Einzelbild herunterladen
 

Nr. 288

Beilage zur Fuldaer Zeitung

=3F NILS

13. Dezember

Dritter Advents-Sonntag.

kirchsn gebet.

Neige, wir bitten, Herr, dein Ohr zu unferm Flehen und erhelle die Finsternis unseres Gei­stes durch die Gnade deiner Heimsuchung, der du lebst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Epistel: Phil. 4, 47.

Brüderk - Freut euch im Herrn immerdar. Ich sage es wieder^Freu^ euch Herzlich und gut zeigt euch allen Mensche»: denn der Herr ist nahe. Laßt die Sorgen Was ihr wünscht, das tragt in all- weg mit Beten und Bitten in Danksagung vor Gott. Der Friede Gottes, der jeden Begriff über­steigt, bewahre euer Herz und euem Sinn, in Christus Jesus, unferm Herrn.

Evangelium: 3ofj. 1. 1928.

Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: bereit dem Herrn den Weg."

Herold Gottes.

Betrachtung zum Sonnkagsevangelium.

Dom ägyptischen Joseph wissen wir, daß nach feiner Erhöhung ein Herold vor ihm herging und die Menschen aufmerksam machte auf den, der nach ihm kam, vor dem sie die Knie beugen muß­ten. Aehnlich war es im Mittelalter bei den kai­serlichen und königlichen Festen. Da ritt auf reich geschmücktem Rosse ein Herold voraus und kün­digte die Ankunft des Königs an, und die versam­melten Menschen reckten die Hälse und warteten gespannt auf den Herrscher, den zu sehen sie ge­kommen waren.

So hatte auch Christus, der König, einen He­rold. Freilich sah er ein wenig anders aus als die prächtig geschmückten Vorboten der Kaiser und Könige. Es war ein rauher Mann im härenen Kleid, und er rief nicht zu Fest und Tanz, ändern mahnte mit mächtiger Stimme und erschütterndem Ernst zur Buße, und die Menschen im ganzen Ju­denlande horchten auf die Stimme des Rufers in

der Wüste. Es warJohannes der lau­fe r".

Zweitausend Jahre fast sind es her, daß er am Jordan predigte. Aber auch heute noch stellt uns die Kirche in den Evangelien der Adventssonntage die Gestalt des gewaltigen Gottesmannes vor die Seele, und an jedem Sonntage erklingt von der Kanzel der Ruf des Johannes:Bereitet den Weg des Herrn tut Buße, denn das Himmel'-eich ist nahe." So geht er heute noch als Herold her vor dem Heilande, die Herzen zu erschüttern und Be­reit zu machen für die Botschaft des Heilandes, die anhebt mit dem Weihnachtsfeste.

Advents zeit ist Borbereitungszeit für die Ankunft des Herrn. Und wenn auch heute kein Gottesmann Johannes mehr in leiblicher Gestalt als Herold des Heilandes ist so soll das göttliche Kind doch nicht ohne Vorbote und Herold fein. Das ist freilich nicht mehr ein einzelner Mann, das sind wir alle, denn jeder von uns soll ein Herold Gottes fein, so, wie Jo­hannes einer war.

Wie ist das zu verstehen? Sollen wir viel­leicht Reden halten über die Ankunft Christi und den Menschen ermahnen, sich recht darauf vorzu­bereiten? Nein, das Reden hat nicht viel Wert. Wenn wir wirklich Herold und Wegbereiter Got­tes fein wollen, können wir es nur fein durch die Tat, durch unter Leben, dadurch, daß wir wirk­lich und wahrhaftig Menschen Gottes sind an jedem Ort und in jedem Augenblick unseres Lebens.

Vielleicht ist das die Adventsbotschaft, an uns alle: Herold Gottes zu fein. Freilich nicht nur in der Adventsieit, Und der ist Herold Gottes des­sen Werk und Wandel kündet von göttlicher Liebe

Wie das nun zu machen ist, darüber kann feine allgemeine Vorschrift gegeben werden, denn man kann an jedem Platze, in jedem Stande Herold Gottes sein oder auch das Gegenteil.

Wie du es aber fein kannst auf deinem Platze ob du nun Arbeiter bist oder Dienstmagd oder Beamter oder Bauer das laste dir in dieser Ad­ventszeit einmal bedachtsam durchs Herz gehen.

Christentum und Neuheidenlum in Europa.

Don Sigrid Unbf et.

Zu dem Thema Christentum und Germanentum ergreift Sigrid Undset in einem soeben im Verlag I. Kölel u. Fr. Pustet, München, erschienenen EssanbandBegegnun- nen und Trennungen" das Wort (165 Seiten Ganzleinen Rm 6.). Mit Erlaubnis des Verlages veröffentlichen wir nachfolgende Probe aus dem Werk.

Auch unsere katholischen Kinder werden mitver­antwortlich fein für die Lösung all der Aufgaben, die sich für das kommende Geschlecht in einem Ge­meinwesen angestaut haben, während die Leiter und gesetzgebenden Körperschaften die christlichen Grundsätze unberücksichtigt ließen. Kein Mensch leugnet, daß Geldgier, leidenschaftlicher Wille zu materiellem Lebensgenuß, Eitelkeit, Ehrgeiz und ähnliche Leidenschaften auch zu jener Zett sich gel­tend machen, wo die Kirche auf die Menschen den größten Einfluß ausübte. Priester und Prälaten nahmen an diesem Streite um materielle Güter teil, und ein Kloster nach dem anderen wurde all- 3u reich und versank in Materialismus. Dabei dürfen mir aber folgende Tatsachen nicht vergessen:

Niemals ist in einem katholischen Gemein­wesen der Materialismus als das Ideal an­erkannt

worden,und Leute, die solche Wege gingen, waren wenigstens so ehrlich, daß sie keine schön aufge­putzten Theorien zur Entschuldigung ihrer Gier er­fanden, sondern mit einer Offenheit, die sym­pathisch wirkte und auch ihrem Leben bis zu einem gewissen Grade das Abstoßende nahm, rundweg erklärten:Ich bin fo, weil ich so fein will, und fertig!" Immer ist es innerhalb der Kirche trotz allem das Ideal geblieben, ein Mensch zu werden, der möglich st frei der Welt gegenüber- stand. Ferner dürfen wir nicht übersehen: für je­den religiösen Orden, der unter der Wucht des Be­sitzes zusammenbrach, stand ein neuer auf, der die alte Fahne ergriff und in der Regel gewann

ein neuer strengerer Orden so viele Anhänger, daß gerade ihr mgffenroeifes Zuströmen es ihm schwer machte, das alte Ideal unentwegt zu verfechten. Der Katholizismus hat seinerzeit die Ketzerei der Manichäer und Albigenser niederge­kämpft, hat sie als Ketzerei niedergekämpft, weil diese Bewegungen lehrten, die Materie, der Stoff, sei an und für sich schlecht, nicht Gottes, sondern des Feindes Werk ohne Unterbrechung aber hat er gekämpft und muß er bis zum Ende der Zeiten

kämpfen, um den Materialismus unter die Herrschaft des Geistes zu halten.

Nur ein Mensch wie Sankt Franziskus kann von feiner Schwester Erde in einem Tone sprechen, als handelte sich es sich um ein süßes, kindliches Schwcsterlein, das er auf dem Wege zur Arbeit liebkost.

Ein neuer und wesentlich vom Kalvinis­mus genährter Geist hat ober gesiegt, wenn es in unserer Zett als etwas Verdienstvolles hingestellt wird, sich ein stetig wachsendes Vermögen zu schaffen, wenn es als ein würdi­ges Ziel für ein Menschenleben erklärt wird, sich einen die Jahrhunderte überdauernden Namen zu machen (ob Sankt Franziskus wohl nicht meinen würde, dies fei ein gar drolliges Verlangen für eine ohnehin unsterbliche Seele?), und wenn heut­zutage der Erfolg allein angebetet wird. Es gehört zu einem guten Katholizis- rnus, feines Landes Wohlfahrt höher als das eigene Leben zu stellen, es ist aber nicht katholisch, feines Landes Wohlfahrt über d i e Sache der Chri­stenheit zu stellen

der gift'ae Nationalismus ist ebenso unkatho­lisch. wie die Vaterlandsliebe katholisch ist.

Jrn übrigen muß ich gestehen, daß ich das Le­ben ohne den Ausblick auf eineEwig-

Kommunisten wüten gegen ein Franziskanerkloster in China.

Eine ganze Ordenskommunitök vernichtet.

Die Geschichte der Märtcrerkirche Chinas ist um ein neues Ruhmesblatt vermehrt worden. Kommu­nisten griffen vor einigen Monaten ein Franziskaner­kloster in Hupeh an und richteten dort ein Blutbad an. Nur langsam sickerten Nachrichten durch, die ein einiger­maßen klares Bild der Vorgänge vermittelten. Sie ge­hören mit zum Furchtbarsten, was die katholische Kirch« der Jetztzeit an Martyrien mitbrachte. Nachrichten aus den letzten Tagen ermöglichen eine knappe Gesamtdar­stellung der Ereignisse.

Das von italienischen Franziskanern geleitete Apost Vikariat Laohokow in der Provinz Hupeh war Anfang Mai in weitestem Umkreis von roten Banden eingekesselt, die überall Schrecken und Tod verbreiteten. Am 15. Mai 1931 ging dennoch in der Station Tschia- yenkow das Leben des Gebetes und des Studiums am Orte befand sich ein Seminar mit 43 chinesischen Priesterkandidaten seinen gewohnten Gang. Am Abend befanden sich im Franziskanerkloster 6 Patres. 1 Bruder und 3 Novizen des Ordens. Der Bischof, Msgr Ricci,- und der Guardian des Klosters waren abwesend Niemand ahnte etwas von der bevorstehenden Kata­strophe, die in einem Augenblick die Arbeit von 60 Jahren zerstören sollte.

Am Abend ergingen sich die Patres Bonaventura Zeng (66 Jahre alt), Pater Thomas Kuo (72 Jahre alt) und Pater Benedikt T s ch e ng (27 Jahre alt) auf einem inneren Klostergang, von dem aus man die Straße nach Lachokow beobachten konnte. Sie erblickten

plötzlich eine Gruppe von etwa 30 Männern, die eiligen Schnittes auf das Kloster zusteuerten. An der Umfassungsmauer teilte sich die Bande. Ein Haupttrupp eilte auf die Klosterpforte zu, in der Pater M a n s u e - t u s M a g g int, Bruder Lucas Santini und die drei Novizen standen. Eine Stimme rief:Alles ruhig! Wer sich bewegt, wird erschlagen." Auf der Mauer er­scheint ein Mann mit einem Revolver und kontrolliert den ganzen Jnnenraum des Klosters. Der gerade des Weges kommende Pater Germanns Lazzeri wird mit vorgehaltener Waffe gezwungen, zu dem «uf der Mauer stehenden Räuber emporzuklettern. Man bindet dem Missionar die Hände mittels seines Zingulums (Franziskanergürtel) auf den Rücken. Die übrigen Räu­ber haben inzwischen die Pforte durchschritten und sto­ßen aus Pater Maggini. Nach kurzem Hin- und Her­reden geben sie sich als Soldaten der Dritten Roten Armee zu erkennen. Jeder Widerstand ist zwecklos. Pa­ter Maggini und Bruder Santini werden gefesselt. Der Führer der Kommunisten gibt dem 60jährigen Ob­latenbruder Franziskus Tscheng zwei fürchterliche Sä­belhiebe über die linke Schläfe. Der Arme tut noch ein paar Schrttte vorwärts und fällt in ein Zimmer hinein, sofort von einer großen Bluttache umgeben. Inzwischen sind andere Banditen in das Seminar eingedrungen und haben den fieberkrankes P. Gabriel Hu mit einer vorgcfundenen Stola gefesselt. Pater Lazzeri wird von der Mauer ins Kloster hinuntergeführt und sieht nun die Soldaten von allen Seiten gröhlend ins Haus drin­gen. Dem röchelnden Bruder Franziskus erteilt im

feit auf die Dauer nicht für besonders kurzweilig halten kann. Wenn man will, kann man es als einen Arbeitsplatz betrachten: aber die Arbeit ist so ärgerlich ungeschickt und töricht organisiert, und die Leiter machen so viele Dummheiten, daß sie im Grunde genommen mit wenigen Ausnah­men verdienten, von uns gepackt und gehängt zu werden, aber eben: zugleich mit derlei Feststel­lungen dämmert uns die Erkenntnis auf, daß auch wir bei den uns zugewiesenen Arbeiten unsere Dummheiten machen und darum bester tun, Gott um Erbarmen für uns selbst anzuflehen. Man kann das Lebenauch als ein Fest" zu betrachten su­chen. In der Regel beginnt man ja sich zu lang­weilen, wenn man eine Stunde lang dabei war. Man kann freilich vermeiden dies merken zu las­sen, njeil es sich ja um eine Familienfeier handelt, bei der es zum guten Ton gehört, keine Miene zu verziehen, wenn einem die Veranstaltung mißlingen erscheint. Eine Versuchung aber bleibt es doch, sich davonzuschleichen, wenn es sich etwas in die Länge zieht, und wenn man dies schön und schicklich macht so merken die anderen, die sich unterhalten (wenn sie sich eben wirklich unterhalten), wenig davon und schenken dem Verschwinden eines Gastes nur geringe Aufmerksamkeit, außer sie glauben gleich uns, daß mir aus dieser Welt in eine Ewigkeit abreifen.

Schließlich dürfen wir auch das nicht verges­sen: Christus hat seiner Kirche wohl versprochen, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden, und wir glauben demgemäß, daß die Kirche Christi sortbestehen wird, solange sich menschliches Leben auf diesem Erdball rührt. An keiner Stelle ist jedoch ver­heißen. daß gerade unser Erdteil und unser Volk in dieser Weise durch die Jahrhunderte ununterbrochen zur Kirche gehören werde. Die streitende Kirche auf dieser Erde kann zu einer Handvoll Anhänger zusammenschwinden, so daß chrer nicht viel mehr sind, als in einer Arena oder in einem Stadtge­fängnis Platz finden. Da können erft recht auch die Christen Europas zu einem Häuslein dezimiert werden und auf lange Zeit ohne Einfluß auf die Entwicklung der Gesellschaft bleiben, so daß ihre Rolle ungefähr mit jener der englischen Katholi­ken im 18. Jahrhundert zu vergleichen ist. Bis vielleicht katholische Missionäre aus China oder Südamerika wieder herüberkommen, um unserer Väter Glauben den verwilderten Barba­ren st ä m m e n, die auf den Ruinen des alten Eu­ropa Hausen, aufs neue zu predigen.

Die Welt kann es ja noch erleben, daß die Ent­wicklung eine andere Richtung nimmt oder in eine andere Richtung gewiesen wird: wir Katholiken tun jedoch auf alle Fälle gut daran uns vor Augen zu halten: Unser Herr hat die Welt erlöst, indem er selbst feines eingeborenen Sohnes nicht schonte; doch auch die Arbeit, die er noch uns überlassen hat in Wahrheit eine Kleinigkeit wie die spiel- mäßigen Verrichtungen, welche die Eltern ihre noch ganz Kleinen t"n lassen, wenn sie ihre Kinder leh­ren wollen,Vater und Mutter zu helfen" auch diese kleine Arbeit kann uns armen, sündigen Men­schen noch schwer genug fallen.

Mrcke fein heistk . . .

Advenksrufe der Seele aus den Tiefen deutscher Not!

Kirche sein heißt: brennende, urgewal­tige Liebe haben zu denen, die da in Trübsal sind und in Knechtschaft, heißt sich opfern und hingeben mit ganzer Inbrunst und glühender Kraft den Darbenden und Schwachen, den Armen und Kran­ken, heißt sich verschwenden an menschliches Elend und menschliche Not.

Kirche sein heißt: hineingehen in die Höh­len der Sorge und des Kummers, heißt die Elend­sten und Aermsten ans Herz drücken mit ganzer Innigkeit und erbarmender Güte . . . .!

Glied dieser Kirche sein, das aber beißt, daß auchDu teilnehmen sollst an ihrer un­sagbar gewaltigen Liebe, daß auch auch Du über­strömen sollst in heiliger Nächstenliebe zu tätiger Barmherzigkeit und wirkender Güte! Mit ihr, Deiner Kirche, Schächte zu bauen durch allen Jam­mer und Sumpf, um nach dem Golde der Seelen zu graben!

Dann wirst auch D u heilige Weihnachts­

botschaft erfüllen: Seelen emporzuführen aus Nacht und Grauen, empor zum alles beglückenden gött«, lirf>en Lichte: Bruder und Schwester zu überschüt­ten mit heiligster Liebe, ihnen Führer, Helfer, Wegbereiter zu fein zu einem neuen Menschen- turne.

Dann und nur dann, bist auch Du ein weih- nachstich grünendes Reis mitten im eiligen Win­ter unserer kalten selbstsüchtigen Zeit! Berufen, den Jubel einer neuen Völkerweihnacht zu verkün­den!

Berufen, frohe Botschaft zu den Verstoßenen und Aermsten zu tragen, denn nach Liebe, Erlö­sung und Menschenwürde hungert und dürstet eine zerrüttete, ringende Welt.

So sprich denn auch Du zu den Menschen bas ErgeifenÄe: Kommet alle zu mir, die Ihr müh­selig und beladen seid, ich will Euch erouicten! Mach auf Dein Herz und Deine Hände! daß wahre Weihnacht wiederum als das umwälzend Große in die Welt einziehe und millio- nenhaft in die Seelen, auf daß Weihnacht wieder mehr werde als ein bloßes Fest der Familie, auf daß wieder Kirche werde im Volke!

Hans Höcht, j

Die katholische Hesse Seutschiauds-

oor siebzig Jahren.

Im Jahr ist bald Torschluß. Die Gedenktage sind zumeist erledigt. An einen hat die katholische Presse nicht gedacht: sie hat die Erinnerung an sich selbst, an ihre Frühzeit übergangen.

Vor siebzig Jahren setzt ein neuer Geschichtsabschnitt für sie ein; ihr Gestern wechselt zum Heute, als man sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte klarzumachen versuchte, was katholische Presse sei, was sie gewesen, was sie werden müsse. Gleich drei Behandlun­gen dieser Fragen, die eine aus die andere bauend, brachte das Jahr 1861 heraus. Die beiden ersten kannte die Literatur immer, die dritte war bis letzt sozusagen verschollen.

Ein bayrischer Kaplan, Andreas Nieder- mager, der auch Sekretär des Zentralkomitees der deutschen Katholikentage gewesen ist, der eine Zeit- lchriftKatholische Bewegung" gründete und den be- achtlichen Aufruf Katholiken Deutschlands, organisiert euch!" schrieb, eröffnete d,e Diskus- scon mit seiner zunächst anonym bei Herder in 5retburg erschienenen Schrist:Die katholische Presse Deutschland s."

Es sah nicht grade gut aus mit ihr. Die Ansätze im Vormärz und noch früher waren taube Bluten ge- blieben, so berauschend Görres'Rheinischer Merkur etwa sie auch gewesen fein mochten. Die 48er Re- volution brachte einiges Neues, von Bestand war es aber nicht, kaum von einiger Bedeutung. Es blieben nur, wie bisher, die katholisch gefärbten Pro- v i n z b l ä t t e r als katholische Blätter anzusprechen, die schon im eigenen Interesse vornehmlich regionalen Aut- gaben gerecht werden mußten, wobei ihnen dann das Odium des Katholischen wiederum hinderlich war. Die Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands be­mühten sich Jahr für Jahr um Aenderung der Zu- stände. Auch Niedermayer hielt sich an sie als die ge­gebene Instanz. Nur sollten sie endlich energisch durch- greifen. Die vorhandenen fünfzehn Blätter genügten für das Bedürfnis, sie müßten finanziell und qualita­tiv gebessert werden und einheitlich arbeiten, wenn etwas aus ihnen werden solle.

Ein vollkommener Praktiker in der katholischen Presse schrieb gleich daraus eine Ergänzung und Ant­wort. C. H. Brückmann aus Limburg hatte 1855 an derDeut»schen Volks halle" gearbei­tet, dann am FrankfurterDeutschland, später an anderen katholischen Presseunternehmungen und gat» 1868 in WiesbadenKatholische Blatten heraus, kam 1870 an dieKölnische Volkszeitung mid starb da 1875. In seiner BroschüreDie katholische Publizistik, Westphalische Aphorismuen bei Wittneoer in Koesseld 1861 verteidigte er Den ka­tholischen Redakteur und Verleger. Den Grund für Die nicht abzuleugnende Unfertigkeit der katholischen Zei­tungen sah erin dem Mangel einer vollkommenen Uebereinstimmung der Ansichten und Meinungen über Zweck und Aufgaben" dieser Zeitungen. Das He» er­hoffte er aus einem nochmaligen Versuch eines katholi­schen Zentralblattes.

Das Grundsätzliche ist in der dritten Schrift in be. svnderem Maße beschlossen. Sie ist ohne Namensnen- nung des Verfassers unter dem TitelA u ch ein Wort überdie katholische Presse Deutsch­lands" in Augsburg 1861 herausgekommen- Der gleicherweise mit der Theorie und Praxis des Zeitungs­wesens vertraute Verfasser zieht aus dieser seiner Kennt­nis die besonderen Schlüsse für die katholische Presse, die außerordentlich weitherzig und geradezu modern klin­gen, besonders wenn bedacht wird, daß noch zehn Jahre Zeit bis zum Kulturkampf war, den der hellhörige Verfasser im Gegensatz zu den Anderes erhoffenden ersten beiden Broschüren klar und deutlich im Vor­aus erkennt. Dr. Fr. Kr.

Vorbeigehen Pater Lazzeri die Absolution, als dieser auf Anrede hin durch eine Bewegung einen ent'vrechenden Wunsch kundgibt. Das ganze Kloster, jede Zelle, wird geplündert. Schon wird der kranke Pater Hu in den Klosterhof geführt. Man will ihn hinrichten. Pater Hu wird bis auf die Unterkleider ausgezogen. Das Ska- pulier reißt man ihm vom Halse. Pater Lazzeri kniet neben ihm nieder und spricht ihm Mut zu. Ohne eine Träne im Auge kniet der chinesische Priester nieder, ohne Schrei, ohne Wimmern. Einer der Kommunisten nimmt einen langen Säbel, berührt prüfend den Hals Des Opfers und trennt dann mit einem wuchtigen Schlag das Haupt vorn Rumpfe. Ein dampfender Blutstrom schießt heraus. Der Körper fällt schwer in ein kleines Blumenbeet, das der Pater zu Lebzeiten mit Liebe ge­pflegt hatte.

Icht werden auch die Patres Zeng, Kuo und Tscheng in den Klosterhof geführt. Man schmäht sie. Dem Pa­ter Zeng wird durch eine wuchtige Maulschelle die Brille aus dem Gesicht geschlagen. Der 72 Jahre alte und kranke P. Kuo, den die Kommunisten nicht mehr ab­schleppen zu können glauben, wird in die Knie gezwun­gen. Ein aus nächster Nähe abgefeuerter Pistolenschuß in den Nacken macht dem Leben des alten Missionars ein Ende. Das Wimmern des durch Säbelhiebe schwer verwundeten Pater Tscheng hat inzwischen auch aufge* hört. Auch dieses Opfer ist tot

Dunkelheit legt sich über den Hof des Franziskaner- klosters. Die Räuber verzehren bet Laternenschein das für die Seminaristen zubereitete Essen. Ein Diener Der Niederlassung wird noch erschoßen . Dann werden die übrig gebliebenen Franziskaner zum Kommunistengene­ral Huolong in die Berge abtransportierK Unterwegs stoßen die Roten auf den Apost. Vikal Msgr. Herme­ne g i l d Ricci und Den Guardian des Klosters. Diese

werden dem Gefangenentranspot zugesellt. Pater Zeng wird nach wenigen Tagen enthauptet.

Obwohl die Kommunisten Kloster, Seminar 'und sämtliche Karitaswerke der Mission zerstört hatten, for­derten sie für die Gefangenen ein hohes Lösegeld. Alle Versuche der Zentralregierung in Nanking zur Befrei­ung der Patres blieben erfolglos. Im September wurde Bischof Ricci nach eigenem Bericht durch zwei Bo­ten der italienischen Regierung befreit, die für ihn 160 000 Lire zahlten. Auch Pater Maggmi konnte während der Loskaufverhandlungen entfliegen. Der schwer leidende Bischof ließ in seiner Missionsstation die Glocke läuten. Sofort strömten an 1000 Christen von den Bergen und küßten stürmisch Hände und Füße des befreiten Bischofs, der den Ort des Martyriums sei­ner Mitbrüder aufsuchte und an den Gräbern dieses chinesischen Alverna" betete. Es war ein wahres Katoi» kombenbild. Der Bischof konnte sich vor Schwäche kauich aufrecht halten und vermochte vor Entkräftung kaum sehen. Inzwischen ist der Bischof, dessen Gesundheit durch die während der Gefangenschaft ausgestandenen Ent­behrungen sehr gelitten hatte, gestorben. Bruder Lucas: Santini ist im Lager an schwerer Dysenterie, her- oorgerufen durch Hunger und Ernährung mit Gras und gerösteten Maiskolben, gestorben.

Gefangen waren Anfang November noch die Patres Checcaci und Lazzeri. Für ihren Loskaul forderten die Kommunisten mehrere 10 000 Dollars. Pater Chec­caci ist leider vor der Befreiung an den Leiden und Entbehrungen seiner Gefangenschaft ge st o rb e n Von der ganzen Klostergemeinde von Tschiayuenkow ist jetzt nur noch Pater Lazzeri übrig, den man mit Dem im Apost. Vikariat Hanyang gefangenen irischen Missionar Sands zusammengesperrt hat. In den letzten Tagen ist Pater Lazzeri durch Lösegeld besrett worden.