Anzeiger für die Stadl Fulda und denLandkreis Fulda.
Amtliches Kreisblatt.
Nr. 291
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Donnerstag, 17. Dez. 1931.
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Zahrg. 58.
Kongretz-Debatte über Moratorium.
Die Amerikaner erklären, Frankreich fei über alles Erwarten zahlungsfähig.
wtb. Newyork, 16. Dezember. (Cig. Meld.) Die heutigen Morgenblätter betonen vor altem, mit welcher Schärfe die gestrige Kongreß-Debatte über das Moratorium geführt wurde. Hevvor- gehoben wird außerdem noch die Tatsache, daß auch der Newyorker Demokrat O'Connor den Präsidenten gegen die Angriffe Mac Faddens in Schutz nahm, der die Zugeständnisse Hoovers an die europäischen Staaten tadelte. Der republikanische Senator Ried erklärte, England und die Vereinigten Staaten hätten bei der Behandlung des ganzen Schuldenproblems den Kürzeren gezogen, da beide, nachdem die Schuldenverträge abgeschlossen waren, entdecken mußten, daß bie Zahlungsfähigkeit Frankreich s se h r v i el g r ö ß er sei, als irgendjemand außerhalb Frankreichs vermutet hätte. Frankreich sei heute in viel höherem Maße fähig, Zahlungen zu leisten, als Amerika Streichungen vornehmen könne. Amerika sollte nicht an die Revision dieser Schulden denken. „Times" berichtet, der demokratische Führer beider Häuser habe erklärt, daß die Haltung gegenüber der Moratoriums- frage eine Angelegenheit sei, die jedes Parteimitglied im Kongreß für sich zu entscheiden habe. Die von Mac Faddens angegriffenen Bankhäuser lehnen jede Aeußerung ab. Es heißt jedoch, daß der im AugenMck erkrankte Bankier Paul Warburg demnächst Mac Faddens antworten wird.
Der Kampf London-Paris.
wtb. Neuyork, 15. Dezember. (Eig. Meld.) „Wallstreet Journal" schreibt: In amerikanischen Finanzkreisen wird vielfach geglaubt, daß gegenwärtig eine schwere Schlacht zwischen der Bank von England und der Bank von Frankreich im Gange ist. Man ist der Meinung, daß die Bank von England planmäßig Sterlings verkauft, um Dollarguthaben für die Regelung des am 31. Januar fällig werdenden 75 Millionen Dollarkredits der Bundesreservebank zu bilden, und um durch Niedrighalten des Sterlingkurses den britischen Ausfuhrhandel zu fördern. Zur gleichen Zeit nimmt die Bank von Frankreich Sterlings-Ankäufe vor, um den Kurs des Pfundes
in die Höhe zu treiben und dadurch die Verluste zu vermindern, die die in London eingefrorenen französischen Kredite durch die Entwertung des Pfundes erlitten haben. *
wtb. Washington, 16. Dezember. (Cig. Meld.) Die gestern fällig gewesenen Zahlungen der alliierten Schuldnerstaaten an Amerika im Ge- iamtbetrage von 123 Millionen Dollar sind nicht geleistet worden. Die amerikanisch« Regierung betrachtet indessen die Schuldner dieserhalb nicht als im V erzug befindlich.
Die kommenden amsrikanischen Präsidcutschafts- wahlen.
wtb. Washington, 16. Dezember. (Eig. Meld.) Der republikanische Parteiausschuß beschloß gestern, eine nationale Konvention der Partei zum 14. Juni nach Chikago einzuberufen. Die Konvention soll die Kandidaten für die Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft der Vereinigten Staaten, über die nächsten November entschieden wird, ernennen.
Gebek um Frieden.
Der Erzbischof von Canterbury über die Abrüstung.
In dem Bittgottesdienst, der in L o nd o n in der St. Pauls-Kathedrale für das Gelingen der Abrüstungskonferenz abgehalten wurde, erklärte der Erzbischof von Canterbury, die Kulturwelt nähere sich einem neuen Wendepunkt in ihrer Geschichte. Die Abrüstungskonferenz werde die bedeutsamste Versammlung seit dem Friedensschluß von Versailles sein. Trotz der durch die verschiedenen Flottenkonferenzen beschlossenen Einschränkungen sei der Rüstungsstand so hoch wie zu v o r. England werde in starker moralischer Position auf die Konferenz gehen, da es bereits mehr als andere Länder Einschränkungen vorgenommen habe. Einem M iß l i n g e n der Konferenz könne nur mit größter Sorge entgegengesehen werden. Es könnte bedeuten, daß Deutschland aus dem Völkerbund austritt und sich sogar entschließt, mit der Erhöhung seiner eigenen Rüstungen zu beginnen. Es würde gewiß den schwersten Schlag für das Ansehen des Völkerbundes und alle seine Anstrengungen um die Errich- tung der internationalen Herrschaft der Vernunft und der Gerechtigkeit bedeuten.
Elnberusung des Reichstages abgelehnt. Die Landvolkpariei weiß die Leistungen der Reichsregiernng zu würdigen. — Ihr Arteil klingt anders als die Agitations- Reden der Rechks-Radikaten.
VDZ. Berlin, 16. Dez. (Eig. Meldg.). Der Aeltestenrat des Reichstages hat am Mittwoch vormittag die Anträge auf vorzeitige Einberufung des Reichstages von neuem abgelehnt. Für diese Anträge setzten sich nur die Nationalsoziali- st e n, die D e u t s ch n a t i o n a l e n, die Kom- m u n i st e n und die Deutsche Volkspartei ein, also keine Mehrheit des Reichstages. Außer dem Landvolk waren in der Aeltestenrats-Sitzung alle Fraktionen vertreten. Die Landvolkpartei hatte in einem Brief an den Präsidenten Löbe ihre ablehnende Haltung gegenüber den Anträgen auf Einberufung des Reichstages schriftlich begründet.
In dem Brief kommt zum Ausdruck, daß die Notverordnung eine Reihe grundlegender Forderungen des deutsch en Landvolkes erfülle oder doch der Erfüllung näher gebracht habe, und zwar nicht nur in landwirffchaftlichen Fragen, sondern auch bei dem durchgreifenden Abbau von Löhnen und Gehältern und dem Abbau erhöhter Preise und Preisspannen. Die Landvolkpartei erwartet durch Verhandlungen weitere Verbesserungen für die Veredelungswirtschaft, kann sich aber eine solche durch Einberufung des Reichstages nicht versprechen und ist deshalb gegen die Einberufung des Reichstages.
Da mit neuen Anträgen auf Einberufung des Reichstages noch vor dem 23. Februar zu rechnen ist, wurde als Termin für den Wieder- zufammentritt des Aeltestenrates zur Entscheidung über solche Anträge der 11. oder 12. Januar in Aussicht genommen.
Staatssekretär Dr. Pünder hatte zu Beginn der Sitzung int Namen der Reichsregierung erklärt, daß die schon mehrfach dargelegten Gründe gegen die Einberufung des Reichstages weiter bestehen und verstärkt seien durch die gegenwärtigen außenpolitischen Verhandlungen.
Reichsregiernng und Zentrum.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages hctt, wie sie mitteilt, in ihrer Sitzung am Dienstag den Bericht des Reichskanzlers Dr. Brüning und d«s Reichsarbeitsministers _ Dr. Stegerwald entgegengenommen. Die Aussprache ergab, daß die Frattion geschlossen zur Politik des Kanzlers und der Regierung steht. Die Fraktion erwartet von den kommenden internationalen Verhandlungen, daß sie durch Befrei
ung Deutschlands von untragbaren La st en die Grundlage zur Lösung der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise schaffen.
*
Die Reichstagsfraktion des Christlich- Sozialen Volksdienstes gibt über ihre am Dienstag abgehaltene Fraktionssitzung einen Bericht aus, in dem es heißt:
,D>ie zweifellos vorhandenen Mängel der Notverordnung zu beseitigen, wird der Volksdienst sofort die notwendigen Schritte unternehmen. Die künftige Haltung des Volksdienstes wird davon abhängen, ob die Regierung in den bevorstehenden außenpolitischen Kämpfen auch weiterhin den festen Willen erkennen läßt, die endgültige Befreiung von den Tributen mit zielklarer Entschlossenheit und unbeugsamer Harte zu sichern. Solange das geschieht, kann die Regierung auf die Unter st ützung des Volksdienstes reck'- n e n. Von einer sofortigen Einberufung des Reichstags kann sich der Volksdienst nach allen bisherigen Erfahrungen eine Förderung des Freiheitskampfes nicht versprechen."
tzttler an Brüning.
cnb. München, 16. Dezember. (Eig. Meld.) Die als Sondernummer des „Völkischen Beobachters" veröffentlichte Antwort Hitlers auf die Rundfunkrede des Reichskanzlers Brüning besagt:
Die Nationalsozialistische Partei sei jederzeit bereit, vom Reden abzusehen und die Verantwortung zu übernehmen. In der Frage der Legalität sei Hitler mit allen Führern und Parteigenossen in voller Ueber- einstimmung — ausgenommen von jenen, die ihm von anderer Seite als Spitzel in die Partei hineingeschickt worden seien, für die er aber nicht verantwortlich zu machen sei. Hitler gibt dann zu, daß es in seiner Partei einzelne Führer gegeben habe, die mit seiner Legalitätsauffassung nicht überein st immten, erklärt aber, daß diese Führer engere Beziehungen zu amtlichen deutschen Stellen gehabt hätten als er selb st, und sagt, daß solche Männer ohne weiteres aus der Partei entfernt worden seien. Weiter heißt es, er habe seinen treuen Anhängern Waffenlosigkeit befohlen, aber den Befehl, sich wehrlos abschlachten zu lassen, könne der Reichskanzler nicht verlangen und er könne ihn nicht erteilen. Hitler richtet dann an den Reichskanzler die Frage, ob es außenpolitisch richtig und klug sei, eine Bewegung, die nationalpolitisch gesehen, den einzigen Aktivposten Deutschlands für eine wirkliche nationale Außenpolitik überhaupt darstelle, planmäßig der Welt gegenüber als eine illegale uni) verderbliche Räu
berbande oorstellen zu lassen, ohne aber auch nur im geringsten den Sieg dieser Bewegung verhindern zu können. (Im Ausland wird dieser „Aktivposten" doch wohl etwas anders bewertet, als Hitler in seinem Selbstgefühl glaubt. D. Sch.) Hitler nimmt dann Bezug auf die Stelle der Rede des Reichskanzlers, in der es heißt, der Kanzler lehne es als Staatsmann ab, daß die Nationalsozialisten legal zur Macht gekommen, die Legalität durchbrechen könnten. Wenn die deutsche Nation die nationalsozialistische Bewegung legitimiere, eine andere Verfassung als die heutige niederzulegen und zum Gesetz unseres Lebens werden zu lassen, dann könne es der Reichskanzler nicht verhindern. Die nationalsozialistische Bewegung habe den Geist der heutigen Verfassung richtiger ersaßt als das derzeitig herrschende System, Hitler richtet an den Reichskanzler die Frage, ob er glaube, daß es dem Wesensgedanken der Demokratie entspreche und damit dem innersten Sinn der Weimarer Verfassung nahekomme, wenn eine Regierung Regierung bleibe, obwohl sie wisse, daß der Ausgangspunkt ihrer Gewalt, nämlich das Volk, sich schon längst von ihr gewendet habe. Die Nationalsozialisten respektierten die Verfassung in ihrem Kampfe um die politische Macht und hoffe, daß es ihnen möglich sein werde, dem deutschen Volke eine neue und ihres Erachtens gesündere Verfassung zu geben. Er verspreche aber schon jetzt, daß sie die jeweils gültige Verfassung auch dem Sinne nach treuer respektierten als das heutige System die von Weimar. Der Vorwurf der Illusionen treffe nicht die nationale Opposition, sondern zuerst das heutige System. Die deutsche Innen- und Außenpolitik der letzten zwölf Jahre sei Illusion gewesen. Die Meinung, 2.5 Milliarden an jährlichen Tributen und 2.5 Milliarden an jährlichen Zinsleistungen aufbringen zu können, sei eine Illusion genau so wie es eine Illusion sei, zu denken, daß man für solche Unmöglichkeiten auf die Dauer im Inneren die politische Deckung finden werde.
Die neue Notverordnung werde sich in der Hoffnung, die man an sie knüpfen müsse, als eine Illusion erweisen. Er habe keine Veranlassung, diese seine Auffassungen einem System gegenüber zu begründen, das von sich selbst überzeugt fei, die sachliche Vernunft zu verkörpern, während man die Opposition auch in Traumund Wunschbildern befangen hinstellt. Er habe noch viel
weniger Grund zu einer solchen eingehenden Widerlegung, als er es ja seit vielen Monaten erleben müsse, wie wenig die sogenannte sachliche Vernunft die heutige Regierung davon abhalte, von Zeit zu Zeit in der Opposition einzubrechen, um dann die erst als giftig ver» fchrieenen Früchte in amtlicher Packung als harmlose Festreden dem erstaunten Volke als neue Erkenntnisse des sachlichen Denkens vorzusetzen. Zum Schluß befaßt sich Hitler mit den in der letzten Notverordnung getroffenen Maßnahmen zum Schutze des inneren Friedens und erklärt, seitdem der Reichskanzler auf dem Notverordnungswege den inneren Frieden gegen Gewaltmaßnahmen und Terrorakte in Schutz zu nehmen begonnen habe, sei unglücklicherweise der Terror unerträglich geworden. Die Entwaffnungsbestimmungen würden niemals die Unanständigen vom Angriff zurückhalten und noch niemals habe der Unanständige die Waffen abgegeben, sondern immer nur der Anständige. Wenn auch das Haus wehrlos gemacht worden sei, wie die S. A. wehrlos gemacht wurde, dann werde der Ueberfall von der Straße in kurzer Zeit zum Ueberfall im Hause führen. Durch diesen Teil der Notverordnung würde der Terror und die öffentliche Unsicherheit eine abermalige Steigerung erfahren. Auch die Wirkungen dieser Notverordnung werden, obwohl anders gedacht, mithelfen, seiner Partei den Sieg zu verleihen.
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In Berlin gehen Gerüchte, daß die ostpreußische Landwittschaftskammer einen Beschluß gefaßt habe, bei dem Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg vorstellig zu werden, „den Weg alsbald freizumachen für Männer, die, aus Kampf und Glauben zusammengeschweißt, in der Lage sind, nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch das ganze Volk zu retten".
Von maßgebender Seite werden diese Steuerungen bestritten. Es scheint sich aber um einen neuen, auf konfessioneller Voreingenommenheit beruhenden Anschlag o st e l b i s che r Großgrundbesitzc'r -fegen den Reichskanzler Brüning zu handeln.
Die Durchführung
wtb. Serin, 16. Dez. (Eig- Meld.) Gestern ist von der Reichsregierung eine Verordnung zur Durchführung des Kapitels „Mietsenkung" der 4. Notverordnung des Reichspräsidenten vollzogen worden. Es kam der Reichsregiernng darauf an. mit größter Beschleunigung eine rechtliche Grundlage für eine möglichst reibungslose Durchführung der Mietssenknng zu schaffen und die auf diesem Gebiet zunächst bestehende Rechtsunsicherheit tunlichst zu beseitigen. Sollte dieses Ziel ohne Zeitverlust erreicht werden, so müßte die Durchführungsverordnung sich darauf beschränken, diejenigen Fälle zu regeln, die in der Praxis die überwiegende Rolle spielen und deren einheitliche Regelung für das ganze Reich unbedingt erforderlich schien. Im übrigen ist den ß ä n= derregierungen in weitem Umfange das Recht ein geräumt worden, von sich aus die weiterhin erforderlichen Durchführungs- u. Ergänzungsbestimmungen zu erlassen und für bestimmte Fälle Ausnahmen von der allgemeinen Mietsenkung zuzulassen.
Die Durchführungsverordnung legt allen V e r Mietern die Pflicht auf, den Mietern unverzüglich den Mietzins mitzuteilen, der für die am 1. Januar 1932 beginnende Mietszeit zu zahlen ist.
Das gilt für all« Mietverhältnisse über Wohnungen und Geschäftsräume in A l t- und Neubauten. In der weiteren Behandlung bestehen zwischen Alt- und Neubauten erhebliche Unterschiede.
In Altbauten beträgt die Mietssenkung bekanntlich bei Geschäftsräumen und Wohnungen ohne Rücksicht darauf, ob gesetzliche ober vereinbarte Miete gezahlt wird, 10 v. H. der F rjede n s m i e t e. Mietermäßigungen, die der Vermieter im Laufe des Jahres 1931 zugestanden hat, dürfen auf die gesetzlich vorgeschriebene Mietsenkung angerechnet werden. Nur in den Fällen, in denen die Miete sich deswegen ermäßigt hat, weil die Friedensmiete auf Grund des § 2 des Reichsmietengesetzes neu festgesetzt worden ist oder in denen der Mieter sich auf die gesetzliche Miete berufen hat, ist die Anrechnung ausgeschlossen.
Die Neuberechnung der Miete auf dieser Grund-
verhöhnung der Reichs-Gesetze
Eine Nazi-Demonstration gegen die Notverordnung.
In der Sitzung des Braunschweigischen Landtags erschien die nationalsozialistische Fraktion geschlossen in ihrer Parteiuni- s o r m. Sowohl der nationalsozialistische Landtagspräsident Zörner wie bei Innenminister Klagges ließen dies« Demonstration stillschweigend passieren. Juristisch kann es fraglich erscheinen, ob das Verbot des Tragens von Uniformen auch für solche Fälle zutrifft. Dagegen kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die nationalsozialistische Frattion des Braunschweigischen Landtags eine bewußte Demonstration gegen die Notverordnung des Reichspräsidenten veranstalten wollte. Der Reichsinnenminister hat den braunschweigischen Gesandten in Berlin gebeten, ihm nähre Informationen über diesen Vorfall zu beschaffen. Alle weiteren Schritte hat er sich Vorbehalten. I
Wie kann eine Richtung, die sich fo über geltendes Recht hinwcgsetzt, erwarten, daß, falls
der Melsenknng.
tage wird bei Altbauten im allgemeinen kaum Schwierigkeiten machen. Soweit doch der Fall sein sollte, entscheidet das Mieteinigung s» ajn t oder eine andere von den Ländern hierfür bestimmte Stelle.
Bei Neubauten, das heißt solchen Bauten, die nach dem 1. Juli 1918 bezugsfertig geworden sind, ist nach den Vorschriften der Notverordnung die Mietsenkung individuell vorzunehmen, indem der Betrag, um den der Vermieter durch die Zinsherabsetzung entlastet wird, bei der Miete in Abzug gebracht wird. Bei mehreren Wohnungen desselben Grundstückes ist . der ersparte Betrag auf die einzelnen Mieter anteilig nach der Höhe des Mietzinses zu verteilen. Bei einem Teil der Neubauten kann die Feststellung der neuen Miete mit Schwierigkeiten verbunden sein und eine gewisse Zeit erfordern, da beispielsweise eine völlige Klarheit über die Auswirkung den Zinssenkung erst nach Erscheinen der hierzu erforderlichen Durchführungsbestimmungen möglich ist. Das gilt vor allem in den Fällen, in denen bis Hypothek auf ausländisches Kapital gegeben wurde. Die Verordnung zur Durchführung der Mietsenkung sieht daher vor, baß in solchen Fällen der Vermieter den Mietern eine vorläufige Mitteilung über die im Januar 1932 zu zahlende Miete zukommen lassen muß. Den in der vorläufigen Mitteilung angegebenen Betrag müssen die Mieter vorbehaltlich endgültiger Mietfestsetzung zahlen. Spätestens bis zum 25. Januar 1932 muß auch bei Neubauten der Vermieter den endgültigen Mietbescheid erteilen. Die Länder haben Stellen zu bestimmen, die int Streitfälle über die Mietermäßignngen bei Neubauten zu entscheiden haben. Im allgemeinen dürften hierbei nicht die Mieteinigungsämter bestimmt werden, die bisher mit den Neubauten noch nicht befaßt gewesen sind, sondern, diejenigen Stellen, die bisher die H a u s z i n s st e u e r gegeben haben und denen daher die Verhältnisse der Neubauten bekannt sind.
Eine besondere Vorschrift ist für die gemeinnützigen Wohnungsunternehmungen getroffen worden. Diesen Unternehmen, die vielfach einen sehr großen Wohnungsbesiß aus verschiedenen Bauperioden verwalten, ist bte Verpflichtung auferfegt worden, unbeschadet des Grundsatzes einer möglichst allgemeinen Miet- senkung eine weitgehende Angleichung der Mieten vergleichbarer Wohnungen vorzunehmen. Die Begründung hierfür liegt in dem genossenschaftlichen Gedanken, mit dem eine Bevorzugung einzelner Wohngruppen, z. B. derjenigen, die in Jnflationswohnungen wohnen, auf die Dauer unvereinbar ist.
sie zur Macht kommt, die Volksgemeinschaft gehorcht.
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CNB. Braunschweig. 16. Dez. (Eig. Meld.) Wie die Braunschweigifche Landeszeitung meldet, hat das Braunschweigische Staatsministerium dem Reichsministerium des Innern wegen der Anfrage der Uniformdemonstration im Landtagsgebäude eine Antwort zugehen lassen. Der Reichsinnenminister hatte zu wissen gewünscht, ob die Nationalsozialisten sich im Landtag umgezogen oder die Uniform schon auf der Straße getragen haben. Der Zeitung zufolge hat das braunschweigische Staatsministerium in seiner Antwort erklärt, daß die vom Reichsminister des Innern angeführten Tatsachen zuträfen. Die Polizeigewalt im Landtage stehe jedoch dem Landtagspräsidenten zu. Das Polizeipräsidium habe in der Angelegenheit Ermittlungen eingeleitet.
Gerade, wenn sich die Nazis im Landtag erst umgezogen haben, ist die Absicht der Verhöhnung des Reiches deutlich erkennbar Im übrigen bat Deutschland im Augenblick so viel e r n st e Sorgen, daß man schon auf eine wirklich schran-