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Nr. 288

Beilage zur Fuldaer Zeitung

13. Dezember

Mond-Aufgang.

Ein Abend ist, der alle Fenster weitet,

Der alle Träume in die Ferne führt, Mit allen Wipfeln an den Himmel rührt Und golden aller Flüfse Laus geleitet.

Der eine Heimat sucht und sehnt und kündet Und eines Herzens seliges Ziel erträumt, Und ahnend noch an letzter Schwelle säumt, Die in Unendlichkeit zerfließt und mündet.

Da tritt es silbern aus den Wolkenhüllen. Der Ferne letzter Schleier sinkt und fällt. Gewährung strömt ins dunkle Herz der Welt Und schrankenloses, seliges Erfüllen.

Martha Große.

Der Schatz auf der Eicheninfel. Die Natur schützt einen Hort. (Ein Iagdausflug, der zu Entdeckungen sührt. woher stammt das ver­grabene Gold?

Don Harris Brockett.

Verborgene Schätze, so oft auch Gerüchte über ihr Vorhandensein Enttäuschungen hervorgerufen haben, sind noch immer voller Verlockung.

So auch der Schatz auf der Eicheninfel, mit dem es eine ganz besondere Bewandtnis hat. Sein Vorhan­densein ist seit 1795 bekannt. Damals fiel es drei jungen Kanadiern ein, einen Jagdausflug nach der unbewohn­ten und der neuschottijchen Küste vorgelagerten Eichen­insel zu unternehmen.

Das Eiland war mit dichtem Wald bestanden. Eine kleine Lichtung schien der beste Landungsplatz zu sein. Hundert Meter landeinwärts stand eine einzelne große Eiche. Die Jäger wollten schon an ihr vorüber gehen, da sahen sie von einem Ast eine rostige Kette herab­hängen. Eine Kette hier aus her Eicheninsel, die an­geblich seit undenklichen Zeiten kein Mensch betrat! Und unmittelbar unter dem merkwürdigen Fund hatte sich der Boden gesenkt, als wäre hier einst ein Loch ge­graben und wieder zugeschüttet worden.

Ein vergrabener Schatz? Natürlich, denn hier lag auch ein Stück von einer alten Schifsswinde, mit der man zweifellos die Kisten in das Loch hinabgelaifen hatte. An Jagd war natürlich nicht mehr zu denken. Heimkehren und am nächsten Morgen mit Schaufel und Picke zurückkehren!

Die jungen Leute gruben. Drei Meter tief waren sie gekommen, da stießen sie auf Eichenbretter. Der Schatz? Nein, nur lose Erde. Weitere drei Meter tief: wieder Eichenbretter! Und dann? Nur Erde. Wieder drei Meter tiefer, wieder Bretter. Und wieder nur Erde!

Und doch mußte ein Schatz dort liegen. Wer ging mehr als neun Meter tief in den Boden, nur um Eichen­bretter zu vergraben? Aber die Jungen konnten mit ihren schwachen Mitteln nicht weiter schaufeln. So ga­ben sie ihr Geheimnis preis, suchten Leute, die ihnen helfen sollten. Es fand sich niemand. Ging nicht die Sage, die Eicheninsel sei verhext?

Zehn Jahre verstrichen. Ein neueingewanderter Arzt hörte vom Loch auf der Eicheninfel, setzte sich mit den Entdeckern in Verbindung, stellte Arbeiter ein, grub. Siebenundzwanzig Meter tief in der Erde, nachdem weitere fünf Schichten Eichenbretter entfernt worden waren, fand man einen flachen Stein mit fremden Schriftzeichen, die niemand lesen konnte. Leider gab sich auch niemand Mühe, die Entzifferung durch einen Sprachkundigen zu versuchen. Ein Buchbinder benutzte den Stein als Unterlage beim Lederklopfen und zerstörte so die Schrift, der man vielleicht sonst die Lösung des Rätsels verdankt haben würde.

Dann kam das zweite noch größere Mißgeschick. Eines Morgens stand der Schacht zwanzig Meter tief unter Wasser. Ein neuer wurde gegraben, weil man hoffte, das Wasser würde dort hineinstießen. Doch auch er füllte sich über Nacht. Die Mittel waren erschöpft. Das Unternehmen flog auf.

Erst 1845 entstand eine neue Gesellschaft zur Hebung des Schatzes. Die Leute waren vorsichtiger als ihre Vorgänger und besaßen auch bessere technische Hilfs­

mittel. Sie setzten eine Tiefbohrmaschine an. Diese durch­stach am Grunde des Sck;achtes zwei Meter Erde, dann eine dicke Schicht Eichenbohlen, fiel einen halben Meter tief durch leeren Raum, durchbohrte neuerdings Eichen­bretter, ging durch eine sechzig Zentimeter dicke Lage von hoch aufgeschichteten losen Metallstücken und brachte dann drei Glieder einer Goldkette ans Tageslicht. Der Schatz war also kein Märchen! Lag in schweren Kisten ausgestapelt.

Der ursprüngliche Schacht sollte ausgepumpt werden. Er lief aber über Nacht wieder voll und zwar mit Salz­wasser. Also mußte irgendeine künstlich« Verbindung zwischen ihm und dem Meer bestehen. Sicher war sie angelegt worden, um den Schatz vor allen Unbefugten zu schützen. Man suchte den Strand ab und sand, sorg­fältig versteckt und durch eine Art Reuse aus Ginster­reisig vor dem Verstopfen geschützt, den Eingang zu einem Kanal. Dieser sollte abgedichtet werden. Doch es gelang nicht sofort, und dann waren wieder die Mittel erschövlt.

Fünfzig Jahre lang kümmerte sich niemand mehr um den Schatz. Der Schacht verfiel. Doch 1896 brachte ein Abenteurer die Gesellschaft wieder auf die Beine. Zwan­zig neue Schächte wurden gegraben; man hoffte, auf den unterirdischen Kanal zu stoßen und ihn verstopfen zu können. Inzwischen arbeitete im ursprünglichen Schacht wieder eine Bohrmaschine. Sie brachte einen goldenen Ring und Fetzen beschriebenen Pergaments ans Tageslicht. Die Schrift war freilich nicht zu lesen Durch die Bohrmaschine konnte einwandfrei festgestellt werden, daß die Schatzkammer gemauerte Wände hatte und zwölf Meter hoch war. In diesem Raume lagen mindestens sieben Reihen von gefüllten Kisten überein­ander.

Trotz aller Anstrengungen gelang die Hebung des Schatzes nicht. Das eingedrungene Wasser konnte nicht

Das Geheimnis des

Nun ist es bald Weihnachten, aber keine Mette darf gehalten, keine Glocke geläutet werden. Kein Christ- bäumchen darf brennen. Rotgardisten patrouillieren in den Straßen auf und ab. Plakate, Transparente ver­künden- blutrot von den Kirchtürmen, daß manGott zur Türe hinaus wirft", daß morgen die Religion zu Grabe getragen wird. Wir haben nichts mehr, als ein schweres Herz.

Bei Molodoy wachsen die tiefen Nadelwälder. Nun habe ich eine unwiderstehliche Sehnsucht, den Nadelwald zu sehen.

Nichts ist älter, so ehrwürdig verschwiegen, wie die dunllen Wälder um Molodoy, die älter sind, viel älter als unsere Stadt und die darin gelebten Generationen. Aus Urzeiten liegt der Wald noch heute da wie einst Ein Bollwerk durch Jahrhunderte dem vordringenden Bodenhunger. Kein Lenin, kein Stalin, keine Zeit, kein Unheil hat hier etwas verändert. Das ist der Nadel­wald. Jahrzehnte fluten an und ab wie zarte Wellen im Dünensand Die im Winde singenden Bäume prah­len immer wieder mit ihrem Hellgrün des Sommers, werden immer wieder weiß, verschneit, hart und frostig. Zeitlose Wälder.

Lauüos und andächtig schreite ich die Landstraße in den Wald, es ist Frostwetter und der Himmel voll trei­benden Gewöllen. Die Weite drängt sich zusammen. Die Seele kann tief Atem schöpfen, findet Gott, den Un­endlichen. Rechts und links heben sich die starren Kegel der Bäume, treiben weiße Weihnachtsblüten: Reif und Schnee. Ich folge dem Lichtschein meiner Laterne, kri­stallen schimmert es allenthalben an niederen, strauch­artig, kümmernden Kiefersträuchern. Diese Straße wan­dert jetzt niemand, der nicht wandern muß. Der Boden an beiden Seiten ist jungfräulich, gewaltiger, russischer Wald, Erstlingswald, mitten im blutenden Land gelegen noch unbezwungen, wie sehr man von den Städten und Kommunalwirtschaften der Dörfer her sich auch hinein- stißt mit Axt und Traktor.

StUl! Da kommt etwas die Straße geholpert. Ich verstecke mich zwischen den Bäumen. Man weiß nie, was eine Begegnung bringen kann!

Ein Wagen kommt gefahren.

entfernt, der unterirdische Kanal nicht verstopft werden und dann entdeckte man das Vorhandensein eines zwei­ten Zulaufes. Und wieder waren die Geldmittel er­schöpft, und die Gesellschaft flog auf.

In den nächsten Jahren beschränkte man sich darauf, zu erörtern, woher der Schatz auf der Eicheninsel wohl stammen mochte. Allgemein war angenommen worden, westindische Seeräuber hätten ihre Beute dort verbor­gen. Dies erscheint aber nicht überzeugend, da man nichts davon weiß, daß Piraten jemals in neuschottisch« Gewässer gekommen wären. Das Ginsterreisig vor dem Kanaleingang führte dann zu einer Erklärung, die weit überzeugender klingt. Der Ginster kann nur aus dem Norden stammen, wahrscheinlich aus Europa. Außer­dem wies der gefundene Ring englische Arbeit auf. A«ß dem Alter der Bäume um den Schacht und aus dem Zustand der Verletzungen der Baumrinden, die von den drei jugendlichen Entdeckern festgenagelt wurden, kann mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß der Hort um 1700 vergraben wurde Aus dieser Zeit weiß man nur vom Verschwinden eines einzigen größeren Schatzes, nämlich aus der schottischen Kathedrale St. An­dreas. Dieser soll aus Kirchengold und profanen Wert­sachen bestanden haben, die den Engländern in der Schlacht bei Bannockburn abgenommen worden waren Später verschwand dieser Schatz von großem Wert auf bisher ungeklärte Weiss. Es ist durchaus möglich, daß die Diebe, um ein geeignetes Versteck auf den britischen Inseln verlegen, das wohl bekannte, doch damals noch völlig unbewohnte neufchottifche Küstengebiet aussuchten, um ihre Beute dort zu vergraben.

Vielleicht wird das Unternehmen, das jetzt, mit großen Mitteln ausgestattet, unter allen Umständen die Hebung des Hortes durchführen will, Aufschluß über die Herkunft des geheimnisvollen Schatzes auf der Eichen­insel geben.

UlfllhöC / ®ine «eWMte WUIUK9« / aus «utzlaud.

Ein schwerer Planwagen. Er rumpelt über die ver­eisten Mulden und zwei trübe Laternen baumeln an der Deichsel. Das Pferdegeschirr klappert leise. Ohne Glöck­lern ist der Wagen. Unförmig, massig, schwankt er vor­bei, streift die Aeste der Tanne, unter der ich stehe, reißt einen Ast ab, der knapp neben meinen Füßen zu Boden sinkt. Ich höre aufgeregte Frauenstimmen, die ein weinendes Kindermäulchen übertönen, brummende Männerstimmen. Die Pferde dampfen. So ziehen sie vorbei, langsam, trotz ihrer sichtbaren Eile. Und noch ein Wagen kommt, drei Wagen, vier Wagen, hochbela­den mit Hausrat und Kunterbunt, mit Frauen und Kindern. Die Männer laufen neben der Deichsel, mit Schneeschaufeln, treiben mit verhaltener Stimme Pferde an, mahnen die Frauen zu Ruhe. Ziehen vorbei, vor­bei, und das Geholper der Wagen tönt ferner und fer­ner, bis es im Nachtgesang der Bäume untergeht.

Auswandernde Bauern. Flüchtende Bauern. Durch Schnee und Frost ziehen sie, vielleicht noch tagelang. Bis zur Grenze, roenns ihnen gelingt. Eine traurige Weih­nacht.

In diesen ziehenden Wagen liegt eine große Frage verborgen, das blutige Geheimnis des ganzen russischen Volkes, der ganzen Welt. Das Geheimnis eines Bau­ernvolkes, das heute die Liebe zu seinem Boden einge­büßt hat, keine Felder pflügt, keine Wälder und Sumpfe urbar macht, sondern durch die schweigenden Wälder ins Weite, Ziellose flüchtet. Das sein bestes Geschlecht heimlich in fremde Erdteile sendet, wo es zer­streut und verloren geht, wie die weißen Schneeflocken, die aus dem Himmel fallen und vom aufkommenden Wind hin und her getrieben werden. Wie verwur­zelt ober bleibe ich stehen unter meiner Tanne, über dem Christbaum der russischen Einsamkeit.

Wie tief unter dem Eis der Erde, durch die Wurzel des Baumes, die Säfte bis ins letzte zitternde Zweiglein emporfteigen, so bringt in mich hinein, aus meiner Seele empor, still die Hingabe an (Bott. Die Anbetung des Unaussprechlichen, dessen, was über den Wipfeln dec dunklen Wälder unser wartet. Es ist mir, als gebe es keine Städte, keine Menschen, keine erbarmungslose Brutalität mehr. Wie einst bei den Hirten in der hei­ligen Nacht. Einmal wird ein Tag kommen, wo

Die Jungfernfahrt

3] Roman von

Wir laufen heute nachmittag Korfu an, für zwei Stunden allerdings nur," berichtet Lebram jetzt.Wol­len Sie an Land gehen, meine Herrschaften. Wenn Sie einen Wagen nehmen, können Sie eine kurze Rundfahrt machen und immerhin einiges von der Insel sehen."

Aber natürlich nicht wahr, gnädiges Fräulein?"

Reta stimmt zu. wenn sie auch im Augenblick wieder eine kleine bohrende Besorgnis stört wohin soll es führen, wenn sich ein Preisausschreiben-Mädel allzu sehr an einen Ingenieur anschließt, der sich vom Kapitän eines Luxusschiffes mir nichts dir nichts die Kommando­brücke zeigen läßt?

Wir fahren doch beide allein nicht?" erfunbigte sich Al ziemlich bringlich, als sie roieber unten auf bem Gartenbeck stehen.Sicherlich gehen in Korfu noch mehr Passagiere an Land."

Sie verjagt gewaltsam die kleine Hemmung und läßt sich von feinen Augen festhalten.

Gut, Herr Fellnor, wir fahren allein . .

Es bleibt beim Projekt dieses gemeinsamen Landaus- flugs, zustande kommt er nicht.

Al liegt nach bem Lunch in feinem Salon auf dem Divan und hort den Mittagspreffebericht des rheinischen Senders.

Es gibt in jeder Kabine derChristabelle" einen Fernempfänger.

Es ist die stillste Stunde am Tag wie auf jedem Schiff: die meisten Paffagiere schlafen auf Deck in den Rohrstühlen oder auf den breiten Messingbetten ihrer Zimmer.

Türenklappen und Schritte unterbrechen die Stille draußen auf dem abgeteilten Flur. Dann klopft es bei Al; der Steward bringt ein Telegramm.

Der Text dieser Funknachricht wäre geeignet, Al in maßlose Verblüffung zu setzen wenn feine Elastizität ihm überhaupt erlaubte, sich nachhaltig zu lasten: da steht:

Wegen dringender Besprechung des großen Projektes

derChristabelle."

Alfred Karl.

bitte ich Sie. in Korfu an Land zu gehen. Mein Be­auftragter erwartet Sie mit einem Wagen am Zoll.

Reuf Pascha.

Al bat das Telegramm im Sitzen gelesen. Er streckt sich jetzt wieder auf den Diwan aus, um eine möglichst stabile Lage zur Verarbeitung dieser für ihn völlig my­steriösen Aufforderung zu gewinnen.

An ihn ist das Telegramm ganz zweifellos gerichtet.

Al Fellnor" ist deutlich als Adressat vermerkt, uni) auch die OrtsbezeichnungChristabelle" fehlt nicht.

Demnach existierte in Korfu offenbar ein Mann na­mens Reuf Pascha, der ihn, Al Fellnor, irgendwoher kennen mußte obgleich sich Al auf die Gegenseitigkeit dieser Bekanntschaft nicht besinnen kann.

Mehr noch!

Dieser Pascha hattg den Wunsch, mit ihm wegen eines großen Projektes zu verhandeln und schickte ihm deshalb einen Beauftragten mit einem Wagen an den Hafen. Unleugbar eine geheimnisvolle Sache.

Auch von diesem großen Projekt weiß Al so wenig, wie von Herrn Reuf Pascha, also gar nichts . . .

Eine Verwechselung?

Aber war der Name Fellnor fo~ häufig konnte man also ausgerechnet einen Herrn Fellnor verwechseln, der augenblicklich auf derChristabelle" durch die Adria fuhr?

Nein, offenbar wollte man da etwas von ihm und was das war. muß man sich unbedingt erzählen lasten, zumal wenn einem entgegenkommenderweise ein Wagen an den Hasen geschickt wurde.

Es ist ein Grundzug von Al's Wesen, sich möglichst alles anzuhören und anzusehen, was sich ihm bietet, selbst wenn es etwas abenteuerlich ist.

Vielmehr dann erst recht!

Er nimmt sich also vor, .sich über die Sache Reuf Pascha zu informieren.

Auf den Ausflug mit Reta muß er dann allerdings verzichten das ist schade, aber nicht zu ändern. Man

kann das schon in Athen nachholen. Es ist ja unwahr­scheinlich, daß ihn dort ein anderer Pascha an Land zitiert.

Al steigt aufs leere Oberdeck und wendet sich nach der kleinen Ladenfront, die ziemlich weit hinten backbord an der Promenade liegt

Der Friseursalon befindet sich dort, ein Blumenladen, einer mit Büchern und dann noch einer mit buntem Luxuskram.

Al reißt die Verkäuferin in dem kleinen Bücher­laden aus ihrem leisen Mittagsschlummer und kauft Führer durch Korfu mit Karten und Plänen.

Auf dem konzentriert er sich dann in fettem Salon so weit, daß er die Topographie der Stadt und der Insel wenigstens notdürftig im Kopfe hat.

Außerdem steckt er, als er gegen halb vier fein Zim­mer verläßt um vier soll man in Korfu sein einen Browning zu sich.

In der Diele schickt er die Stewardeß zu Reta Ga- reen; er muß sich ja noch bei ihr entschuldigen.

Sie läßt ihn in chren Salon bitten und tritt ihm, eine blaue Jacke mit Goldknöpfen über dem weißen Kleid, eine weiße Baskenmütze schräg über dem leuch­tenden Haar und Erwartung auf dem hellen Gesicht entgegen. Al ist in diesem Moment versucht, den ge­heimnisvollen Herrn Reuf zu allen Teufeln zu wün- schen. ,

Aber er zeigt ihr dann doch das Telegramm.

Reta Gareen bleibt ihm noch vier Wochen und die seltsame Sensation dieser einseitigen Bekanntschaft, die sich in Funksprüchen an ihn äußert, hat er nur die­sen Tag.

Da ist natürlich nichts zu machen," erklärt sie durch­aus vernünftig und gar nicht pikiert und gibt ihm das Telegramm zurück.

Er fängt dabei einen verwunderten, fast hochachten, den Blick von ihr auf, den er nicht deuten kann ihr kann die Sache doch nicht so spanisch Vorkommen wie ihm, zumal er ihr ja weiter keine Erklärungen gibt was er schon deshalb nicht tut, weil er sie selbst nicht hat.

Vielleicht schließen Sie sich anderweitig zu einem Landtrip an ich glaube unser Nachbartisch geht ge=

auch uns neu die Erlösung ersteht. Wir sind arm, und in der Armut wurde einst ine Erlösung,'«.baren.

Die in den Stödten, die Männer an der Maschine und die Bauern am Pflug, eines Tages werden sie sich wieder die Hande reichen Denn nichts ist von Dauer, das willkürlich zwischen Anfang und Ende liegt. Dann werden wir Weihnachten feiern, alle Glocken gegen Him­mel läuten lassen Und alle, die uns treu geblieben, die mit uns ausgeharrt, werden wissen, wie heilig und freubig das Fest ist. Ja, . . .denn nun haben wir nichts als ein schweres Herz.

Nnu will ich die Straße zurückwandern, zur Stadt. Den abgerissenen Tannenast nehme ich mit. Ich werde die Nadeln in den Gassen verstreuen, vielleicht werden sie den darüberschreitenden Menschen zu sagen suchen, wie gut es ist, daß die Wälder um Molodoy so tief und verschwiegen sind. W. 2luffermann.

Em Nachtflug.

Von Arthur Pfleger*)

Mit Sehnsucht erwarteten wir die erste mondhelle Nacht, um einen nächtlichen Bombenangriff hinter die feindliche Front zu machen. Fein hatten wir uns daraus vorbereitet und sogar eine elektrische Beleuchtung in die Maschine eingebaut. Alles klappte. Gegen elf Uhr starteten wir glatt, die Leuchtfeuer auf dem Flugplätze waren weithin zu sehen.

Hinter unserer Front suchten wir die nötige Hohe zu erreichen. Der Auspufftopf, der an der rechten Seite des Flugzeugrumpfes entlang lief, glühte unter der Hitze der Auspuffgase. Das ist nichts Außergewöhnliches und jedem Nachtflieger ist dieser Anblick vertraut. Nicht aber dem Leutnant Seibert.

Plötzlich nimmt er Gas weg, schreit wie ein Wilder: Es brennt!" und geht in steilem Gleitflug nieder. Nicht mehr zum Halten war er. Hatte er den Kopf verloren? An der Maschine war alles intakt.

Mit dem Mut der Verzweiflung machte er mitten in der Nacht die schönste Notlandung auf unbekanntem Ge­lände und sprang, kaum daß wir zum Halten gekommen waren, aus der Maschine.

Jetzt war er doch erstaunt, daß es nicht brannte. Er hatte einen Blick auf den Auspufftopf geworfen, ihn wie Üblich in Weißglut gesehen udn das Gefühl gehabt, als ob das ganze Flugzeug in Flammen stünde.

Wissen Sie, vor dem Feuer fürchte ich mich! Daß wir alle noch draufgehen werden, damit müssen wir rechnen, aber nur nicht verbrennen!"

Nachdem wir uns etwas beruhigt hatten, überdach­ten wir unsere Lage. Ich konnte nicht feststellen, wo wir uns befanden. Das Gelände vor uns wurde einer eingehenden Besichtigung unterzogen, Hindernisse stell­ten wir nicht fest. Mit etwas Glück konnte ein Start gelingen. Also wieder rein in die Kiste und los!

Es gelang! Immer noch mißtrauisch, schielte von Zeit zu Zeit mein Emil nach dem Auspufftopf. In 500 Meter Höhe konnte ich die Landungsfeuer unseres Flug­platzes entdecken und die Orientierung wieder aufneh­men. In gerader Linie überflogen wir die Front, un- belästigt von den feindlichen Geschützen und Kampf­fliegern.

Bei Bailleul sahen wir einen fahrenden Eisenbahn­zug; der Schienenstrang glänzte im Mondenschein. Es war ein ideales Ziel. Vor der Maschine des Zuges setzte ich meine Bomben ab; die Schienen mußten zerrisien fein, denn mit einem heftigen Ruck hielt der Zug. Bis auf 50 Meter gingen wir herunter um zu sehen, was los war. Alle Lichter waren unten erloschen. Doch im Mondeslicht konnte man deutlich erkennen, wie die Ab- tciltüren aufgerissen wurden und dunkle Gestalten eiligst

*) Aus dem KriegsbüchleinFranz im Feuer", Der- lagsanstalt norm. G. I. Manz, Regensburg. Preis 1,80 Mark.

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meinsam an Land. Ich horte vorhin beim Lunch vom Nebentisch, daß Herr Grenzdörffer Korfu kennt und dort für eine Tischgesellschaft den Cicerone machen will."

Da haben Sie recht, das werde ich auch tun."

' Herr Grenzdörffer ist ihr als Führer zwar weit we­niger erwünscht aber warum soll sie an Bord blei­ben, weil Al verhindert ist, sie zu führen?

Daß ihr Korfu unter diesen Umständen gestohlen bleiben kann, wird sie natürlich nicht ausposaunen.

Als sie auf das Gartendeck kommen, sehen sie, daß man schon dicht an der Reede ist. Unmittelbar vor ihren Augen breitet sich die weiße Stadt im breiten, dun­kelgrünen Kranz der Zypreffenwälder aus.

Kommen Sie, gnädiges Fräulein, wir gehen auf die Kommandobrücke."

Sie klettern die Eisenleiter empor.

Reta findet es jetzt schon ganz in der Ordnung, daß Fellnor sie auf die Brücke schleift, wenn es ihm beliebt auch zu einem Zeitpunkt, wenn bas Schiff einen Ha­fen anläuft und der Kapität schließlich nttch viel Zeit für die Passagiere aufbringen kann.

Aber wieder entdeckt sie, daß Kapitän Lebram offen­bar immer Zeit für Al Fellnor erübrigt selbst wenn er, wie im Augenblick, einen Lotsen neben sich auf der Brücke hat.

Darf ich Ihnen unser Motorboot anbieten, meine Herrschaften? Sie fahren bequemer und schneller damit als mit den Barken, die hier ans Schiff kommen, und haben auch die Scherereien mit den Barkenführern nicht."

Dielen Dank, Herr Kapitän herzlich gern," nimmt Al den Vorschlag ohne weiteres an. ,Leider muß ich aber allein fahren eine wichtige geschäftliche Ange­legenheit."

Aber bitte sehr, Herr Fellnor!"

Unwillkürlich fährt ßebrams Hand an die Mütze, Reta registriert diese Bewegung natürlich genau.

Eine kurze Anweisung des Kapitäns und im gleichen Augenblick als die Ankerketten derChrista­belle" auf der Reede von Korfu durch die Klüsen raffeln, wird das Motorboot ausgeschwenkt, und ei: Minute