Anzeiger für die Stadt Julda und den Landkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
Nr. 289
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Dienstag, 15. Dezember 1931.
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WS- 58.
Sie deutsch-französischen Beziehungen.
pariser Urteile über die Lage in Deutschland. — Der ametita* nische SenatorBorah über das Kriegsschulden- und Reparationsproblem. — Erst Verminderung der Rüstungen, dann Streichung der Reparations- und Kriegsschulden.
Eine Reihe von Pariser Blättern setzen ihre Betrachtungen über die Rundfunkrede des Reichs- kanMrs und die Notverordnung fort.
„Petit Parisien" weist auf die innerpolitische Lage in Deutschland und namentlich auf die Rundfunkansprache des Reichskanzlers hin. Es wäre ungerecht, die Bedeutung dieser Rede und den Mut, der sie beseelte» in Abrede zu stMen. Man müsse bedauern, daß die Politik, die darin zum Ausdruck komme, nicht auch die Handlungen und Kundgebungen der deutschen Regierungen nach der Rheinlandräumung und dem Tode Stresemanns inspiriert habe. Deutschland stehe dann weder politisch noch finanziell fo dq, wie es heute tatsächlich der Fall sei. Werde Brüning von seinen Landsleuten gehört werden? Werde Deutschland- einsehen, daß seine Zukunft nicht auf der nationalsozialistischen Demagogie beruhe? Deutschland müsse sich diese Gewißheit verschaffen, und Man könne das nur wünschen.
Der Außenpolitiker des nationalistischen „E ch o de Paris" hält es für zweifekhaft, daß die Bemühungen des Reichskanzlers, die deutsche Wirtschaft durch Notverordnungen aufrecht zu erhalten, von Erfolg gekrönt sein würden. Der deutsche Handel bezeuge zwar, daß die Wirtschaftsmaschine noch immer stark sei, aber sie könne mit aK den übrigen zusammenbrechen. Angesichts einer solchen Lage könne Frankreich nichts anderes tun, als zu verstehen zu geben, daß die revolutionäre Erpressung von rechts oder links keine Wirkung auf Frankreich ausüben werde. Das geringste Entgegenkommen gegen Hitler oder seine Abgesandten würde vielleicht dazu beitragen, die Katastrophe zu beschleunigen. Diese Katastrophe jedoch wünsche Frankreich nicht. Sollte sie kommen, dann werde kn erster Linie Deutschland selbst von ihr betroffen und durch sie zu Boden geschleudert werden. Borläufig scheine die Reichswehr allerdings stark genug zu sein, dieser Katastrophe vorzubeugen.
„Oeuvre" schreibt, die Hitlerbewegung sei eine Bewegung, die es auf die Vernichtung der Republik in Deutschland abgesehen habe. Sie stelle eine Vereinigung aller Arten von Unzufriedenen und Erbitterten dar, die das Regime gegen sich habe aufkommen lassen, für das die Nation nicht gekämpft und das es auch nicht spontan gewählt habe: Ihrer Vorrechte entkleidete Junker, unbefriedigte Industrielle, durch die Inflation von 1923 ruinierte Kleinbürger, kleine Angestellte, die die Wirt- schastspolitik auf die Straße geworfen habe. Alle diese Verbitterten und Verzweifelten gewährten den Agitatoren, die nur ihre Naivität ausnutzten, blindes Vertrauen.
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wtb. London, 14. Dez. (Eig. Meldg.). Der Sonderkorrespondent des „Daily Herald" berichtet aus einer Unterredung, die er mit Senator Borah hatte, daß dieser der Ansicht sei, eine Besserung der europäischen Lage könne nur durch eine Annäherung Frankreichs und Deutschlands auf der Basis eines solchen Programms erfolgen, das Deutschland wieder Lebensmöglichkeiten gäbe. Was bezüglich der Reparationen getan werden könne, liege fast beinahe ausschließlich beiFrankreich. Allerdings setzt die Durchführung eines solchen Programms, auf das die ganze Welt warte, eine Kursänderung der jetzigen französischen Politik voraus. Senator Borah, der betonte, er glaube nach wie vor an die Notwendigkeit einer Revision des Versailler Vertrages, legte im Laufe der Unterredung dann dar, daß er deshalb für die Gewährung des Hoover-Moratoriums eingetreten sei, um Europa die Möglichkeit zu geben, sich einen gesunden Wirtschaftsplan zu schaffen. Er sei jedoch nur für ein einjähriges Moratorium gewesen, denn, so sagte er, im gegenwärtigen Augenblick sei ein Punkt erreicht, wo eine Moratoriums- Regelung, die die Zahlungsfähigkeit zur Grundlage habe, die Schwierigkeiten nicht aus der Welt zu schaffen im Stande ist. Helfen könnte jetzt nur mehr eine Schulden- st re ich un g. Borah schloß, er wolle noch die Abrüstungskonferenz ab w arten, die seiner Meinung nach in Wirklichkeit eine Wirtschaf t s k o n fe r e n z sei. Ohne eine Verminderung der Rüstungen sei eine Wirtschaftskonferenz zwecklos. Dagegen bestehe begründete Aussicht auf Besserung der Lage, wenn die Reparationen und die Kriegsschulden gestrichen und die Kriegsrüstungen herabgesetzt würden. Die Regierungen müßten ihre Politik darauf umstellen, weil es sonst keinen Zweck hätte, überhaupt Delegationen zur Konferenz zu entsenden.
Der Slandpunkt Frankreichs.
Der Newyorker Berichterstatter des „Daily Telegraph" hat Kenntnis von einer Geheimanweisung der französischen Regierung erhalten, die im Anschluß an das deutsche Ersuchen an die BIZ um Nachprüfung der Zahlungsfähigkeit an die Botschafter versandt wurde.
Das Schriftstück enthält genaue Richtlinien für die Verhandlungen über die Tribute, die Kriegsschulden und die kurzfristigen Kredite. Einleitend wird darauf hingewiesen, daß die Hauptrichtlinien bereits in der am 25. Oktober in Washington bekanntgegebenen amtlichen Verlautbarung enthalten sind, die auf die Gemeinsamkeit der Ansichten der. französischen und amerikanischen Regierung
in der ganzen Frage hinwies. In der Geheimanweisung wird dann u. a. darauf hingewiesen, daß Deutschland aus Grund der Haager Abmachungen an den Doungplan gebunden bleche und zwar unbeschadet des Hooverfeierjah- res. Die vollständige Trennung zwischen geschützten und ungeschützten Zahlungen müsse unbedingt aufrecht erhalten bleiben. Jede etwa noch bestehende Unsicherheit über die Rechtsgültigkeit des Doungplanes werde dadurch zerstreut, daß das Reich selbst Zuflucht zu den im Doungplan angeführten Maßnahmen genommen habe. Obwohl Deutschland zum großen Teil sechst die Verantwortung für seine finanziellen Schwierigkeiten trage, sei die französische Regierung zu dem Zugeständnis bereit, gewisse Berichtigungen innerhalb des Rahmenwerkes angesichts der außerordentlichen wirtschaftlichen Krise als gerechtfertigt anzusehen. Ihre Dauer müsse jedoch unbedingt auf die Zeitspanne der wirtschaftlichen Krise beschränkt bleiben. Eine andere Möglichkeit bestehe nicht, es sei denn, daß die Vereinigten Staaten einer endgültigen Herabsetzung der Frage, bis zu welchem Ausmaß das Reich von Zahlungen, die während der Krise zurückgehalten wurden, als endgültig befreit angesehen werden könne, wolle sich Frankreich nicht widersetzen. Unter keinen Umständen aber könne Frankreich für die interalliierte Schuldenzahlungen Mittel bereitstellen, die höher als die Nettoeinnahmen seien, die auf Grund der deutschen Tributverpflichtungen eingingen. Die Lösung der Privatschuldenfrage liege außerhalb der Zuständigkeit des Baseler Sonderausschusses. Frankreich könne einem Vorrecht der Prioatschulden vor den Tributen nicht zustimmen, da es keine Verpflichtungen für die Folgen einer Politik übernehmen könne, die es selbst nur in ganz geringem Maße verfolgt habe. Die französische Regierung begünstige die Einberufung einer Regierungskonferenz, sei aber entschlossen, unter dem Kapitel „Reparationen" seinen ihm zustehenden Anteil an allen deutschen Auslandszahlungen zu beanspruchen. Dagegen sei es bereit, Zahlungsmethoden anzustreben, die auf einen Ausgleich der widerstrebenden Interessen hinzielten und zwar besonders hinsichtlich der Sachlieferungen.
Zum Schluß werden die französischen Botschafter ersucht, die Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, möglichst bald mit dem französischen Standpunkt bekannt zu machen und gleichzeitig Erkundigungen über die Standpunkte der betreffenden Regierungen einzuziehen. Auf jeden Fall fei es ratsam, bei den verschiedenen Gläubigern Deutschlands nicht die Annahme aufkommen zu lassen, als ob Frankreich nach dem Zustandekommen einer Verständigung mit den Vereinigten Staaten in der Tributfrage allein handeln wolle. Das deutsche Erfuchen an die BIZ sei der französischen Regierung vorher zur Kenntnis gegeben worden. Frankreichs völlige Handlungsfreiheit werde dadurch nicht beeinträchtigt.
Was der amerikanische Botschafter sagk.
Der Berliner Botschafter Sackett über die Pflichten der nenen Gläubigrrnationen.
Ans dem Jahresessen der amerikanischen Handelskammer in Deutschland hielt der amerikanische Botschafter Frederic M. Sackett eine bemerkenswerte Ansprache, in der er sich mit den Lösungsmöglichkeiten beschäftigte, die aus der Weltdepression herausführen könnten. Bis zum Jahre 1914 sei England die anerkannte Gläubigernation der Welt gewesen. England habe an erster Stelle als Bahnbrecher der Entwicklung gestanden, weil seine günstige Handelsbilanz einen ständigen Ueberschuß bereitgestellt habe. Da England in den letzten Jahren seine Vormachtstellung als Gläubiger allmählich an Frankreich und die Vereinigten Staaten verloren habe, stehe man jetzt einer völlig veränderten Lage gegenüber.
Diese beiden Staaten hätten zwar Ausfuhrkapitalien auf Grund ihrer günstigen Handelsbilanz; sie hätten jedoch nicht die Tradition der Verpflichtung, Kapital auszu- führen, um damit die Weltmärkte zu entwickeln, wie das bei England der Fall gewesen sei. Sie hätten ferner nicht die finanzielle Führerschaft ihrer Zentralnotenbanken organisiert, um jenes Bedürfnis zu befriedigen. Sie
führten zwar Kapital aus, aber in Form von Darlehen, angezogen durch Zinssätze, Sicherheiten oder sogar politische Ueberlegungen. Das Geschäft der Bank von Frankreich benötige die Zustimmung politischer Kabinette. Nationalpolitische Kontrolle verbände ihre Darlehen weit größer für die koloniale Entwicklung Frankreichs im Interesse der französischen Industrie als für die Entwicklung neuer Märkte zum Nutzen aller Nationen. Als Ergebnis dieser Tatsache steht die Well einer fortdauernd ernsten Arbeitslosigkeit gegenüber. Es gebe genügend Möglichkeiten für neue Märkte, die brach lägen und uns nützen könnten, jedoch müsse erst eine Organisation geschaffen werden, um sie auszubeuten und zu entwickelst.
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Reichskanzler Brüning war durch eine Indisposition verhindert, an der Veranstaltung teilzunehmen. Eine Ansprache, die er halten wollte, wurde durch den Reichswirtschaftsminister Dr. Warmbold verlesen.
Zum Schluß der Rede heißt es:
„Ich habe hier nur von dem einen Teil des deutschen Verschuldungsproblems gesprochen, von der Privatverschuldung. Ich habe es mir versagen müssen, auf die andere Seite des Problems, die Frage der Reparat io ne n hier einzugehen, weil ich in die in Basel schwebenden Verhandlungen nicht eingreifen möchte. Sie alle kennen die Zusammenhänge, die zwischen diesen beiden Problemen bestehen. Ich hoffe, daß es gelingen wird, eine Lösung dieser Fragen auf möglichst breiter, die Weltwirtschaftskrise wirklich umfassender Basis zu finden, aber ich wiederhole, was ich vor einigen Tagen ausgeführt habe, daß die Bemühungen nur dann Erfolg haben können, wenn alle Beteiligten, besonders alle beteiligten Regierungen dafür sorgen, daß die ost verkündeten Grundsätze s o l id a r i s ch e n Zusammenwirkens sich jetzt endlich in letzter Stunde in die Tat umsetzen. Der Präsident bei Vereinigten Staaten hat durch sein Eingreifen im Juni dieses Jahres den Weg gewiesen. Auf seine und des amerikanischen Volkes Stellungnahme wird es auch weiterhin bei der Lösung dieses Problems entscheidend ankommen.
Btflniogs Bewertung in England.
wtb. London, 14. Dez. (Eig. Meldg.). Der Berliner Korrespondent des „Observer" schreibt unter Bezugnahme darauf, daß Reichskanzler Brüning selb st an der kommenden Repa- rationskonferenz teilnehmen wird, jeder, der Dr. Bünings Bemerkungen auf der Konferenz der Auslandsjournalisten hörte, den Ausdruck aus seinem Gesicht beobachtete und den Ton seiner Stimme verfolgte, mußte den Eindruck haben, daß niemand aufrichtiger überzeugt ist als der deutsche Kanzler, daß deutsche Zahlungen unter den augenblicklichen Umständen überhaupt nicht in Frage kommen. Ganz Deutschland ohne Unterschied der Partei ist sich in diesem Punkte einig. Die alte Str e sema n n'sche P oliti k der Erfüllung ist heute völlig vorbei. Der Korrespondent betont, daß Brünings Prestige in der letzten Woche ungeheuer zu genommen hat.
Handelskrieg?
Der Abbruch der deuksch-schweizerischen Handels- verlragsverhandlungen.
Im Zusammenhang mit dem erfolgten Abbruch der deutsch-schweizerischen Handelsvertragsverhandlungen erfahren wir aus politischen Kreisen, daß nunmehr mit ziemlicher Bestimmtheit damit zu rechnen ist, daß die Schweiz zu dem fälligen Termin am 18. Dezember die Kündigung des Handelsvertrages aussprechen wird, so daß der Vertrag zum 4. 2. nächsten Jahres außer Kraft tritt. Die Wünsche der Schweiz, die, wie [seinerzeit gemeldet, bereits im Februar ds. Is. Deutschland übermittelt worden waren, gingen dahin, die deutsche Ausfuhr nach der Schweiz durch
Die Baseler Aussprache über die deutsche Denkschrift.
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Am Konferenztisch des Sonderausschusses der 23. 3. Z. in Basel.
1. Prof. Rist (Frankreich), 2. Colijn (Holland), 3- Graf Schwerin-Krosigk, der Vertreter des Reichs- finanzministeriums, 4. Dr. Melchior (Deutschland), 5. Stewart (USA), 6. Beneduce, der Präsident des Sonderausschusses (Italien), 7. Francqui (Belgien), 8. Sir Walther Layton (England). Als erster ganz links Dr. BindMchler (Schweiz), _ _ ___ ' „ ... .
eine allgemeine Kontingentierung zu beschränken. Im letzten Jahre betrug die deutsche Ausfuhr nach der Schweiz insgesamt 400 Millionen, während die Einfuhr aus der Schweiz sich auf nur 200 Millionen belief. Man nimmt in unterrichteten Kreisen an, daß die schweizerische Regierung, falls der Vertrag wirklich gekündigt wird, autonome Zollkontingente festsetzen wird, die aber zweifellos wohl nicht auf eine völlige Unterbindung der deutschen Ausfuhr nach der Schweiz hinauslaufen werden, da die Delegierten der Schweiz auch bei den jetzt abgebrochenen Verhandlungen immer die Tatsache anerkannt haben, daß Deutschland eine höhere Ausfuhr habe als die Schweiz.
Die Gewerkschaften bei Stegerwatd.
Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald empfing die Vertreter der drei gewerkschaftlichen Spitzenverbände, die um eine Besprechung über den sozialpolitischen Teil der Notverordnung und die Senkung der Warenpreise nachgesucht hatten. Dabei wurde von gewerkschaftlicher Seite hervorgehoben, daß der Termin des 10. Januar 1927 nicht als unabänderliche Zwangsvorschrift betrachtet werden könne, daß die Notverordnung nach Auffassung der Gewerkschaften vielmehr so gelesen werden müsse, daß es ungeachtet dieses Termins Arbeitgebern und Arbeitnehmern erlaubt fein müsse, sich durch freie Vereinbarung über ein hä- heres Niveau zu einigen. Der Schlichter müsse den ihm in der Verordnung gelassenen Spielraum jedenfalls ausnutzen, um Härten zu beseitigen.
Das provisorische Moratorium.
Associadet Preß meldet aus Washington, daß die Regierung mit den Parteiführern im Senat eine informelle Verständigung erzielt habe, daß die Schuldenzahlungen der europäischen Länder, die am Dienstag fällig werden, suspendiert werden sollen, bis das Hoover Moratorium ratifiziert wird. *
Allen ausländischen Staaten, die am 15. Dezember Kriegsschuldenzahlungen an Amerika zu lei. sten haben, wird auf Anfrage bei der amerifani« scheu Regierung mitgeteilt, daß man ke i n e r l e i Zahlungen erwarte. Das Staatsdepartement und das Schatzamt haben den Kongreß davon benachrichtigt, daß sie den Schuldnerstaaten zu erklären beabsichtigen, daß die Zahlungen zwar vertragsmäßig fällig seien, da das Moratorium bisher' noch nicht ratifiziert worden wäre, daß aber dis Ratifizierung in Bälde erwartet würde und die amerikanische Regierung das Moratorium infolgedessen als in Kraft getreten betrachte.
Reine Reichstags-Sitzung»
Die Frage, ob der Reichstag noch in absehbarer Zeit einberufen werden wird oder nicht, kann bereits als gelöst angesehen werden. Im Haushaltsausschuß des Reichstags hat der sozialdemo- kratische Abgeordnete H i l f e r d i n g Ausfuhrun- gen zur Notverordnung gemacht, aus denen klar hervorging, daß zwar die Sozialdemokratische Partei mit wesentlichen Teilen der Verordnung nicht einverstanden ist, aber aus politischen Gründen von einer Unterstützung der vorliegenden Anträge auf Einberufung des Reichstags Abstand nehmen wird. n.., , , .
Auch der Reichstagspräsident Lobe hat tm „Vorwärts" sich in ähnlicher Weise geäußert. Er setzt sich mit verschiedenen Teilen der Verordnung auseinander, kommt aber bann zu dem Schluß, daß die Umstände jede kommende Regie- rung, ob es eine Rechts- ober Linksregierung lei, in den Zwang versetzen würdest, Sparmaßnahmen und Kürzungen einzuführest die nach den inzwischen eingetretenen Ereignissen drakonischer fein würden als die heutigen. Also auch Löbe, der bekanntlich auf dem linken Flügel der Sozialdemokratie steht, will von einer Reichs- tagseinberufung mit Aufhebung der Notverordnung und Sturz der Regierung nicht das Geringste wissen.
Stahlhelm kämpft für Uniform.
Der Bundesvorstand des Stahlhelms, der am Samstag und Sonntag in Magdeburg tagte, hat eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt:
„In tiefster Empörung hat der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, von dem Uniform- und Abzeichsnverbot Kenntnis ge. nomtnen. Vor 13 Jahren haben nach vierjährigem Krieg die Freikorps und der Stahlhelm Deutschland vor dem Aeußersten gerettet. Die Bildung der Reichswehr wurde erst hierdurch ermöglicht. Zwölf Jahre hat der Stahlhelm selbstlos unter größten Opfern ohne Lohn und Anerkennung sich für die Wiederwehrhaftmachung des deutschen Volks als Voraussetzung deutscher Freiheit eingesetzt. Heute verbietet man den Stahllielm, nicht nur fein symbolisches Abzeichen, sondern sogar das Tragen des eiten Ehrenkleides. Dagegen erheben wir den schärfsten Einspruch."
Soldaten tragen Uniform. Zivilisten (z. B. Stahlhelm) tragen keine Uniform. Diese vernünftige Regelung hätte die Reichsregie- rung von vornherein in Deutschland durchsetzen müssen. Viele von den inneren und äußeren Schwierigkeiten, die jetzt vor Deutschland stehen, wären vermieden worden, wenn die Reichsregierung mit unerschütterlicher Energie der Kostümierung von Zivilisten in irgendwelcher Parteiuniiorm unterdrückt hätte. Auch dem Ansehen der Reichswehr, die allein mit Recht Uniform in Deutschland tragen soll, wäre dadurch am besten gedient gewesen, :___