Anzeiger für die Stadt Fulda und denLandkreis Fulda. Amtliches Kreisblatt
Mr«. 58.
Samstag, 12. Dezember 1931
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Ihr zu begegnen ist
Hand, Ueberlaftun- Eine Beeinflußbar-
UnfaUversicherung.
Zu einzelnen Steuern erklärte der Minister:
gezwungen.
Der gerechten Preisbildung stehen:
1. Maßnahmen des Auslandes.
Sache der Reichswirtschaftspolitik.
2. Maßnahmen der öffentlichen
* Die spanische Dtafionafoerfammlung hat Al- cala Zamora mit überwältigender Mehrheit zum spanischen Staatspräsidenten gewählt.
preußische Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung zu üben.
3. Bindungen, die von einigen Wirtschaftsgruppen ausgehen oder zwischen ihnen eingeschaltet sind. Ihnen rückt die neue Notverordnung durch zahlreiche Bestimmungen zu Leibe, z. B. die Kartell- und Syndikatsvorschriften, die Senkung der gebundenen Preise um 10 Prozent, Verbot an die Innungen, Preise zu bestimmen. Die Notverordnung beschränkt sich aber nicht auf Beseitigung von Hindernissen für eine gerechte Preisbildung, sondern schafft in ungewöhnlich kühner Weise auch starke Impulse.
In diesem Zusammenhang ist die Zinssenkun g, die Verbilligung in der Wohnungswirtschaft und die Senkung der Reichsbahntarife zu erwähnen. Der Kommissar verbreitete sich dann in diesem Zusammenhang auch über die Senkung der öffentlichen Tarife.
4. Kann der Bildung des gerechten Preises auch schlechter Wille entgegenstehen. Wenn er angetroffen wird, wird rücksichtslos durchgegriffen werden. Allerdings hat der Reichskommissar den lebhaften Wunsch, seine Arbeit auf freiwillige Einsicht aller beteiligten Wirtschaftskreise aufzubauen.
Deshalb bittet Dr. Gördeler von vornherein darum, keine unbilligen Erwartungen an seine Tätigest zu knüpfen.
Dann betonte Dr. Gördeler noch die wich- tigeAufgabe, die innerhalb der Preissenkungsaktion der deutschen Hausfrau zufällt. Sie bittet er um ihre besondere Mithilfe. Man solle sich nicht scheuen, aus einem Laden herauszugeben, ohne einen Kauf getätigt zu haben, wenn Ware oder Preis nicht zusagen. Um der Hausfrau die Prüfung zu erleichtern, rvürde unver-
dem (Selbe mache. Es wäre auf alle Fälle unvorsichtig, angesichts der wechselnden Ereignisse im Wirtschaftsleben eines Landes fetzt endgültige Vor- aussagen zu machen und noch unvorsichtiger, jetzt die Zahlungsfähigkeit Deutschlands festlegen zu wollen. Allein diese Feststellung müsse genügen, den Untersuchungsausschuß daran zu hindern, sich von den durch den Poungplan festgelegten Richtlinien zu entfernen. . -
Frankreichs Voraussetzungen für eine Revision der
Tribute.
Set pteiskommissat übet feine Ausgabe Gördeler will kein Wunder-Dottor fein. — Oie deutsche Haus ftau mutz mithelfen, wenn die Preise fallen sollen.
Es ist bemerkenswert, daß in dem Augenblick, in dem die Nationalsozialisten in Hessen sich Mühe geben, das Zentrum für eine praktische Regierungsgemeinschaft zu gewinnen, • einer ihrer Führer,' Hauptmann Göring, dem Korrespondenten des römischen Messagero den Reichskanzler Brüning und die Deutsche Zentrums-Partei in einer ganz unglaublichen Weis« be« , schimpft hat. Man muß die Aeußerungen Görings geradezu als unwürdig bezeichnen.
Der Kanzler selber hat neuerdings den Berliner Auslandssournalisten erklärt, Aeußerungen nationalsozialistischer Führer könne die Reichsregierung nur immer wieder versichern, daß sie bei aller Sorge, mit der sie das Umsichgreifen des Radikalismus verfolge, die Zügel fest in der Hand halte.
Wenn im Ausland Sorge wegen des Anwachsens des Nationalsozialismus bestehe, so solle man sich darüber klar fein, daß daran die weltwirtschaftlichen Verhältnisse und die politischen Zwangsläufigkeiten der Vergangenheit einen mindestens öOprozentigen Anteil hätten. Er fei überzeugt, daß die Welt mit einem Schlag die Gefahr des Nationalsozialismus beseitigen könne, wenn sie Deutschland so helfen würde, wie es seines Erachtens auch vom menschlichen Standpunkt aus notwendig wäre.
Bei der Erläuterung, die der Kanzler dann zu der neuen Notverordnung gab, sagte er einleitend, daß Darlegungen über diese Maßnahmen in einem Kreise von Vertretern ausländischer Blätter vielleicht umsomehr interessieren würden, als bei einem Fortschreiten der Weltkrise Deutschland sicherlich nicht das einzige Land bleiben werde, das zu ähnlichen Maßnahmen werde greifen müssen. Man kann, so führte er aus, die Deflation über einen gewissen Punkt hinaus nicht fortsetzen, weil sonst ein Wettrennen zwischen den gesenkten Preisen, Löhnen und Gehältern auf der einen Seite und den sinkenden Staatseinnahmen auf der anderen Seite entstehen würde.
Mit starker Betonung widersprach der Reichskanzler der Behauptung, daß die deutsche Regierung Staatskapitalismus oder Planwirttchast betreibe. Ihre Absicht sei lediglich, eine Verkrampfung der Wirtschaft zu vermeiden, die zu Staatswirtschaft oder Planwirtschaft führen könnte. Dieser Erklärung fügte der Kanzler hinzu, daß die deutsche Regierung, wenn sie auch in gewisser Weise auf die Vorgänge sti England sich habe umstellen müssen, nicht beabsichtige, Dumping zu betreiben.
Ueber die Reparationsfrage sagte Dr. Brüning u. a.: „In dem Augenblick, wo Deutschland nichts mehr geliehen bekommt und die Reparationen durch Warenüberschuß bezahlen muß, werden die Reparationszahlungen entweder die ganze Weltwirtschaft durcheinanderbringen,, oder es wird sich die Unmöglichkeit der Zahlungen erweisen. Meine Hoffnung ist", so schloß der Reichskanzler, „daß die Welt, wenn sie alle Systeme durchprob'ert haben wird, sich zu einer großzügigen Lösung wird entschließen müssen."
kein Empfang Hitlers durch den Reichspräsidenten.
CNB. Berlin, 11. Dez. (Eig. Meld.) Zu der Meldung eines Berliner Morgenblattes, wonach Adolf Hitler heute vom Reichspräsidenten empfangen werden soll, erfahren wir von unterrichteter Seite, daß ein solcher Empfang nicht beabsichtigt ist, und daß Hitler auch kein derartiges Ersuchen gestellt hat.
Mit den Finanzministern der Länder fet. er einig, daß auch die Länderetats ausgeglichen werden müßten. Die dazu notwendigen Maßnahmen seien bei den Ländern in Vorbereitung. Auch Länder hätten bereits starke Sparmaßnahmen ergriffen. Die Lage der Gemeinden ist vor allem durch die hohe Belastung mit den Ausgaben für die Wohlfahrtserwerbslosen sehr schwierig geworden. 230 Millionen stellt das Reich dazu zur Verfügung. „Wir hatten den Gemeinden die Erhöhung oder Neueinführung von Reaisteuern gesperrt. Wir werden davon jetzt Ausnahmen machen. Es handelt sich dabei um Gemeinden, die bisher keine oder nur geringe Realsteuern hatten, weil sie sie früher nicht brauchten. Diesen Gemeinden soll jetzt die Realsteuererhebung bis zum Durchschnittssatz des betreffenden Landes gestattet werden. Mit der Arbeitslosenversicherung werden wir durchkommen. Bei der Krankenversicherung wird es keine großen Sorgen geben. Die Invalidenversicherung bereitet uns Sorge, weil die Flüssigmachung Reserven schwierig ist. Aehnlich liegt es bei
Im Zusammenhang mit der Verschlechterung Wirtschaftslage ist das A uf k o m m e n aus der Ein- kommen- und Körperschafts steuer sehr zurückgegangen. Seit 1928 ist das Aufkommen aus der Einkommensteuer um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Wir haben durch Krisensteuer und andere Maßnahmen einen Ausgleich versucht. Die Einkommensteuerbelastung geht heute stellenweise über 50 Prozent und trotzdem ist das Aufkommen stark rückläufig. Die Bürgersteuer wird erkleckliche Beträge ausmachen, so daß damit die Gemeinden eigentlich auskommen müßten. Die Körperschaftssteuer wird angesichts der Entwicklung der Wirtschaft ganz wesentliche Mindererträge
Der deutsche Etat in Basel.
Frankreichs Abneigung gegen endgültige Regelung der Reparationsfrage.
Der Sonderausschuß der BIZ. begann am Donnerstag mit der Beratung des, deutschen Reichshaushaltes. Graf Schwerin von Krosigks der Vertreter des Reichsfinanzmini- teriums, legte die Struktur und die Entwicklung les deutschen Reichshaushalts dar. dessen klare und eingehende Abfassung einen starken Ein- »ru.rf auf die Mitglieder machte. Kro- igk erläuterte auch, wie infolge der katastrophalen Wirtschaftslage, der steigenden Arbeitslosigkeit und >er fortschreitendene Verarmung die Einnahmen >es Reiches eine starke Verminderung erfuhren, und daß im nächsten Jahre noch mit weiteren Einnahmerückgängen gerechnet werden müsse, wenn nicht eine durchgreifende Aenderung eintritt.
In einer Baseler Meldung befaßt sich die halbamtliche französische Nachrichtenagentur Havas mit diesen Ausführungen Dr. Melchiors und betont,. daß die Erklärungen des deutschen Vertreters über die Handelsbilanz des Reiches die ranzösische Auffassung rechtfertigten, daß der Augenblick schlecht gewählt sei, die endgültige Zahlungsunfähigkeit Deutschlands erneut festzustellen. Die Ausführungen Dr. Melchiors hätten gezeigt, daß Deutschland noch mehr als jedes andere Land in der Unsicherheit über die Zukunft feiner Wirtschafts- und Finanzlage lebe Unter diesen Umständen sei man umso berechtigter, in bezug auf die Reparationen keine Maßnahmen zu ergreifen, die sich früher oder später als ungenügend oder leichtfertig Herausstellen würden. Der außenpolitische Berichterstatter des „Excelsior". Marcella Pays, betont, daß die Erklärungen Dr. Melchiors insofern zu Bedenken Anlaß geben, als aus ihnen deutlich hervorgehe, baß Deutschland sich selbst wehre, ohne baß man wisse, was es mit
Die „Mittelrheinische Volkszeitung", das Binger Zentrumsblatt, bringt einen Auszug der von den Nationalsozialisten dem Zentrum gestellten Bedingungen. Das Blatt schreibt u. a. wie folgt:
Was zen die zwölf Punkte?
Hera, tzung der Abgeordnetenziffer des Landtages auf 30, Abschaffung aller Staatsräte (was schon seit beinahe zwei Jahren geschehen ist; denn alle hessischen Staatsratsstellen find abgeschasft oder auf den Inhaber gesetzt).
Kürzung der Ministergehälter auf 12 000 Mk. (was durch die letzten hessischen Verordnungen inzwischen praktisch durchgeführt ist).
Ferner verlangen die zwölf Punkte die christ- Ache Schule (also Abschaffung der Simultanschule).
Entfernung aller Parteibuchbeamten, die keine Vorbildung haben und Abschaffung der Ministerpensionen und der Höchstpensionen über 12 000 Mk. (was der Reichstag inzwischen beschlossen hat).
Soweit ließe sich über die Punkte reden, aber wir hören von weiteren: In Hessen soll es nur noch einen Minister geben, aber diesen einen allein maßgebenden Mann wollen die Nationalsozialisten stellen. Auf dem «gleichen Standpunkt stand schon vor zehn Jahren der S o- zial'd emo trat Ulrich, aber das Zentrum hat sich gehütet, den Sozialdemokraten den Staat auszuliefern. Da dieser Minister nach der hessischen Versasfung und nach der besonderen Lagerung der hessischen Verhältnisse unabsetzbar ist, bedeutete die Erfüllung dieser Forderung eine bedingungslose Auslieferung Hessens an die Nationalsozialisten. Dazu kann das Zentrum die Hand nicht bieten.
Ferner fordern die Nationalsozialisten, daß Hessens Berliner Gesandtschaft In eine Vertretung umgewandelt wird. Wir kleben nicht am Namen; aber ganz untragbar ist das Verlangen, daß Hessen im Reichsrat die Politik der nationalen Opposition mitmachen soll. Man will also dem hessischen Zentrum zumuten, dem Kanzler Brüning in den Rücken zu fallen. Das ist unsinnig, das ist unmöglich!
Zum Schluß drohen die Nationalsozialisten, abermals Neuwahlen vorzunehmen, wenn das Zentrum diese Bedingungen ablehnt. Nun — da kennen die Neulinge die Verfassung nicht.
Die Bedingungen sind so, daß sie in allen Teilen, die Vereinfachung und wirkliche Ersparnisse bringen, von uns ohne weiteres anerkannt werden können. Aber mit aller Energie müssen wir zu den zuletzt angeführten Zumutungen „nein“ sagen.
gen durch öffentliche Abgaben usw. , _
feit dieses Punktes liegt nur in der Möglichkeit, alt-
Zentrum, Httler und Hessen.
DieAntwort des Zentrums aus die 12 Punkte der Nationalsozialisten
Die französische Regierung hat die Vereinigten Staaten, einer Reuterrnelbung aus Washington zufolge, davon uyterrichtet, baß Frankreich einer Revision der Tribute nur bei entsprechen- Herabsetzu ng der Kriegsschuld zustimmen werde. .. . :
züglich die Anbringung von Pre isv er zelch- nifsen angeordnet werden, soweit sie nicht schon örtlich vorgeschrieben sei. Bei dieser Gelegenheit sprach Dr. Gördeler auch die dringende Bitte aus, ruhig hie für bas Weihnachtsfest geplantenEinkäufe zu tätigen, da auf vielen Gebieten die Preisgestaltung schon ganz von selbst stark heruntergegangen sei. Das gelte vorzugsweise für Textilien und Sckuhwaren.
Aus Dietrichs Rede.
Nach der Schilderung der finanziellen Lage des Reiches wandte. sich der Reichsfinanzmimster in seiner Rede im Haushalts-Ausschuß den Finanzen der Länder und der Gemeinden zu. . - - 1
Vorahs' Standpunkt.
mtb. Washington, 11. Dez. (Eig. Meld.) Sena, tor Borah erklärte sich gegen die Verlän- gerung des Hoover-Moratoriums und gegen eine Revision der Kriegsschulden auf Grund der Zahlungsfähigkeit, da eine solche Neuregelung angesichts der gegenwärtigen Politik Europas auf eine allgemeine Streichung der Schulden hinauslaufen würde.
*
Präsident Hoover hat eine außenpolitische Sonderbotschaft an den Kongreß gerichtet, m der er die Ratifizierung des Schuldenfeierlahres bis zum 15. Dezember fordert und u. a. feststem, daß weitere einstweilige Neuregelungen infolge der schwierigen Lage einiger Schuldnerländer unausbleiblich fein werden. Trotz heftiger Gegniwehr der Opposition scheint die Annahme des Schuldenfeierjahres gesichert.
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ENB. Berlin, 11. Dez. (Eig. Meld.) Oberbürgermeister Dr. Gördeler hat sich heute vormittag der Presse in seiner neuen Eigenschaft als Preis- kommisfar für die Preisüberwachung vorgestellt. Er betonte, daß er sich vollkommen über die Schwierigkeiten seiner Aufgabe klar sei und' es mit aller Entschiedenheit ablehne, etwa als Wunderdoktor empfangen zu werden. Er sei nicht Preissenkungskommissar, sondern Reichs- kommissar für Preisüberwachung. Die Aufgabe sei, zu überwachen, daß die verbilligend wirkenden Bestimmungen der Notverordnung restlos und pünktlich durchgeführt werden, und daß die Preise, bis sie beim Verbraucher münden, gerecht sind. Der Verbraucher solle die Gewähr haben, daß mit unerbittlicher Gerechtigkeit alle Faktoren der Preisbildung überprüft sind, und daß, was er zu bezahlen hat, wirtschaftlich gerechtfertigt ist, — nicht mehr und nicht weniger.
Weiter unterstrich Dr. Gördeler, daß nicht an eine Rückkehr in die Zeiten der Kriegs- und Nachkriegswirtschaft gedacht fei. Seine Aufgabe bestehe nicht in Zwangs wirtschaft irgendwelcher Art. Die deutsche Volkswirtschaft steht, fuhr Dr. Gördeler fort, vor zwei Möglichkeiten, entweder, trotz aller Vorgänge möglichst den Anschluß an den Weltmarkt zu behaupten, das ist nur möglich durch denkbar niedrige Preise, die in Basel bereits als Hungerpreise bezeichnet worden sind, oder wir müssen uns auf den Binnnenmarkt umstellen. Das bedeutet aber eine gewaltige Einschränkung der Ausfuhr. Wohin man also blickt, ist gerade unserem Volke in der gegenwärtigen internationalen Sage eine bescheidene Lebens Haltung auf-
Auf das Schreiben der hessischen national'sozia- listischen deutschen Arbeiterpartei, ist Freitag vormittag vom Vorsitzenden der hessischen Zentrums- fratiion eine Antwort übergeben worden, in der es u. a. heißt:
Die Zentrumspartei hat sich im Reich und in den Ländern, ihrem Charakter als Verfassungspartei getreu, jederzeit verpflichtet gefühlt, in Regierungen mit Parteien zusammenzuwirken, die auf der Grundlage der Versa ssung dem Wohle des gesamten Volkes dienen wollen. Die Grundgedanken aus den offiziellen Richtlinien der Zentrumspartei bleiben für uns maßgebend, auch für die Regierungsbildung in Hessen. Unsere klare und positive Grundeinstellüng macht jede weitere Erklärung über parteimäßige Voraussetzungen überflüssig.
Hinsichtlich der N. S. D. A. P. bemerken wir insbesondere: Die Zentrumspartei muß eine Zusammenarbeit mit der N. S. D. A. P. an folgende Bedingungen knüpfen, ohne deren Erfüllung weder die Verfassung gewahrt noch die öffentliche Ordnung gesichert bliebe. Die N. S. D- Ä. P. Hessens versichert öffentlich, daß sie auch während ihrer Mitwirkung in der Regierung die Legalität in all ihren Handlungen waren, allen Putschabsichten entgegengetreten und andere als die Machtmittel des Staates nicht billigen wird.
Zu den „formulierten Grundsätzen", „Zielsetzungen" und „Mindestforderungen" erklären wir folgendes: i
Die Punkte 1—10 wollen Vereinfachung und Verbilligung des Gesetzgebungs-, Re- gierungs- und Verwaltungsapparates. Das hat die Zentrumspartei im Rahmen der Verfassung jederzeit angestrebt und durch die einschneidenden Sparmaßnahmen seit Uebernahme des Finanzministeriums in 4 jähriger Tätigkeit bewiesen. Sie ist also bereit, über diese Punkte in Verhandlungen einzutreten und an ihrer Durchführung mitzuwirken, soweit nicht Vorschriften der hessischen Verfassung oder der Reichsverfassung entgegenstehen.
Die Formulierung der Artikel 37 und folgenden der hessischen Verfassung spricht nach unserer Auffassung gegen die vorgeschlagene Regelung der Stellung des Staatspräsidenten und des Ministeriums. Sollte sich gleichwohl eine Regelung dieses Vorschlages ermöglichen lassen, die mit der hessischen Perfassung in Einklang gebracht werden kann, so würde eine solche Neuerung in der staatsrechtlichen Machtstellung auch Folgerungen haben müssen hinsichtlich der zu ernennenden Persönlichkeit. Der Staatspräsident müßte dann parteipolitisch unabhängig sein.
Bezüglich der Schulfragen verweisen wir auf die Richtlinien der Deutschen Zentrum spartei. In ihnen heißt es u. a.:
„Die deutsche Kulturpolitik muß auf die Erneuerung und Festigung der geistigen und sittlichen Volksgemeinschaft abzielen. Die Kultur des deutschen Volkes wurzelt in ber chrift- ßichen Religion. Die Zentrumspärtei will die'
bringen.
Bei den indirekten Steuern sind wesentliche Erhöhungen vorgenommen worden. Bei der Zigarette war es zu einer Ueberbefteuerung gekommen, die nicht ausrecht erhalten werden konnte. Nach der letzten starken Erhöhung der Sier ft euer hat sich gezeigt, daß Mim dereinnahmen die Folge waren, wobei allerdings auch die verschlechterte Wirtschaftslage als Ursache des Konsumrückganges berücksichtigt werden muß.
Die B e a m t e n b e s o l d n n g ist durch die verschiedenen Notverordnungen um über 20 Pr oz. gekürztworden. In den unteren Besoldungsgruppen hat der Beamte im Vergleich zu 1913 nur noch den Kinderzuschlag mehr als früher trotz der wesentlich teuerer gewordenen Lebenshaltung. Bei den mittleren Besoldungsgruppen ist das Durchschnittseinkommen gegen 1913 auf 96 Prozent und bei den höheren Besoldungsgruppen auf '88 Prozent gesunken. Wir haben <*n§ zu diesen harten Maßnahmen aus der Zwangslage heraus entschließen müssen, um der Gefahr ßir begegnen, daß hier oder dort die Gehälter über* Haupt nicht gezahlt werden könnten.
Freiheit und Unabhängigkeit der kirchlichen Gemeinschaften und ihren Einfluß auf das Volksleben gewahrt wissen. Den Gefahren einer geistigen und moralischen Zersetzung des Volkslebens tritt die Zentrumspärtei mit allem Nachdruck entgegen. Die Familie muß als Keimzelle der menschlichen Gemeinschaft und als wesentlichste Lebensbedingung der Kultur gesund erhalten werden. Die Erziehung des Heranwachsenden Geschlechtes zu persönlicher, beruflicher und staatsbürgerlicher Tüchtigkeit, unter voller Erhaltung der christlichen Lebenswerte, ist als Daseinsfrage des deutschen Volkes eine Hauptsorge der Zentrumspartei."
Mit diesen klaren programmatischen Forderungen ist unsere Stellung gegenüber der marxistischen Kulturauffassung sowie der Kulturauffassung anderer Weltanschauungsgruppen gegeben. Wir fügen dem hinzu, daß die Zentrumspartei grundsätzlich sowohl den Klasfenhaß tote den Rassenhaß ablehnt.
Zu der Frage der Stellung Hessens int Reichsrat stellen wir fest: '
Die Zentrumspartet tritt entsprechend ihren Richtlinien in voller Uedereinstimmung mit der gegenwärtigen Reichsregierung für einePolitik ein, die dem deutschen Volke innere und ä u ß e r e Freiheit, Zukunfts- Entwicklung und Weltgeltung schaffen und sichern wird. Daraus ergibt sich die selbstverständliche Notwendigkeit für eine hessische Regierung, d i e Außenpolitik d er Reichsregierung aktiv zu unterstützen.
Erfcheini sechsmal wöchentlich. Wochenbeilagen: „Sie Wett 4 07 tm Bild' und „Buchenblätter'. Rotationsdruck und Verlag
Jlv« A© V oer Fuldaer Actiendruckerei in Fulda. Fernrufe: Schrift-
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