beschenkten einiger­maßen passen. Also gedankenlos darf man nicht schenken, das überläßt man denjenigen, die im Geschenk ein „Muß" sehen. Uns ist jedes Geschenk, auch das kleinste, Herzens- jache.

Was soll man beim Essen denken?

Von Johannes H a r t i g-Leipzig.

Daß die Bekömmlichkeit der Nahrung recht erheblich von der Stimmung abhängt, in der man die Nahrung zu sich nimmt, weiß sicher jeder von uns. Wenn man ißt, muß man sich also stets aufs Essen und über das Essen freuen. Wer mit Freude ißt, wird nicht nur finden, daß das Esten gut schmeckt, sondern gleichzeitig verspüren, daß das Esten besser bekommt. Wie die Nahrung verdaut wird, ist schlechthin entscheidend für die Ernährung unseres ganzen Körpers. Nicht von dem, was wir essen, leben wir, sondern von dem, was wir verdauen; und es kommt nicht nur darauf an, was man ißt, sondern noch mehr, wie man ißt.

Wenn man Appetit hat, so weißt der Arzt, daß sich km Magen des Betreffenden ein Ueberschuh an Ver- dauungssästen befindet, der seiner Zweckbestimmung harrt. Die Entstehung des Magensaftes unterliegt vie­len Einflüssen, die von der Gefühlsseite Herkommen. Wenn man an etwas Schmackhaftes denkt, läuft einem das Wasser im Munde und ... im Magen zusam­men. Ist diese Tatsache nicht der beste Beweis für die Berechtigung der Forderung, sich stets vergnügt zu Tisch zu setzen?

Daß das Seelenleben einen großen Anteil an der Verdauung hat, beweisen auch zahlreiche Suggestions­versuche. Suggeriert man zum Beispiel beim Essen eines sehr schmackhaften Gerichtes Ekel, so kann es leicht zum Erbrechen kommen, während ein fade schmeckendes Ge­richt mit Heißhunger verschlungen wird, wenn man Appetll suggeriert. Es ist also sehr wohl möglich, Träg­heit der Verdauungsorgane auf seelisch-geistigem Wege zu Hellen.

Stets muß man beim Essen denken, daß es die freu« dige Stimmung ist, die das Esten wertvoll macht. Nie darf man beim Esten den Zweck des Essens vergessen:

das Kauen gehört bereits zu den Verdauungsvorgän­gen, darum soll man immer bewußt tauen.

Alles, was die freubige Stimmung beeinträchtigen könnte beim Esten, muß vermieden werden. Haß, Zorn, Aerger, Unruhe und Aufregung dürfen keinen Platz am Eßtisch finden, vielmehr sollen Frohsinn und Ruhe an deren Stelle treten. Außer dem Esten darf man nicht gleichzeitig etwas anderes tun, etwa lesen ober ernst« Gespräche führen. Lust und Liebe gehören stets zum Essen, wenn die Nahrung bekommen soll. Getränke machen dagegen die Wirkung der durch freubige Stim­mung heroorgerufenen erhöhten ’Kagenfaftabfonberung zunichte, da die Säfte verdünnt werden.

Wenn du eine Speise nicht magst, laß sie stehen. Widerwillig Genossenes ist schädlicher als Fasten. Fin­dest du aber keinen Grund des Mißbehagens, so über­winde es. Gelingt es dir nicht, die Eßlust zu überwin­den, so warte, bis sich der natürliche, gesunde Appetit einstellt. Zur Erhöhung des Appettts trägt die appetit­liche Aufmachung bei. Ein Teil der Nahrung sollte stets aus Rohkost bestehen, da zum Beispiel rohe Früchte die Magensastabsonderung stark anregen.

Essen wir zu heiß, so schädigen wir unsere Speise­röhre und den Magen, und das gleiche güt, wenn zu heiß oder zu kalt getrunken wird. Diejenige Tempera­tur der Nahrung ist die zuträglichste, die unserer Kör­pertemperatur (36.5 Grad Celsius) entspricht. Doch wie oft wird dieses Naturgesetz übertreten.

„Wenn es am besten schmeckt, soll man aufhören," diese alle Erziehungsregel gilt auch für uns. Ist der Hunger geftillt, so gibt der Magen damit zu verstehen, daß das natürliche Nahrungsbedürfnis unseres Körpers befriedigt ist. Im allgemeinen kann man behaupten, daß wir alle viel zu viel, weil über den natürlichen Be­darf essen.

WeihnachksgebSck.

Das Originatrqepf der Frau Aja für Frankfurter Brenten.

Im Hanse von Goethes Eltern auf dem großen Hirsch­graben in Frankfurt a. M. wurde immer gut gegessen und getrunken, wie wir aus den Briefen Johann Wolf­gangs an feine Mutter, die gute Frau Aja, wissen. Durch einen glücklichen Zufall ist uns ihr Originalrezept zu den Frankfurter Brenten erhalten, da es Ottilie von Goethe an die ihr befreundete Familie von Littrow nach Wien gesandt hatte, wo es im Familienarchiv aufbewahrt wurde. Das berühmte Rezept lautet: „1 Pfund mit etwas Rosenwasser feingestoßene Mandeln werden mit einem Pfund gestoßenem Zucker auf schwachem Feuer unter beständigem Rühren solange geröstet, bis sie sich trocken anfühlen. Dies wird dann in ein anderes, mit Zucker bestreutes Gefäß getan, mit einem Tuch bedeckt und an einem kühlen Ort aufbewahrt. Den folgenden Tag arbeitet man diese Masse auf dem Brett mit einem Eiweiß und vier Lot feinem Mehl glatt, rollt sie zweimef- serrückendick aus und drückt selbe mit den mit Mehl be­streuten Holzformen aus. Nachdem sie nun noch 24 Stun­den trocken liegen, werden sie auf einem heiß mit Wachs bestrichenen Blech gebacken". Kein Geringerer als Grill-

Zum Schutz gegen H r. . B

und&kalfunaiäk (41

parzer, dem Frau von Littrow alljährlich zu Weihnach­ten Frankfurter Brenten zu schicken pflegte, die nach dem Rezept der Mutter Goethes gebacken waren, spricht sich lobend über das köstliche Backwerk aus. Nur im Jahre 1866 müssen sie nicht recht weich gewesen fein, schreibt er doch damals an Frau von Littrow-Bischof: „Das Frankfurter Backwerk, wo ich mich zum ersten Male in meinem Leben mit Goethe an demselben Gegenstände messen konnte, fteilich nur im Beißen, hat mir aufs Neue gezeigt, wie dieser doch ein ganz anderer Kerl bis in sein hohes Alter war, als ich. Jedenfalls hatte er bessere Zähne!"

Baseler Lhristkindles Brot

750 Gramm Zucker werden mit 200 Gramm geriebe­nen Mandeln, 4 Eiern und 6 Löffeln Rosenwasser eine halbe Stunde gerührt, bis sich die Masse völlig aufgelöst hat. 20 Gramm Zimmt, 10 Gramm Muskat, 10 Gramm gestoßene Nelken, 2 Gramm Pfeffer, die abgeriebene Schale von 2 Zitronen und 50 Gramm Orangeat oder Zitronat sind die wesentlichen Gewürze, die man gut mit der Zuckermasse verrührt. Dazu kommen noch 2 Pfund Mehl, 200 Gramm Butter und eine kleine Prise Hirsch- hornsaz. Aus dem festen Teig sttcht man Figuren, die im warmen Ofen hellgelb gebacken werden.

Rheinischer Spekulatius.

Spekulatius rft das beliebteste Weihnachtsgebäck im Rheinland, das man vielfach auch zur Schmückung des Chrfftbaumes verwendet Die Hausfrau benötigt dazu 2 Pfund Mehl, 2 Pfund Zucker, 1 Pfund Landbutter, 6 Eier, 5 Gramm Zimmt, 5 Gramm Hirschhornsalz und nach Geschmack einige abgeriebene Zitronen. Man ver­

mengt die Butter mit dem Mehl, gibt nach und nach all« Gewürze und Zutaten dazu und läßt den Teig bann in lauwarmer Stube bis zum anderen Morgen stehen. Wer den Spekulatius besonders mürbe wünscht, knetet die Masse ein zweites Mal durch und lasse sie abermals 24 Stunden ruhen. Dann wird der Teig mH den Händen ausgebreitet, etwa messerrückendick. MH allerlei kleinen Förmchen sticht man ihn aus und backt ihn auf gewach­stem Blech hellgelb. In acht Tagen ist der Spekulatius weich. Man gibt ihn besonders gern zum Tee.

Der Weihnachts-Karpfen.

Von Doris Schneider-Breslau.

Der Karpfen ist der ausgesprochene Weihnachtsfisch, er fehlt in Norddeutschland und in Schlesien zu den Festtagen auf keinem Tisch und auch in Süddeutschland bürgert sich die Sitte des Karpfenessens immer mehr ein. Aber Karpfen und Karpfen ist zweierlei; wes einen recht allen Burschen erwischt, der Jahrzehnte im > Schlamm des Teiches gesessen hat, wird wenig Freude.' daran erleben. Am besten wird der Karpfen nach dem Fang ein paar Tage in klares, fließendes Wasser ge­bracht und erst kurz vor der Zubereitung abgeschlagen. Die Karpfen, die man in den Fischhandlungen der Städte kauft, sind meist auf diese Weise vor behandelt und einwandfrei. Wohl das bekannteste Karpfengericht ist

Karpfen blau.

Man setzt den ganzen Fisch in kaltem Wasser auf, dem man etwas Salz und Zwiebel, Petersilie, Lauch und nach Geschmack etwas Sellerie zugesetzt hat. Der Karp­fen darf nur einige Minuten wirklich kochen, er muß im übrigen in heißem Wasser gar ziehen. Man richtet den Karpfen mit Petersilienkartoffeln und zerlassener Butter an. Viele Hausfrauen geben in das Adkoch- wasser Essig, das ist jedoch nicht zu empfehlen, da der feine Geschmack des Fisches auf diese Weise verloren geht. Man kann den Karpfen auch in Stücke schneiden und bann abkochen. Die Stücke müssen aber int Gegensatz zu der ersten Zubereitungsart in kochendes Wasser gelegt werden. Der Karpfen braucht zu diesem Gericht nicht geschuppt zu werden.

Gebratener Karpfen.

Man schuppt den Fisch, schneidet ihn in daumendicke Scheiben, die man salzt und pfeffert, um sie dann einige Stunden liegen zu lassen, nachdem man sie noch mit Zi­tronensaft beträufelt hat. Bor dem Backen, das in reiner Butter geschehen soll, trocknet man die Karpfenscheiben leicht ab, wälzt sie in Mehl und brät sie dann gold­braun. Man gibt Kartoffelsalat oder geröstete Kartof­feln mit jungem Kopfsalat dazu.

Gefüllter Karpfen.

Von allen Fischen wird der Karpfen am meisten ge­füllt. In Pommern macht man eine Farce von Aepfeln, in Holstein eine solche von Kartoffeln mH Obst gemischt. Sehr fein schmeckt eine Füllung von gehackten Sardellen und Speck, die man mit hartgekochten Eiern vermischt. Da der Karpfen in Butter goldbraun gebacken werden muß, nehme man nicht zu große Fische. Mit Bratkartof­feln und Remouladenfauce ergibt sich ein wundervolles Festgericht.