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Nr. 290.

Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)

Mittwoch, den 16. Dezember.

Helm a

Fulda, den 15 Dezember 1931.

Das Atiet-Recht.

Auf Grund der Notverordnung find, nach der Frkf. Ztg.", bei den Hausbesitzern in großem Um­fange Kündigungen eingegangen, von Mie- tern gewerblicher Räume sowohl wie von Wohnungsmietern, obwohl die gegenwär­tigen Verträge noch mehr oder weniger lange lau­fen. Die Kündigungen gründen sich zwar auf den Wortlaut des Textes der Notverordnung Teil 2, KapUel III § 1, sie lassen aber meist den darauf­folgenden § 2 außer acht. Dort heißt es nämlich, daß die Kündigungen ausgeschlossen sind, wenn der Vermieter im Laufe des Jahres 1931 den Mietzins im Wege der Vereinbarung... um min­destens 20 Prozent . . . ermäßigt hat. Da das Jahr 1931 noch nicht ab gelaufen ist, könnte man also folgern, daß der Vermieter noch jetzt durch freiwillige Regelung den Mietsatz senken und so die Kündigung unwirksam machen kann. Es war u. E. auch nur der Sinn der Notverordnung, einen star­ken Druck auf die Mieten auszuüben, zur Entlastung der Lebenshaltung sowohl wie zur Sen­kung der Handlungsunkosten, aber nicht eine Ge- sährdung des Hausbesitzes durch Massenkündigun­gen herbeizuführen, der ja auch seinerseits lang­fristigen Verpflichtungen Nachkommen muß. Zum mindesten sind die Bestimmungen der Notverord­nung in diesem wie in anderen Punkten so viel­deutig gefaßt, daß man vor enbgültigen Entschlüs­sen erst die Durchführungsbestimmun- g e n abwarten sollte, die in den allernächsten Ta­gen erscheinen werden. Sie müssen auch in dieser, die Bevölkerung sehr beunruhigenden Frage die notwendige Aufklärung bringen.

Neue Innung.

Aus der am 31. Juni des Jahres aufgeVsten Schreinerzwangsinnung Fulda hat sich, wie man uns mitteilt, die Freie Schreinerinnung Fulda gebildet. In Gegenwart der Aufsichts­behörde wurde am 10. November der Vorstand gewählt. Zum Vorstand wurde einstimmig Schrei­nermeister Karl SBetier, Horaserweg 51, be­stimmt.

Auszahlung des Dezemborgehaltes an die' Angestellten.

Wie der gewerkschaftliche Pressedienst erfährt, haben der Reichs- und der Preußische Finanz­minister angeordnet, daß die zweite Hälfte der Dezemberbezüge am 22. Dezem- b er ausbezahlt wird. Eine frühere Auszahlung sei leider in Anbetracht der Kassen läge nicht möglich. Die Gehälter der Reichs- und Staats­angestellten werden auf Grund der Notverordnung vom 18. Juli nach wie vor in 2 bis 3 Ratetn gezahlt.

vor Umbildung der versorgungsämker.

Zu den in der Provinz verbreiteten Gerüchten über eine Auflösung von Versorgungsämtern wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß bis jetzt Be­schlüsse in dieser Richtung nicht gefaßt worden sind. Es handelt sich vielmehr nur um einen „Referen- ten-Entwurf eines Planes über die Umbildung der Versorgungsämter", der den einzelnen Versor­gungsämtern zur Stellungnahme vorgelegt wor­den ist.

Präsideskonserenz dar katholischen Arbeiter- und Männervereine.

Auf die am Donnerstag, dem 17. Dezem­ber, nachmittags 3 Uhr in der „Harmonie" zu Fulda stattfindende Präsideskonserenz der katho­lischen Arbeiter- und MännewereiNe wird hier­mit nochmals hingewiesen. Verbandsjugendleiter öbel-Köln wird an der Konferenz teilnehmen. Es wird, deshalb um vollzähliges Erscheinen) ’i'beten.

Die Post in Erwartung des Weihnachts-Paket- oerkehrs.

Um den gesteigerten Anforderungen des Weih- nachts-Paketverkehrs gerecht zu werden, hat die Post, gestützt auf die Erfahrungen der früheren Jahre, umfassende Vorkehrungen getroffen, die eine schnelle und pünktliche Zuführung der Sendungen in die Hand des Empfängers erwarten lasten. Die Annahmeschalter werden dem Bedürfnis entspre-

Entfernung des häßlichen Zahnbelags? Ganz ei " ch: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Ehlorodont-Zahn- paste und spült dann mit Chlorodont-Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachabmunaen.

Viola, Vatz und Geige«.

Von Univ.-Prof. Dr. I. Müller-Blattau- Königsberg, Direktor des Instituts für Kirchenmusik.

„Viola, Baß und Geigen, sie müssen alle schweigen vor dem Trompetenschall!" So heißt es in einem allen, wohlbekannten Studentenliede. Die Worte besagen we­nig und doch viel. Schon der Gegensatz des stillen, in­timen Streicherklanges zum lauten schmetternden Trom- pctenton ist eine instrumentengeschichtliche Feststellung. Eine zweite verbirgt sich in den Liedzeilen. Sie nennen nicht ohne Absicht die beiden Gegenpole unseres Streich­orchesters, Baß und Geige, und vorher jenes Mittel­glied, die Viola, die für beide in der Geschichte eine wich­tige Rolle spielt.

Denn das stt doch wohl allen schon ausgefallen, daß der Konttapaß, der größte Vertreter unseres Streicher­chors, einen ganz anderen Körper hat als die anderen Geigeninstrumente. Nicht nur, weil er größer ist. Wer genauer zusieht, bemerkt, daß die Oberbügel spitz zu­laufen, daß die Saitenzahl und Stimmung eine an­dere, daß der Bogen und die Bogenhaltung ungewöhn­lich sind. In diesen Besonderheiten ist unsere Baß­geige der letzte Ueberrest der einst geachteten Familie der Gamben oder Kniegeigen. Sie hatten stüher sogar eine viel größere Bedeutung als die Violinen. Heute fleht man sie nur in Museen oder bei Freunden alter Musik.

Den Unterschieh der beiden Familien, der Gamben und der Geigen, kannte schon das beginnende 16. Iahr- bunbert, indem es Groß geigen und Klein geigen unterschied. Die ersteren waren die eigentlichen Stteich- instrumente. In einem schön bebilderten deutschen Werke jener Zett von Sebastian Virdung werden sie unmittelbar neben dem beliebtesten Hausinstrument, der Laute genannt. Ihr verdanken sie freilich auch Ent- scheidendes. Von ihr übernahmen sie Saitenzahl und Stimmung, von ihr die Bünde, welche die Griffe der linken Hand festlegen. Ja, es ist wohl auch ihr großer bauchiger Körper, den sie tragen, doch mit den nötigen Einbuchtungen für den Strich des Bogens. Ein spani­sches Musikbuch der Zeit beschreibt eigens, wie man auf

chend vermehrt, neben den bestehenden Postver­bindungen sind zahlreiche außergewöhnliche Be­förderungsgelegenheiten auf der Bahn und auf Landwegen vorgesehen. Soweit die Pakete vom Empfänger nicht abgeholt werden, erfolgt ihre Zu­stellung unter Vermehrung der Betriebsmittel und der Zustellkräste ohne besondere Kosten mit der gewohnten Pünktlichkeit. Wer seine Pakete recht­zeitig bei der Post aufliefert, kann sicher sein, daß sie zu der gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wer verhindert ist, seine Pakete ver- sönlich bei der Post auszuliefern, oder sich den Weg zum Postamt sparen will, gebe fie dem Pa­ketzusteller mit. Das kann überall gesche­hen, wo die Paketzustellung mit Fuhrwerk ausge­führt wird. Die Gebühr für die Mitnahme be­trägt 20 Rpf für ein Paket.

®ranbermeiterung des Evangelischen Altersheims.

Das an der Niesigerstraße gelegene Evangelische Altersheim „Emmaus" (früher Park-Hotel) hat, wie wir dem „Fuldaer Anzeiger" entnehmen, das westlich anschließende Grundstück der Frau Justiz­rat Gegenbaur, Witwe, erworben. Der Kaufpreis beträgt zirka 10000 Mk.

Zentrum im kreis Gersfeld

In Fulda fand am Montag eine Versamm- lung der Delegierten des Kreises Gersfeld statt, um der Organisation der Zen­trumspartei in diesem Bezirk neue Schwungkraft zu geben. Als Vertreter des Arbeitsausschusses der Kurhessischen Zentrumspartei nahm Prof. Dr. Scheller an den Verhandlungen teil.

Die Vorstandswahl hatte folgendes Er­gebnis:

Ehrenvorsitzender: Reinhard, Landwirt, Mauer- schell; 1. Vorsitzender: Golbach, Pfarrer, Sim­mershausen; 2. Vorsitzender: Goldbach, Pfarrer, Lütter; weitere Vorstandsmitglieder: Wehner, Josef, Kaufmann, Poppenhausen; Schönberg, Schornstein­fegermeister, Hilders; Nüdling, Rudolf, Hilders (Jugendvertreter);Vey, Josef, Gersfeld (Jugend­vertreter). Stellvertreter: Ramb, Pfarrer, Gers­feld; Heger, Otto, Wüstensachsen; Füller, Karl, Schmalnau; Schütz, Karl, Lütter; Keidel, Georg, Wüstensachsen; Nüdling, Bürgermeister, Lahrbach.

Eine wegweisende Aussprache über die Orga­nisation wurde durch Parteisekretär Gellings eingeteitet. lieber die politische Lage berichtete Dr. Kramer. Nach Weihnachten werden in allen Gemeinden des Kreises Gersfeld Zentrumsver- sammlungen stattfinden. Auch der Windthorstbund wird im Kreis Gersfeld seine Schulungsarbeit mit Nachdruck cmfnehmen.

selbst sorgen. Aufgabe unserer Kleidung ist es, uns unsere natürliche Körperwärme möglichst un­verändert zu erhalten. Je lufthaltiger ein Kleidungsstück ist, umso wärmehaltender wirkt es. Luft ist nämlich ein schlechter Wärme­leiter und die zwischen Körperhaut und den ein­zelnen Kleidungsstücken liegenden Luftschichten die­nen zur Wärmespeicherung. Also trage man im Winter möglichst locker gewebte Wollstoffe und ge­fütterte Kleidungsstücke. Von Wichtigkeit ist es auch, daß man für die Winterkleidung dunkle Stoffe, wie sie ja im allgemeinen auch Mode sind, bevorzugt, weil dunkle Farben die Wärmestrah­len der Außenwelt verschlucken, während Helle sie wieder ,zurückwerfen. Ueberwarme Klei­dung, die zur Schweißbildung Veranlassung gibt, ist von liebel, einmal, weil bei der Schweißabdunstung ein Wärmeverlust eintritt, dann aber auch, weil die feucht gewordenen Klei­dungsstücke wärmeableitend wirken. Auch aus die­sem Grunde ist daher Sauberkeit und häufiges Wechseln, besonders der Unterwäsche, ein selbstver­ständliches Gebot vorbeugender Gesundheitspflege. Man achte weiterhin darauf, im Winter nicht zu fest anliegende Kleider, Hüte usw. zu tragen, weil diese die Hauttätigkeit ein­schränken und unter Umständen die Blutzirkula­tion absperren können. Hier liegen häufig die Ursachen für allerlei unangenehme Kälteschäden, vor allem auch für die Entstehung der Frostbeu­len. Das Schuhwerk sei bequem und muß den Zehen genügend Spielraum lassen. Auch ein Loch im Strumpf kann leicht zur Absperrung des Blu­tes und damit zur Bildung von Frostbeulen An­laß geben. _______________

Preissenkung im Buchhandel.

Wie der Vorstand des Börsenvereins der deut­schen Buchhändler bekannt gibt, sollen im Zusam­menhang mit der neuen Notverordnung die Preise der vor dem 1. Juli 1931 in Deutschland er­schienenen Bücher bis zum 1. Januar 1932 um mindestens 10 Prozent gesenkt wer­den, soweit nicht jetzt schon von Seiten des Ver­lags eine Preisherabsetzung vorgenommen wird ober bereits vorgenommen worden ist. Die Bücher der neuesten Produktion, das heißt alle Werke, bie nach dem 30. Juni 1931 erschienen sind, werden von der Preissenkung nicht betroffen.

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Dazu erfahren wir von den Fuldaer orts­ansässigen Buchhändlern (Aloys Maier und Rein- hardtsche Buchhandlung), daß sie auf alle vor dem 1. Juli erschienenen Bücher (mit Aus­nahme der Volksausgaben und billigen Samm­

lungen) schonvonheuteaneinen Kassen- Rabatt von 10 Prozent gewähren, obwohl sie bei den Verlegern bis Jahresende die vollen Nettopreise bezahlen müssen. Die Ladenpreise für die nach dem 1. Juli erschienenen Bücher bleiben, wie in obiger Notiz bereits gesagt ist, von der Senkung unberührt, da für diese Neuerscheinungen bereits Preisherabsetzungen erfolgt sind, die we­sentlich über den in der 4. Notverordnung vor­geschriebenen Satz von 10 Prozent hinausgehen.

Die Maßnahme der Fuldaer Buchhändler, die damit dem Beispiel verschiedener anderer Branchen (Radio, Schallplatten usw.) folgen, ist sehr zu begrüßen und wird hoffentlich dazu beitragen, dem Weihnachtsgeschäft eine starke Anregung zu geben.

Iustizrat Oiekamp f.

In Bochum starb einer der anerkanntesten und verdienstvollsten Führer der westdeutschen Ka­tholiken, Justizrat Sigismund Sietamp. Auch in Fulda war er bekannt, da er in den drei Jah­ren, in denen die katholischen Studenten-Vereine Deutschlands (K. V.) hier ihre Generalversamm­lungen abhielten, jeweils als Präsident der K. V.» Altherrenschaft an führender Stelle bei diesen Ta­gungen beteiligt war. In einem längeren Nachruf auf den Heimgegangenen lagt die „Kölnische Volks­zeitung":

Mit Iustizrat Dielamp ist einer der treuesten Kämpfer des westfälischen Zentrums, ein tiefgläubiger, frommer Sohn feiner fa. tholifchen Kirche, eine Zierde des Ju- ristenstandes dahingegangen.

In feinen jungen Jahren stellte er sich als un­erschrockener Mann in die vordersten Reihen der Kämpferfront der westfälifchen Zentrumspartei. Er trat entschieden im Kulturkampf für die Rechte der katholischen Kirche ein und wurde bald Führer der Katholiken Bochums und der Zen­trumspartei, die unter feiner Leitung glänzende Wahlerfolge erzielte. In den 80erJahren ver­mochte das westfälische Zentrum unter seiner Füh­rung zum erstenmal einem Zentrumskandidaten im Wahlkreise Bochum—Gelsenkirchen—Witten— Hattingen in der Person des westfälischen Bauern, königs von Schorlemer-Alst zum Siege zu verhel­fen.

Große Opfer brachte diese begabte Führer- natur für die katholische Kirche und das Zentrum in schwerster Zeit. Sein mannhaftes Auftreten für die Ideale des Zentrums veranlaßte die im Kul­turkampf damals herrschende katholikenfeindliche Richtung ihn aus dem Reserveoffizier s- st a n d e z u v e r w e i s e n. Es hat den Mann in

Reichsbahn-Personea-Rachricht.

Versetzt wurde der Reichsbahn-Assistent Her­tz e t von Eiterfeld nach Marbach (Kr. Fulda).

Eine neue Plastik

des Bildhauers Friedrich Brill zeigt die Stein« hardt'sche Buchhandlung. Die Gruppe Tobias und Raphael. Da ist Bewegung und Ausdruck: der Rhythmus des Gleichschritts, die Hoheit und Güte des Engels, die Sammlung und Spannung des Tobias, der nachdenklich hinhorcht: Also die Galle des Fisches da . . . vielleicht daß der blinde Vater dadurch wieder sehend wird . . .1 Und zu diesem Geistigen als Gegensatz: Der Hund — mit feinen ausgelassenen Sprüngen aus Freude am bloßen Weiterschreiten. — Die Gestalten sind edel und schlicht. Rudolph Happ.

Geschäftsjubiläum.

Das bekannte Schuhhaus Bud e n z Hann heute auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde hn Jahre 1881 in der Kanalstraße, im jetzi­gen Schirmhaus Schulz, gegründet. Schon 1886 siedelte es in die Löherstraße Nr. 2, in das da­malige Emmerling'sche Haus, über. Nachdem das Haus Nr. 4 (Briefträger Erb) zum Abbruch dazu erworben worden war, wurde der jetzt bestehende Bau ausgeführt. Das Geschäft hat sich durch die solide, der bodenständigen Fuldaer Art entspre­chende Führung immer eines großen Ansehens zu erfreuen gehabt, der ihm auch im 2. Halbjahrhun­dert beschieden fein möge.

Gesundheitspflege im Dezember.

Der Dezember, in dem kalendermäßig der Win­ter zwar erst seinen Anfang nimmt, ist gewöhnlich ausgezeichnet durch Frost und Kälte. Leider ha­ben wir Menschen es nicht so gut wie die Tiere, denen die Natur alljährlich einen neuen Pelz schenkt. Für zweckentsprechende Kleidung zum Schutz gegen die Winterkälte müssen wir daher

Die Ze» im Spott-Silb.

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J

Dr. Gördeler, der neuernannte Preisabbaukommissar, hat eine schwere Aufgabe vor sich. In Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden sollen in Zukunft die Preise in den Kleinverkaufsstellen aufs genaueste überwacht werden und ständig durch Preistafeln in den Schaufenstern kenntlich gemacht sein.

Ein neuer Vers: Hört, ihr Herren, laß euch sagen, die Preise sind nicht mehr zu tragen. Vernehmet nun die neue Welle' zu senken sind jetzt alle Preise!

der Gambe einstimmig und mehrstimmig improvisieren kann. Der ttalienische Maler Domenichino stellt die hei­lige Cacilia dar, wie sie auf einem solchen Instrument spiett. Es ist also sogar der höchsten, der Kirchenmusik, dienstbar.

Ganz anders jenes Insttument, das man damals Klein geige nannte. Es war im Gegensatz zu der Großgeige bundlos und in Quinten gestimmt. Sein Ton war schreien und grell. Als Rubebe (Rubec) kam es im Mittelalter mit den Arabern nach Europa und wurde als Tanzinsttument gebraucht. Damit war es in niedere Schichten abgedrängt. Jener deutsche Jn- sttumenten-Theoretiker, der es neben der Großgeige nennt, bezeichnet es abschätzig als „unnützes Insttu­ment".

Aber die Gambe oder, wie man sie in Italien nennt, Viola da Gamba ist eigentlich Baßinstrument. Als solches muß sie zwischen den Beinen gehalten werden und heißt daher „Beinfidel" (tt. gamba, frz. jambe). Da man aber im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft des Chormustkstils alle Insttumente zu Chören ausbaute, so fügte man auch hier dem Baßinsttument ein ent­sprechendes Tenor-, Alt- und Sopraninsttument hinzu Die Form hatte sich kaum verändert. Wir erkennen sie heute noch außer an den spitzen Oberbügeln an den hohen Zargen und dem flachen Boden. Der Steg ist merkwürdig niedrig, die Saiten sind mäßig gespannt Und an die alte ursprüngliche Birnform der Laute er­innern noch die C-Löcher. —

Der silberne, milde Ton dieses Jnsttumentes wird nun das Klangideal der Zett. Ein solches Insttument erforderte ein ruhiges und beschauliches Spiel. Der Spieler spiett mit langgezogenem, brettern Sttich, in sich hinein Er lauscht gewissermaßen auf den verhal­tenen, unkörperlichen Ton. Ein Ensemble solcher In­sttumente, wie es Italien und vor allem Englanb kann­ten, muß von einer ganz unerhörten Klangwirkung ge­wesen sein Noch Goethe hörte den letzten großen Gambenvirtuosen, Karl Friedrich Abel, in seiner Ju­gend mit Bewunderung.

Inzwischen hat der Aufstieg der Geige begonnen. Langsam entringt sie sich den Schenken und üblen Or­

ten, an die sie noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch Verordnungen gebannt ist. Sie rückt allmählich in die musikalische Sphäre ein, läßt für den Tanzbereich nur ihren kleinsten Abkömmling als Tanzmeistergeiglein zurück. In Italien kommt sie zunächst zu Ehren. Als Viola da Braccio, d. h. Armgeige, treffen wir sie dort zuerst. Sie trägt alle die Merkmale der Geige, hat vier Saiten in Quimenstimmung, niedrige Zargen, gewölbten Boden und F-Löcher, die auf das Doppelrund ihrer ei­gentlichen Form deuten. So stellt sie eigentlich unsere heutige Viola oder Bratsche, das Alt-Instrument des Stteichkörpers, dar. Von diesem Instrument aus wird nun die ganze Familie aufgebaut, die eigentliche Violine als Diskant, das Violoncello als Tenor.

Das ist gegenüber der Gambe ein ganz neuer klang­licher Eindruck. Voll und körperlich ist der Ton der Violine. Man merkt chr an, daß sie aus dem Tanze stammt. Denn ihr Ton ist durchdringend und geht gleich ins Blut. Das Feurige und Präzise dieses neuen Klan­ges verbunden mit einer neuen straffen Bogenführung stellt die Violine sofort an die Spitze eines Stteichor-- chesters. Die „Violons du Roi", jenes berühmte Gei­genensemble Ludwigs XIV., ist das erste wirkliche Streichorchester der Musikgeschichte. Aber während die Franzosen gerade das Feurige und Straffe im Klang der Violine hervorheben, bilden die Italiener sie zum Träger reiner Schönheit aus. Die Instrumente, die sie bauen, haben zunächst einen milden ftötigen Ton (Amati). Erst Stradivari baut jene Instrumente, deren klangliche Fülle und Tragfähigkeit wir heute noch bewundern. Zu diesem Instrument schafft Italien seit Corelli das Ideal des Geigen f o I i ft e n, Frankreich hat den O r ch e st e r s p i e l e r herausgebildet.

Langsam tritt zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Gambe zurück. Säuselnd und delikat wird sie in jener Zett genannt. Noch Bach gebraucht die Violine gamben­mäßig, indem er sie in seinen Solosonaten mehrstimmi­gem Spiel dienstbar macht. Dann aber tritt gerade in Deutschland die Violine die unumschränkte Herrschaft an. Aus Italien hat sie das Singende, aus Frankreich das Feurige mitbekommen. Nun wird sie als Orchesterin­strument der Träger des neuen, ausdrucksvollen und be­weglichen srühllasjischen Orchesterklanges. Noch heute ist

der Klang unseres Orchesters von ihr getragen, von ihr und ihren Anverwandten: Viola, Baß und Geigen.

Bunte Zeitung.

— Leute, die ihr Blut verkaufen. Das Blutspenden ist neuerdings sozusagen ein Gewerbe geworden. Be­sonders in Amerika hat sich der Berus organisiert; es gibt in Newyork etwa 1300 Blutspender, die sich für Blutübertragungen zur Verfügung stellen. Welchen Einfluß wiederholte Blutentnahmen zeitigen, haben ame­rikanische Forscher untersucht. Männer ertragen den Verlust besser als Frauen; ihnen kann man in Zwischen­räumen von 3—5 Tagen ohne Gefährdung 4—5mal je 400 ccm Blut entziehen. Die Spender fühlen sich im allgemeinen sehr wohl, geben an, arbeitsfreudiger zu fein als früher und manche Krankheit, an der sie litten, Stuhlverstopfung und Hautausschläge dadurch verloren zu haben. — Der Preis für eine Menge Blut von 200 bis 500 ccm beträgt 100—200 Mark. — Das Newyor- (er Gesundheitsamt hält die Blutspender unter dauern­der Aufficht. Sie werden sorglich untersucht, vor allem daraufhin, ob sie frei sind von Syphilis, Malaria, Tuber­kulose, Asthma, Herzkrankheiten etc. Die Blutgruppe, der sie angehören, wird bestimmt. Don einem Blut­spender, Kone, wird berichtet, daß er 147 Bluttransfusio­nen hinter sich hat, von denen er 87 gratis gab. Er war niemals krank, hat normalen Blutdruck und erholt sich ungewöhnlich schnell von feinem Blutverlust. Daß diese Blutentziehungen keinen gesundheitlichen Schaden bringen, im Gegenteil sich als nützlich erweisen, nimmt nicht Wunder Ist solche Blutentnahme doch nichts an­deres als, ein Aderlaß, der in früheren Zeiten viel an­gewandt. allzu viel oft, in Vergessenheit dann geraten, in neuerer Zeit wieder bei manchen Krankhettszustän- den sich als segensreich erbteift.

Heileres.

3m vorübergehen. „Halten Sie mich nicht auf — ich muß zum Essen — heute gibt’s Hasenbraten bei mei­ner Wirtin — was macht übrigens die Frau Gemah­lin?" — „Königsberger Klops."