Nr. 290.
Fuldaer Zeitung (Amtliches Kreisblatt)
Mittwoch, den 16. Dezember.
Helm a
Fulda, den 15 Dezember 1931.
Das Atiet-Recht.
Auf Grund der Notverordnung find, nach der Frkf. Ztg.", bei den Hausbesitzern in großem Umfange Kündigungen eingegangen, von Mie- tern gewerblicher Räume sowohl wie von Wohnungsmietern, obwohl die gegenwärtigen Verträge noch mehr oder weniger lange laufen. Die Kündigungen gründen sich zwar auf den Wortlaut des Textes der Notverordnung Teil 2, KapUel III § 1, sie lassen aber meist den darauffolgenden § 2 außer acht. Dort heißt es nämlich, daß die Kündigungen ausgeschlossen sind, wenn der Vermieter im Laufe des Jahres 1931 den Mietzins im Wege der Vereinbarung... um mindestens 20 Prozent . . . ermäßigt hat. Da das Jahr 1931 noch nicht ab gelaufen ist, könnte man also folgern, daß der Vermieter noch jetzt durch freiwillige Regelung den Mietsatz senken und so die Kündigung unwirksam machen kann. Es war u. E. auch nur der Sinn der Notverordnung, einen starken Druck auf die Mieten auszuüben, zur Entlastung der Lebenshaltung sowohl wie zur Senkung der Handlungsunkosten, aber nicht eine Ge- sährdung des Hausbesitzes durch Massenkündigungen herbeizuführen, der ja auch seinerseits langfristigen Verpflichtungen Nachkommen muß. Zum mindesten sind die Bestimmungen der Notverordnung in diesem wie in anderen Punkten so vieldeutig gefaßt, daß man vor enbgültigen Entschlüssen erst die Durchführungsbestimmun- g e n abwarten sollte, die in den allernächsten Tagen erscheinen werden. Sie müssen auch in dieser, die Bevölkerung sehr beunruhigenden Frage die notwendige Aufklärung bringen.
Neue Innung.
Aus der am 31. Juni des Jahres aufgeVsten Schreinerzwangsinnung Fulda hat sich, wie man uns mitteilt, die Freie Schreinerinnung Fulda gebildet. In Gegenwart der Aufsichtsbehörde wurde am 10. November der Vorstand gewählt. Zum Vorstand wurde einstimmig Schreinermeister Karl SBetier, Horaserweg 51, bestimmt.
Auszahlung des Dezemborgehaltes an die' Angestellten.
Wie der gewerkschaftliche Pressedienst erfährt, haben der Reichs- und der Preußische Finanzminister angeordnet, daß die zweite Hälfte der Dezemberbezüge am 22. Dezem- b er ausbezahlt wird. Eine frühere Auszahlung sei leider in Anbetracht der Kassen läge nicht möglich. Die Gehälter der Reichs- und Staatsangestellten werden auf Grund der Notverordnung vom 18. Juli nach wie vor in 2 bis 3 Ratetn gezahlt.
vor Umbildung der versorgungsämker.
Zu den in der Provinz verbreiteten Gerüchten über eine Auflösung von Versorgungsämtern wird von zuständiger Seite mitgeteilt, daß bis jetzt Beschlüsse in dieser Richtung nicht gefaßt worden sind. Es handelt sich vielmehr nur um einen „Referen- ten-Entwurf eines Planes über die Umbildung der Versorgungsämter", der den einzelnen Versorgungsämtern zur Stellungnahme vorgelegt worden ist.
Präsideskonserenz dar katholischen Arbeiter- und Männervereine.
Auf die am Donnerstag, dem 17. Dezember, nachmittags 3 Uhr in der „Harmonie" zu Fulda stattfindende Präsideskonserenz der katholischen Arbeiter- und MännewereiNe wird hiermit nochmals hingewiesen. Verbandsjugendleiter öbel-Köln wird an der Konferenz teilnehmen. Es wird, deshalb um vollzähliges Erscheinen) ’i'beten.
Die Post in Erwartung des Weihnachts-Paket- oerkehrs.
Um den gesteigerten Anforderungen des Weih- nachts-Paketverkehrs gerecht zu werden, hat die Post, gestützt auf die Erfahrungen der früheren Jahre, umfassende Vorkehrungen getroffen, die eine schnelle und pünktliche Zuführung der Sendungen in die Hand des Empfängers erwarten lasten. Die Annahmeschalter werden dem Bedürfnis entspre-
Entfernung des häßlichen Zahnbelags? Ganz ei " ch: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Ehlorodont-Zahn- paste und spült dann mit Chlorodont-Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachabmunaen.
Viola, Vatz und Geige«.
Von Univ.-Prof. Dr. I. Müller-Blattau- Königsberg, Direktor des Instituts für Kirchenmusik.
„Viola, Baß und Geigen, sie müssen alle schweigen vor dem Trompetenschall!" So heißt es in einem allen, wohlbekannten Studentenliede. Die Worte besagen wenig und doch viel. Schon der Gegensatz des stillen, intimen Streicherklanges zum lauten schmetternden Trom- pctenton ist eine instrumentengeschichtliche Feststellung. Eine zweite verbirgt sich in den Liedzeilen. Sie nennen nicht ohne Absicht die beiden Gegenpole unseres Streichorchesters, Baß und Geige, und vorher jenes Mittelglied, die Viola, die für beide in der Geschichte eine wichtige Rolle spielt.
Denn das stt doch wohl allen schon ausgefallen, daß der Konttapaß, der größte Vertreter unseres Streicherchors, einen ganz anderen Körper hat als die anderen Geigeninstrumente. Nicht nur, weil er größer ist. Wer genauer zusieht, bemerkt, daß die Oberbügel spitz zulaufen, daß die Saitenzahl und Stimmung eine andere, daß der Bogen und die Bogenhaltung ungewöhnlich sind. In diesen Besonderheiten ist unsere Baßgeige der letzte Ueberrest der einst geachteten Familie der Gamben oder Kniegeigen. Sie hatten stüher sogar eine viel größere Bedeutung als die Violinen. Heute fleht man sie nur in Museen oder bei Freunden alter Musik.
Den Unterschieh der beiden Familien, der Gamben und der Geigen, kannte schon das beginnende 16. Iahr- bunbert, indem es Groß geigen und Klein geigen unterschied. Die ersteren waren die eigentlichen Stteich- instrumente. In einem schön bebilderten deutschen Werke jener Zett von Sebastian Virdung werden sie unmittelbar neben dem beliebtesten Hausinstrument, der Laute genannt. Ihr verdanken sie freilich auch Ent- scheidendes. Von ihr übernahmen sie Saitenzahl und Stimmung, von ihr die Bünde, welche die Griffe der linken Hand festlegen. Ja, es ist wohl auch ihr großer bauchiger Körper, den sie tragen, doch mit den nötigen Einbuchtungen für den Strich des Bogens. Ein spanisches Musikbuch der Zeit beschreibt eigens, wie man auf
chend vermehrt, neben den bestehenden Postverbindungen sind zahlreiche außergewöhnliche Beförderungsgelegenheiten auf der Bahn und auf Landwegen vorgesehen. Soweit die Pakete vom Empfänger nicht abgeholt werden, erfolgt ihre Zustellung unter Vermehrung der Betriebsmittel und der Zustellkräste ohne besondere Kosten mit der gewohnten Pünktlichkeit. Wer seine Pakete rechtzeitig bei der Post aufliefert, kann sicher sein, daß sie zu der gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wer verhindert ist, seine Pakete ver- sönlich bei der Post auszuliefern, oder sich den Weg zum Postamt sparen will, gebe fie dem Paketzusteller mit. Das kann überall geschehen, wo die Paketzustellung mit Fuhrwerk ausgeführt wird. Die Gebühr für die Mitnahme beträgt 20 Rpf für ein Paket.
®ranbermeiterung des Evangelischen Altersheims.
Das an der Niesigerstraße gelegene Evangelische Altersheim „Emmaus" (früher Park-Hotel) hat, wie wir dem „Fuldaer Anzeiger" entnehmen, das westlich anschließende Grundstück der Frau Justizrat Gegenbaur, Witwe, erworben. Der Kaufpreis beträgt zirka 10000 Mk.
Zentrum im kreis Gersfeld
In Fulda fand am Montag eine Versamm- lung der Delegierten des Kreises Gersfeld statt, um der Organisation der Zentrumspartei in diesem Bezirk neue Schwungkraft zu geben. Als Vertreter des Arbeitsausschusses der Kurhessischen Zentrumspartei nahm Prof. Dr. Scheller an den Verhandlungen teil.
Die Vorstandswahl hatte folgendes Ergebnis:
Ehrenvorsitzender: Reinhard, Landwirt, Mauer- schell; 1. Vorsitzender: Golbach, Pfarrer, Simmershausen; 2. Vorsitzender: Goldbach, Pfarrer, Lütter; weitere Vorstandsmitglieder: Wehner, Josef, Kaufmann, Poppenhausen; Schönberg, Schornsteinfegermeister, Hilders; Nüdling, Rudolf, Hilders (Jugendvertreter);Vey, Josef, Gersfeld (Jugendvertreter). Stellvertreter: Ramb, Pfarrer, Gersfeld; Heger, Otto, Wüstensachsen; Füller, Karl, Schmalnau; Schütz, Karl, Lütter; Keidel, Georg, Wüstensachsen; Nüdling, Bürgermeister, Lahrbach.
Eine wegweisende Aussprache über die Organisation wurde durch Parteisekretär Gellings eingeteitet. lieber die politische Lage berichtete Dr. Kramer. Nach Weihnachten werden in allen Gemeinden des Kreises Gersfeld Zentrumsver- sammlungen stattfinden. Auch der Windthorstbund wird im Kreis Gersfeld seine Schulungsarbeit mit Nachdruck cmfnehmen.
selbst sorgen. Aufgabe unserer Kleidung ist es, uns unsere natürliche Körperwärme möglichst unverändert zu erhalten. Je lufthaltiger ein Kleidungsstück ist, umso wärmehaltender wirkt es. Luft ist nämlich ein schlechter Wärmeleiter und die zwischen Körperhaut und den einzelnen Kleidungsstücken liegenden Luftschichten dienen zur Wärmespeicherung. Also trage man im Winter möglichst locker gewebte Wollstoffe und gefütterte Kleidungsstücke. Von Wichtigkeit ist es auch, daß man für die Winterkleidung dunkle Stoffe, wie sie ja im allgemeinen auch Mode sind, bevorzugt, weil dunkle Farben die Wärmestrahlen der Außenwelt verschlucken, während Helle sie wieder ,zurückwerfen. Ueberwarme Kleidung, die zur Schweißbildung Veranlassung gibt, ist von liebel, einmal, weil bei der Schweißabdunstung ein Wärmeverlust eintritt, dann aber auch, weil die feucht gewordenen Kleidungsstücke wärmeableitend wirken. Auch aus diesem Grunde ist daher Sauberkeit und häufiges Wechseln, besonders der Unterwäsche, ein selbstverständliches Gebot vorbeugender Gesundheitspflege. Man achte weiterhin darauf, im Winter nicht zu fest anliegende Kleider, Hüte usw. zu tragen, weil diese die Hauttätigkeit einschränken und unter Umständen die Blutzirkulation absperren können. Hier liegen häufig die Ursachen für allerlei unangenehme Kälteschäden, vor allem auch für die Entstehung der Frostbeulen. Das Schuhwerk sei bequem und muß den Zehen genügend Spielraum lassen. Auch ein Loch im Strumpf kann leicht zur Absperrung des Blutes und damit zur Bildung von Frostbeulen Anlaß geben. _______________
Preissenkung im Buchhandel.
Wie der Vorstand des Börsenvereins der deutschen Buchhändler bekannt gibt, sollen im Zusammenhang mit der neuen Notverordnung die Preise der vor dem 1. Juli 1931 in Deutschland erschienenen Bücher bis zum 1. Januar 1932 um mindestens 10 Prozent gesenkt werden, soweit nicht jetzt schon von Seiten des Verlags eine Preisherabsetzung vorgenommen wird ober bereits vorgenommen worden ist. Die Bücher der neuesten Produktion, das heißt alle Werke, bie nach dem 30. Juni 1931 erschienen sind, werden von der Preissenkung nicht betroffen.
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Dazu erfahren wir von den Fuldaer ortsansässigen Buchhändlern (Aloys Maier und Rein- hardtsche Buchhandlung), daß sie auf alle vor dem 1. Juli erschienenen Bücher (mit Ausnahme der Volksausgaben und billigen Samm
lungen) schonvonheuteaneinen Kassen- Rabatt von 10 Prozent gewähren, obwohl sie bei den Verlegern bis Jahresende die vollen Nettopreise bezahlen müssen. Die Ladenpreise für die nach dem 1. Juli erschienenen Bücher bleiben, wie in obiger Notiz bereits gesagt ist, von der Senkung unberührt, da für diese Neuerscheinungen bereits Preisherabsetzungen erfolgt sind, die wesentlich über den in der 4. Notverordnung vorgeschriebenen Satz von 10 Prozent hinausgehen.
Die Maßnahme der Fuldaer Buchhändler, die damit dem Beispiel verschiedener anderer Branchen (Radio, Schallplatten usw.) folgen, ist sehr zu begrüßen und wird hoffentlich dazu beitragen, dem Weihnachtsgeschäft eine starke Anregung zu geben.
Iustizrat Oiekamp f.
In Bochum starb einer der anerkanntesten und verdienstvollsten Führer der westdeutschen Katholiken, Justizrat Sigismund Sietamp. Auch in Fulda war er bekannt, da er in den drei Jahren, in denen die katholischen Studenten-Vereine Deutschlands (K. V.) hier ihre Generalversammlungen abhielten, jeweils als Präsident der K. V.» Altherrenschaft an führender Stelle bei diesen Tagungen beteiligt war. In einem längeren Nachruf auf den Heimgegangenen lagt die „Kölnische Volkszeitung":
Mit Iustizrat Dielamp ist einer der treuesten Kämpfer des westfälischen Zentrums, ein tiefgläubiger, frommer Sohn feiner fa. tholifchen Kirche, eine Zierde des Ju- ristenstandes dahingegangen.
In feinen jungen Jahren stellte er sich als unerschrockener Mann in die vordersten Reihen der Kämpferfront der westfälifchen Zentrumspartei. Er trat entschieden im Kulturkampf für die Rechte der katholischen Kirche ein und wurde bald Führer der Katholiken Bochums und der Zentrumspartei, die unter feiner Leitung glänzende Wahlerfolge erzielte. In den 80erJahren vermochte das westfälische Zentrum unter seiner Führung zum erstenmal einem Zentrumskandidaten im Wahlkreise Bochum—Gelsenkirchen—Witten— Hattingen in der Person des westfälischen Bauern, königs von Schorlemer-Alst zum Siege zu verhelfen.
Große Opfer brachte diese begabte Führer- natur für die katholische Kirche und das Zentrum in schwerster Zeit. Sein mannhaftes Auftreten für die Ideale des Zentrums veranlaßte die im Kulturkampf damals herrschende katholikenfeindliche Richtung ihn aus dem Reserveoffizier s- st a n d e z u v e r w e i s e n. Es hat den Mann in
Reichsbahn-Personea-Rachricht.
Versetzt wurde der Reichsbahn-Assistent Hertz e t von Eiterfeld nach Marbach (Kr. Fulda).
Eine neue Plastik
des Bildhauers Friedrich Brill zeigt die Stein« hardt'sche Buchhandlung. Die Gruppe Tobias und Raphael. Da ist Bewegung und Ausdruck: der Rhythmus des Gleichschritts, die Hoheit und Güte des Engels, die Sammlung und Spannung des Tobias, der nachdenklich hinhorcht: Also die Galle des Fisches da . . . vielleicht daß der blinde Vater dadurch wieder sehend wird . . .1 Und zu diesem Geistigen als Gegensatz: Der Hund — mit feinen ausgelassenen Sprüngen aus Freude am bloßen Weiterschreiten. — Die Gestalten sind edel und schlicht. Rudolph Happ.
Geschäftsjubiläum.
Das bekannte Schuhhaus Bud e n z Hann heute auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken. Es wurde hn Jahre 1881 in der Kanalstraße, im jetzigen Schirmhaus Schulz, gegründet. Schon 1886 siedelte es in die Löherstraße Nr. 2, in das damalige Emmerling'sche Haus, über. Nachdem das Haus Nr. 4 (Briefträger Erb) zum Abbruch dazu erworben worden war, wurde der jetzt bestehende Bau ausgeführt. Das Geschäft hat sich durch die solide, der bodenständigen Fuldaer Art entsprechende Führung immer eines großen Ansehens zu erfreuen gehabt, der ihm auch im 2. Halbjahrhundert beschieden fein möge.
Gesundheitspflege im Dezember.
Der Dezember, in dem kalendermäßig der Winter zwar erst seinen Anfang nimmt, ist gewöhnlich ausgezeichnet durch Frost und Kälte. Leider haben wir Menschen es nicht so gut wie die Tiere, denen die Natur alljährlich einen neuen Pelz schenkt. Für zweckentsprechende Kleidung zum Schutz gegen die Winterkälte müssen wir daher
Die Ze» im Spott-Silb.
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J
Dr. Gördeler, der neuernannte Preisabbaukommissar, hat eine schwere Aufgabe vor sich. In Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden sollen in Zukunft die Preise in den Kleinverkaufsstellen aufs genaueste überwacht werden und ständig durch Preistafeln in den Schaufenstern kenntlich gemacht sein.
Ein neuer Vers: Hört, ihr Herren, laß euch sagen, die Preise sind nicht mehr zu tragen. Vernehmet nun die neue Welle' zu senken sind jetzt alle Preise!
der Gambe einstimmig und mehrstimmig improvisieren kann. Der ttalienische Maler Domenichino stellt die heilige Cacilia dar, wie sie auf einem solchen Instrument spiett. Es ist also sogar der höchsten, der Kirchenmusik, dienstbar.
Ganz anders jenes Insttument, das man damals Klein geige nannte. Es war im Gegensatz zu der Großgeige bundlos und in Quinten gestimmt. Sein Ton war schreien und grell. Als Rubebe (Rubec) kam es im Mittelalter mit den Arabern nach Europa und wurde als Tanzinsttument gebraucht. Damit war es in niedere Schichten abgedrängt. Jener deutsche Jn- sttumenten-Theoretiker, der es neben der Großgeige nennt, bezeichnet es abschätzig als „unnützes Insttument".
Aber die Gambe oder, wie man sie in Italien nennt, Viola da Gamba ist eigentlich Baßinstrument. Als solches muß sie zwischen den Beinen gehalten werden und heißt daher „Beinfidel" (tt. gamba, frz. jambe). Da man aber im 16. Jahrhundert unter der Herrschaft des Chormustkstils alle Insttumente zu Chören ausbaute, so fügte man auch hier dem Baßinsttument ein entsprechendes Tenor-, Alt- und Sopraninsttument hinzu Die Form hatte sich kaum verändert. Wir erkennen sie heute noch außer an den spitzen Oberbügeln an den hohen Zargen und dem flachen Boden. Der Steg ist merkwürdig niedrig, die Saiten sind mäßig gespannt Und an die alte ursprüngliche Birnform der Laute erinnern noch die C-Löcher. —
Der silberne, milde Ton dieses Jnsttumentes wird nun das Klangideal der Zett. Ein solches Insttument erforderte ein ruhiges und beschauliches Spiel. Der Spieler spiett mit langgezogenem, brettern Sttich, in sich hinein Er lauscht gewissermaßen auf den verhaltenen, unkörperlichen Ton. Ein Ensemble solcher Insttumente, wie es Italien und vor allem Englanb kannten, muß von einer ganz unerhörten Klangwirkung gewesen sein Noch Goethe hörte den letzten großen Gambenvirtuosen, Karl Friedrich Abel, in seiner Jugend mit Bewunderung.
Inzwischen hat der Aufstieg der Geige begonnen. Langsam entringt sie sich den Schenken und üblen Or
ten, an die sie noch zu Anfang des 17. Jahrhunderts durch Verordnungen gebannt ist. Sie rückt allmählich in die musikalische Sphäre ein, läßt für den Tanzbereich nur ihren kleinsten Abkömmling als Tanzmeistergeiglein zurück. In Italien kommt sie zunächst zu Ehren. Als Viola da Braccio, d. h. Armgeige, treffen wir sie dort zuerst. Sie trägt alle die Merkmale der Geige, hat vier Saiten in Quimenstimmung, niedrige Zargen, gewölbten Boden und F-Löcher, die auf das Doppelrund ihrer eigentlichen Form deuten. So stellt sie eigentlich unsere heutige Viola oder Bratsche, das Alt-Instrument des Stteichkörpers, dar. Von diesem Instrument aus wird nun die ganze Familie aufgebaut, die eigentliche Violine als Diskant, das Violoncello als Tenor.
Das ist gegenüber der Gambe ein ganz neuer klanglicher Eindruck. Voll und körperlich ist der Ton der Violine. Man merkt chr an, daß sie aus dem Tanze stammt. Denn ihr Ton ist durchdringend und geht gleich ins Blut. Das Feurige und Präzise dieses neuen Klanges verbunden mit einer neuen straffen Bogenführung stellt die Violine sofort an die Spitze eines Stteichor-- chesters. Die „Violons du Roi", jenes berühmte Geigenensemble Ludwigs XIV., ist das erste wirkliche Streichorchester der Musikgeschichte. Aber während die Franzosen gerade das Feurige und Straffe im Klang der Violine hervorheben, bilden die Italiener sie zum Träger reiner Schönheit aus. Die Instrumente, die sie bauen, haben zunächst einen milden ftötigen Ton (Amati). Erst Stradivari baut jene Instrumente, deren klangliche Fülle und Tragfähigkeit wir heute noch bewundern. Zu diesem Instrument schafft Italien seit Corelli das Ideal des Geigen f o I i ft e n, Frankreich hat den O r ch e st e r s p i e l e r herausgebildet.
Langsam tritt zu Anfang des 18. Jahrhunderts die Gambe zurück. Säuselnd und delikat wird sie in jener Zett genannt. Noch Bach gebraucht die Violine gambenmäßig, indem er sie in seinen Solosonaten mehrstimmigem Spiel dienstbar macht. Dann aber tritt gerade in Deutschland die Violine die unumschränkte Herrschaft an. Aus Italien hat sie das Singende, aus Frankreich das Feurige mitbekommen. Nun wird sie als Orchesterinstrument der Träger des neuen, ausdrucksvollen und beweglichen srühllasjischen Orchesterklanges. Noch heute ist
der Klang unseres Orchesters von ihr getragen, von ihr und ihren Anverwandten: Viola, Baß und Geigen.
Bunte Zeitung.
— Leute, die ihr Blut verkaufen. Das Blutspenden ist neuerdings sozusagen ein Gewerbe geworden. Besonders in Amerika hat sich der Berus organisiert; es gibt in Newyork etwa 1300 Blutspender, die sich für Blutübertragungen zur Verfügung stellen. Welchen Einfluß wiederholte Blutentnahmen zeitigen, haben amerikanische Forscher untersucht. Männer ertragen den Verlust besser als Frauen; ihnen kann man in Zwischenräumen von 3—5 Tagen ohne Gefährdung 4—5mal je 400 ccm Blut entziehen. Die Spender fühlen sich im allgemeinen sehr wohl, geben an, arbeitsfreudiger zu fein als früher und manche Krankheit, an der sie litten, Stuhlverstopfung und Hautausschläge dadurch verloren zu haben. — Der Preis für eine Menge Blut von 200 bis 500 ccm beträgt 100—200 Mark. — Das Newyor- (er Gesundheitsamt hält die Blutspender unter dauernder Aufficht. Sie werden sorglich untersucht, vor allem daraufhin, ob sie frei sind von Syphilis, Malaria, Tuberkulose, Asthma, Herzkrankheiten etc. Die Blutgruppe, der sie angehören, wird bestimmt. Don einem Blutspender, Kone, wird berichtet, daß er 147 Bluttransfusionen hinter sich hat, von denen er 87 gratis gab. Er war niemals krank, hat normalen Blutdruck und erholt sich ungewöhnlich schnell von feinem Blutverlust. Daß diese Blutentziehungen keinen gesundheitlichen Schaden bringen, im Gegenteil sich als nützlich erweisen, nimmt nicht Wunder Ist solche Blutentnahme doch nichts anderes als, ein Aderlaß, der in früheren Zeiten viel angewandt. allzu viel oft, in Vergessenheit dann geraten, in neuerer Zeit wieder bei manchen Krankhettszustän- den sich als segensreich erbteift.
Heileres.
3m vorübergehen. „Halten Sie mich nicht auf — ich muß zum Essen — heute gibt’s Hasenbraten bei meiner Wirtin — was macht übrigens die Frau Gemahlin?" — „Königsberger Klops."